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Full text of "Jahrbuch der Königlich Preussischen Geologischen Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin für das Jahr .."

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Jahrbuch 


der 

Königlich Preussischen geologischen 
Landesanstalt und Bergakademie 


Berlin 


für das Jahr 



1889 . 


Berlin. 


ln Commission bei der Simon ScHROPP’schen Hof-Landkartenhandlung 

(J. H. Neumann). 



Inhalt 


I. 

Mittlieiliingen aus der Anstalt. 

Seile 

1. Bericht aber die Thätigkeit der Königi. geologischen Landesanstalt 

im Jahre 1889 ix 

"2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1890 . . xx 
3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landes- 
anstalt über Ei’gebnisse der Aufnahmen im Jahre 1889 xxvi 

K. A. Lossen: Ueber geologische Aufnahmen auf dem Blatte Harz- 
burg XXVI 

M. Koch: Ueber Aufnahmen im Oberharz, am Osteröder -Polster- 
berger Grünsteinzug und am Bruch- und Ackerberg . . xxxiii 

W. Dambs: Ueber die Aufnahme des Blattes Wegeleben .... xxxv 
A. VON Koenbn: Ueber die Aufnahmen -westlich und südwestlich 

vom Harz xxxv 

H. Loeetz: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Schwarzburg, 

Königsee und Ilmenau xxxvii 

Scheibe und Zimmeemann: Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse 

der Aufnahmen auf dem Blatte Ilmenau XLi 

R. Scheibe: Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse der Auf- 
nahmen auf Blatt Friedrichsroda XLVU 

E. Zimmeemann: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Stadtilm und 

Plaue XLViii 

H. Proeschoedt: Ueber Aufnahmen und Revisionen im Bereich 
der Blätter Römhild, Rentwertshausen, Ostheim und Sond- 

heim Liv 

K. Oebbeke: Ueber den Abschluss der Aufnahme auf den Blättern 

Niederaula und Neukirchen LVii 

A. Dbnckmann: Ueber Aufnahmen im Gebiete des Blattes Waldeck- 

Kassel (1 : 80000) LViii 

A. LErvLA: Ueber Aufnahmen im Gebiet des Blattes Waldeck- 

Kassel (1 : 80000) Lxv 

F. BEyscHLAa : Ueber Aufnahmen im Gebiete des Blattes Waldeck- 

Kassel (1 : 80000) Lxx 

a* 


Seite 


E. Kayser: lieber Aufnahmen in der Gegend von Dillenburg und 

Marburg Lxxvn 

Holzapfel: Heber die Aufnahmen auf Blatt St. Goarshausen . Lxxix 

E. Dathe: Heber die geologischen Aufnahmen der Blätter Rudolfs- 
waldau, Friedland und Reichenbach Lxxx 

G. Bekendt: Heber wissenschaftlich neue Ergebnisse bei der Auf- 
nahme des Blattes Stettin Lxxxv 

G. Lattermann: Heber Aufnahmearbeiten auf den Blättern Ringen- 

walde und Colbitzow Lxxxviii 

M. Scholz: Heber die Aufnahmen auf der Insel Rügen .... xc 

H. Grüner: Heber die Aufnahme des Blattes Glöwen .... xcv 

4. Personal- Nachrichten c 

II. 

Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen 
Landesanstalt. 

Heber Thalbildung im oberen Werragebiet. Von Herrn H. Proescholdt 

in Meiningen. (Tafel I.) 1 

Heber einige Carbonfarne. Von Herrn H. Potonie in Berlin. (Tafel II — V.) 21 

Das Grundgebirge des Spessarts. Von Herrn H. Bücking in Strassburg i/E. 

(Tafel XIV.) 28 

Heber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines zwischen Bingen 
und Lahnstein und Weiteres über Thalbildung am Rhein, an der Saar 
und Mosel. Von Herrn H. Grebe in Trier. (Tafel XV — XVII.) . . 99 

Beiträge zur Beurtheilung der Frage nach einer einstigen Vergletscherung 
des Brocken-Gebietes. Von den Herren K. A. Lossen und F. Wahn- 
schaffe in Berlin 124 

Die Rudisten der Oberen Kreide am nördlichen Harzrande. Von Herrn 

G. Müller in Berlin. ( Tafel XVIII.) 137 

Der baltische Höhenrücken in Hinterpommern und Westpreussen. Von 

Herrn K. Keilhack in Berlin. (Tafel XXVI.) 149 

Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp. Von Herrn Th. Ebert in Berlin 215 
Der Zechstein in der Gegend von Blankenburg und Königsee am Thüringer 

Walde. Von Herrn H. Loretz in Berlin 221 

Der im Lichthof der Königl. geologischen Landesanstalt und Bergakademie 
aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln aus dem Carbon des Piesberges. 

Von Herrn H. Potonie in Berlin. (Tafel XIX— XXII.) 246 

Vergleichende Studien über die Gesteine des Spiemonts und des Bosen- 
bergs bei St. Wendel und verwandte benachbarte Eruptivtypen aus 
der Zeit des Rothliegenden. Von Herrn K. A. Lossen in Berlin . . 258 

Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit des thüringischen Keupers 
(Trematodiscus jugatonodosus). Von Herrn Ernst Zimmermann in Berlin. 

(Tafel XXVII.) ' 322 


Seite 

Beitrag zur Lössfrage. Von Herrn F. Wahnsciiaffe in Berlin .... 328 

Die Soolbohrungen im Weiclibilde der Stadt Berlin. Von Herrn G. Bekendt 

in Berlin (Tafel XXVIII.) 347 

Abhaudlnngen von ausserhalb der Königl. geologisclien 
Landesanstalt stellenden Personen. 

Die Tiefenverliältnisse der Masurisehen Seen. Von Herrn W. Ule in 

Halle a. S. (Tafel VI — X.) 3 

Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden bei Barsinghausen 

am Deister. Von Herrn C. Struckmann in Hannover. (Tafel XI — XIII.) 55 
Beitrag zur Kenntniss der in westpreussischen Silurgeschieben gefundenen 

Ostracoden. Von Herrn J. Kiesow in Danzig. (Tafel XXIII u. XXIV.) 80 
Beiträge zur geologischen Kenntniss des nordwestlichen Oberharzes, ins- 
besondere in der Umgebung von Lautenthal und im Innerstethal. Von 

Herrn Wilhelm Langsdorfp in Clausthal 104 

Ueber das Gebiss von Lepidotus Koeneni Br. und Hauchecornei Br. Von 

Herrn W. Branco in Königsberg i. Pr 124 

Untersuchungen eines Olivingabbros aus der Gegend von Harzburg. Von 

Herrn A. Martin in Bonn. (Tafel XXV.) 129 



I. 

Mittheilungen aus der Anstalt. 



1 . 

Bericht über die Tliätigkeit 
der Königlichen geologischen Landesanstalt 
im Jahre 1889. 


I. Die Aufnahmen im Gebirgslande. 

Im Gebiete des Blattes Harzburg (G. A. 56; s) wurde von i. Der iiarz. 
dem Landesgeologeu Professor Dr. Lossen die Gliederung und 
Kartirung der Granit-, Gabbro- und »Ecker- Gneiss« -Massen 
zwischen dem Ilse- und Radau - Tliale fortgesetzt. In Blatt 
Blankenburg (G. A. 56; le) wurden einige topographische und 
geologische Revisionen und Ergänzungen ausgeführt, welche durch 
die Neueinzeichnung oder Vervollständigung des Wegenetzes ver- 
anlasst waren. 

Im Ob er harz setzte Bezirksgeologe Di\ Koch die Revision 
der Aufnahmen des verstorbenen Bergraths Dr. von Groddeck 
im Bereich der Blätter Osterode , Zellerfeld und Riefensbeek 
(G. A. 55; 18 . 56; 7, is) fort und richtete seine Bemühungen be- 
sonders darauf, die Altersfolge und die Lagerungsverhältnisse der 
Schichten am Bruchberg- Acker und am Osteröder -Polsterberger 
Grünstein - Zuge klai’zustelleu. 

Am Nordrande des Harzes wurde von Professor Dr. 

Dames die im Vorjahre begonnene Aufnahme des Blattes Wege- 
leben (G. A. 56; 12 ) bis auf einen kleinen Theil in der Nordost- 
ecke und einige Revisionen zu Ende geführt. Auch kartirte der- 
selbe auf Blatt Wernigerode die Zechsteinformation von Nausen 


X 


2. Thüringen. 


zvir Herbeifülirimg der Uebereinstimmimg mit dem beuaclibarten 
Blatte Derenburg (G. A. 56; 9, lo). 

Westlich des Harzes beendete Bezirksgeologe Dr. Ebert 
die Aufnahme des Blattes Gelliehausen (G. A. 55; 35) fast voll- 
ständig. 

Professor Dr. von Koenen brachte das Blatt Göttinnen 

o 

(G. A. 55; 28) durch eine letzte Revision zum Abschluss und be- 
gann die Aufnahme des Blattes Reinhausen (G. A. 55; 34). In den 
Blättern Gandersheim, Seesen, Westerhof und Osterode (G. A,. 
55; 11, 12, 17, 18) fügte derselbe die Ergebnisse einiger neuer Auf- 
schlüsse hinzu und setzte ferner durch eine Anzahl von Orien- 
tiruugsbegehiiugeu die erste Untersuchung der Blätter Freden, 
Eimbeck, Moringen und Nörten (G. A. 55; 4, 10, I6, 22) fort. 

Nördlich des Thüringer Waldes wurde von dem Berg- 
ingenieur Frantzen im Bereiche des Blattes Creuzburg (G. A. 
(G. A. 55 ; 60) eine Revision des Muschelkalkgebietes nördlich von 
der Creuzburg -Iftaer Strasse ausgeführt und die Aufnahme des 
durch Verwerfungen sehr zerschnittenen Terrains südlich jener 
Strasse dem Abschluss nahe gebracht. 

Im Thüringer Walde wurde von dem Hülfsgeologen 
Dr. Scheibe im Gebiet der Blätter Brotterode und Friedrichsrode 
(G. A. 70; 7, 8) im Rothliegenden die Abtrennung der TuflFe von 
den übrigen Sedimenten bewirkt. Von demselben wurde sodann 
innerhalb des Blattes Ilmenau ((G. A. 70; 22) in Gemeinschaft mit 
dem Hülfsgeologen Dr. Zimmermann die Aufnahme im westlichen 
Theil des Blattes fortgesetzt, während im Anschluss au diese 
Arbeiten Laudesgeologe Dr. Loretz die Untersuchung des öst- 
lichen Theils des Blattes weiterführte. 

Die Kartiruug und Revision der Blätter Königssee und 
Schwarzburg (G. A. 70; 23, 24) wurde von Dr. Loretz in den 
durch den Zechsteiu und den Buntsandstein eingenommenen 
Theilen dieser Blätter fertig gestellt. 

Professor Dr. von Fritsch vollendete die Aufnahme des 
Blattes Remda (G. A. 70; I8) und führte eine Anzahl von Revisionen 
innerhalb der von ihm bearbeiteten Blätter Tambach, Schwarza, 
Suhl und Schleusingeu (G. A. 70; 14, 20, 21, 27) aus. 


Das au Remda westlich augrenzende Blatt Stadt Ilm ((G. A. 
70; 7 ), zu welchem eine erste Aufnahme von E. E. Schmid vor- 
lag, wurde durch Dr. Zimmermann einer vollständigen Revision 
unterzogen und druckfertig bearbeitet, so dass nunmehr eine aus 
den Blättern Stadt Ilm, Remda, Königssee, Schwarzburg, Breiten- 
bach und Gräfeuthal zusammengesetzte Lieferung (G. A. 70; 17, 18 , 
23, 24, 29, 3o) zur V eröffeutlichuiig fertig gestellt ist. 

Behufs der Vorbereitung des Abschlusses und der Veröffent- 
lichung der Arbeiten über das westlich von hier liegende Gebiet 
des inneren Thüringer Waldes wurden von Dr. Beyschlag, Dr. 
Zimmermann und Dr. Scheibe gemeinschaftliche vergleichende 
Begehungen innerhalb der Blätter Ilmenau, Masserberg, Schleu- 
siugen und Suhl ausgeführt. 

Im südlichen Thüringen nahm Bezirksgeologe Dr. Bey- 
SCHLAG zur Herbeiführung einer gleich mässigen Behandlung der 
Schichten des mittleren Keupers mit den angrenzenden Bayerischen 
Aufnahmen eine Revision auf den zur Veröffentlichung bestimmten 
Blättern Römhild, Rodach, Rieth, Heldburg und Coburg (G. A. 
70; 38, 39 , 44 , 45 , 46) vor. 

Dr. Proescholdt bewirkte eine letzte Revision des Blattes 
Rentwertshausen (G. A. 70; 31) zur Anschliessung an das ver- 
öffentlichte, nördlich angrenzende Blatt Meiningen, sowie des 
Blattes Römhild (G. A. 70; 38) und führte demnächst die Aufnahme 
der Blätter Sondheim und Ostheim weiter (G. A. 69 ; 35, 36). 

In Ost-Thüringen brachte Hofrath Professor Dr. Liebe 
die Aufnahme des Blattes W altersdorf (G. A. 7 1 ; is) unter Hülfe- 
leistuug des Dr. Zimmeemann zum Abschluss, wodurch eine aus 
diesem und den Blättern Weida, Naitschau und Greiz (G. A. 71; 
17,23, 24) zusammenzusetzende Lieferung zur Veröffentlichung fertig 
gestellt worden ist. Ausserdem setzte derselbe in Gemeinschaft 
mit Dr. Zimmermann die Untersuchung des Gebietes der Blätter 
Lobenstein, Mielesdorf und Gefell (G. A. 7 1 ; 32, 28, 34) fort. 

Im Regierungsbezirk Cassel wurden von Professor Dr. 
Kayser die Aufnahmen in der Gegend von Marburg fortgeführt 
und insbesondere der auf die Blätter Wetter, Freisbach- Caldern 
und Marburg (G. A. 68; 3, 8, 9 ) fallende Wollenberg mit seiner 
Umgebung kartirt. 


3. Die Provinz 
Hessen-Nassau, 
a) der Regie- 
rungsbezirk 
Cassel. 


XII 


b) der Regie- 
rungsbezirk 
Wiesbaden. 


4. Die Rhein- 
provinz. 


Von Professor Dr. Bücking wurden die im vorigen Jahre 
nicht revidirten Theile der bereits in den Jahren 1873 bis 1876 
aufgenommenen Blätter Langenselbold, Bieber und Lohrhaupten 
(G. A. 68; 53, 54. 69 ; 49) behufs der Veröffentlichung einer Revision 
unterworfen. Demnächst wurde von demselben die für die früher 
begonnene Bearbeitung der geognostischen und bergbaulichen Ver- 
hältnisse von Bieber und die zugehörige Specialkarte erforder- 
lichen Untersuchungen ausg-eführt. 

Professor Dr. Oebbeke beendete die Aufnahme der Blätter 
Neukirchen und Niederaula (G. A. 69; 7, s). 

Ausser diesen Arbeiten für die Specialkarte wurden im Re- 
gierungsbezirk Cassel unter Leitung von Professor Dr. Kayser 
durch Dr. Leppla und Dr. Denckmann die Untersuchungen für 
das im vorigen Jahre in Angriff genommene Blatt Waldeck-Cassel 
der geologischen Uebersichtskarte von Rheinland -Westphalen im 
Maassstabe 1 : 80000 weitergeführt und unter Hülfeleistung des 
Bezirksgeologen Dr. Beyschlag, welcher die Umgegend von 
Cassel bearbeitete, zum Abschluss gebracht. 

Im Regierungsbezirk Wiesbaden führte Professor Dr. 
Kayser die Aufnahme der Gegend von Dillenburg fort und voll- 
endete die östliche Hälfte des Blattes Dillenburg nebst Theilen 
des angrenzenden Blattes Tringenstein (G. A. 67; 18. 68; 13). 

Professor Dr. Holzapfel setzte die Aufnahme des Blattes 
St. Goarshausen (G. A. 67 ; 5i) fort und brachte sie dem Abschluss 
nahe. Derselbe begann zugleich die Bearbeitung des Blattes 
Algenroth (G. A. 67; 52 ). 

In dem linksrheinischen Theile der Rheinprovinz wurde von 
dem Landesgeologen Grebe die Revision der früher auf der topo- 
graphischen Unterlage älterer Messtischblätter bearbeiteten Auf- 
nahmen zur Uebertragung auf die Grundlage neuer Messtisch- 
blätter der Landesaufnahme fortgesetzt. Sie betreffen die Blätter 
Mettendorf (G. A. 79; 2 ), Oberweiss, Bitburg, Landscheid, Wittlich, 
Bernkastel, Neumagen, Morbach und Hottenbach (G. A. 80; 1 , 2 , 
3, 4 , 5 , 10 , 11 , 12 ). Die Revisionen dieses Gebietes wurden so weit 
abgeschlossen, dass die Veröffentlichung von 11 Blättern der 
Gegend von Trier hat in Angriff genommen werden können. 


XIII 


Ausserdem brachte Landesgeologe Grebe noch Revisionen 
in den an dieses Gebiet nördlich angrenzenden Blättern Hillburg, 
Hasborn und Alf (G. A. 66 ; 56, 58, 59), sowie in dem Nahegebiete 
und bei Saarbrücken zur Ausführung. 

In der Provinz Schlesien vollendete Landesgeologe Dr. 
Dathe die Aufnahme des Blattes Rudolfswaldau (G. A. 76; 19). 
Derselbe führte die Aufnahme des Blattes Reichenbach (G. A. 
76; 14) weiter und begann die Kartirung des Blattes Friedland 
(G. A. 75; 2i), sowie die Untersuchung der Lagerungsverhältnisse 
der Eruptivgesteine und Tuffe in dem Blatte Waldenburg (G. A. 
75; 18). 

Bergrath Schütze begann die Untersuchungen in den Blättern 
Kupferberg, Ruhbank, Schmiedeberg und Tschöpsdorf (G. A. 75; 

10, 11, 16, 19). 


II. Die Aufnahmen im Flachlande 

unter besonderer Berücksichtigung der agronomischen 

Verhältnisse. 

In dem Vorpommern’schen Arbeitsgebiet führte Landes- 6 
geologe Professor Dr. Berendt in der durch Revisionsarbeiten nicht 
beanspruchten Zeit unter Hülfeleistiing des Ciiltiirtechnikers Hü- 
BINGER und zeitweise auch des Kulturtechnikers Wölfer die Kar- 
tirung des Blattes Gr. Christiiienberg ganz und des Blattes Stettin 
zum grösseren Theile aus (G. A. 29; 33, 32 ). 

Landesgeologe Dr. Wahnschaffe bewirkte mit Hülfe der 
Cultiirtechniker Toellner und Gossner die Aufnahme der Blätter 
Podejiich und Alt-Damm (G. A. 29; 38, 39). 

Dr. Lattfrmann nahm die Kartirung des Blattes Colbitzow 
(G. A. 29; 37) in Angriff’. 

Dr. Müller begann und beendete die Aufnahme des Blattes 
Kreckow (G. A. 29; 3i). 

Im Hinterpommern’schen Arbeitsgebiet brachte Bezirks- 
geologe Dr. Keilhack unter Hülfeleistiing der Cultiirtechniker 
Pohlitz, Baldcs und Burck die Blätter Bublitz, Gramenz, 


>. Die Provinz 
Schlesien. 


. Vorpommern. 


7. Hinter 
pommern. 


XIV 


8.- Uckermark. 


9. Havelland. 


10. Priegnitz. 


11. West- 
preussen. 


12. Ost- 
preussen. 


Wurchow und Kasiinirshof (Gr. A. 31; 2, 7, 8, 9) zum Abscliluss 
und begann sodann die Aufnahme der Blätter Bärwalde, Per- 
sanzig und Neu -Stettin (G. A. 31; 13, 14, 15), von welchen die 
beiden letzteren gleichfalls fertig gestellt wurden. 

Im ückermärkischen Arbeitsgebiete brachte Landes- 
geologe Dr. Wahnschaffe mit Beihülfe des Culturtechnikers 
Toellner die Aufnahme des Blattes Hindenbiu’g (G. A. 28 ; 45) 
zum Abschluss. 

Dr. SCHROEDER vollendete die Kartirung des Blattes Wallmow 
(G. A. 28; 41). 

Dr. Beushausen führte die Aufnahme des Blattes Gramzow 
zu Ende und begann diejenige des Blattes Pencun (G. A. 28 ; 47, 48). 

Dr. Lattermann brachte das Blatt Ringenwalde (G. A. 
28 ; 57) durch Aufnahme des östlichen Theiles desselben zum Ab- 
schluss. 

Im H avelländischen Arbeitsgebiete führte Dr. Keil- 
hack eine Schlussrevision des durch den Landesgeologen Dr. 
Läufer aufgenommeuen Blattes Lehnin (G. A. 44; 39 ) unter be- 
sonderer Berücksichtigung neuer wichtiger Aufschlüsse in den 
Thongruben bei Lehnin und Michelsdorf aus. 

Dr. Beushausen stellte durch Bereisung eines seiner nassen 
Lage wegen bisher nicht zugänglich gewesenen Theiles der Blätter 
Gross -Kreutz und Brandenburg (G. A. 44; 33, 32 ) während der 
trockensten Jahreszeit diese Blätter druckfertig. 

Im Arbeitsgebiet der Priegnitz brachte Professor Dr. 
Grüner zunächst das Blatt Wilsnack (G. A. 43; 4 ) zum Abschluss 
und begann sodann die Aufnahme des Blattes Glöwen (G. A. 43; 5 ). 

Dr. Klockmann beendete die Aufnahme des Blattes Tram- 
nitz (G. A. 44 ; 2 ). 

Im Westpreussischen Arbeitsgebiet führte Professor 
Dr. Jentzsch die Bearbeitung des Blattes Riesenburg (G. A. 
33; 18) zu Ende und ging sodann auf Blatt Gross -Rohdaii über 
(G. A. 33; 12 ). 

Im Ostpreussischen Arbeitsgebiet begann und voll- 
endete Dr. Klees die Aufnahme des Blattes Gross -Schwansfeld 
und begann diejenige des Blattes Laugheim (G. A. 18; 52, 53). 

Dr. Schröder führte die Ueberarbeitung des Blattes Bischof- 


XV 


stein (G. A. 18; 58) so weit, dass zur Fertigstellung nur noch eine 
Schlussrevision erforderlich bleibt. 

Iin Arbeitsgebiet der Insel Ilügen führte Professor 13, Rügen. 
Dr. Scholz Nachträge zu den Blättern Bergen, Lubkow, Vilm- 
nitz, Middelhagen, Zickersches Ilöwt und Gross -Zicker (G. A. 

11 ; 5, 6, 8, 9, 11 , 12 ) aus und brachte dadurch diese Blätter mit Aus- 
nahme von Bergen, zum Abschluss. 


Im Laufe des Jahres sind zur Publikation gelaugt; stand der 

Publikationen. 

A. Karten. 

1. Lieferung XXXIII, enthaltend die Blätter 
Schillingen, Hermeskeil, Losheim, Wadern, 

Lebach . , 6 Blätter. 

2. Lieferung XXXVII, enthaltend die Blätter 

Altenbreitungen, Oberkatz, Wasungen, Hel- 
mershausen, Meiningen 5 » 

3. Lieferung XXXIX, enthaltend die Blätter 

Gotha, Neu- Dietendorf, Ohrdruf, Arnstadt 4 » 

4. Lieferung XL, enthaltend die Blätter Saal- 
feld, Probstzella, Ziegenrück, Liebengrüu . 4 » 

5. Lieferung XLH , enthaltend die Blätter 
Tangermünde, Jerichow, Vieritz, Scherne- 

beck, Weissewarthe, Genthin, Schlagent hin 7 » 

zusammen 26 Blätter. 

Es waren früher publicirt 206 » 

Mithin sind im Ganzen publicirt • . . 232 Blätter. 


Was den Stand der noch nicht publicirten Kartenarbeiten 
betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender: 

1. In der lithographischen Ausführung sind noch beendet: 
Lief. XLI, Westerwaldlieferung .... 8 Blätter. 

Lief. XLHI, Gegend von Marienwerder 4 » 

Lief. XLV, Gegend von Melsungen . . 6 » 

zusammen 18 Blätter. 

Die Veröffentlichung dieser Blätter wird 
binnen Kurzem erfolgen. 


XVI 


Transport 18 Blätter. 

2. In der lithographischen Ausführung begriffen 
sind : 

Lief. XLIV, Gegend von Ems .... 5 » 

Lief. XLVI, Gegend von Birkenfeld . . 6 » 

Lief. XL VII, Gegend von Heilsberg . . 4 » 

Lief. XL VIII, Gegend von Genthin . . 6 » 

Lief. XLIX, Gegend von Bieber ... 4 » 

Lief. L, Gegend von Trier 6 » 

Lief. LI, Gegend von Gemünd .... 5 » 

Lief. LII, Gegend von Halle a/S. ... 7 » 

Lief. LV, Gegend von Remda .... 6 » 

Lief. LVI, Gegend von Hildburghausen . 8 » 

3. In der geologischen Aufnahme fertig, jedoch 

noch nicht zur Publikation in Lieferungen 
abgeschlossen 122 » 


4. In der geologischen Bearbeitung begriffen . 115 » 

Summa 312 Blätter. 

Einschliesslich der publicirten Blätter in der 

Anzahl von 232 » 

sind demnach im Ganzen bisher zur Unter- 
suchung gelangt 544 Blätter. 

Ferner ist die 1. Harzlieferung, Gegend von Nordhausen, in 
2. Auflage begriffen; eine geologische Uebersichtskarte und eine 
Höhenschichtenkarte vom Thüriuo;er Wald im Maassstabe 1 : 100000 
befinden sich in der Vorbereitung. 

B. Abhandlungen und Jahrbuch. 

1. Baud VIII, Heft 4. Anthozoen des rheinischen Mittel-Devon 

von Dr. Clemens Schlüter. Mit 16 
lithographirteu Tafeln. 

2. Band IX, Heft 1. Die Echiuiden des Nord- und Mittel- 

deutschen Oligocäns von Dr. Theodor 
Ebert. Hierzu 1 Atlas mit 10 Tafeln 
und eine Texttafel. 


XVII 


3. Band IX, Heft 2. R. Caspary: Einige fossile Hölzer Prenssens. 

Nach dein handschriftlichen Nachlasse des 
Verfassers bearbeitet von R. Friebel. Hier- 
zu ein Atlas mit 15 Tafeln. 

4. Band X, Heft 1. Das norddeutsche Uuteroligocän und seine 

Mollusken-Fauna von Dr. A. von Koenen. 
Lief. I : Stroinbidae — Muricidae — Buc- 
cinidae nebst Vorwort und 23 Tafeln. 

2. Jahrbuch der Köuigl. Prenss. geol. Landesanstalt und Berg- 
akademie für 1888. CXLl und 519 Seiten Text und 15 Tafeln. 


Nach dem Berichte für das Jahr 1888 betrug die Gesammt- 


zahl der im Handel debitirteu Karteublätter 
Im Jahre 1889 wurden verkauft: 


20 628 Blätter. 


von 

Lief. I, Gegend von 

Nordhauseu 

48 Bl. 


» 

11, 

» 

Jena .... 

11 


y> 


HI, . 


Bleicherode 

13 

» 

» 

» 

IV, 

» 

Erfurt .... 

12 

>) 

» 

» 

V, » 

» 

Zörbig .... 

15 

» 

» 


VI, » 

» 

Saarbrücken 







I. Theil . . 

2 

» 

» 

» 

VII, 

» 

11. * 

2 

» 

» 

» 

VIII, » 

» 

Riechelsdorf . 

21 

» 

» 

» 

IX, » 

des Kyffhänsers 

55 

» 

» 

» 

X, » 

von 

Saarburg 

6 

» 

» 

» 

XI, » 

» 

Berlin Nordwesten 

18 

» 

» 

» 

XII, » 

» 

Naumburg a. S. . 

18 

» 

» 

» 

XIII, » 

» 

Gera 

36 

» 

» 

» 

XIV, » 

» 

Berlin Nordwesten 

20 

» 

» 

» 

XV, » 

» 

Wiesbaden 

63 

» 

» 

» 

XVI, » 

» 

Mansfeld . 

32 

» 

» 

» 

XVII, » 

» 

Triptis .... 

14 

» 

» 

» 

XVIII, » 

» 

Eisleben 

23 

» 


Jahrbuch 188y. 


409 Blätter. 

Latus 21 037 Blätter, 
b 


Debit der 
Publicatioiieu. 


XVIII 


Transport 21 037 Blätter. 


von 

Lief. XIX, Ge 

gend von Querfnrt . . . 

29 

Bl 

» 

» 

XX, 

» 

» Berlin Süden 

65 

» 

» 

» 

XXI, 

» 

» Frankfurt a. M. . 

14 

» 

» 

» 

XXII, 

» 

» Berlin Südwesteu 

55 

» 

» 

» 

XXIII, 

» 

» Ermschwerd . . 

27 

» 

» 

» 

XXIV, 

» 

» Tennstedt . 

3 

» 

» 

» 

XXVI, 

» 

» Berlin Südosteu . 

70 

» 

» 

» 

XXVII, 

» 

» Lauterberga. Har? 

32 

» 

» 

» 

XXVIII, 

» 

» Bndolstadt 

19 

» 

» 

» 

XXIX, 

» 

» Berlin Nordosten 

51 

» 

» 

» 

XXX, 

» 

» Eisfeld in Thür. 

36 

» 

» 

» 

XXXI, 

» 

» Limburg . 

71 

» 

» 

» 

XXXII, 

» 

» Gardelegen . 

30 

» 

» 

» 

XXXIV, 

» 

» Liudow 

6 

» 

» 

» 

XXXV, 


» Bathenow 

10 

» 

» 

» 

XXXVI, 

» 

» Hersfeld . . . 

27 

» 

» 

» 

XXXVII, 

» 

» Meiuiuoreu 

263 

» 

» 

» 

XXXVIII 

?» 

» Stendal 

31 

» 

» 

» 

XXXIX, 

,» 

» Gotha .... 

204 

» 

» 

» 

XL, 

» 

» Saalfeld in Thür. 

254 

» 

» 

» 

XLII, 

» 

» Taugermüiide 

231 

» 


1528 

so dass im Ganzen durch den Verkauf deliitirt sind: 22 565 Blätter. 
Von den sonstigen Pnblicationen sind verkauft worden: 


A b b a n d 1 n n g e n. 

Baud I, Heft (Eck, Bttdersdorf) 2 Exempl. 

» » » 2. (Schmidt, Kenper des östlichen 

Thüringens) 1 » 

» » » 4:. (Meyn, Insel Sylt) 3 » 

» II, » 3. (Berendt, Umgegend von Berlin) 9 » 

» » » 4. (Kayser, Devon- Ablagerungen) . 1 » 

» III, » 2. (Läufer u. Wai-inschaffe, Boden- 

uutersucbungeu) 1 » 


xrx 


\ 


Band III, Heft 3. (Meyn, Schleswig -Holstein) ... 9 Exempl. 

» IV, » 2. (Koch, Honialonotus- Arten) ... 1 » 

» V, » 2. (Weiss, Steinkohlen-Calainarien) . 4 » 

» » » 3. (Läufer, die Werder’sclien Wein- 
berge) .2 » 

» » » 4. (Liebe, Schichtenanfban Ost-Thü- 
ringens) 1 » 

» VI, » 1. (Beushausex, Oberharzer Si)iriferen- 

sandstein) 2 » 

» » » 3. (Noetling, Fauna des sainländ. 

Tertiärs) 1 » 

f » VII, » 2. (Berendt, Märkisch -Ponunersches 

Tertiär) 1 » 

» VII, » 3. (Felix, Weiss, Potonie, Carbon- 
pflanzen) 3 » 

» » » 4. (Branco, Lepidoten) 2 » 

» VIII, » 1. ( Oeologische Karte von Berlin und 

Umgegend) 18 » 

» » » 2. (Denckmann, Umgegend V. Dörnten) 2 » 

» v> » 3. (Frech, Umgegend von Haiger) . 3 » 

» » » 4. (Schlüter, Anthozoen) .... 45 » 

» IX, » 1. (Ebert, Echiniden) 45 » 

» » » 2. (Caspary', Fossile Hölzer) ... 45 » 

» X, » 1. (von Koenen, Unter-Oligocän) . . 31 » 

F erner : 

Jahrbuch für 1884 2 Exempl. 

» » 1887 3 » 

» » 1888 30 » 

Weiss, Flora der Steinkohleuformation 27 » 

Lossen, Geognostische Uebersichtskarte des Harzes 18 » 

» Höhenschichtenkarte des Harzes .... 4 » 


h* 


XX 


2 . 

Arbeitsplan 

für die geologische Laiidesanfiiahine 
ini Jahre 1890. 

I. Der Harz und seine Umgebung. 

Professor Dr. Lossen wird die Aufnahme des Blattes riarzl)urg 
(G. A. 56;s) und die petrographisch- geologische Untersuchung 
des Brockeiigebietes fortsetzen. 

Bezirksgeologe Dr. Koch wird zunächst die Untersuchung 
des Bruch- und Ackerberges und des südöstlich augreuzeudeu 
Gebietes und nach deren Abschliessuug die Revision der Blätter 
Seesen, Osterode, Zellerfeld und Riefensbeek weiterführen (G. A. 
55; 12 , 18 . 56; 7, 13 ). 

Westlich des Harzes wird Professor Dr. Kloos die Auf- 
nahme des Blattes Lamspringe und des nicht hercynischen Theiles 
des Blattes Hahausen in Angriff nehmen (G. A. 55; 5 , g). 

Professor Dr. von Koenen wird die Untersuchung des 
Gebietes der Blätter Eimbeck, Gandersheim, Moringen, Westerhof 
und Nörten, sowie des westlichen Theils des Blattes Lindau 
(G. A. 55 ; 10, 11, IG, 17 , 22, 23) fortsetzen. 

Bezirksgeoloo-e Dr. Ebert wird die Kartirnuo: des Blattes 

00 O 

Gelliehausen (G. A. 55; 35 ), welche fast vollendet ist, abschliesseii 


XXI 


und diejenige des östlichen Theils des Blattes Lindau (G. A. 55; 2 s) 
in Angrifi' nehmen. 

Zur Untersuchung des Zusammenhanges zwischen dem geo- 
logischen Bau des Harzes und den in demselben wahrgenommeneu 
besonderen erdmagnetischen Erscheinungen wird Dr. Eschenhagen 
an einer Anzahl in Gemeinschaft mit dem Landesueologen Professor 

ö O 

Dr. Lossen auszuwählender Punkte Beobachtungen zur weiteren 
Erforschung jener Erscheinungen austeilen. 

II. Thüringen. 

Bergingenieur Frantzen wird die Arbeiten zur Revision des 
Jflattes Creuzburg (G. A. 55; 60 ) und des nördlichen Theils des 
Blattes Eisenach (G. A. 69; 6) weiterführeii. 

Bezirksgeologe Dr. Beyschlag wird die im Vorjahre nicht 
zur Ausführung gelaugte Schhissrevision des Blattes Eisenach in 
dessen mittlerem und südlichem Theile fertig zu stellen suchen. 

Dr. Leppla wird, soweit ihm übertragene anderweitige Auf- 
gaben ihm Zeit lassen werden, die älteren Aufnahmen der Blätter 
Langula, Langensalza und Henningsleben zu revidiren beginnen 
(G. A. 56; 49 , 50 , 56 ). 

Im inneren Thüringer Walde werden Landesgeologe Dr. 
Loretz, Dr. Scheibe und Dr. Zimmermann au der Untersuchung 
des Blattes Ilmenau (G. A. 70; 22 ) Weiterarbeiten. Zur Ver- 
gleichung der hier erlangten Ergebnisse mit den Verhältnissen 
insbesondere des Rothliegenden und seiner Eruptivgesteine und 
Tuffe in den benachliarten Blättern werden die Genannten in 
Gemeinschaft mit dem Bezirksgeologen Dr. Beyschlag Begehungen 
der Gegend von Tambach, Schwarza, Suhl und Schleusingen vor- 
nehmen (G. A. 70; 14, 20 , 21 , 27 ). 

Dr. Zimmermann wird ausserdem noch in den Blättern Cra- 
winkel und Plaue (G. A. 70; 15 , le) und Dr. Scheibe in dem 
nordöstlichen Theil des Blattes Tambach (G. A. 70; 14 ) eine ge- 
naue Revision ausführen. 

Professor Dr. von Fritsch wird den von ihm bearbeiteten 
südöstlichen Theil des Blattes Tambach, sowie die Blätter Schwarza, 


XXII 


Suhl und Schleiisiiigou iiuter Beihülfe des Bezirksgeologen Dr. 
Beysciilag mit Rücksicht auf die Zusaminenfiissuna: mit den 
übrigeu Blätteru des Thüringer Waldes zu einer üebersichtskarte 
im Maassstabe 1 : 100000 einer Schlussredaction unterziehen. 

Im östlichen Thüringen wird Ilofrath Professor Dr. Liebe 
die Aufnahme der Blätter Schleiz, Mielesdorf, Schönbach und 
Lobenstein weiterführen (G. A. 71; 27, 28, 29, 32). Ausserdem wird 
derselbe unter ITülfeleistnng des Dr. Zimmermann eine specielle 
Untersuchung des oberen Rothliegenden und des unteren Zech- 
steins, sowie gewisser cambrischer Schiefer innerhalb der Blätter 
Weida, Waltersdorf und Naitschau (G. A. 71 ; 17, 18, 23) vornehmen. 

Dr. Proesciioldt wird die Untersnchnng der Blätter Sond- 
heim und Ostheim (G. A. 69; 35, 3g) fortsetzen. 

III. Provinz Hessen -Nassau. 

a) Regierungsbezirk Cassel. 

Im Regierungsbezirk Cassel wird Professor Dr. Kayser 
die Aufnahmen in den Blättern der Umgebung von Marburg 
weiterführen. 

Dr. Denckmann wird die Bearbeitung der Blätter Fritzlar, 
Frankenau, Kellerwald, Borken, Felsberg und Homberg (G. A. 54; 
54, 58, 59, GO. 55; 49, öö) im Maassstabe 1 : 25000, unter Zugrunde- 
leenng; der für die Section W aldeck - Cassel bewirkten Aufnahme 

O O 

im Alaassstabe 1 : 80000, in Angrifi' nehmen. 

Professor Dr. Bücking wird die Untersuchung des Gebietes 
der Blätter Neuswarts, Kleinsassen und Hilders fortsetzen (G. A. 
69; 22, 28, 29). 

b) Regierungsbezirk Wiesbaden. 

Im Reofiernnfisbezirk Wiesbaden wird Professor Dr. 

Ö O 

Kayser die Aufnahme der Blätter der Umgegend von Dillenburg 
lind Herborn weiterführen. 

Professor Dr. Holzapfel wird die Aufnahme des Blattes 
St. Goarshansen (G. A. 67 ; 5i) zum Abschluss bringen uud die- 
jenige des Blattes Algenroth fortsetzen (G. A. 67 ; 52). 


XXIII 


IV. Rheinprovinz. 

In der lllieinproviuz wird Laudesgeologe Grebe die Ar- 
beiten für die Uebertragung seiner Aufnahmen in der Gegend 
nordöstlich und östlich von Trier auf die von der Königlichen 
Landesaufnahme hergestellten neuen Messtischblätter zu beenden 
suchen. 

In dem Nahegebiet wird Dr. Leppla die bisher vorliegenden 
Untersuchungen der Eruptivgesteine und Tutfbildungen des Ivoth- 
lieixendeu einer vera;leicheuden Revision unter Zimrundele^uun;' 
der bei der Landesanstalt neuerdings nach den Vorschlägen Prof. 
Dr. Lossen’s eingeführten Classification unterziehen und dabei 
von dem Landesgeologeu Grebe unterstützt werden. 

Professor Dr. Lossen wird sich zeitweilig bei dieser Revision 
betheiligen. 


V. Provinz Schlesien. 

Landesgeologe Dr. Datiie wird die Aufnahme der Blätter 
Freiburg, Waldenburg, Friedlaud und Reichenbach (G. A. 75 ; 12, 
18, 21. 76 ; u) weiterführen und insbesondere die Verhältnisse der 
Conglomeratporphyre auf den Blättern Waldenlmrg und Char- 
lottenbrunu, sowie die specielle Gliederung des Cuhn zu Gegen- 
ständen seiner Untersuchungen machen. 

Bezirksgeologe Halpar wird die Aufnahmen des Blattes 
Ruhbank (G. A. 75 ; 11) beginnen. 

VI. Das Aufnahmegebiet des Flachlandes. 

a) Uckermärkisch-Vorpoinmersches Arbeitsgebiet. 

Landesgeologe Professor Dr. Berendt wird in der durch 
Revisionen nicht in Anspruch genommenen Zeit unter zeitweiser 
Zuziehung des Culturtechnikers Wölfer das Blatt Stettin (G. A. 
29 ; 32) zum Abschluss bringen und demnächst das Blatt Schwedt 
(G. A. 28 ; 60) in Angriff nehmen, bei dessen Bearbeitung Cultur- 
techniker BaldüS Hülfe leisten wird. 


XXIV 


Lanclessreolofie Dr. Watinschaffe wird mit Hülfe des Cultur- 
technikers Gossner und in der ersten Hälfte des Sommers auch 
des Culturtechnikers Baldus die Blätter Podejuch und Alt-Damm 
(G. A. 29; 38, 39) abschliessen. Daneben wird derselbe die Aus- 
bildung des neu eingetretenen Culturtechnikers Reimann über- 
nehmen. 

Dr. Müller wird nach einer Scblnssbejrehuna: des Blattes 
Kreckow (G. A. 29; 3i) die Anfnahme des Blattes Löcknitz (G. A. 
28; 36) bewirken und demnächst eventuell auf Blatt Polssen 
(G. A. 28 ; 52 ) übergehen. 

Dr. Lattermann wird die Anfnahme des Blattes Colliitzow 
(G. A. 29; 37 ) zu Ende führen und demnächst Blatt Hohenholz 
(G. A. 28 ; 42 ) bearbeiten. 

Dr. Beushausen wird Blatt Greifenhagen (G. A. 29; 43) auf- 
nehmen nnd nach Beendigung dieses und des Blattes Pencun 
(G. A. 28 ; 48) die Bearbeitung der Blätter Passow und Cunow 
beginnen (G. A. 28; 53, 54). 

Dr. Schröder wird nach Fertigstellung der von ihm be- 

o O 

arbeiteten ostprenssischen Blätter (s. unten) die Anfnahme der 
Blätter Greitfenberg i. Uck., Angermünde (G. A. 28; 58, 59), Gross- 
Ziethen und Stolpe (G. A. 45; 4, 5) in Angrilf nehmen. 

b) Arbeitsgebiet der Insel Rügen. 

Professor Dr. Scholz wird zunächst das Blatt Bergen (G. A. 
1 1 ; ö) vollenden nnd alsdann durch Bearbeitung der Blätter 
Altenkircheu, Rappin und Zudar (G. A. 11; 1 , 2 , lo) die Aufnahme 
der östlichen Hälfte der Insel zum Abschluss zu bringen suchen. 

c) Hinterpommersches Arbeitsgebiet. 

Bezirksgeologe Dr. Keilhack wird mit Plülfe der Cultur- 
techiiiker Pohlitz und Bürck die Blätter Gr. -Voldekow und 
Bärwalde (G. A. 31 ; 1 , 1 . 3 ) fertig stellen nnd demnächst auf die 
nördlich an die bisher dort bearbeiteten Blätter angrenzenden 
Blätter Kösternitz, Alt-Zowen, Pollnow, Klanin, Knrow, Sydow 
(G. A. 14; 28, 29, 30, 34, 35, 3g) übergehen. 


XXV 


tl) Westpreussisches A rlj e i tsg eb iet. 

Professor Dr. Jentzsch wird zunächst das Blatt Gr.-Rhodau 
(G. A. 33; 12 ) zum Abschluss bringen und sodann die Aufnahme 
der Blätter Niederzehren und Freistadt beginnen (G. A. 33 ; 2 : 5 , 24 ). 

e) O s t p r e u s s i s c h e s Arbeitsgebiet. 

I)r. Klebs wird die Aufnahme des Blattes Langheim (G. A. 
18; f)H) vollenden und alsdann die Blätter Dönhofstädt und Lam- 
garben bearbeiten (G. A. 18; 48, 54). 

Dr. SciiKÖDER wird das Blatt Bischofstein fertigstellen und 
demnächst die Blätter Rössel und Ileiligelinde durch Begehung 
auf Grund der neuen topographischen Grundlage zum Al)schluss 
bringen (G. A. 18; 58, 59, 60). 

f) Arbeitsgebiet der Priegnitz. 

Professor Dr. Grüner wird nach Fertigstellung des Blattes 
Glöwen (G. A. 43; 5 ) die Bearbeitung des Blattes Demertin 
(G. A. 43; 6) ausführen. 

Dr. Klockmann wird das von dem Landeso-eologen a. D. 
Dr. Läufer seiner Zeit zu einem Theile aufgenommene Blatt 
Kyritz (G. A. 44; 1 ) fertig stellen und sodann auf Blatt Lohm 
(G. A. 43; 12 ) übergehen. 

g) Mittelmärkisches Arbeitsgebiet. 

Landes< 2 :eoloo:e Dr. Wahnsciiaffe wird nach Abschluss der 

O O 

Arbeiten in den Blättern Podfyuch und Alt-Damm die Aufnahme 
der Blätter Prötzel, Möglin, Trebbin, Straussberg, Müncheberg 
und Trebnitz beginnen (G. A. 45; 22 , 23, 24, 28 , 29, 30 ). 


XXVI 


3. 

Mittheilungen 

der Mitarbeiter der Königlielieii geologisclieu 
Laiidesaiistalt über Ergebnisse der Aiifiialiuieii iin 

Jahre 1889. 


Mittheiliing des Ilerru K. A. Lossen über geologische 
Aufiialiineu auf dem Blatte Harzburg. 

Der vorjährige Bericht hat eingehendere Bemerkungen über 
die Gliederungsfähigkeit desEckergneisses nach petrographischen 
und geologischen Gesichtspunkten gebracht. Es wurde diese 
Gneiss-Eormation als eine besonders deutlich krystalliuische Um- 
waudlungspoteuz der Oberharzer Culm- Schichten innerhalb der 
Contactzone um Granitit und Gabbro erkannt. Als ein zumal 
beweiskräftio;er Umstand für diese Deutuno; wurde unter Anderem 
hervorgehoben, dass mitten zwischen den Gneiss- Gesteinen echte 
Schiefer- nnd Grauwackenhornfelse als Glieder ein und derselben 
geschichteten Formation im allerengsten Verband Vorkommen. 
Nach den fortgesetzten Untersuchungen kann hinzugefügt werden, 
dass in dem Forstfahrwege, der sich in halber Höhe des west- 
lichen Ecker -Ufers durch den Diebesstieg zieht, zwischen den 
schieferigen Eckergneissen (Thon- und Grau wackenschiefer- 
Aequivalenten) auch Fleck- oder Knoteuschiefer beobachtet 
wurden, welche morphologisch durch den Gegensatz zwischen den 
Knoten und der lichter gefärbten Schiefermasse an die ei’ste Um- 


XXVII 


Wiindlungspoteiiz der Tlioiiscliiefer in den Contactzoneu der 
Enirranite erinnern und auch mineralisch durch das Vorwalten 

o 

von lichtem Glimmer vor Biotit neben Chlorit sich dieser Potenz 
annähern, während ihre krystalliuische Ausbildung doch die des 
gewöhnlichen Knotenschiefers übertritft. 

Die körnigen Eckergneisse (Granwaeken- Aeqnivalente) 
längs desselben Forstweges lassen örtlich deutlich erkennen, dass 
echter Granit, der znm Theil Turmalin führt, in ganz schmalen 
Trümchen oder Aederchen innig mit ihrer Gesteiusmasse, schein- 
bar zu einer einheitlichen Bildung, verwachsen ist. 

Neu nachgewiesen wurden sehr stark veränderte und da- 
her bisher übersehene Grauwacken mitten im Gabbro, die ober- 
halb der Sennhütte am Mittelberg über dem Touristeuweg nach 
dem Molkeuhaus austelien und als Fortsetzung der Culmgrau- 
wacken des Sachsenberges anzuseheu sind. Weiter gegen SW. 
mögen demselben Cirauwacken-Zuge die gneissähnlieheu Gesteine 
angehören, welche zwischen der Ettersklij)pe und dem Wintei*- 
berg, in SO. von der genannten Klippe, ebenfalls mitten im Gabbro 
scholleuförmig i) Vorkommen. 

Ueberhaupt mehren sich mit der fortschreitenden Detail- 
kartirung die Schollen metamorphosirter Sedimente, 
welche sozusagen im Gabbro oder in dem Theile des Brocken- 
granits, der von Jasciie bereits als zum Gabbro gehörig lietrachtet 
wurde, schwimmen. Unter diesen hat ein besonderes Interesse 
diejenige, welche am weitesten vorgeschoben gegen den Brocken- 
Gipfel unterhalb des Schneeloches am Kellbeeke und 
dem von der Buchhorst-Klippe demselben zurinneuden 
Wässerchen angetrotfen wurde. Bereits früher hatte ich, wie 
im vorigjährigeu Berichte erwähnt ist, im Gerinne des Kelllieek’s 
Cordierit, Granat und Spinell führende gneissige Ilorufelse lose 
gefunden bei gelegentlichem Vorübergehen. Eine erneute Be- 
gehung dieser Gegend ergab, dass bei der Brücke, mit der die 


') Zahlreiche kleinere Fragmente, ähnlich dem Vorkommen im Gabbro- 
bruche im Riefenbachthale oder in dem Bruche oberhalb des Bärensle'ns im 
Radauthale. 


XXVIII 


zur Bucbhorstklippe ansteigende Forststrasse den Keilbeek über- 
sebreitet, eine solche Menge von Hornfels- Gerollen im Bacbbette 
liegt, dass das Anstehende der veränderten Sedimente in unmittel- 
barer Nähe zu erwarten ist. Die Region des Kellbeek’s unter- 
halb des Schneeloches blieb zunächst ununtersucht. Dagegen ge- 
lang es an der zur genannten Klippe aufsteigenden Fahrstrasse 
im Seitengerinne des Hauptwassers dieses Anstehende ganz deut- 
lich zwischen Granitit zu beobachten: 

Hat man beim Aufstieg die Stelle passirt, wo der llsenburger 
Brockenpfod abzweigt, so folgen nach 48 Schritt Granitit 23 Horn- 
fels, dann nach einer Unterbrechung von 17 Schritt Granitit 
4 Hornfels, alsdann stets Granitit. Der Gesteinsart nach treten 
nicht nur jene demKinzigit verwandten gneissigen Horn- 
fels e auf, sondern auch solche Hornfelse, welche keinen Granat 
erkennen lassen und nicht so deutlich krystallinisch sind, sowie 
ein Hornblende- Gestein, dessen verhältnissmässig grobstrahliger 
Strahlsteintilz ausser der grünlichgelb oder bräunlichgelb pleo- 
chroitischen Hornblende und einem dem Diabas-Chlorit gleichenden 
chloritischen Mineral sehr wohlerhaltene Reste von primär aus- 
geschiedenem Augit, mit Kaliglimmer erfüllte Pseudomorphosen, 
titan haltiges Eisenerz und Titanit u. s. w. enthält. 

Betrachtet man, gestützt auf die seither aus den Contacthöfeu 
um die Harz -Granite gesammelten Erfahrungen, diesen Amphi - 
bolit, dessen Strahlstein zum Theil noch deutlich als Uralit 
nach Augit auftritt, als einen metamorphosirten Diabas- 
Lagergang, so bietet nach dieser Hinsicht die Hornfels-Scholle 
am N o r d o s t a b h a n g der Wo 1 f s k 1 i p p e n südlich von der 
Plessenburg (Bl. Wernigerode) und diejenige an der 
Bauerngleie (ebendaselbst), welche beide Hornblende -Gesteine 
als Einlagerungen zeigen (die erstere zugleich biotitreiche Plagio- 
klasporphyre des Diabas) die meisten Vergleichspunkte; denn 
auch cordieritreiche Gueiss- Horufelse kommen in nächster Um- 
gebung der Bauerngleie auf der südlichen Fortsetzung des Hippelu- 
Kammes, wie auch weiter unten neben dem Amphibolit vor. 

Eine gründliche Untersuchung des Kellbeek’s und seiner Um- 
gebung lässt weitere Aufschlüsse erhoffen. Vorläufig sei noch 


XXIX 


bemerkt, dass unter den ITornfels - Geschieben des Kellbeek’s 
auch solche nicht fehlen, die lagenweise reich an Malakolith 
sind und überdies Körner eines lebhaft roth und gelb pleo.chroi- 
tischen, stark lichtbrechenden Minerals zeigen, die nach der hier 
und da deutlicheren Krystallform auf Titauit hiuweisen, wie er 
auch in Kalksilicathornfelsen am Bocksberg bei Friedrichsbrunn 
im Contacthof um den Rammberg-Granit beobachtet worden ist. 

Die Gesammtheit der in der Gegend unter dem Schneeloche 
bisher beobachteten Hornfelse erinnert demnach auch recht 
sehr an die im vorjährigen Berichte eingehender geschilderten 
schieferioren Eckergneisse und Cordierit - Hornfelse des Culm- 
Schiefer- Horizonts und der darin vorkommenden Einlagerungen 
zwischen Ecker und Ocker. Es ist aber nicht gestattet, aus dieser 
petrographischen Aehulichkeit deu Beweis der Gleichalterigkeit 
abzuleiten. Vielmehr ist aus der grossen Uebereinstimmung der 
verschiedenalterigen Schiefersysteme des Harzes mit kalkigen oder 
kiesel- bis wetzschiefer- oder adinolartigen Einlagerungen und mit 
Einschaltungen eruptiver Diabas -Massen zunächst zu schliesseu 
und auch thatsächlich zu erkennen, dass dieselben trotz ihrer ver- 
schiedenzeitlichen ursprünglichen Bildung unter nachher gleich- 
artig darauf eiuwirkendeu metamorphosirenden Bedingungen zu 
wesentlich gleich oder ähnlich ausgeprägten Umwandlungsproducten 
auskrystallisirt oder umkrystallisirt sind. Gerade unter diesem 
Gesichtspunkte ist vorher auf die Umgebung der Bauerngleie im 
Westufer des Dumkidileiithales auf Blatt Wernigerode hingre- 
wiesen worden, weil die Zugehörigkeit der metamorphosirten Dia- 
base und der zu Cordieritgneiss umgewandelten Schiefer der dort 
anstehenden, ringsum von den Eugraniten der Granit- Gabbro-Zone 
umgebenen Schollen zum Unteren Wieder Schiefer in Anbetracht 
der in nächster Nähe am Dumkidilenkopf geschlossen auftreten- 
den veränderten und unveränderten Formationsglieder dieser Stufe 
eine augeuscheiuliche ist. 

Der Cordierit-Gehalt der im Contact mit deu Eugraniten 
des Harzes metamorphosirten Massen ist nach unserer heutigen 
Erfahrung wesentlich beschränkt auf die von Ocker her über 
das Radau-, Ecker-, Ilse-, Holtemme-Thal Ins zum Dumkuhleu- 


XXX 


köpf oberhalb Hasserode auf Blatt Wernigerode streichende Zone, 
d. h. auf die Coutactmetain orphose u au den Eugraniten 
der Gabbro-Granit-Zoiie, und tritt besonders in den Schollen 
in diesen Eugraniten oder in den von zahlreichen Eiuzelvorkommen 
dieser letzteren gangförmig oder gangstockförinig durchbrochenen 
norufelsgebieteu auf. 

Der E ckergneiss ist sichtlich die grösste und am 
intensivsten umgewaudelte Scholle, die z wischen Granit 
und Gabbro eingesunken und davon durchbrochen ist. 
Der Cordierit-Gehalt erscheint demnach nicht so sehr als eine 
Folge der ursprünglich abweichenden chemischen Durchschnitts- 
zusammeusetzuug der Culm-Schiefer, als vielmehr als eine Folge 
einer besonders intensiven Metamorphose in den Um- 
waudluugsproducten der verschiedenalterigen Schiefer, 
die von den Eruptivgesteinen der Gabbro- Granit- Zone durch- 
brochen worden oder eingehüllt worden sind. 

Fasst man die räumliche Vertheiluug der verschie- 
denen Schollen iu’s Auge, so findet man zwischen den culmischen 
Eckergneissen und den durch Amphibolit- (bezw. Diabas) -Ein- 
lagerungen ausgezeichneten, hochkrystalliuischen, Cordierit, Granat 
und Kalksilicate haltigen Flornfels-Schollen des Kellbeek-Wasser-_ 
gebietes und der nordöstlichen Wolfsklippen- Abdachung die Quarzit- 
Massen des Pesekenhäu’s am Wege vom Scharfeusteiuer Viehhofe zur 
Ecker, sowie diejenigen des Ferdinandgartens und des Unteren 
Meiueckeuberges in Berührung mit dem Grauitit oder den 
basischeren Eugraniten jener Zone. Diese Anordnung: im NW. 
Culm, im SO. Unterer Wieder Schiefer, dazwischen Bruchberg- 
Quarzit, entspricht dem Querprofil über den Brnchberg zwischen 
Altenau und Schlnft bei St. Audreasberg in so befriedigender 
Weise, dass die Zurechnung der Keilbeek- Scholle zu den ITorn- 
felsen der Unteren Wieder Schiefer auf Blatt Wernigerode dar- 
nach gerechtfertigt erscheint. Die Schollen der Wolfsklippen und 
der Banerngleie deuten nach dieser östlichen Richtung hin sicht- 
lich den einstigen Zusammenhang an, während nach dem Brnch- 
berg -Profil im W. hin der Mangel au Schollen im Hochgipfel- 


XXXI 


Granitit des engeren Brocken-Gebietes einen Nachweis dieses Zu- 
sammenhanges nicht gestattet. 

Das neu entdeckte Vorkommen von Granat-K rystallen 
bei Harzburg, über welches schon kurz in der Zeitschr. der 
Deutsch, geol. Ges. (Bd. XLI , S. 380) berichtet wurde: Wohl- 
ausgebildete honigbraune Dodecaeder, zuweilen mit abgestumpften 
Kanten, aufgewachsen auf Pr eh ui t über Amethyst oder 
Quarz, oder auch den Quarzvarietäten direct aufgewachsen, ent- 
stammt dem fiscalischen Gabbro-Steinbruche oberhalb des 
Bärensteins im lladauthale und zwar einem hoch olieu im 
Bruche, nur wenige Meter unter dessen Oberkante, abgebauten, 
relativ umfangreichen Einschlüsse (Fragmente umgewandelten 
Kalksteins?). Blaulichweisser Kalkspath, der au das Vorkommen 
von Cziklova im Banat erinnert, Wollastouit, derber rother Granat, 
Epidot u. a. setzen einen Theil der Scholle zusammen und kommen 
mit den vorher genannten Ki’ystallen und Mineralien an ein und 
demselben Blocke vor. 

Marmorartige Kalksteine in geringer Ausdehnung sind 
unter den Contactproducten der Harzburger Gegend überhaupt 
nicht selten: Sie kommen z. B. vor auf dem Schmalenberg in 
der Nachbarschaft des Wilhelmsblick’s, weisslich, grob- 
späthig, ohne auffällige Silicatbeimeugung; am Promenadenweg in 
der halben Höhe des Winterbergs zwischen Hessenthal 
und Kunstmauusthal, feiuköniig mit rotliem Granat; ähnlich 
auf dem Gläsekenberge und im Gl äse kenthale südwestlich 
von Bündheim, zuerst durch E. Kay.ser entdeckt und auch von 
M. Koch in seinem vorjährigen Berichte erwähnt. 

Derben Granat führt ferner ein Kalksilicatgestein, 
welches am Fusse des Harzburger Burgberges hinter der 
Restauration unter den Eichen ansteht. Ihn führen auch in aus- 
gezeichneter Weise, wie E. Kayser meines Wissens ebenfalls zu- 
erst beobachtet hat, die metamorphosirteu Eruptivgesteius- 
massen aus der Umgebung des Wilhelmsblick’s und im 
Riefenbachthale; daselbst ist er tief braunroth von Farbe. 
Kleine zierliche gelbgrüne bis -graue Dodecaederchen kommen 


XXXII 


dagegen auf dem Pap en berge in einem relativ wenig meta- 
morpliosirten Diabas vor, der am Fass desselben Berges auch 
grossblätterigen Kalkspath mit zeisiggrünem Epidot führt. 

Durch die Contactmetamorphose, welche diese ante- 
grauitischeu Eruptivgesteine (Diabas, Orthophyr, Kera- 
tophyr?) zwischen Ocker und Radau erfahren haben, erscheinen 
dieselben äusserlich bald als massige, dichte, schwere Diabas- 
horufelse, bald als Amphibolite, bald als glim me r reiche 
Gesteine, die im Extrem scheinbar quarzlosen Biotit-Glimmer- 
schiefer mit Granat-Gehalt darstellen. Die Sonderung: in die ur- 
sprünglich nach Structur und Substanz verschiedenen Typen ist 
sehr erschwert. Geht man dabei indessen von solchen Vor- 
kommen aus, bei welchen die primäre Structur zum 
wenigsten, oft aber auch noch ein Theil der primären 
Substanz erhalten geblieben ist, so wird mau gleichwohl 
hoffen dürfen, annähernd die Aufgabe zu lösen. So z. B. lässt 
der D i a b a s - H 0 r n f e 1 s von dem trigonometrischen Punkte 
auf der Stiefmutter im Ockergranit die Umbildung des 
Diabas-All gits in braune Hornblende unter Erhaltung der 
divergentstrahlig - körnigen Diabasstructur und die Neubildung 
eines lichtgelblicheu mikrolithischen Aimits innerhalb der in die 
Hornblende eiugezapften Plagioklas -Leisten auf das Klarste er- 
kennen. Ebenso wohl erhalten ist, besonders auf dem B reiten - 
berg, jene Variolitstructur der Oberharzer Diabase, die für 
den Hangenden Theil des Osteroder Diabaszuges und überhaupt 
für die Diabase vom Goslarer Schiefer bis an die Basis des 
Culms als charakteristisch seiner Zeit von mir bezeichnet und 
dementsprechend auch in der Gegend von Wildlingen wieder auf- 
gefundeu worden ist. Endlich geben porphy risch aus ge- 
schiedene primäre Orthoklase und deren P seu do- 
rn orphoseu aus neugebildetem Orthoklas mit Augit, Biotit und 
Turmalin in biotit- und augitreichen durchaus umkrystallisirten 
Grundmassen erwünschten Anhalt zur Wiedererkennung der 
Augit-Orthophyre, so besonders auf dem Schmalenberge (SO.- 
Seite und nahe beim Wilhelmsblick). 


XXXIII 


Mittlieilung des Heira M. Kocii über Aufnahmen im 
Oberliarz, am Osteröder-Polsterberger Grüusteinzug 
u u d a m B r n c h - und A c k e r b e r g. 

Die Revision der Anfnalunen Herrn v. Groddeck’s in dem 
erstgenannten Gebiet bat zu Ergebnissen geführt, welche die bis- 
herigen Beobachtungen und Auffassungen sowohl hinsichtlich der 
Zusaiumensetzuug wie der Lagernngsverhältuisse der am Grüu- 
steinzug anftreteuden Schichten nicht unwesentlich ergänzen. Da 
eine ausführlichere Darstellung der letztjährigeu Beobachtungen 
in einer besonderen Mittheihing beabsichtigt wird, sollen an dieser 
Stelle nur einige der wichtigeren Ergebnisse kurz Erwähnung 
finden. Zu diesen gehört vor Allem der Nachweis von sedimen- 
tär (' m O b e r d e V o n in der hangenden Zone der körnigen 
Diabase V. Groddeck’s^) und zwar von Cypridinenschieferu 
im Liegenden der Diabase, ferner von veränderten adinolartigen Ge- 
steinen, in denen sich neben spärlichen Brachiopoden und Trilobiten 
als Iiezeichneudster Rest Posidonomya venusta gefunden hat, im 
Hangenden derselben. Die ersteren treten sowohl im Hauptdiabas- 
zim wie in dem kleineren Nebenzime auf, in dessen Endifrnufr am 
Schönenberg sie besonders günstig aufgeschlossen sind, die letzteren 
bilden dauegeii ein nur schmales aber weithin fortsetzeudes 
Schichtenband zwischen Bärenbrucher Teich und Polsterberg im 
Hanptzng. Die durch v. Groddeck gegebene und auch nach 
der Auffindung der Homalouoten in den Wisseubacher Schiefern 
A. ROmer’s noch aufrecht erhaltene Deutung des Grüusteiuzngs 
als eines aus Culmschichten hervortreteudeu Sattels devonischer 
Schichten mit parallel einfallenden Flügeln, wobei der hangenden 
Zone der körnigen Dialiase die Rolle des Gegenflügels zu der 
liegenden Zone mit den Wisseubacher Schiefern A. Römer’s 
■znfiel, muss nunmehr nach Auffindung von Oberdevou in der 
ersteren fallen gelassen werden. Es liegt nicht ein vollständiger 
Sattel mit Flügel und Gegenflügel sondern nur ein halber Sattel 

') Abriss d. Geognosie des Harzes 1883, S. 104. 

A. Halfae u. E. BEYKieii, Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XXXTfl, 
1881, p. 502 u. 518. 


Jahrbuch 1889. 


C 


XXXIV 


vor, entsprecliencl einem einseitigen Profil vom Oberdevon bis zum 
Unterdevon. Die Verschiedenheit der liegenden nnd hangenden 
Zone spricht sich auch abgesehen von den Sedimenten in der 
sehr von einander abweichenden Beschaffenheit ihrer Diahas- 
einschaltungen aus; während die Gesteine der ersteren nämlich 
mittel- bis grobkörnig divergentstrahlig oder als Labradorporphyre 
entwickelt sind und demnach den unterdevonischen Diabasen des 
Ostharzes nahe stehen, zeigen diejenigen der hangenden Zone 
ganz vorherrschend variolitische Structur, eine Ausbildungsform, 
die man im Harz nach den bisherigen Beobachtungen nur an 
Diabasen jüngerer Ablagerungen, vom oberen Mitteldevon an 
aufwäi’ts, kennt. 

In den vollständigsten Pi'ofilen grenzen die Schichten der 
hangenden Zone folgerecht an Culmkieselschiefer, während die 
Glieder der liegenden Zone, körnige Diabase und Wissenbacher 
Schiefer A. Römer’s, welche nach Auffindung der ITomalonoten 
in der Huhthaler Widerwage allein mit den gleichen Schichten 
Nassaus in Parallele zu stellen sind, überall anormal auf Cuhn- 
grauwacken auflageru. Es kann dies, wie schon v. Groddeck 
als wahrscheinlich hinstellt, nur als eine Folge von am Liegenden 
des Zuo-es auftretenden Faltenverwerfuno-en gedeutet werden. 

O O 

Ausser diesen für die Auffassung der Lagei’ungsverhältuisse am 
Grünsteinznge wichtigsten Störungen und vereinzelt auch vor- 
handenen streichenden Spaltenverwerfungen, welche ein Absinken 
der Schichten am Hangenden bewirkten, werden Haupt- wie 
Nebenzug noch durch eine Reihe von Querverwerfungen gestört 
und in einzelne oft sehr erheblich gegen einander verschobene 
Abschnitte zerlegt. Ein Theil dieser in Bezug auf Fallen und 
Streichen sich den Oberharzer Gängen anschliessenden Querspalten 
fällt mit Störungslinien zusammen, die sich in der von Herrn 
Baurath Dr. Langsdorff veröffentlichten geologischen Karte jenes 
Gebietes eingetraofen finden, wenn auch im Einzelnen sehr vielfach 
Abweichungen von dem dort angegebenen gradlinigen Verlauf der 
Spalten zu verzeichnen waren. 

Die Revisionen am Bruch- und Ackerberg konnten in 
diesem Jahre noch nicht zum Alischluss gebracht werden. Obgleich 


XXXV 


bisher eine vollständig befriedigende Lösung der Fragen, welche 
in diesem schwierigen Gebiete eine Rolle spielen, noch nicht 
erzielt wurde, haben sich doch einige nicht unwichtige Beob- 
achtungen ergeben, von denen hier nur die Auffindung von 
Schichten mit typischer Haupt<|uarzitfauna an der Südostseite 
der Quarzitmassen des Ackerbergs, am Lonauer Jagdhaus unweit 
der Ackerchaussee, Erwähnung finden möge. 

Mittheilung des Herrn W. Dames über die Aufnahme des 
Blattes Wegeleben. 

Die nahezu abgeschlossene Begehung und geologische Kartirung 
des Blattes Wegeleben hat zwei neue Ergel>uisse gehabt. Einmal 
wurde südlich von Gatersleben, auf der Spitze eines Hügels an- 
stehend, Arieten-Lias, der kuppenförmig aus dem umgebenden Di- 
luviallehm hervorragt, aufgefunden, in Gestalt eines gelben oder 
bräunlichen, etwas oolithischen Kalkes mit kleinen Belemniten, 
genau so entwickelt, wie östlich von Quedlinburg. Der Punkt 
lieo't g-enau in der Streichlinie des auf der EwALD’schen Karte 
südlich von Halberstadt angegebenen Vorkommens von Arieten- 
Lias. — Ferner wurde als Liegendes des Diluvialschotters westlich 
und nordwestlich von Friedrichsaue (am Ostrand des Blattes ge- 
legen) glaukonitischer Sand mit grösseren weissen Q.uarzgeröllen 
beobachtet, der unbedenklich der Tertiärformation zuzurechnen ist. 
Hiernach dehnt sich dieselbe weiter nördlich aus, als bisher be- 
kannt war. 

Mittheilung des Herrn A. von Koenen über die Aufnahmen 
westlich und südwestlich vom Harz. 

Die Aufnahmen der Blätter Reiuhausen, Göttingen, Nörten etc. 
ergaben eine Reihe neuer Lias -Vorkommen, wenn auch meist nur 
in kleinen Schollen, aber zugleich von Stufen des Lias, die zum 
Theil nicht so weit südlich bei uns bekannt waren. 

Auf Blatt Reiuhausen wurden die Schichten mit Ammonites 
angulatus nördlich von Sieboldshauseu und zwischen Mariengarteu 
und Elkershausen gefunden, ausserdem Tertiärgebirge westsüd- 
westlich von Molleufelde, am Rande des Blattes. 


c 


XXXVI 


Auf Blatt Göttiugeu sind jetzt nacligewiesen: 

die Schichten mit Ammonites Jolmstoni“^ als dunkle, braun 
verwitternde Kalke mit Ostrea^ ca. 400 Meter nördlich von der 
Irrenanstalt und an der Strasse von Göttingen nach Holtensen, 
etwa 1000 Meter von diesem Ort; 

die Schichten mit Amm. angulatus treten in grösserer Aus- 
dehnung zu Tage rings um die Irrenanstalt, südöstlich vom 
Ceutralkirchhof von Göttingen und unter den Häusern der »Herz- 
herger Chaussee«, vor dem Albanithore von Göttingeu; 

die Schichten mit Amm. Bucklandi sind anscheinend südlich 
von der Irrenanstalt voidiauden , sowie nordöstlich vom Lohberg 
bei Boveudeu; 

die Schichten mit Amm. -cjeametricus waren zeitweise in einer 
Thougrube, ca. 300 Meter südlich von den Gebäuden der Irren- 
anstalt, aufgeschlossen. 

Amm. plwriicosta findet sich zwischen Leuglern und Emmeir- 
hausen, am Nordwest-Fusse des Ilolteuser Berges und, nebst Amm. 
ziphus, in kleinen Eisensteiuuieren auf den Feldern nordöstlich vom 
Lohberg, bei Boveuden. 

Die Schichten des Amm. Jamesoni sind vertreten durch ülier 
3,.ö Meter mächtige grüne, braun verwitternde, oolithische Eisen- 
steine, welche nordwestlich von Holtensen und bei Elliehausen 
zu Taffe treten; ähnliche Gesteine finden sich auch südöstlich von 
Göttingeu. 

Die Schichten des Amm. ihex (u. A. centmcrus) und des 
A. Davoei (A. ccrpricornus') sind auch jetzt nur östlich und süd- 
östlich von Göttingen bekannt, ebenso die Schichten des A, spG 
natus und des A. m,ar g ar itatus. 

Auf Blatt Nörten ist der untere und mittlere Lias vermuth- 
lich in allen Zonen zwischen Mariaspring und dem Maiberge bei 
Angerstein vorhanden. 

Gefunden habe ich dort bis jetzt Amm. angulatus , Gry- 
phaea arcuata., Amm. planico sta.^ Amm. centaurics A. spi- 
natus u. a. m. Amm. angulatus findet sich aber auch westlich von 
Parensen und südöstlich von Schnedinghausen, an ersterem Orte 
auch Amm. geometricus etc. 


XXXVII 


Bei Northeim findet sich da, wo auf älteren Karten Lias an- 
gegeben ist, grösstentheils Thon und Saud resp. Sandstein von 
jung -tertiärem Alter mit Braunkohle -Resten etc. Zum Theil ist 
al)er auch Lias vorhandeu zunächst dem »Wieter«, und dieser 
Lias erstreckt sich über 4 Kilometer weit nach Süden. Darin 
finden sich namentlich auch die Eisensteine der Amm. Jamesoni- 
Schicliten und andere Zonen des mittleren Lias, ferner Posidouien- 
Schiefer mit Amm. horealis., Beloiieltis ampidlaris etc. und die 
Schichten des Amm. jurensis mit A. jurensis.^ A. Germaini., A. 
dispansiis etc. 

Mittheilung des Herrn Loretz über Aufnahmen auf den 
Blättern Schwarzburg, Köuigsee und Ilmenau. 

Von den Blättern Schwarzburg und Königsee wurden die 
nördlichen, vor dem cambrischeu Schiefergebirge gelegenen Theile, 
welche vorzugsweise von Zechsteiu und Buntsaudsteiu eingenommen 
werden, revidirt, und ihre Aufnahme zum Abschluss gebracht. 
Was die diesbezüglichen Ergebnisse betrifit, so kann hier auf das 
im vorigen Bande p. LXXIII tt‘. Gesagte und auf die Beschrei- 
bung des Zechsteius in vorliegendem Baude S. 221 fi:’. verwiesen 
AVer den. 

Auf Blatt Ilmenau wurden die Aufnahmearbeiteii im östlichen 
Theile des Blattes weitergeführt und die Verbindung mit den von 
den Herren ScilEiRE und ZiMMERMztNN im westlichen Theile be- 
Avirkteu Aufnahmen zunächst südlich von der Stadt Ilmenau, im 
Gabelbachthal u. s. w. hergestellt. Es hat sich hierbei gezeigt, 
dass das vorwiegend aus porphyrischem, nur untergeordnet auch 
aus Schiefergebirgs-AIaterial gebildete Trümmergestein (Trünimer- 
tufi‘, Breccie), welches im östlichen Theile des Blattes eine so be- 
trächtliche Ausdelmuug erlangt, am Lindenberg bei Ilmenau von 
einem dünner geschichteten Complex von deutlich sedimentärer 
Natur überlagert wird; derselbe besteht aus vorherrschenden 
gröberen und feineren Tuffen, mit untergeordneten Schieferthonen 
(mit Ptlauzeuspuren) und auch sandigen und kalkigsaudigeu 
Schichten. Besonders charakteristisch für diese Schichtengruppe 
sind dichte, plattige Lagen von streifigem oder gebändertem Aus- 


XXXVIII 


sehen des Querliruchs, indem die hellfarbige Hauptmasse mit 
äusserst dünnen, dunklen Zwischenlagen wechselt. Diese Schichten- 
folge mag vorläufig als »Tufte von Kefersteinsruhe« bezeichnet 
werden. Dieselben werden nun ihrerseits am Lindeubercr von 
Glimmerporphyrit überlagert, der dort das hängendste Lager bildet. 
Die drei genannten Glieder, nämlich Trümmertuff' oder Breccie, 
Tuff'e von Kefersteinsruhe und Glimmerporphyrit setzen sich auch 
westlich über das Gabelbachthal fort und lassen sich in die für 
die dortige Gegend von den genannten Geologen aufgestellte Lager- 
folge einordneu. 

Gehen wir nun aus jenem Trümmertuff' iu der Lagerfolge 
abwärts, so treff’eu wir bereits an der östlichen Seite des Lindeu- 
bergs unter demselben au verschiedenen Stellen wieder Glimmer- 
porphyrit, der mithin ein älteres Lager darstellt als der oben an- 
geführte. Mit diesem älteren Glimmerporphyritlager dürfte wenig- 
stens ein Theil der Gliinmerporphyritmasseu gleichstehen, welche 
zunächst östlich vom Lindenberg und Schortethal, dann aber auch 
weiterhin über den östlichen Theil des Blattes zerstreut auftreteu. 
Die Aufuahmearbeiten müssen iudess dort noch weiter fortgesetzt 
werden, um iu dieser Beziehung mehr Klarheit zu schaff'en, wie 
auch darüber, iu welchem Lageruugsverbande der dort in erheb- 
licher Verbreitung vorkommeude Felsitporphyr zu den genannten 
beiden Gliedern steht; vorläufig muss es dahingestellt bleiben, ob 
sich jedes einzelne Vorkommen dieser drei Gesteine mit Sichei’- 
heit auf ein bestimmtes Glied einer gewissen Lagerfolge wird be- 
ziehen lassen, und ob diese letztere sich mit der jenseits des 
Gabelbachs bis jetzt angenommenen Folge decken wird. So viel 
haben die bisherigen Begehungen gezeigt, dass das porphyrische 
Trümmergesteiu, der Trümmertuff’, nach Verbreitung und Mächtig- 
keit im östlichen Theile des Blattes eine entschieden bedeutendere 
Rolle spielt als im westlichen; und als weiteres Ergebniss darf 
wohl auch ausgesprochen v erden, dass dieser Trümmertuff’ nicht 
überall die genannten porphyrischeu und porphyritischeu Erguss- 
masseu überlagert und durch solche von den ältesten Schichten ge- 
trennt wird, sondern, dass er dort, wo jene fehlen, beziehuugs- 


XXXIX 


weise nicht hingelangt sind, unmittelbar auf den ältesten Schichten 
lagern, wenn nicht sogar in Wechsellagernng mit solchen treten 
kann. Diese letzteren Schichten nun sind die in der entsprechenden 
voijährigeu Mittheilnug bereits erwähnten Sedimente, nändich Sand- 
steine, Kalksandsteine, Schieferthone und Couglomerate, welche 
besonders bei Gehren und Möhrenbach aufgeschlossen sind und 
unseres Erachtens für identisch gehalten werden dürfen mit ent- 
sprechenden, früher bereits auf Blatt Eisfeld und Blatt Masserberg 
gefundenen Schichten, die dort zunächst auf dem alten Schiefer- 
gebirge liegen, als unterster Theil der gesammteu, diesem Grund- 
gebirge ungleichförmig anfgelagerteu klastischen Bildungen und 
Massengesteiusergüsse. Wir haben diese untersten Schichten bis- 
her als Unteres liothliegeudes betrachtet, iudess mag ihre Alters- 
stelluug, wie auch ihr Verhältuiss zu den im westlichen Theile 
von Blatt Bmenan vorkommenden, bisher für carbonisch ange- 
sehenen, znm Theil ähnlichen Schichten, zunächst noch uuerörtert 
bleiben. Auch bei Gehren und Möhrenbach ist als Unterlage der 
genannten Sedimente das cambrische Schiefergebirge auznnehmen, 
welches im äussersten südöstlichen Winkel des Blattes Ilmenau, 
im Langen Berge, ohne Bedeckung durch jüngere Schichten heraus- 
tritt. 

Dagegen tritt an der Ilm, abwärts von Ilmenau, Granit als 
Untei’lage hervor, aber es lässt sich hier, wegen Unterbrechung 
durch Diluvium, nicht wie im oberen Ilmthal die Auflagerung des 
Kothliegenden (bezw. Carbon) auf den Granit wahruehmeu. Weiter 
südlich wurde auch im Wildthal bei Oehrenstock das Vorkommen 
von Granit, und obendrein in der Nachbarschaft desselben, das 
Vorkommen der quarzigen Arkose beobachtet, welche im oberen 
Ilmthal zunächst den Granit bedeckt; leider kommen im Wildthal 
diese Gesteine nicht anstehend, sondern nur lose, doch in Menge 
vor, und so mögen sie immerhin auf ein örtliches Hervortreteu der 
granitischen Unterlage zu beziehen sein. Dass diese hier in einer 
ganz anderen Höhenlage erscheint als bei Ilmenau, kann nicht be- 
fremden, denn abgesehen von Verwerfungen kann man sich auch 
nach anderen Beobachtungen den Boden des gesammten Roth- 


XL 


liegenden (bezw. Carbon) nur als eine sehr um'egelniässig gestaltete 
Fläche vorstellen 1). 

Zwischen Langewiesen, Oehrenstock und dem Schortethal und 
in dem letzteren auch noch weiter aufwärts, an den Gehängen des 
Lindeubergs und Mittelbergs, kommen in beträchtlicher Verbrei- 
tung besondere trüininex’tufiartige Gesteine von wechselndem Aus- 
sehen vor, welche jedoch kaum von einander zu trennen sind; 
während sie einerseits in flaserige Abänderungen verlaufen, wird 
eine andere Varietät einem Glimmerporphyrit auf den ersteu Blick 
so ähnlich, dass Täuschungen Vorkommen können. Die nähere 
Untersuchung, besonders auch die mikroskopische, zeigt jedoch 
stets, dass man es hier nicht mit Ergussgesteinen, sondern mit 
trümmertntfartigen , verschiedenartige Einschlüsse enthaltenden 
Massen zu thun hat. Wir fassen diese kleine Gesteiusgruppe, 
welche als »Tuftgesteine von Oehrenstock und Langewiesen« be- 
zeichnet werden mag, als Zwischenlager in unserem weiter ver- 
breiteten Trümmertuft' oder der jDorphyrischen Breccie auf, zu 
welchen auch petrographische Uebergänge stattfinden, so dass die 
Abgrenzung etwas erschwert wird. Auch an anderen Stellen finden 
sich Andeutungen dieser eigenthümlichen Tujffgesteine. 

Ö o o 

In petrographischer Hinsicht sei schliesslich noch bemerkt, 
dass wir mehrere Vorkommnisse von Eruptivgesteinen, die weder 
als Porphyr, noch als Porphyrit, noch als Kersantit bezeichnet 
werden können, vorläufig als »Alelaphyr« kartirt haben, ohne da- 
mit einer richtigeren, nur durch genauere mikroskopische und 
chemische Untersuchung zu gewinnenden Bezeichnung vorgreifeu 
zu wollen. Es gehören dahin besonders die Gesteine vom Trag- 
berg und einigen anderen Stellen bei Langewieseu, und vom Gottes- 
kopf, unweit Gehren, in welchen auch ein Theil des von E. E. Sciimid 
aufgestellteu »Paramelaphyr« enthalten ist. 


’) Nock wurde am reckten Ilmtkalrande, eine Viertelstunde okerkalb Lange- 
wiesen, gegenüber dem Ebrenberg, ein Vorkommen von Gi-anit kartirt, der liier 
zwiseken stark verändertem, anscheinend zu Knoteusckiefer und Hornfels um- 
gewandeltem cambrischem Schiefer auftritt. 


XLI 


Mittheilimg der Herren R. Scheibe und E. Zimmermann über 
die wi SS e u scli aftli eil en Ergebnisse der Aufnahmen auf 
dem Blatte Ilmenau unter Ber ücksiebtigung angren- 
zender Gebiete. 

Die Untersucliuugen des Jahres 1889 umfossten den Ostbaug 
des Kickelliabns bis zum Gabelbach und erstreckten sieh naeh 
Süden bis zu einer in Ostwestriehtung durch Stützerbach gezogenen, 
dann im Schortethal nordwärts verlaufenden Linie. 

Das im Vorjahre von uns festgestellte Profil vom Porpliyr 
des Kiekelhahns, Hirschkopfes u. s. w. abwärts bis zum Glimmer- 
porphyrit (vgl. in unserem Bericht in diesem Jahrbuche für 1888, 
S. Lxvii die No. 4 — 7) findet sich auch an der nordöstlichen und 
östlichen Seite des Kiekelhahns wieder. Wir haben dasselbe 
ferner auf Blatt Suhl am Eisen- und Döllberg nachweisen können. 

In dem genannten Glimmerporphyrit tritt ein Sediment- 
zwischeulager auf, welches vorwiegend aus einfarbigen oder ge- 
bänderten Thonsteinen und aus Breccien (oberer Gabelbach) besteht. 
Letztere bilden immer den liegenden Theil des Lao-ers. Unter- 
geordnet finden sich in den Thonsteinen dichte Sandsteine 
(Langebachs-Kopf) und graue Schieferthone (Ascherofeu). Dieses 
Zwischenlager wird, wie die Untersuchungen des Herrn Dr. 
Loretz ergeben haben, nach Südosten hin rocht mächtig, während 
unsere Aufnahmen eine allmähliche, zum Verschwinden führende 
Auflösung desselben nach AA'esteu hin nachgeMÜesen haben. Kleine 
isolirte Partien von Breccie, die wir an der Wilhelmsleite und 
Kammerberger Alühle gefunden hatten, haben sich nun als die 
letzten Ausläufer der Gabelbachbreccie ergeben. In dieser Breccie 
finden sich neben den vorheri-scheuden Porjihyr- und Porphyrit- 
brocken auch Schiefer-, sowie bis über kopfgrosse qiiarzreiche 
Arkose- und Granitgeröll e. 

Am Ascherofen wurde in den Schieferthonen der Thonstein- 
zone ein Rest von Walchia 2yi>iiformis gefunden. 

Wird nun durch dieses Sedimentzwischenlager der Glimmer- 
porphyrit schon in zwei Lager zertheilt, so wird das untere der- 


XLII 


selben nochmals zerlegt clnrcli eine Decke von Porphyr, welcher 
auch petrographisch eine besondere Art bildet. Durch seine weiss 
verwitternde Grundinasse, durch Auftreten von kleinen Feldspäthei) 
und rothverwitterndeu Glimmertafeln und durch Mangel an Quarz- 
einspreugliugen gleicht dieser Porphyr dem des Kickeihahns, 
unterscheidet sich a1)er von demselben durch Fehlen von Sphäro- 
litlieu und Lithophysen und öfters eintretende Häufung von Würfeln 
zersetzten Schwefelkieses. Mit Ausnahme einiger kleiner afana'för- 
miger Vorkommen gehören hierher alle Porphyre der nächsten Um- 
gebung von Stützerbach, der Flohen Tanne, des Erbskopfes (Stützer- 
bacher Porphyr). 

Die drei zu unterscheidenden Glimmerporphyritergüsse sind 
petrographisch nicht unterscheidbar, lassen sich also bei Aussetzeu 
der Zwischenlager nicht getrennt darstellen. 

Unter No. 3 a) unseres vorjährigen Idealprofiles führten wir 
an der Basis des Glimmerporphyrits das Schueidemüllersko])f- 
gestein (Enstatitporphyrit) auf. Wir haben dieses charakteristische, 
bisher nur von wenigen Orten bekannte Gestein au zwei neuen 
Stellen aufgefuuden (Hohe Tanne, Schortethal am Erbskopf). 

Zu beiden Seiten des Taubachgruudes westlich von Stützer- 
bach taucht unter dem Glimmerporphyrit und neben Granit ein 
Sedimentgestein in geringer Ausdehnung empor, welches als 
Gliminerfels zu bezeichnen uud als diirch Granit stark umge- 
wandelter alter Thouschiefer zu betrachten sein dürfte. 

Im Jahre 1888 hatten wir auf Grund des nördlichen Einfalleus 
des an der Kammerberg-Stützerbacher Strasse am Goldhelm 
anstehenden Porphyrcouglomerates mit den darüber liegenden 
grauen, plattigen Sandsteinen, Sandschiefern und conglomeratischen 
Sandsteinen (No. 8a des vorjährigen Berichtes) aniiehmen müssen, 
dass diese Schichten an der Basis des eigentlichen Manebacher 
flötzführeuden Carbons liegen. 1889 am Schluss der Aufnahmezeit 
dicht über der Strasse am Goldhelm gemachte Funde von Wulcliia 
piniformis (häufig), Odontopteris obtusa (spärlich), Cardiocarpus und 
anderen Resten werden aber die Zurechnung der vorgenannten 
Schichten uud damit auch eines Theils unserer über den Flötzen auf- 
tretenden conglomeratischen Sandsteine uud des Porphyritmandel- 


XLIII 


feteincongloinerates (No. 8/ des voijährigeu Berichtes) zum Unter- 
rothlieireudeu nothwendiff machen. Die vorgerückte Jahreszeit 
schloss die Möglichkeit aus, die pflaiizeuführende Schicht durch- 
seheuds zu verfoDen uud die Abgrenzung der Abtheilungen im ein- 
zelnen genau durchzuführen. Im oberen Gartenthal am Foi’stmeisters- 
weg sind auch Wcdcliien gefunden worden. Daneljen kommen aber 
auch in sandigen Schieferthonen folgende Reste vor: Aateroiiliyllites 
equisetiformis , Taenioptens midtinervia , Pecopteris cf. Pliickeneti^ 
P. cf. pteroideSi P. cf. Miltoni, P. arborescens und eine Odontopteris, 
deren Aussehen an 0. Reichiana erinnert. Ein sicherer Entscheid, 
ob man hier Carbon, oder Rothliegendes, oder beides vor sich 
hat, lässt sich auf Grund dieser Reste, insbesondere wegen ihrer 
noch nicht unzweideutig durchführbaren Bestimmung zur Zeit 
nicht fällen. Es ist aber, soweit es bis jetzt übersehbar ist, an- 
zunehmen, dass die Conglomerate und Sandsteine mit Pflanzen 
am Goldhelm (8 o des vorjährigen Berichtes) mit den über den 
Flötzen des Mauebacher Carbons folgenden grauen couglomeratischen 
Sandsteinen und Conglomeraten (8/ des vorjährigen Berichtes) 
identisch sein werden. Nur liegen dann diese gleichmässig 
und ungestört auf dem flötzführendeu Carbon, jene befinden 
sich in gestörter Lagerung, sind durch Verwerfung tiefer, schein- 
bar ins Liegende des flötzführendeu Carbons gerückt. Die ge- 
naue Erkenntniss der schwierigen Lagerungsverhältnisse muss 
von den im Jahre 1890 vorzunehmenden Untersuchungen erwartet 
werden. 

Das ideale Gesammtprofil nun, welches wir im vorjährigen 
Berichte (d. Jahrb. 1888, S. Lxvii u. f.) aufgeführt haben, wird 
durch die diesjährigen Aufnahmen in nachstehender Weise ergänzt 
und erweitert: 

Theil I. No. 1) Granit. Dieser ist neben den im Contact 
mit ihm veränderten alten Thonschiefern das älteste Gebirge. 
Dasselbe wird überlagert von Sedimenten, die bald aus 

No. 2 a) conglomeratischer Arkose mit Geröllen von Granit, 
Quarz, cambrischem Quarzit, Kieselschiefer, Feldspath in der oft 
kieseligen Grundmasse, daneben aus rothen, grauen und schwarzen 
Schieferthonen und Sandsteinen bestehen, bald durch eine 


XLIV 


No. 2 b) Breccie von Porpbyrit, Porphyr, Schiefer repräseutirt 
sind. — Hierauf folgen in örtlich beschränkten Ergüssen 

No. 3 a) Quarzporphyr des Meyersgrundes. 

No. 3b) Schneidemüllerskopfgestein, dann aber drei ausge- 
dehnte, durch Zwischenlager theilweis getrennte, mächtige Ergüsse 
von Glimmerporphyrit, und zwar 

No. 4 a) Unterster Glimmerporphyrit. 

No. 4 b) Stützerbacher Porphyr. 

No. 4 c) Mittlerer Glimmerporphyrit. 

No. 4d) Breccie und Thonstein des Gabelbachs. 

No. 4e) Oberster Glimmerporphyrit. 

In Uebei’einstimmuug mit den Ergebnissen des Vorjahres 
bildet das Hangende des Glimmerporphyrits eine Eolge von 

No. 5) Thonsteinen, welche von 

No. 6) Eeldspathporphyrit und 

No. 7) Porphyren und Tuffen (des Kickeihahns, Hirschkopfes, 
der Hohen Schlaufe u. a., überlagert werden. 

Hier bricht das Profil zunächst ab. Ob nun eine Lücke 
folgt, welche bisher von uns als wahrscheinlich angenommen wurde, 
haben wir noch nicht entscheiden können. Weiter unten ist des 
Lagernugsverhältnisses gedacht, in welchem die Schichteuglieder 
No. 1 — 7, also des vorzugsweise aus Eruptivgesteinen bestehenden 
Theils I des Profils zu dem nun anzuführenden , die Glieder 
No. 8 — 1 1 umfassenden hauptsächlich sedimentären Theil II stehen, 
und sind Bedenken geäussert, welche gegen die von uns im Vor- 
jahre angenommene, auf das Karteubild begründete Altersfolge 
sprechen. Trotz dieser Bedenken sind wir noch geneigt anzn- 
nehmen, dass als uächstjüugeres Glied auf die Schichtenfolge 
No. 1 — 7 das allerdings stets durch Verwerfung von dieser ab- 
"etrenute 

O 

Theil II, No. 8) Obere Mauebacher Carbon folgt. Dassdbe 
schliesst die Plötze ein (im vorjährigen Bericht No. 8 ß). — Von 
ihm trennen wir aber gegenüber der im Vorjahre angenommenen 
Auffassiiug auf Grund der oben erwähnten Pflauzenfunde am 
Goldhelm ab, zunächst als Rothliegendes : 


XLV 


No. 9 a) Das Porphyrcoiiglomerat an der Kainmerberg-Stützer- 
bacher Strasse. 

No. 9 ß) die Walchia fübrenden Plaltensandsteine am CToldbelm 

No. 9y) die couglomeratiscbeu , buutzusammeugesetzten , be- 
sonders quarzfübrenden Sandsteine des oberen Gartentbals (im 
vorjährigen Bericht unter 8 a) znsammengefasst). — Als identisch 
mit No. 97 sind die über den Flötzen liegenden polygenen con- 
glomeratischen Sandsteine (im vorjährigen Bericht 87 znm Theil) 
zn betrachten, auf welche 

No. 9 6 ) das Glimmerporpliyritmandelsteinconglomerat (im vor- 
jährigen Bericht 87 znm Theil) folgt. 

Wir bezeichnen als 

No. 10 a) die rotheu Sandsteine und als 

No. 10 b) die Couglomerate des Bundsehildskopfes (im vor- 
jährigen Bericht No. 9 lind 10), welche gleichmässig auf den vor- 
hergehenden Schicliteu lagern. 

In jüngere)! Gliedern als dem 

No. 11) Quarzporphyr des Bundsehildskopfes haben wir 1889 
keine neuen Begehungen gemacht, sodass auch unser bishei’iges 
Profil von da ab unverändert bleibt. 

Was mm die Frage anlangt, ob es zweifellos ist, dass der 
die Glieder No. 8 — 11 umfassende Theil II des Gesammtprofils 
jünger ist als der die Glieder No. 2 — 7 umfassende Theil I, so 
muss zugestandeu werden, dass dies nicht ganz der Fall ist. Bei 
den Begehungen, welche zum Theil in Gemeinschaft mit dem 
Bezirksgeologeu Herrn I)r. Beyschlag auf den Blättern Ilmenau, 
Schleusingen und Suhl stattfanden, ist noch nii’gends eine directe 
Ueberlagernng der Gesteine des Theils I durch solche des Theils II 
des Profils beobachtet worden. Wo beide Theile sich berühren, 
sind die Treunungsliuien fast immer als z. Th. recht Iredeutsame 
Bruchlinieu und Verwerfuno-eu erkannt. 

O 

Es sprechen aber folgende Giainde für die Aunabme, es sei, 
entgegen unserer bisherigen Meinung, der Theil I des Profils 
jünger als der Theil II, und da letzterer die regelmässige Schichten- 
folge von den oberen Ottweiler Schichten (M:i!iebacher Carbon) 


XLVI 


zum Rothliegeudeu darstellt, demnach ersterer jünger als das 
unterste Rothliegende : 

a) In den schwarzen Schieferthouen (vgl. 2 a), welche über 
der Arkose und unter dem Schueidemüllerskopfgestein auftreten, 
sind im Melmthal (Bl. Suhl) und au der Wilhelmsleite (Bl. Ilme- 
nau) Brauchiosaurusreste gefunden worden. 

b) In den grauen Sandsteinen, welche am Teuschlesberg 
(Bl. Schleusingeu) gleichfalls zwischen Arkose, rotheu Schiefer- 
thoueu und Glimmerporphyrit liegen, also in einem Profil, welches 
dem unteren Theil desjenigen am Dachskopf und Schueidemüllers- 
kopf (Bl. Ilmenau) entspricht (vgl. No. 2 a), wurde Calamites gigas 
gefunden. 

c) In den Thonsteineu des Gabelbaches (No. 4d) fand sich 
am Ascherofen eine Walchia 'piniformis neben anderen unbe- 
stimmbaren Resten. 

Dagegen lässt sich für die Annahme, dass Theil I (die 
Glieder No. 2 — 7) im Profil älter sei als Theil II (Glieder No. 8 — 11), 
also jener carbouisch sei, ausser dem Kartenbilde folgendes 
geltend machen : 

a) Nur die Arkose (No. 2 a), die Breccie (No. 2 b), der Meyers- 
grundporphyr (No. 3a) und der Glimmerporphyrit (No. 4) liegen 
nachweislich auf Granit, dem ältesten der als Unterlage des Car- 
bonrothliegendeu hier in Betracht kommenden Gebirgsglieder, 
auf. Von jüngeren Gesteinen ist es erst wieder der Zechstein, 
welcher am Ehrenberg (Bl. Ilmenau) auf Granit liegt. 

b) Wenn der Profiltheil I nicht carbonisch, sondern Roth- 
liegend ist, so müsste mau doch bei der im übrigen grossen räum- 
lichen Ausdehnung der Gesteine desselben mit ziemlich grosser 
Wahrscheinlichkeit erwarten, diesen Gesteinen in dem weiten 
Gebiete rothliegender Schichten, welches sich von Ilmenau über 
die Blätter Suhl, Crawinkel, Tambach hin erstreckt, wiederum zu 
begegnen; das ist bis jetzt aber nicht der Pall. 

c) Endlich müsste sich, wenn Theil II älter als Theil I wäre, 
bereits auf dem kurzen Raum von kaum 800 Schritt, um welche 
der Granit des Dachskopfes (Bl. Ilmenau) südlich liegt von der 
das Mauebacher flötzführeude Carbon abschneidenden, quer durch 


XLVII 


das Ilmtlial setzenden Verwerfung das gesaminte Manebach- 
Kammerberger Carbon sich ansgekeilt haben, oder es müssten 
ausserordentlich tiefe Einkesselungen in der Granitoberfläche an- 
genommen wei’den, deren Tiefstes mit Carbon erfüllt wurde, 
während die benachbarten Ifänder unbedeckt blieben. 

Muss also der sichere Entscheid von weiteren Untersuchungen 
erwartet werden, so haben sich dieselben eiuestheils auf Aufsucheu 
leitender Versteiuernugen in den Sedimenten, anderutheils auf 
Auffindung von Stellen ungestörten Lagerungsverbandes der 
Theile I und II des Profils zu richten. 

Mittheiluug des Herrn R. Scheibe über die wissenschaft- 
lichen Ergebnisse der Aufnahmen auf Blatt Friedrich- 
rod a. 

Die Untersuchungen bezweckten im Wesentlichen die Aus- 
scheidung von Tuffen innerhalb der von dem Laudesgeologeu 
Professor Dr. Weiss gegebenen Darstellung der rothliegendeu 
Schichten. Diese Tuffe besitzen sehr wechselndes Aussehen. Von 
ganz dichten, z.Th. pisolithischeu Arten (Thonsteiueu) an, finden sich 
Uebergäuge bis zu recht grobstückigen, breccienhaften Trümmer- 
gesteinen. Sie sind fast sämmtlich Quarzporphyrtnffe. Hierbei 
mag noch bemerkt werden, dass diese Gesteine im Gegensatz zu 
den auf Blatt Ohrdruff, Crawinkel, Ilmenau, Suhl verbreiteten, 
meist massig und nngeschichtet anftretendeu Tuffen, immer deut- 
lich, z. Th. in dünnen Lagen geschichtet sind und dass deshalb 
auch ihre Abgrenzung gegenüber anderen Sedimenten (Sandsteine, 
Schieferthou, Couglomerate) mehrfach schwierig und nur annähernd 
ansführbar war. 

Von besonderem Interesse dürfte aber ein Fund sein, welcher 
in der mittleren Abtheilnug der von Seebach und Weiss als 
Oberrothliegeud anfgefassteu Schichtengruppe gemacht worden ist. 
Gemeinhin ist diese Gruppe in 1) ein liegendes Porphyr-Conglo- 
merat (klotzig), 2) eine Folge von Schieferthouen. und besonders 
Sandsteinen und 3) ein mehr polygeues hangendes Conglomerat 
getheilt worden. Dass sie oberrothliegeud sei, wurde dadurch 
gestützt, dass sie die hängendsten Partien des dortigen Roth- 


XLVIII 

liegenden umfasst und als frei sowohl von Ernptivgesteineu und 
Tuffen, wie von Fossilien befunden worden war. 

In den Sandsteinen südlich von Georgenthal am Vitzerod 
wurden nun mehrere Pflanzenreste gefunden, die als schlecht er- 
haltene, kräftige Zweige von Walcliia inniformis angesehen werden. 
Aus einem Steinbruch, welcher weiter südlich., an der Seeberger 
Fahrt, in den gleichen Schichten angelegt ist, stammt eine Platte 
mit Fusstapfen eines Thieres, dessen fünfzehiger Fuss etwa lOCenti- 
meter lang war. Diese Platte befindet sich im Museum in Gotha. 

Wenn mehrfach betont worden ist, dass als Charakteristikum 
für das Oberrothliegende Freiheit von Eruptivgesteinen und Mangel 
an organischen Resten festzuhalten sei, so muss nunmehr im 
Auge behalten werden, dass hier eine Ausnahme statt hat. 

Mittheilung des Herrn E. Zimmermann über Aufnahmen 
auf den Blättern Stadtilm und Plaue. 

Gemäss seiner fast am weitesten gegen Frankeji (Meiningen) 
hin vorgeschobenen Lage hat von den thüringischen Muschel- 
kalkblättern das Blatt Stadtilm nebst dem Nachbarblatt Plaue 
eine Reihe von bemerkenswerthen Anklängen an die meiningische 
Buntsandstein - Muschelkalk - Entwicklung aufzuweisen. 

Da ist zunächst schon früher mehrfach auf die petrographische 
und paläoutologische Uebereiustimmung der obersten »Röth- 
kalke mit Modiola hinidiniformis<<. von Meiningen mit den »unter- 
sten ebenen Kalkschiefern oder Cölestinschichten« E. E. 
Schmid’s bei Jena hingewiesen worden. Auf den beiden hier in 
Rede stehenden Blättern ist die Uebereinstimmung ganz die 
gleiche, und wenn sich durch grössere Seltenheit der Modiola 
und grössere Häufigkeit der Beneckeia Buchi das östlicher gelegene 
Stadtilm mehr an Jena anschliesst, so thut es durch das umge- 
kehrte Verhalten das westlicher gelegene Plaue mehr an Meiningen. 
Den schönsten Aufschluss dieser (und der zunächst hangenden 
und liegenden) Schichten bietet der Wasserriss neben dem Fuss- 
weg von Oberilm nach Hainmersfeld; kaum weniger schön sind die 
Aufschlüsse in den zahlreichen Wasserrissen, die vom Muschelkalk- 
plateau herab in allen Richtungen nach dem merkwürdigen Thal- 


XLIX 


kessel von Döllstedt führen. Nicht ganz so schön sind die Auf- 
schlüsse auf dem Blatte Plane. — Im erstgenannten Anfschlnss 
beträgt die Mächtigkeit der hellen, eben- und dünnschiefrigen 
Alergel und darin eingelagerten harten Kalkplatten 8,5 — 9 Meter. 
Zuunterst liegen etwa 2,5 Meter Mergel mit nur einer oder zwei 
Kalkplatteu; dann folgen 4,5 Meter einer vielfachen Wechsel- 
lagerung von Alergelschiefern und versteinerungsreichen, 2 bis 
8 Clentimeter starken Kalkplatten, dann folgen wieder Alergel- 
schiefer in 1,5 — 2 Meter Mächtigkeit, ohne Kalkplatten. Das 
Liegende dieser ganzen Zone bildet eine feste, dichte, nicht zellige 
gelbe Kalkbank von 75 Centimeter Stärke. Darunter lagern etwa 
7,5 Meter graue dünnblättrige, in Letten übergehende Thonmergel 
mit vielen kleinen nnd dünnen, durch Faserkalk ausgefüllten Quer- 
rissen und endlich folgen die gewöhnlichen rothen Letten des 
Böth. Das Hang ende der »eltenen Kalk- und Mei'gelschiefer« 
bilden graue, sich leicht zersetzende, meist zellige Thonmergel 
von etwa 6 Metern Alächtigkeit, deren weisslicher, mehlig-sandiger 
Verwitterungsboden demjenigen mancher Mergel des Mittleren 
Muschelkalks gleicht. Etwa ^/4 Meter über ihrer Basis haben 
diese Thonmergel eine röthliche Farbe, und man kann aus ein- 
zelnen »Zellen« auch ganz rothe Letten hei'auslösen: wir haben 
hier den letzten, aber sehr deutlichen Anklang an die bei Mei- 
ningen mächtigere (bis 5 Meter) und intensiver rothe Schicht, 
welche dort z. B. am Jahnsberge aufgeschlossen ist, wo sie das 
Profil schliesst. Höher oben folgen in den zelligen Thonmergeln 
eingelagei’t noch einige härtere zellige Ockerkalke, und den Ab- 
schluss nach oben bildet eine ebensolche zellige Ockerkalkschicht 
von 75 Centimeter Mächtigkeit, welche ganz der »gelben Kalk- 
bank« entspricht, die von Aleiningen so oft erwähnt wird. lieber 
ihr folgen mit scharfer Grenze die gewöhnlichen, bekannten grauen 
Wellenkalke. Die Mächtigkeiten der einzelnen Schichten stimmen 
hier — von der röthlichen Schicht, bezw. den obersten rothen 
Thonen abgesehen — in recht guter Weise mit denen bei Mei- 
ningen überein. Da sich die letztgenannte gelbe, (nicht immer) 
zellige Kalkbank meist recht gut verfolgen lässt (besonders auf 
dem Blatte Plaue), so wird auch auf den zu veröffentlichenden 

d 


Jahrbuch 1S89. 


L 


Karten von Plaue und Stadtilm, um die Analogie mit den Mei- 
ninger Verhältnissen anzudeuteu, die ganze darunter lagernde, 
24 — 25 Meter mächtige Zone bis zu den normalen Röthletten 
kenntlich gemacht werden, und es wird nur der Unterschied be- 
stehen, dass diese Zone nordöstlich vom Thüringerwald zum 
Muschelkalk, — südwestlich davon zum Röth gerechnet wird. 

Auch in höheren Schichten des Unteren Wellenkalks finden 
sich auf unseren beiden Blattgebieten lebhaftere Ankläuge au die 
fränkis(;he Ausbildung als sonst in Thüringen. So zeigte sich auf 
Blatt Plaue die » O olithbank ß « besonders gut entwickelt und 
auf den Kämmen fast aller Muschelkalk -Berge der Osthälfte des 
Blattes vortrefflich verfolgbar; sie ist etwa ^/4 Meter mächtig und 
zeichnet sich petrographisch vor der oft recht ähnlichen »Tere- 
öratula-liiiuk (Du 2 t« durch ihre meist auffällig dünn- und flasrig- 
schiefrige Beschaffeuheit aus; kleine Bruchstücke von Terebratel- 
schalen haben sich, wenngleich sehr selten, darin gefunden. — 

Nur in Spuren auf der Osthälfte von Blatt Plaue, dagegen 
ausgezeichnet schön auf Blatt Stadtilm, besonders in der Umgebung 
der gleichnamigen Stadt, ist die zweite besonders auffällige und 
zuerst von Meiningen besonders beschriebene Bank entwickelt: 
die Spiriferina-Jian]<.. Die von Fuantzen in der »Uebersicht 
der sxeolooischen Verhältnisse bei Meiningen« geo-ebene Beschrei- 
billig Hesse sich für Blatt Stadtilm Wort für Wort wiederholen; 
die Mächtigkeit, conglomeratische Beschaffenheit, der Reichthum 
an Sjnriferina fragilis (die Exemplare sind immer kleiner als im 
Oberen Vluschelkalk) und an Criiioidenstielgliedern, sowie an 
schön erhaltenen Hinnites comtus finden sich hier wie dort; zu 
erwähnen ist noch, dass einzelne der conglonieratisch eingebackenen 
Kalkgerölle reichlich mit Ostrea sessilis besetzt sind. 

Aus höheren Triasschichten ist hier nur der Fund einer 
neuen Nautilusart im Grenzdolomit (ku 2 ) bei Görbitzhausen 
zu erwähnen, die ich unter dem Namen Trematodiscus jugatono- 
doms lieschreiben werde. 

Benierkenswerther Weise hat auch das Oligocän auf den 
beiden Blättern seine Spuren hinterlassen in Gestalt meist von 
Braunkohlenquarzitblöcken (der grösste Block hat über 1 '/3 Meter 


LI 


grössten, Meter kleinsten Dnrchinesser, noch grössere sollen 
vergraben sein), zuweilen auch von miss- bis über fanst- 
grossen Qnarzgeröllen. Am Hohen Kreuz liegen solche Blöcke, 
von allerdings mir geringer Grösse , auf dem Mnschelkalk- 
platean in über 1075 Fnss Höhe, wenig südlich von dieser 
Stelle, jetzt durch die Wasserscheide getrennt, findet mau 
ebensolche (kleine) Blöcke noch reichlicher und zusammen 
mit Qnarzgeröllen in etwa gleicher Höhe. Die grossen Blöcke 
finden sich besonders zwischen Willingen, Roda und Brauche- 
winde in Höhen bis zu 975 Fuss, auch in der Umgebung 
des oben ausführlich beschriebenen Profils des untersten Muschel- 
kalks bei Oberilm ; sehr spärlich liegen Blöcke zwischen Gross- 
liebringen und Döllstedt in etwa 11 50 Fuss und bei Kleiuliebringen 
in 1100 Fuss, wieder reichlich zwischen Nahwinden und Ehren- 
steiu an der Ostgrenze des Blattes Stadtilm in 1150 — 11 75 Fnss 
Höhe, einige auch nordwestlich unweit Grafenau in 1125 Fuss 
Höhe. Ich halte es für nöthig, diese Angaben zusammen zu 
tragen, im Interesse einer etwaigen späteren Constrnction der alten 
Flussläufe. Es wird sich anderswo Gelegenheit bieten, meine 
Ansicht über die auffällige Thatsache zu entwickeln, dass in geo- 
logisch verschiedenst zusammengesetzten und weit auseinander 
liegenden Gebieten sich Reste alter, auf die Oligoeänzeit zu be- 
ziehender Flussablagerungeu finden , die mir ans Qnarzgeröllen 
oder (losem oder zu Quarzit verkittetem) Quarzsand bestehen. 

Das Dilnvinm (vielleicht z. Th. mit Plioeän) zeigt auf dem 
Blatte Stadtilm und in der äussersteu Nordostecke von Blatt 
Plane (sowie den austosseuden Theileu der Blätter Arnstadt und 
Osthauseu) in seinen Flnssschotteru sehr bemerkenswerthe Ver- 
hältnisse, deren Untersnclmng aber noch nicht ganz abgeschlossen 
werden konnte und deren genaue Beschreibung für später auf- 
geschoben werden muss. Die genannten vier Blätter gehören in 
den hier in Betracht kommenden Theilen zu den Flnssgebieteu 
der Ihn, der Gera und der mit der letzteren sich vereinigenden 
Wipfra. Nur die Hm und die (aus der Wilden und Zahmen ver- 
einigte) Gera entströmen dem Thüringer Walde, das Flussgebiet 
der Wipfra liegt ganz innerhalb der Triaslandschaft. Danach 

d* 


LII 


müssten sich die Flnssschotter in folgender Weise ziisammen- 
setzen: die Ilmschotter müssen aus dem Oberilm-, dem Schorte- 
nnd Schobsethal stammende Glimmerporphyrite und quarzfreie 
Porphyre (es finden sich im Quellgebiet fast keine quarzhaltigen), 
sowie seltener (wegen spärlicheren Vorkommens oder leichterer 
Zerstörbarkeit) Melaphyre, Tafte, Granite, metamorphische Thon- 
schiefer und Amphibolite enthalten, aus dem Wohlrosethal Glimmer- 
porphyrite und die charakteristischen conglomeratisch- körnigen 
Quarzite des Laugen Berges, aus späteren Zuflüssen nur Trias- 
gesteine; — im Quellgebiet der Wilden Gera hat die Kartirnng 
ergeben ganz vorwaltend quarzführende, ja meist quarzreiche Por- 
phyre und zwar sowohl dichte und fluidale mit kleinen Krystallen 
(oft bloss von Quarz), als auch solche mit reichlichen mittel- 
grossen Krystallen von Quarz und Feldspath (darunter besonders 
die Mühlsteinporphyre des Lütschegrundes), ferner Conglomerate 
ans Porphyren, Porphyriteu und grünen quarzitischeu (cambrischen) 
Schiefern, endlich verkieselte Zechsteine; im Gebiet der Zahmen 
Gera treten auf Porphyre, häufiger quarzführend als quarzfrei, 
Conglomerate aus meist quarzführenden Porphyren, Porphyrite 
u. a. m., in beiden Gerageljieten natürlich auch Triasgesteiue; — 
die Wipfra endlich kann nach ihrem heutigen Verlauf nur Trias- 
gesteine führen. Es hat nun die Untersuchung der alluvialen 
Schotter in Bezug auf Art und relative Menge der einzelnen 
Geschiebe die aus obigen Beobachtnugeu zu machenden Ver- 
muthungen als richtig bestätigt: es finden sich also in der Ihn 
vorherrschend Glimmerporphyrite, quarzfreie Porphyre und conglo- 
meratische cambrische Quarzite, in der Gera qnarzführende Por- 
phyre und nicht selten verkieselter Zechstein, in der Wipfra nur 
Triasgesteiue. Ebenso stimmen zu jenen Vermuthuugeu die 
z. Th. hoch über dem jetzigen Flussniveau gelegenen Dihivial- 
schotter jeweils im Gebiet der Gera und Ilm. Dagegen findet 
mau im jetzigen Fluss- und Znflussgebiet der Wipfra dilu- 
viale Schotterlager, welche nicht nur Triasgesteine, sondern 
stets auch noch, und z. Th. fast ausschliesslich, Thüringerwald- 
gesteine enthalten. Diese letzteren weisen nach meinen bisherigen 
Beobachtungen sammt und sonders auf das Quellgebiet der Gera 


LIII 


liiu; es sind ganz vorwiegend Qaarzporphyre, spärlicher verkieselte 
Zechsteine, sehr selten quarzfreie Porphyre und Gliininerporphyrite, 
nie cand:)rische cougloineratische Quarzite ^). Die hierher ge- 
hörigen Schotterlager bilden einen von NW. nach SO. verlaufenden 
Zug von Oberndorf bei Arnstadt (Käfernburg und Gipfel des 
Hains, am letzteren Orte auf der verötFentlichten geologischen 
Karte von Blatt Arnstadt nicht angegeben) über Dannheiin und 
Branchewinde nach Willingen, in Höhen von 950 — 1050 Fuss 
und lassen hier den südwestlichen Uferrand des ehemaligen 
Flusses deutlich erkennen ; nördlich vom Tännreisig bei Nieder- 
will Ingen kommen diese alten Geraschotter, wie ich sie ohne Zögern 
benenne, örtlich den diluvialen Ilinschottern nahe, und das alte 
Gerathai tritt in Verbinduno- mit einer seitlichen Ausbreitunjx 
des heutigen Ilmthales. Aber auffälliger Weise lässt sich unter- 
halb dieser Stelle iin diluvialen Ilmschotter keine bemerkenswerthe 
Beimischung von Geraschotter nachweisen, so dass man wohl an- 
zunehmen hat, der Abfluss der alten Gera habe durch das heutige 
mittlere und untere Wipfrathal stattgefunden, denn es finden sich 
dem Lehm auf der linken Thalseite überall eingfcstreut kleine Por- 
phyrbröckchen, und zwischen Elxleben und Kirchheim (Bl. Ost- 
hausen) bilden Quarzporphyrgerölle ziisammen mit Buntsandstein- 
und Muschelkalkbrocken unter dem Lehm ein zusammenhängendes 
Schotterlager, in etwa 50 Fuss Höhe über dem heutigen Fluss- 
niveau. 

Die Lagerungs Verhältnisse der Trias auf dem Blatte 
Stadtilm sind recht interessant, bemerken will ich hier aber doch 
nur weniges. Während die Nordost- und die Südwesthälfte fast 
völlig ungestörte Lagerung zeigen, also wenig geneigte Schichtung 
und wenige Verwerfungen, zieht sich in der Diagonale des Blattes 
von Südost nach Nordwest ein 2 — 3 Kilometer breiter Streifen 
mit verhältnissmässig enger Faltung, oft steiler Schichtenneigung 
und zahlreichen Verwerfungen hin. Innei’halb dieses Streifens ist 


*) Zwei ebenfalls gefundene Stück Feuerstein gleichen denen aus der Kreide 
recht sehr, aber doch noch nicht so, dass ich sie als zweifellos nordisch be- 
zeichnen möchte. 


LIV 


ein Sattel beinerkenswerth, der unter den nianclierlei Formen 
seiner Ausbildung auch eine solche zeigt, wo in der Axe des 
Sattels als ältestes Glied Mittlerer Muschelkalk hiuzieht und mitten 
daraus eine nur ganz kleine (800 und 200 Schritt Durchmesser 
zeigende) linsenförmig umgrenzte Stelle zu Tage tritt, gebildet 
vorwiegend von Mittlerem und daneben von etwas Oberem Buut- 
saudstein: kartographisch ist das Bild dieses Auftretens eines 
tiefei'en Gesteins zwischen höher gelegenen, im Kern eines Sattels, 
mehr ähnlich dem eines Eruptivstockes, als dem eines Horstes! — 
Ich kann hier zugleich noch kurz hervorheben, dass ich in der 
Fortsetzuna: derselben Störungszone noch au mehreren Stellen 
liöth in einer Weise habe auftreteud gefunden, dass das Karten- 
bild ganz au das eines Eruptivgesteiusganges erinnert, welcher 
bald eine mit Verwerfung verbundene Spalte benutzt, bald eine 
Spalte, neben welcher keine Verwerfung nachweisbar ist. Wegen 
der Sonderbarkeit dieser Vorkommen muss ich dieselben noch- 
mals, zugleich in Verbindung mit den gleichen Erscheinungen 
auf Blatt Plaue, untersuchen und werde im nächsten Jahrbuche 
darüber berichten. 

Endlich möchte ich nur noch kiu’z das Vorkommen von 
Faltungen in O. — W. -Richtung neben der weitaus vor- 
herrschenden NW. — SO. -Richtung erwähnen. Ein verhältniss- 
mässig langer Sattel dieser Art findet sich zwischen Stadtilm und 
Geilsdorf, — eine Alulde zieht sich von Dauuheim westlich gegen 
Siegelbach hin. 


Mittheilung des Herrn H. Peoescholdt über Aufnahmen 
und Revisionen im Bereich der Blätter Römhild, Reut- 
wertshauseu, Ostheim und Soudheim. 

Bei der Revision und Fertigstellung des Blattes Römhild 

ö O 

konnte unter Berücksichtigung der angrenzenden Blätter Dings- 
leben, Rentwertshausen und Mendhausen folgende Gliederung des 
Gypskeupers bis zum Schilfsandstein zur kartographischen Dar- 
stellung gebracht werden: 


LV 


1 . 


2 . 

3. 

4. 

5. 

6 . 

7. 

8 . 


9. 

10 . 

11 . 


Schilfsandstein als Hangendes, 
liothe Letten und Thone, darin bei Köinhild, 

a) eine obere und 

b) eine untere Zone von grauen Letten mit Gyps 
in Wechsellageruug, 

Estherieuschichteu, 

Gi-aue Letten mit Gypsresiduen, 

Vorherrschend rothe Letten, 

Corbulabank, 

Steiumergelbauk, dicht unter 5., 

llothe Thone mit Quarzbreccien in sehr schwankender 
Mächtigkeit, 

Graue und gelbe Letten mit Gypsresiduen und Gyps- 
lagern; nördlich von liömhild in mächtiger Entwicklung, 
bis gegen 30 Meter mächtig, verliert sich nach Süden 
hin vollständig, darunter rothe Thone mit Quarzknauern 
und einzelnen Sandsteiubäukchen, zuunterst mit massen- 
haften Quarzbreccien, 

Bleiglauzbauk mit Mijophoria Raihliana^ dicht darunter 
Steiumergelbauk mit Lingula, 

Rothe Thone mit Quarzbreccien, 10 — 12 Meter mächtig. 


Greuzdolomit als Liegendes. 

Am grossen Gleichberg und in seiner Umgebung wurde eine 
Anzahl schmaler Basalta;änge in dem für das Grabfeld charakte- 
ristischeu Streichen in h. 2 aufgefunden, deren Gesteine verschieden 
unter einander sind, aber immer eine andere mineralogische Zu- 
sammensetzung zeigen als der Basauit, der die Kuppe des Berges 
bedeckt. Dieser gleicht durchaus dem der nördlich vorliegenden 
Steiusburg. 

Tufi'bilduugeu konnten am grossen Gleichberg nicht uach- 
gewieseu werden. 

Besonderes Interesse beanspruchten bei der Weiterführung 
der geologischen Aufnahme der Blätter Ostheim und Soudheim 


LVI 


die LageruDgsverhältuisse der Hohen Rliöii in der Uingebimg der 
Ulsterqnelle. 

Die Triasschichten daselbst sind infolge nordöstlich nnd nord- 
westlich streichender Bruche vielfach gegen einander verworfen, 
stellen aber trotzdem oberflächlich ein nur wenig welliges Plateau 
dar, so dass die Tertiärbildungen, Tufle, Braunkohlen und Basalt- 
decken in nahezu gleicher Meereshöhe auf mittlerem Buntsandstein, 
liötli, Anhydrit, Nodosenschichten lagern. Eine derartige Aus- 
ebnung stark verworfener Schichten setzt, da in dem vorliegenden 
Fall an Abrasion nicht zu denken ist, eine sehr lange Denudations- 
wirkung voraus. Daraus geht unzweifelhaft hervor, dass die Ver- 
werfungfen bedeutend älter sind als die Basaltausbrüche und Tei tiär- 

O 

Sedimente. 

An der Zusammensetzung des Plateaus nimmt auch in grösserer 
Ausdehnung Phonolith Theil, der in gleicher Höhe wie der Bnnt- 
sandstein und die anderen Triasschichten von Basalttufleu, Braun- 
kohlen und Basaltdecken überlagert wird. 

Das Gestein, das im oberen Theil des Heuwiesenwassergrabens 
gut aufgeschlossen ist, ist im frischen Zustand dunkel grünlich 
grau; bei beginnender Verwitterung wird es sehr licht bis fast 
weiss. U. d. M. zeigt es sich zusammengesetzt aus Sanidin, 
Nephelin, Augit und spärlichem Magueteisen. Nosean konnte 
weder chemisch noch mikroskopisch uachgewiesen werden. Unter 
aenau analog;en Verhältnissen wie hier wurde ein Gang von ganz 
gleichem Phonolith auf Blatt Gersfeld am Steiuküppel südlich 
vom Rothen Moor beobachtet. 

Der schmale, ungefähr westlich streichende Gang verliert sich 
unter der hier deutlich aufgeschlossenen Basaltdecke, die er nicht 
durchsetzt. Darin liegt ein unzweifelhafter Beweis des höheren 
Alters des Phonoliths. 

Ausser den erwähnten nordwestlichen und nordöstlichen Ver- 
werfungen treten nordsüdliche auf, von denen bereits in den Mit- 
theilungen des Jahrlinches für 1888 die Rede war. Ueber die 
Altersverhältnisse der verschiedenen Dislocationen lässt sich in 
der Umgebung des obersten Ulsterthals nichts Bestimmtes nach- 
weisen; nach mir gewordenen Mittheilungen sollen thalabwärts in 


LVII 


der Uinofpceud von Balten und Hilders auf den Thalflanken mehr- 
fach Tertiärverrutschnngen Vorkommen, die sich vielleicht als durch 
Störungen hervorgernfeu erweisen werden. Falls sich dies be- 
stätigt, so würde den nordsüdlichen Verwerfungen ein weit jüngeres 
Alter zuzuschreiben sein als den anderen, und eine solche Alters- 
ditferenz würde recht gut mit den bis jetzt bekannten Lagerungs- 
Verhältnissen der Tertiärsedimente am Ostrand der Hohen Rhön 
übereinstimmen. 

Ueber die Altersfolge der verscliiedenen Basalte, die das 
Plateau der Hohen Rhön zusammensetzen, hat sich bis jetzt ein 
sicherer Anhaltspunkt nicht ergeben. Am Ostrand wird nördlich 
vom Gaugolfsberg Feldspatlibasalt von Nephelinbasalt überlagert. 
Am Westrand dagegen au den Hängen des Stirnbergs konnte 
eine solche Reihenfolge bisher nicht coiistatirt werden, vielmehr 
lagert hier ein Feldspath führender Nephelinbasalt zwischen Feld- 
spath -freien. Der Nephelinbasalt besitzt eine sehr grosse Ver- 
l)reitung auf der Hohen Rhön; durch ihn hindurch ragen an 
manchen Stellen Kuppen von Feldspatlibasalt, so der merkwiirdige 
Stellberg. Der höchste Punkt der Hohen Rhön, der Heidelsteiu, 
besteht aus Nepheliubasalt. Es ist nicht nnwahrscheiulich, dass 
die Verlireitung mancher Basaltströme auf der Hohen Rhön in Zu- 
sammenhang mit vor der Eruption erfolgten Erosiouswirkungeu steht. 

Mittheilung des Herrn K. Oebbeke über den Abschluss 
der Aufnahmen auf den Blättern Niederaula und Neu- 
kirche u. 

In der zweiten Hälfte des August wurde mit Herrn Dr. Leppi.a 
eine gemeinsame Begehung in dem ganzen Bereiche der Blätter 
Niederaula und Neukirchen ausgeführt, um zunächst die Frage 
der Trennung des unteren und mittleren Buutsandsteins für unser 
Gebiet endgültig zu entscheiden. Das Resultat dieser Untersuchung 
war, dass nur ein verhältnissmässig kleiner Theil des Buntsand- 
steius im Norden des Blattes Niederaula als dem unteren Bimt- 
saudsteiu angehörig zu betrachten ist, während der übrige Theil, 
gemäss der Auffassung wie sie auf dem im Osten anstossenden 
Blatte Uersfeld zum Ausdruck gebracht worden ist, dem mittleren 


LVIII 


Buntsandstein zugerechnet werden muss. Dank günstigerer Auf- 
schlüsse iin NW. des Blattes Niederaula wurde sodann der Ver- 
lauf der Störung Raboldshausen — Salzberg — Oberaula genauer 
festgestellt und ergaben sich dabei einige Abweichungen von der 
früher angenommenen Darstellung. Im September wurde sodann 
die Revision des Blattes Neukirchen zu Ende geführt. Bezüglich 
der Untersuchung der basaltischen Gesteine konnte für das ganze 
Gebiet festgestellt werden, dass Tnfi'hildnngen im Allgemeinen 
selten und dass im Grossen nnd Ganzen die jnngernptiven Gesteine 
in der in diesem Jahrbuch für 1888, S. 390 — 416 angegebenen 
Weise zu unterscheiden sind. Genauer Ijestimmt und abgegrenzt 
wurden die Basaltvorkoinmen SW. Salzberg, welche znm Eisen- 
berg — Teufelskanzel — Frauenhaus - Massiv gehören, jene SW. 
II auptschwenda und NW. Neukirchen. 

Zwischen dem Sieberts-Berg SW. Hauptschwenda und dem 
nördlichen Theil der sogenannten Hütte NW. Christerode liegt 
ein selbstständiges Feldspathbasaltvorkommen, welches wegen seiner 
schönen, plattigen Absonderung in jüngster Zeit durch Steinbruch- 
betrieb aufgeschlossen worden ist nnd besonders zu Bausteinen 
eine ansgedehnte Verwendung findet. Im Steinwald NO. Neu- 
kirchen treten nur zwei deutlich von einander getrennte EVldspath- 
basaltmassen auf. Die eine, grössere bildet das Plateau und eine 
kleinere, mehr gangförmige liegt SW. von ihr. Die Basaltkuppe W. 
der Thonkuppe, im N. von Neukirchen zieht sich auf das Blatt 
Schrecksbach hinüber und ei’reicht dort ihre Hauptverbreitung. 

Dem Diluvium zuzurechuende Bildungen erreichen eine 
grössere Ausdehnung auf Blatt Niederaula im Fuldathal und 
auf der NW. Hälfte des Blattes Neukirchen. Ausser den bereits 
früher angeführten Störungen konnten noch eine ganze Reihe 
kleinerer festgestellt werden, welche im Allgemeinen aber eben- 
falls, wie die grösseren, SW. — NO. oder SO. — NW. verlanfen 
und zum Theil mit denselben in nachweisbarer Verbindung stehen. 

Mittheilung des Herrn A . Denckmann über A u f n a h m e n 
im Gebiete des Blattes Wal deck -Cassel (1:80000). 

In die Untersuchungen des Sommers 1889 wurden noch die 
Nordhälften der Blätter Rosenthal, Gilserberg und Ziegenhain 


LIX 


hiiieingezogen. Es geschah dies, damit durch das Schlussblatt 
des VON DECHEN’scheu Kartenwerkes das Rheinische Schiefer- 
ffehirg-e ohne Rest abo-eschlossen würde. 

Die Zeit, welche für die Untersuchungen im älteren 
Gebirge und für die Vervollständigung der vorjährigen Auf- 
nahmen aufgewendet werden konnte, war äusserst knapp. Trotz- 
dem ist es Dank einigen glücklichen Versteinerungsfnnden ge- 
lungen, die Hauptfrage in diesem Gelnete, die nach dem Alter 
des Kellerwaldquarzites ihrer Lösung erheblich näher zu bringen. 

In diesem Jahrbuche für 1888, S. xciii hal)e ich unter 3. 
eine Reihe von quarzitischen Grauwacken, Thonschiefern etc., 
welche im Hangenden des Kellerwaldquarzites auftreten, 
für möglicher Weise unterdevonisch erklärt, weil sie den Ober- 
col)lenz-Gesteinen bei Dillenburg, Biedenkopf und Gladenbach zum 
Theil sehr ähnlich waren. Es ist nun gelungen, in diesen Gesteinen 
Bänke mit Ol) er c ob lenz -F au na bei Oberurfund Jesberg nachzu- 
weisen. Am Oberurfer Mühll)ach, wo diese Petrefaktenbänke 
durch mitteldevonische Thonschiefer überlagert werden, hat sich 
zwischen beiden Gesteinen ein Horizont von phyllitisch glänzenden 
Thonschiefern mit Kieselgallen voll Versteinerungen gefunden, ein 
Horizont, der in der Gegend von Dillenburg, Gladenbach und 
Biedenkopf für die Grenze des Obercoblenz gegen die mittel- 
devonischen Thonschiefer typisch ist. Auf ein derart leicht kennt- 
liches Gestein musste Gewicht gelegt werden, weil dasselbe das 
natürliche Uebergangsstadium von den quarzitisch-grauwackigen 
Sedimenten des Obercoblenz zu den Kalkknollen-führenden Thon- 
schiefern des tieferen Mitteldevon zu bezeichnen scheint. 

Die Kieselgallen sind meist unregelmässig linsenförmige Körper 
von nicht über 50 Millimeter grösstem Durchmesser, vom Aus- 
sehen eines schwarzen Kalkes. In Salzsäui’e brausen sie nicht. 
Sie finden sich in grosser Zahl den phyllitisch-glänzenden Thon- 
schiefern eingesprengt. 

Auf der Südostseite des Kellerwaldes, wo vielfach Mittel- 
devonschiefer den Obercoblenz- Gesteinen eingemuldet sind, fand 
ich die Kieselgallen an folgenden Stellen : am Oberurfer Midil- 
bach, in den Wasserrissen obex’halb Densberg, am rechten Gilsa- 


LX 


Ufer Densberg gegenüber und an dem Fusswege, welcher von 
der Oberförsterei Densberg über den Schlossberg nach Schönau 
führt. 

Das Hanptresultat der diesjähi'igen Aufnahmen ist demnach, 
dass der Kellerwaldquarzit älter ist, als die obersten 
Schichten des Unter de von. Welchem speciellen Horizonte 
der Kellerwaldquarzit angehört, muss vorläufig unentschieden 
bleiben. Ich halte es für bedenklich, die petrographisch so ausser- 
ordentlich von ihm verschiedenen Gesteine, welche sich in seinem 
Hangenden noch unter dem Obercoblenz befinden, ohne zwingenden 
Grund mit ihm zu identificireu, um so mehr, da bei Densberg 
(an der Kirche, am Wege nach Schönstein und am Rückling) 
Gesteine auftreten, welche sich ihrem petrographischen Charakter 
nach auf gewisse ältere Gesteine der Gegend von Siegen beziehen 
lassen. 

Für die im vorigen Jahresberichte S. xciii unter 2. be- 
sprochenen quarzitischen Grauwacken des Halmberges etc. hat 
sich der Beweis nicht finden lassen, dass sie dem Unterdevon 
augehören. Sie sind daher auf der Karte als quarzitische Ein- 
lagerungen im Mitteldevon bezeichnet. 

Im Mittel- und Oberdevon hat sich immer deutlicher die 
auffallende Thatsache herausgestellt, dass da, wo geschlossene, 
zusammenhängende Kalklager des Ober- und Mitteldevon vor- 
banden sind, dieselben zwar von Cypridinenschieferu, Quarziten, 
“ Diabasen und Culmkieselschiefern überlagert werden, dass diese 
letzteren Gesteine jedoch in der Mehrzahl der Fälle direct auf 
mitteldevonischeu Schiefern liegen. Es lassen sich ferner (z. B. 
am Gershäuserhofe bei Wildlingen) an der Basis der Kalke mittel- 
devonische Thonschiefer uachweiseu. Es ist drittens eine Eigeu- 
thümlichkeit der auf dem Blatte W aldeck- Cassel beobachteten 
Kalke, dass es nicht leicht fällt, petrographisch die mitteldevonischeu 
von den oberdevouischen zu trennen. Eine sichere Deutung der- 
artiger Verhältnisse kann nur durch eingehende Specialkartirung 
gewonnen werden. 

Immerhin scheint es gewagt, lediglich durch tektonische Ur- 
sachen erklären zu wollen, dass an der Ense bei Wildlingen 


LXI 


mächtige Mittel- und Oherdevoukalke von Cypridinenschieferii, 
Diabasen und Quarziten überlagert werden, dass 2 Kilometer west- 
lich davon bei Odersbausen in einem ausserordentlich klaren Profil 
Cypridinenscbiefer, mit Diabasen wechselnd, den Mitteldevon- 
schiefern auflagern. 

Dass die als Quarzite und Arkosen der Aschkuppen zu- 
sammengefassten Gesteine oberdevonischen Alters sind, wie im 
vorigen Jahresberichte als wahrscheinlich aimenommen wurde, 
hat sich durch die Kartiruug weiterhin bestätigt. Der sicherste 
Beweis für das Alter dieser Gesteine hat sich in dem von Herrn 
Professor Kayser untersuchten Gebiete am Wollenberge gefunden, 
wo sie direct den Iberger Kalk überlagern. — Im Lohrgrunde 
am Hohelohr und westlich des Klapperberges finden sich unter 
den Culmkieselschiefern, mit zum Theil variolitischen Diabasen 
vergesellschaftet, schwarze, glasige Quarzite, welche gleichfalls 
zum Oberdevon zu stellen sind. 

Der Culm der Südostseite des Kellerwaldes bietet ähnliche 
Schwierigkeiten wie das Ober- und Mitteldevon auf der Nord- 
westseite. Auch hier findet man einerseits im Hangenden Diabase, 
Kieselschiefer, Grauwackenschiefer, Grauwacken, andererseits im 
Liegenden unterdevonische Grauwackensaudsteine oder seltener 
mitteldevonische Thonschiefer, die ersteren überlagernd. Man könnte 
streichende Verwerfungen als Ursachen derartiger Ungleichmässig- 
keiteu betrachten; gegen diese Deutung dürfte jedoch die Regel- 
mässigkeit sprechen, mit der die beschriebene Lageruugsform 
auftrltt. Die Specialkartiruug muss feststellen, ob sich nicht eine 
andere Erklärung für derartige Erscheinungen finden lässt. Die 
Kieselschiefer und die sie überlagernden Graiiwackenschiefer, Grau- 
wacken und groben (Granit und Quarzporphyr führenden) Couglo- 
merate habe ich wegen ihrer petrographischeu Uebereiustimmung 
mit dem Culm der Nordwestseite des Kellerwaldes dem Culm 
zugerechnet, obgleich ich Posidonomya Becheri in ihnen nicht uach- 
gewiesen habe. Sollte letztere so selten sein, dass es nicht gelingt, 
sie aufzufiudeu, so bleibt immer noch die Hoffnung, das Alter 
der fraglichen Schichten iudirect nachzuweisen. Es finden sich 
nämlich in den groben Conglomerateu, welche in den Grau- 


LXII 


wackeii vom Kahleberge bei Hundsbausen auftreten, zablreicbe 
Kalkgerölle, in denen namentlicb Korallen und Bracbiopoden nicbt 
selten sind. Vielleicbt gelingt es, in ibnen leitende Versteinerungen 
zu finden, durcb die man beweist, dass das Conglomerat zersfiirte 
Ober- und Mitteldevonkalke entbält, mitbin jünger ist als diese 
Kalke. 

Im Buntsandstein des kartirten Gebietes ist es aucb weiter- 
bin ohne Sebwierigkeiteii gelungen, die untere Grenze des mittleren 
Buntsandsteins zu verfoGeu. Die etwa 5 Meter mäcbtio-e Zone 

o o 

lockeren, groben Sandes und grobkörniger Sandsteine, welcbe 
unmittelbar über den tbouigen, feinkörnigen Gesteinen der unteren 
Abtbeilung dieser b^ormation auftritt, ist bei einigermaassen guten 
Aufscblüssen unverkennbar und kennzeiebuet sieb sebou von Weitem 
durcb bellere Färbung. Hierbei ist jedoeb zu berücksiebtigen, 
dass über der grobkörnigen Bank zuuäcbst noeb 30 Ins 40 Meter 
Gesteine folgen, welcbe von dem typiseben unteren Buutsand- 
stein nicbt zu nutersebeiden sind. Erst über diesen feinkörnigen 
Sandsteinen folgen weitere grobkörnige Sebiebteu. Das beste 
Profil zur Erkennung dieser Lagerungsverbältnisse findet sieb uörd- 
licb oberbalb des Dorfes Ijangendorf auf Blatt lloseutbal. Dem 
entspreebeud wird die Grenze beider Formatiousabtbeiluugen am 
leiebtesten dadureb gefunden, dass mau von der unteren aus kar- 
tirt. Gebt man umgekebrt vom mittleren Buutsandstein aus, so 
entstehen leicht Zweifel über die Zugebörigkeit feinkörniger 
Sebiebteu zur unteren oder mittleren Abtbeilung. — An ver- 
schiedenen Punkten des Blattes Kosentbal, so namentlicb au den 
Hängen westlich Gemüuden tritt in den Grenzschichten des 
unteren Buutsandsteins gegen den mittleren Geroillia Murchisoni 
Geinitz auf. 

In den Tertiär- und Basalt -Gebieten der östlicbeu Blätter 
wurden noch folgende bemerkeuswertbe Funde gemacht: Am 
linken Ufer der Obe (Blatt Ziegeubain), etwa 1 Kilometer ober- 
balb Verna treten blaugraue Tboue mit weissen Kalkkuolleu zu 
Tage, welcbe sandige Sebiebteu mit verkohltem Holz überlagern. 
Frei in den Tbouen sowohl, wie in den Kalkkuolleu fanden sieb 
Bruchstücke von Leda Deshayesiana und von einer Numla- K\'i. 


LXIII 


L. Deshayesiana habe ich ferner an der Strasse und in Draiii- 
gräbeu zwischen Phiflenhaiisen und Marienrode in ähnlichen 
Schichten, wie an erstgenannter Fundstelle gefunden. Derartige 
Thone — entweder mit weissen Kalkknollen, oder mit Septarien — 
bilden anf den Blättern Pelsberg, Ilomljerg, Borken und Ziegen- 
haiu das Liegende der Sande und Braunkohlenquarzite. Bisher 
ist es mir nicht gelungen, in diesen Thonen die marinen Schichten 
von den Süsswasserablageruugen nach ihrer petrographischen Be- 
schatfenheit zu trennen. Süsswasserfauna in Thonen mit weissen 
Kalkkuollen wurde an folgenden Punkten nachgewiesen: An dem 
Feldwege östlich des Dorfes Dissen (Melanienthon); am Südost- 
ende des Dorfes Neuenhain (Melanienthon); oberhalb des Dorfes 
Stolzenbach an der Strasse nach Freudenthal (Melanieuthon); in 
den Thongruben der Thonwaarenfäbrik westlich Frielendorf (Thone 
mit Kalkkuollen voll Dreysse?ia'); Kalke mit Laudschuecken fanden 
sich nördlich der Strasse Frielendorf-Dillich, an dem Wasserlanfe, 
welcher nach Dillich zu lliesst und in einer Ausschachtung an 
der Eisenbahn nördlich bei Spieskappel. — In der Sammlung des 
Ilei’rn Seminarlehrer Willig zu Homberg sah ich Fussknochen 
einer Eqims- Art. Nach einer gütigen Mittheilung des genannten 
Herrn stammen dieselben aus den gelben und weissen Sandeu, 
welche in den Sandgruben ffCirenüber der Scharfsmühle bei Hom- 
berg ausgebeutet werden. — Ein sehr merkwürdiges Gestein be- 
obachtete ich au dem Wege von Verna nach Stolzenliach an dem 
isolirten, bewaldeten Hügel, welcher etwa in der Mitte zwischen 
beiden Dörfern liegt. Dasselbe liegt über tertiären Thonen etwa 
in demselben Niveau, in welchem an den gegenüberliegenden 
Hängen die Sande den Thonen auflagern. Es wird von den das 
Gelände bedeckenden Braunkohlenqnarziten überlagert. Es be- 
steht zum grossen Theil aus flach elliptischen, abgerollten Blöcken 
von Muschelkalk jeglicher Grösse und aus den verschiedensten 
Horizonten stammend. Daneben finden sich Blöcke eines gelb- 
lichen Tertiärkalkes, voll von Laudschuecken ; ferner kleine runde 
Kiesel, wie sie häufig den tertiären Sauden eingelagert sind. 
Abgerollte Basaltstücke haben sich nicht gefunden. 
Das Ganze ist durch ein lockeres, sehr kalkiges Bindemittel ver- 


LXIV 


kittet. Spuren von älmliclien Bildungen, namentlich grosse, flach- 
elliptische Muschelkalkgerölle fand ich im Quellgebiete des kleinen 
Wasserlaufes, welcher sich westlich bei Obervorschütz in die Ems 
ergiesst. 

Unter den mannigfachen Einschlüssen, welche die Basalt- 
conglomeratbilduugeu des Blattes Felsberg bieten, ist eine grobe 
conglomeratische Grauwacke erwähnenswerth, welche im Basalt- 
tuff am Südraude des Maderholzes bei Böddio-er auftritt. — 

O 

Das schon in der älteren Literatur erwähnte Vorkommen von 
in Opal versteinertem Holze asbestartigen Aussehens oberhalb 
des Dorfes Böddiger ist neuerdings durch Verkoppelungsarbeiten 
o-ut aufo:eschlosseu worden. — Am linken Ufer der Ohe oberhalb 
der Thonwaarenfabrik westlich Frielendorf, auf der Feldmark 
zwischen Frielendorf, Todenhausen und dem Sendberge, sowie 
o-auz besonders in dem Waldo-ebiete zwischen Neueuhain, Michels- 
berg und Todenhausen werden sämmtliche Basalte von massenhaft 
angehäuftem Tachylit überlagert. Das Gestein selbst ist doleritisch 
schlackig. Der Tachylit tritt in der Weise auf, dass er die Binde 
über kopfgrosser, nach dem Centrum zu unregelmässig prismatisch 
abgesonderter Basaltkugeln bildet. Zwischen den einzelnen Kugeln 
findet sich gelber Palagonit. — In dem Wasserrisse oberhalb 
Böddiger an der Strasse nach Deute zeie-t die Uuterkante des im 

o o 

voriweu Jahresberichte S. Ci erwähnten Basaltla^ers Palagonit und 

Ö o O 

Tachylit. 

Ueber die allgemeinen Lagerungsverhältnisse des nunmehr 
abgeschlossenen Gebietes ist den eingehenderen Ausführungen im 
vorigen Jahresberichte nur wenig hinzuzufügen. Der auf das 
Blatt Gilserberg entfallende südliche Vorsprung des alten Gebirges 
wird im Westen dnrch die schon auf der CiiELius’schen Karte 
im grossen Ganzen zu erkennende Südost-, Nordwest-Verwerfung, 
im Süden durch eine Ost- Westliche Linie und im Osten durch 
eine Nord-Süd- Linie, bezeichnet, an denen das jüngere Gebirge 
im Westen, Süden und Osten abgesuuken ist. ln dem östlich 
angrenzenden Buutsandsteingebiete des Blattes Ziegenhain tritt 
bei Schlierbach ein Nord-Süd-Graben von Röth und Muschelkalk 
auf. Eine in gleicher Bichtung über Dorheim und Michelsberg 


LXV 


verlaufende Verwerfung trennt auf dem Blatte Ziegenliain das 
Buntsandsteiugebiet von der östlich davon stossendeu nieder- 
hessischen Tertiärsenke. 

Mittheilung des Herrn A. Leppla über die Aufnahmen 
im Gebiet des Blattes Wald e ck - Cassel (1:80000). 

Die Untersuchungen der im Sommer 1889 zum Abschluss 
<iel)rachten Uebersichtsaufuahme des 1:80000 theilm-eii Blattes 
Waldeck- Cassel wurden in drei verschiedenen, aber immerhin be- 
nachbarten Gebieten ausgeführt: 1. am Ost- Abhang des Habichts- 
waldes und Laugeuberges im Basaltgebiet, 2. im Cidm- und Zech- 
steingebiet zwischen Stadtberge an der Diemel und dem Eder- 
thal, 3. im Basaltgebiet am Nord -Abhang der basaltischen Hoch- 
fläche des Knüll. 

Hinsichtlich der C u 1 m - Schichten ergaben die Arbeiten einige 
Ergänzungen der früher mitgetheilten Beobachtungen, wenn auch 
an der durchzuführenden Gliederung nichts geändert wurde. So 
sind zunächst im Kieselschiefer am Eisenberg bei Korbach gelblich- 
graue, feinkrystalline, kalkige Einlagerungen bekannt geworden. 
In den versteinerungsführenden Schichten an der Grenze zwischen 
Kieselschiefer und Posidonienschiefer wurden in schwarzen dünn- 
plattigen Kieselschiefern Ijei Kheua und Schweinsbühl im west- 
lichen Waldeck noch Orthoceras scalare^ FhilUpsia^ Camarophoria 
fcipi/racea, Goniatites crenintria, sowie Crinoideuglieder gefunden. 
In den untersten Thonschiefern, welche unmittelbar über dem 
Kieselschiefer folgen, fand sich die Fauna des letzteren in viel 
zahl reicheren Exemplaren wieder: Phillipsia, Goniatites crenistria, 
G. mixolohus^ Orthoceras, Myulina, Camarophoria, Chonetcs, Zaph- 
rentis u. s. w. Die den untersten grauen Thonschiefern einge- 
lagerten Bänke grauen kry stallinen Kalksteines bestehen stellen- 
weise, z. B. bei Rhena, fast ganz aus Criuoiden und Bryozoeu. 
Die Verbreitung des grauen Kalkes innerhalb des untersuchten 
Gebietes ist eine sehr geringe und beschränkt sich auf die vou 
Korbach aus nordwestlich gelegenen Culmfalten. Wir hätten also 
wohl in den Kalken von Rhena die östlichsten Ausläufer vou ver- 
steiiierungsführenden kalkigen Ablagerungen des Uutercarbons vor 

O O ö o 

Jahrbuch 1889. q 


LXVI 


ims. Ini Culm des Ederthales und cegen Wildunüen zu wurden 
Kalke vom Alter des vorgeuauuteu Crinoidenkalkes gar uiclit uud 
solclie aus höhereu Schichten nur gauz vereinzelt und nur in 
Linsenform gefunden. Zahl und Arten der einzelnen Thierformen 
nehmen in den höheren Schichten des Culm gegen die an Grau- 
wacken reichere Region sehr ab. Selbst Posidonomya Becli.eri, 
welche in den oI)ersten Kieselscbiefern in ausserordentlicher Zahl 
auftritt und aiudi in den untersten Thonschiefern noch ziemlich 
reichlich vorhanden ist, tritt im Bereich der Grauwacken sehr zu- 
rück. Immerhin fehlen in diesen Schichten auch Reste von Gonia- 
titen, Orthoceras, Camarojjhoria und vielleicht auch Area nicht. 

In der unteren Stufe der mittleren Zech stein formation, 
in dem sogen. Stinkkalke, wurden an mehreren Orten Versteine- 
rungen gefunden, z. B. bei Alarienliagen : Nautilus Freieslebeni^ 
Schizodus obsmrus, heda S2)duncaria^ Pleurophorus costatus, Geroillia 
keratophaga. Die im vorigen Bericht angeführten Formen von 
Alaricnhagen gehören ebenfalls dem sogen. Stinkkalk au, nicht 
wie dort augegeljen wurde, dem sogen. Hauptdolomit. Auch in 
diesem letzteren wurden westlich Lengefeld und NordenI)eck Reste 
von Gastropoden und Brachiopoden nachgewiesen. Ilervorhel^en 
möchte ich in Bezug auf die petrographische Ausbildung der olderen 
Stufe der mittleren Zechsteinformation die Thatsache, dass in einem 
alten Tagebau am Eckefeld bei Giershageu der sogen. Ilaupt- 
dolomit am Auflager auf Oberdevoii sich durch starke Geröll- 
führnug auszeichnet und sogar stellenweise zu einem Conglomerat 
wird. Von der Grenze gegen das Innere der Ilauptdolomitver- 
breitung nehmen die Gerölle merklich ab; dafür kommt der Kalk 
in’s Ueberorewicht. Nur einzelne di'iime Gerölllacren sind auch 
noch 20 bis 30 Meter von der Auflagerfläche entfernt vorhanden. 
1 Kilometer westlich Lengefeld wurden geringmächtige Congloiue- 
rate mit kalkigem Bindemittel als unmittelbare Unterlage des sogen. 
Hauptdolomit beobachtet. 

Zur Ergänzung der im vorigen Bericht gegebenen Darstel- 
luno- der oberen Zechsteinformation möchte ich insbesondere 

O 

noch auf den vielfachen Wechsel in der Ausbildung dieser Schichten- 
gruppe, besonders des tieferen Theiles derselben hinweisen. Ausser 


LXVII 


rotlien Letten mit Gyps, rothen plattigen Sandsteinen mit kalkigem 
Bindemittel, rotlien Conglomeraten und plumpen Zellenkalken be- 
theiligen sich noch graue und weisse, dichte nud poröse, auch 
oolithische Kalksteine am x4nfbau, welche den Gesteinen des sogen. 
Hanptdolomites oft znm Verwechseln ähnlich sind. Fehlt nun, 
wde es die Regel ist, in der Lettenzoue jeder Aufschluss oder 
sind die Letten sehr wenig mächtig, so kann diese Aehnlichkeit 
der stellenweise 10 Meter mächtigen Kalke mit Gesteinen dos 
sogen. Hauptdolomites verwirrend für die Altersliestimmnng wirken, 
und nicht selten scheinen die in Rede stehenden Kalksteine von 
älteren Autoren den Schichten der mittleren Zechsteintormation 
zugerechnet worden zu sein. Die Schichtenfolgeu östlich Adorf, 
am Wege nach Vasbek und nach Herrmanushof, zeigen jedoch 
mit Sicherheit, dass weisse und graue Kalke von feinporöser Be- 
schatfenheit und ähnlichem Aussehen wie Hauptdolomit den Letten 
über- bezw. ihnen eingelagert sein können. 

Es hat sich im weiteren Verlauf der Kartirung bei Corbach 
und nördlich davon gezeigt, dass die Conglomerate und Sandsteine 
mit kalkigem Bindemittel, welche, die oliere Zechstcinformatiou 
iiberlagern, nicht immer auf den dem Plattendolomit entsprechen- 
den ixelben Dolomiten aufruhen, sondern mit ihrer Aufhmerfläche 
bis zn den grauen und weisseu Kalksteinen über den rothen Letten 
herabgehen. Es fehlen also au mehreren Stellen die gelben Dolo- 
mite zwischen den mehrerwähnteu Kalken und den Conglomeraten. 

Aus dem im vorigen Belicht und hier Gesagten geht hervor, 
dass in allen Schichtengruppen der Zechsteinformation, insbesondere 
bei Corbach, zwischen den rein kalkigen Aldagernngen auch lim- 
nische auftreten, als Mergel, Letten, Sandsteine und Conglomerate. 
Die "röste Abwechslnn" zeigen allerdiims die Gesteine der oberen 

o <T> !r> 

Zechsteiuformation. x\uch die stärkste Nei"un" zu Uferbilduimen 
ist ihnen eigen. 

Das die Buntsandsteinformatiou einleitende Conglomerat 
erstreckt sich als regelmässiges Schichtenglied zwischen Zechstein- 
formation und unterem Buntsandstein liis an den nördlichen Karten- 
rand, bis Gembeck etwa. Von hier ab nach N., gegen Stadtberge 
zn, treten die Conglomerate nur örtlich und mit grossen Unter- 


LXVIII 


brecliungen auf, und iu der Breite von Stadtberge selbst ist nichts 
mehr von ihneu zu sehen. 

An der Grenze des unteren Buntsandsteins gegen den mitt- 
leren, also in den obersten feinkörnigen Sandsteinen unter der 
ersten grobkörnigen Sandsteinzone, wurden an einigen Stellen (nörd- 
lich und nordwestlich Wellen a. d. Eder) zahlreiche Abdrücke von 
Geroillia Murcliisoni gefunden, welche bisher aus diesem Horizont 
im nördlichen Hessen unbekannt war. Die im vorigen Bericht 
mitgetheilte Schichtenfolge vom unteren zum mittleren Bnntsand- 
stein und die darauf o-eo-ründete Ansicht über die Grenze beider 

ö O 

Stufen wurde iu diesem Jahre an mehreren Orten bestätigt ge- 
funden. Sie gilt auch, wie die mit Herrn Professor Oebbeke 
ausgeführten Begehungen gezeigt haben, für den Buntsaudstein 
der nördlichen und östlichen Umgebimo- des Knüll. 

Die grossen Basal tmassen westlich des Ilabichtswaldes 
scheinen im Alla;emeineu deckeuförmio-e Ergüsse zu sein. Das- 
selbe möchte ich auch für die breiten Rücken auf der Nordseite 
des Knüll gegen das Tertiärgebiet, gegen Blomberg und Frielen- 
dorf, anuehmen. Insbesondere gilt dies für die auf Tertiär und 
Basalttuff aufruheuden Basalte. Dagegen dürfte man wohl die 
kleinen, kuppenartig aus dem Buntsandsteiu, Röth oder auch Tertiär 
hervortreteuden Basaltvorkommeu, soweit sie keine Längserstreckuug 
besitzen, als ausgefüllte Eruptionskanäle, Stiele der Oberflächen- 
ergüsse, ansehen. Am Lammsberg westlich Volkmarsen ist ein 
solcher Eruptionskaual durch den Steinbruchsbetrieb aufgeschlossen. 
Er wird allerseits von mittlerem Buntsaudstein umgeben und hat 
etwa 50 bis 70 Aleter Durchmesser. Eine Seite der Begrenzung 
zeigt sich deutlich, als Verwerfungsspalte. 

In vielen Fällen sind unter den deckenförmigen Ergüssen 
Tuffe iu guter Schichtung vorhanden. Neben diesen Tuffen triffl 
man häufig um die kleineren, isolirten Basaltvorkommnisse (z. B. 
am Ofenberg, westlich Wolfshagen) lockere, scheinbar ungeschichtete, 
sehr grobe Anhäufungen von Basaltblöcken, Olivineinschlüssen, 
Bruchstücken des Nebengesteines und Mineralausscheidungen 
(Glimmer, Blornbleude u. s. w.). Das äussere Ansehen, der Mangel 
an Schichtung, die ungleiche Grösse der einzelnen Gesteinsbrocken 


LXIX 


iintersclieideu diese tiifiartigen Gesteine von den mit Hülfe des 
Wassers abgelagerten geschieliteten Tnflen. Im Kern dieser An- 
liänfiingen steckt in der Kegel das eigentliche Eruptivgestein. An 
einigen anderen Stellen (Wallenstein am Knüll, Züschen in Waldeck 
n. s. w.) bemerkt man kleine, zum Theil gangartige, d. h. eine vor- 
waltende Länü:serstrecknng besitzende Vorkommen von wenig ver- 
kitteten, ungleich grossen Basaltbrocken und Kruchstücken des 
Nebengesteines, also im Allgemeinen Gesteine, welche den vor- 
beschriebenen tuftartigen Alassen gleichstehen. Als Reste von zur 
Tertiärzeit auf horizontaler Unterlage abgesetzten Tuffen köunen 
diese Anhäufungeu nicht angesehen werden, denn ihr heutiges 
Auftreten steht in keiner Beziehung znm Verbreitungsgebiet der 
tertiären Aldagerungen, verdanken sie vielmehr der Erosion. Auch 
die Längsform der Vorkommen spricht dagegen. Dasjenige von 
Wallenstein erhebt sich aus der Sohle eines nicht eben l>reiten, 
ziemlich tiefen Thaies im Bniitsandsteingebiet. Ein anderes, das- 
jenige am Waldrand 1200 Meter westlich Züschen, fällt unmittel- 
bar mit einer Verwerfungsspalte zusammen. jVIan wird daher zu 
der Annahme gezwungen, dass diese Trünnnerwerke von Basalt- 
material Spalten beziehungsweise Eruptiouskauäle ausfülleu. Es 
ist auch nicht ausgeschlossen, dass cs sich mit den unmittelbar 
vorher beschriebenen tnffartigeu Massen ähnlich verhält. 

Einer besonderen Erwähnung scheint die Thatsache zn be- 
dürfen, dass manche Basalte au den Gebirgsstöruugeu im ein- 
schlägigen Gebiet Theil genommen haben. So sind die Buutsaud- 
steinschichten nördlich Oberhülsa (am Knüll) gegen Basalt ver- 
worfen; ähnlich liegen die Verhältnisse bei Steindorf (am Knüll) 
sowie bei den Basalttulfeu westlich Burffhasuno-en bei Wolfhao-en. 

Hinsichtlich der Lagerung der Schichten in dem von 
mir untersuchten Gebiet möchte ich auf das Auffällige des Mangels 
an nachweisbaren Störungen am W estrande des Hal)ichtswaldes 
hinweisen. Der Hasuuger Graben findet dadurch, dass die steil 
gestellten Muschelkalk- und Keupei’schichteu nach SO. bei Burg- 
hasungen und gegen Ehlen zu eine mehr normale Lagerung au- 
nehmen, eine Art Qnerabschluss. Im Gebiet solcher weicher 
Schichten, wie diejenigen des Köths und Tertiärs es sind, macht 


LXX 


es ohneliin Schwierigkeiten, Verwerfungen zu erkennen und fest- 
zulegen. Nur zwischen Niedenstein und Breitenbach konnte ein 
von S. nach N. gerichteter Abluaich des Roths und Tertiärs am 
mittleren Buntsandstein verfolgt werden. 

Eine für die heutige Verbreitung der Zechsteinformation wich- 
tige Verwerfung fällt mit dem Westrande des Blattes Waldeck- 
Cassel zusammen. Das Corbacher Zechsteingebiet bricht nämlich 
längs einer N.-S. -Linie von Lelbach über Lengefeld, Nordenbeck 
nach Immighausen an den Posidonien- und Kieselschiefern des 
Culm ab. Nordöstlich Lelbach folgt die Grenze der Zechstein- 
forniation gegen den Culm dem Streichen des letzteren bis Ilelm- 
scheidt, und von hier ab wendet sich die Grenze wieder nach N., 
ohne dass indess auch hier dieser Umstand unmittelbar einer 
N.-S. -Störung zuzuschreiben wäre. Wohl aber ist der Buntsand- 
stein östlich der zuletzt bezeichneten Grenze gegen die nächst- 
ältere Formation an Verwerfungen abgebrochen, welche die Ver- 
längerungen derjenigen von Vöhl -Berndorf darstellen und über 
Kanstein und Helmighausen bis zum Thal der Diemel verfolgt 
wurden. Die nördliche Fortsetzung der Verwerfung Niederwerbe- 
Sachseidiausen liess sich über Höringhausen bis Mengeringhausen 
nachweisen . Eine dritte Hauptstörung verläuft von Afibltern a. d. Eder 
über Waldeck nach Freyenhagen und Landau und betheiligt sich 
von Külte aus nördlich an der Grabensenkung Volkmarsen -War- 
biirg -Willebadessen. Alle diese S.-N. -Spalten haben ein staflel- 
förmiges Abbrechen nach Osten zu zur Folge. Zwischen den ein- 
zelnen S.-N. -Spalten stellen unter spitzem Winkel laufende Quer- 
spalten die Verbindung her. 

Mittheilung des Herrn F. Beysciilag über Aufnahmen 
im Gebiete des Blattes Waldcck-Cassel ( 1 : 80000 ). 

Die zur Herstellung des letzten Blattes der v. DECiiEN’schen 
Karte von Rheinland -Westfalen ausgeführten Aufnahmen fallen 
in den Bereich der Messtischblätter Cassel, Wilhelmshöhe, Ober- 
kaufungen, Besse, Melsungen und Altinorschcn. 

Die tiefsten Schichten gehören der unteren Abtheilung des 
Buntsandsteins an. Dem allgemeinen, NW. gerichteten Schichten- 


LXXI 


fallen entsprechend verringern sich die anfänglich ausgedehnten 
Flächenräuine, in denen dies Gebirgsglied auftritt, von SO. gegen 
NW. immer mehr, bis gegen das Becken von Cassel, wo der 
Obere Bnntsandstein in das Erosiousniveau der Fidda tritt. Wenia; 
südlich und östlich des Gebietsrandes treten als Ausläufer des 
Bichelsdorfer Gebirges die letzten Zechsteinpartien von Obern- 
gude, Seifertshausen und Connefeld inselartig aus dem Unteren 
Buntsandstein hervor, während der Mittlere Buutsaudsteiu nur in 
langgezogeneii Firsten (Katzeustiru) oder runden Kuppen (Al- 
heimer) die Berge krönt. Weiter Fulda abwärts, in der Gegend 
von Melsungen , ist die 01)erflächeuverbreitung beider Sandsteiu- 
stufeu schon ungefähr gleich, so dass in der Regel die Th.äler im 
Unteren Bunten verlaufen, der auch noch die unteren vielfach 
feldbedeckten Böschungen bildet, während die waldbedeckten 
höheren Bergtheile aus Mittlerem bestehen. Schicliteutältuugen 
und Grabenverseukungeu erzeugen mehrfach Abweichungen von 
diesem Bilde. — Vom Zusammenfluss der Eder und Fidda an 
tritt der Untere Bnntsandstein nur noch in kleinen Raudpartien 
längs des Flusses hervor, der Mittlere sinkt iu’s Flussuiveau, um 
bei Cassel selbst unter demselben zu verschwinden und dem Röth 
Platz zu machen. Weiter flussabwärts hebt sich dann von Wolfs- 
anger au als NO. -Rand des Casseler Beckens der Mittlere Bunt- 
saudstein wieder heraus, um daun bis Münden in fast horizontaler 
Lagerung die Fulda zu begleiten. 

Auf die Gestalt des Fuhlathal- Profiles ist der Wechsel der 
verschiedenen Stufen von überaus deutlichem Einfluss. Während 
im Oberen Theile des Laufes, wo Unterer Buntsaudstein das Thal- 
gelände bildet, die Ufer mässig steil austeigeu und das Thal von 
mittlerer Weite, die Krümmungen des Laufes mässig stark sind, 
werden die letzteren im Mittleren überaus stark, während sich 
der Querschnitt des Thaies verengt und die Wände steiler wer- 
den. Sogleich beim Eintritt in den Röth erweitert sich dann das 
Thalprotil in der anffälligsteu Weise zum Becken von Cassel, in 
welchem dann auch die Gelände den schwächsten Böschungs- 
winkel zeigen. 

Aus der Weite des Casseler Beckens erheben sich nun, durch 


LXXII 


die Fulda vou S. her benagt, wallartig steil die Seliicliten des 
Muschelkalkes. Auf ihnen ist ein c;rosser Theil der Stadt Cassel 
erbaut und verdankt derselbe ihrem steilen Ilervortreten aus der 
Casseler Senke seine landschaftlich schöne und gesnndheitlich aus- 
gezeichnete Lage. Einer OW. gerichteten , stellenweise zwei- 
flügeligen Gralienversenkuug angehörend, laufen vom Weinberg 
und Kratzenberg in Cassel schmale, znr Mitte des Bruches ein- 
ander zugeneigte Muschelkalkstreifen bis zum O.-Fuss des Ilabichts- 
waldes, wo sie im M^ilhehnshöher Park unter Tertiär und Basalt- 
bedecknng verschwinden. Obwohl diese Grabenrichtung ihre 
directe Fortsetzung im Bnrghasunger Graben hat, ist unmittelbar 
am W.-Fuss des Habichtswaldes, da, wo die Triasscliichten unter 
der Tertiärbedeckung wieder hervortauchen, keine Schichtenstörung 
erkennbar. — Von Cassel ans gegen O. findet der Graben seine 
Fortsetzung über das Eichwählchen, Niederkaufungen nach Gross- 
almerode. In den gegenwärtig zugänglichen Aufschlüssen in und 
bei Cassel ist nur der Untere Muschelkalk vertreten. Dagegen 
sind bei gelegentlichen Aufgrabungen in der Stadt unfern des 
Stände])latzes in der kl. Friedrichstrasse, ferner an der Ecke der 
llohenzollern- und Annastrasse Gesteine zu Tage gefördert worden, 
welche beweisen, dass längs der Cassel durchquerenden Ilaupt- 
spalte kleine , schmale streifenförmige Schollen von Oberem 
Muschelkalk, Keuper und Lias eingesunken liegen. 

W^eitaus das grösseste Interesse aller in der Gegend von 
Cassel verbreiteten Eormationen beansprucht das Tertiär. Ihm 
entstammen die für die wirthschaftliche Bedeutung des Bezirkes 
wichtigsten Producte : die Braunkohlen, Thone, Basalte und 
Tufte; an sie knüpft sich eine für die Erkenntniss der Schichten- 
folge im Tertiär Mitteldeutschlands nnd für das Studium seiner 
Meeres- und Süsswasser- Ablagerungen grundlegende Literatur. — 
Die Materialien, aus denen sich die tertiären Ablagerungen des 
bezeichneten Gebietes zusammensetzen, bestehen vorwiegend aus 
losen Sanden z. Th. mit Geröllmasseu, mehr oder minder reinen 
Thonen, Braunkohlen, untergeordneten Kalksteinen, welch’ letztere 
meist mir in Form vou Coucretiouen, seltener in dünnen Bänken 
auftreteu, und endlich aus wenig jüngeren vulkanischen Gebirgs- 


Lxxm 


arten, tlen Basalten und Tiifl'en. Keines dieser Gesteine selieint 
einem bestimmten geognostisclien Horizont in der Niederhessiscben 
Tertiärformation ausseddiesslich anzimeliöreu und ist in FoGe 

O Ö 

dessen keins au und für sich geeignet als leitend für die Er- 
kenntniss des a;er)-enseitia:en Altersvcrhältnisses der Tertiärbildiumen 
augesproclien zu werden. In manniehfacliem Wechsel und Wieder- 
holungen, die, ohne eine Parallelisirung von Aufschluss zu Auf- 
schluss zu gestatten, doch eine gewisse Kegelmässigkeit der Auf- 
einanderfolge im Grossen erkennen lassen, verbreiten sich diese 
Gesteine ül)er beträchtliche Gebiete. Nicht allein in Folge der 
Wirkungen diluvialer und alluvialer Erosion, sondern eben so sehr 
als Er<irehniss bereits zur Tertiärzeit einofetreteuer Zerstöruuijen 
und Abtragungen, stellen die Tertiärablagcrungen heute unzu- 
sam menhängende Lappen verschiedener Grösse dar, welche in 
ihrer iiecenwärtiofeu Verhreitunü; und Erhaltuim’ vorzimsweise an 
Napf- oder Ilinnenförmige Vertiefungen in der unterlagernden 
Trias geknüpft sind. Während die mittel- und oheroligocäneu 
Meeresahhmeruim'en ihrer Entstehung gemäss als gleichmässig 
flächenhaft auf grösserem llaume ahgesetzte Sedimente gedacht 
werden müssen, deren Zusammenhang in weiter unten näher zu 
erörternder Weise bereits zur Tertiärzeit verloren gegangen zu 
sein scheint, deutet die Art der Verbreitung der Braunkohlen- 
führenden Süsswasserablagerungen, die bald steilere, bald tlachere 
Lagerung, das Vorkommen gleichartiger und wohl auch gleich- 
alteriger Al)lagerungen in beträchtlich verschiedenen Meereshöhen 
auf Aljsätze innerhalb praeexistirender bald engerer, bald weiterer 
Thäler, welche sieh örtlich zu beckeuartigen Kesseln und Senken 
erweitern. Es gilt dies in besonderem Maasse für den östlichen 
und nördlichen Rand unseres Gebietes, d. h. für die Gegend von 
Kaufungen, Grossahnerode, Stauffenberg, Landwehrhagen, Gahreu- 
berg, Hohenkirchen etc., während gegen S. die Ablagerungen 
geschlossener werden und sich zu der grösseren uiederhessischen 
Tertiärsenke von Felsberg, Homberg etc. zusammenschliessen. 

Die Eintlössung zahlreicher Gerolle aus dem Schiefergebirge 
(Kieselschiefer, Quarzit etc. des Waldeck’schen, sowie von Kreide- 
kalkgeschiebeu mit Inoceramus ^ RhynchoneHa und Feuersteinen 


LXXIV 


wahrscheinlich aus dem westfälischen oder einem an das Ohm- 
gebirge anschliessenden Kreidegebiet) in die zwischen den Braun- 
kohlenflötzen liegenden Sande, sowie in die jüngeren Basalttufte, 
setzt Wasserabflüsse zur Tertiärzeit voraus, welche ebenfalls nicht 
wohl ohne erodirende Wirkungen gedacht werden können, und 
welche das Kelief des wahrscheinlich mindestens von der Zeit 
des Oberen Jura bis zur Unteren Kreide als Festland liegenden 
Bodens hier durch Anfüllung eiuehneten, dort durch Ausnagung 
vertieften. 

Auf Erosionswirkungen wahrscheinlich in der jüngeren Tertiär- 
zeit ist es daun wohl zurückzuführen, dass in dem zu besprechenden 
Gebirgsabschnitt nur noch vereinzelte Schollen und Lappen der 
marinen mittel- und oberoligocänen Ablageruncien in den ver- 
schiedensten Höhenlagen erhalten blieben. Für die Erklärung 
des letzteren Verhältnisses scheint nicht lediglich die Annahme 
einer Wirkuus: dislocireuder Verwerfumjeu zu genügen, vielmehr 
sind wohl neben späteren Niveauverschiebungen auch ursprüng- 
liche Tiefen - Unterschiede in dem verhältuissmässig schmalen 
Meeresarme im Spiel. Alacht sich doch innerhalb der einzelnen 
Fnndpunkte oberoligocäner Versteinerungen ein gewisser Unter- 
schied durch das Vorherrschen dieser oder jener Formen geltend. 
Die durch den Braunkohlenbergbau des Ilabichtswaldes an zahl- 
reichen Orten aufgeschlossenen , in ihrer Umgrenzung oft weithin 
verfolgten sogenannten Basaltrücken sind ihrer Gestalt und An- 
Ordnung nach nichts anderes als Erosionsrinneu innerhalb der 
tertiären Süsswasserablagerungen, welche von Basalttuften und zu- 
sammeugeflössten Sand- und Geröllmassen erfüllt sind. In der 
Braunkohlengrube Stellberg bei Wattenbach fand ich vor 2 Jahren 
beim Befahren der Grube eine deutliche im Kohlenflötz einge- 
schnlttene mit Saud und Kies erfüllte Erosionsriuue, welche durch- 
aus den Eindruck eines Bachbettes machte. 

Ueber das Alter der tertiären Süsswasseral)lagerungen der 
Casseler Gegend kann ein endgültiges Urtheil heute noch nicht 
gefällt werden. Lediglich die deutliche Lageruugsbeziehung zu 

O o ö ö ö 

mitteloligocäuem Septarienthon oder oberoligocäuem Meeressaud 
ist beweisend. Danach gehören die bereits nahe dem östlichen 


LXXV 


Kartenramie hef^innendeu Brauiikohlenablagerungeii von Kaufungeu, 
sowie diejenigen des Mönclieberges ini NO. von Cassel dem Unter- 
oligocän an, weil sie vom mitteloligocänen Septarienthon über- 
lagert werden. Für die Brannkohlenablagernngen anf der Söhre 
lind dem Habiebtswald fehlt es bisher an derartigen sicheren 
Lagernngsbeziebnngeu und kann m. E. weder die relative Ilölien- 
lage noch auch die petrographische Beschaffenheit und Schichten- 
folge Innerhalb der Süsswasserbildungen als entscheidendes Merk- 
mal für eine Altersfeststellung dienen. — Die Flora, welche in 
den Brannkohleiithonen und Basalttntfen des Ilabichtswaldes bei 
Gelegenheit des Abtenfens des fiscalischen Maschinenschachtes am 
»Grossen Steinhaufen« getrofien wurde, hätte vielleicht Anhalts- 
punkte zur Bestimmung des relativen Alters dieser Ablagerung 
liefern können, aber die seiner Zeit gewonnenen Stücken sind im 
Privatbesitz verstreut und der Wissenschaft grösstenthcils ver- 
loren. Ueber Tage sind gegenwärtig keinerlei Fundpunkte pflanz- 
licher Versteinerun<ien zimäimlich. 

Nach den bisher im Gebiete der Umgegend Cassels ge- 
machten Beobachtungen neige ich zu der Vorstellung hin, dass die 
sämmtlichen in dieser Gegend verlireiteten, Braunkohle führenden 
Süsswasserablafterunffen gleichen und zwar nnterolicrocäuen Alters 
sind. Die z. Th. erheblich geneigten Schichten liegen, wie be- 
reits oben ausgeführt, in einzelnen Kinnen und Kesseln, welche 
sich gegen S. mehr znsammenschliesson und werden bei Ober- 
kaufinmen, am Möncheber«; und im Eselsf^raben bei Niederzwehren 
von marinen Tertiärschichten bedeckt. Die letzteren sind nur in 
kleinen Schollen und Lappen erhalten, welche ebenso häufig auf 
tertiären Süsswasserablag;eruno;en als unmittelliar auf triadischem 
Untergrund aufzuruhen scheinen. Gegen S., wo die vereinzelten 
Tertiärablagerungen sich mehr nach dem Inneren des Ilanpt- 
lieckens zusammengeschlossen haben, also südlich von Gunters- 
hausen und Besse, scheint das marine Oberoligocän wiederum 
durch Süsswasserbildungen, denen danach wohl miocäues Alter 
znkommeu würde, bedeckt zu sein. 

Innerhalb der Süsswasserabbrneruimen sind die an Kalk- 

O O 

concretiouen oft reichen Thone mit Melania horrida noch an einer 


LXXVI 


Reihe neuer Punkte anf'gefnnclen worden. Namentlich gegen 

Besse und Felsherg hin scheinen dieselben eine beträchtlichere 

Verbreitung zu gewinnen. — Von besonderem Interesse ist die 
Auffindung einer geschlossenen Kalkbauk in diesen Schichten, 
welche mit Steiukernen von Limnaeus facUygmter erfüllt ist. — 
Bei Besse fällt eine Ablagerung auf, welche in enger räumlicher 
Verknüpfung mit diesen tertiären Schichten zu stehen scheint. 

Es sind überaus glatt und rund geschlitfene Muschelkalkgerölle, 
die in grosser Meng'e zusammeno-ehäuft sind und von Diluvium 

ö ö ö 

bedeckt werden. Die Bestimmung ihrer Herkunft ist um so 
schwieriger als am Ostfuss der »Langen Berge«, von denen her 
die Wasser nach Besse fliessen, nirgends mehr Muschelkalk an- 
stehend aufzufinden ist. 

Auf den tertiären Gliedern verschiedenen Alters breiten sich 
abweichend gelagert und vielfach bis auf die Trias übergreifeud 
Basalttiffie aus, denen sonach wohl ein miocäues Alter zukommen 
würde. Sie werden vielfach von mächtigen Basaltergüsseu be- 
deckt oder von Gängen durchsetzt. Zu diesen demnach wohl 
ebenfalls mioeäneu Basalten rechnen die meisten Platten und 
Kuppen des Habichtswaldes und der »Langen Berge«. Nur auf 
Blatt Felsberg ist es bisher gelungen, mit Sicherheit einen inner- 
halb der tertiären Süsswasserbildunofen liegenden Basalterffuss 
auszuzeichnen. Zu letzterem könnten niöffiicher Weise ijewisse 
lagerförmige Basalte am Nord- und Südfuss des Habichtswaldes 
zu zählen sein, die allerdings bezw. ihrer petrographischen Be- 
schaffenheit sich weit mehr an jene jüngeren Basalte des Habichts- 
waldes als an den älteren Erguss von Böddiger bei Felsberg an- 
schliessen. 

Es würde hier zu weit führen nun die einzelnen Tertiär- 
ablagerungen nach Verbreitung, Lagerung und Zusammensetzung 
zu schildern. Wenngleich bereits viel Material zu solcher Be- 
schreibung iiamentlich der durch Bergbau erschlossenen Gebiete 
zusammengebracht ist, muss dessen Veröffentlichung doch für 
eine geplante zusamineufässende Schilderung und für die Er- 
läuterungen der geologischen Specialkarte zurückgelegt werden. 
Nur so viel sei noch ei’wähnt, dass mau als die hauptsächlichsten 


LXXVII 


folo-eiule ofetrennte Bramikolileualjlaa-eriino-on in unserem Gel)iete 
zu unterscheiden hat: 

1. Das Habichtswalder Brauukohlengebiet mit seiner süd- 
lichen Fortsetzung über Hoof.^ Elgershausen zu den »Langen 
Bergen«, und über Nordshansen znm Baunsberge. Die einzelnen 
Gruben und Reviere bauen auf den verscbiedeu benannten und 
durch die in Erosionsrinnen abgelagerten Tnftinassen (Basaltrücken) 
«xetreunten Theilen eines und desselben Kohlenflötzes. Nur im 

O 

fiscalischen Förderschacht am »Grossen Steinhaufen« ist In’sher 
ein zweites, höheres Flötz (Busse) getrofleu und auf kurze Er- 
streckung verfolgt worden. 

2. Die Braunkohlenmnlde von Bningshauscn- Möncheberg. 

3. Die auf der Höhe der Söhre lagernde Braunkohlenmnlde 
des Stellbergs bei Watteubach. 

4. D ie Mulde von Malsfeld -Dagobertshausen -Ostheim. 

Mittheilung des Herrn E. Kayser über Aufnahmen in 
der Gegend von Dilleuburg und Marburg. 

Die im Laufe des Herbstes 1889 in der Dillgegend aus- 
geführten Aufnahmearbeiteu haben sich auf die FTmgebnng der 
Stadt Dilleuburg, auf beiden Seibm der Dill, beschränkt. An der 
Znsammensetznuo; dieses Gebietes nehmen mitteldevonische Thon- 
bezw. Dachschiefer mit zahlreichen darin eingeschalteten Lagern 
und Lagergängen von Grüusteiu, sodann Schalstein, Cypridinen- 
schiefer mit begleitenden glimmerigeu Plattensandsteinen und end- 
lich Culm-Kieselschiefer Theil. Das Vorkommen des letzteren ist 
auf eine kleine zerrissene Mulde unmittelbar westlich von Dilleu- 
biu’g beschränkt. Dagegen besitzt das Olierdevon, welchem nach 
seinen Versteinerungen auch der Schalstein angehört, eine ansehn- 
liche Verbreitung. Das Mitteldevon endlich, welches etwas weiter 
nördlich den bekannten breiten Thon- und Dachschieferzng von 
Wissenbach bildet, tritt bei Dilleuburg nur in ein paar schmalen 
Bändern — stark zusammeugepressteu Sattelfalten — ans den 
umgebenden jüngeren Ablagerungen hervor. Ebenso wie die er- 
wähnte kleine Cuhnmulde sind diese mitteldevonischeu Schiefer 


LXXVIII 


bisher ihrem Alter nach verkannt worden und daher noch anf 
keiner geologischen Karte zur Darstellung gelangt. 

Eine ganze Reihe horalO — 1 D /2 streichender Querverwerfungen 
durchsetzen die zu steilen Falten zusainineugeschobenen Schichten. 
Die bedeutendste, mit einer ansehnlichen Querverschiebung der 
Schichten verbundene, läuft mitten durch das Dörfchen Eibach 
hindurch. 

Als eine interessante Erscheinung sei endlich die ausgezeich- 
nete, der des Basaltes ähnliche Säulenabsonderung erwähnt, welche 
an einer Stelle (am Wege von der Ilauptkirche nach dem Schloss) 
an der Diabasmasse des Dillenbur<rer Schlossberores zu beob- 

O ö 

achten ist. 

In der Marbura:er Gebend wurde im Anschluss an die 

ö O 

für die Herstellung des Ergänzungsblattes Cassel -Waldeck der 
v. DECiiEx’schen Karte im Kellerwalde ansgeführten Arbeiten eine 
Aufnahme des Wollenberges (unweit Wetter) und seiner Um- 
gebung ausgeführt. Wenn es auch bei der weitgehenden petro- 
graphischen Uebereinstimmung, welche der Quarzit dieses ansehn- 
lichen Berges mit demjenigen des Kellerwald-Rückens zeigt, und 
Angesichts der Thatsache, dass der Wollenberg genau in der ver- 
längerten Streichrichtnng des erstereu liegt, keinem Zweifel unter- 
liegen kann, dass auch der Wollenbergsquarzit unterdevonischen 
Alters ist, so gelang es hier doch nicht, wie am Kellerwalde, 
hangende Grauwacken mit der Obercol)lenzfauna nachzuweisen. 
Solche scheinen, ebenso wie das Alitteldevou, am Wollenberge 
nirgends zu Tage zu treten; vielmehr werden die Abhänge des 
Berges ausschliesslich von abgesunkenen Oberdevou- und Culin- 
schichten zusammengesetzt, die beiderseits mit streichenden Ver- 
werfungen unmittelbar an den stehengebliebeneu, die Hauptmasse 
des Berges bildenden Unterdevon-Quarzit augrenzeu. Dem Obei- 
devon gehört als ältestes Glied der korallenreiche (wesentlich 
dem des Iberges im Harze gleichalterige) Kalk von Aniönau- 
OI)erndorf an. Darüber folgt ein von grobkörnigen Dia- 
I)asen begleiteter Quarzit, über welchem endlich Ciilm liegt, 
welches zu unterst aus Adinolen und Kieselschiefern, zu 
oberst aus mächtigen Grauwacken besteht, welche letztere in 
jeder Beziehnng denen von Jesberg im Süden des Kcllerwaldes 


LXXIX 


ähnlich sind. Mit diesem und der Wildnnger Gegend hat die 
Wollenber<''-Uino;ebun 2 : ancli den eben erwähnten, von Diabasen 
begleiteten Oberdevon -Quarzit gemein. Während mir aber das 
Alter dieses in anderen Theilen des rheinischen Schiefergebirges 
nnbekannten Gesteins im Wildunijer Gebiete lana;e zweifelhaft 
war, und ich somar eine Zeit laug e;euei<>:t war dasselbe dem Keller- 
waldqtiarzit gleichznstellen , so ergiebt sich bei Amönau aus der 
Uuterlagerung des Quarzits durch Iberger Kalk sein oberdevonisches 
Alter mit aller Sicherheit. Dieses Ergebniss könnte auch für den 
Harz wichtig werden, da nach meiner Erinnerung im Norden des 
Acker- Bruchberg -Rückens, welcher genau aus demselben Quarzit 
wie der des Kellerwaldes und Wollenberges zusammengesetzt ist, 
den Wildnnger und Amöuauer sehr ähnliche, ebenfalls von Dia- 
basen begleitete und daher vielleicht gleichfalls dem Oberdevon 
angehörige Quarzite entwickelt sind. 

Wie der Kellerwald, so wird auch der Wollenberg von grossen 
Querverwerfnugen durchsetzt, die sich in auffälligen Verschiebungen 
der correspondirenden Schicht änssern und die anch das dem Berge 
im Norden vorgelanferte Rothlieo-ende in d('utlichster Weise mit 

ö O O 

verwerfen. An einer solchen, bei Caldern und Kernbach unter 
sjutzem Winkel das Lahnthal kreuzenden Verwerfung hört der 
Wollenbergsquarzit in voller, bedeutender Breite auf. Jenseits, 
d. h. im Westen der Dislocation findet, sich überhaupt kein Unter- 
devon mehr: das älteste Gestein Ijilden hier vielmehr die mittel- 
devonischen, zum Theil als Orthocerasschiefer (mit Goniatites graeiUs 
und latesrj.itatus, Orthoceras sp., Panenka, Tentaculiten u. s. w.) ent- 
wickelten Schiefer von Kernbach mit ihren mächtigen Diabas- 
stöcken (Rimberg, Feiselljerg u. a.). Auch weiter nach Süden 
und Norden zu scheint diese bedentende Verwerfung, sich noch 
auf weite Erstreckung hin verfolgen zu lassen. 


Mittheilung des Herrn E. Holzapff-L über die Aufnahmen 
auf Blatt St. Goarshausen. 

Der südöstliche Theil des Blattes wird von IT nnsrückschiefern 
eingenommen, der grössere Rest von den unteren Coblenzschichten, 
durch welche hin und wieder schmale Sättel von nnnsrück- 
schieferu durchstossen. Im nördlichen Theile sind 4, z. Th. mehr- 


LXXX 


fach zerrissene Züge von Quarzit vorhanden, welche im Terrain 
als hohe , langgestreckte Rücken markirt sind. Die Unter- 
Coblenzschichten bestehen vorwiegend aus Schiefern, mit eiime- 
lagerten, verschieden mächtigen Granwacken, welche z. Th. qnar- 
zitisch werden, und dann in den tief eingeschnittenen Thälern 
schroffe, vorspringende Felspartien bilden (Schweizerthal bei St. 
Goarshansen, Loreley). Einlagerungen von Porphyrolden sind sehr 
zahlreich, und z. Tli. weit verfolgbar. Von besonderem Interesse 
ist das häutige Vorkommen von Gesteinen, die dem »Weissen 
Crebirge« der Werlauer und Holzappeler Bergleute vollkommen 
gleichen. An mehreren Stellen stehen dieselben in Verbindung 

O ö 

mit Quarzgängen , welche zuweilen Erze enthalten , wie bei 
Ehrenthal. Im Feuerbachthal scheint solches typisches »Weisses 
Gebirge« in ein dunkel gefärbtes, diabasartiges Gestein überzugehen. 
Vielfach, besonders wenn die Aufschlüsse schlecht sind, scheint 
das genannte Gestein schmale, gleichförmige Einlagerungen im 
Unter-Coblenz zu bilden. Au mehreren Stellen am Gehänge des 
Rheiuthales tritt indessen die gangartige Natur klar zu Tage, 
namentlich zwischen Ehreuthal und Kestert, bei Ehrenthal, und 
bei St. Goarshausen. Bei Ehrenthal enthält das Weisse Ge- 
birge häutig bis zollgrosse Krystalle von Apatit porphyrisch 
eingeschlossen, deren Kauten gerundet zu sein pflegen. Da- 
neben kommen Knöllchen eines phosphoritartigen Minerals einge- 
schlossen vor. Im Urbachthal wird das Weisse Gebirge wohl 
breccienartig, die scharfkantigen Bruchstücke sind daun durch 
Gaugquarz verkittet. Bisher wurde dieses Gestein au etwa 25 
verschiedenen Stellen (auf dem rechten Rheinufer) beobachtet. — 
Auf den Höhen kommt in ziemlicher Verbreitung Tertiärkies vor, 
doch wird derselbe meistens von weit ausgedehnten Flächen von 
Löss bedeckt, und kommt nur an den Rändern derselben zum 
Vorschein. 

Mittheilung des Herrn E. Datiie über die geologischen 
Aufnahmen der Blätter Rudolfswaldau, Friedland und 
Reichenbach. 

Auf dem Blatte Rudolfswaldau wurde bei der letztjährigen 
Aufnahme der westlichste Theil der Gueissformatio u , das 


LXXXI 


Carbon und Rothliegende kartlrt. Beide letzteren Formationen 
nehmen den westlichsten Theil des Blattes ein und finden ihre Fort- 
setzung auf Blatt Friedland, mit dessen Aufnahme begonnen wurde. 
Der aufgenommene Theil der Gneissformation wird im Osten 
durch eine Linie bestimmt, welche in nordsüdlicher Richtung vom 
Nordrande der Karte, beim Wolfsberg beginnend, über den Urlen- 
berg, die Säuferhöhen nach dem Neumannsberg bei Rudolfswaldau 
verläuft; die Westgrenze der Formation fällt zugleich mit der Carbon- 
grenze zusammen und zieht sich in nordwestlicher Richtung von Ru- 
dolfswaldau über Kaltwasser, Wüstegiersdorf nach Tannhausen hin. 
In diesem Gebiete ist die Abtheilung der Zweiglimmergneisse 
vorherrschend , und nur am nördlichen Blattrande greift ein 
schmaler Streifen von Biotitgneissen von dem Blatte Charlotten- 
brunn her auf vorliegendes Blatt über; er reicht vom Wolfsberge 
bis nach Tannhausen. Die Gneisse wurden in beiden Abtheilungen 
wiederum nach ihrem Gefüge 1. in feinkörnig-schuppige und fein- 
schiefrige (I), 2. in grob- bis breitflaserige (II) und 3. in flase- 
rige (I/II), welch’ letztere die Uebergänge zwischen I und II dar- 
stellen, unterschieden. — Als besondere Structurvarietät der grob- 
flaserigen Zweiglimmergneisse wurden die Augeugneisse ab- 
getrennt; sie bilden zwei Zonen, wovon die eine die Fortsetzung 
der früher schon festgestellten Zone ist, welche von den Otten- 
steinen bei Glätzisch-Hausdorf im mittleren Eulengebirge über 
Schlesisch -Falkenberg nach den Säuferhöhen nachgewiesen wurde, 
und ihre Fortsetzung am oberen Nesselgrunde, am Ramenberge, 
an der Vereinigungsstelle des grossen und kleinen Märzbaches 
und am Märzbache findet. 

Die zweite Augengneisszone im Hangenden wird durch 
grobflaserige Zweiglimmergneisse von der ersteren getrennt; sie 
beginnt am Heller Wasser, geht über den Langen Berg und den 
vorderen Ramenberg, wo sie eine rein westliche Richtung annimmt, 
nach Nieder-Wüstegiersdorf. — Von Einlagerungen sind in den 
Gneissen wenig Amphibolitlager angetrofien worden. Von Gang- 
bildungen sind Pegmatite, Barytgänge und Felsitporphyr zu nennen. 

Bemerkenswerth sind zahlreiche F elsitporphyrgänge, welche 
die Gneissformation nach Ablagerung des Carbons in der Nähe der 

f 


Jahrbuch 1889. 


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letzteren Forinationsgrenze durchbrochen haben. Für diese An- 
nahme spricht das Anftreten eines mächtigen Felsitporphyrs süd- 
lich von Rudolfswaldau, welcher daselbst aus der Gneissformation 
in gleicher Richtung in das Obercarbon übersetzt. — Dieser letztere, 
zwei Kilometer lange Gang gehört einem Gangsysteme an, das 
vorzugsweise in zwei ziemlich parallelen Spalten bis zum Ramen- 
berge fortsetzt, vielfach durch nordöstliche Spalten verworfen ist 
und eine Länge von 5 Kilometern besitzt. 

Das Carbon gehört in seinen liegendsten, auf den Gneiss 
ungleichförmig gelagerten Schichten, den sogenannten Schatzla’er 
Schichten Stur’s an; nur am Silberwald bei Tannhausen sind noch 
Waldeuburger Schichten vorhanden; über erstere folgen röthlich ge- 
färbte Couglomerate und Arkosesandsteiu ; sie gleichen petrographisch 
den Schwadowitzer und Radowenzer Schichten des böhmischen 
Flügels und müssen denselben bei regelmässiger Bildung des nieder- 
schlesisch - böhmischen Beckens entsprechen ; nur hat man aber 
deren Vorhandensein bis jetzt auf der schlesischen Seite nicht an- 
genommen. Ist meine Annahme idchtig, was die Kartirung bei 
Waldenburg zu entscheiden haben wird, so müsste man die Grenze 
zwischen Rothliegendem und Carbon viel höher als bisher legen. 
Der Versuch hierzu ist bei der Kartirung der Blätter Rudolfs- 
waldai; und Friedland gemacht worden, und würde demnach die 
untere Congloiueratstufe des Rothliegeudeu wahrscheinlich dem 
Obercarbou Zufällen; die Grenze wäre dorthin zu legen, wo die 
Couglomeratbilduug auf hört, ferner über derselben Sandsteine, 
Kalksteine und Röthelschiefer lediglich herrschen und in gewissen 
Theileu des Beckens ein Uebergreifen dieser letzteren Gesteine 
(unteres Rothliegendes) auf ältere Carbonschichten stattfindet. 

Zur unteren Stufe des Rothliegeudeu zählen ausser den 
genannten Sandsteinen, Kalksteinen, Röthel schiefem (wozu auch 
schwärzlich -graue Schiefer, Braudschiefer oder Walchienschiefer) 
hinzutreten, noch ausserdem die Eruptivstufe, eine Schichteureihe, 
welche aus deckeuförmigeu Ergüssen von Melaphyr, Porphyrit, 
Quarzporphyr, blasigem Quarzporphyr und Porphyrtufi’ besteht. 
Diese Eruptivstufe ist namentlich bei Lomnitz (am Stubenberge) 
vollständig entwickelt, wo zwei Melaphyrdecken , die durch eine 


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Decke von mittelköruigem Quarzporphyr getrennt werden, zu beob- 
achten sind. In Lomnitz wird die untere Melaphyrdecke von einer 
ellipsoidischen Partie von Quarzporphyr, dessen grösste Durch- 
messer 225 Meter und 175 Meter betragen, durchbrochen. Die 
gleiche Gesteinsbeschaffenheit, die Lage wie Form der Porphyr- 
partie lassen es kaum zweifelhaft erscheinen, dass man in ihr den 
Rest eines Eruptivschlottes , von dem die höher gelegene Decke 
des Quarzporphyrs aus sich ergoss, zu erblicken habe, lieber den 
Melaphyrdecken folgt im Hangenden eine Decke von blasigem 
Quarzporphyr, die augenscheinlich aus mehreren Ergüssen besteht 
und eine bedeutende Mächtigkeit aufweist; das Porphyrgestein ist 
lichtröthlich-braun, enthält porphyrisch Quarzkörner und Krystalle 
und Feldspäthe, zugleich aber vielorts kleine Einschlüsse von Milch- 
quarz, Melaphyr, Thonschiefer etc. Die Structur des Gesteins ist 
zum Theil blasig, zum Theil cavernös; es zieht sich in 1 — 2 Kilo- 
meter breitem Streifen von Lomnitz über Wüstegiersdorf bis zu 
den Vierhöfen hin. Porphyrtuffe sind ihm an mehreren Stellen in 
geringer Mächtigkeit eingeschaltet. — Dasselbe blasige Porphyr- 
gestein ist am Königswalder Spitzberge entwickelt, wo es von 
einem Melaphyr, der in Dach und Sohle meist Mandelsteinbildung 
zeigt, unterteuft wird. Bei Crainsdorf schiebt sich ein derartiger 
Porphyr zwischen die untere und obere Melaphyrdecke ein, und 
ein ähnliches Porphyrgestein ist bei Kunzendorf am rechten Ge- 
hänge der Walditz am Scholzendorfer Thälcheu aufgefunden worden. 

Die Lagerungsverhältnisse des Carbons — eine specielle 
Gliederung in einzelnen Stufen im Gebiete der Blätter Rudolfs- 
waldau und Friedland muss bis zur Durchführung derselben im 
Waldenburger Becken verschoben werden — und des Roth- 
liegenden sind im nördlichen Theile der Blätter überaus regel- 
mässige, bei einem Streichen von NW. nach SO. und einem Fallen 
von 20 — 30 0 gegen SW. folgen die beiden Foi’mationeu gleich- 
förmig aufeinander. In der südlichen Hälfte des Blattes sind jedoch 
in beiden Formationen Störungen von bedeutender Länge und Grösse 
der Sprunghöhe vorhanden. An der äussersten Südostecke des 
Blattes bei Kunzendorf tritt eine grosse Verwerfung in das 
Kartengebiet ein, welche schon vor Jahren von mir an der 

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Ostseite des Grabhrozuges festgestellt wurde und deren Sprung- 
höhe mindestens 300 Meter beträgt. Carbon und Rothliegendes 
werden längs des Walditzthales bis zum Mölkener Thale in ein 
tieferes Niveau gebracht; Querverwerfungen ermöglichen das Ab- 
sinken der Gebirgscholleu. Während die Hauptverwerfung in 
diesem Theile nach NW. verläuft, springt südöstlich der Tinzen- 
koppe eine N.-S. verlaufende Verwerfung nach N. ab, welche den 
westlichsten Theil des Feldes der Wenzeslaus- Grube dui’chsetzt 
und die Culmgrenze bei Col. Städtisch -Eule erreicht. — Ein 
anderes System von Sprüngen, theils nordsüdlich, theils nordwestlich 
streichend, setzt sich am Südraude der Karte bis zur Col. Schulzeu- 
dorf fort. Die grösste und längste der Verwerfungen wurde aber 
westlich dieser, von Col. Achthäuser, über Col. Fichtig, den Königs- 
walder Spitzberg, Königswalde bis Col. Goldwiese festgelegt, wo- 
durch ein Carboustreifen westlich dieser in h. 10 verlaufenden Ver- 
werfuugslinie stehen geblieben, ein anderer Streifen von Rothliegen- 
dem und Carbon dagegen gesunken ist; nordöstliche und ostwest- 
liche Querverwerfungen haben bei Goldwiese und Neu-Wüstegiers- 
dorf das Absiuken dieser Schollen von den nördlichen ungestörten 
Rothliegenden- und Carbon -Schichten bewerkstelligt. Zerstücke- 
lunajeu innerhalb der Schollen treten namentlich am Könia^swalder 
Spitzberge auf, wo die Porphyr- und Melaphyrdecken von Quer- 
verwerfungen betroften worden sind. Ebensolche Verwerfungen 
wurden in der Eruptivstufe bei den Vierhöfen und Köuigswalde 
(Blatt Rudolfswaldau) sowie zwischen Lomnitz und Freuden- 
burg (Blatt Friedland) nachgewiesen. 

Auf Blatt Reichenbach befasste sich die Kartirung mit der 
Festlegung Amn den inselartig aus dem Diluvium hervorragenden 
Gneisspartien bei Gärtz, Faulbrück, Neudorf und Dreissighuben. 
Die Gneisse sind Biotitgneisse und stimmen hinsichtlich ihrer 
petrographischen Beschaffenheit sowie ihrer Einlagerungen mit den 
Gneissen des Eulengebirges überein. Bemerkenswerth ist die 
Auffindung von ächtein Granulit, der eine 5 — 6 Meter lange und 
mehrere Decimeter starke Linse im grobflaserigen, stark wellig ge- 
bogenen Biotitgneisse südlich Dreissighuben im dortigen Stein- 
bruche bildet und neben zahlreichen kleinen Granaten reichlich 


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blass -bläulichen oder farblosen Cyanit (Distlien) führt; letzteres 
Mineral wurde auch in manchen Feldspathflasern von granat- 
führendem Gneiss aufgefunden; als Gemengtheil des Gneisses ist 
das Vorkommen von Disthen bei Dreissighuben das erste in 
Schlesien zu nennen. 

Mittheiluno; des Herrn G. Berendt über wissenschaftlich 
neue Ergebnisse bei der Aufnahme des Blattes Stettin. 

So wenig sich allerdings erwarten liess, dass wirklich neue 
Ergebnisse nach den namhaften Erfolgen, über die ich in Ver- 
bindung mit dem Voi’schreiten der geologischen Kartenaufnahmen 
im Flachlande im Vorjahre berichten durfte, schon jetzt wieder 
' zu verzeichnen sein würden, um so erfreulicher ist es, dass dennoch 
wenigstens für die genannten Aufnahmen neue Beobachtungen 
vorliegen. Es ist dies die Folge davon, dass diese Aufnahmen 
mit dem Beti’eteu der Stettiner Umgegend ein Gebiet erreicht 
haben, in welchem das Tertiär vielfach durch die diluviale Decke 
hindurchleuchtet oder dieselbe gänzlich zerrissen hat. 

Das Hervortreten des Tertiärs, das mehr oder weniger 
als eine Emporpressung desselben bezeichnet werden kann, und 
andererseits die Berührung des Tertiärs m i t d e m D i 1 u v i u m 
sind daher auch die beiden Punkte, welche — wenigstens in dem 
beobachteten Umfange — als neu bei den Kartenaufnahmen im 
Flachlande hierher gehören und auf kurze vorläufige Besprechung 
Anspruch machen dürfen, ebenso wie drittens das Auftreten 
von Schwarzerde in der Stettiner Gegend als für diesen Theil 
des Flachlandes neu Erwähnung verdient. 

Dennoch sehe ich mich vei'anlasst, von einem näheren Ein- 
gehen auf die im ersten Punkte augedeuteten Lagerungsverhält- 
nisse des Tertiärs jetzt noch abzusehen, weil ich eine Art des 
Emportretens älteren Gebirges, der Kreide und des Tertiärs, aus 
der Stettiner Gegend bereits früher beschrieben habe ^), während 
die betreflPeuden neueren Beobachtungen noch nicht abgeschlossen. 


b Kreide und Tertiär von Finkenwalde bei Stettin enth, in Zeitschr. d. 
Deutsch. Geol, Ges., Jahrg, 1884, S. 866, 


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namentlich noch nicht gleich weit gediehen sind. Soviel aber 
muss zum Verständniss des zweitgenannten Punktes, der Be- 
rührung zwischen Tertiär und Diluvium, auch hiervon schon er- 
wähnt werden, dass das Tertiär innerhalb des Blattes Stettin, 
wie des nach Norden austossenden Blattes Pölitz in einer flach 
sattelförmigen Aufpressung des mitteloligocänen Septarienthones 
besteht, welche einen Durchmesser von etwa 1 Meile besitzt. 

Der Umstand, dass eine 5 — 8 Meter mächtige Bank des be- 
kannten gelben Stettiner Sandes unweit des Hangenden des Sep- 
tarienthones in demselben eingelagert sich findet, gestattet ein 
Urtheil über das allmähliche allseitige Ansteigen der Schichten 
des auf den ersten Blick fast ungeschichtet erscheinenden Septarien- 
thones zur Höhe dieses Warsow-Stolzenhagener Tertiär -Plateau. 
Das letztere erhebt sich um wenigstens 75 Meter über die etwa 
25 Meter betragende durchschnittliche Höhe der Gesammt-Hoch- 
fläche und erreicht unweit des Teufelsbruches nahe dem Nord- 
rande des Kartenblattes Stettin mit 120,9 und 131,1 Meter Meeres- 
höhe seine grösste Erhebung. 

Ueberall an den Rändern und in den allseitig in diesen 
hiuabführenden Schluchten und Wasserrissen zu Tage tretend, 
bildet der Septarienthon auf der eigentlichen Hochfläche auf grosse 
Strecken hin ganz oder unter nur dünner Decke die Oberfläche. 
Diese dünne Decke des Diluviums ist es, welche als Berührungs- 
schicht beider Bildungen, des Diluviums und des Tertiärs, 
unsere Aufmerksamkeit erregt und bisher, wenigstens in so grosser 
Ausdehnung, bei den Aufnahmen im Flachlande noch nicht beob- 
achtet worden ist. 

Von einer blossen Bestreuung mit mehr oder weniger dicht 
gesäeten diluvialen Geschieben beginnend, ist nämlich der Septarien- 
thon, oft auf weite Flächen hin in seinen obersten 2 oder 3 bis selbst 
5 Decimetern bald mehr bald weniger durchknetet mit diesen Ge- 
schieben, zuweilen auch mit Spath-Grand und Sand innig gemengt, 
so dass er in letzterem Falle schon geradezu als ein allerdings 
noch immer sehr fetter Geschiebemergel bezeichnet werden darf. 
Dadurch aber, dass man auch in diesem Falle seinen Haupt- 
bestandtheil sofort als den tertiären Septarienthon erkennt, welcher 


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in seinem Liegenden dann nnmittelbar folgt, charakterisirt sich 
diese Decke sogleich als eine durch Aufarbeitung und Durch- 
knetung entstandene Gi’enzbildung, auf welche der von Herrn 
Wahnschaffe s. Z. eingeführte Namen »Lokalmoräne« auzu- 
wenden sein würde. 

Eine solche Lokalmoräne bedeckt mehr oder weniger regel- 
mässig aber auch da den Septarieuthon, wo die Kartenaufuahme 
echten Geschiebemergel als Oberflächenbilduug angeljen musste, 
nur dass sie hier nicht die Oberfläche, sondern wirklich die 
Zwischenschicht beider Formationen bildet. In beiden Fällen ist 
das Haupteigenthümliche , der wie gesagt diese Grenzbildung als 
solche kennzeichnende innige, ein Uebergang zu ueuueude Zu- 
sammenhang mit dem ungerührten tertiären Septarienthon selbst. 
Dadurch unterscheidet sich eine solche wirkliche Grenzbildung 
eben von den in gewissem Grade ähnlichen Uebergangsbildungen 
innerhalb des Diluviums, welche ihre Entstehung aus zerstörten 
Schichten älteren Gebirges mehr oder weniger deutlich erkennen 
lassen. 

Ich erinnere z. B. an die durch beigemeusrte Braunkohlen- 
theilchen tiefbraun gefärbte Ausbildung manchen Unteren Geschiebe- 
mergels, oder auch an die durch beigemengte Milchquarze u. dergl. 
des zerstörten Tertiärgebirges in ihrem Bestand und Aussehen völlig 
veränderten Diluvialsaude der Lausitz und angrenzenden Gebiete, 
welche schon Girard Veranlassung gaben, dieselben als südliche 
Diluvialbilduugeu zu unterscheiden. 

Da aber nun in Folge des völlig undurchlässigen Thouunter- 
gruudes der Stettiner Lokalmoräne, welcher einen selbst bei der 
heutigen fleissigeu Beackerung nicht gänzlich auszumerzeuden 
Rohrwuchs hier und da mitten zwischen der Halmfrucht zur Folge 
hat, von jeher, und zwar schon in der Diluvialzeit beginnend, eine 
starke Humusbilduug vielfach auf derselben stattfand, so begegnet 
die Aufnahme hier zwischen Elbe und Oder zum ersten Male auch 
der aus West- und Ostpreussen und andererseits aus der Altmark 
westlich der Elbe bekannten Schwarzerde. 

Diese Schwarzerde, welche durchaus zu trennen ist von 
dem Vorkommen einer Moorerde innerhalb von Senkungen, wie 


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es mehr oder weniger jeder undurchlässige Boden aufweist, be- 
schränkt sich aber auch hier, gerade wie an genannten übrigen 
Stellen ihres Auftretens keineswegs nur auf den Thonboden 
allein. Eher kann man einen solchen Zusammenhang mit dem 
Thon-Untergrund nachweisen. Denn fast überall, wo ausserhalb 
der Oberflächenverbreitung des Septarienthons, oder seiner Local- 
moräne, in der Nachbarschaft auch die Rinde des Oberen oder 
Unteren Diluvialmergel oder gar noch sandigerer Bildungen des 
Diluviums auf 2, 3 bis 5 Decimeter zu Schwarzerde umgewandelt 
ist, steckt doch — gerade wie in Westpreussen bei Mewe und 
Pelplin der Diluvialthon — der Septarienthon, den tieferen Unter- 
grund bildend, unter jenen Bildungen. 

Analysen geeigneter Bodenprofile, wie sie sich ebenso auf dem 
westlich an Stettin anstossenden Blatte Kreckow finden und von 
Herrn G. Müller auch dort entnommen wurden, werden das 
Gesagte in der Folge des Weiteren erläutern. 

Mittheilungen des Herrn G. L attermann über Aufnahme- 
arbeiten auf den Blättern Ringenwalde und Colbitzow. 

Die vor mehreren Jahren von Herrn G. Berendt begonnenen 
Aufnahmearbeiten auf Blatt Ringenwalde wurden in diesem Sommer 
zu Ende geführt. 

Wie in den übrigen Theilen des Blattes ergab sich auch in 
dem östlichen Drittel ein starkes Ueberwiegen der oberdiluvialen 
und alluvialen Bildungen gegenüber dem unteren Diluvium. Die 
zusammenhängende Decke oberen Geschiebemergels, der mannigfach 
und z. Th. auf grösseren Flächen durch oberen Sand verkleidet 
wird, wird nur an wenigen Stellen von unterdiluvialen Bildungen: 
Spathsand, Mergelsand und Thonmergel, unterbrochen. Im Süden 
liess sich das Gebiet des alten Grimnitzsees über die Grenzen des 
Blattes Joachimsthal hinaus bis in die Nähe von Glambeck und 
Parlow hin verfolgen. Der jetzt trocken gelegte Mellnsee ist eben- 
falls dem Gebiet des ehemaligen Stausees zuzurechnen. Eine wall- 


*) Dieses Jahrbuch für 1886, S. 113 und 114, 


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artige Fortsetzung der Endmoräuebildungeu auf der W.- Hälfte 
des Blattes findet sich in dem neu aufgenommenen Gebiete nicht. 
Nur ein Feldestheil N. Forsthaus Neuhaus weist eine starke Be- 
streuung mit mächtigen Blöcken auf. 

Blatt Colbitzow erwies sich reich an tertiären Bildungen. 
Theils liegen diese innerhalb der diluvialen Hochfläche natürlich zu 
Tage, theils sind sie durch die erodirende Thätigkeit des Wassers 
am Odergehänge blossgelegt. Septarienthon ist namentlich um 
Schmellenthin und weiter nördlich entwickelt, sodann am Oder- 
gehänge bei Vw. Wilhelmshöhe und Nieder-Zahden. Neben dem 
gewöhnlichen braunen , gelben oder grauen Septarienthon zeigt 
sich au letzterer Stelle auch ein chokoladefarbener, gekennzeichnet 
durch gelbe, feinsandige Ausscheidungen. Diesem kommt wahr- 
scheinlich geologisch eine etwas höhere Stellung — über dem 
Stettiner Sand — zu. Die Analyse ergab D/2 pCt. Kohle. Mehr 
oder weniger thonige Glimmersande (oberoligocäne Meeressande) 
sind mit dem Auftreten des Septarienthons örtlich eng verknüpft. 
Sie sind deutlich geschichtet, stellenweis von zahlreichen feinen 
Thonbänkchen durchzogen. Bei Vw. Wilhelmshöhe lagern sie sich 
in saigerer Stellung an Septarienthon an , bei Niederzahden 
liegen beide horizontal und werden vom Diluvium (Geschiebe- 
mergel) concordant überlagert. Beim Septarienthon gehen die 
Lagerungsstörungen, begünstigt durch die Plasticität des Materials, 
so weit, dass man ihn wohl auch — so bei Nieder-Zahden — 
auf oberem Geschiebemergel findet. Die märkische Braunkohlen- 
bildung ist vertreten durch weisse Quarzkiese , die durch Kaolin 
verkittet sind, oder Nester von reinem Kaolin einschliessen. Sie 
treten, in ihrer räumlichen Ausdehnung unbedeutend, in der Um- 
gegend von Hohen- Zahden, sodann bei Vw. Klein -Reinkendorf 
zu Tage. 

Das untere Diluvium ist schwach entwickelt, unterer Geschiebe- 
mergel tritt überhaupt nicht zu Tage. Spathsande, in den hangenden 
Schichten reich au Mergelsanden und Thonmergeln, stören nur au 
wenigen Stellen den Zusammenhang der ausgedehnten Geschiebe- 
mergelfläche. Von Interesse sind die Erosionsbildungen am Oder- 
gehänge SO. Schöningen: Canonai'tige Schluchten in einem dick- 


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bäukigeu, gleichköruigeu Diluvialsaud, welcher von oberem Mergel 
horizontal überlagert wird. — Grand- und Geröllbildungen im 
unteren Diluvium erreichen eine aussergewöhnliche Mächtigkeit 
(bis über 15 Meter) SO. Hohen - Zahdeu. Die dickbänkigen 
Schichten sind verkittet durch ein eisenschüssiges, aus beigemengten 
Septarien stammendes Gement. Au ihrer Basis, theilweise noch in 
dem imterlagernden Septarienthon eingebettet, finden sich mächtige 
Kuollensteinblöcke , die hier jedoch keine zusammenhängende 
Schicht bilden. 

Zwei Grauddurchraguugszüge durchziehen in SSW.-Richtuug 
die Südhälfte des Blattes. Von dem einen, der bei Colbitzow be- 
ginnt, entfallen 5 Kilometer auf das Blatt, von dem anderen, der 
seinen Anfang bei Nadrense nimmt, 3. Ersterer ist besonders 
schön und regelmässig in der Nähe von Neu-Rosow ausgebildet. 
An dem Aufbau der Dnrchragungszüge sind vorwiegend geröll- 
reiche oberdiluviale Bildungen betheiligt. Sie umschliessen mantel- 
förmig einen Kern uuterdiluvialer steilgestellter Schichten. 

Der obere Geschiebemergel besitzt die normale Ausbildung, 
stellenweise jedoch wird er durch Aufnahme von Material aus dem 
Untergrund thouig oder auch mergelsaudartig. Jede ueuneuswerthe 
Steinbestreuuug ist an das Auftreten der Dnrchragungszüge ge- 
bunden. Im NO. -Winkel des Blattes zeigen sich, unabhängig 
von jeder Höhenlage, Bildungen von Schwarzerde auf dem Ge- 
schiebemergel. Die Analyse lässt es ausser allem Zweifel, dass 
sie ohne Umlageruug aus dem Mergel entstanden sind. 

Was die Bildung des Oderthaies betritft, soweit es in den 
Bereich des Blattes fällt, so hat man dieselbe wohl hauptsächlich 
auf Erosion zurückzuführeu. Davon zeugt die Beschaffenheit der 
Ufer. Stellenweise jedoch scheint der Oderlauf eine Anlehnung 
an vorhandene Terraiuformen gefunden zu haben, z. B. um Schillers- 
dorf und Unter -Schöuingen, wo der Geschiebemergel sich bis iu’s 
Flussthal hinabzieht. 

Mittheiluug des Herrn M. Scholz über die Aufnahmen 
auf der Insel Rügen. 

Die Aufnahmen erfolgten im Bereiche der Blätter Vilmnitz 
östl. Theil, Middelhagen, Gross -Zicker mit Gross -Zicker-Höwt, 


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Lubkow und Bergen westl. Theil. Die iin südöstlichen Theile 
von Rügen (Mönchgut), aber auch am ganzen Ostrande der Insel 
stattgehabte Vernichtung des Landes durch Abrasion in Folge 
der Brandung und durch Senkung ergiebt werthvolle Aufschlüsse, 
welche z. Th. schon in der Abhandlung im Jahrb. 1886, S. 203 IF. 
angedeutet werden konnten, aber durch die Aufnahmen wesentlich 
und vollständiger ins Licht gesetzt wurden. 

Im Jahre 1889 handelte es sich insbesondere um genauere 
Feststellung des Küstencharacters von Mönchgut und der Granitz, 
sowie der letzteren Fortsetzung als schmale Heide bis in den süd- 
lichen Theil des Blattes Sagard hinein. — 

Verfolgt man zunächst die Küstenländer und zwar in der 
Richtung von S. nach N. an dem ganz besonders zerrissenen 
Mönchgut bis zur Blattgrenze, so ergiebt sich Folgendes: 

Das Thiessower Höwt oder Süd-Perd (nicht zu ver- 
wechseln mit der an der Ostseite des kleinen Jasmunder Bodden 
liegenden, in denselben hineinragenden Halbinsel Thiessow) ist 
dem Göhren’schen Höwt (Nord-Perd) ganz ähnlich gebaut und 
bildet nur eine Fortsetzung derjenigen Ablagerungen, welche von 
dem zwischen beiden liegenden Alluvium unterbrochen sind. Aehn- 
lich verhält sich die Erhebung von Klein-Zicke r, ferner das 
sehr hügelige Terrain zwischen Gross -Zicker und Gager, 
endlich die sog. Reddevitz, eine schmale Zunge, welche sich 
vom Dorf Middelhagen nach SW. zu in die Ostsee hineinerstreckt. 

An dem Höhenzuge von Lobbe, südlich von und ungefähr 
pai’allel demjenigen der Reddevitz kommen Reste von Tertiär 
(mittleres Oligocän) vor. Obwohl sich die hier von mir früher 
gefundenen scheinbaren Septarien - Bruchstücke nachträglich als 
Bruchstücke aus einer im unteren Diluvium liegenden Thoneisen- 
steinablagerung herausstellten, so können doch die an derselben Stelle 
noch auftretenden Reste eines braunkohlenartigen schwarzen Thones 
nur für Tertiär, und zwar für Braunkohlenbildung, gehalten wer- 
den. Der äussere Habitus dieser Kohle, welche bereits früher von 
Plettner, einem bekannten Brauukohlenkenner, als Knorpelkohle 
angesprochen wurde, spricht noch nicht für Lias- oder gar W ealden- 
kohle, für welche sie von Deecke wegen ihres der Bornholmer 
Kohle ganz gleichsehenden Habitus gehalten wurde (Deecke, Mitth, 


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uaturw. Verein f. Neuvorp. ii. Rügen 1888, 8. 3). Ferner spricht 
auch das Vorkommen eines Glaukonit-führenden Quarzsandes bei 
Lobbe eher für Tertiär, als für den bisher nirgends in der Gegend, 
ausser in Geschieben, gefundenen Jura bezw. Wealden. 

Das dem Thiessower ganz ähnliche Göhren’sche Höwt 
lässt kein Tertiär erkennen. Während in einen Brunnen im 
Dorfe Göhren noch bis 23 Meter Tiefe blaugrauer Geschiebe- 
mergel verfolgt, aber nicht durchteuft wurde, fanden sich am Höwt 
(Ausser, d. h. Ostseite) selbst von unten nach oben circa 30 Meter 
blaugrauer Moränenmergel des unteren Diluviums und über dem- 
selben circa 10 Meter aus jenem durch Oxydation entstandener gelb 
gefärbter Mei’gel gleich Lobbe. Auf diesem liegt kalkhaltiger Spath- 
sand und erst auf letzterem der gelbe Geschiebemergel des oberen 
Diluviums. Für letztere Altersbestimmung entschied sich die 
Versammlung d. Deutsch, geol. Ges., welche das Höwt am 
13. August 1889 besuchte. 

An Thiessow schliessen sich ihrer Lage nach die Erhebungen 
von Klein-Zicker und dem sehr hügeligen Gebiet von Gross- 
Zicker und Gross-Zicker-Höwt an. Klein-Zicker besteht 
am Steilrande aus Unter-Diluvium, wie Göhren, nur seine Ober- 
fläche ist, wie dieses, mit Ober-Diluvium bedeckt. Dasselbe ist 
der Fall bei den Hügeln von Gross-Zicker mit ihrem west- 
lichen Steilrande, den durch Abrasion verkleinerten Flächen von 
Gross-Zicker-Höwt. Auf letzterem, d. h. dem Gebiete von Gross- 
Zicker bis Gager ist ein Streichen der Höhen bezw. der zwischen 
ihnen liegenden Thal -Einseukungen in der Richtung von SO. 
nach NW. unverkennbar, welche Richtung sich auch über die 
Reddevitzzuuge hin, z. B. in den Höhen und der Einsenkung 
westlich von dem zu Alt-Reddevitz gehörigen Coinetbauern-Hofe, 
ausspricht und selbst noch auf dem Halbinsel-Zipfel am Hof Gobbin 
verfolgbar ist. — 

Auf Blatt Putbus scheint ein Streichen der Höhen ähnlich 
wde auf Gross-Zicker stattzufinden, erst auf Blatt Bergen ändert 
sich dasselbe, indem die Höhen der hier entwickelten Moränen- 
landschaft zwar zwischen der Stadt und dem Rugard deutlich 
von SW. :NO., also entgegengesetzt demjenigen von Gross- 


XCIII 


Zicker liegen, sich aber fächerförmig im Knotenpunkte des Rugard 
auorduen und nach SO. zu ebenfalls wieder entsprechend dem 
Streichen Gross - Zicker/Gager in der Richtung SO. : NW. er- 
strecken. 

Die Faltungen des ganzen Gebietes fanden wahrscheinlich 
zugleich mit denen der Kreide in der Glacialperiode statt und die 
Oberflächen wurden erst später zur Zeit der Abschmelze von den 
Schmelz- und den späteren Tagewässern vertieft, bezw. auch die 
den Hauptstreichungsrichtungen SO. : NW. entgegengesetzt in der 
Richtung streichenden NO. ; SW. -Thäler ausgearbeitet. — 

Au der Küste der Granitz ist fast überall dieselbe Schichteu- 
folge erkennbar und für die SO. -Küste, nördlich von Sellin, nur 
der Umstand zu berücksichtigen, dass der die Granitz bildende 
Decksand die Küstenprofile vielfach überrutscht hat und noch 
überrutscht und diese dadurch nur au einzelnen Stellen hervor- 
treteu lässt. Der Bau dieses Küsteutheils entspricht, wie dies 
ja auch zu erwarten ist, demjenigen vom Göhren’schen Höwt. 

Die schmale Haide ist nur wenige Meter über den Meeres- 
spiegel erhoben und trägt au ihrer Aussenseite (Ostseite) Dünen 
von circa 3 Meter Höhe. Ihre Basis besteht aus Flintablagerungen 
von circa 3 Meter Stäi-ke, soweit dies die in ihnen nur schwierig 
durchzuführendeu Bohrungen und einzelne, zum Gewinnen von 
Flint für die Glasfabrikation gemachte künstliche Löcher nach- 
zuweiseu vermögen. Indessen ist es nicht unmöglich, dass diese 
Flintlager erheblich mächtig sind. Dies würde um so wahrschein- 
licher sein, wenn man, wie ich glaube, diese Lager aus der senonen 
Kreide entstanden denkt, so jedoch, dass dieselben nicht etwa aus 
letzterer von Jasmund oder von Altenkamp her zur Quartärzeit 
zusammengespült sind, sondern lediglich durch Abrasion der 
unter Rügen ursprünglich eine Ablagerung bildenden Kreide nach 
erfolgter Zerstörung der letzteren liegen blieben. Zu jüngerer Zeit 
hat sich dieser Kreidezug wahrscheinlich von Jasmund nach S. 
bis Haidehof und Prora eistreckt. Er verschwindet gegenwärtig 
hier unter Diluvialsanden, legt sich aber im S. des Blattes Lubkow 
nördlich von Hof Tribberatz sowie in einer Grube zwischen 
Tribberatz und Dorf Carow wieder au. Wie weit er sich bis 


xclv 


Altenkamp fortsetzt, ist jetzt nicht zu erkennen, jedenfalls reicht 
an letzterem Orte die Kreide kaum ’/2 Kilometer in das Ufer hinein 
(bis Rosengarten?) und wird dann vom Diluvium bedeckt. Die 
nordischen Gerolle, welche sich am Ostrande der Haide und 
zum Theil in den Flintlagern derselben finden, sind jedenfalls im 
Laufe der Zeit durch die Brandung in diese Flintlager hinein- 
gespült worden. 

Die von der schmalen Haide in den kleinen Jasraunder Bodden 
sich hineinerstreckenden Halbinseln Bülitz im S. und Thiessow 
im N. erheben sich jene bis zu 30,.3 Meter, diese bis 27,5 Meter 
und bestehen aus Diluvium, indem sie mit Oberdiluvium bedeckt 
sind und an den Steilrändern durch Abrasion blossgelegtes Unter- 
Diluvium zeigen. Desgl. hat der in seiner westl. Hälfte schon 
zu Blatt Bergen gehörige Pulitz, eine kleine geologisch zwischen 
genannte Halbinseln gehörige vom Kl. Jasmunder Bodden um- 
flossene Ganzinsel oben bis 28,5 Meter Höhe Decksand mit ober- 
diluvialen Geschiebemergelschollen, während die Steilränder unter- 
diluvial sind. Erst am Südende von Jasmund, am Hülsen- 
kruge, tritt an der Ausseuküste die unterdiluviale Moräne auf 
einer kleinen Kreidekuppe hervor. — 

Kehrt man jetzt von hier noch einmal auf das Gebiet des 
Blattes Vilmnitz zurück, dessen Osthälfte 1889 zur Aufnahme 
kam, so ist zunächst aus der Aufnahme der schon 1888 kartirten 
Westhälfte der Umstand wiederholt zu betonen, dass vor dem 
sonst auf Rügen ausser bei Lobbe fehlenden Tertiär in den 
Gruben bei Wobbanz östlich von Putbus eiu fetter, graublauer 
Thon aufgeschlossen ist, welcher sich durch die in der Nähe am 
Strande vorkommenden ächten Septarienbruchstücke mit Gyps- 
krystallen als Septarienthon erkennen lässt. Diese Septarien- 
Bruchstücke sind nicht zu verwechseln mit solchen Thoneisen- 
steinschalen (vergl. das oben über Lobbe Gesagte), welche einer 
in der Nähe am Steilrande liegenden nur wenige Decimeter 
mächtigen und, wie anzunehmen, zum Unterdiluvium gehörigen 
sandigen Schicht angehören, die ebenfalls Bruchstücke au den 
Strand geliefert hat. 

Die in den Rügen’scheu Bodden nördlich der Having hinein- 


xcv 


ragende Gobbiner Landzunge lässt zur Zeit kein Tertiär ent- 
decken. Am Burg wall südöstlich von Gobbin findet man auf der 
nach oben, wie am Göhren’schen Höwt zu gelben Geschiebemergel 
oxydirten blaugrauen Moräne des Unter -Diluviums eine Schicht 
von feinem diluvialthonartigen Fayencemergel, welche ihrerseits 
von oberdiluvialem Spathsand bedeckt wird. 

Auch die Steilküste au der Having von Seedorf bis Moritz- 
dorf muss noch zum Unterdiluvium gerechnet werden, da sie zum 
Theil aus Fayencemergel auf blaugrauem Geschiebemergel besteht. 

Die mehrerwähnte Reddevitz-Zunge, welche im SW. in 
das Reddevitz-Höwt endet, bildet ihrerseits die Fortsetzung 
des Göhren’scheu Höheuzuges und ist auf ihrer Höhe mit ober- 
diluvialem Geschiebemergel bedeckt, unter welchem, z. B. in einer 
Grube südwestlich vom genannten Ausbau von Alt-Reddevitz, 
kalkiger Sand aufgeschlossen ist. Das Steilufer der ganzen Zunge 
besteht aus Unterdiluvium, wie Göhren-Höw't, ebenso ist Redde- 
vitz-Höwt auch selbst gebaut. — 

Die Insel Vilm lässt kein Tertiär erkennen, nur Qixartär. 
Die di’ei Theile grosser, mittlerer und kleiner Vilm erinnern 
an ein Streichen von SO.— NW. , wie Gross-Zicker-Gager. Die 
Steilufer, z. B. das südöstliche Kochufer bestehen aus Unter- 
diluvium. 

Die neue Bahn Lauterbach-Putbus endlich schliesst 
südlich von Bahnhof Putbus Unterdiluvium auf, welches in dem 
Blatt Putbus allmählich in den das ganze letztere Blatt bedeckenden 
oberdiluvialen Geschiebemergel übergeht. — 

Das 1889 hauptsächlich in ihrem westlichen Theile aufge- 
nommene Blatt Bergen ist in seinem höheren Theile (Rugard- 
höhe bis Patzig) Moränenlandschaft. Der flachhügelige West- 
theil ist, wie Blatt Putbus, aus oberdiluvialem Geschiebemergel 
gebildet. — 

Mittheilung des Herrn H. Grüner über die Aufnahmen 
des Blattes Glöwen. 

Von den auf Blatt Glöwen vertretenen Ablagerungen bieten nur 
die tertiären und zum Theil die diluvialen einiges Bemerkenswerthe. 


XCVI 


Das oberflächliche Vorkommen der ersteren beschränkt sich zwar 
nur auf vereinzelte kleine Striche zu beiden Seiten der Berlin-Ham- 
burger Chaussee östlich von Kunow, in grösserem Umfange treten 
sie aber im nordöstlichen Theile des Blattes in den Senken, Rinnen 
oder beckenförmigen Vertiefungen, 1 bis 3,0 Meter mächtig von 
Diluvium oder Abrutschmassen bedeckt, auf; und da sie auch auf 
dem dortigen Plateau vielfältig durch Handbohrungen unter Resten 
von Diluvialmergel nachgewiesen werden konnten, so scheint der 
gesammte Kern der etwa 2 Quadratkilometer grossen Hochfläche 
aus Tertiär zu bestehen. Da letzteres ferner auf dem anstossenden 
Blatte Demertin bei Dölln und Gumtow an vielen Punkten un- 
mittelbar zu Tage tritt, oder durch die zahlreichen Bohrungen er- 
schlossen wurde, welche der dortige Bergbau veranlasste, so dürfte 
die Längenausdehnung des Tertiärs auf etwa 12 Kilometer ver- 
anschlagt werden. Ob dasselbe auf die nördlich anstossenden 
Blätter Lindenberg und Kolrep übergreift, lässt sich zur Zeit 
noch nicht feststellen, da keine Bohrungen vorliegen, es ist jedoch 
wegen der am Kartenrande an den Gehängen bei Beckenthin und 
Dölln auftretenden Tertiärablagerungen im hohen Grade wahr- 
scheinlich. 

Wie der in den Jahren 1860 bis 1865 bei Kunow umgegangene 
Braunkohlenbergbau ergab, verbreitet sich aber das Tertiär unter 
dem Diluvium nicht gleichmässig, sondern lässt sehr gestörte 
Lagerungsverhältnisse erkennen. Die Braunkohlenmulden besitzen 
hier nur geringen Umfang und enthalten ein bis zwei, seltener 
drei mehr oder weniger stark einfallende, in einzelnen Fällen auch 
völlig überkippte Flötze. Gleichen Verhältnissen begegnet man 
bei Dölln und Gumtow. Hier finden sich bisweilen sogen. Luft- 
sättel, deren Entstehung der Wirkung des zur Diluvialzeit in 
Norddeutschland vorrückenden Gletschereises zugeschrieben werden 
dürfte. Damit im Zusammenhänge stehen auch die abgeschliffenen 
Braunkohlenstücke, welche man vielfach im Deckgebirge — dem 
Diluvial -Mergel und -Sand oder -Grand — in jenen Gegenden 
anzutreffen pflegt. 

Die Tertiärablagerungen des Blattes bestehen hauptsächlich 
aus kalkfreiem, äusserst feinkörnigem, schneeweissem, fast aus- 


XCVII 


schliesslich aus rundlichen Quarzkörnern zusammengesetztem Sand 
(Formsand), lettenstreifigem Formsand, feinerem und gröberem, 
mit Kohlenstaub und -Stückchen vermengtem Sand (Kohlensand), 
glimmerreichem Quarzsand (Glimmersand), rothbrauner, glimmer- 
haltiger oder durch innige Beimengung von Kohle intensiv schwarz 
gefärbter Letten (Kohlenletten), sehr sandiger oder sandstreifiger 
Letten, Thon, Braunkohlenthon, lettiger Kohle (Schmierkohle) und 
klein- bis grossstückiger Braunkohle. Hierdurch ist das Tertiär 
als zur Märkischen Braunkohlenbildung gehörig charakterisirt. 

Mit dem starken Einfallen dieser Tertiärablagerungen steht 
die eigenthümliche Erscheinung im Zusammenhänge, dass östlich 
von Kunow die Bodenbeschaffenheit ausserordentlichem Wechsel 
unterliegt und ein und dieselbe Bodenart sich nur über kleinere 
Striche verbreitet. Wie gesagt, finden sich gewöhnlich nur 2 Brauu- 
kohlenflötze und nur ausnahmsweise .3 Flötze, wie z. B. am Plateau- 
abhang, nahe der Karthane -Wiesen. Hier zeigte sich deutlich das 
Ausgehende von 2 übereinander liegenden Flötzen mit zwischen- 
gelagertem, 0,6 bis 0,9 Meter mächtigem, feinem, weissem Glimmer- 
sand. Das Liegende bildete röthlichbrauner Letten (ohne Formsand), 
die wieder ein zwar geringmächtiges Braunkohlenflötz , aber mit 
recht guter, grossstückiger Kohle einschloss. Das oberste Flötz 
enthielt sehr feine, sogen, »knorpelige« Kohle — ähnlich Kien- 
borke — , aber mit guter Breuukraft (gleiche Kohle wurde auch 
an der Chaussee in dem zunächst dem Kartenrande liegenden 
Abbau gefördert); das zweite Flötz besass sehr grossstückige Kohle, 
und wurde die Förderung nur aus dem Grunde eingestellt, weil 
die Flötze zu stark nach den Wiesen hin einfielen und das Deck- 
gebirge in stark wasserführendem Sand bestand. Ueberhaupt ist 
im Ganzen auf der Kunower Feldmark verhältuissmässier wenig: 
Kohle gefördert worden, weil diese grösstentheils zu kleinstückig 
war und jenseits der Karthane an den Steilgehängen bei Dölln 
und weiterhin bei Gumtow sich solche von besserer Qualität 
fand, die auch des geringen Wasserflusses wegen eine leichtere und 
billigere Förderung gestattete. 

Soweit die vorjährigen Untersuchungen festzustellen ver- 


Jahrbuch 1889, 


g 


XCVIII 


mochten, gehört die Braunkohle der Kuuower Feldmark den jüngsten, 
obersten Bildungen, diejenige bei Döllu einer tiefereu Etage an. 

Die am nordöstlichen Kartenraude in der Einsenkung-, un- 
mittelbar an der Chaussee auftretende, 0,5 Kilometer lange Tertiär- 
ablageruug bildet das Liegende der oberen Brauukohlenbilduug ; 
sie enthält kein Flötz, sondern nur sogen. Schmierkohle, Kohlen- 
lette, Form- und Glimmersand. 

Auf den übrigen Hochflächen des Blattes war Tertiär nicht 
nachzuweisen und scheint dasselbe erst in mehr als 30 Meter 
Tiefe hier anzustehen, da die etwa 25 Meter tiefen, über ein 
Kilometer langen Kiesgruben bei Bahnhof Glöwen, ein über 
20 Meter tiefer Brunnen im Abbau von Alt-Schrepkow, sowie 
die Steilgehänge zwischen Gr. Leppin und Kletzke nur Diluvial- 
ablagerungen erkennen lassen. 

Das Diluvium ist auf dem Blatte in allen seinen Haupt- 
gliedern vertreten. Oberflächlich am meisten Verbreitung besitzt 
das Untere Diluvium mit seinem blaugrauen und rothbraunen 
Thon- bezw. Thonmergel, Mergelsand, Fayencemergel, Geschiebe- 
mergel, Sand und Grand, die sich jedoch von denjenigen auf den 
bisher aufgenommenen Blättern nicht wesentlich unterscheiden. 

Nur wenige Worte mögen über die Unteren Grande folgen. 

Der Abtragung durch die Gewässer weniger unterworfen, 
sind ihre Fundpunkte gewöhnlich schon von Weitem an den 
steileren, vegetationslosen Kuppen sichtbar, wie z. B. der Mühlen- 
berg bei Gr. Leppin, die 1,5 Kilometer westlich von Kunow ge- 
legene Kieskuppe und vor Allem die »Scharfen Berge« bei Glöwen. 
Sie alle sind durch umfangreiche Gruben aufgeschlossen, ins- 
besondere diejenigen bei Glöwen, welche die Kiesmassen zur Auf- 
schüttung des hohen Eisenbahndammes bis Wittenberge und darüber 
hinaus lieferten, wodurch über 20 Meter tiefe und 1 Kilometer 
lange Grubenaufschlüsse entstanden, welche treffliche Einblicke in 
den mineralischen Bestand, die Lagerung und Mächtigkeit des 
Grandes gewähren. 

In gleicher Richtung, wie die »Scharfen Berge«, finden sich 
auf dem anstossenden Blatte Demertiu bei Zichtau 64 bis 73 Meter 
hohe, langgestreckte, grandige, stein- und geröllreiche Rücken und 


XCIX 


Kuppen, die sich in dieser Weise 3,5 Kilometer weit verfolgen 
lassen und den Asar im südlichen Schweden resp. den Durch- 
ragungszügen in der Uckermark in Parallele gestellt werden 
müssen. 

In Uebereinstimmung damit stehen die von dem zweiten, 
eben erwähnten Grandvorkommen bei Kunow sich nördlich 4 Kilo- 
meter weit bis Lindenberg (Blatt Lindenberg) ausdehnenden grand-, 
gerölle- und geschiebeführendeu Durchragungszüge bezw. -Kämme, 
nämlich der Wolfshagener Berg mit den 78,9 Meter hohen Well- 
schen Bergen, an die sich, 2,5 Kilometer davon entfernt, alsdann 
der »Steinberg« auschliesst. Aufiallig ist hierbei die Erscheinung, 
dass die zuletztgenannten Grandberge (Moränen) in nordsüdlicher, 
die ersteren in nordost -südwestlicher Richtung verlaufen. 

Ein grosser Theil der erwähnten Kieszüge (Asarbildungen) 
dürfte sich unter Decken Oberen und Unteren Diluvialmergels 
weiterhin verbergen bezw. diese streckenweise oder in Kuppen 
durchragen. 




* 


c 


4 . 

Personal - Nachrichten. 


Am 15. Februar 1889 verstarb in Bonn das Mitglied des 
Kuratorium der Bergakademie, der Wirkliche Geheime Rath, Ober- 
berghauptmann a. D. VON Dechen. 

Vom 1. April 1889 ab ist der bisherige Verwalter des Karten- 
archivs, wissenschaftliche Secretär Halfar zum Bezirksgeologen 
und der bisherige Bureau -Hülfsarheiter Bottmer zum Secretär 
ernannt worden. 

Vom 1. Octoher 1889 ab ist der Docent für höhere Mathe- 
matik, Professor Dr. Bertram, ausgeschieden und an seine Stelle 
der bisherige Privatdocent an der technischen Hochschule in 
Charlottenburg, Dr. P. Kötter, getreten. 

Die Kulturtechniker Toellner, Hübinger und Blüthner 
sind ausgeschieden und der Landmesser Reimann neu eingetreten. 

Der zweite Assistent im Laboratorium für Mineral - Analyse 
Dr. Bragard ist ausgeschieden und seine Stelle dem bisherigen 
Chemiker bei der chemisch - technischen Versuchsanstalt, Dr. 
Schröder, übertragen worden. 

Bei der chemisch -technischen Versuchsanstalt schieden die 
Chemiker Schade und Dr. Jungfer aus und traten dafür die 
Chemiker Dr. Hampe und Otto ein. 


II. 


AbhancIIungen 


von 


Mitarbeitern 

der Königlichen geologischen Landesanstalt. 



lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 

Vou Herrn H. ProeSCholdt in Meiningen. 

(Hierzu Tafel I.) 


Iin Jahre 1830 veröftentlichte K. v. Hoff eine Abhandlung ') 
über die Bildung des Werrathaies, der er allgemeine Betrach- 
tungen über Thalbildung anschloss. Der hochbegabte Forscher 
zeigt auch in dieser Arbeit, wie weit seine Anschauungen denen 
seiner Zeit vorausgeeilt waren; und sie verdient deshalb der Ver- 
gessenheit entzogen zu werden, nicht allein aus historischem, 
sondern auch aus sachlichem Interesse, denn manche Theile der- 
selben lesen sich, als wären sie in der Gegenwart geschrieben. 
K. V. Hoff gründete seine Ansichten über Thalbildung vornehm- 
lich auf die Beol)achtuugen, die er am sogenannten Nadelöhr bei 
dem Dorfe Heufstedt, eine Stunde unterhallj Themar im Werra- 
thal gemacht hatte. Er sah hier, wie ein altes, noch deutlich 
sichtbares und mit Gerollen belegtes Flussbett in grosser Ser- 
pentine um einen von der linken Thalwand auslaufendeu Sporn 
oder Felsendamm sich herumwiudet und ein neues ohne Krüm- 
mung gerade auf den Felseudamm losgeht und ihn in der 
Alitte durchschneidet, sodass die Werra seiner Angabe nach 
ungefähr 80 bis 100 Schritt weit zwischen senkrechten Felswänden 
fliesst und so auf dem kürzesten Wege das jenseitige alte Fluss- 


') Das Nadelöhr im Thale der Werra und Einif^es über Thalbildungen. 
Jabrb. f. Mineral., Geol. etc. 1830, S. 4"-M~44'2. 


Jahrbuch 1889. 


1 


2 


H. Proescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


bett wieder erreicht, v. Hoff vermochte diesen Durchbruch aller- 
dings nicht zu erklären, er weist aber nach, dass derselbe nicht 
durch Menschenhand geschallen ist, ebensowenig durch ein Natur- 
ereigniss, welches nur in dem Einsinken des betrofienen Damm- 
theils bestanden haben könnte, da zu einer solchen Annahme die 
Beschaffenheit der ringsum horizontal geschichteten und an beiden 
Seiten sich correspondirend gegenüber stehenden Kalksteinlager 
keinen hinreichenden Grund geben kann. Er weist schliesslich 
auch darauf hin, dass die Annahme, »der oberhalb des Burg- 
walles (des Felsendammes) gelegene Theil des Werrathals sei in 
der Urzeit ein durch den Felsendamm geschlossener Landsee 
gewesen, und der jetzige Kanal durch den ersteren sei durch den 
Fluss eingeschnitten worden«, nicht zur Erklärung hinreiche. Denn 
die Hauptschwierigkeit der letzteren liege in dem alten Flussbette, 
das neben dem Damme besteht. 

Daran schliesst er einen sehr interessanten Ueberblick über 
die Wandlungen, die die Ansichten über die Ursachen der Thal- 
bildungen erfahren haben. Die vornehmlich von Bourguet ent- 
wickelte Erosionstheorie, die von Hutton, Playf’air, Heim u. a. 
angenommen worden war, wurde verdrängt, als Saussure auf die 
Verhältnisse der grossen Längsthäler aufmerksam machte. Dieser 
suchte die Erklärung in einem Phänomen , das er »la graude 
debäcle« (Sündfluth) nannte, und das in einem plötzlichen Zurück- 
ziehen einer allgemeinen hohen Wasserbedeckung des Erdballs 
von den höheren Punkten in die durch Einsiukeu der Erdrinde 
entstandenen Tiefen bestand. Plierdurch sollten die Einfurchungen 
in den Boden bewirkt worden sein, in welchen die Flüsse ihren 
Lauf nehmen. Andere glaubten, dass Ströme im Innern des die 
Erde bedeckenden Gewässers selbst den Boden tief genug hätten 
einfurchen können, um ihm die Gestalt zu geben, die das trockne 
Land mit seinen Thälern jetzt zeigt. La grande debäcle von 
Saussure nahm dann Buckland auf und identificirte sie mit der 
Sündfluth, und als L. von Buch die Idee von der Erhebung der 
Gebirge von innen heraus entwickelt hatte, so glaubte mau den 
Weg gefunden zu haben, auf welchem das Zurückzieheu grösserer 
Wasserbedeekuno-en nach tieferen Stellen erklärt werden konnte. 

O 


H. Pkoescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet. 3 

K. VON Hoff schrieb dem von ihm angenommenen Phänomen von 
der Erhebung des Gebirges, ebenso dem Vulkanismus allerdings 
p-rosse Veränderungen im Laufe der Gewässer zu, aber er betont, 
dass Ereignisse dieser Art, welche ihrer Natur nach von verhält- 
nissmässig kurzer Dauer und vorübergehend gewesen sein müssen, 
schwerlich allein vermocht hätten, den Charakter und das Wesen 
unserer heutigen Flussthäler und der ganzen Stromsysteme der 
Festländer und grossen Inseln und die gleichförmige Coufiguratiou 
derselben zu bestimmen. Seiner VIeinuug nach werden sorgfältige 
Beobachtungen der Eigeuthümlichkeiten in der Gestalt der Thäler 
und in dem Laufe der Flüsse, von mehreren Gegenden verglichen, 
unfehlbar dahin führen, mit einiger Wahrscheinlichkeit die Grenzen 
der verschiedenen Wirkungen zu bestimmen, welche die Thäler 
gebildet haben. Seiner Auffassung sucht er in der Darstellung der 
Gestaltsverhältuisse des Werrathaies Beweiskraft zu geben. 

Dort um die Quellen der Werra kann nach seiner Meinung 
die Erhebung des Gebirges und die damit verbundenen Zer- 
reissungen und Vertiefungen den kleinen Bächen ihren ersten 
Lauf vorgezeichuet haben. Weiterhin erklärt er es für möglich, 
dass die Scheiduugsliuie zwischen dem Buutsandsteiu und dem 
Vluschelkalk, welcher der Fluss auf eine lauge Strecke folgt, von 
oberhalb Hildburghausen bis Themar, eine ursprüngliche Depression 
gebildet hat, welche der Fluss aufnahm. Dagegen ist das Thal 
von Themar bis Meiningen, und wahrscheinlich noch viel weiter 
hinab, zweifellos das Werk der Erosion. 

Es dürfte überflüssig sein, noch weiter auf seine Schilderung 
des Werrathals eiuzugehen, doch kann ich mir nicht versagen, 
das Resultat seiner Untersuchungen auzuführeu. »Mau wird sich 
durch den Augenschein überzeugen, dass die Erosion durch 
fliesseudes Wasser diese Thäler nicht blos ausgefeilt und ab- 
geglättet, sondern vom oberen Rande bis in den Boden der Flüsse 
ganz hei’vorgebracht hat, und dass nur einige Läugenthäler, die 
man für älter annehmen kann als ihre Flüsse, wie auch einige 
Depressionen an den Flussquellen im höheren Gebirge, sowie an 
einzelnen zerstreuten Stellen des Flusslaufes, durch andere Kräfte 
entstanden sind, und dass diese nur mit dazu beigetragen haben, 


1 


4 


H. Pkoescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


die Richtung des Flusslaufes au eiuzelueu Puukteu zu bestimmeu, 
nicht aber sein ganzes Thal zu bilden.« 

Das ist dasselbe Programm, nach dem mau gegenwärtig die 
Thalbilduug zu erklären versucht, das namentlich Supan auf- 
gestellt hat. 

7 Jahre später als von Hoff sprach Engelhardt infolge 
einer Verwechselung des Buutsandsteius mit Keuper die Ver- 
muthung aus, dass das Werrathal bei Hildburghausen von einem 
Verwerfungsspalt durchzogen und wohl vorgebildet sei. Vorüber- 
gehend sei hier der eigenthümlichen Idee Herbst’s über die 
Bildung der Muschelkalkthäler der Saale und Werra gedacht. 
Nach ihm sollten die Risse, welche beim Trocknen und nach- 
folgenden Erhärten der einst weichen Kalklageu entstanden 
wären, die Thäler vorgebildet haben. In neuerer Zeit berührte 
Emmrich infolge seiner eingehenden geognostischen Unter- 
suchungen am Südraud des Thüringer Waldes die Frage der 
Thalbildung der Werra und ihrer Nebenflüsse. Er erkannte 
richtig, dass die Hauptthätigkeit der Gewässer erst nach den 
Basaltergüssen begann, und dass ihr letztes Resultat die gegen- 
wärtige Gestaltung von Berg und Thal ist. »Dass auch unsere 
Thäler nicht als weite, klafieude Spalten entstanden sind, sondern 
durch ihre Gewässer ausgehöhlt wurden, beweist die auffallend 
geringe Tiefe, in der man bei Legung des Fundaments zu den 
Eisenbahubrücken und zu Gebäuden auf die Unterlage des Schutt- 
landes trifft. Damit ist aber nicht gesagt, dass nicht Spalten, 
welche eine Folge der Erdbeben, die stets vulkanische Ausbrüche 
begleiten, die festen Felsmassen zerreissen konnten, dem Wasser 
den Weg gewiesen haben, dem sie folgen mussten.« Emmrich 
kam somit in der Hauptsache auf die Ansichten von Hoff’s 
zurück. 


b Studien über die Thalbildung im östliclien Graubünden etc., Mittheilungen 
der k. k. geograph. Ges. Wien 1877, S. 295. 

b lieber die Formation, in welcher die Tatzenabdrücke etc. Jahrb. für 
Mineral., Geologie etc., 1837, S. 379 — 384. 

b Jahrb. f. Mineral., Geologie etc., 1842, S. 426 — 427. 
b Programm der Realschule zu Meiningen, 1873, S. 14. 


H. Peobscholdt, Ueber Tbalbildung im oberen Werragebiet. 


5 


Einer anderen Anffassiing begegnen wir bei Penck ^). Es 
konnte diesem Forscher nicht entgehen, dass zwischen dem heutigen 
Lauf der Werra und den tektonischen Verhältnissen des Fluss- 
gebietes Beziehungen vorhanden sein müssen ; er verrnuthete sogar, 
dass ehemals die Werra gar nicht nach Nordwesteu, sondern nach 
Süden abfloss. 

Auch Philippson erwähnt in seinen schönen Untersuchungen 
über Wasserscheiden das Werrathal, geht jedoch nicht näher auf 
die Entstehung desselben ein, sondern deutet nur an, dass die 
Werra zu den Flusssystemen gehöre, deren Hauptrichtung vor- 
gezeichnet war, ehe die heutigen Belief- und Lagerungsverhält- 
nisse zur Ausbildung kamen. 

Da zur Zeit die geologische Specialaufuahme des oberen 
Werragebietes nahezu vollständig zu Ende gefühi’t ist, dürfte die 
Untersuchung von Interesse sein, welche Beziehungen zwischen 
dem Verlauf des Thaies und dem geologischen Bau des Landes 
erkennbar sind. Jedoch möchte ich erst einio;e alUemeine Be- 
merkungen vorausschickeu. Abgesehen von einigen später zu 
erwähnenden Umständen geht aus einer Beobachtung Emmrich’s 
hervor, dass das gegenwärtige Werrathal sehr jugendlichen Alters 
ist. Emmrich fand an der Vorderrhön ül^er Friedeishausen und 
Sinnershausen aus dem Thüriua;er Wald stammende Geschiebe 
noch zwischen 500 und 600 Meter Meereshöhe. Er erklärte das 
Vorkommen durch eine Massenerhebung, welche mit dem Haupt- 
ausbruch des Basaltes zusammeufällt. Es bedarf wohl keiner 
weiteren Erörterung darüber, dass diese Erklärung heute nicht 
mehr für berechtigt erachtet werden kann. Nach der jetzigen 
Anschauung können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit aunehmen, 
dass zu einer Zeit, als die Berge bei Meiningen z. B. um die 
läimst denudirteu Formationswlieder des Oberen Muschelkalks und 

O O 

Keupers und vielleicht auch um Basaltdecken höher waren, Flüsse 
vom Thüringer Wald nach der Rhön hinüberliefeu, dass dieselben 
wie die heutigen Abflüsse des Gebirges einen südwestlichen Lauf 


*) Länderkunde des Erdteils Europa, Lief. 11, S. 329. 

Studien über Wasserscheiden, S. 141 — 142. 

a. a. 0. S. 12. Diese Beobachtung bedarf übrigens der Bestätigung. 


6 


H. Proesoholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


eiuhielten, vielleicht im ursächlichen Zusammenhang mit der älteren, 
den hercynischen Brüchen voransgegaugenen Faltung in nordöst- 
lich-südwestlicher Richtung 1). 

Die Quellbäche der Werra verlassen bei Schirnrod bei Eis- 
feld das alte Schiefergebirge, überschreiten hier die grosse Bruch- 
liuie und laufen nach ihrer Vereinigung in südwestlicher Richtung 
infolge einer Sattelbildung erst durch Wellenkalk, dann durch 
Röth und schliesslich wieder durch Welleukalk nach Eisfeld. Hier 
stösst die Werra auf die grosse Ueberschiebuug, welche in langer 
Erstreckung die Triasschichteu am Südrand des Thüringer Waldes 
durchsetzt und durchbricht fast rechtwinklig zum Streichen die 
steil aufgerichteten und nordwestlich streichenden Schichten des 
Mittleren Buntsandsteius und biegt dann im Röth nordwestlich 
um, und zwar gerade an der Stelle, au der sie auf dem linken Ufer 
einen Bach aufuimmt, der von Südosten kommt und von der zur 
Itz laufenden Lauter durch eine ausgesprochene Thalwasserscheide 
geschieden ist. Gegen 16 Kilometer behält die Werra die nord- 
westliche und westnordwestliche Richtung bei, ein breites Thal 
bildend , an dessen beiden Flanken rechts die Buntsandstein-, 
links die Wellenkalkschichten ein gleichmässiges Einfällen nach 
Südwest aufweisen. Das Thal ist asymmetrisch gebaut und lässt 
im Verein mit den nahezu parallelen Thälern der Schleuse, des 
Dambachs und der Rodach recht deutlich die Ungleichheit der 
Böschungen erkennen , welche Uilber als allgemein verbreitet 

Fig. 1. 



') Vergl. Pboescholdt, lieber gewisse, nicht hercynische Störnngen am Süd- 
westrand des Thüringer Waldes. Dieses Jahrb. 1887, S. 332 — 348. 

Asymmetrische Thäler. Petermann’s Mittheilungen 1886, Heft IV, S. 171 
bis 177. 


H. Pkoescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


7 


und ursächlich bedingt bei parallel verlaufenden Thälern mit 

ungleich tiefer Erosionsfurche erkannt hat. 

© 

Die Asymmetrie des Werrathals ist aber an und für sich 
bedingt durch den Umstand, dass die Strömungsrichtung des 
Flusses dem Streichen der Schichten parallel ist. In einem 
solchen Terrain erzeugt dann die Erosion, wie von Uichthofen 
darstellt, ein Thal, das zur Linken eine steile Wand und zur 
Rechten ein sanftes Gehänge hat. 

Bei dem Dorfe Ebenharz nordwestlich Hildburghausen tritt 
die Werra aus dem Röth in den Mittleren Buntsandstein, den sie 
bis zum Dorfe Reurieth in sehr schmaler, seltsam gewundener 
Furche durchbricht. Hier wendet sie sich scharf nach Norden; 
das Thal folgt im grossen Ganzen einer Verwerfung, infolge deren 
bis Trostadt am linken Ufer Wellenkalk, am rechten Chirotherium- 
sandstein scheinbar horizontal anstehen. Nachdem bei Kloster 
Vessra die Schleuse eiugeflossen ist, wendet sich die Werra nord- 
westlich, das Thal liegt aber noch über Themar hinaus bis zum 
Dorfe Henfstädt auf einer Verwerfung, sodass die beiden Thal- 
flanken verschiedenes Gestein und auch sehr verschiedene Lage- 
ruugsverhältnisse desselben aufweisen. 

Auf der rechten werden die Schichten durch zahlreiche Bruch- 
linien 2) so zu sagen zerstückelt, auf der linken liegen sie in un- 
gestörtem Zusammenhang. Bei Henfstädt weicht das Werrathal, 
in dem die am weitesten nach Süden vorgeschriebene Bruchlinie 
verläuft, auf eine kurze Strecke rein westlich ab und kommt da- 
durch ausserhalb des Bereichs der Störungen. Nachdem der Fluss 
eine kurze Zeit im Röth geflossen, tritt er in Wellenkalk ein, 
dessen Bänke in scheinbar horizontaler Lagerung an den steilen 
Felswänden hinlaufen. So auch an dem früher erwähnten Nadel- 
öhr, einer interessanten und leicht zu erklärenden Erosionserschei- 
nung. Es sind hier 4 Flussthäler erkennbar, von denen die beiden 
jüngsten am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Ent- 


') Führer für Forschungsreisende, S. 166. 

2) Die Marisfelder Mulde und der Feldstein bei Themar. Dieses Jahrb. 1882, 
S. 190-218. 


8 


H. Pkoescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


stelumg des gegenwärtigen Zustandes ergiebt sich leicht ans 
folgenden Zeichnungen i) : 


Fig. 2. 



Der Bau der Werrabahn, die durch das FelsrilF läuft, hat 
abermals eine Flussverlegung veranlasst und dadurch die Schön- 
heit des Nadelöhrs, so nennt man die alte Durchbruchstelle, 
wesentlich beeinträchtigt. Die Werra nimmt nun ihre nordwest- 
liche Richtung wieder auf und tritt bei Vachdorf aus dem Wellen- 
kalk wieder in Röth über, infolge des südöstlichen Einfallens der 
Schichten und bleibt darin bis nach Walldorf, obwohl die Schichten 
der Thalwände in nordöstlich streichenden Sätteln und Mulden 
auf- und absteigen. Bis Untermassfeld nimmt das Thal einen 
rein westlichen, von hier über Meining;en bis geijen Wasungen 
hin nördlichen Verlauf. Von Walldorf an tritt die Werra in den 
Mittleren Buntsandstein über, der sich unter dem Röth hervor- 
hebt und bleibt in demselben auf sehr lauge Erstreckung. 

Um einen weiteren Einblick in den Charakter des oberen 
Werrathals zu gewinnen, ist es zunächst iiöthig, Umschau über 
vorhandene Diluvialablageruugen zu halten. Gleich nach dem 
Austritt der Werra aus dem Schiefergebirge begleiten mächtige 
Schottermasseu den Lauf des Flusses. Sie gehören den jüngsten 
Diluvialsedimenteu au und haben weit weniger Bedeutung als 
die Schotterablageruug, die auf der Wasserscheide der Werra und 
der Itz auf der Stelzuer Höhe lagert und sich 200 Decimalfuss 
über den Werraspiegel erhebt ^). Sie beweist, dass zur Zeit ihrer 


b Vergl. Schneider, Studien über Thalbildungen der Vordereifel, S. 20. 
b Blatt Eisfeld, aufgenommen von Herrn Loketz. 


H. Proescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


9 


Bildung die Wassei’scheide zwischen W erra nnd Itz an einer 
anderen Stelle gelegen haben muss, wenn überhaupt eine vor- 
handen war. Geht man im Werrathal abwärts, so sind untere 
Diluvialablagerungeu überall vorhanden ; eine obere Diluvial- 
terrasse , die der Schotterdecke auf der Stelzner Höhe ent- 
spricht, fehlt aber vollständig in der langen Strecke bis lieurieth. 
Fast 3 Kilometer südlich vom Werrathal bei diesem Ort liegen 
Diluvialdeckeu gegen 200 Decimalfuss über dem Werraspiegel; 
und von hier fehlen sie thalabwärts auf beiden Flanken nicht, 
auf dem harten Wellenkalkuntergrund immer schöner und cha- 
rakteristischer erhalten, als auf dem leicht zerstörbaren Untersatz 
von Ivöthschichten. Man kann nun in dem Fehlen der oberen 
Diluvialablagerung von Eisfeld und Reurieth eine Zufälligkeit er- 
blicken; es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der im Schichten- 
fall des Terrains begründete asymmetrische Bau des Thaies die 
Erhaltung von älteren Diluvialstraten unmöglich macht; immerhin 
ist die Thatsache auffällig. Bei weiterer Untersuchung ergab sich 
nun, dass die Schotter südlich und auch westlich von Reurieth 
nicht von der Werra, sondern von der Schleuse stammen. Es 
ergal) sich dies zuerst aus den zahlreichen Sandsteinen des 
Schotters, die vielfach der Gerölle- führenden Zone angehören. 
Die heutige Werra durchbricht allerdings bei Eisfeld eine schmale 
Zone von grobkörnigem und Gerölle-führendem Sandstein, trotz- 
dem finden sich Gesteine aus dem Horizont wegen der leichten 
Zerstörbarkeit nur ausserordentlich selten in den Unteren Diluvial- 
ablagemngen bei Hildlmrghansen und El.)euharz, vielmehr herr- 
schen in diesem Quarze und Phyllite derart vor, dass durch die- 
selben eiuzis: und allein die Ablasxerunafen ffekennzeichuet werden. 
Der Durchbruch der Werra durch den grobkörnigen Sandstein 
bei Reurieth, der hier nur in seinen obersten Schichten zu Tage 
tritt und nahezu horizontal liegt, ist ohne jede Bedeutung für die 
betreffenden Diluvialbildungen südlich und westlich von Reurieth, 
da zur Zeit ihrer Entstehung das heutige Werragebiet doch um 
mindestens 200 Fuss höher war als jetzt, dasselbe also oberfläch- 
lich aus Röth und Welleukalk bestand mit Ausnahme der steil 
stehenden Buntsandsteiuzone bei Eisfeld. Ausser o-i’obkörnio-eu 

O Ö 


10 


H. ProeschoijDt, Ueber Tbalbildiing im oberen Werragebiet. 


Sandsteiuen und solchen aus der Gerölle-führeudeu Zone, welch’ 
letztere unmöglich aus der Gegend von Reurieth stammen können, 
enthält der fragliche Schotter wenige Kiesel, Phyllite und Erup- 
tivgesteine, Porphyrite, Melaphyre u. s. w. Die Heimath derselben 
ist meines Wissens nach in dem oberen Schleusegebiet zu suchen. 
Nach vielen sorgfältigen Vergleichen zwischen Werra- und 
Schleuseschotter hege ich keinen Zweifel mehr , dass die be- 
treffenden Diluvialablagerungen von der einstigen Schleuse ab- 
gesetzt worden. 

Es geht daraus hervor, dass die Schleuse älter ist als die 
Werra. Damit steht wohl im Zusammenhang, dass mit dem Ab- 
wärtsfallen der ersteren anch nahezu parallel die Meereshöhe des 
durchflossenen Gebietes fällt, während die Werra von Eisfeld an 
bis gegen Reurieth hin in immer höher ansteigendes Terrain 
hineinläuft. Die Schleuse lief damals, wie aus Diluvialablage- 
rungen hervorgeht, westlich von Ehrenberg nach Siegritz und 
weiter südlich hin. 

Aus der Karte (Taf. I) ist leicht ersichtlich, dass die heutige 
Werra z. Th. im alten Schleusebett verläuft. Sie ist ein ehemaliger 
Nebenfluss der Schleuse gewesen, der wahrscheinlich das gegen- 
wärtige Werrathal in der Gegend von Hildburghausen benutzte, 
aber um mindestens 200 Fuss höher lief als heute. Auf diese 
Wahrscheinlichkeit deutet der Umstand, dass das Werrathal im 
geologischen Bau des Terrains vorgebildet ist. Zwar erscheint 
dem, der das Thal durchwandert, die Lagerung der Schichten 
auf beiden Thalseiten gleichmässig geneigt, wie früher erwähnt; 
bei der Aufnahme des Blattes Hildburghausen wurden aber auf 
dem rechten Ufer Laijerunofsverhältnisse des Chirotherinmsand- 
Steins beobachtet, die im Verein mit der scheinbaren, auffällig 
grossen Mächtigkeit des Röths auf dem linken kaum eine andere 
Deutung zulassen, als dass die Thalrinne z. Th. längs einer Mnlde 
läuft, wie die beigegebene Figur 3 schematisch zeigt. 

Derartige Faltungen sind in geneigten Schichten eine nicht 
seltene Erscheinnng; bei Hildburghausen scheint nicht einmal eine 
örtliche Falte vorzuliegen, sondern die Mulde scheint in Verbin- 
dung zu stehen mit einer Verwerfung, die dicht bei Ebenharz im 


H. PuoESCHOLDT, Uebei’ Tlialbildung im oberen Werragebiet. 


11 


Bnntsandstein bemerkbar wird, von dem Feldstein bei Themar 
herkommt und die Richtunp; in das Werrathal einschläaft. Es ist 

O O 


Fig. 3. 



kaum iiöthig zu erwähnen, dass die Umbiegung der Röthschichten 
nicht secundärer Entstehung ist, d. h. durch Unterwaschuug des 
Flusses erfolgt ist, welcher Vorgang ja auch in Thalwäuden häufig 
zu beobachten ist. 

Fragt mau nach den Factoren, welche den ehemaligen Zu- 
stand und das 2:ea:enseitio:e Verhältniss der Schleuse und Werra 
im Laufe der Zeit geradezu umkehrteu, deu früheren Hauptfluss 
zum Nebenfluss und umgekehrt deu Nebenfluss zum Hauptfluss 
machten, so dürften diese unter den gegebenen Verhältnissen einzig 
und allein in der rückwärts schreitenden Erosion der einstigen 
Werra zu suchen sein. Der Werth der rückwärts schreitenden 
Erosion als Thalbildner wird sehr verschieden beurtheilt. Neumayr^) 
lehnt die Anwendung dieses Processes zur Erklärung von Durch- 
bruchsthälern entschieden ab, Penck will ihn nur unter ganz 
bestimmten Voraussetzungen zulassen, Philippson dagegen tritt 
als Vertreter desselben auf, und neuerdings vertheidigt Hilber^) 
die Theorie der rückwärts schreitenden Erosion oder die Regres- 
sionstheorie gegen die von Tietze und Neumayr vorgebrachten 
Einwände. Dass die Thäler rückwärts schreiten, dürfte zur Zeit 
wohl nahezu allgemein angenommen werden, und ist ja auch eine 

') Erdgeschichte. Bd. I, S. 438. 

Die Bildung der Durchbruchthäler, S. 42. 

Studien über Wasserscheiden, S. 40. Ein Beitrag zur Erosionstheorie. 
Petermann’s Mittheilungen 1886, S. 67. 

b Die Bildung der Durchgangsthäler. Pbterjiann’s Mittheilungen 1889, 
S. 13—16. 

Einige Bemerkungen über die Bildung von Querthälern. Jahrb. d. k. k. 
geolog. Eeichsanstalt 1882, S. 685. 

®) a. a, 0. 


12 


H. Proescholdt, Ueber Tbalbildung im oberen Werragebiet. 


Thatsache; Hilber hat deswegen Recht, wenn er sagt, dass die 
Regressionstheorie der Dnrchgangsthäler nicht ansznschliessen ist, 
da sie die Konsequenz der ersteren Theorie ist. 

Die Regression der ehemaligen Werra führte nnn nicht zur 
Bildung eines Dnrchgangsthales, sondern zur Anzapfung der ehe- 
maligen Itz, die ihr mit ihrem Stromgebiet, soweit es oberhalb 
des Erreichnngspnnktes lag, tribntär wni’dc. Piiilippson hat in 
seinen Studien derartige Flnssanzapfnngen so genau geschildert, 
dass ich nichts hinznznsetzen vermag. 

Die Wirknngen der rückwärts schreitenden Erosion der ehe- 
maligen Werra sind besonders an der Beschaffenheit nnd dem 
Verlauf der jetzigen Wasserscheide zwischen Werra nnd Itz he- 
merkl)ar, die im geologischen Anfhan des Terrains gar keinen, in 
der Oherflächenbeschaffenheit nur theilweise Ausdruck findet. Die 
Vlain-Weserwasserscheide folgt, von der Rhön kommend, auf lange 
Erstreckung einem ost- südöstlich streichenden Sattel, allerdings 
durch Denudation nnd Erosion vielfach abgelenkt. Nördlich der 
beiden Gleichberge verflacht sich der Sattel, indem gleichzeitig 
ans der Sattellinie eine Brnchlinie sich entwickelt, die in eine 
nach Nordost o;erichtete Ueberschiebnng übergeht. Dieser folgt 
die Wasserscheide mir kurze Zeit, sie verliert dann den tekto- 
nischen Charakter vollständig nnd verläuft ohne Beziehung auf 
Schichtenstellnng und Lagerung. Sie wendet sich zunächst dem 
linken Werranfer zu und nähert sich au manchem Ort dem Elnsse 
l)is auf 3 Kilometer. Durch Erosion zngeschärft, begleitet sie 
denselben im zickzackförmigen Verlauft) bis nach Eisfeld hin, 
biegt südlich von der Stadt weit vom Thal ab nnd zieht in ausser- 
ordentlich grossen Vor- und Zurückliiegnngeu über die nordwest- 
lich streichenden Schichten. Dann bildet sie in einem Läugsthal 
zwischen einem zur Werra fliessenden Bach nnd der in die 
Itz sich ergiessenden Lauter, zwischen Herbartswind nnd Rotten- 
bach, eine ausgezeichnete Thalwasserscheide. Thalwasserscheiden 
entstehen zumeist durch Auzapfnug eines Flusses durch einen 


’) Studien über Wasserscheiden, S. 55. 

Vergl. Philippson, Studien über Wasserscheiden, S. 96. 


H. Peoescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


13 


auderen ; von den anderen Entstelmugsursaclien, die Philippson i) 
und VON Richthofen ‘^) noch anführen , kann bei dem Bau 
unserer oben ervrähnten nicht 'eine zur Erklärung herange- 
zogen -werden. Man kann in ihr also nichts anders erkennen 
als die Wirkung der zurückgreifenden Erosion der Wei’ra und 
der erfolgten Ablenkung der Itz. Der Vorgang wird um so 
begreiflicher, wenn wir auf den von Loretz aufgenommeueu 
Blättern Eisfeld und Meeder durch alte Diluvialablageruugen einen 
alten Flusslauf angedeutet finden, der nach der Thalwasserscheide 
zuführt und der alte Itzlauf ist. Die diluviale Itz lief bis Eisfeld 
im jetzigen oberen Werrathal und ging dann bei Steudach über 
die jetzige Wasserscheide hinweg nach dem Lauterthal zu und 
durch dieses in das heutige Itzthai. 

Das gegenwärtige Itzthai verräth in dem Bau seines oberen 
Theiles ein sehr geringes Alter. 

Von der Thalwasserscheide läuft die Main -Weserwasser- 
scheide daun in nördlicher Richtung der früher erwähnten Ueber- 
schiebuugslinie zu und über die aufgerichteteu Schichten hinweg 
in nördlicher Richtung an den Thüringer Wald heran, sodass sie 
in der Nähe des Bruchrandes desselben vom Werrafluss kaum 
noch 1 Kilometer entfernt liegt. 

Es geht aus den dargestellten Verhältnissen mit grosser 
Wahrscheinlichkeit hervor, dass es einer diluvialen Werra infolge 
rückschreiteuder Erosion gelungen ist, eine diluviale Itz seitlich 
auzLizapfeu und abzulenken, wodurch eine Verschiebung der früheren 
Wasserscheide und Bildung einer Thalwasserscheide eintreten 
musste. Durch das Wasser der Itz verstärkt, konnte die Werra 
mit grösserer Energie an der Herstellung ihrer Erosionstermiuaute 
arbeiten, deren Basis durch das Niveau des Eintritts in die 
Schleuse bestimmt war. Die Herstellung der gesetzmässigen 
Gefällscurve gelang der Werra noch vor der Absetzung der 
unteren Diluvialterrasse und nachdem es der Schleuse gelungen 
war, auf dem kürzesten Weg zwischen ihrer Schlinge, zwischen 


') a. a. 0., S. 93—96. 

Fülirei’ für Forscbungsreisende etc., S. 699. 
Vergl. Blatt Meeder, aufgenommen von Loketz. 


14 H. Proescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet. 

Reurieth und Kloster Vessra, durchzubrecheu. Das geht aus der 
Existenz von uuteren Diluvialablagerungen im Werrathal bis nach 
Kloster Vessra hervor. 

Es fragt sich schliesslich noch, wo die Wasserscheide zwischen 
der diluvialen Werra und diluvialen Itz lag, ehe noch die Regres- 
sionsthätigkeit der ersteren die Umgestaltung hervorrief. Es ist 
unmöglich, bei der stattgefundenen grossen Denudation dieselbe 
zu reconstruireu; aber es ist sehr wahrscheinlich, dass dieselbe 
nicht allzuweit von der heutigen entfernt lag. Denn den Wasser- 
scheiden ist eine grosse Konstanz eigen, und die erste Anlage 
derselben scheint in einer älteren, nordöstlich gerichteten Faltung 
der Schichten, sowohl der Trias als auch der Schiefer des Thü- 
ringer Waldes gegeben gewesen zu sein, von der heute noch 
Spuren in der Umgebung von Eisfeld sichtbar sind. Ich komme 
auf dieselben noch zurück. 

Durch die Anzapfung der diluvialen Itz ist die Werra zum 
Hauptfluss geworden und hat die Schleuse zuin Nebenflüsse 
degradirt. Es wäre nunmehr das Thal der letzteren auf seine 
Entstehung zu untersuchen. Allein dasselbe bietet kein günstiges 
Objekt, da es hauptsächlich im Bimtsandstein bis zum Eintritt in 
den Thüringer Wald verläuft. Es zeigt überall den Charakter eines 
Erosionsthaies, weist obere und untere Diluvialablageruugen auf 
und überschreitet spitzwinklig eine grosse Anzahl von Verwer- 
fungen. Seine Anlage erklärt sich am besten durch das starke 
Ansteigen der Schichten infolge der Annäherung an den Thüringer 
Wald und das dadurch verursachte stärkere Geßille. 

Wenden wir uns nun zum Werrathal von dem Zusammen- 
tritt der Schleuse und Weri’a bei Kloster Vessra abwärts. Die 
früher angestellten Untersuchungen hatten das Resultat ergeben, 
dass das Thal anfangs eine lange Strecke längs einer Verwer- 
fungskluft läuft, also als ein tektonisches erscheint, dann aber als 
Erosionsfurche angesehen werden muss, in diesem Abschnitt aber 
durch nordöstlich streichende Sättel und Mulden hindurchläuft, 
also ungefähr in folgender Weise (schematisch, siehe Fig. 4). 

Trotzdem behält der Fluss im Allgemeinen seine nordwest- 
liche Richtung bei. Was die erste Strecke anbetrifi't, so lässt 


H. Proescholdt, Ueber Tlialbildung im oberen Werragebiet. 


15 


sich bei der Beschaffenheit der Verwerfung als sicher aiiuehnien, 
dass das Thal hier voro-ebildet war und durch die Erosion nur 

O 

Fig. 4. 



vertieft worden ist. Denn das Querprofil der das Thal bildenden 
Schichten giebt an und für sich eine Vertiefung (Pig. 5). 


Fig. 5. 

Jltenberg 6. Themar 



Dasselbe Profil beherrscht auch die Strecke von Kloster 
Vessra nach Reurieth; hier steht fast in der Thalsohle noch 
Wellenkalk neben unterem Röth an. Verwerfuno;en dieser Art 
sind sicherlich als Thalbilduer auzuseheu, obgleich sie nicht als 
weite, klaffende Spalten anftreteu. Sie rufen an und für sich 
längs des Streichens Vertiefungen hervor, sie gewähren auch der 
Erosiousthätigkeit des Wassers leichte Angriftspunkte, und sie 
befördern die Thalbildung, wenn sie in geneigtem Terrain ent- 
standen sind und mit dem Gehänge laufen, wesentlich durch die 
in ihnen aufsteigeudeu Quellen, deren Wasser au der Spalte ent- 
lang der Neigung des Bodens abläuft. Auch Verwerfungen von 
anderem Charakter können unter solchen Umständen wohl als 
Thalbilduer anftreteu. Es ist bemerkenswerth, dass auch die 
Schleuse in ihrem diluvialen Lauf theilweise der Verwerfung 
zwischen Kloster Vessra und Reurieth, die nur die Fortsetzung 
der nach Themar hinziehenden ist, folgt; es ist ausserdem wichtig 
hervorzidieben, dass diese Verwerfungen die äussersteu, d. h. die 
am weitesten entferutcu vom Thüringer Wald, sind unter den 


16 H. Peoescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet. 

zahlreichen Störungen, die vom grossen Dollmar über die Maris- 
felder Mulde nach dem Feldstein und weiterhin ziehen. 

Bei Henfstädt, kurz vor dem Nadelöhr, verlässt die Werra 
das tektonische Thal, wie schon erwähnt, und läuft nun, wie es 
scheint, in einem reinen Erosionskanal, der durch prachtvolle 
Diluvialterrassen ausgezeichnet ist, dahin. Aber nur scheinbar, denn 
wenn wir auf beiden Thalflanken den Verlauf der geologischen 
Horizonte verfolgen und in die Karten eintragen, so stellt sich 
alsbald als ganz unzweifelhaft heraus, dass die Wei’ra inmitten 
einer flachen, weiten Mulde läuft, deren Schichten gegen die 
Tieflinie um 35 Meter einsinkeu. Die Mulde ist überaus deut- 
lich zwischen Henfstädt und Vachdorf entwickelt und läuft genau 
parallel zu den Alarisfelder Störungen, mit denen sie auch in 
ursächlichem Zusammenhang steht. Denn die Mulde ist ofleubar 
nichts anderes als eine Wirkung des Taugentialschubs, der auch 
die tiefe Depression der Marisfelder Dislocation hervorgerufen hat. 

Es läuft also die Werra bis in die Gegend von Vachdorf 
auch in einem tektonischen Thal. Weiter abwärts lassen sich die 
Verhältnisse nicht mehr so deutlich erkennen. Die Werra läuft 
eine Strecke rein westlich, dann nahezu reiu nördlich. Wohl lassen 
sich auch nordwestlich streichende Falten, Sättel und Mulden er- 
kennen, aber sie treten hier hinter den schärfer auftretenden nord- 
östlichen Faltuna:en zurück und kreuzen sich mit denselben. Es 
ist schwierig zu entscheiden, ob die aus dem Zusammenwirken 
dieser beiden Richtungen resultirende dritte Richtiuig, die die 
Werra grösstentheils inuehält, in ursächlichem Zusammenhang mit 
der Thalrichtung steht, da diese auch durch das Einmünden 
grösserer Nebenflüsse, wie der Hasel, bedingt sein kann. 

Versuchen wir nun unter Berücksichtigung der geologischen 
Verhältnisse der Gegend, einen Einblick in die Geschichte der Ent- 
stehung des oberen Werrathals zu gewinnen. Es ist im Jahre 1888 
von mir i) darauf hiugewieseu worden , dass Nordostfrankeu 
von 2 tektonischen Richtungen beherrscht wird. Die ältere, in 


') Ueber gewisse nicht liercynische Störungen etc. Dieses Jahrb. 1887, 
S. 332 — 348. 


H. Proesciioldt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


17 


nordöstlifheiri Streichen verlanfend, äussert sich hauptsächlich in 
Sattel- nnd Mnldenbildungen und entstand iin wesentlichen zn 
einer Zeit, als der Thüringer Wald noch nicht als Horst einpor- 
rao-te. Als dann Franken sich von dem Gelrirsfe ablöste nnd in 
die Tiefe sank, entstanden gleichzeitig in dein sinkenden Gebiet 
jene lang ansgezogenen, nordwestlich streichenden Dislocationen, 
Ueberschiebnngen, Brüche, Mulden u. s. w. Sie erzielten im All- 
gemeinen das Resultat, dass die Schichten nm so tiefer sanken, 
je weiter sie vom Thüringer Wald entfernt waren. Dadurch er- 
hielten die von dem Gebiro-e ablanfenden Gewässer die Neig'nno;, 
sich möglichst weit davon zn entfernen, wurden aller in ihrem 
Lauf beeinflusst durch die Niveauverschiedenheit infolge der älteren 
Qnerfaltung in nordöstlicher Richtung. Die Schichten steigen, 
wie früher gezeigt ^), aus der Umgebung von Benshansen, Meiningen 
u. a. O. nach Südosten in die Höhe nnd erreichen in der weiteren 
Umo-ebunij von Schiensingen bei ungestörter Lagerung eine nuge- 
gewöhidiche Meereshöhe, senken sich aber weiter nach Südosten 
wieder. Es liegt also in dieser Gegend ein alter »Sattel vor, und 
es entspricht ganz und gar der überall Vorgefundenen CGnstanz der 
Wasserscheiden, wenn wir sehen, dass dieser Sattel in der Nähe 
der heutigen Wasserscheide zwischen Itz nnd Werra liegt. Denn 
es ist nicht anznuehmeu, dass die Denudation bei fast horizontalem 
Schichtenbau Niveaudilferenzen, wie sie von derselben Schicht bei 
Schleusingeu und Benshansen vorliegen (gegen 250 Meter), voll- 
ständig vernichtet oder gar umkehrt, und es darf dieser Sattel als 
alte Wasserscheide angesehen werden. Sie gab den Gewässern 
die Tendenz, nach Nordwesten und auf der anderen Seite nach 
Südosten abznlaufen. Dieser doppelten Neigung des Terrains, 
der vom Thüringer Walde her nach Südwest und der von der 
Wasserscheide her nach Nordwest gerichteten, entsprachen die 
Gewässer am eintachsten dadurch, dass sie die äusserste, d. h. die 
am tiefsten gelegene natürliche Rinne znm Ablauf benutzten, 
welche die jüngeren im hercynischeu Sinn wirksamen tektonischen 
Kräfte geschaflen haben. Und darin finden wir auch die Werra 


b Ebenda, S. 337. 


Jahrbuch löo9. 


2 


18 


H. PiiOEscHOLDT, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 


in ihrem Oberlauf. Freilich erhebt sieh sogleich der Einwurf, 
wieso der Fluss die auf- und absteigenden Schichten der nord- 
östlichen Falten durchlaufen kann, ohne von seinem nordwest- 
lichen Wege abzuweiehen. Der Vorgang erinnert au die Bildung 
der epigeuetischen Erosionsthäler von Richtiiofen’s und muss in 
entsprechender Weise erklärt werden. Man kann sich vorstellen, 
dass die nordöstlichen Falten durch Abrasion oder durch Denu- 
dation mehr oder minder ausgeebnet waren, ehe die im hercynischen 
Sinn wirksamen Kräfte ihre Thätigkeit Ijeganuen. 

Es wäre von Interesse, noch weitere Untersuchungen auzu- 
stellen, ob zwischen dem ferneren Verlauf des Werrathaies und 
dem tektonischen Bau des durchflossenen Terrains Beziehungen 
nachweisbar sind. Diese Uutersnchungen sind indessen hinaus- 
znschieben, bis die einschlä< 3 fiofeu o’eoa'uostischen Blätter veröffent- 
licht sind; vielleicht ist daun auch die Zeit gekommen, sich an 
die Lösung mancher Fragen betreffs der Thalbildung der Wrra 
zu wagen, die sich anfdrängen und noch keine genügende Beant- 
wortung gefunden haben. 

Hieran möchte ich noch eiuioe Bemerkungen über die Thal- 
bildnng an der Main-Weserwasserscheide knüpfen. 1882 besprach 
ich 2) die Thalbildung des Bibrabachs bei llentwertshansen, der 
eigenthümliche hydrographische Verhältnisse zeigt. Damals hatte 
ich die Vermuthnng, dass der Bach ehemals umgekehrt geflossen 
sei, dass aber durch Entstehung eines Sees in seinem jetzigen 
Quellgebiet die Möglichkeit gegeben worden sei, seinen Lauf zu 
verändern. Die letztere Ansicht vermag ich heute nicht mehr zu 
theilen. Die Wasserscheide wird von mehreren ausgezeichneten 
Durchbruchsthäleru durchsetzt, die bis auf eine Ausnahme nach 
Süden, also dem Main zu, ansmüuden. Ich erwähne hier nament- 
lich die merkwürdige Schlucht am Westabhaug des höchsten 
Punktes der Wasserscheide, des Grosskopfes, deren Ausgangs- 
punkt gegen 120 Meter niedriger liegt als die Höhe der dnrch- 
brochenen Felswände beträgt. Der erstere liegt im Buntsandsteiu, 


b Führer etc. S. 174. 

-) Zeitschr. d. Deutsch, geolog. Gesellschaft 1882, S. 674. 


H. PiiOEScHOLDT, üeber Tlialhilduug im oberen Werragebiet. 


19 


die letzteren bestehen ans steil anfgericliteten, südlich fallenden 
Mnschelkalkschichten; das Phänomen erklärt sich in überzeugender 
Weise dadurch, dass das Quellgebiet der Schlucht, der Buutsand- 
steiu, in weit grösserem Maasse den Einwirkungen der Denndation 
und Erosion unterliegt, als die Muschelkalkschichten, sodass es 
erniedriot wurde scegenüber den letzteren. Die Einfurchun<x der 
Schlucht aber hatte begonnen, als der Buntsandstein infolge der 
Sattelstelluncr noch über den Kalkschichten hervorrao;te, der Zu<r 
der Gewässer ist aber l>is heute geblieben. Auf derartige Bildung 
von Durchbruchsthälern, die Penck geologische Gefällsthäler 
nennt, hat zuerst Gümkel^) aufmerksam gemacht (Hilber’s Super- 
formationstheorie ^). Sie giebt in dem gegebenen Falle die ein- 
fachste und natürlichste Erklärung; weder die Antecedenztheorie, 
noch die Spaltentheorie, noch die rückschreitende Erosion RÜTi- 
äieyer’s und Löavl’s genügen. Anders sind die Verhältnisse des 
Bibrabaches. Er läuft nicht nach Süden, sondern nach Norden 
der Werra zu, seine Quelle liegt weder auf dem First des 
Muschelkalkrückens, noch in der Nähe der alten Sattellinie, sondern 
weit draussen in der Ebene des Grabfeldes. Die Verhältnisse er- 
scheinen im Profil (Eig. 6) folgendermaassen : 

Fig. 6. 


Einstiger 

Satte! 



Es stellt sich dann die Bildung des Thaies des gegenwärtigen 
Bibrabaches in mehreren Phasen dar. 


*) Die Bildung der Durchbruchsthäler, S. 50. 

2) Bavaria, IV. Bd., XI. Heft, S. 11. 

Die Bildung der Durcljgangsthäler. Petekmann’s Mitth. 1889, Heft I, S. 12. 


20 H. PiioESCHOLDT, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet. 

Erste Phase: Von dem First des ehemaligen Sattels lief ein 
Gewässer nach dem Grabfeld zu und schnitt sich in die Muschel- 
kalkbänke au, ein zweites, entgegengesetztes lief nach der Werra 
zu und wegen der grossen Nähe und relativ tiefen Lage der- 
selben mit stärkerem Gefäll. 

Zweite Phase: Durchbrechen des Sattels und der Wasser- 
scheide infolge rückschreitender Erosion des nach Norden ab- 
laufenden Baches. Der Buntsandstein wird infolge seiner leichten 
Zerstörbai'keit durch Denudation und Erosion weit mehr fort- 
gewaschen als der widerstandsfähige Muschelkalk, daher Heraus- 
bildung eines Muschelkalkrückens und Verlegung der Wasser- 
scheide auf denselben. 

Dritte Phase; Angriff des nach Norden zur Werra gehenden 
Baches auf die neue Wasserscheide infolge rückschreitender Ero- 
sion, Durchbruch derselben in dem in der ersten Phase gegrabenen 
Kanal und Einziehen eines Theiles des Grabfeldes zum Werra- 
gebiet. Es kommt hier nicht zur Bildung einer Thalwasserscheide, 
sondern zur Entstehung eines Bachbettes, das in seinem Ober- 
lauf fast gar keine Neigung hat, denn der Bibrabach hat in den 
ersten 10 Kilometern seines Laufes ein Gefälle von 1 : 666 und 
erst, nachdem er die Rentwertshäuser Furche passirt, bekommt er 
ein für den Oberlauf entsprechendes Gefäll von 1 : 94. 

Hierzu ist noch zu bemei'ken, dass der Durchbruch des 
Muschelkalkrückeus bei Rentwertshausen vielleicht gefordert worden 
ist durch das Zusammenfällen mit einer Spalte, die sich nicht an 
Ort und Stelle, sondern nördlich davon nachweisen lässt und in 
genetischem Zusammenhang mit dem tektonischen Bau des Sattels 
steht,, worüber au anderem Ort zu berichten sein wird. Zn der 
Spalte hat aber sicherlich das in der Furche auftreteude Orbel- 
loch Beziehung. Man bezeichnet damit Löcher i), durch welche 
bei Ueberschwennnungen das Wasser in die Tiefe versinkt und 
bei dem Schichtenfall dem Main unterirdisch zulaufen muss. 


9 Emmrich, Zur Geologie dei- Umgegend u. s. w. Realscbulprogramm 1876, 
S. 15. Bei dem Bau der bayrischen Bahn wurden dieselben möglichst ausgefüllt. 


Uebei* einige Carboiifarne. 

Von Herrn H. Potonie in Berlin. 

(Hierzu Tafel II — V). 

1. Hymenotheca Dathei n. gen. et sp. 

Taf. II, Fig. 1 a — c. 

Der Habitus der Hijmenotheca Dathei ist der der lebenden 
Hyinenophyllaceen. Die Blätter machen den Eindruck, als wenn 
sie sehr zai’t gewesen sein müssten, so dass man gern glaubt, 
dass das Gewebe der Blattfläclie nur einzellscbicbtig gewesen ist; 
die Nerven hingegen treten, wie das bei der Festigkeit und Viel- 
zellschichtigkeit derselben bei den Hyinenophyllaceen zn erwarten 
ist, scharf und erhaben hervor. Die Blätter sind mebrfach-geliedert. 
Die Läppchen letzter Ordnung sind breit-lineal bis länglich oder 
etwas lanzettlicb, nach ihrem Gipfel zn meist etwas verbreitert 
nnd stumpf nnd tragen hier einen kugeligen, stark erhaben- ver- 
tretenden Sorns, von welchem ein Nerv ansgeht, der sich gabelig 
mit dem Nerven des Nebenläppchens vereinigt. 

Die ganzen Fiedern zweiter Ordnung zeigen sich überhaupt 
dichotom gebaut, denn auch der etwas llexnose Hanptnerv einer 
solchen Fieder macht durchans den Findrnck sympodialeu Anf- 
baus. Im Uebrigen giebt unsere Abbildung am besten Anfschlnss 
über den Ban nnd das Aussehen der IJymenotheca Dathei. Ich 
habe die beiden zur Verfügung stehenden Stücke aid' der Tafel H 
so zusammengelegt,' wie die beiden grössten Blattreste auf den- 
selben sich zn einem vollkommenen Blatt ergänzen können. 


22 


H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne. 


Die für die Bestiuimung unseres Bestes als Hymenophyllacee 
ausschlaggebenden Daten — nämlich der Bau der Sori und Spo- 
rangieu — lassen sich au unseren Besten leider ebenso wenig 
constatiren wie nach der Meinung F. Heyer’s (Botau. Ceutral- 
blatt XIX (1884) p. 394), Solms-Laubach’s (Einl. in die Palaeo- 
phytologie 1887, p. 157) und A. Schenk’s (die fossilen Pflanzen- 
reste 1888, p. 37) an den von Sciiimper untersuchten Exem- 
plaren von H ijmenophylhmi Weissi Sciiimper. Da aber das, was 
sich constatiren lässt, alles nur für, nichts g§gen eine Hymeno- 
phyllacee spricht, ja der Habitus unserer Pflanze sogar wahrhaft 
auffallend dem mancher Hymeuophyllum- und Trichomanes- Arten 
gleicht, so dürfte mau wohl berechtigt sein, die neue Art vor- 
läufig zu dieser Gattung zu stellen. 

Auch ich habe an dem aus der WEiSs’scheu Sammlung stam- 
menden Stück von Hymenophyllum Weissi aus der Steinkohlen- 
formation bei Engeberg bei Saarbrücken (legit Jordan) vergeb- 
lich den Sorus-Bau zu ergründen versucht. (Tat*. II, Fig. 2a u. b.) 
Ich finde in den Enden der Blattläppchen nur lang - elliptische 
Eindrücke, die feine Querstreifung zeigen, während das übrige 
Blattpareuchym eine glatte Oberfläche aufweist. Hier und da 
nimmt man in der Längsachse der Ellipse als Fortsetzung des 
Nerven einen strichförmigen — vielleicht von einer Columella 
geschafieneu — Eindruck wahr. Auch hier spricht daher alles 
nur für nichts gegen die Bestimmung als Hymenojihyllacee. 
Um aber nicht vorzutäuscheu, als habe mau die für die Diagnose 
von liyvienopliyllum resp. Trichomanes schliesslich doch haupt- 
sächlich massgebenden Dinge auch bei den beiden in Bede 
stehenden Arten gefunden, schlage ich vor, für dieselben die 
besondere Gattung llymenotheca zu bilden. — Ausser Hymenotheca 
Weissi und Dathei würde vielleicht auch llymenophyllites Humbolti 
Göppert (Die Gatt, der foss. Pflanzen 1841, Fig. 1 der Taf. V 
der Lief. 3 u. 4) vorläufig zu Hymenotheca zu stellen sein. 

Die Stücke mit Hymenotheca Dathei gehören dem Museum 
der Kgl. geologischen Landesanstalt und fanden sich unter einer 
Sendung mit Besten von Steinkohlenpflanzen von Herrn Bergrath 
Busse in Schwadowitz aus dem Schwadowitzer- Bevier, die aut 


H. PoTONiE, Ueber einige Carbonfarne. 


23 


Veranlassung des Kgl- Landesgeologeu Herrn Dr. E. Dathe der 
Anstalt 1 889 frenndliclist gespendet worden sind. Die Hiimeiiotheca 
Dathei eutstainint dem Idastollener Flötzziig. 

2. Uynieuotheca Beyschlagi n. gen. et sp. 

Taf. III. 

Habituell sehen die Rlatttheile der Lamina von Ihjmenotlieca 
Beyschlagi solchen von Allostorus crisjnis Bep.niiardi ungemein ähn- 
lich; mit der Lupe untersucht, zeigt sich jedoch bald, dass wir 
es in den Blattendigungen der lIymenoth,eca Beyschlagi ofienbar 
mit einzelnen, allerdings recht grossen Sori zu thun haben. Diese 
Sori haben dieselbe Gestalt und zeigen dasselbe wie die Sori der 
Ilymenotheca Weissi^ nur sind sie, wie ein Vergleich unserer Ab- 
bildungen lehrt, viel grösser. Sie sind elliptisch, zeigen in ihrer 
Ijäugsachse eine hei'vorragende Linie und sind der Quere nach 
fein gestreift. Sie sitzen an ziemlich dünnen Stielen, welche ein- 
zeln oder gabelig zu zweien in tiederiger Anordnung an einer ge- 
meinsamen Achse sitzen, welche wiederum fiederig au der Haupt- 
achse des grösseren der beiden Abdrücke auf unserem Stück au- 
geordnet sind. Das ganze Farnkraut zeigt nur Sporaugien und 
stengelförmige Achsen ; tlächeuförmig entwickeltes Blattparenchym 
fehlt. Bei sterilen Blättern wird dassell)e wahrscheinlich — in 
Analogie mit lebenden Farnen, deren fertile Wedel ja oftmals 
des flächenförmig entwickelten Blattparenchyms ihrer sterilen 
Blätter entbehren — vorhanden gewesen sein. 

Das Stück mit zwei Abdrücken der Ilymenotheca Beyschlagi^ 
der vollständigere, von uns abgebildete, auf der einen, der kleinere 
auf der anderen Seite, entstammt der Steinkohlenformation und 
gehört dem Kgl. Bezirksgeologeu Plerrn Dr. F. Beyscheag, der 
es 1882 auf der Kasberg - Halde der Grube von der Heydt bei 
Saarbrücken gefunden hat. 

3. Hymenopliyllites (Sphenopteris) gerniamca u. sp. 

Taf. IV. 

In ihrem Habitus steht die llymenophylUtes germanica der Zeil- 
leria clelicatula (Sterne.) Kidston (in Qiiarterly Journal of the 


24 


H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne. 


Geological Society Bd. XL p. 592 und Taf. XXV, London 1884) 
am nächsten. Wenn die abweichende Fructification nicht da 
wäre, müssten beide Arten für identisch erklärt werden. Die 
vorliegenden Blattreste der Hymenophyllites germanica sind bis 
fünffach gefiedert und zeigen sehr schmal -lineale Endfiederchen. 
Die Fiedern aller Ordnungen stehen zum Theil fast senkrecht ab 
oder bilden grosse, sich solchen von 90 o nähernde Winkel mit 
ihren Abgangsstellen, so dass die Blätter ein sparriges Aussehen 
gewinnen. Die Sporangien, die kugelig -ellipsoidische Gestalt auf- 
weisen, zeigen eine deutliche Oberflächensculptur in Form maschen- 
förmig verlaufender erhabener Linien (Zellwände?). Sie liegen nicht 
auf der Blattfläche, sondern im Gestein neben derselben und 
zwar, wie dies auch li. Zeiller (Tafel X seiner in den '»An- 
nales des Sciences natureilese- 6. se'?’. , tome XVI, Faris 1883) für 
UymenophylUtes cpuadridactylites (Gutbier) Kidston abbildet, in 
der Fortsetzung der letzten Fiederchen, also vor diesen. Au 
vielen Stellen scheinen die Sporangien dem Gipfel anzusitzen. 

Das Stück gehört der Sammlung der Königl. Preuss. geolog. 
Landesanstalt und stammt aus dem Hangenden des Flötzes Prinz 
August der Grube Dechen bei Neuukirchen. 


4. Oligocarpia (Pecopteris) Rliveri n. sp. 

Taf. V, Fig. 2 a — e. 

Oligocarpia Kliveri stellt einfach - gefiederte Blattreste mit 
doppelt -gekerbten, länglichen, stumpfen Fiedern dar, welche am 
Grunde zwar etwas eingeschnürt aber doch deutlich Pecopteris- 
artig ansitzen. Durch die Fiedern zieht sich ein Mittelnerv, der 
in die Plauptkerbeu (Läppchen) Seiteuuerven absendet, die ihrer- 
seits in die Kerben zweiter Ordnung Zweige abgebeu. Jeder der 
letzteren läuft bis in das Centrum eines kreisförmigen Sorus, 
welcher von einer Anzahl Sporangien gebildet wird. Die Sporau- 
ffieu haben in den Sori kreisförmige Eindrücke — meist durch einen 
noch vorhandenen kohligeu liest intensiv schwarz erscheinend — 
hinterlasseu. Hier und da tritt der kohlige Rest in der Form 
scheibenförmiger Körperchen auf, die als fossile Sporangien an- 
gesehen werden müssen. Einige dei’selben habe ich losgelöst und 
— in Aulehuimg au eine besondei’s von C. W. v. Gümbel (»Bei- 


H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne. 


25 


träge zur Kenutuiss der Texturverhältnisse der Mineralkohlen« 
p. in den Sitzungsberichten der niath.-physik. Klasse der 

Kgl. I)ayerischeu Akademie der Wiss. Rd. XIII, München 1884) 
auf paläontologischein Gebiet angeweudete Methode — in Salpeter- 
säure gelegt, zu der ich einige feste Stücke von chlorsaurem Kali 
hinzufügte. Nach einigen Tagen hatten sich die Sporangien gut 
aufgehellt, sodass eine mikroskopische Untersuchung möglich 
wurde; aber die verworrenen Linien, welche die Sjioraugien zeigten, 
Hessen sich nicht als Zellwände deuten; auch über das Vorhanden- 
sein oder Fehlen eines Annulus Hess sich leider nichts ausmachen. 
Nichtsdestoweniger ist es wohl praktisch, die in Rede stehende 
Art bis auf Weiteres zur Gattung Goppert zu stellen, 

weil unser Farn von den bis jetzt bekannten Sjiorangien- tragen- 
den Farnkräutern den Oligocarpieu, namentlich der von D. Stur 
(»Zur Alorphologie und Systematik der Culm- und Carbonfarne« 
in den Sitzungsber. der k. k. Akad. d. Wiss. in Wien, Rd. 88, 
1883, p. 56 (688)) abgebildeten und neu beschrieltenen OUgocarpia 
Brongniarti besonders hinsicbtlich der Sori am ähulichsten ist. 

Das obige, dem Aluseum der Kgl. Preuss. geolog. Landes- 
anstalt gehörige Stück wurde von Herrn Oberltergamtsmarkscheider 
Kliver im MelHnschacht bei Saarbrücken gesammelt. 

5. Reuaiiltia ( Splieiiopteris) iiiicrocarpa (Lesquereux) Zeiller. 

Taf. 44, Fig. 3 a, b. 

Der vorliegende Rlattrest ist dreimal Hederteilig. Die Fie- 
derchen letzter Ordnung sind unregelmässig - kreisförmig - läng- 
lich und tragen an ihrem Rande, oft das ganze Fiedercheu l)e- 
deckend, elliptische Eindrücke, die otfenbar von den verloren ge- 
gangenen Sporangien heri'ühren. An ihrer Rasis sind die Fieder- 
chen ßphenopteris - -MiÄg verschmälert; sie setzen in Zahl von 
6 bis gegen 1 1 längliche Fiedern zusammen, die an ihrem Grunde 
stark eingesclmürt, fast gestielt sind. Sie Ijildeii in ziemlich 
lockerer und abwechselnder Stellung die Fiedern erster Ordnung 
des vorliegenden Restes. 

Das Stück gehört dem Museum der Königl. Preuss. geolo- 
gischen Landesanstalt und stammt von der Zeche Friedrich 
Ernestine im Revier an der Ridir. 


26 


H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne. 


6. Rliacopteris (Sphenopteris) snbpetiolata n. sp. 

Die Sphenopteris oder, weun man lieber will, Rhacopteris sub- 
p>etiolata ist am nahesten verwandt mit der von H. R. Göppert 
1852 anf S. 143 seiner Fossilen Flora des Uebergangsgebirges 
(Verhandl. der kaiserl. Leopold. Carolin. Akademie der Natnrf. 
Supplement des XIV. Bandes. Breslau und Bonn.) besclu-iebenen 
und Tafel XLIV Fig. 3 abgebildeten Spheno 2 )teris petiolata. Die 
Unterscbiede der beiden Arten ergel)en sich aus dem Vergleich 
der GöPPERT’schen und meiner Abbildung, sowie aus der folgenden 
Gegenüberstellung der Diagnosen. 


Rliacopteris snbpetiolata. 

Die letzten Blatt zip fei 
etwa Y.s Millimeter breit, sehr 
schmal-lineal, in eine Spitze aus- 
laufend. Sie setzen Fiederchen 
zusammen, die durchaus dichotom 
getheilt sind. Die erste Dicho- 
tomie nächst der Achse, welche 
die Fiederchen trägt, ist der 
zweiten Dichotomie meist so 
nahe gerückt, dass die Fieder- 
chen — oberflächlich gesehen — 
oft dreitheilig erscheinen. Je 
zwei der Fiederchen stehen sich 
an ihrer gemeinsamen Achse in 
der Weise gegenüber, dass das 
eine derselben etwas tiefer inse- 
rirt ist als das andere. — Die 
parallele Lage der beiden ab- 
gebildeten vollständigeren Fie- 
dern macht es wahrscheinlich, 
dass sie einer gemeinsamen — 
in unserem Rest allerdings nicht 
vorhandenen — Achse ihren 
Ursprung verdanken. 


Sphenopteris petiolata. 

Die letzten Blattzipfel 
nach der Figur Göppert’s, 
welche einer Fieder der Rhacop- 
teris snbpetiolata entspricht, etwa 
1 Millimeter breit, lineal. Nach 
der Diagnose Göppert’s: 

»Sphenopteris fronde pinnata 
(bi-vel tripiunata?)primis strictis, 
rhachi plana, pinnulis petiolatis 
suboppositis subpatentibus bi-vel 
tritidis, lacinis apice subdila- 
tatis strictis iutegris , nervis 
subsimplicibus?« 


H. PoTONiK, lieber einige Carbonfarne. 


27 


F luidort der R. subpetiolnta: Fürstlicher Tiefhau hei Walden- 
hurg. Feg. J. Breiter. Das Stück gehört dem Museum der 
König;]. Pretiss. geologischen Landesanstalt. 



D. Stur stellt in seiner »Carhontlora der Schatzlarer-Schichten« 
S. 7 (Al)liandl. der kais. königl. geologischen Keichsanstalt, Bd. XI, 
Ahtheilung 1, Wien 1880) tind auch s(;hon fnilier in seiner AI)- 
handlnng »Zur Morphologie und Systematik der Cnlm- und Carhon- 
farne« S. 643 (11) (des LXXXVm. Bandes der Sitzungsherichte 
d. kais. Akad. der Wiss. I. Ahth. Jnli-IIeft. Wien 1883) die 
Spl^enopteris pefiolata zur Gattung Rhucopterit^', man kann dies 
thun, da diese Art und die Rhacopteris subpetiolata Zwischenglie- 
der zwischen den Gattungen Sphenoj^teris und Rhacopteris dar- 
stelleu, die daher zunächst ehenso gut hier wie da untergehracht 
werden können. Stur gieht unter dem Namen Rhacopteris raco- 
nicensis (1. c.) eine Art »mit zweimal fiederschnittigen Blättern« 
(sonst ohne Diagnose) hekaunt; ich mache darauf aufmerksam, 
weil die Rhacopteris stibpetiohita. — wie schon gesagt — oftenhar 
ehenfalls mehr als einmal gefiedert war. 


Das Grundgebirge des Spessarts. 

Von Herrn H. BÜcking in Strassbnrg i/E. 
(Hierzu Tafel XIV.) 


In einer brieflichen Mittbeilnng an Herrn Geheimrath Beyrich, 
welche im XXXI. Bande der Zeitsclir. d. Dentsch. geol. Ges. 1879, 
S. 415 etc. zum Abdruck gelangt ist, habe ich angegeben, dass 
aut Grund der Streich- und Fällrichtungen im krystalliuischen 
Gebiet des Spessarts mehrere Zonen unterschieden werden können, 
und zwar, von Süden nach Norden bezw. von unten nach oben, 
die Zone des körnig -tlaserigen Gneisses (a. a. O., S. 418), die 
Zone des glimmerreichen, schieferigen Gneisses (S. 419), die Zone 
des Quarzitschiefers (S. 420 oben), und schliesslich die Zone des 
körnig -tlaserigen Gneisses von Grossenhausen- Alzenau (S. 420 
unten). Zugleich machte ich darauf aufmerksam, dass möglichei'- 
weise in Folge einer grossartigeu Faltung der letzterwähnte Gneiss 
demselben System angehöre, wie der ältere körnig -tlaserige Gneiss, 
einem System also, das seine Stelle uuter dem glimmerreichen 
schieferigen Gneisse eiunähme (S. 421). 

Es lag ursprünglich in meiner Absicht, die petrographischen 
Eigenthümlichkeiten dieser Zonen in den Erläuterungen zu den 
schon vor dem Jahre 1877 im Maassstab ’/2ö000 aufgenommenen 
geologischen Blättern Bieber und Langenselbold näher zu schildern. 
Indessen hat sich die Veröftentlichung jener Blätter aus äusseren 
Gründen wiederholt verzögert, und habe ich mich deshalb endlich 


H. Bücking, Das Grundgebirge des S|)essarts. 


29 


entschlossen, schon vorher eine Uebersicht über die durch meine 
mehrjährigen geologischen Aufnahmen im Spessart gewonnenen 
Ergebnisse, soweit dieselben den Bau des krystalliuischen Grund- 
gebirges betrefien, zu geben. Gedrängt wurde ich zu diesem Ent- 
schlüsse auch durch Bemerkungen von C. Cheliüs und R. Lepsius, 
welche offenbar meine oben erwähnte Mittheilung keiner genauen 
Durchsicht gewürdigt oder nicht gekannt haben, wenn sie die Be- 
hauptung aufwerfen, die von mir gemachten Angaben beruhten nur 
auf Annahmen’) und die Lagerungsverhältnisse im Spessart seien 
noch nicht genügend klargelegt ^). Ich hoffe, es wird Jedermann 
beim Durchlesen der nachfoDenden Blätter sich die Ueberzeuffuim 
verschaffen können, dass durch die bisherigen Untersuchungen der 
Bau des krystalliuischen Spessarts in allen seinen wesentlichen 
Theilen klar und durchsichtig geworden ist. Jedenfalls ist er ein- 
facher und leichter verständlich, als man dies bis jetzt von dem lie- 
nachbarten krystallinischen Odenwald behaupten kann, mit welchem 
gerade bezüglich des Grundgebirges, auch von C. Cheliüs und 
R. Lepsius, der Spessart so oft verglichen worden ist, in welchem aber 
Störuno-en von noch nicht hinläng-lich p-enau bekannter Beschaffenheit 
das krystallinische Gebirge in drei Theile zerlegt haben, deren 


') C. Cheliüs, Neues Jalirb. für Min. 1888, II, S. 69, Mitte: »B. hält 

allgemein ein norcl westliches fallen der Schichten im Spessart für wahr- 
scheinlich, glaubt deshalb die südlicheren Gesteine für die ältesten halten 
zu müssen, auf die dann nördlich der Kahl folgen sollen« etc. 

2) R. Lepsius, Geologie von Deutschland. 1. Bd., S. 375: »Eine genaue Auf- 
nahme des krystallinen Grundgebirges im Spessart fehlt noch, so dass über das 
relative Alter der verschiedenen Gneisse und Glimmerschiefer 
kaum eine Vermuthung ausgesprochen werden kann; doch glaubt 
Gümbel, dass die südöstlich vom Aschaffthale lagernden » Körnelgneisse« älter 
seien, als die nördlich dieses Thaies verbreiteten Glimmergneisse.« Gümbel ver- 
tritt in seiner von Lepsius citirten, übrigens nach meiner oben erwähnten Mit- 
theilung erschienenen Schrift (Deutsche geograpliische Blätter, Bremen, 1881, IV, 
S. 5 etc.) im Wesentlichen denselben Standpunkt wie ich; er macht auch 
a. a. 0. S. 9 ausdrücklich auf die Ergebnisse meiner Untersuchungen im Spessart 
aufmerksam. Wenn hiernach trotzdem Lepsius die eben erwähnte Aeusserung 
thun kann, so beweist das, dass er die über den Spessart vorhandene Litteratur 
nicht genügend beachtet hat. Auch seine Bemerkungen über das Rothliegende 
und den Zechstein im Main- und Kinzigthale entsprechen, wie ich bei einer anderen 
Gelegenheit zeigen werde, nicht ganz den thatsäehlichen Verhältnissen. 


30 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Stellung zu einauder, weuigsteus nach den liis jetzt vorliegenden 
Verötientliclmngen zu schliessen, noch nicht hat ergründet werden 
können ^). 

Die folgenden Reinerkungen stützen sich wesentlich auf die 
Ergehnisse der geologischen Specialaufnalune des Gebietes nörd- 
lich von der Linie Bieber- Schöllkrippen - Mömbris - Alzenau und 
auf Untersuchungen, welche ich in den Jahren 1873 — 1876 
während der Aufnahme des nördlichen Gebietes in dem südlich 
angrenzenden ausführen konnte. Weitere Beobachtungen habe 
ich dann den früheren hinzugefügt in den letzten Jahren, als ich 
die Geo'end südöstlich von AschaÖenburo- häutlo-er besuchte, um 
meinen Assistenten, Herrn Gollkr, welchen ich dieses Gebiet 
geologisch bearbeiten liess, in die Aufnahme einzuführen und zu 
controliren. 

Durch die späteren Beobachtungen und insbesondere auch 
durch die petrographische Untersuchung der Gesteine habe ich 
mich überzeugt, dass die in meiner oben erwähnten letzten Mit- 
theilung über den Spessart als möglich hingestellte. Faltung der 
krystallinischen Schiefer im grossen Maassstabe nicht vorhanden 
ist 2). In einem durch uugestörtes Gebiet des krystallinischen 
Spessarts cpier gegen das Streichen gelegten Normalprofil — als 
ein solches ist etwa das Profil von Besseubach über Hösbach, 
Schimborn, Mömbris, Bricken, bis zum Hof Trages zu betrachten 
(vergl. Profil 1, Taf. XIV) — lassen sich von Süden nach Norden, 
und, da das Einfallen der Schichten, wie ich schon früher (a. a. O. 


') R. Lepsius sagt in seinem vorher citirten Werke 1889, S. 374: »Wie sie 
(die drei Gneissgebiete) sich in ihrem relativen Alter gegen einander verhalten, 
ist noch nicht bekannt.« 

Die von Gümbei. in seiner erwähnten letzten Mittheilung über den Spessart 
(1881) gemachten Angaben enthalten, insbesondere bezüglich der geogra]dnschen 
Verbreitung verschiedener Gesteinszonen, mehrfache Unrichtigkeiten und Unge- 
nauigkeiten, welche durch Aufnahme älterer Litteraturangaben ohne wiederholte 
Prüfung in der Natur, veranlasst sind und, soweit sie nicht schon durch meine 
ältere Arbeit vom Jahre 1879 ihre Erledigung gefunden haben, theils durch das 
Folgende, theils durch die seiner Zeit erscheinende geologische Karte ihre Be- 
richtigung erfahren werden. Auf die Einzelheiten hier aufmerksam zu machen, 
halte ich nicht für nöthig. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


31 


S. 417 oben) lietont halte, ein vorwiegend nordwestliches ist, somit 
von unten nach oben, unterscheiden : 

I. Aelterer Gneiss des Spessarts: 

A. Grauitgneiss von Oberbessenbach, 

B. Dioritgueiss mit Augengueiss, 

C. Körui«:- llaserijrer Gueiss. 

II. Glimmerreicher schieferiger Gueiss: 

mit Einlagerungen von Quarzitschiefer und Iloru- 
blendeschiefer. 

III. Qu arzreicher Glimmerschiefer oder Quarzit- 

glimm e r s c h i e f e r. 

IV. Jüngster Gneiss des Spessarts: 

A. Ilorubleiidegneiss wechsellagernd mit Biotitgueiss, 

B. Biotitgueiss von Lützelhausen -Hof Trages. 

Wir werden diese Zonen im Folgenden etwas näher be- 
trachten. 


I. Aelterer Gneiss des Spessarts. 

Die an der Basis des krystallinischen Grundgebirgs im Spessart 
auftretenden Gesteine (Granitgneiss, Dioritgueiss und unterste Zone 
des körnig- flaserigen Gneisses) hat auf meine Veranlassung hin 
Herr E. Goller zum Gegenstand einer eingehenden Studie ge- 
macht. Die Ergebnisse, welche in einer zum Druck im Neuen 
Jahrb. f. Min., Beilageband VI bestimmten Arbeit^) niedergelegt 
wurden, sind im Folgenden mitberücksichtigt. 

A. Granitgneiss von Oberbessenbach. 

Als das tiefste und somit wohl als das älteste der krystallinischen 
Gesteine des Spessarts tritt unter der weitverlireiteten Buntsand- 
steiudecke südöstlich von Aschafienburg im Hintergrund des Sodeuer, 


Die Lampropbyrgäuge des südlichen Vorspessart. Blgb. VI, S. 485. 


32 


H. Bücking, Das Gninclgebirge des Spessarts. 


Gaill lacher und Bessenbacher Thaies, in verhältnissmässifr o-erino-er 
Ausdehmmg nnd deshalb in allen seinen Theilen nicht genau zn 
verfülgen, ein hell- bis dnnkelrothes, wesentlich ans Feldspath nnd 
Qnarz bestehendes, körniges Gestein hervor. Mit Kncksicht auf 
seine einigerinassen dentliche Schieternng iin Sodener Thal will 
ich es als Gneiss nnd zwar als den Gran itgne iss von Oh er- 
be sseuhach bezeichnen. 

Der vorwaltende Orthoklas nnd der Qnarz bilden ein ziem- 
lich feines, gleichmässig körniges Gemenge; nicht selten sind sie 
mikropegmatitisch mit einander verwachsen. Beide Gemengtheile 
z(‘io-en hänficr Drnckerscheinnugen, wie nndnlöse Anslöschunof und 
zerfetzte Ränder. Neben dem Orthoklas findet sich auch Mikroklin, 
an der gegitterten Zwillingsstreifung leicht kenntlich; seltener sind 
Kalknatronfeldspathe. Biotit ist mir in vereinzelten Blättchen vor- 
handen. Zirkon nnd Apatit werden in mikroskopisch kleinen Kry- 
ställchen vielfach beobachtet; liesonders reichlich aber ist Magnetit. 
Die Zersetznngsprodncte des letzteren verleihen dem Gestein seine 
röthliche Farbe. 

Bezeichnend für den Granitgneiss von Oberbessenbach ist 
die sehr gleichmässig körnige Beschaffenheit nnd das massige Aus- 
sehen. Es liegt desha.ll) die Annahme nahe, ihn für einen durch 
(f ebirofsdrnck schieferio; a;ewordenen Granit zn halten. Hierfür 
würde namentlich auch das Auftreten des gleichen Gesteins mitten 
im Gebiet des ihn überlagernden Dioritgneisses im oberen Theil 
des Gailbacher Thaies sprechen. 


B. Dioritg'iieiss. 

Der Dioritgneiss besitzt die weiteste Verbreitung in den 
Thä.lern von Soden, Gailliach nnd Bessenliach. Gegen den Granit- 
gneiss von Oberbessenbach ist er durch ein etwa 10 bis 20 Meter 
mächtiges Lager von Quarzit, welches nahe der änsserston Gabelung 
des Bessenliacbthales, zwischen Soden nnd Hessenthal, beobachtet 
werden kann, abgegrenzt. Ancb Qnarzsekretionen nnd grobe 
pegmatitische Ausscheidungen sind für diese Grenzregion sehr 
bezeichnend. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


33 


Der Dioritgneiss ist vorwiegend grob- Ids mittel -körnig und 
im Ganzen von einer ziemlich gleichmässigen Beschaffenheit. Eine 
ausgesprochene Schieferung besitzt er nur da, wo dunkele, basische 
Streifen ihn durchziehen; immerhin ist dieselbe doch an vielen 
Orten wahrnehmbar und für Kittel bei der Wahl der Bezeich- 
nung »Syenit« ausschlaggebend gewesen i). Die mit blossem 
Auge erkennbaren Gemengtheile sind Oligoklas, Orthoklas, Quarz, 
Hornblende, Biotit und Titanit. 

Die beiden Feldspäthe, nicht selten 8 — 10 Millimeter gross, 
sind die vorherrschenden Gemengtheile; der farblose oder matt 
bläulichweisse Oligoklas überwiegt den Orthoklas, welcher zu- 
weilen frischer als jener und durch eine lichtfleischrothe oder 
milchweisse Farbe ausgezeichnet ist. Der Quarz erfüllt in Form 
einzelner Körnchen und mosaikartiger Haufwerke, in diesen öfter 
hegleitet von kleinen secundär gebildeten Albitkörnchen , die 
Zwischenräume zwischen den weit grösseren Feldspäthen und 
Spalten in denselben, gleichsam den Kitt zwischen diesen Ge- 
mengtheilen abgebend. Die Feldspäthe und auch der Quarz lassen 
zumal unter dem Mikroskop zwischen gekreuzten Nicols Biegungen, 
Knickunofen und Zerreissuno’en in der mannia:ta.chsten Weise er- 
kennen, ein Beweis dafür, dass das ganze Gestein sehr starken 
dynamischen Einflüssen ausgesetzt war. 

Hornblende und Biotit betheiligen sich in etwa gleichem 
Verhältniss an der Zusammensetzung des Gesteins. Sie sind 
beide ziemlich frisch, weisen aber vielfach Spuren mechanischer 
Umformung auf. In i’ingsum ausgebildeten , oft 1 Centimeter 
grossen Krystallen findet sich Titanit, besonders häufig in ein- 
zelnen Lagen, für welche er geradezu als ein wesentlicher Ge- 
mengtheil bezeichnet werden könnte. Recht reichlich vorhanden 
ist auch Magneteisen, oft mit blossem Auge erkennbar. Mikro- 
skopisch klein sind Apatit und Zirkon. 

b Kittel, Skizze der geognost. Verhältnisse der nächsten Umgegend Aschaffen- 
burgs, 1840. Der Dioritgneiss ist dort als »Syenit« (S. 26 — 28} beschrieben. 
Kittel versteht unter »Syenit« (vgl. a. a. 0. S. 40 unten) ein »regelmässig 
geschichtetes Gestein« und fügt hinzu: »Die Diorite verhalten sich zum 
Syenite, wie der Granit zum Gneisse.« 


Jahrbuch 1889. 


3 


34 


H. Böckisg, Das Gruuclgebirge des Spessarts. 


VoD secnudären Mineralien ist Epidot sehr verbreitet. Er 
hat sich in gelblich-grünen körnigen und wirrstengeligen Massen 
vielfech aut Spalten und Rissen augesiedelt. 

Verschiedenheiten innerhalb des Dioritgneisses entstehen nur 
durch den im Ganzen unbedeutenden Wechsel des Korns und da- 
durch, dass der Feldspath über die basischen Geinengtheile und 
unter diesen bald Biotit bald Hornblende überwiegt. Mau könnte 
deshalb hier und da Laoten von Biotito-neiss oder Horn- 
blendegneiss auszuscheideu geneigt sein, würde sich aber bald 
überzeugen, dass eine scharfe Grenze anzugebeu unmöglich ist. 
Näher au dem Granitgneiss treten einzelne vollständig hornblende- 
freie und oft ziemlich grobkörnige Lagen auf; auch diese lassen 
sich nicht scharf geofeu den normalen Dioritffueiss beo-renzen. 
Zuweilen begegnet man, besonders in der unteren Grenzregion, 
auch saueren Ausscheidungen, welche hauptsächlich aus mehr 
oder weniger regelmässig verwachsenem Orthoklas und Quarz be- 
stehen, und in der Regel die Form von schmalen Linsen, Bändern 
und Adern besitzen. Dieselben wechsellageru hin und wieder mit 
dunkeleu basischen Gesteinen, die bei vorwalteuder Hornblende 
in der Reael etwas feinköruig-er als der normale Dioriterneiss sind. 
Gueisse, welche dadurch ein deutlich streifiges Aussehen erhalten, 
hudeu sich z. B. in der Nähe des grossen Steinbruchs am Steugerts 
bei Gailbach. 

Ferner kommen als Einlagerungen hier und da in dem 
Dioritgneiss eigenthümlich brecci euartig aussehende und von 
glatten oder nach einer Richtung gestreiften AblösTingsflächen 
durchsetzte Alassen vor, welche rothen, trüben Orthoklas, spärlicher 
wasserhellen, frischen Plagioklas, beide mit dem unbewaffneten Auge 
deutlich unterscheidbar, und unregelmässig begrenzte Qnarzbrocken 
in einer durch Brauneisen staidc gefärbten, äusserst feinkörnigen, 
(piarzigen Grundmasse eingebettet enthalten. Diese, offenbar durch 
den Gebirgsdruck stark veränderten Gesteine bezeichnen keinen 

o 

bestimmten Horizont. Ziemlich reichlich liegen sie oberhalli der 
Kirche von Oberbessenbach und an dem Weg von da nach 
Dörrmorsbach. 

An vielen Stellen wird der Dioritgneiss durchsetzt von Gängen 


H. Bückin’g , Das Grundgebirge des Spessarts. 


35 


und Adern eines grosskörnig ansgel)ildeten Peginatits, dessen 
Gehalt an Kaliglinnner grossen Scliwanknngen unterliegt. Zumal 
an der Grenze gegen den Granitgneiss häufen sich, wie schon 
oheu ano-edentet wurde, solche gaugartige Ansseheiduugen. 

In der Grenzzone des Dioritgueisses gegen den körnig-flaserigen 
Gneiss treten in Farbe und Korn inauuigfach wechselnde Gneisse 
auf. Besonders charakteristisch ist ein durch grosse Orthoklas- 
einsprenglinge ausgezeichneter Angengueiss, der fast in seiner 
ganzen Ansdehunng, vom westlichen Abhang des Stengerts (Grau- 
Irerg) bei Schweiuheim bis Strassbesseubach, schon im Jahre 1840 
Kittel bekannt war^). Er bildet linsenförmige, räumlich oft sehr 
beschränkte Einlagernugeu, welche in der Regel in den normalen 
Dioritgneiss allmählich übergehen, an einzelnen Stellen aber auch 
scharf gegen denselben abgegreuzt erscheinen. 

O ö O 

Der Angengueiss besitzt gewöhnlich durch secnndäres Eisen- 
oxyd eine etwas röthliche Farbe und enthält ausser Orthoklas 
untergeordnet Plagioklas, dann Quarz in kleinkörnigen Hauf- 
werken zwischen den grösseren Feldspäthen, und Biotit, welcher 
in dichten schuppigen Massen die augenartig hervortretenden 
Feldspäthe umgiebt. Hornblende und Titanit sind im Ganzen 
seltener zu beobachten. 

Auf das Gebiet des Dioritgueisses durchaus beschränkt sind 
zahlreiche Eruptivgesteinsgänge, welche Goller neuerdings 
näher untersucht hat. Von Kittel waren die Gesteine (a. a. O., 
S. 29 und 30) als Grünsteiuporphyr und Granitporphyr 
beschrieben worden, Gümeel^) hatte sie dann mit dem Namen 
A schaffit bezeichnet, später wurden sie als augitführeude Graulte 
und Glinunerdiorite gedeutet, bis sie nun ihre Stellung bei den 
dioritischeu Lamprophyreu oder Kersantiteu gefunden haben. Aus 
der oben erwähnten Abhandlung Goller’s geht hervor, dass die Ge- 
steine Kersantiteu entsprechen, welche zum Theil in beträchtlicher 
Aleuge eigeuthümliche Pseudomorphosen enthalten, die den früher 


b Kittel, a. a. 0. S. 12. 

b Bavaria, 4. Bd., I. Abtb. 1886, S. 23; ferner in der oben angeführten 
Abhandlung, S. 12. 


3 


36 


H. Bückisg, Das Grundgebirge des Spessarts. 


von Becke mit dem Namen Pili t belegten nnd neuerdings von 
Doss 2) näher beschriebenen Gebilden sehr ähnlich sind, von 
Goller aber nicht auf Olivin, sondern auf eine maguesiareiche 
Varietät von Angit bezw. Plornblende ziirückgeführt werden. Auf 
einzelnen Gängen ist der normale Kersantit ersetzt durch einen 
Camptonit, ein Gestein, welches sich durch Führung primärer 
Hornblende nnd Alangel an Angit (nicht aber an den Pilit-ähn- 
lichen Psendomorplmsen) zwar von dem Kersantit unterscheidet, 
aber doch auch durch Uebergänge mit demselben verbunden ist. 

C. Körnig’- flaseriger Giieiss. 

Im Hangenden des Dioritgneisses, also nördlich von demsel1)eu, 
dehnt sich in grosser Verbreitung die von Gümbel als »Aschaffen- 
burger Körnelgneiss« bezeichnete Zone aus. Sie erfüllt das 
Gebiet zwischen Aschaifeuburg, Schweinheim, Strassbessenbach, 
Keilberg, Weiler und Frohnhofen und erstreckt sich jenseits der 
Aschaff bis zu einer von Kleinostheim über Steinbach (hinter 
der Sonne), Afferbach und Wenighösbach bis nach Eichenberg 
gezogenen Ijiuie. Auch im Kahlgrund, zwischen Blankenbach 
und Grosskahl, tritt sie mit ihren oberen Lagen sattelförmig aus 
dem sie umgebenden hangenden Gneiss hervor^). 

Sie setzt sich zusammen aus körnig -flaserigen Biotitgneissen 
und zweiglimmerigen Gueisseu, aus mehr untergeordneten schiefe- 
rigen Gneissen, glimmerreichen schuppigen Gueisseu, Ilornblende- 

*) Tschermak’s Mitth. 1883, V, S. 163 etc. — Herr Professor Becke in 
Czernowitz hat nach freundlicher Durchsicht der von Goller untersuchten Dünn- 
schliffe sich dahin ausgesprochen, dass die von Goller als Pseudomorphosen nach 
Angit beschriebenen Tremolitaggregato als Pilit zu deuten und demnach die 
meisten der Aschaffenburger Kersantite als Pilitkersantite zu bezeichnen sind. 

Ebenda 1889, X, S. 51. 

Kittel sagt in seiner, für den Localkundigen immer noch sehr wichtigen, 
für den Fernerstehenden aber sehr mit Vorsicht zu benutzenden, oben erwähnten 
Schrift, S. 13: »Im Gailbacher Thale bildet er — (der Aschaffenburger Gneiss) — 
selbst das Dach des Syenits, während er im nördlichen Gebirgszuge ... die 
Unterlage des Glimmerschiefers wird«. Berücksichtigt man, dass der »Glimmer- 
schiefer« Kittkl’s dem »glimmerreichen, schieferigen Gneiss« entspricht (vergl. 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1879, S. 419), so wird ersichtlich, dass Kittel 
im Grossen und Ganzen doch eine richtige Vorstellung von dem Bau des Grund- 
gebirges hatte, wenn er sich auch sonst nirgends klar darüber ausgesprochen hat. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


37 


gneissen- iiml Schiefern, Quarzfels und körnigem Kalk. Das 
Streichen dieser Gesteine, ist ein westsüdwestliches, das Einfallen 
gewöhnlich ein nordwestliches. Nur an der Strasse vom Weudel- 
berg nach Gailbach (Würzburger Strasse) und in dem Gebiet 
zwischen Haibach, Keillierg und Goldbach wird öfter ein steiles 
südöstliches Fallen (70 — SO^*) beoliachtet; es liegen hier vielfach 
kleine Faltungen und fächerartige Stellungen vor^). 

Die wichtigsten Gesteine dieser Zone, deren Mächtigkeit sich 
auf mindestens 7000 Meter bestimmt (vgl. unten), sind der graue 
körnig-flaserige Biotitgneiss, wie er in typischer Ausbildung 
am Wendelberg und Herniesbuckel aufgeschlossen ist und von da 
bis nach Schmerlenbach verfolgt werden kann, und der häutig 
etwas röthliche körnig-flaserige zweiglimmerige Gneiss, 
welcher für die obere Abtheilung charakteristisch, sich zwischen 
Gottelsberg und Frohnhofen und besonders nördlich von dem 
Aschatfthale in einem breiten Zuge von den Mainaschatfer Wein- 
bergen bis nach Eichenberg hin erstreckt, dann auch kuppelartig 
aus dem glimmerreichen schieferigen Gneiss im Kahlgruude zwischen 
Blankenbach und Grosskahl sich eidiebt. Beiden Gneissen gemein- 
sam ist das Zurücktreteu der Glimmerffemencftheile o'esxeuüber dem 
Feldspath und Quarz. Ihre Gneissstructur ist sowohl durch die 
parallele Anordnung der Glimmerblättcheu als durch den regel- 
mässigen Wechsel von vorwalteud Quarz oder Feldspath ent- 
haltenden Lagen bedingt; Kittel hat sie nur in dem Gneiss des 
Wendelberges übersehen und diesen allein als »Granit« bezeichnet 
(a. a. O. S. 8). 

Der körnig-flaserige Biotitgneiss, wie er am Wendelberg, 
am Hermesbuckel und bei Winzenhohl, oft in grossen woll- 
sackähulichen Felsblöckeu zu Tage geht, besteht hauptsächlich aus 
Orthoklas in unregelmässig begrenzten Körnern von 0,4 — 3 Milli- 
meter Durchmesser und aus Quarz, welcher, ebenfalls sehr reich- 
lich vorhanden, mit dem Orthoklas nicht selten lagenweise wechselt. 

*) In der von Kittel a. a. 0. S. 36 u. 37 gegebenen Uebersicht herrscht im 
Allgemeinen keine Uebereinstimmung zwisclien der angegebenen Streichrichtung 
und dem aus der angegebenen Fallrichtung hervorgehenden Streichen. Fast 
durchgängig ist das Streichen falsch und das Fallen richtig angegeben. 


38 


H. Bücking, Das Gniadgebirge dos Spessarts. 


Grössere (bis 10 Millimeter lauge) Orthoklase verleihen dem Ge- 
stein zuweilen ein angengueissartiges Aussehen. Plagioklas tritt 
im Ganzen zurück und ist meistens zersetzt. Nicht allzu reichlich, 
aber ziemlich gleichmässig durch das ganze Gestein vertheilt, ist 
der Biotit. Muskowit ist zwar spärlich, aber doch fast stets vor- 
handen. Da er als secundärer Gemengtheil angesehen werden 
kann oder muss, ist der oben gewählte Namen »Biotitgneiss« 
gerechtfertigt. Magueteisen in Krystallen und Körnern ist in 
grosser Menge im Gestein vertheilt; Titaneisen kommt nicht selten 
in mehrere Millimeter dicken, der Schieferung parallel verlaufen- 
den Lagen besonders in dem Gneiss von Haibach vor. 

Erwälmenswerth ist, dass am Plermesbuckel sowohl an den 
freistehenden Felsen als in den Steinbrüchen oft mehrere Quadrat- 
meter grosse, gestreifte oder geglättete Flächen, offenbar Drnck- 
oder Quetschtlächeu, gewöhnlich den Schieferungsflächen parallel, 
beobachtet werden können. Auch die mikroskopische LTntersuchung 
lehrt, dass dieser Gneiss starken mechanischen Finflüssen aus- 
gesetzt war. Sie haben eine Biegung nicht nur der Biotitblättchen 
sondern auch des undulös auslöschenden Orthoklases und des 
zwillingsgestreiften Kalknatronfeldspathes, sowie eine oft weit- 
gehende Zertrümmerung der fast gar nicht mehr einheitlich erschei- 
nenden Quarzkörner veranlasst. Auch mikrokliuartiger Feldspath 
wurde beobachtet, und von mikroskopisch kleinen Einschlüssen, 
zumal im Feldspath und Biotit, besonders Zirkon und Apatit. 

Am Gottelsberg, am Jägerhaus und in der Nähe von Schmerlen- 
bach geht der eben erwähnte Biotitgneiss durch Aufnahme von 
mehr Muskowit in den körnig -flaserigeii zweigliiiimerigeu Glneiss 
über, aber so allmählich, dass eine scharfe Trennung der beiden 
Gneisszonen nicht möglich ist. Der zweiglimmerige Gneiss be- 
sitzt im Allgemeinen ein - etwas gröberes Korn und ist durch- 
schnittlich reicher an Glimmer als der liegende Biotit»;ueiss. Bald 
enthält er Muskowit und Biotit, beide in Blättchen bis zu 5 Milli- 
meter Durchmesser, in gleicher Menge, wie z. B. an der Berg- 
mühle bei Damm, im Staedtischen Strütwald, an den Weinbergen 
nördlich von Mainaschaff’ und weiter östlich an der Ziegelhütte 


H. BüoiaNG, Das Grundgebirge des Spessarts. 


39 


bei Hösbach, bald waltet der Muskowlt vor oder in einzelnen 
auskeilenden Lagen der Biotit ’). Auch der zweigliinmerige Gneiss 
erhält durch einzelne grössere Feldspäthe hier und da eine Augen- 
gneissstructur, z. E. hei Steinhacli hinter der Sonne am Wege 
nach Oberafierbach. 

Unter den Feldspäthen ist der Orthoklas der herrschende. 
Er ist weiss oder roth gefärbt und bedingt zusainmen mit den 
Glimmergemengtheilen die Farbe der Gneisse. Plagioklas ist im 
Ganzen nicht häufig; nur in einzelnen Lagen hält er dem Ortho- 
klas das Gleichgewicht. Der Gehalt an Quarz ist im Allgemeinen 
ein grosser, in den aufeinanderfolgenden Lagen aber doch zuweilen 
grossen Schwankungen unterworfen. 

Besonders reich an Quarz sind gewisse Lagen an der Knie- 
breche , bezw. am Bommich östlich von Glattbach. In diesen 
bildet der Quarz äusserst feinkörnige Aggregate, welche von den 
kleinen Muskowitblättchen in wechselnder Menge unregelmässig 
durchzogen werden und sowohl die Feldspäthe als einzelne grössere 
Blättchen oder Nester von Biotit wie Einsprenglinge umschliessen. 
Die zum Theil sehr widerstandsfähigen Gesteine treten in grösseren, 
wollsackartig gerundeten Felsen an dem Bergabhang hervor. Un- 
hoher Quarzgehält verräth sich schon äusserlich, indem bei der 
Verwitterung der Blöcke der Quarz scharf hervorragende zackige 
Rijipen bildet, die um so dichter gedrängt bei einander stehen 
und den Felsen eine um so rauhere Oberfläche verleiheu, je reicher 
au Quarz die Gesteine sind. 

Der körnig - flaserige Gneiss, sowohl der graue Biotitgneiss 
als der öfter röthlich - gefärbte , zweigliinmerige Gneiss, zeigt, 
wenigstens gegenüber dem liegenden Dioritgneiss, eine grössere 
Alaunigfältigkeit, indem gleich- und feiuköruige mit grobkörnigen 
oder augeugueissartigeu, glimmerärmere mit glimmerreicheren Lagen 
wechseln. Auch Kittel ist der oft recht beträchtliche Unterschied 
des Korns in den aufeinanderfolgenden Lagen aufgefalleu; die fein- 

9 Vergl. über die Ausbildung dieses Gneisses in dem linksinainisclien Gebiet 
(Abtswald bei Stockstadt) auch Chelius, Notizen aus den Aufnabmegebieten des 
Sommers 1888, Notizblatt d. Vereins für Erdkunde zu Darmsladt 1888, Heft Ö, S. 38. 


40 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


körnigen, bin und wieder Turmalin fülirenden Gesteine nennt er 
Gueisse, die gröberen bezeicbuet er als »Granitlager« (a. a. O. 
S. 13 n.). Letztere bilden nacb iliin mebrere »mit dem Gneisse 
abwechselnde Scbicbteu von 1 — 2 Fnss Mächtigkeit«, sowohl bei 
Ajfterbach als auch im Gueiss unterhalb Stockstadt (Abtswald) und 
im Glattbacber Thal. 

Au vielen Stellen gewinnt der Gneiss bei reichlicherem Ein- 
tritt von Biotit oder Mnskowit und einer dadurch bedingten 
dunkleren oder helleren Färbung eine mehr schieferige Strnctnr, 
so besonders am Jägerhaus, an der Wildscheuer zwischen Aschaffen- 
burg und Schmerleubach und an mehreren Stellen zwischen Schöll- 
krippeu und Vormwald. Seltener ist durch Streckung der Gemeng- 
theile, zumal der Glimmer und Feldspäthe, eine gewisse stengelige 
Structur hervorgerufeu, wie bei gewissen mnskowitreichen Gneissen 
von Hösbach. 

Einzelne grössere linsenförmige Einlagerungen, in 
welchen die basischen Gemengtheile über die saueren, Feld- 
spath und Quarz, derart überwiegeu, dass letztere beinahe nur 
noch auf dem Qnerbrnch sichtbar werden, kommen überaus häutig 
vor, z. B. bei Keilberg, Weiler, Schmerlenbach, Winzenhohl, 
Fasanerie, Schellemnühle und Jägerhaus bei Aschafienburg, an 
der Eisenbahn bei Hösbach etc. Kittel, welcher sie mehrfach 
als »Glimmerschiefer« bezeichnet, erwähnt sie aus der Gegend 
von Schweiuheim, vom Eltergrund, vom Wiugertsberg bei Wald- 
aschaff, also aus einem ziemlich tiefen Niveau, dann von dem 
Ostabhaug des Schmerlenbacher Waldes, und von dem Galgen- 
berg und der Bergmühle bei Damm, ferner ans dem »Thale der 
Steinbach, des llanenthals, der Glattbach und Goldbach« (a. a. O. 
S. 18 und 12). Letztere liegen nahe an der oberen Grenze des 
körnig -flaserigeu Gneisses und nähern sich in ihrem ganzen Aus- 
sehen lind auch in der Art der accessorischen Gemeugtheile sehr 
dem in der folgenden Zone herrschenden gliminerreicheu schiefe- 
rigen Gneiss. 

Mit diesen glimmerreichen Einlagerungen sind sehr gewöhnlich 
vergesellschaftet gröbere sauere Ausscheidungen, welche we- 


H. Bücking, Das Grundgebirge des S]iessarts. 


41 


sentlich aus fleischrotliein Orthoklas und zuweilen regelmässig eiu- 
gewaehseneiu Quarz bestehen, auch Muskowit, seltener Biotit in 
oft mehrere Centimeter grossen Schuppen und Tafeln enthalten 
können, also von pegm ati tar tige r Beschaffenheit sind. 
Diese Ausscheidungen besitzen eine ganz unregelmässige Gestalt, 
treten bald mehr uesterweise, liald mehr gaugartig auf, können 
sich verästeln und rasch an Mächtigkeit zu- oder alniehmen. 
Mantelartia: umschlossen werden sie nicht selten von sehr o-limmer- 
reichen Partien des Gesteins, in welchen der helle muskowit- 
ähuliche Glimmer gern über den dunkelen Biotit überwiegt. 
Kittel nennt diese Ausscheidungen Granit (a. a. O. S. 8). 

Sowohl jene glimmerreichen Einlagerungen als die zuletzt 
erwähnten saueren Ausscheidungen sind reich an zum Theil sehr 
schön ausgebildeteu accessorischeu Gern eno-thei len, auf 
welche Kittel ebenfalls aufmerksam gemacht hat (a. a. O. S. 19 u. 9). 
In den ersteren finden sich, von Magneteisen und Titaneisen ab- 
gesehen, besonders häufig Staurolith, Granat und Turmalin, in den 
letzteren Turmalin, Granat und Cyauit. 

Einzelne Lagen im glimmerreichen schuppigen Gneiss von 
Damm, z. B. an der Bergmühle und Aumühle, enthalten zoll- 
grosse, von sehr glatten, uiigestreiften Prismentlächeu begrenzte 
Turmaliukrystalle dichtgedrängt neben einander und auf den 
Schieferflächen grünlich - und röthlich - graue faserige Alassen 
von Fi br olith, während in den groben pegmatitischeu Ausschei- 
dungen bei Haibach und an der Anmühle über 4 Centimeter lange 
gut ausgelnldete Turmalinprismen und faustgrosse, aus nur wenigen 
Individuen zusammeuofesetzte derbe Turmaliuap:gre 2 :ate und im 
Quarz eiugewachsene hreitstengelige, zum Theil gebogene Cyauite 
von bläulicher Farbe Vorkommen. Aus der Sammlung des Herrn 
Prof. Benecke liegen mir ferner noch vor grosse Grauatkrystalle, 
2 — 3 Centimeter im Durchmesser, von röthlich-brauner Farbe, 
welche vorherrschend 2 0 2 und nutergeordnet oo O zeigen, und in 
den 60-er Jahren ans dem quarzreicheu Pegmatit von Haibach ge- 
sammelt wurden, ln diesem finden sich auch bis 3 Centimeter 
breite Mnskowittafeln und bis 10 Millimeter dicke, breite Lagen von 
derbem Titaneisen. Ferner sind aus der ebengeuaunten Sammhuig 


42 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


ganz besonders beinerkenswertb zwei gleichfalls in den 60-er Jahren 
erworbene Apatit krystalle ans dem Peginatit von Sclnnerlenbach. 
Von diesen ist der eine, mit spiegelnden Flächen bedeckte, ringsum 
ansgebildete Krystall 4 Centimeter lang und nahezu 3 Ceutimeter 
dick, von grünlich - grauer Farbe, manchen Snarnmer Apatit- 
kry stallen auch in der Condjination ooP.oP.P nicht unähnlich; 
der andere, besser erhaltene und durchscheinende Krystall misst 
15 Millimeter in der Höhe und 17 Millimeter in der Breite, hat 
eine hellgrnuliche Farbe und zeigt die Combinatiou go P . o P mit 
P und 2 P 2. Auch Sandberger hat (Neues Jahrb. f. Min. 1878, 
S. 842) ebenso grosse Apatitkrystalle ans den »Qnarznestern« des 
Gneisses der Anmühle bei Damm lieschrieben , sowie Beryll, 
welcher in »grösseren bündelförmig znsanimeugehänften Krystallen 
ooP.oP zum Theil noch frisch und von blass meergrüner Farbe, 
zum Theil bereits durch Zersetzung gebleicht, mit Orthoklas und 
schwarzem Turmalin« in den gleichen Quarzausscheiduugen vor- 
kommt. 

Grössere pegmatitische Ausscheidungen, welche entweder in 
Form von Linsen oder mehr oder weniger mächtigen Lagen, ge- 
wissen sehr (yrobköruio-en Vluskowito-neissen oder - Graniten ähn- 

o O ö 

lieh, in dem Gneiss, und zumal in dem glimmerreichen schuppigen 
Gneiss, eingeschaltet sind, werden augetroffen am Gottelsberg, iind 
in derselben Zone an der Schellenmühle, am Garteuberg und im 
Schmerlenbacher Wald, ferner in der Fasanerie bei Aschaffenburg 
und an der Bergmühle und Schwalbenmühle bei Damm. 

In recht ansehnlichen und behufs Feldspathgewinnung früher 
auf o-rössere ErstreckuiiG: aufgeschürften Gäno-en, deren Streichen 
bald dem des Gneisses entspricht (h. 3 — 4) bald auch quer- 
gei'iehtet ist (h. 7), tritt der Peginatit nördlich von der Aschaff 
in der Gemarkuncf von Mainaschaff' am soa;enaunteu Dahlem’s 
Buckel (»Afholder« der bayrischen Generalstabskarte) und in der 
Nähe von Glattbaeh auf, hier sowohl in dem Hohlweg hinter der 
Kirche (2 Gänge, von welchen der eine D /2 — 2 Meter, der andere 
etwa 12 — 15 Meter mächtig ist), als auch an dem wegen seiner 
schönen Aussicht vielfach besuchten » Grauen Stein « (»Bommich« 
der Generalstabskarte). Der Peginatit von letzterem Punkte (und 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


43 


vom Dahlem’s Buckel) steht an Scliönheit dem l)ekaimtcu Schrift- 
granit von Bodeumais in nichts nach. Ausser feiuköriiigeren Ab- 
arten kommen auch solche vor, bei •welchen die Feldspathindividuen 
über einen Fuss im Durchmesser besitzen. Muskowit, der im 
Pegmatit des Graiien Steins sehr reichlich vorhanden ist, fand 
sich i. J. 1875 in ebenfalls fussgrossen Tafeln, an welchen sehr 
deutlich die vom Zinnwaldit von Zinnwald so bekannte Fältelung 
nach 3 unter etwa 60® sich schneidenden llichtuno-en zu sehen 

O 

ist. Besonders häufig waren solche grosse Muskowitl)lätter am Sal- 
band des Ganges und hier so orientirt, dass die zn blumenl)lätterigen 
Aggregaten zusammentretenden Glimmertafeln mit ihren Spaltungs- 
tlächen nahezu senkrecht zum Salband standen. 

Ausser den pegmatitischen Ausscheidungen finden sich auch 
noch Quarzmassen von unregelmässiger Gestalt, theils als 
linsenförmige Einlagerungen theils als Spaltenausfüllungen 
in der Gneisszone zwischen Aschaffenburg und Glattbach, zumal 
am Pfaffenberg, nicht selten. Kittel erwähnt sie (a. a.^ O. S. 14) 
auch vom Gottelsberg, vom Büchelberg, vom Sternlierg, von der 
Strüt und von Kleinostheim, und giebt an, dass besonders gern Rutil 
in denselben eingewachsen vorkommt. Auch Einlagerungen von 
Quarzit bezw. sehr quarzreichem, glimmerarmem und fast feldspath- 
freiem Gneiss sind mehrfach beobachtet worden, so im Schmerlen- 
bacher Wald, am Zeughause bei Aschaffenburg, au der Kliuger- 
mühle bei Strassbesseubach, bei Ilaibach, am Wendelberg, ferner 
an der Aumühle und bei Hösbach. Ihre Mächtigkeit ist zuweilen 
ziendich beträchtlich. 

Lager von glimmerarmen Gneissen, welche früher als 
Grauulit oder Weissstein beschrieben wurden, sind elienfalls 
nicht selten. Sie finden sich, oft nur 10 Centimeter oder noch 
weniger mächtig, mit grauem Biotitgneiss wechsellagernd, und 
vergesellschaftet mit Pegmatitlinseu, nahe bei Schmerlcubacli, nach 
Kittel (S. 10, 14 und 32) auch an den Gartenhöfen, hinter Gold- 
bach und bei Gailbach, hier oft reich au kleinen Granaten. Ein 
derartiges Gestein von der Reisermühle bei Schweiuheim enthält 


44 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


in grosser Menge tlieilweise zersetzten Feldspath von mikropertlii- 
tiscliem Aussehen in einer feinkörnigen, die Feldspäthe gleichsam 
mit einander verkittenden Grnndmasse von Quarz und mikro- 
skopisch kleinen Körnern von Granat. Andere hiotitarme Gneiss- 
varietäten, vrie solche an der Kniebreche und am Bommich hei 
Glattbach Vorkommen, erhalten durch ihr gleichmässiges feines 
Korn ein granulitartiges Aussehen; sie sind sehr reich an Feld- 
spath, bisweilen mit Mikroklinstructur, enthalten Granat in runden 
Körnern, und in der Regel auch etwas Muskowit. 

Von nur geringer Verbreitung, und hauptsächlich auf die 
höheren Lagen des körnig- flaserigcn Gneisses beschränkt, sind 
Gt ne iss schiefer, welche keinen Biotit enthalten, dafür aber reich 
an silberweissem Muskowit sind. Ein solcher Muskowitgneiss- 
schiefer steht an dem We<re von Schimborn nach WeniMiösbach 

O O 

dicht vor dem EinQ'ana; in das letzta;enannte Dorf an. Er besteht 

O O O 

vorwaltend ans fleischrothem Feldspath und aus mehr zurück- 
tretendem Quarz und enthält viele, verhältnissmässig grosse Magnet- 
eisenkryställchen. Seine Schieferungsflächen sind fast ganz mit 
dem hellen Glimmer bedeckt. Auch der Gneiss, welcher bei 
Eichenberg am Wege nach Mittelsailanf, efwa in dem gleichen 
Horizont wie das obenerwähnte Gestein von Wenighösbach an- 
steht, ist dem letzterem sehr ähnlich ; nur bedeckt der silberweisse 
Glimmer die Schieferflächeu des sehr düunschieferigen Gesteins 
nicht vollständig, sondern erscheint mehr in einzelnen Blättchen 
von durchschnittlich 1 Millimeter Durchmesser, die durch das 
Quarzfeldspathgewebe von einander getrennt sind. 

Ganz besonders mannigfaltig sind die Gneisslagen in der ver- 
hältnissmässig breiten Grenzzone gegen den liegenden Dioritgneiss. 
Man findet in dieser mit einander und mit normalem körnigem 
Biotitgneiss wechsellagernd glimmerreiche und glimmerarine Lagen, 
scheinbar fast nur aus körnigem Orthoklas bestehende Streifen 
und röthliche Qüarzbänder, welche in mannigfachem Wechsel 
auf einander folgend dem Gestein ein ausgesprochen streifiges 
Aussehen verleihen. Mit Rücksicht hierauf mao; der Gneiss dieser 


TT Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


45 


Zone als körnig -streifiger Gneiss, also mit demselben Namen be- 
zeichnet werden, welchen TiiÜRACll für den Gneiss von Haibacb, 
der ebenfalls nnmittelbar anf den Dioritgneiss folgt, geAväldt hat 

Der körnig -streifige Gneiss ist an einzelnen Stellen durch 
den Mangel an Hornlilende dem Dioritgneiss gegenüber gnt ge- 
kennzeichnet; an anderen Stellen aber, wo der Dioritgneiss an 
seiner oberen Grenze hornblendefrei wird oder biotitreiclie Lagen 
in grösserer Menge enthält, gebt er ganz allmählich in jenen 
über (vgl. auch Kittel, a. a. O., S. 38 nnd S. 35 Mitte). Dazu 
kommt noch, dass in dem körnig-streitigen Gneiss hin und wieder 
hornblendereicbe Einlagerungen anftreten, welche manchen Ge- 
steinen in der Dioritgneisszone zum Verwechseln älndich sind. 
Kittel hat sie (a. a. O., S. 32 und 33) als »Syenitschiefer«, » Grün- 
steiuschiefer « nnd » Ilornblendeschiefer « beschrieben, aber etwas 
zu tief gesetzt, wenn er sie als »Dach des Syenits« (d. i. des 
Dioritgneisses) von Gailbach bezeichnet. 

Besonders beachtenswerth sind einige , zum Theil recht 
mächtio’e Einlar>;erun<xen, welche, wenn auch an einzelnen Stellen 

O O ö 7 7 

auskeilend, doch ziemlich constant in demselijen Horizont im 
körnig - streitigen Gneiss an verschiedenen Orten wiederkehren. 
Es sind folgende : 

1 . Ein etwa 20 bis 40 Meter mächtiger Zng von ziemlich fein- 
körnigen II 0 r n b 1 e n d e g n e i s s e 11 bezw. II o r n b 1 e n d e s c h i e f e r n , 
welche häufig von helleren, saueren Lagen durchsetzt sind. Sie 
stehen zwischen der Aninühle bei Schweinheim nnd dem Fussberg, 
sowie an der Strasse nach Gailbach an und streichen über den 
Elterbof bis in die Gegend des Klingerbofs und nach Weiler bei 
Waldaschaff hin. 

2. Ein Lager von weissem körnigem Kalk, das im Lie- 
genden des eben unter 1. erwähnten Zuges au mehreren Punkten 
zwischen dem Elterhof und Haibach aufgeschlossen ist nnd im 
gleichen Horizont am Hammelsberg südlich vom Klingerbof beob- 
achtet werden kann. Am Salband ist dieses Ivager reich an breit- 
stengellgem Treinolit, nach Thürach (a. a. O., S. 56) auch an 


0 lieber das Vorliommen milirosliop. Zirkone etc. Würzburg 1884, S. 56. 


46 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


mikroskopisch kleiaeu Aiiatas- und Zirkoukryställclien ; gelbe luid 
rothe Granaten werden von Kittel erwähnt (a. a. O., S. 32). 

3. Ein schmaler, etwa in der Mitte zwischen dem körnigen 
Kalk lind dem Dioritgneiss (bezw. Aiigengneiss) gelegener Zug, in 
welchem die Gneisse, und zwar sowohl (n’obköruia:e, o-raultisch 
oder pegmatitartig aiisgebildete, als glimmerreiche und glimmer- 
schieferartige Gesteine, alle reich an zuweilen 1 Ceutiineter grossen 
Körnern von braunem Granat sind. Auch diese Zone lässt sich 
vom Graiiberg bei Schweinheim bis nach Strassbessenbach hin 
verfolgen ^). 

AVährend in der mächtitren mittleren Abtheiliins; des körnig;- 
flaserigeu Gueisses characteristische, auf bestimmte Horizonte be- 
schränkte Eiulag;erung;en fehlen , wenn man wenig;stens von den 
oben schon erwähnten saueren Ausscheidungen und linsenförmigen 
Lagen glimmerreicheu schieferigen Gueisses, welche durch das 
ganze Gebiet des körnig-tlaserigen Gueisses verbreitet Vorkommen, 
absieht, stellen sich in der oberen Region, also nördlich 
vom Asidiaffthale, wieder Horilbleildegueisszüge in ziemlich 
reffelmässig’er Weise ein. ITornblendegneisslag-en von wechselnder 
Mächtigkeit und mehrfach ganz anssetzend, sind im Glattbach- 
thale aufgeschlossen und scheinen sich von da bis zum Dahlem’s 
Buckel bei Alaiuaschaff, in den Städtischen Strütwald, nach dem 
Rauenthal und Steiubach, und andererseits bis in das Goldbach- 
thal, bis zum Sternberg: bei Wenig'hösbach und bis nach Eichen- 
berg’, wo sich das Grundg:ebiro;e unter dem Zechstein und Bunt- 
Sandstein verbirgt, fortzusetzen (vgl. z. B. Kittel, a. a. O. , S. 35 
über die Profile im Glattbacher Thal und au der Kuiebrech). Merk- 
würdiger Weise sind sie dagegen in dem köruig-flaserigeu Gneisse, 
welcher im Kahlthale sattelartig aus dem glimmerreichen schieferigen 
Gneisse hervorragt und sich südwärts bis zum Kupferbergwerk 
Wilhehuine bei Sommerkahl erstreckt (vgl. Profil 3), bis jetzt noch 
nicht aufgefiiudeu worden, trotzdem dieser Gneiss dem normalen 

*) R. Ludwig, Geognosie und Geogenie der Wettcrau, Hanau, 1858, S. 22 
und 23, giebt das Streichen richtig an, hält aber die granitartigen Gneisse für 
Granit. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


47 


zweigliinaierigeu Gueiss von Maiiiaschaft', Steiiibach, Glattbach 
und Goldbach iin Uebrigeu durchaus älnillch ist. 

Kittel erwähnt von den Hornhleudegueisseinlageruugeu in 
dieser Zone folgende: 1. »sclnnächtige Schichten« von »Syenit- 
gneiss« iin Gneisse des Eaueuthals, in der Striet und hei Glatt- 
hach (a. a. O., S. 12); 2. » Grün stein schiefer« als nuterge- 
ordnetes Lager im Gueiss in der Nähe des Basalthruches hinter 
dem Maiuaschatfer Weinberge, und »etwa 10 Fass mächtig im 
Syenitgneisse und in der Nähe des L^rgrünsteins hinter Glatthach« 
(S. 32); 3. » Hornhleud es chi efer « in grösserer Mächtigkeit 
anstehend hei Steinhach hinter der Sonne (S. 33); 4. »Grün- 
stein (Diorit)« hinter Goldhach, und bei Glatthach, an crsterem 
Orte im grobkörnigen Gueiss (ähnlich soll er auch in der Fasanerie 
auftreten), au letzterem Orte in dem Hohlweg hinter der Kirche, 
hier nach Kittel vergesellschaftet mit Granit (d. i. Pegmatit), 
Syeuitgneiss, llornhlendeschiefer und Glimmerschiefer (d. i. Ein- 
lagerung von glimmerreichem schiefrigem Gueiss) mit Stanrolitheu 
(a. a. O. S. 29). Endlich ist noch hierher zu rechnen: 5. »eine 
ziemlich starke Schicht von Epidotgneiss, in welchem kleine 
hlassgrüne Körnchen von Epidot die Stelle des Glimmers ver- 
treten«, hinter Goldhach (a. a. O., S. 14): 6. dann »neben diesem 
eine andere Schicht von Gueiss, in welchem der Glimmer durch 
hlassgrüne, graue und schwärzliche, ziemlich grosse Hornhleude- 
krystalle vertreten wird«. 

Andere zersetzte Ilornhlendegneisse und -Schiefer aus dieser 
Zone sind von Kittel als » Strahl stein gueiss und Proto- 
gine« (S. 33) und sogar als »Gahhro« (S. 34) bezeichnet 
worden. Die erstereu führt er von den schon oben genannten 
Orten, ans dem stillen Tliale des Strütwaldes , aus dem Glatt- 
hacher Thale vom Fuss der Kuiehrecli, ans dem Goldhacher Thal 
gegen Unterafterhach hin, »hier überall derselben Schichte auge- 
hörend«, an, und ferner weiter nördlich ans denselben Thälern, 
ein zweites mächtigeres Lager bildend, das »am kenntlichsten, ob- 
wohl im halhverwitterteu Zustande, hinter der Kirche von Glatt- 
bach ist«. Sein »Gahhro« bildet auf dem Rücken des »Bergzuges 
zwischen Feldkahl und Wenighösbach im Glimmerschiefer« — 

O 


48 


H. Bückin’g, Das Grundgebirge des Spessarts. 


rielitio-ei' an dem nach Weniafliösbach o'eneio’ten Abhano: an der 

O ö o O Ö 

Grenze des körnicr-flasericren Gneisses sregen den 2 'linnnerreichen 
schieferigen Gneiss (vergl. Profil 1) — »ein kleines Lager von un- 
gefähr 6 Fnss Mächtigkeit. Die Grnndinasse ist Schillerspath« 
— richtiger faserige Hornblende — »mit eingemengten kleinen 
Körnern von Qnarz, Feldspath nnd körnigem Pistacit. Die Ab- 
sonderung geschieht in nnregelmässigen , fanst- Ins kopfgrossen, 
änsserst harten« — richtio-er zähen — »Stücken, oder in inassii»en 
Blöcken, wie der dortselbsten gleichfalls anftancheude 
G r ü n s t e i 11 « . 

Die Beschreibungen Kittel’s habe ich hier etwas ausführ- 
licher wiedergegeben, weil ans ihnen selbst am besten hervorgeht, 
dass die obeiigenanuten von ihm mit so vielen verschiedenen 
Namen belegten Gesteine sämmtlich mir Horiibleudegneiss (nnd 
ITornblendeschiefer) von wechselnder Structnr und in verschiedenem 
Zustande der Zersetzung sind. Ueber einige der erwähnten Vor- 
kommnisse will ich noch FoDendes hinznfüofen. 

ö Ö 

Der Horiiblendeo-ueiss von Gold hach ist in einzelnen 

O 

Ijagen ziemlich grobkörnig, dabei aber doch ausgesprochen schiefe- 
ria: bis feinflaseria:. Durch Eiuschaltuna: dünner, g:elea:entlich auch 
wohl 5 Millimeter starker Streifen von körnigem Feldspath, Qnarz 
und etwas Biotit zwischen die hornblendereichen Lagen erhält er 
zuweilen ein streifiges Aussehen. Neben der etwas zersetzten, hell- 
grün gefärbten, strahlsteinartigen Hornblende stellt sich oft recht 
reichlich gelbgrüner Pistacit ein, in körnigen Aggregaten durch 
das Gesteinsgewebe vertheilt; in einzelnen Bänken sind die ba- 
sischen Gemengtheile sogar vollständig durch den secnndär ge- 
bildeten Epidot ersetzt. Andere mit typischem Hornblendegneiss 
wechselnde Bänke führen nelien der Hornblende noch ziemlich 
grosse, etwas gebleichte, bräunliche Biotitblättchen in grosser 
Alenge. 

Der Hornblendegneiss, welcher in dem Hohlwege 
hinter der Kirche von Glattbach etwa 100 Schritt weit auf- 
geschlossen ist, ist im Allgemeinen ziemlich gleichmässig feinkörnig 
nnd zeigt eine nicht gei’ade sehr in’s Auge fallende feinstengelige 
Structnr. Die schwarzen, durchschnittlich 2 Alillimeter langen 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


49 


Hornblendenadeln sind parallel gerichtet und umhüllen, dichtge- 
dränst uehen einander liegend und von vereinzelten Biotithlättchen 
begleitet, die ebenfalls in der Längsrichtung der Iloriiblendenadeln 
gestreckten Aggregate der saueren Gemengtheile. T3ie letzteren 
stehen den basischen an Menge nicht nach. Der Quarz tritt dem 
Feldspath gegenüber entschieden zurück. Er umschliesst im fein- 
körnigen Gewebe die iin Allgemeinen grösser entwickelten Feld- 
späthe. Diese sind oft noch sehr frisch, und erweisen sich theils 
als Orthoklas, theils als stark verzwillingter Plagioklas. Recht 
reichlich durch das ganze Gestein zerstreut ist Titauit in mikro- 
skopisch kleinen Kryställcheu. 

Etwas gröber ausgebildet sind der titanitreiche Hornblende- 
gneiss von Eiclienberg und das viel frischere Gestein vom 
Sternberg und Löchl es graben bei Wenighösbach. Beide 
entbehren der stengeligeu Structur, da die breit säulenförmigen 
Hornblenden in ihnen keine parallele Anordnung besitzen. Das 
etwas stärker zersetzte Gestein von Eicheulierg enthält wenig Quarz 
und von basischen Gemeugtheilen nur Hornlileude. Dagegen ist der 
Gneiss von Wenighösbach reicher an Quarz und fuhrt ebenso, wie 
der Hornblendegneiss von Glattbach, auch noch Biotit und unter 
den Feldspäthen, die vorwiegend Orthoklas und nur zum kleineren 
Theil zwillingsgestreifte Plagioklase sind, auch solche mit deut- 
licher Mikroklinstructur. 

Au diesen biotitführeuden Hornblendegneissen (oder Glimmer- 
amphiboliteu) der oberen Abtheilung des körnig-flaserigeu Gneisses 
lässt sich übrigens die Beobachtung machen, dass mit zunehmendem 
Biotitgehalt der Plagioklas gegenüber dem Orthoklas ganz ent- 
schieden zurücktritt. Sowohl dadurch als durch Zunahme des 
Biotits auf Kosten der Hornblende entstehen LTebergänge in den 
normalen körnigen Gneiss. 

Die von Kittel als »Gabbro« beschriebenen Massen liegen 
bei Wenighösbach auf den Aeckern umher und sind als Einlage- 
rungen in einem Zug von Plornldeudegueissen zu deuten, welchem 
auch der zuletzt erwähnte glimmerführende Hornblendegneiss 
vom Sternberg und Löchlesgraben angehört. Es sind grobkörnig 
ausgebildete, fast nur aus Hornblende in verschiedenen Zer- 


Jahrbuch 1'889. 


4 


50 


H. B ücKiNo, Das Grundgebirge des Spessarts. 


setzungsstadien bestehende, äusserst schwer zerschlagbare Blöcke, 
welche eine gewisse Aehnlichkeit mit zersetztem Gabbro besitzen. 
Sie haben entweder eine gleichmässig: schmutziir-olivengrüne Farbe 
oder dadurch, dass sich in dem vorherrschend branngrünen Filz- 
gewebe hier nnd da rothbraune, nni’egelmässig begrenzte Flecken 
einstelleu, ein scheckiges Aussehen. Die mikroskopische Unter- 
suchung lehrt, dass das Gestein aus einem Aggregat von breiteren, 
farblosen bis schwach grün gefärbten, faserigen Hornblenden, vielen 
dünnen farldosen Tremolitfasern und unregelmässig vertheiltem 
Brauneisen besteht. Einzelne grössere Hornblenden, und unter 
diesen Zwillinge des gewöhnlichen Gesetzes, scheinen noch die 
Form der primären Hornblende zu besitzen; sie enthalten aber 
viele unregelmässia: eiugelagerte Tremolitfasern und werden kranz- 
förmig von einem Tremolitfilz umgeben. In den frischesten Stücken, 
welche zur Untersuchung gelangten, ist die herrschende Hornblende 
bereits faserig, von grüner Farbe und strahlsteinartigem Aussehen. 
Eine Bildung von serpentinartigen Zersetzungsproducten wurde in 
den von mir gesammelten Handstücken nicht wahrgenommen. 

Die Gneisse, welche im Kahlthale zwischen Blanken- 
bach und Grosskahl einerseits, und zwischen Sommerkahl 
und Schöllkrippen andererseits, unter dem glimmerreichen 
schieferigen Gneisse hervortreten, sind den normalen zweiglimme- 
rigen Gneissen, wie sie für die obere Abtheilung der Zone der 
körnig -flaserigen Gneisse weiter südlich bezeichnend sind, durch- 
aus ähnlich. 

In den Gneissen, welche zwischen Vormwald und Schöll- 
krippen (Profil 3) und besonders in den Hohlwegen östlich und 
nördlich von Schöllkrippen anstehen, überwiegt der Biotit den Mus- 
kowlt. Die Structiir ist eine feintlaserige bis schieferige, die Farbe 
eine hell- oder röthlichgraue. Unter den Gemengtheileu herrscht 
der hell-fleischrothe Orthoklas Amr. Die Glimmermiueralien treten 
im Allgemeinen sehr zurück; wenigstens bedecken sie nur sehr 
selten in zxisammenhängenden Massen die Schieferflächen \mll- 
ständiar; am häufia:sfen erscheinen sie entweder in von einander 
getrennten Blättchen gleichmässig über die ganze Schieferfläche 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


51 


zerstreut oder in einzelnen Streifen besonders geliänft, dadurch 
eine Art von stengeliger Structur bedingend. 

Grobflaserig und augeugneissartig entwickelte Varietäten 
kommen in mehr oder weniger mächtigen Bänken zwischeu- 
gelagert zwischen den herrschenden, feinflaserigen und schieferigen 
Gneissen vor. Auch können echte Biotitgneisse und Biotit -freie 
hellglimmerige Gneisse neben den gewöhnlichen zweiglimmerigen 
Gneissen, ebenso feldspathreiche und quarzarme neben feldspath- 
armen und quarzreichen Abarten uuterschieden werden. Ueber- 
haupt ist die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Gneissvarietäten 
in dem oben abgegrenzten Bezirk, zumal wenn mau noch auf die 
Zersetzungsstadien der einzelnen Gemengtheile und auf das häufige 
Auftreten einzelner accessorischer Mineralien Rücksicht nehmen 
wollte, eine so grosse, dass es nicht möglich ist, alle die ver- 
schiedenen Abaideu hier ausführlicher zu beschreiben. 

Nur das sei noch erwähnt, dass sieh auch glimmerarme, 
granulitartige Gesteine in wenig mächtigen Bänken hier und da, 
z. B. in der Nähe von Vormwald, einstellen, bald reicher an 
Feldspath, bald reicher an Quarz, gewöhnlich recht feinkörnig 
und im Querbruch manchen mürben Sandsteinen nicht unähnlich. 
Der Feldspath dieser Gneisse ist nicht selten Plagioklas, der 
spärliche Glimmer in der Regel Muskowit. 

Interessant ist das Kupfererz Vorkommen in den eben be- 
sprochenen Gneissen auf der Grube Wilhelmiue (»Ober- 
mühle« der bayr. Generalstabskarte) bei Sommerkahl. Der durch 
die bergbaulichen Aufschlüsse blosgelegte Gueiss ist ziemlich 
grobkörnig und theils flaserig, tlieils mehr ebeuschieferig; Quarz 
durchschwärmt ihn in Schnüren und Linsen von grösserer und 
geringerer Ausdehnung. Die Mehrzahl der Gueissbänke enthält 
nur weisseu Glimmer; doch ist in einigen auch dunkeier vorhanden, 
mit dem hellem verwachsen, aber au Menge ihm gegenüber zui’ück- 
tretend. Es hat den Anschein, als ob der weisse Glimmer zum 
grossen Theil secundär ist und sich erst bei den Vorgängen, welche 
die Erzführuug des Gesteins veranlasst haben , gebildet hat. 
Der Feldspath kommt sowohl in grösseren, ziendich stark zer- 


4 


52 


H. Bückisg, Das Grundgebirge des Spessarts. 


setzten, von dem ungleicliköniigeu Quarzgewebe umsclilosseneu 
ludividiieu voi’, welche dem Orthoklas zugebören, als auch in 
kleineren, zwischen den Qiiarzkörnern unregelmässig zerstreut 
liegenden, frischeren Körnchen, welche sich durch ihre Zwillings- 
streithng als Plagioklas zu erkennen gehen. Der helle Glimmer 
beherbergt dunkle, unter etwa 60® sich schneidende Säiilcheu, 
welche als Rutil zn deuten sind ^). Aehnliche nadelförmige Mikro- 
lithen finden sich auch mitten in den Zersetzungsproducten des 
Feldspaths. Titanit, Zirkon und Apatit sind in ziemlich scharf 
ausgebildeten Kryställchen vorhanden. Von secundären Mineralien 
ist Calcit zu erwähnen; derselbe liegt in feinen Körnchen ziiweilen 
mitten im Quarz - Plagioklas - Grundgewebe. 

Von den Kupfererzen der Grube Wilhelmine finden sich die 
Schwefelverbinduu 2 :en nur auf einzelnen unrea:elmässioc das Gestein 
durchziehenden Spalten und Klüften, die kohlensauren Salze hin- 
gegen allenthalben in dem klüftigen Gestein, die feinsten Spalten 
desselben erfüllend und die Höhlungen krustenförmig überrindend. 
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erzführung von dem im 
Hangenden des Gneisses liegenden Kupferlettenflötz der Zechstein- 
formatiou ihren Ausgang nimmt. Die gangartigen Spalten im 
Gneiss mögen sich zu derselben Zeit mit Schwefelerzen gefüllt 
haben, als sich anderwärts im Spessart die Kupfererzgänge und 
Kobaltrückeu der Zechsteinformation bildeten. Von den Gängen 
und dem hangenden Kupferlettenflötz aus haben sich dann die 
unter dem Einfluss des Sickerwassers und der Luft entstandenen 
Zersetzungsproducte allenthalben durch das Gesteiu verbreitet. 

Die wichtigsten auf den Gängen auftretenden Erze sind Fahl- 
erz, Buntkupfererz und Kupferkies ; jüngerer Entstehung sind 
Malachit, Kupferlasur, Kieselkupfer, Kupferglimmer und einige 
seltenere Mineralien, von welchen noch das von Sandberger mit 
dem Namen Leukochalcit belegte Mineral ^), ferner der bisher von 


') Der Rutil ist überhaupt im Glimmer der Spessartgneisse etwas häufiger, 
als dies nach Tuürach, Vorkommen mikroskop. Zirkone etc., Würzburg 1884 
S. 21 , der Fall sein soll. 

N. Jahrbuch f. Min. 1881, I, S. 259; vgl. auch Th. Petersen, ebenda, 
S. 2G2 — 64; ebenso Cotta, ebenda, 1876, 570, Referat über seine Abhandlung 
in der Berg- u. Hüttonmänn. Zeitung, 1876, No. 14. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


53 


der Grube Wilbelmine iiocli nicht bekannt gewesene Aragonit 
(in kleinen sjaiessigen Krystallen) und der von Herrn Gruben- 
verwalter Fischer aufgefundene Pharinakosiderit^) erwähnt seien. 

Analoge Kupfererzvorkoininen sind in der Nähe von Sailauf, 
bei Goldbacli, zwischen Hösbach und Wenighösliacb (Kittel, 
a. a. O., S. 15) und an der Feldstufe bei Feldkahl zeitweilig in 
Bearlieituncr gewesen. 

1 11 der G r e n z z o n e g e g e n d e n g 1 i in m e r r e i c h e n schiefe- 
rigen Gneiss findet sich an der Feldstufe östlich von Wenig- 
hösbacli und ebenso weiter östlich bei Eiclienberg, am Wege nach 
Alittelsailauf, und im Kabltbale am Fusspfad von Scliöllkrippen 
nach Western, allenthalben demselben Niveau angehörig, ein 
schieferig ausgehildeter, fein- bis mittelkörniger Gneiss von heller 
Farbe, der vorwiegend aus Feldspath und Quarz besteht und nur 
auf den Schieferflächen kleine dunkle Biotitblättchen enthält. Der 
Feldspath, vorwiegend stark zersetzter Orthoklas, bildet, wie an 
Schliffen quer durch das Gestein sichtbar wird, körnige Aggre- 
gate und wird durchsetzt von kleinen flachen Quarzlinsen, die 
sich aus mehreren Individuen körnig zusammensetzen. Auch secun- 
däre, aus dem Feldspath hervorgegangene Muskowitblättchen, 
von welchen man in der Kegel mit unbewaffnetem Auge nichts 
wahrnimmt , durchziehen das Quarz - Feldspath - Gewebe , der 
Schieferung ebenso folgend, wie die Quarzaugen. 

Alit derartig ausgebildeten Gneissen wechsellagern an der oberen 
Grenze des körnig -flaserigen Gneisses, zumal bei Wenighösbach 
(Profil 1), bei Glattbach (Profil 2) und bei Kleiuostheim, einzelne, 
zum Theil recht mächtige Einlagerungen von glimmerreichem, 
schieferigem Gneiss, welcher von dem in der folgenden Zone 
herrschenden Gestein petrographisch nicht unterschieden werden 
kann. Es wird dadurch ein Uebergang in die folgende Zone ver- 
mittelt; derselbe ist an vielen Stellen ein ganz allmählicher und 
wird um so weniger auffällig, je zahlreicher und je weniger 
mächtig jene Einlagerungen sind. 

') Der schon länger bekannte Pharmakosiderit von Schöllkrippen kommt 
nicht im Gneiss, sondern im Eisenstein der Zechsteinformation am Kalmus bei 
Schöllkrippen vor. 


54 


H. Bücrisg, Das Gnmdgebirge des Spessarts. 


li. Glimmerreicher schieferiger Gneiss. 

Der gliimnerreiclie schieferige Gueiss ist ein durch 
das entschiedene Vorwalten der Glinimergemengtheile sehr wenig 
widerstandsfähiges Gestein. Er bildet ein von zahlreichen, wenig 
tiefen Thäleru, mannigfach gekrümmten Schluchten und tief eiii- 
geschnitteueu Hohlwegen durchfurchtes, flachwelliges Bergland, in 
welchem fast allenthalben prachtvolle Aufschlüsse vorhanden sind, 
die ein lehrreiches Bild von dem Gebirgsbau und der Gesteius- 
beschaftenheit geben. Besonders in dem von der Kahl diirch- 
strömteu Gebiet zwischen Oberafierbach- Rückersbach und Gross- 
kahl-Huckelheim, welches nur noch zum kleinen Theil auf der von 
Kittel entworfenen geognostischen Karte der Umgegend von 
Aschafteuburg zur Darstellung gelangt ist, kann man die Aus- 
bilduuo; des g-limmerreichen Gueisses am besten studireu und 
beobachten, dass sein allgemeines Streichen von SW. nach NO. 
o-erichtet ist und das Einfällen durchschnittlich 30 bis 600 NW. 

O 

beträgt. 

Er entspricht, wie ich bereits früher (Zeitschr. d. Deutsch, 
geolog. Gesellsch. 1879, S. 419) erwähnt habe, demjenigen Theil 
der von Kittel zum Glimmerschiefer gerechneten Gesteine, von 
dem er behauptet, dass der Glimmer drei Viertheile der ganzen 
Masse bilde (a. a. O., S. 18—22). Von dem eigentlichen Glimmer- 
schiefer unterscheidet er sich wesentlich durch das Vorhandensein 
des Feldspaths, der, in der Regel schon in Kaolin zersetzt, nur 
auf dem Querbruch leicht erkannt werden kann, bei manchen sehr 
glimmerreicheu Varietäten, wie solche z. B. zwischen Schöllkrippen 
und Western auftreteu, aber nur ganz im Innern der einzelnen 
von dichten Glimmerlagen gebildeten Linsen enthalten ist, und sich 
sehr leicht ganz der Beobachtung entzieht. Fast durchgängig ist 
es der dunkle Maiiuesiumoi-limmer, der sich in so vorwalteuder 
Weise au der Zusammensetzung des Gesteins betheiligt; doch ist 
er, wenigstens zum Theil, nicht selten stark gebleicht oder in 
goldgelbe und lichtbräunliche Blättchen verwandelt. Sehr häufig 
ist er mit Kaliglimmer verwachsen. Der Quarz pflegt gern in 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


55 


linseuförinigen Knauern, welche in seltenen Fällen eine Dicke von 
einem Meter erreichen können, ansgeschiecleu zu sein; mau sieht 
sie vielfach auf den Feldern zusammena:etrao:eu und als Chaussee- 
material verwendet. Auch grobkörnige Massen von rothem Feld- 
spath und Quarz, zuweilen Chloritbntzen enthaltend oder von 
radialstengeligem Turmalin begleitet, kommen hier und da vor, 
z. B. bei Mömbris. 

Gewöhnlich wechseln Gneisse, welche reich au dunkelbraunem 
oder gebleichtem und goldglänzeudem Biotit sind und Muskowit 
in verschiedener Menge enthalten, mit Gneissvarietäten, welche 
weniger Glimmer führen und schon auf der Schieferfläche zwischen 
dem immerhin noch vorwaltenden Glimmer etwas Quarz und Kaolin 
erkennen lassen oder auch wohl von mehrere Millimeter dicken 
Quarzlageu regelmässig durchzogen sind. Die letzteren Gesteine 
sind selbstverständlich fester, als die glimmerreichen; sie treten 
allenthalben, auch da, wo sie in nur wenig mächtigen Bänken 
vorhanden sind, in den an Mächtigkeit weit überwiegenden, aber 
gewöhnlich ganz aufgelösten, weichen, glimmerreicheu Schichten 
recht deutlich hervor. Andere Varietäten des glimmerreichen 
schieferirren Gneisses nähern sich dem eia:entlichen Glimmerschiefer 
dadurch, dass der Quarz auf Kosten des Feldspaths sich reichlicher 
einstellt. 

Die Gneissgesteine dieser Zone sind fast durchaus ziemlich 
ebenschieferig oder zeigen eine feine Fältelung und Rippung der 
Schieferfläche. Letzteres ist besonders bei denjenigen Gneissen 
zu beobachten, welche hellen Glimmer ausschliesslich oder in reich- 
licher Menge neben dem Biotit enthalten. Der helle Glimmer 
ist dann nicht selten sericitisch ansgebildet und schmiegt sich in 
dichtem Gewebe eng an die Runzeln und Falten auf den Schieter- 
flächen au, so z. B. in den Gesteinen in der Nähe des Buch- 
wäldchens zwischen Überschneppenbach und Ilofstädten und au den 
Weinbergen von Kleinostheim. Andere Gneisse haben eigenthüm- 
lich unebene , von vielen beulenartigen Erhebungen bedeckte 
Schieferflächeu und auf dem Querbruch eine feine Axigengueiss- 
structur, bedingt durch das porphyrartige Auftreten einzelner Quarz- 
Feldspath- Körner oder grösserer Feldsj^äthe oder Granaten. 


56 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Der gliinmerreiche Giieiss ist iii einzelnen Bänken ausser- 
ordentlicli reich an accessorischen Geinengtheilen. Be- 
sonders häufig ist Granat, der sich in Krystallen bis zn 
Erbsen- und Haseluussgrösse findet, aber nur in den kleineren, 
zumal in den mikroskopisch kleinen Kryställchen noch frisch er- 
scheint. In der Regel ist er in Brauueiseu, oder in ein Gemenge 
von Brauneisen und Chlorit oder Biotit umgewaudelt. Sehr schön 
findet er sich, sowohl frisch in rid)inrotheu, ebenflächig begrenzten 
Rhombeudodekaederu, als in den ebeuerwähuten Pseudomorphoseu, 
zusammen mit Staurolith in dem Hohlweg nördlich von Königs- 
hofeu, in einem zweiglimmerigen Gueisse, welcher neben Orthoklas 
noch Plagioklas, allerdings nur in kleinen Kryställchen mitten 
zwischen den Quarzköruern, und Zirkon und Apatit ziemlich 
reichlich enthält. Ferner kommt Granat sehr schön bei Mömbris 
in einem muskowltreicheu Gneiss und in einem in der Nähe an- 
stehenden muskowitfreien , feldspatharmeu, von mehreren, bis 
2 Millimeter dicken Quarzlagern durchzogenen Biotitgneiss vor. 

Fast ebenso weit verbreitet als der Granat ist der Staurolith. 
Seine ebenflächig begrenzten, bis zu 2 Ceutimeter laugen Krystalle 
werden bei starken Regengüssen aus dem lockeren Gestein aus- 
gespült und können daun auf den Fahrwegen und in den Gräben 
an den Bergabhängen in Menge gesammelt werden. Hauptfuud- 
stellen für den Staurolith sind Königshofen, wo ich ausser ein- 
fachen Krystallen als Seltenheit auch Zwillinge nach ge- 

funden habe, die Flöhe südlich bei Schimborn, der Hohlweg nörd- 
lich von Feldkahl und der Abhang nördlich bei Mömbris. In 
mikroskopisch kleinen Krystallen, welche ebenso, wie die grösseren, 
Quarzköruer in grosser Aleuge umschliesseu und einen starken 
Pleochroismus zwischen gelb- und röthlichbraun zeigen, kommt 
der Staurolith fast in allen näher untersuchten glimmerreichen 
Gueissen dieser Zone vor. 

Im ganzen seltener als Granat und Staurolith, wenn mau 
von den gewöhnlich vorhandenen mikroskopischen Kryställchen 
absieht, ist der Turmalin. Er findet sich namentlich schön in 
Form von mehrere Millimeter laugen uadelförmigen Kryställchen 
in dem dunkeleu Burgberger und iiu hellen sericitischen Gneiss 


H. Bücking, Das Gnindgobirge des Spessarts. 


57 


aus der Nachbarschaft der Erzgänge ini Lochboi-ner und Köhriger 
Revier bei Bieber, etwa 5 Kilometer vom oberen Kabltbal entfernt, 
wo der Glimmergneiss auf kurze Erstreckung noch einmal zu 
Tage tritt, sonst aber besonders häufig in dmi Quarzlinsen in 
Form radial- oder parallelstengeliger Büschel von dunkler Farbe. 
Den von Flurl und dann von KiTTEL (a. a. O., S. 19 und 25) 
beschriebenen » Schörlscbiefer «, welcher bei Scböllkrippen »eine 
Schichte oder ein Lager bildet, was tast nur aus büscheligen 
Krystalleu von gemeinem Turmalin besteht«, habe ich an diesem 
Orte bis jetzt noch nicht auffinden können. 

Auch das Vorkommen von Glankophan, welches Thürach 
(a. a. O., S. 48) als grosse Seltenheit aus dem »Staurolith-Gneiss« 
von Steinbach, ohne nähere Angabe, erwähnt, ist mir nicht ge- 
nauer bekannt. 

Dagegen habe ich zwischen Schöllkrippen und Unterschneppen- 
bach, in einer in den glimmerreichen Gneiss tief eingeschnittenen 
Scbhicht, ein für den Spessart neues Mineral gefunden, nämlich 
Andalnsit. Derselbe bildet 1 bis 2 Centimeter lange Krystalle 
der Combination coP.oP, von kurz gedrungenem prismatischem 
Habitus. Randlich sind die Krystalle bedeckt mit silberweissem 
Muskowit, nur im Innern sind sie noch frisch und von blass 
röthlicher Farbe. Eine von Herrn Dr. Linck ansgeführte Analyse 
des frischeren Materials ergab 37,52 Si 0-2 und 59,07 AI 2 O 3 (da- 
neben noch kleine Mengen von Kalk, Magnesia und Alkalien, die 
von dem eingewachsenen Mnskowit herrührten), was mit den be- 
kannten Analysen sehr gut übereinstimmt. Vergesellschaftet mit 
dem Andalnsit ist Muskowit in etwa 2 Centimeter grossen Kry- 
stallen mit deutlicher Fältelung auf den Basisflächen (vergl. oben 
S. 43) und Quarz in linsenförmigen, körnigen Massen. Die ge- 
nannten Mineralien bildeten eine nicht sehr ansehnliche linsenför- 
mige Ausscheidung mitten im glimmerreichen schieferigen Gneiss. 

Das Magnet- und Titaueiseu ist in allen Varietäten des 
glimmerreicheu Gneisses ein sehr o;ewöhulicher Gemengtheil. Nach 
starken Regengüssen sammeln sich die kleinen Kryställchen und 
Körner in den Wan'engeleiseu der austeio-enden Fahrwee:e und in den 
Wasserrisseu an einzelnen Stellen als schwarzer, metallisch glänzen- 


58 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


der Saud in grosser Menge an; dieser wird vielfach gewonnen 
und als Streusand benutzt. Mit dem Magnet- und Titaneisen 
zusammen finden sich nicht selten kleine Körner von Granat und 
Staurolith, auch kleine Turmaline, ferner Kutil- und Zirkon- 
kryställcheu. 

Als Einlagerungen im glimmerreichen schieferigen 
G ne iss sind bemerkenswerth Hornl)l e n degueisse und Quarz it- 
schiefer, bezw. quarzreiche Glimmerschiefer. 

Die Hornblendegneisse sind nur wenig mächtig, und im 
Ganzen sehr ähnlich den oben erwähnten Ilornblendeofueissen von 
(ilattbach und Eichenberg. Sie sind bekannt durch Kittel 
(a. a. O., S. 29 und 32) von Fcldkahl, wo sie im Hohlwege nörd- 
lich vom Dorf mit südlichem Einfallen ansteheu, sowie von Erlen- 
liach und Kaltenberg. Ich kann weiter nennen ein etwa 2 Meter 
mächtiges Lager, welches am Wege von Wenighösbach nach 
Schimborn (Profil Ib), in dem gleichen Horizont liegt, wie das 
von Erleubach, ferner ein Vorkommen von der Womburg bei 
Schimborn und endlich aus dem nördlichen Theil des Gneiss- 
gebietes ein Vorkommen von Unterwestern, wo an der Kreuzung 
des südlich vom Dorf befindlichen, bogenförmig gekrümmten Hohl- 
wegs mit dem vom Dorf aus gerade östlich verlaufendem Wege 
ein wenig mächtiges Lager beobachtet wird. 

Weit ansehnlicher sind die (tu.Tl’zitsclliefereiulagerungen. Sie 
finden sich besonders in der mittleren und oberen Abtheilung 
des trlimmerreichen schieferigen Gneisses. Am tiefsten liegt die 
Quarzitschieferlinse, welche westlich von Grosslaudenbach, zwischen 
diesem Dorfe und der Klotzenmühle, auf der Höhe des Gans- 
berges ausstreicht. Einem höheren Niveau dürften die etwas an- 
sehnlicheren und länger anhaltenden Lager südlich von Erlenbach 
(am Wege nach Feldkahl) und südöstlich von Schimborn (im 
Thale der Feldkahl, etwa 20 bis 30 Meter mächtig) angehören. 

Der Quarzit von Erlenbach ist von grauer bis grünlich- 
grauer Farbe und zerfällt durch Klüfte quer und parallel der Schiefe- 
rung in mehr oder weniger dünne, parallelepipedisch gestaltete, 
scharfkantige Stücke. Die Schieferung ist bedingt durch lageuförmig 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


f)9 

angeordnete grünlich-weisse Gliinmerblättchen, die sich in einzelnen 
Zonen sparsamer, in anderen reichlicher einstellen. Unregelmässig 
in dem Gestein vertheilt sitzen winzige rothe Granaten, und in 
Ilöhliingeu kleine dunkele Eisenglanzblättchen. Unter dem Mikro- 
skop erweist sich das Gestein als ein fein- und ungleichkörniges 
Quarzaggregat, welches wirr durch einander liegende, oft hin und 
her ü;ebos:ene Muskowitblättchen in ziemlich jxrosser Memre enthält. 

Ö o O O 

Feldspath scheint sich nicht au dem Aufbau des Gesteins zu be- 
theiligen; in einzelnen Lagen sind dagegen Pseudomorphosen von 
Brauneiseu nach einem hexaedrisch krystallisirenden Mineral, ver- 
muthlich nach Eisenkies, ziemlich häufig. 

Anscheinend in dem gleichen Niveau, vielleicht ein wenig höher 
liegt das durch Steinbruchsbetrieb blossgelegte Quarzitlager 
vom Kalmus zwischen Schöllkrippen und Unter-Krombach. Der 
Quarzit besitzt eine schon mit dem blossen Auge deutlich wahr- 
nehmbare körnige Structur, ist also viel grobkörniger als der 
Quarzit von Erlenbach. Dabei ist er viel ärmer au Muskowit, 
der in manchen Lagen sogar ganz zu fehlen scheint, und enthält 
in seinen durch Eisenoxyd etwas röthlich gefärbten Varietäten 
zahlreiche Kaolinkörucheu, reihenförmig parallel den Schieferflächen 
angeorduet. Auch mikroskopisch kleine Grauatkrystalle in Form 
des Rhombeudodekaeders wurden im Quarz eingeschlossen beob- 
achtet. 

Etwa 200 — 300 Meter mächtig und über 8 Kilometer anhaltend 
ist der Quarzitschieferzug, welcher bei der Heiligkreuz- 
Ziegelhütte zwischen Kahl und Iluckelheim unter dem Buntsand- 
stein und Zechstein hervortritt und sich von da in südwestlicher 
Richtung bis nach Niedersteinbach im Kahlthal fortsetzt. Er 
wird von den Thälern der Westernkahl und des Sclmeppeubachs 
durchquert und ist in diesen, zumal bei Western, vortreft'lich auf- 
geschlossen. Bei seiner sehr bedeutenden Widerstandsfähigkeit 
gegen die Einflüsse der Atmosphärilien, besonders im Vergleich zu 
dem ihn umgebenden glimmerreichen Gneiss, ragt er als ein beider- 
seits ziemlich steil abfallender Grat aus diesem emjior und bildet 
auf seinen unfruchtbaren und deshalb nicht vom Ackerbau lie- 
nutzteu Höhen hier und da ansehnliche Eelsmassen. Er erinnert 


60 


11. B üciuNG, Das Graudgebirge des Spessarts. 


somit iu seinem orographischen Cliarakter au den weit gross- 
artigeren, von Gümbel iu seinem schönen Werk über das ost- 
bayerische Grenzgebirge beschriebenen und durch charakteristische 
Skizzen veranschaulichten Pfahl. 

In dem Steiubrnch zwischen Ober- und Unterwestern, in 
welchem der Quarzit als Chausseematerial gewonnen wird, wechseln 
quarzreiche, durch dünne Glimmerlageu schieferige Quarzitbäuke 
von durchschnittlich 10 — 30 Centimeter Mächtigkeit mit düun- 
schiefei’igen glimmerreicheu Gesteinen. Die Quarzite haireu durch- 
gängig ein feines Korn, viel feiner als der Quarzit vom Kalmus, 
und besitzen demgemäss einen ansgesprocheu splittrigeu Bruch. 
Der Glimmer, welcher in schuppigen Aggregaten die meist ebene 
Schieferfläche nur zum Theil bedeckt, ist bald silberweiss, bald 
wie der Chromglimmer grün gefärbt, ohne indessen eine deutliche 
Chromreactiou zu geben ^). Als mikroskopisch kleine Einschlüsse 
finden sich Kryställchen und Körner von Magneteisen, z. Th. um- 
gewaudelt iu Brauueiseu, ferner Sänlchen eines bräunlichen und 
eines grünlichen bis blänllchen sfark doppeltbrecheuden Minerals. 
Die gelbbraunen Sänlchen gehören offenbar dem Rutil an, welcher 
auch in vereinzelten herzförmio;en Zwillingen beobachtet wurde: 
dagegen dürften die schwach grünlich und bläulich gefärbten Kry- 
stalle wohl Zirkon sein. Eine eingehendere Untersuchung dieser 

O O 

kleinen Gebilde habe ich bis jetzt noch nicht vorgenommen. 

Die glimmerreicheu Zwischeulageu des Quarzitzuges haben 
verschiedene Mächtigkeit. Sie wechseln in ihrem Aussehen und 
in ihrer Festigkeit je nach der Menge des Glimmers, der au 
ihrer Zusammensetzung Theil nimmt. Zwischen Varietäten, welche 
den Glimmer nur auf den Schichtungsflächen in noch zusammen- 
hängenden Massen zeigen und bei seinem weiteren Znrücktreten 
geradezu Uebeigänge in den eben besj^rochenen Quarzit bilden, 
lind zwischen Varietäten, in welchen der Quarz ganz untergeordnet, 
etwa nur noch iu Form von schmalen Linsen zwischen dem vor- 


') Sandbergek will in ähnlichem Glimmer von Steinbach im Kahlthale durch 
Löthrohrversuche das Chrom nachgewiesen haben, vergl. Neues Jahrb. für. Min. 
1879, S. 368. 


U. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


61 


waltenden Glimmer erscheint, giebt es alle nur denkbaren Zwi- 
schenstiifen. Einzelne der letzteren Arten sehen selbst dem glim- 
ineiTeichen Gneisschiefer nicht unähnlich, besitzen aber gewöhnlich 
einen etwas röthlichen oder bräunlichen Farbenton durch reichlich 
vorhandenes Roth- oder Brauneisenerz, welches hier bei der durch- 
2 ’äno'ia' lichteren Farbe des Glimmergemengtheils viel intensiver 
färbt, als bei den dunkeieren glimmerreichen Gneissen. Ausserdem 
ist aber ein wesentlicher Unterschied darin vorhanden, dass Feld- 
spath an dem Aufbau des Quarzitschieferzuges sich gar nicht, 
oder höchstens nur in ganz untergeordneter Weise, betheiligt. 
Der Glinunergemengtheil der Schieferlageu ist nach seinem mikro- 
skopischen Verhalten als Muskowit zu bezeichnen. An Ein- 
schlüssen finden sich in den glimmerreichen Schiefern einmal die 
gleichen, wie in den quarzitischen Lagen, dann aber noch ziem- 
lich häufig Granat in zahlreichen kleinen Rhombeudodekaedern, aber 
nicht mehr frisch, sondern umgewaudelt in ein Gemenge von Braun- 
eisen, Quarz und hellem Glimmer, und ferner noch Turmalin in 
braunen, bis 3 Millimeter langen Kryställchen. 

Spalten innerhalb des Quarzitzuges sind mehrfach mit fein- 
körnigem Quarz und blättrigem Schwerspath erfidlt. Am Buch- 
wäldcheu bei Ilofstädten betheiligt sich auch Brauneisenstein und 
am Steincheuberg bei Western brauner Glaskopf und Sammet- 
bleude an der Ausfüllung dieser Spalten. 

Erwähnt sei noch, dass in der Nähe vou Königshofen, in der 
unteren Zone des glinunerreichen schieferigen Gneisses, zwei etwa 
1 Meter mächtige, nordwestlich streichende Gänge eines stark 
zersetzten Eruptivgesteins auftreten. Das Gestein ist weich, 
zerreiblich, in feuchtem Zustande thonig - schmierig, hat eine 
bräunlich - graue Farbe, ist theils compact, theils blasig ausgebil- 
det, und im letzteren Falle manchen zersetzten Melaphyreu nicht 
nnähnlich. Das Gestein als einen Kersautit aufzufassen, erscheint 
nicht gerechtfertigt; die an einzelnen Stellen vorhandene blasige 
Ausbildung spricht sogar dagegen. Am meisten Wahrscheinlichkeit 
hat die Deutung dieser Gesteine als Melaphyr, umsomehr als im 
benachbarten Gebiet ja mehrfach Gänge und Decken von Mela- 
phyr auftreten, z. B. im Main unterhalb Offenbach, und in der 


62 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Nähe von Urberach westlich von Babenhausen, also etwa 30 — 35 
Kilometer von Königshofen entfernt. 

Die mikroskopische Untersuchung des vollständig zersetzten 
Gesteins gieljt keinen Aufschluss; man beobachtet nur Kaolin 
in feinsten Körnchen, in innigem Gemenge mit Brauneisen. 

Die bei Obersailauf auftretenden Quarzporphyre ent- 
sprechen, ebenso wie die in den tieferen Regionen des Grundge- 
birges an mehreren Orten in der Nähe von Aschaftenl)urg vor- 
kommendeu Basalte und Phonolithe, Eruptionsstielen von 
Gesteinen, welche dem Rothliegenden bezw. Tertiär zugehören. 


III. Quarzreicher Glimmerschiefer oder Quarzitglimmer- 
schiefer. 

Die auf den glimmerreichen Gneiss foUende sehr mächtisre 

ö o o 

Zone des Quarzitglimmersehiefers beginnt auf der Linie Ober- 
western — Hofstädten — Niedersteiubach — Molkenberg — Hohl- 
Häuserackerhof und lässt sich nach Norden bis zu einer vom Eicher 
Hof bei Gelnhausen über Grosseuhausen- Horbach nach Kälberau 
und Hörstein gezogenen Linie verfolgen. Innerhalb dieses Gebietes 
kann mau ein im Allgemeinen nordöstliches Streichen, und, von 
ganz wenigen Stellen abgesehen, wo kleinere Störungen vorliegeu, 
ein Einfallen von 30 — 80, durchschnittlich etwa 50® in nord- 
westlicher Richtung beobachten. 

Die Gesteine, aus welchen sich der Quarzitglimmerschiefer 
zusammensetzt, sind, abgesehen von weiter unten zu besprechen- 
den wenig auffälligen Einlagerungen, ausserordentlich ähnlich den- 
jenigen, welche in dem Quarzitschieferzug von Western -Nieder- 
steinbach Vorkommen, sodass sie deshalb etwas kürzer behandelt 
werden können. Auch sei gleich hier darauf aufmerksam gemacht, 
dass der Glimmergneisszug, welcher (in Profil 3) zwischen Polster- 
hecke und Dörsenbach eine Mächtigkeit von etwa 500 Meter be- 
sitzt, zwischen Dürrensteiubach und Niedersteiubach, also 6 Kilo- 
meter weiter nach SW. hin, sich auskeilt, wodurch der an dieser 


II. Bückinq, Das Gruntlgebirge des Spessarts. 


63 


Stelle ebenfalls weit weniger mächtige Quarzitzug von Western- 
Polsterliecke sich mit dem Quarzitglimmerschiefer vereinigt. Erst 
jenseits der Kahl treten zwischen jenem Quarzitzug im Liegenden 
und dem Quarzitglimmerschiefer im Hangenden einige Glimmer- 
gueissliusen von grösserer Mächtigkeit auf (vergl. Profil 2), welche 
alter auf der Höhe des Halmeukamms wiederum auszukeileu scheinen. 
Man könnte bei dieser Laorerung darüber streiten, ob es richtiger 
ist, den Quarzitzug von Western -Polsterhecke als Einlagerung 
im glimmerreichen Gneiss zu betrachten, oder den hangenden 
Glimmergueiss als Einlagerung im Quarzitglimmerschiefer. Ich 
habe im Jahre 1875 bei der geologischen Kartiruug des Blattes 
Bieber, als mir die Lagerungsverhältnisse weiter im Südwesten 
noch nicht bekannt waren, mich für die erste Annahme entschie- 
den, lediglich mit Rücksicht auf die viel grössere Mächtigkeit 
des hangenden Glimmergueisses gegenüber der des liegenden 
Quarzitzuges, und möchte nun nicht ohne genügenden Grund von 
meiner früheren Auffassung abgeheu. Jedenfalls folgt aus den 
eben erwähnten und zumal ans den im Profil 2 wiedergegebeuen 
Lagerungsverhältnissen an der Grenze vom glimmerreichen Gneiss 
und Quarzitglimmerschiefer, noch mehr aber aus der Betrachtung 
einzelner Profile in den Greuzregioneu selbst, dass auch zwischen 
diesen beiden Zonen keine haarscharfe Grenze vorliegt, sondern viel- 
mehr ganz ähnliche Uebergänge vorhanden sind, wie an der Grenze 
des glimmerreichen Gneisses gegen den körnig -flaserigen Gneiss. 

Im Gebiet des Quarzitglimmerschiefers lassen sich, ähnlich 
wie in dem Quai’zitschieferzug von Wesfern, quarzreiche und quarz- 
ärmere, glimmerreichere Abarten nnterscheideu. Diese treten ge- 
wöhnlich zu grösseren Complexeu zusammen, so dass glimmer- 
reiche und glimmerarme Zonen unterschieden werden können. 
Die Mächtigkeit dieser Zonen ist eine sehr wechselnde, auch keilen 
sie sich öfter aus; zumal bei geringer Mächtigkeit halten sie nicht 
weit an. 

Eine besonders quarzreiche Zone, in welcher Quarzitschiefer 
mit wenig Glimmer, von weisser, röthlicher oder auch grünlicher 
Farbe, herrscht und hier und da felsbildend zu Tage tritt, ver- 
läuft vom Gleisberg; und Kreuzberfj bei Geiselbach über den 

O Ö 


64 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Schaiizeiikopf, dem Tenfelsgrimd entlang, nach dem Hahnenkamm, 
liier die höchste Erhebung des Spessarts in seinem westlichen Theile 
bildend. Eine andere quarzreiche Zone ist die unmittelbar über dem 
glimmerreichen Gneiss lagernde, welche vom Müllersteiu zwischen 
Geiselbach und Iluckelheim bis zum Stein bei Omersbach und 
gegen Niedersteinbach hin verfolgt werden kann. Wieder andere 
quarzreiche Zonen, z. B. am Wiedermark und Hässlich zwischen 
Geiselbach und Grossenhausen , und nördlich davon am Iveulstock 
und Pflanzenrain, sind durch eine wellig-schieferige und theilweise 
stengelige Structur, auch durch feine Längsfltlteu und Runzeln anf 
den Schieferflächeu, den vorher erwähnten mehr ebenschieferigen 
Quarzitschiefern gegenüber also durch eine auftalleude Holzstructur 
ausgezeichnet. 

Glinunerreiche Lagen von sehr verschiedener Mächtigkeit 
finden sich, gut aufgeschlossen, unmittelbar im Plaugenden der 
obenerwähnten Quarzitschiefer-Zone des Müllersteins, sowohl am 
Ziegelberg als auch westlich vom Stein bei Omersbach, dann in 
dem vom Omersbach bis zum Falkeubach und in den Tenfels- 
gruud herabzieheuden Thale, sowie im Teufelsgrnnd selbst. Die 
Glimmerschiefer dieses Zuges sind bald von gelblich- oder grün- 
lich-grauer, auch dnukelgrauer Farbe, bald durch Eisenoxyde roth 
oder braun gefärbt, auch gefleckt und gestreift. Ganz regelmässig 
wechseln in ihnen Lagen von Glimmer mit solchen von Quarz. 

Aehnliche glimmerreiche Schiefer liegen zwischen den anderen 
obenerwähnten Quarzitzügeu, die flachen Einsenknngen, Mulden und 
Thalbildnugen zwischen jenen meist durch steilere Bergformen aus- 
gezeichneten Zonen erfüllend. 

Nahe an der oberen Grenze des Quarzitglimmerschiefers, am 
Eicher Hof, bei Grossenhausen, Kälberau und Hörsteiu kommen 
phyllltisch aussehende Glimmerschiefer vor, in welchen 
die einzelnen Glimmerblättchen nicht mehr mit uubewafthetem 
Auge unterschieden werden können. Kittel hat (a. a. O., S. 23) 
zuerst auf diese von Hörsteiu und Alzenau ihm bekannt gewordenen 
»Abänderungen des Glimmerschiefers, die zu dem Thonschiefer 
hinueigen«, aufmerksam gemacht, und Gümbel hat daun später, 
zuletzt 1881, a. a. O., S. 16, die Bedeutung dieser Beobachtung 


H. Bücking, Das Gruiulgebirgo des Spessarts. 


65 


entsprechend hervorgelioben. Die seidenartig glänzenden Gesteine 
sind weiss, oder von grauer, gelblicher und brauner Farbe, sehr 
düunschieferig und gewissen Taunusgesteineu auf das täuschendste 
ähnlich. 

Ueber die Gemeiigtheile des Qiiarzitglimmerscliiefers mögen 
hier noch einige Bemerkungen angereiht wei’den. 

Der Glimmer ist in der Regel silberweiss. ln den glimmer- 

c5 Ö 

reichen Gesteinen bildet er zusammenhängende Lagen, während 
in den quarzreichen Schiefern seine Blättchen, zu feinen Streifen 
aneiuandergereiht, knapp den sechsten Theil der Schiefer fläche 
bedecken. In den letzteren ist er zuweilen ganz oder theilweise 
intensiv grün gefärbt. Derartige von Sanduerger als Chrom- 
glimmer bezeichnete Blättchen finden sich besonders in sehr harten 
Quarzitschiefern, welche in einem Steinbruch südöstlich von 
Grossenhausen an der Strasse nach Huckelheim und an ver- 
schiedenen Stellen im unteren Kahlthal als Chausseematerial 
gewonnen werden. Das specifische Gewicht eines solchen grünen 
Glimmers von Huckelheim wurde zu etwas höher als 2,85 bestimmt. 
Reines, mit THOULEx’scher Lösung isolirtes Material ergab eine 
nur schwache Chromreaction; die Phosphorsalzperle wurde nur 
ganz hellgrünlich gefärbt, während mit der Natronschmelze gar 
keine deutliche Chromreaction zu erhalten war. Jedenfalls ist der 
Gehalt an Chrom, von welchem zweifellos die grüne Farbe her- 
rührt, weit geringer als in den bis jetzt analysirten Chromglimmern 
vom Zillerthal und von Syssert. Bei der Verwitterung des Ge- 
steins wird der Glimmer gewöhnlich gelblich, braun oder roth 
gefärbt, dadurch dass das secundär gebildete Braun- oder Roth- 
eisen auf den Spaltungsflächen eindringt. — Biotit wurde im 
normalen Quarzitglimmerschiefer niemals beobachtet. 

Der Quarz bildet in den Quarzitschiefern entweder ein 
regellos- und ungleichköruiges Gewebe, oder tritt, was noch 
häufiger der Fall zn sein scheint, ausser in kleinen Körnern auch 
noch in grösseren spindelförmig gestalteten Individuen auf, welche, 
bald etwas gebogen, bald gerade und parallel gerichtet, eine erst 
unter dem Mikroskop erkennbare Flasei’- und Schieferstructur des 
Gesteins bedingen. Die erstere Structur, an die des oben er- 


Jahrbuch 188y. 


5 


66 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


wälmten Quarzites vom Kalmus erinnernd, ist den Quarzitschiefern 
von Huckelheim, die letztere manchen Gesteinen von Grossen- 
hausen und vom Hahnenkamm eigenthümlich. Ein scharfer Unter- 
schied existirt übrigens zwischen den beiden Structuren nicht; sie 
gehen vollständig in einander über. 

Die einzelnen Quarze sind gewöhnlich sehr unregelmässig 
begrenzt und bieten im Durchschnitt recht zackige Umrisse dar, 
sind also wie in einander verzapft. In manchen Gesteinen, wie 
z. B. in dem körnig struirten Quarzit von Horbach, hat der Quarz 
jedenfalls in Folge mechanischer Einflüsse, auf welche auch der 
sericitisch ausgebildete Glimmer hinweist, eine striemige Beschaffen- 
heit, oft von solcher Regelmässigkeit, dass man bei Betrachtung 
im polarisirten Licht eher an Plagioklas als an Quarz denken 
möchte. Oefter ist er auch unregelmässig verbogen. 

O O O 

Bemerkenswerth ist ferner, dass die Quarze einiger Quarzit- 
schiefer (besonders von Horbach und von Huckelheim) reich an 
Flüssigkeitseinschlüssen, anscheinend auch au solchen mit doppelter 
Libelle, sind, die, zu einzelnen Reihen augeordnet, das ganze 
körnige Quarzgewebe in paralleler Richtung durchziehen, ohne 
irgendwie durch die Grenzen der einzelnen Körner in ihrem 
Verlaufe gestört zu werden. Auch an dem obenerwähnten Quarzit- 
schiefer von Western, der als Einlagerung im glimmerreicheu 
schieferigen Gueiss vorkommt, kann man die gleiche Erscheinung 
wahi’nehmen ^). 

*) Auch Sauer und Cohen haben an Quarzitschiefern des Erzgebirges und 
der Vogesen dasselbe Verhalten beobachtet. Sauer hebt hervor, dass zahllose 
.Flüssigkeitseinschlüsse im Sinne der Schichtung zu weit fortlaufenden Streifen 
angeordnet, den Quarzitschiefer der unteren Stufe des Freibergor Gneissterrains, 
aus der Gegend südlich von Freibergsdorf, durchziehen, ohne nur im gering- 
sten durch die gegenseitigen Grenzen und Verwachsungsnähte der 
Quarzkörner in ihrem durchgehenden Verlaufe beeinflusst zu werden 
(Erläut. zur Section Freiberg - Langhennersdorf der sächs. Specialkarte, 1887, 
S. 14). — E. Cohen erwähnt von einem Quarzitschiefer aus dem Liegenden der 
Weiler Schiefer in der Nähe von Urbeis (Abhandl. zur geol. Specialkarte von 
Eisass -Lothringen, 111, 3, 1889, S. 186), dass Reihen von zahlreichen Poren, 
welche mit Flüssigkeit erfüllt sein dürften, auf grosse Erstreckung ungestört 
aus einem Quarzkorn in die benachbarten fortsetzen, und im ge- 
wöhnlichen Licht in Folge dessen der ganze Dünnschliff aus einem Quarz- 
individuum zu bestehen scheint. 


H. Bückin’g, Das Grundgebirge des Spessarts. 


67 


Feldspath fehlt in der Hauptmasse der Quarzitglimmer- 
scliiefei’gesteine vollständig. Nnr in einem im Allgemeinen wenig 
ansehulicdien Gestein an der Grenze gegen den glimmerreichen 
schieferiofen Gueiss erscheint Orthoklas als ein wesentlicher Ge- 
mengtheil und macht es dadurch zu einem echten Gneiss. Derselbe 
ist von röthlicher Farbe, ist nicht sehr reich an hellem Glimmer, 
enthält den fleischrothen Feldspath und grauen Quarz etwa zu 
gleichen Theilen und zeigt hei mürber Beschatfenheit eine Neigung 
zur stengelio-en Absouderuno;. Am besten ist das Gestein aufffe- 
schlossen in der Nähe von Niedersteinbach, wo es mehrere wenig 
mächtige Bänke bildet. Ansserdem kommt Orthoklas nur hier und 
da in einzelnen gröberen, linsenförmigen oder gangartigen, wesent- 
lich aus Quarz bestehenden Ansscheidnngen innerhalb der glimmer- 
reichen Gesteine, der eigentlichen Glimmerschiefer, untergeordnet 
vor lind ist dann in der Regel in Kaolin umgewandelt; so z. B. 
zwischen Rotheberg und Teufelsmühle. Sonst ist der Feldspath 
lieschränkt auf verhältnissmässig schmale Einlagerungen eigenthüm- 
licher, unten noch näher zu besprechender Gesteine. 

Accessorisch erscheint in dem Qnarzitglimmerschiefer ausser 
den Eisenerzen, welche frisch und in verschiedenen Zuständen 
der Zersetzung allgemein verbreitet auftreten , besonders häufig der 
Granat. Selten findet er sich noch in frischen rothbraunen 
Körnern und kleinen etwa Stecknadelkopf- grossen Kryställchen, 
wie in den quarzitischen Lagen an der Strasse zwischen Huckelheim 
und Oberwestern unweit des ersten Dorfes; gewöhnlich ist er zer- 
setzt und umgewandelt in ein glimmerartiges, sehr feinkörniges 
Mineral, welches von Quarz- und Brauneisenadern durchzogen 
wird. Viele solche Pseudomorphosen findet man in glimmerreichen 
Lagen in der Nähe des Ilüttengesässhofes im Kahlthale und am 
Rochusberg und Kreuzberg bei Geiselbach; einzelne Gesteine be- 
stehen fast zur Hälfte aus ihnen. 

Auch Turmalin ist, zumal in den granatführeuden Gesteinen 
vom Hüttengesässhof, recht verlireitet. In grösseren nicht wohl 
zu übersehenden Massen, und zwar in radlalstänglichen Aggre- 
gaten von schwarzer Farbe, findet er sich ziemlich häufig in den 
grossen Quarzausscheidungen innerhalb der glimmerreichen Lagen, 


G8 


H. Bücicing, Das Grundgebirge des Spessarts. 


besonders zwischen Rotlieberg und Hüttengesässbof. In dem Ge- 
steinsgewebe selbst kommt er meist nur in mikroskopischen 
Kryställchen von brauner oder dunkelgrüner Farbe ganz allgemein 
verbreitet vor, aber nur an einzelnen Orten in etwas ansehnlicher 
Menge. Ziemlich reichlich findet er sich z. B. in den rothen 
glimmerreichen Zwischenlagen, welche an der Gelnhäuser Strasse 
nordwestlich oberhalb des Dorfes Huckelheim zwischen quarz- 
reichen Schiefern liegen und mit diesen von einem ehedem ver- 
suchsweise aborebauten Rotheiseustein 2 :aug durchsetzt werden. Sie 
sind durch eine sehr deutliche Fältelung ausgezeichnet, führen 
neben röthlichen, durch beigemengtes Eisenoxyd gefärbten Mus- 
kowitlagen auch weisse sericitische Massen und enthalten verhält- 
nissmässig nur wenig Quarz in einzelnen von dem bei weitem 
vorwiegenden Glimmer augenartig umschlossenen Körnern und 
Linsen. 

In einzelnen Lagen dieser Gesteine liegen dicht gedrängt 

O o o o 

neben einander oft mehrere Millimeter grosse Krystalle von 
Granat, die in der Regel nicht mehr frisch, sondern in eine 
braune erdige Masse zersetzt sind. Ferner kommen in ihnen 
in verhältnissmässig grosser Zahl scharf begrenzte Pseudomor- 

O O ö 

phosen von einer specksteinartigen oder sericitischen Masse nach 
einem in hexagonalen Prismen krystallisirenden Mineral vor. 
Nach ihrer Form, welche bei der vollständigen Umwandlung der 
Krystalle allein in Betracht kommen kann, möchte ich sie für 
Pseudomor phosen nach Beryll halten. Die Prismen er- 
reichen eine Länge von etwa 10, und eine Breite von 2 — 3 Milli- 
meter. 

Ferner ist in allen näher untersuchten Gesteinen der Q.uarzit- 
glimmerschieferregion Rutil in kleinen, intensiv gelbbraunen Pris- 
men reichlich vorhanden. Ganz besonders häufig ist er in den 
grünen Glimmer führenden Quarzitlagen in der Nähe des Ilütten- 
gesässhofes. Er kommt gewöhnlich in einfachen Krystallen, seltener 
auch in knie- und herzförmigen Zwillingen vor. Sagenitgewebe 
wurden in den untersuchten Dünnschliffen nicht beobachtet. 

Weniger sicher bestimmt ist der Zirkon. Kleine wasser- 
helle und etwas bläulich oder grünlich gefärbte Kryställchen, 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


69 


welche im Quarz eingewaehseu Vorkommen, dürften, wenn sie 
sich nicht als Apatit erweisen, als Zirkon aufznfassen sein. Als 
solche sind wohl auch die in den Gesteinen sehr verbreitet auf- 
tretenden kleinen rundlichen Körner zn betrachten, die eine starke 
Doppelbrechung zeigen und wasserhell bis schwach bläulich oder 
rrriinlich erefärbt sind. ThÜrach erwähnt den Zirkon als einen 

O O 

häutigen Gemengtheil der Quarzitschiefer und Quarzitglimmer- 
schiefer (a. a. O. S. 57) und giebt an, dass auch Brookit, Auatas 
und Staurolith, hin und wieder sogar häufig, sich in ihnen ein- 
stellen. Von den letztgenannten Mineralien habe ich in den von 
mir untersuchten Gesteinen keines mit Sicherheit nachweisen 
können. 

Apatit wurde in grösseren hexagonalen Prismen und noch 
frisch nur einmal in einem an grünem Glimmer reichen Quarzit- 
schiefer, welcher im unteren Kahlthal zur Chausseebeschotteruug 
verwendet wird, beobachtet. Bemerkenswerth war an diesen Apatit- 
prismen, dass sie hin und wieder ein Kutilkryställchen umschlossen. 
Im Quarz eingewachsen kommt Apatit in äusserst winzigen Kry- 
stallen ziemlich verbreitet vor; er ist dann nicht leicht vom Zirkon 
zu unterscheiden. 

Ob einzelne in Brauneisen umgeAvandelte Krystalle von qua- 
dratischem Querschnitt, welche sich am Kochusberg liei Geisel- 
bach ziemlich häufig auf den Schichtflächen der Gesteine finden, 
auf Eisenkies zurückzuführen sind oder auf Granat, lasse ich 
dahingestellt. 

Besonders bemerkenswerthe , von den oben beschriebenen 
abweichende (Jesteine, welche in der unteren Abtheilung der 
(tuarzitglimmerscliieferregion auftreten, sind folgende : 

1. Gneissgl immerschiefer von Hörstein. Derselbe 
gleicht einem biotitreichen, muskowitarmen Gneiss aus der Region 
der glimmerreichen schieferigen Gneisse, ist aber dadurch aus- 
gezeichnet, dass er in grosser Zahl Aveisse, erbsengrosse, rundliche 
Körner eingestreut enthält, welche auf dem Querhruch augenartig 
zwischen den umhüllenden Glimmerlagen hervortreteu und auf der 
Schieferfläche als rundliche Erhebungen sich bemerklich machen. 


70 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Diese Körner bestehen vorwaltend ans Feldspath, welcher mit 
mehr znrücktretendem Quarz, Biotit und Granat unreffelmässifr 
verwachsen ist. Granat ist in kleinen bis Stecknadelkopf- grossen 
Krystallen von der Form des Ikositetraeders 2 0 2 durch das 
ganze Gestein verbreitet, ist noch vollkommen frisch und zeigt 
einen deutlichen Zouenbau, hervorgerufen durch zonar eiusrelatrerte, 
kleine, prismatisch ausgebildete, hellbräuulich gefärbte Rutilkry- 
ställchen. 

Ob das Gestein von Hörsteiu genau dem oben (S. 67) von 
Niedersteiubach erwähnten in seiner Lagerung entspricht, hat bis 
jetzt noch nicht entschieden werden können. Jedenfalls gehört es, 
ebenso wie jenes, der unteren Greuzregion des Quarzitglimmer- 
schiefers au, nähert sich aber in seinem Aussehen, insbesondere 
auch durch den Gehalt au dunkelem Glimmer mehr den in der 
liegenden Region herrschenden Gesteinen, während jener durch vor- 
walteudeu Feldspath und hellen Glimmer ausgezeichnete Gueiss, 
eher au manche Gesteine aus der oberen Abtheiluusr der körnio-- 
flaserigen Gneisse erinnert. 

2. Gneisse und Schiefer vom Kirbig bei Iluckel- 
heim und aus dem gleichen Niveau von anderen Orten. Au dem 
Fussweg von Oberwestern nach Huckelheini und in dem letzt- 
genannten Dorfe selbst treten an der Grenze des glimmerreicheu 
Gueisses gegen den Quarzitglimmerschiefer, — so gelagert, dass sie 
am besten zu dem letzteren gezogen werden, — mehrere Züge von 
Hornblende und Glinunergneiss auf, welche in ziemlich regel- 
mässiger Weise mit Quarzitschiefer und Glimmerschiefer wechsel- 
lageru, und wegen ihrer eigenthümlicheu petrographischeu Be- 
schaftenheit eine nähere Betrachtung verdienen. 

Die im Allgemeinen leidlich guten Aufschlüsse längs des ge- 
nannten Fussweges und in Huckelheini selbst, sowohl im östlichen 
Theil des Dorfes als an der Gelnhäuser Chaussee, erlauben fol- 
gendes Profil festzulegeu. Es folgen über dem glimmerreichen 
schieferigen Gueiss gegenüber der Grundmühle nach oben: 

1. Hornbleudegueiss, im Ausstreicheu etwa 20 Schritt 
breit. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


71 


2. Muskowitschiefer, bestehend aus einzelnen etwas ge- 

krümmten und linsenförmigen, auskeilenden Quarz- 
lagen, welche durch dünne zusammenhängende 
Schichten von ziemlich grossblätterigem bis schup- 
pigem, silberweissem Muskowit getrennt sind, etwa 
20 Schritt. 

3. Hornblendegneiss, etwa 20 Schritt. 

4. Quarzitschiefer, zumTheil sehr reich au ziemlich grossen 

braunen Pseudomorphoseu nach Granat; etwa 
80 Schritt. 

5. Glimmerreicher schieferiger Gneiss; etwa 20 Schritt. 

6. Hornblendegneiss, etwa 100 Schritt. 

7. Glimmeri-eicher schieferiger Gneiss, zum Theil mit 

dunkelgrünem Glimmer und einzelnen bis 3 Milli- 
meter grossen Magueteiseukrystalleu; etwa 60 Schritt. 

8. Hornblendeschiefer, etwa 100 Schritt. 

9. Glimmerschiefer, etwa 100 Schritt. 

10. Hornblendeschiefer, etwa 300 Schritt. 

11. Glimmerschiefer, am Eingang in die östliche Seite 

des Dorfes, etwa 100 Schritt. 

12. Hornblendeschiefer — auf einem nahe dem Strassen- 

kreuzuugspuukt hervorspriugendeu Felsen steht ein 
kleines Kapellcheu — , etwa 200 Schritt. 

13. Quarzitschiefer. 

An der Strasse nach Gelnhausen, auf der anderen Seite des 
Huckelheimer Baches, ist trotz der hier verhältuissmässig guten 
Aufschlüsse der Glimmerschieferzug 11, nicht nachzuweisen. Es 
liegt hier vielmehr da, wo jener Zug zu erwarten wäre, wenn er 
in gleicher Mächtigkeit über den Wiesengrund hinüberstreichen 
würde, an derStrassengabeluug, Horublendeschiefer, etwa 150 Schritt 
weit längs der Gelnhäuser Strasse blossgelegt. 

Dieser entspricht allem Anschein nach dem unter 12 erwähnten 
Zuge. Darauf folgt im Hangenden eine Lage Glimmerschiefer, 


72 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


daun Quarzitschiefer, beide zusammen etwa 300 Schritt lireit, 
und jedenfalls dem unter 13 erwähnten Quarzitschiefer auf der 
anderen Thalseite entsprechend. Weiter ist daun am nordwest- 
lichen Ausgang des Dorfes zu beobachten: 

14. Hornblendeschiefer, etwa 150 Schritt. 

15. Quarzitschiefer, etwa 100 Schritt; und dann, weniger 

gut aufgeschlossen, 

16. Glimmerschiefer und Quarzitschiefer in Wechsel- 

lageruug. 

Weit anhaltend sind die unter 3, 5, 6, 7, 8, 10, 12 und 14 
erwähnten Einlagerungen nicht, da weder im Thal des Hombaches 
noch au dem nach Iluckelheim hin gewendeten Abhang des Müller- 
steins oder au der Strasse von Oberwestern nach Iluckelheim 
Spuren von denselben gefunden werden konnten. Nur am Süd- 
westabhang des Müllersteins treten an zwei Stellen, am Dörsen- 
bach und etwas weiter südwestlich, kleine, etwa 2 — 300 Schritt 
weit verfolgbare, linsenförmige Lager von sehr stark zersetztem, 
geradezu mulmigem, zwischen den Fingern zerreiblichem Horn- 
blendegneiss hervor. Etwas beträchtlicher ist das Vorkommen 
von Hornblende giieiss südwestlich von Omersbach und 
vom Abts b erg bei Hörstein, welches etwa dem gleichen 
Horizont, wie die Lager am Dörsenbach und in Huckelheim, 
angehört. Auch bei Niedersteinbach im Kahlthal findet sich an 
der untern Grenze des Quarzitglimmerschiefers sowohl Horu- 
blendegneiss, als der unter 2 erwähnte Muskowitschiefer. 

Der Feldspath in den oben genannten Gneissen, welche am 
Kirbig zwischen Oberwestern und Huckelheim austeheu, ist zum 
Theil Plagioklas. In den glimmerreichen Gneissen tritt er, ebenso 
wie der Quarz, sehr in den Hintergrund. In grosser Menge be- 
theiligt sich an dem Aufbau der fast durchgängig mehr oder 
wenLer stark gefältelten Gneisse noch Magneteisen mit seinen 

o ö o 

Zersetzuugsprodukten und Granat in kleinen Rhombendodekaedern, 
theils noch ganz frisch, theils in ein braungefärbtes Mineralaggregat 
umgewaudelt. 

Die Hornbleudegneisse des Kirbig haben im Allgemeinen 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Sjiessarts. 


73 


eine graugiüue Farbe und sind nicbt selten etwas stengelig strnirt. 
Manche besitzen ein gebändertes Aussehen dadurch, dass helle 
oder fleischroth gefärbte Lagen mit diinkeleren, horublendereicheren 
mehrfach wechseln. Die duukelen Lagen enthalten neben der 
vorwalteuden, stark pleochroitischen Hornblende etwas Titanit, 
Epidot und winzige Itiitilkryställcheu ; die helleren , zuweilen bis 
20 Ceutimeter mächtigen Bänder sehr reichlich Quarz in zapfen- 
artig in einander gi-eifenden Körnern und oft von schwach röth- 
licher Farbe, verhältnissmässig wenig gestreiften Feldspath, etwas 
grüne Hornblende und in ziemlich grosser Menge Epidot, letzteren 
in kurz gedrungenen prismatischen Kryställchen, die sich häutig 
als Zwillincre oder als von Zwilliimslamellen durchsetzte einfache 

O Ö 

Individuen darstellen. 

Mit zunehmendem Hornblendegehalt tritt der Feldspathgemeng- 
theil ganz zurück und es entstehen eigentliche Hornblende- 
schiefer, welche vielfach in wiederholter Wecliselhmei'uim mit 
Quarzitschiefer und Glimmerschiefer angetrofleu werden. Die 
dunkelgrüne Hornblende bildet in diesen Schiefern kleine, erst mit 
der Loupe erkennbare prismatische Kryställchen, die parallel ge- 
richtet in grösserer Zahl bündelförmig neben einander liegen. Der 
etwa in gleicher Menge vorhandene Quarz erfüllt in fein- 
körnia:en Affcrreffaten die Zwischenräume zwischen den Hornblende- 
prismeu. Ausserdem ist noch Rutil in verhältnissmässig grossen 
gelbbraunen Nadeln, und Magneteisen reichlich vorhanden. Die 
parallele Anordnung der feinen Hornblendenadeln verleiht dem 
"rauerrünen Gestein eine faserio^e oder feinsteimelia;e Beschaftenheit. 
Hin und wieder stellt sich Epidot ein, bald nur vereinzelt, bald 
in reichlicher Menge; es entstehen dadurch Uebergänge in eigent- 
1 iche E p i d o t s c h i e, f e r. 

Auch dunkelgrüner Biotit erscheint in manchen Ilornblende- 
schiefern, bald in einzelnen das Gestein unregelmässig durch- 
setzenden Schüppchen, bald in mehr zusammenhängenden Massen, 
welche die Schichtflächen bedecken. Es entstehen dadurch Ueber- 
gänge der Horn bl ende schiefer in die Glimmerschiefer, 
welche in dem oben besprochenen Profil zwischen Oberwestern 
und Huckelheim eine ganz gewöhnliche Erscheinung sind. 

00 O 


74 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spcssai’ts. 


Auf stattgehahte Beweguugsvorgänge innerhalb der Quarzit- 
gliinmerschieferregiou deuten gewisse Quarzitbreccien, welche 
z. B. im Steinbruch am Kreuzberg bei Geiselbach und in der Nähe des 
Ilüttengesässhofes und der Teufelsinühle Vorkommen. Die Breccien 
führen Brauneisen als Bindemittel und liegen auf Spalten, welche 
vermuthlich bei der Anfrichtnng der Schichten entstanden und mit 
Brnchstückeu zertrümmerten Nebengesteins gefüllt wurden. Auch 
die stark zerquetschten, von vielen Ablösungsflächen durchzogenen 
phyllitischen Quarzitschiefer am Weinberg bei Michelbach weisen 
auf gewaltige Druckkräfte hin , welche bei der Anfrichtnng der 
Schichten und bei der Gebirgsbildung überhaupt zur Wirkung ge- 
langten. 


IV. Jüngster Gneiss des Spessarts. 

Ueber dem Quarzitglimmerschiefer lagert in der Gegend 
zwischen Grossenhanseu, Horbach, Michelbach, Alzenau, Hof 
Trages und Lützelhausen, an einzelnen Stellen so, dass die Auf- 
lagerung deutlich beobachtet werden kann, der jüngste Gneiss 
des Spessarts. Obwohl vielfach vom Rothliegenden und Diluvium 
bedeckt, tritt er doch, wie die in den Jahren 1874 und 1875 
ausgeführte Aufnahme des Gebietes im Maassstab ^/ 25 ooo gezeigt 
hat, zwischen Grossenhausen, Horbach und Lützelhausen und 
ferner zwischen Albstadt, Michelbach und Hof Trages in genügend 
grossen zusammenhängenden Massen zu Tage, um durch deren 
Untersuchung ein klares Bild von dem Bau und der Entwicklung 
dieser Zone zu erlangen. Es zeigt sich, dass auch in ihr nord- 
östliches Streichen und nordwestliches Fallen unter 30 — 500 durch- 
aus herrschen und dass nirgends LasTerungfSverhältnisse vorliegfeu, 
welche zu meiner früher (a. a. O. S. 421) ausgesprochenen An- 
nahme »einer Faltung der krystallinischen Schiefer des Spessarts 
in grossem Maassstabe« oder zur Annahme einer Verwerfung und 
anderer Störungen nöthigen. Im Gegentheil, gewisse sehr wichtige 
Gesteinscomplexe in dieser Zone haben, wie die nähere petro- 


H. BüciaxG , Das Grundgebirge des S|)essarts. 


75 


graphische Untersuchung ergeben hat, eine so eigenartige jietro- 
graphische BeschaiFenheit, dass sie sich von allen übrigen bis- 
her betrachteten Spessartgesteinen mit Leichtigkeit unterscheiden 
lassen. 

Der jüngste Gneiss des Spessarts setzt sich vorzugsweise 
aus Lagen von ziemlich grobkörnigem, flaserigem bis schieferigem 
Gneiss zusammen, welcher im iA.llgemeinen durch das Vorwalten 
der sauren Gemengtheile gegenüber den basischen gekennzeichnet 
nnd dem älteren Spessartgneisse, zumal dem unteren körnig- 
flaserigen Gneisse (vom Wendelberg etc.), sehr ähnlich ist. Am 
gi obkörnigsten sind die Gneisse von Grossenhauseir- Horbach und 
die jüngeren Gneisse bei Hof Trages, am feinkörnigsten nnd 
ziemlich ebenschieferig ausgebildet die Gneisse von Lützelhausen. 
Es wechseln sehr gewöhnlich glimmerarme und etwas glimmer- 
reichere Lagen ; auch tritt in der unteren dadurch l)esonders 
chai-akterisirten Abtheilunu; Hornblende sehr häutio; stellvertretend 
für Glimmer ein. Nicht selten sind ferner granulitartige, bezw. 
glimmerfreie oder glimmerarme gncissartige Einlagerungen, 
weniger häutig quarzitische Bäidce. Die Mannigfaltigkeit der 
Gneissgesteine ist demnach auch in dieser Kegion eine recht 
grosse. 

A. Hornbleiidegiieiss, wechsellagernd mit Biotitgneiss. 

Die herrschenden Gesteine sind Biotit- und Horubleudegneisse. 

Die Biotitgueisse sind in der Kegel körnig - flaserig und 
zuweilen durch etwas grössere Feldspatheinsprenglinge augengueiss- 
artig entwickelt. Bei sehr zurücktreteudem Biotit nnd regelloser 
Anordnung der kleinen Biotitblättchen erhalten sie eine graui- 
tische Beschaßenheit ; bei etwas reichlicherem Auftreten nnd 
paralleler Anordnung des Biotits werden sie auch wohl schieferig. 
Durch Streckung der Gemengtheile entsteht eine steuglige Struc- 
tur; indessen kommt diese in der unteren Abtheiluug weit seltener 
vor als in der oberen. 

Im AlDemeinen sind die Biotitgueisse stark zersetzt. Stein- 
brüche, in welchen frisches Gestein entblösst war, sind mir nur 
von Horbach und Kälberau bekannt geworden. Die Gneisse 


76 


H. BücKiNa, Das Grumlgebirge des Spessarts. 


haben hier eine körnig -flaserige oder granitartige Structnr, sind 
von mittlerem Korn und enthalten bei Horbach einzelne grössere 
Orthoklase von eckigem Durchschnitte, deren Grösse durch- 
schnittlich 2 — 3 Millimeter beträgt. 

Der Biotit ist fast durchweg von brauner, nur selten von 
grüner Farbe. Zuweilen gesellt sich zu demselben, z. B. bei 
JI orbach und bei Alzenau gegenüber dem Schloss, etwas Muskowit, 
welcher dann oÖenbar secundär, bei der Zersetzung des reichlich 
vorhandenen Orthoklas entstanden ist. Reichlicher erscheint 
Muskowit neben dem Biotit, in einzelnen Lagen denselben gerade- 
zu verdrängend, nur in der Nähe von Kälberau, besonders in 
den Gesteinen, welche gegenüber der Mühle gewonnen werden. Hier 
steht ein von einzelnen glatten oder längsgestreiften Ablösungs- 
flächen durchsetztes, massig ausseheudes Gestein an, welches ei’st 
bei näherer Betrachtung eine durch einzelne dickere Biotitlajxen au- 
gedeutete Schieferung erkennen lässt. Es ist ein glimmerarmer, 
körnig-flaserig struirter Biotitgneiss , welcher hellen Quarz und 
röthlichen Orthoklas etwa zu gleichen Theilen führt und den Mus- 
kowit auf den Ablösungsflächen in einzelnen Schuppen in gröberen, 
gangartigen, pegmatitischen Ausscheidungen al.)er in grösseren, zu- 
sammenhängenden Massen neben gleichfalls grösser ausgebildeteu 
Feldspäthen enthält. Ausser den zum Theil undulös auslöschenden 
einfachen Orthoklaskrystallen finden sich viele mikroklinartig ver- 
zwillingte und ausserdem andere von einzelnen Lamellen durch- 
setzte Feldspäthe, welche als Orthoklase mit Albiteinlagerungeu 
angesehen werden können, sowie polysynthetisch aufgebaute Plagio- 
klase. Verbogene, geknickte und zerbrochene Feldspäthe und 
Quarze, Wirkungen des, wie schon oben erwähnt, auch in anderer 
Weise zur Aeusseruug gelangten Druckes, dem die Gesteine aus- 
gesetzt gewesen waren, sind in dem Gneiss eine sehr häufige Er- 
scheinung. Offenbar steht auch das Auftreten des Muskowits und 
des Mikroklins im engsten Zusammenhang mit den dynamometa- 
morphischen Vorgängen, welchen die Gesteine von Kälberau unter- 
worfen waren. 

Der Feldspath in den herrschenden Biotitgueissen ist zum 
Theil Orthoklas, zum Theil, nach der Streifung auf den Spaltungs- 


II. Bückinq, Das Grundgebirge des Spessarts. 


77 


fläclieu und nach dem lamellaren Zwillingsbau der Durchschnitte 
im Dünnschlift' zu schliesseu, Plagioklas. In einzelnen Bänken 
und gewissen Zonen herrscht der Feldspath gegenüber dem Quarz, 
dessen ineinander verzapfte Körner die Zwischenräume zwischen 
den grösseren Feldspäthen erfüllen, in andei'ii überwiegt der Quarz 
den Feldspath. Häutig sind auch Gueisslagen, in welchen die 
Quarz- und Feldspath-Körner im Allgemeinen von gleicher Grösse 
sind, wodurch bei zurücktreteuder Schieferung, bei spärlichem 
Biotitgehalt, ein grauitisches Aussehen bedingt wird. Besonders 
gilt dies von dem Gneiss, welcher gegenüber dem Schloss von 
Alzenau austeht; dieser ist durch fein vertheiltes Eisenoxyd röth- 
lich gefärbt und enthält in grosser Menge neben einheitlich aus- 
löschendem Orthoklas auch mikrokliuartig verzwilliugte und nur 
aus einem System von Zwillingslamellen aufgebaute Feldspäthe. 

Pegmatiti sehe Ausscheidungen sind in den Biotit- 
gneissen, die allerdings in der Regel nicht sehr gut aufgeschlossen 
sind, nicht gerade häufig. Ausser bei Kälberau wurden sie noch 
zwischen Albstadt und Neuses und in der Nähe von Michelbach 
beobachtet; an letzterem Orte bildeten sie eine etwa 1 Meter 
mächtige linsenförmige Einlagerung. 

o o o o 

Häufiger kommen feinkörnige, glimmerfreie oder glimmerarme, 
früher gewöhnlich als granulitartig bezeichnete Gesteine in 

o o o 

Bänken von geringer Mächtigkeit (10 — 50 Centimeter) eingelagert 
vor. Sie finden sich unter Anderem am Weg von Grossenhausen nach 
der Birkenhaine!' Strasse (»Wüstenhausen« der Messtischkarte) 
und in der Nähe von Horbach. In dem ziendich stark zersetzten 
Gesteiu sind der gewöhnliche Kalifeldspath sowie der Mikroklin 
und der spärliche Plagioklas mehr oder weniger kaolinisirt und 
haben zur Bildung einzelner silberweisser Glimmerschüppcheu 
Anlass gegeben. Ausser Varietäten, in welchen der Feldspath 
herrscht, finden sich auch solche, in welchen der Quarz so ent- 
schieden die Oberhand über den Feldspath, der dann gewöhnlich 
als Plagioklas zu deuten ist, gewinnt, dass man sie besser als 
Quarzit oder Quarzitschiefer bezeichnen würde. In den feldspath- 
reicheren Lagen befindet sich zwischen den einzelnen grösseren 
Feldspäthen zuweilen ein sehr feinkörniges Gewebe von Quarz und 


II. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Feldspatli, iu welchem mau hier und da eine ziemlich regelmässige, 
geradezu grauophyrische oder mikropegmatitische Verwachsuug von 
Quarz und Feldspath zu erblicken glaubt. 

Die HorilbIeil(leg'lieisse treten mit den Biotitgneissen vielfach 
wechsellagernd auf. Sie sind bald grob-, bald feinkörnig, gewöhn- 
lich ebenschieferig, häufig auch stengelig. Im Allgemeinen von sehr 
fester Beschaffenheit, werden sie gern als Chausseematerial benutzt 
und sind daher vielfach in Steinbrüchen entblösst. 

Sehr typisch sind die Honiblendegneisse südlich von Grossen- 
hausen, auf der Ruhe und längs der Hirtenwiesen, entwickelt. 
Zum Theil sehr grob von Korn enthalten sie 1 — 2 Centimeter 
grosse dunkelgraugrüne Hornblenden und nahezu ebenso grosse 
weisse bis lichtfleischrothe Orthoklase, die zum Theil schon stark 
kaolinisirt sind. In einzelnen mehrere Centimeter mächtigen 
Lagen kann die Hornblende, in anderen der Orthoklas vorwiegen, 
und entstehen dadurch sehr charakteristisch aussehende, schwarz 
und weiss gebänderte Gesteine. Uebergänge von diesen grob- 
streifigen Gneissen in massig aasgebildete, in welchen Hornblende 
und Orthoklas ein regellos körnio-es Gemenge bilden, und anderer- 
seits in feinkörnige Varietäten, welche ebenfalls sehr oft sauere 
und basische Lagen oder auch wohl gar keine Spur von Schieferung 
erkennen lassen, kommen ausserordentlich häufig vor. 

Auffallend ist in diesen Ilornblendegneissen das starke Zurück- 
treten des Quarzes. Er fehlt zwar nicht ganz, spielt aber doch 
mehr die Rolle eines accessorischen Gemengtheils. Dafür ist der 
Gehalt an Orthoklas, welcher auch den im Allgemeinen etwas 
frischeren Plagioklas in allen näher untersuchten Gesteinen über- 
wiegt, ein durchaus constanter. Der alte Namen »Syenitgneiss« 
ist demnach für die jüngeren Hornblendegneisse des Spessarts 
durchaus gerechtfertigt. 

Auch iu den früher als Diorit bezeichueten hornblendereicheu 
Schiefern, welche am Schloss in Alzenau austehen und ihre 
Schieferung und steugelige Strnctur hauptsächlich den parallel 
angeordneteu dünnen Horublendenadeln verdanken, waltet, von 
ganz vereinzelten Lagen abgesehen, der Feldspath, welcher auch 


II. Büciving, Das Grundgebirge des Spessarts. 


79 


liier vorwiegend Orthoklas und nur znni Theil Plagioklas ist, 
gegenüber dem Quarz vor. Jedenfalls fehlt der Feldspath in den 
Horubleiidegesteiuen dieser Zone niemals, während die oben- 
erwähnten Amphiboliteinlagerungeu in der Qiiarzitschieferregion 
gewöhnlich ganz frei von Feldspath sind. Eine gewisse Aehu- 
lichkeit haben demnach die jüngeren Hornblendegueisse nur mit 
den älteren im körnigstreifigeu Gneiss (s. oben S. 45) und mit den 
viel höher im zweiglimmerigeu Gneiss gelegenen (S. 46 — 48); doch 
auch von diesen unterscheiden sie sich sowohl durch ihre mehr 
wechselnde Structur, ihren geringeren Gehalt an Quarz und vor 
Allem auch durch die Verschiedenheit der mit ihnen weehsel- 
lageruden Gueisse. 

Im Ganzen selten stellt sich in den llorublendeoneissen brauner 

O 

Biotit in vereinzelten Blättchen oder gar in zusammenhängenden 
Lagen auf den Schieferflächeu ein, wie dies bei einigen Gesteinen 
von Grossenhausen der Fall ist. Chlorit und Epidot kommen als 
Zersetzungsproducte imr hin und wieder vor. Dagegen ist Titanit 
in Form von kautengerundeten Krystallen und Körnern in ein- 
zelnen Gesteinen geradezu massenhaft vorhanden, während er 
wieder in anderen, wenn er auch nicht gerade gänzlich fehlt, so 
doch nicht häufig zu nennen ist. Apatit wird in verhältniss- 
mässiof ffrosseu kurz credrunffenen Prismen, an einzelnen Stellen 
sehr reichlich , an anderen nur spärlich beobachtet. Gleichmässig 
durch das Gesteinsgewebe verbreitet ist das Magneteisen ; besonders 
reichlich, und zuweilen einzelne schmale Lagen fast ausschliesslich 
zusammensetzend, findet es sich in den schieferigen Ilornblende- 
gneissen von Alzenau. 

Interessant ist noch das Vorkommen von Aragonit, welcher 
in feinfaserigen Massen die Spalten in einem ziemlich stark zer- 
setzten Horublendegueiss an der Strasse von Michelbach nach 
Albstadt erfüllt. 

Eigenthümliche, stark zersetzte, fast nur aus Horn- 
blende bestehende Massen, welche auf der Buhe südwestlich 
von Grossenhausen und bei Horbach, am Ausgang des Dorfes an der 
Strasse nach Grossenhausen augetrofieu werden, bedürfen noch der 
Erwähnung. Die ziemlich weichen, aber wegen ihrer Zähigkeit 


80 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


nur sehr schwer zertheilbaren Massen sind von schmutzifr-(rran- 

O O 

grüner und braunvioletter Farbe. Sie bestehen wesentlich aus 
einem filzigen, von Eisenerzen und Chloritschüppchen durchsetzten 
Gewebe kleiner lichtgrünlicher Hornblende- bezw. Strahlstein- 
Nadelu, in welchem bis zu 1 Ceutimeter grosse Krystalle einer 
bräuulichgrüneu schilfigen Hornblende und zu Nestern ziisammeu- 
tretende Chloritblättchen gelegen sind. Auch die grösseren Horn- 
blendekrystalle, welche aus der primären Hornblende mit Bei- 
behaltung der krystallographischeu Orieutirung und der ungefähren 
Form und Grösse hervorgegaugeu sind, enthalten, zumal auf den 
Spaltungsdurchgäugeu, Chloritblättchen, Hämatittafelu und Brauu- 
eiseu, letzteres oft in beträchtlicher Menge; dadurch wird ihre 
lockere Beschafteuheit und ihre bräunliche Farbe bedingt. Die 
Gesteine, ofteubar Zersetzuugsprodncte mächtiger basischer Aus- 
scheidnugeu oder Lagen im grobkörnigen Hornblendegueiss, sind 
zum Verwechseln ähnlich den oben erwähnten Einlagerungen 
im Gueiss von Wenighösbach, welche Kittel früher als »Gabbro« 
beschrieben hatte (s. oben S. 49). 

Von den »granulitartigen« Gesteinen bezw. Ausschei- 
ilungen, welchen man hier und da im Gebiete des Horublende- 
g’ueisses begegnet, war schon bei dem Biotitgneiss die Rede. 

Au der unteren Grenze der jüngeren Gneisse gegen den 
Quarzitglimmerschiefer liegen in dem Aufschluss bei Grossen- 
hausen ganz aufgelöste, mit den Fingern zerreibliche oder wie 
Thon knetbare Gneisse, an welchen zwar noch Streichen und Ein- 
fallen bestimmt werden kann, von denen es sich aber nicht mit 
Sicherheit angelien lässt, ob sie neben den Biotitgueisslagen auch 
noch Hornblendegueiss enthalten. Ebenso lassen bei Horbach 
die Aufschlüsse au der unteren Grenze Zweifel über die Aufein- 
anderfolge der verschiedenen Gueisslageu. Weiter nach oben 
wechseln, wie mau bei Grosseuhausen, Horbach und besonders 
schön bei Michelbach beobachten kann, mehrfach 50 — 60 Meter 
mächtige Zonen von Hornbleudegneiss und Biotitgneiss. Erst 
näher au der höheren Abtheilung treten die Hornblendegueisse 
mehr und mehr zurück, bis sie schliesslich ganz ausbleiben. Die 


H. Bücking, Das Gmntlgebirge des Spessarts. 81 

obere Grenze der Zone der Horublendegneisse ist demnach keine 
scharfe. 

Gerade in dieser Grenzregion befindet sich der Steinbruch, 
welcher westlich von dem Dorfe Neuses, an der Strasse nach 
Somborn, in einer isolirten Gneisskuppe angelegt ist, die unter 
dem mächtigen Ivothliegenden und dem weitverbreiteten Diluvium 
hervortritt. Der hier aufgeschlossene Gneiss ist ein verhältuiss- 
mässig glimmerreicher Biotitgneiss , von feinflaseriger bis gerad- 
schieferiger Beschaffenheit. Er ist ziemlich stark zersetzt, auch 
von zahlreichen, gestreiften Qnetschflächen durchzogen. Der 
Biotit ist braun bis dunkelgrün; der Feldspath, welcher auf dem 
Querbrnch augeuartig hervortritt, ist stark kaolinisirt; Quarz ist 
im Ganzen spärlich vorhanden. In einzelnen, lichten, biotit- 
ärmeren Streifen findet sich Granat in runden, bis erbsengrossen 
Körnern, zum Theil noch recht frisch. Serpentin und hellgrün- 
liche sericitische Zersetzungsproducte sind auf einzelne schmale 
Klüfte beschränkt. 

Einige etwa 10 Ceutimeter mächtige glimmerarme grauitische 
Lagen, in welchen die Quarz- und Feldspathindividnen die sehr 
beträchtliche Grösse von mehreren Ceutimeter erreichen , sind 
den oflimmerreichereu Gueissen concordant einafeschaltet. Sie ent- 
halten Granatkörner und hier und da ziemlich grosse, bis 5 Milli- 
meter breite Blättchen von Muskowit. 

Von besonderem Interesse ist eine Bank von Horubleude- 
gneiss, welche im Jahre 1875 in diesem Steinbruch aufgeschlossen, 
im Jahre 1889 aber nicht wieder anfzutinden war, wahrscheinlich, 
weil sie hei der Ausdehnung des Steinbruchs sich auskeilte oder 
verschüttet wurde. Dieser llornblendegneiss besitzt ein ziemlich 
gleichmässig feines Korn, doch so, dass man Feldspath und 
Hornblende noch mit blossem Auge von einander unterscheiden 
kann. Quarz fehlt, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt, 
vollständig; der Feldspath, fast durchaus stark kaolinisirter 
Orthoklas, herrscht bei weitem vor. In ihm liegen die durch 
eine gedrungene Gestalt ausgezeichneten Hornblenden, häufig um- 
sänmt von einem schmalem Kranze von hellrothem Granat. Die 
in ihrer Breite etwas wechselnde Grauatzoue umgiebt nicht nur 


Jahrbuch 1889. 


6 


82 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


die Honiblendeeiusprengliuge, sondern hin nnd wieder auch ein- 
zelne Feldspatlikörner; ancli auf den bi’eitereu Spaltungsklüften 
des Feldspaths hat sich Granat augesiedelt; au einzelnen Stellen 
bildet er zwischen den grossen Feldspätheu geradezu ein Mascheu- 
gewebe, in dessen Knotenpunkten sieh die Ilornblendekörner be- 
huden. Diese eigenartige Vertheiluug des Granats deutet auf eine 
secundäre Entstehung. 

B. Biotitg'iieiss von Lützelhausen nnd Hof Trages. 

Die herrschenden Gesteine in dieser oberen Abtheilung sind 
Biotitgneisse, welche iin Allgemeinen den zuletzt erwähnten von 
Neuses tlnrchaus ähnlich sind. Sowohl in den tiefsten Lagen, 
welche am Moncheweg und au der Birkenhaiuer Strasse bei Bern- 
liach aufgeschlossen sind, als in dem höheren Niveau am Zeilberg 
bei Ijützelhausen und an der Strasse östlich vor diesem Dorfe, 
auch an der Sauerwiese nördlich von Grossenhauseu, wechseln 
schmale, biotitreichere mit festeren, etwa 4 bis 20 Centimeter 
mächtigen, glimmerarmen, sog. »granulitartigen« Gneissen. Der 
Iiiotitarme Gneiss ist bald ziemlich grobkörnig und augeugneiss- 
artig durch einzelne etwas grössere tleischrothe Orthoklase, bald 
feinkörniger und plattig bis ebenschieferig bei regelmässig ab- 
wechselnden Streifen von körnigem Quarz und Feldspath. 

Die glimmeri-eichen Zwischenlagen werden durchschnittlich 
^2 his 1 Meter mächtig, bestehen aus vorwalteudem Biotit, etwas 
Kaolin und wenig Quarz, sind häutig bei dunkelvioletter Färlning 
ganz aufgelöst und in feuchtem Zustande lettenartig. Sie sehen 
zum Theil dem herrschenden Gestein in der Zone der glimmer- 
reichen schieferigen Gneisse nicht unähnlich, schliessen auch, in 
ähnlicher Weise wie jene, hier und da bis kopfgrosse Quarz- 
liuseu ein. 

Gesteine, welche eine gewisse Mittelstellung zwischen den 
letzterwähnten und den glimmerarmeu »gramditartigen«, streitigen 
Gneissen einuehmen, sind in dem tiefen Einschnitt, welchen die 
Strasse nach Grossenhauseu am östlichen Ausgang des Dorfes 
Jjützelhausen besitzt, und an der Sauerwiese nördlich von 
Grossenhauseu zu beobachten. Es sind vorherrschend feinkörnige 


H. Bücking , Das Griintlgobii'ge des Spessarts. 


83 


Biotitgueisse, in welchen Orthoklas und Quarz etwa in gleicher 
Menge und von derselben Korngrösse über den gleichinässig durch 
das ganze Gestein vertheilten braunen Biotit ganz entschieden 
überwiegen. Die Schieferung dieser Gneisse ist bedingt durch 
die im Allgemeinen parallele Anordnung der Biotitblättchen. 
Accessorisch erscheint zuweilen Granat in kleinen und bis 
erbsengrossen Körnern. Einzelne Bänke sind durch Zersetzuno's- 
producte des Magueteiseus sehr intensiv roth gefärbt, andere durch 
Mauganverbindungeu auch wohl schwarz. Eine Graphitführung, 
welche Thüracii (a. a. O., S. 58) für den Gneiss von Eützelhausen 
angiebt , aus welcher er auch Apatit und Zirkon als häutige, 
Anatas und Rutil als seltene Gemengtheile erwähnt, ist mir nicht 
aufgefallen. 

Verhältnissmässig gut sind die Aufschlüsse in dem Thal, welches 
von Michelbach nach dem »Oberen Sand« und dem Hof Trabes hin- 
aufzieht. Hier liegt zunächst über den obersten stengeligen Horn- 
blendegneissen ein etwa 30 Meter mächtiger granitartiger Biotitgneiss, 
der allerdings liei näherer Betrachtung eine gewisse Schieferung, 

r5 o O Ö 7 

durch kleine parallel geordnete Biotitblättchen hervorgerufen, zeigt, 
sonst aber massig abgesondert erscheint und in scharfkantige Stücke 
zerfällt. Es folgt nach oben eine etwa 10 Meter mächtige Zone 
von Gneiss, welcher sehr ähnlich dem von Neuses beschriebenen 
ist, dann wieder ein, dem ersten ähnlicher granitartiger Gneiss, 
der auf weite Erstreckung hin in gleicher petrographischer Aus- 
bildung anhält, nur hin und wieder unterbrochen von einer Bank 
biotitreicheu oder stengelig abgesonderten Gneisses. Die zuletzt 
erwähnten im Allgemeinen biotitarmen und sehr feldspathreichen, 
granitartigen Gneisse von mittlerem Korn zerfallen sehr leicht zu 
einem lockeren, sandigen Kies. Der Biotit auf der Oberfläche 
ist häufig gebleicht, muskowitartig, im Innern des Gesteins aber 
stets von dunkeier Farbe. 

Die Gneisse, welche in der Nähe des Hofes Trages anstehen 
und mehrfach durch Steinbrüche entblösst sind, sind den biotit- 
ärmeren Gneissen von Lützelhausen und Beruliach recht ähnlich. 
Durchgängig überwiegt in ihnen der Orthoklas den Quarz sehr 
beträchtlich. Sie enthalten ferner recht häufig einzelne über 1 Meter 


84 


II. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


mächtige Bäuke tmd Linsen eines nngeschichteten, groben, mus- 
kowitfreieu peginatitischen Gesteins, in dem oft bis kopfgrosse 
Qnarzknauern eiugesprengt Vorkommen. Eine regelmässige peg- 
matitiselie Verwachsung von Feldspath und Quarz wurde in den 
untersuchten Blöcken nicht wahrgeuommen Q. 

Das höchste Niveau unter den im Spessart zu Tage treten- 
den krystallinischen Schiefergesteiuen nimmt ein Gneiss ein, wel- 
cher nördlich vom Hof Trages, am Ende des Galgengrundes ober- 
halb Somborn, unter den mächtigen Porphyrconglomeraten des 
Ober-Kothliegenden hervortritt und durch einen Steiubruch auf- 
geschlossen ist. Es ist im Allgemeinen ein ziendich grobkörniger, 
biotitarmer, granitartiger Gneiss, welcher nur in einzelnen Bänken, 
insbesondere in einer grossen, 4 Meter langen und 2 Meter inäch- 
tig-en, mitten iin Bruch blossgelegteu Linse eines slimmerreichen 
und dabei wenige festen Gneisses, deutliche Schieferuno- zeis:t. 
Der Feldspath (Orthoklas) überwiegt auch in diesem Gestein den 
(^uarz; beide Gemeugtheile erreichen nicht selten die Grösse von 
2 Centimeter. In grosser Menge ist Granat in kleineren, höchstens 
ErbsengTösse besitzenden Körnern vorhanden: er ist theilweise 
zersetzt. Winzige, durch die ganze Masse vertheilte Muskowit- 
blättcheu sind wohl als secundär, bei der Zersetzung des Feld- 
spaths entstanden, anzusehen. 

Einlagerungen abweichend ausgebildeter Gesteine in der 
oberen Abtheilung der jüngeren Gneisse sind im Ganzen sein- 
selten. Zu erwähnen ist nur ein durch gänzliches Zurücktreten 
des Feldspaths ausgezeichnetes Gestein, welches bankweise den 
normalen l)iotitführeuden Gneissen im Grüudchen zwischen Lützel- 
hausen und Grossenhausen eingeschaltet ist. Dieser Quarzit- 
schiefer hat eine bräunliche Färbung, und enthält ausser dem 
vorwaltenden Quarz und dem Biotit noch recht viel in Braun- 
eisen umgewandelten Granat, sowie Rutil in kleinen Kryställchen. 

In dem stark zersetzten Biotitgneiss, welcher zwischen Grossen- 
hausen, Horbach und Bernbach an der Birkenhainer Strasse an- 

Die Angaben von Ludwig , geognost. Beob. in der Gegend zwischen 
Giessen-Fulda etc., Darmstadt 185-2, S. 23, ebenso in seiner Geognosie und Geoge- 
nie der Wetterau, Hanau, 1858, S. 14 und 20, sind demnach ungenau. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


85 


steht imd in der sogenannten »Bernbacher Hohle« sehr gut auf- 
geschlossen ist, finden sieh einzelne durchschnittlich 5 Centinieter 
mächtige, concordant den Gneissschichten eingeschaltete Lagen 
von stark zersetztem Bra nnspath. Auch auf den Klüften und auf 
feinen Sjialten im Gneiss sind solche braune Carbonate augehäuft. 
DerFeldspath im Gesteinsgewebe selbst ist sehr häutig kaolinisirt 
oder in Calcit und Branneisen nmgewandelt, während der Biotit 
weniger stark verändert erscheint. 


V. Mächtigkeit des krystallinischen Grundgebirges itn 

Spessart 

Nachdem im Vorhergehenden das Wichtigste über die Ver- 
breitung, die Lagerung und die petrographische Beschatteuheit 
der Gesteine des Spessarter Grundgebirges erörtert worden, bleibt 
noch übrig. Einiges über die Mächtigkeit der verschiedenen 
Zonen in ihrem Verbreitungsgebiet zwischen Main- und Kiuzig- 
thal hinzuznfügen. 

Nimmt man für die tiefste ansgeschiedene Zone, den Grauit- 
gneiss, der im Sodener Thal ein einigermaassen deutliches Ein- 
fällen unter 50*^ NW. zeigt, sonst aber im Allgemeinen richtnugslos 
körnie ansffebildet ist und nur in seiner Verbreitnu'»: und in seiner 
Abgrenzung dem allgemeinen Streichen der Gneissschichteu des 
Spessarts folgt, jenen Fallwinkel von 50*^ als constant au, so 
würde die Mächtigkeit des Grauitgneisses im Besseubacher Thal, 
wo er in einer Breite von 400 Meter aufgeschlossen ist, minde- 
stens 300 Meter betragen. 

Der Dioritgneiss besitzt im Besseubacher Thal etwa die 
gleiche Breite wie zwischen der Grenze gegen den Granitgueiss 
im Sodener Thal und der Aunreimueisszone bei Gailbach am Grau- 
berg (etwa 3500 Meter). Er lässt da, wo er eine eiuigermassen 
deutliche Parallelstructur aufweist, ein steiles Einfällen nach NW. 
erkennen; nur an wenigen Stellen ist auf kurze Erstreckung, offen- 
bar in Folge kleiner für den Bau der Gesammtmasse kaum in Be- 


86 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


tracht koinuiender Störungen, ein «iklöstliches Einfällen vorhanden. 
So erwähnt Kittel für seinen »Syenit« von Soden NNW., von 
Gailbach 76® NNW. und 35® S., von Strassbessenbach 87® N. 
lind 63® SO.; Goller hat an den meisten Orten ein nach NW. 
gerichtetes Einfällen oder Saiger- Stellung beobachtet; ich habe 
zwischen Keilberg und Waldmichelbach das Einfällen zu 65® NW. 
bestimmt. Legt man deshalb bei der Berechnung ein durch- 
schnittliches Einfällen von 50® NW. zu Grunde, so ergiebt sich 
für den Dioritgueiss eine ungefähre Mächtigkeit von 2700 Meter. 

Der köruig-flaserige Gueiss streicht auf der Linie Strass- 
besseubach-Hösbach- Wenighösbach (Profil la), welche senkrecht 
zur Streichrichtuug verläuft, in einer Breite von 8300 Meter, auf 
der Linie Granberg bei Gailbach über Aschatfenbnrg bis Stein- 
bach hinter der Sonne in einer Breite von 9000 Meter zu Tace 
aus, was bei einem durchschnittlichen Einfällen von etwa 65® eine 
Mächtigkeit von 7500 bezw. 8100 Meter bezeichnen würde. 
Davon käme auf die Zone der körnig-streifigen Gueisse, welche 
im Gailbacher Thal und zwischen Strassbessenbach und Winzen- 
hohl gleich mächtig entwickelt ist, etwa 800 bis 900 Meter, auf 
den Biotitgneiss des Wendelberges in seinem westlichen Theile 
am Wendelberg und Hermesbuckel etwa 1500 bis 1600 Meter, in 
seinem östlichen Theile im Schmerlenbacher Thal etwa 2500 bis 
2700 Meter, und für den zweiglimmerigen Gneiss nebst seinen 
Einlag'ernns'en der Rest. Die letztere Zone würde also nach 
Westen, nach dem Odenwald hin, ausserordentlich stark an- 
schwellen, zum Theil auf Kosten des liegenden Biotitgneisses. 

Die Mächtigkeit der folgenden Zone ist, wie ein Blick auf 
die Profile 1 b, 2 und 3 lehrt, sehr starken Schwankungen unter- 
worfen. Der glimmerreiche schieferige Gneiss hat in 
dem östlichen Theil seines Verbreitungsgebietes (Profil 3) bei 
einem durchschnittlichen Einfallen von mindestens 35® NW. eine 
Mächtigkeit von etwa 1700 Meter, weiter westlich zwischen Schim- 
boru und Niedersteinbacli (Profil 1 b) bei einem durchschuittlichen 
Einfallen von etwa 50 ® die bedeutende Mächtigkeit von mehr als 
5100 Meter, und noch mehr westlich auf der Höhe des Hahuen- 
kamms zwischen Oberafierbach und Grosshemsbach (Profil 2, Ein- 
fallen durchschnittlich 40®) die Mächtigkeit von etwa 3500 Meter. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


87 


Ilierltei ist zu berücksiclitigcii, dass der auf dem Profil 3 aiige- 
deutete Sattel Schöllkrippeii -Vormwald sich möglicherweise uoch 
liis iii die Gegend zwischen Schimborn und Wenighösbach 
(Profil 1 a) fortsetzt und hier eine sattelförmige Aufbiegung der 
Gneissschichten bedingt; um dies nachzuweisen, bedarf es aber 
noch weiterer Untersuchungen. Immerhin steht es fest, dass der 
glimmerreiche schieferige Gneiss nach Westen hin sehr beträcht- 
lich anschwillt, auch selbst dann noch, wenn man etwa die 
zwischen Angelsberg -Gunzenliach und Grosshemsbach (Profil 2) 
zu Tage tretenden Schiefer der folgenden Zone, zurechnen wollte. 
J) ie Mächtigkeit dieses Schiefercomplexes beträgt etwa 600 Meter. 

Der im Profil 3 angegebene Quarzitschieferzug ist etwa 
220 Meter, die nördlich von diesem gelegene Abfheilung glimmer- 
reicher schieferiger Gneisse etwa 500 Meter mächtig. 

Der Qu arzitglim mer schiefer bildet zwischen Iluckelheim 
bezw. Geiselbach undGrossenhausen (Profil 3) einen etwa 5000 Meter 
breiten Ilöhenzug, und besitzt demnach bei einem durchschnitt- 
lichen Einfallen von ungefähr 35® NW. eine IMächtigkeit von etwa 
2800 Meter. Viel geringer ist die Breite des Quarzitglimmer- 
schiefers im Kahlthale zwischen Niedersteiubach und Aliclielbach 
(Profil Ib), während die Mächtigkeit desselben bei steilerem Ein- 
fallen (durchschnittlich 65® NW.) ungefähr die gleiche ist, näm- 
lich etwas über 3000 Meter. Weiter nach Südwesten hin tritt 
aber doch ganz entschieden eine Verschmälerung der Zone ein, 
da dieselbe auf der Höhe des ITahuenkammes zwischen Gross- 
hemsbach und Kälberau (Profil 2, durchschnittliches Einfallen 
etwa 40®) nur uoch etwa 1700 Meter und selbst, wenn man die 
zwischen Augelsberg, Gunzenbach und Grosshemsbach gelegenen, 
durch glimmerreichen schiefrigen Gneiss von dem Hauptzug ge- 
trennten Schiefer noch nach oben ziehen wollte, nur 2300 Meter 
mächtig ist. Dabei ist aber die Vlächtigkeit der glimmerreichen 
schieferigen Gneisse (Zone II ) und der Quarzitglimmerschiefer 
(Zone III) zusammengenommen im Osten (Profil 3) und im 
W esteu ( Profil 2 ) nicht allzusehr von einander verschieden 
(4500 bis 5200 Meter). 

Die untere Abtheilung des jüngeren Gueisses erlangt 
im östlichen Theil des krystallinischeu Spessarts, bei Grossenhausen, 


88 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


eine Mächtigkeit von etwa 300 Meter (Profil 3), verkümmert daun 
nach Horbach zu, um schliesslich weiter nach Westen hin wieder 
derart anzuschwelleu, dass sie zwischen Michelbach und Albstadt 
(Profil Ib) sogar bis zu 960 Meter mächtig wird. 

Die obere Grenze des jüngeren Gneisses verbirgt sich 
unter dem Ivothliegendeu und dem Diluvium der Main- und 
Kiuzigebene. Es lässt sich daher nur sagen, dass von der oberen 
Abtheiluug bei Grossenhauseu (Profil 3) etwa 640 Meter aufge- 
schlossen sind, während sie weiter im Westen bei Plof Trages 
in einer Mächtigkeit von mindestens 1200 Meter bekannt ist. 

Die G e sammtmächtigkeit des krystallinischen Grund- 
gebirges, welches im Spessart an die Erdoberfläche tritt, beträgt 
darnach mindestens 17000 — 18000 Aleter. 


VI. Vergleich des krystallinischen Grundgebirges im Spessart 
mit ähnlichen krystallinischen Gebieten. 

Vergleicht man das Grundgehlrge des Spessarts mit ähn- 
lichen Bildungen anderer krystallinischer Gebiete, wie das Gümbel 
in seiner oben erwähnten Abhandlung versucht hat, und trägt 
mau dabei den Mächtigkeiten der einzelnen Zonen gebührend 
lleehnung, so ergiebt sich zunächst, dass der ältere Gneiss 
des Spessarts, da er sowohl körnige Kalke als Horublende- 
gueisse einschliesst, am besten derjenigen Gueissformatiou zuzu- 
weiseu ist, welche von Gümbel^) als das jüngere oder das 
h e r c y n i s c h e G u e i s s s y s t e m ( Uebergaugsgneisssystem ) be- 
zeichnet würd. 

Von den auf den älteren Spessartgneiss folgenden Zonen 
haben die beiden nächsten eine sehr grosse Aehulichkeit mit der 
Glimmerschieferformation des Erzgebirges, wie solche besonders 


0 Geognost. Beschr. d. ostbayer. Grenzgebirges. Gotha 1868, S. 480 etc.; 
ferner Gümbel, Grundzüge der Geologie. Kassel 1888, S. 506. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


89 


iin Gebiet der Blätter Schwarzenberg, Elterlein, Wiesenthal, Johann- 
georgenstadt etc. der i25000 theiligen Karte zu Tage tritt. Der 
glim in er r eich e sch ieferige G u eiss e n tsp rieh t de m Gn eiss- 
glinimerschiefer (z. B. von der Scction Wiesenthal) i), der 
Qnarzitgllmmerschiefer des Spessarts dein Gliniiner- 
schiefer und -Qu arzgl ini in er seine fe r des Erzgebirges, 
anscheinend auch in der Mächtigkeit. Ebenso scheinen die liegen- 
den Gneissforinationeu iin Erzgebirge und Spessart mancherlei 
Analogien zu besitzen. 

Der gl iniiner reiche schieferige G ne iss, welcher, wie 
oheu erwähnt wurde, sehr arm an Feldspath ist und in seiner 
mineralogischen Zusammensetzung und in seiner ausgeprägten 
Schieferung sich weit mehr dem Glimmerschiefer als dem typischen, 
in seiner Miueralführuug dem Granit am meisten vergleichbaren 
Gneiss anschliesst, auch so reich au oft sehr mächtigen Einlage- 
rungen von Quarzit und Quarzitglimmerschiefer ist und nach oben 
allmählich in den Quarzitglimmerschiefer übergeht, wird demnach 
am besten mit dem hangenden Quarzitglimmerschiefer 
zusammengefasst und der Glimmerschieferformation zugerechnet. 
Der erstere ist daun als eine untere, der letztere als eine obere 
Abtheiliiiig der hercyuischeu Glim nierschieferformation 
Gümbel’s ‘^) (identisch mit Uuterhiiron- oder Glimmerschiefer- 
system desselben Autors) ^) anzusehen. 

Das Vorkommen phyllitähulicher Gesteine im Gebiet des 
Quarzitglimmerschiefers, und zumal in den oberen Lagen des- 
selben, würde auf die Nähe der Phyllitformation hinweisen. 
Typische Vertreter derselben sind aber im Spessart nicht vor- 
handen. 

Gewisse Schwierigkeiten entstehen bei dem Versuch, den 
jüngsten Spessartgneiss mit jüngeren Gneissen in anderen 
Gebieten zu identiticiren. ln der Phyllitformation der benach- 
barten Gebiete kennt mau so typisch ausgeliildete, feldspatbreiche, 

') Vergl. Sauer, Erläuterungen zu dem Blatt Wiesenthal der sächs. geolog. 
Karte im Maassstabe V25000; S. 21. 

Ostbayer. Grenzgebirge, S. 480 etc. 

Grundzüge der Geologie, S. 514. 


90 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


griinit- und syenitälmliche Gneisse nicht; auch selbst in der oberen 
Abtheilung der Gliininerschieferformation sind sie in dieser Aus- 
bildung und in der Mächtigkeit von etwa 2000 Meter nicht be- 
kannt. Leichter verständlich würde das Auftreten solcher Gesteine 
auch an der ofieren Grenze der Gliininerschieferformation sein, 
wenn mau sie, wenigstens zum grössten Theil, und soweit 
ihre petrographische Ausbildung es znlässt, als durch den Ein- 
fluss gebirgsbildender Druckkräfte schieferig gewor- 
dene Syenit- und Granitgestei ne anseheu würde. Mächtige, 
zwischen Sedimente eingepresste lagerartige Massen von Granit 
und Syenit sind ja von vielen Orten bekannt; es würde also eine 
solche Annahme ininierhiu zulässig sein. Dass auch der ältere 
Spessartgneiss, zumal der Granitgiieiss und der Dioritgneiss, so- 
wie die Hauptmasse des körnig - flaserigen Gneisses in ähnlicher 
Weise aufgefasst werden können, ist entweder schon oben ausge- 
sprochen worden oder geht aus der petrographischeu Beschreibung 
der Gesteine zur Genüge hervor. 

Nach diesen Ausführungen können wir die oben auf Seite 31 
gegebene Gliederung des Grundgebirges im Spessart durch die 
folgende ersetzen: 


1. 

I. Hercynische i 2. 
Gneissformation | 
des Spessarts, \ 3. 

über 10,000 Meter j i 
mächtig. I 


(Ti'aiiitgneiss von Oberhesseiibach, 

IMoritgiieiss mit Aiigengneiss, etwa 2700 Meter, 

/ a) Körnig-streifiger Gneiss, 
Körnig-llaseriger \ ca. 800 IMeter, 

Gneiss. < b) Biotitgueiss, ca. 2000Meter, 
/ c) 2-glimmeriger Gneiss, ca. 
^ 5000 Meter. 


1 . 

II. Glimmerschiefer- 1 2 
formation I 

des Spessarts, ( 

etwa 6000 Meter 1 
mächtig. r 


Gliinmerreicliei* schieferiger Gneiss, 2 — 3000 Meter 
mächtig, 

Gnarzitglimnierschiefer, 2 — 3000 Meter mächtig, 

S a) Syeuitgneiss, wechsellagernd 
mit Granitgiieiss, etwa 
300 — 1000 Meter, 

I h) Graiiitgueiss , über 1000 
' Meter mächtig. 

O 


H. Bückimg, Das Grundgebirge des Spessarts. 


91 


VII. Uebersicht über Streichen und Fallen der krystalli- 
nischen Schiefer im Spessart. 



Streichen 

Fallen 

Graiiitgiipiss. 



Steinbruch am Steinets am oberen Ende des 
Sodener Thals 

7-8h 

öO" NNO. 

Dioi'itgiieiss. 



An der Kirche bei Soden — nach Kittei, . . 

— 

Go" NNW. 

Grauberg bei Gailbach — nach Goleek . . 

5'> 

80" NNW. 

Gailbach, im Dorfe — nach Kittei 

— 

7G" NNW. 

» , südlicher Fuss des Findbergs — nach 

Kittel 

_ 

3o“ S. 

Oberbessenbach an der Kirche — nach Gollek 

4h 

NW. 

Strassbessenbach — nach Kittel 

— 

G3" SO. 

Wolfszahn bei Waldinichelbach 

4 h 

65" NW. 

Köi’nig- streitiger Giieiss. 



Grauberg bei Gailbach — nach Goller . . . 

5'’ 

80“ NNW. 

Fussberg bei Gailbach — » » ... 

4 h 

steil. 

Zwischen dem Fussberg bei Gailbach und der 
Aumühle bei Schweinheim — nach Goller 

4 ''2 

65" SSO. 

Südwestlicher Fass des Findbergs — nach Kh-i-el 

— 

69" N. 

Einlagerung des körnigen Kalkes bei Gailbach 
— nach Kittel 


65“ N. 

An der Gailbacher Strasse im Hangenden des 
körnigen Kalkes 

4 h 

45" NW. 

An der Würzburger (= Gailbacher) Strasse im 
Hangenden des körnigen Kalkes — nach Kittel 


30" N. 

An der Wüi-zburger Strasse im Hangenden des 
körnigen Kalkes am Elterwald — nach Kittel 

_ 

50" N. 

An der Gailbacher Strasse im Hangenden des 
körnigen Kalkes im Hornblendegneiss . . . 

3'’ 

50-60" SO. 

An der Würzburger Strasse im Hangenden des 
körnigen Kalkes gegen Aschaffenburg — naeh 
Kittel 


55" S. 

An der Gailbacher Strasse östlich von der 
Dimpelmühle bei Schweinheini (im Hangenden 
des Hornblendegueisses) 

4 h 

45" NW. 


92 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 



Streichen 

Fallen 

]ni Elterliofgrund — nach Kittel . . . . . 



41“ S. 

Südlich von Grünmorsbach an der unteren Grenze 
— nach Goller 

5» 

80” NNW. 

Grünraorsbach — nach Kittel 

— 

43“ SO. 

[ Am Hirschbach, Abhang des Hamraelsberges 
1 bei Strassbossenbach 

4h 

- NW'. 

] Am Hirsehbach, am Hammelshorn (Hornblende- 
V gneiss) — nach Kittel . 

— 

87” N. 

Körnig -flaseriger Gneiss. 



a) Südlich von der Linie Aschaffenburg- 



Hösbach. 



Fuchsmühle bei Schweinheim — nach Kittel 

— 

65” NO. 

; Hensbach (bei Schweinheim), Hohlweg nach den 
\ Bischberg — nach Kittel 



75“ NNW. 

\ Liebeles -Grube — nach Kittel 

— 

75” NN Wh 

l Hensbach, Weg nach Obernau — nach Kittel 

— 

74” N. 

( Am Dörnbach, gegenüber dem Elterhof — nach 
' Goller 

4h 

60” S. 

1 Am Dörnberg, südlicher Abhang — nach Kittel 
^ Wendelberg, Gipfel 

4h 

77—80“ SSO. 
( 60-80” SO. 

( bis 80” NW. 

’ Dörnberg, Gipfel — nach Kittel 

— 

80” NO. 

Dörnberg, nördlicher Abhang — nach Kittel . 

— 

73“ NO. 

Hermesbuckel | 

4h 

bis 4‘/2^ 

80“ SO. 

80” SO. bis 80“ NW. 

Haibach — nach Kittel 

— 

60-65" SO. 

Schindkante — nach Kittel . 

— 

67” N. 

Ratzelburg . 

4h 

70“ SO. 

Fischerhecken 

4h 

-SO. 

Gegenspitze des Büchelberges und der Fischer- 
hecke — nach Kittel 



49” SO. 

Gegenspitze des Büchelberges und der Fischer- 
hecke Gipfel — nach Kittel 

— 

60” SO. 

Büchelberg, Kuppe — nach Kittki 

— 

67“ N. 

Büchelberg, nördlicher Abhang — nach Kittel . 

— 

72“ N. 

Gottelsberg, Gipfel — nach Kittei 

» , am Zeughause — nach Kittel . . 

Schellenmühle, an der Strasse nach Aschaffon- 
burg 


20” S. 

( 54” SSO. 

( bis 70“ WSW. 

70” SO. 


n. Bückinq, Das Grundgebirge des Spessarts. 


93 



Streichen 

Fallen 

Schellenmüble — nach Kitteu 



65“ SSO. 

Sclimerlenbacher Wald, südlicher Aldiang — 
nach Kittel 



70“ SW. 

Schmerlenbacher Wald, Jägerhaus 

4 h 

30—40“ SO. 

» » , Wildscheuer nördlich voip 

Jägerhaus 

3" 

80“ SO. 

Schmerlenbacher Wald, Mitte — nach Kittel . 

— 

SO“ n! 

» » , nördlicher Abhang — 

nach Kittel 


67“ SSW. 

Schmerlenbach, an der Strasse nach W inzenhohl 

4" 

SO" SO. 

Winzenhohl 

4 h 

70-80“ SO. 

Zwischen Keilberg und Weiler 

4 I 1 

60“ SO. 

b) Nördlich von der Linie Asch affen- 



bürg - Hösbach. 



Kapuzinergarten — nach Kittel 

— 

40“ NNW. 

Galgenberg bei Damm — nach Kittel . . . 

— 

77“ N. g. W. 

Bergmühle bei Damm 

4 h 

90" 

» » » — nach Kittel .... 

— 

75-85” NW. 

Oelinöhle bei Damm — nach Kittel 

— 

75“ SO. u. 75“ NW. 

Schwalbenmühle bei Damm 

3 ', 2 - 4 h 

75“ SO 

Pfaffenberg bei Damm — nach Kittel . . . 

— 

59“ NW. 

» gegen Goldbach — nach Kittel 

— 

36“ NNO. 

Goldbach im Dorfe — nach Kittel 

— 

75“ NW. 

» am Bache — nach Kittel .... 

— 

75“ N. g. W. 

Goldbachgrund gegen Oberafferbach — nach 
Kittel 

Goldbachgrund gegen Unterafferbach — nach 
Kittel 

— 

1 75“ NNO. 

\ 59“ NNW. 

85-88“ SO 

Glattbacher Weg — nach Kittel . . . . . 

— 

70“ NW. 

» Thal — » » • 

— 

70“NW.u.85“N.g.W. 

Glattbach, Weg nach Schimborn über die Knie- 
breche — nach Kittel 


64“ NO.U.70" NW. 

Glattbacher Mühle — nach Kittei 

— 

75“ NW. 

» » 

4'* 

80—90“ SO 

Glattbach an der Kirche — nach Kittel . . . 

— 

72“ S. 

» hinter der Kirche — nach Kittel . . 

— 

70“ NW. 

» nördlich vom Dorfe — nach Kittei, . 

— 

43" NNO. 


94 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


Streichen 


Fallen 


Glattbach nördlich vom Dorfe 

» , über der Kniebreche — nach Kittel 

» » » » gegen Oberaffer- 
bach — nach Kittel 

Glattbach, über der Kniebreche am Herraan- 
stein — nach Kittel 

Steinbach hinter der Sonne — nach Kittel . . 

» , Steinbruch an dem Wege nach Ober- 
afferbach 

Zwischen Steinbach und Oberafferbach, am Rad 

Kleinostheim im Feld — nach Kiti-ei 

» südöstlich vom Bahnhof . . . . 

Stockstadt — nach Kittel 

» Grasbrück an der Strasse nach Seligen- 
stadt 

Mittelsailauf an der Kirche 

» kurz vor der Brücke 

Obersailauf . 


2 — 


7-8>‘ 

9>‘ 

41. 


IOV2'' 

91/2'“ 

2V2" 


50—60° NW. 
75° NNW. 

74" N. g. W. 


72“ N. 

84” N. 

45“ NNO. 
25—30“ NO. 
70" NW. 
70“ SO. 
85“ NNW. 

60“ NW. 
steil 

steil 
55“ NO. 
30" 0. 


c) Im Kahlgrund. 

Blankenbach 

Unter -Sommerkahl am Weg nach Eichenberg . 

Zwischen Unter- Soramerkahl und Ernstkirchen. 

» Unter- und Ober- Sommerkahl . . . 

Grube Wilhelmine bei Ober- Sommerkahl . . . 

Schöllkrippen, Weg nach dem Röderhof . . . 

)> , » » » » , Aveiter 

nach Osten horizontal, bis 

Schöllkrippen, am Nordende des Dorfes . . . 

» , am Fusspfad nach Westen . . . 

» , » » » » an der 

oberen Grenze 

Grosslaudenbach, im Steinbruch am Südwest- 
Ende des Dorfes 

Zwischen Grosslaudenbaeh und Grosskahl . . . 

Westlich von Grosslaudenbach an der oberen 
Grenze 


6>> 

4-5" 

3—4" 

7" 

1 — 2 " 

lV‘2-2" 

1 — 2 " 

H-12V2" 

1 " 

1—3-4" 

2- 3" 

3- 6" 

1 " 


steil N. 
steil S. u. N. 
steil SO. 

60“ S. 

60“ WNW. 
15-20“ WNW. 

15-20“ OSO. 
60" 0. 
steil 0. 

10-20“ NW. 

20-30“ NW. 
20“ NNW. 

10—20“ NNW. 


[I. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


95 



Streichen 

Fallen 

GliniiHerreiclier scliieferigev Giieiss. 



Kleinostlieim, am Wege nacli Hörstein, am Treppen- 
graben 

12 — 1 '“ 

35" W. 

Kleinosthoiin, östlich vom Bahnhof 

4-6'* 

75“ SSO. 

Kleinostheim, in den Weinbergen nördlicli vom 
Bahnhof 

2 " 

35“ NW. 

Oberafferbach, an der unteren Genze .... 

4 — 5'' 

NNW. 

Johannesberg 

F‘ 

20-30“ 0. 

» 

2 V' 2 '‘ 

NW. 

Zwischen Riickersbacli und Hohl 

2 '/.j'' 

40“ NW. 

Feldkahl, Weg nach Erlenbach 

7'“ 

S. 

Königshofen 

1 )'' 

S. 

Klein-Blankenbach 

3-4'' 

s. 

Oestlich von Klein-Laudenbach 

3'* 

30-G0“ S. 

Am Kalmus bei Schöll krippen 

2-3" 

15—40" NW. 

Quarziteinlagerung zwischen Klotzenmühle und 
Laudenbach, am Gansberg 

1 " 

40“ WNW. 

Waag bei Schöllkrippen 

4" 

40“ NW. 

Zwischen Schöllkrippen und Klotzenmühle, gegen- 
über Schneppenbach . • 

horizontal 


Zwischen Schöllkrippen und Klotzenmühle, weiter 
südlich, am Keilrain 

4" 

10-20“ NW. 

Zwischen Schöllkrippen und Klotzenmülile, weiter 
nördlich am Nöll 

5" 

10-20" SSO. 

Unterschneppenbach, am Hohen Berg .... 

3-4" 

10 und mehr NW. 

Gegenüber der Klotzcnmühle 

3" 

20 — 30“ NW. 

Zwischen Klotzenmühle und Unter-Western . . 

4" 

20" NNW. 

Lnter-Western, südliches Ende des Dorfes 

3" 

30-60" NW. 

» , im Dorfe 

3" 

30-50“ NW. 

» , östlich 

2 " 

20-40" NW. 

Zwischen Unter -Western und Obersclmeppenbach 

2 '/•_>" 

35" NW. 

Ober-Krombach 

3—5" 

25-40" NNW. 

Zwischen Schimborn und Feldkahl 

3" 

NW. 

» Mensengesäss u. Schimborn, am Schloss- 
graben 

3V2" 

65" NW. 

Zwischen Mömbris und Obersteinbach, Steinbruch 
gegenüber der Frohnhofer Mühle .... 

4 I. 1 

1 

60" NW. 


9ß 


H. Bücking, Das Grunclgebirgo des Spessarts. 



Streichen 

Fallen 

Zwischen Mömbris und Obersteinbacb, Steinbruch 
gegenüber Strötzbach 

3-4'‘ 

CO” NW. 

Zwischen Mömbris und Obersteinbach , zwdschen 
beiden Steinbrüchen 

3— 4 I' 

40- 50“ NW. 

Quarzitschieferzug Weste i’n-Dürren - 
Steinbach. 



Heiligkreuz-Ziegelhütte zwischen Gross-Kahl und 
Huckelheim 

4 h 

GO“ NW. 

Zwischen Unter- und Ober-Western, Steinbruch 
an der Strasse 

2—3'' 

30-45“ NW. 

Buchwäldchen zwischen Schneppenbach und Hof- 
stätten 

21 / 3 — 3i> 

45-50“ NW. 

Dürrensteinbach 

3'» 

50“ NW. 

Glimmerreicber schieferiger Gneiss im 
Hangenden des Quarzitschieferzuges 
Western-Dürrensteinbach. 



Ober- Western, südlicher Theil des Dorfes . . 

5'^ 

30“ NNW. 

» , nördlicher » » » . . 

211 

30-40“ NW. 

Nördlich vom Polsterhof bei Western .... 

Sti 

N. 

Eichenberg westlich von Ober-Western, Höhe . 

l'> 

N. 

Hofstätten 

3'' 

40“ NW. 

Zwischen Hofstätten und Dürrensteinbach im 
Strüttgrund 

3-4'> 

50“ NW. 

Quarzitglimmerscliiefev. 



Hornblendeschiefer am Kirbig bei Huckelheim . 

4-4 

40-70“ NW. 

Quarzit an der Hombachmündung bei Huckelheim 

4'/2'' 

30-35“ NNW. 

Am Südende von Huckelheim am Fusspfad nach 
Western 

4‘/2'> 

20-30“ NNW. 

ln Huckelheim am Kapellchen 

3 - 4 I' 

45 —50“ NW. 

» » oben an der Gelnhäuser Strasse 

3" 

40“ NW. 

Am Dörsenbach westlich von Huckelheim . . 

31' 

NW. 

Quarzitlinse am Müllerstein, westlich von Fluckel- 
heim 

5-(ii> 

N. 

Quarzit an der Haardt bei Huckelheim, Geln- 
häuser Strasse 

3 -^ 4 '' 

70“ NW. 

Quarzitschiefer im Steinbruch, nordwestlich von 
Hofstätten 

3 I' 

40“ NW. 

Quarzitschiefer bei Omersbach 

3" 

30“ NW. 


H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts. 


97 



Streichen 

Fallen 

Hornblendescliiefer bei Omersbach 

31' 

45" NW. 

Südöstlich von der oberen Teufelsmühle, süd- 
westlich von Omersbach 

3" 

80“ NW. 

Niedersteinbach im Kahlthal 

3" 

75“ NW. 

Hüttengesüsshof • 

12 '' 

70—80“ W. 

Steiuberg bei Michelbach an der Strasse mach 
Hüttengesässhof 

31 

40-G0“ NW. 

Grosshemsbach am Hahnenkamm 

31' 

40 -.50“ NW. 

Waldsaum an den Weinbergen südöstlich von 
Hörstein 

2 ‘‘ 

80-90“ NW. 

Eichelgarten zwischen Al! stadt und Omersliach 

2 — 4'“ 

50-G0“ NW. 

Helgefeld westlich von Albstadt, südlich von Neuses 

4 h 

20“ NW. 

Steinbruch am Kreuzberg bei Geiselbach an der 
Gelnhäuser Strasse 

0 — 10 1 / 2 '’ 

40—80" NO. 

Geiselbach, im Lochgraben 

3— 4'> 

NW. 

» , am hinteren Gleisberg 

5'' 

80“ NNW. 

» , am Rochusberg 

41 . 

40“ NW. 

Horbach, Südost-Ende des Dorfes 

21 / 2 '“ 

NW. 

» , Nordost-Ende » » 

3— 4i> 

20“ NW. 

Grossenhausen, südöstlich oberhalb des Dorfes . 

2 — G'> 

30-40“ NW. 

» , Steinbruch am Pfefferberg an der 

Strasse Gelnhausen-Huckelheim 

4— 5i> 

50— GO" NNW. 

Grossenhausen, am Träuktrog, Graben neben dem 
Feld 

4 h 

50-80" NW. 

Südöstlich vom Eicher Hof, Steinbruch . . . 

41 / 2 '' 

30-45“ NNAV. 

Jüngster Gneiss. 



Grossenhausen, südöstlich oberhalb des Dorfes . 

4 I 1 

25-30“ NW. 

» , auf der Ruhe 

3i> 

50 -GO“ NW. 

» , an der Hirten wiese 

3'' ! 

NW. 

» , am Birkenstück , nahe an der 

Strasse nach dem Eicher Hof 

81' 

25“ NO. 

Grossenhausen an der Sauerwiese 

4h 

80“ SO. 

Zwischen Grossenhausen und Lützelhausen im 
Lochgraben 

711 

30" N. 

Zwischen Grossenhausen und Lützelhausen , 500 
Schritt weiter nördlich 

4V2’> 

50“ NNW. 

Zwischen Grossenhausen und Lützelhausen , am 
Gründchen 

1 

N. 


Jahrbuch 1889. 


7 


98 


H. Bückiing, Das Grundgebirge des Spessarts. 



Streichen 

Fallen 

Lützelhausen, im Einschnitt der Strasse nach 

( 1» 

20° W. 

Grossenhansen 

( 11" 

W. 

Lützelhausen, Zeilberg 

1 9h 

80° S. 

Bernbach, am rothen Graben 

21' 

41° NW. 

An der Birkenhainer Strasse, nördlich von Horbach 

51' 

30° N. 

Horbach, nördlich vor dem Dorf 

5— 7 h 

12° N. 

» » in » » 

1 1 / 2 — 2 h 

40° WNW. 

Zwischen Horbach und Altenmittlau .... 

2V2h 

60° NW. 

Weinberg bei Neuses 

5-7V2h 

30—40° N. 

Albstadt, am Abtsberg 

4h 

30° NW. 

Zwischen Michelbach und Albstadt 

3-4h 

30° NW. 

Nahe bei Michelbach, nördlich von dem Dorf . 

4h 

40° NW. 

Zwischen Michelbach und Hof Trages am Gold- 
berg, Südostseite 

3— 4h 

steil 

Zwischen Michelbach und Hof Trages am Gold- 
berg, Südseite im Thal 

fh u. 6h 

60° 0. u. S. 

Zwischen Michelbach und Hof Trages am Gold- 
berg, Westseite im Thal 

3 h 

40° SO. 

Steinbruch, östlich vom Hof Trages 

3h 

30° NW. 

» , nördlich » » » im Galgen- 

i 7 bis 

45° N. 

grund bei Somborn, gestaucht ..... 

( 2'/2h 

78° NW. 


Strass bürg i. E., im December 1889. 


Lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten 
des Rheines zwiscbeii Bingen und Lalinstein und 
Weiteres über Tlialbildiing am Rhein, an der Saar 

lind Mosel. 

Von Herrn H. Grebe in Trier. 

(Hierzu Tafel XV— XVII.) 


Der Bericlit über Thalbildnng auf der linken Rheinseite in 
diesem Jalirbncbe für 1885 bat auch in weiteren Kreisen einiges 
Interesse gefunden nnd habe ich iin letzten Jahre nicht blos 
zwischen Bingen nnd Coblenz noch eingehende Studien über 
Thalbildnng nnternonnnen, sondern anch hei geologischen Revi- 
sionsarheiten an der Saar nnd Mosel auf frühere Iflnsslänfe mein 
Angenmerk gerichtet. Die Resnltate dieser Beohaclitnngen sollen 
mm im Nachstehenden mitgetheilt werden. 


Tertiär zwischen Bingen nnd Lalinstein. 

Bei der früheren flüchtig-en Beg-elmno- eines Theiles der Hoch- 
terrassen zn beiden Seiten des Rheines zwischen Bingen nnd 
Coblenz wurden über den höchsten Dilnvialterrassen hier nnd da 
Ablagerungen getroffen, die älter als diluvial zn sein schienen 
nnd wurde ich in der Vermnthnng, sie seien Tertiär, dadurch 
bestärkt, dass mir von einer Excnrsion im Jahre 1858 erinnerlich 
war, dass 4 bis 5 Kilometer östlich von St. Goarshansen in der 


100 H. Grebe, Uebor Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines 


Nähe von Reitzenhain bei etwa 300 Meter über dem Rheine 
mächtige Lager von weissem und granem Thon anftreten. Es 
wurde nun diesen Vorkommen bei der Beffehnncc des letzten 
Jahres eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, nm festznstellen, 
ob auf der ganzen Strecke zwischen Bingen nnd Coblenz solche 
nachweisl^ar seien. 

Als ich bei der Studie über die Bilduna; des unteren Nahe- 
thales nnd des Rheines in der Biogener Gegend, die fast 200 Meter 
über demselben gelegene Fläche von Weiler nnd Waldalgesheim 
betrat, fand sich, dass hier vielhxch Tertiär verbreitet ist. Die 
DEOHEN’sche Section Sinnnern giebt zwischen Weiler nnd Wald- 
algesheim eine kleine Partie Dihivinm an, ebenso auch mehrere 
Punkte weiter westlich von dem Soonwald nnd zwischen dem 
Qnarzitriicken desselben. Bei näherer Besichtio-nno' hat sich er- 
geben, dass wohl alle dem Tertiär angehören dürften. Dasselbe 
dehnt sich auf dem Platean von Waldalgesheim weit ans, nörd- 
lich über das Forsthans Alorgenbach bis zn den Vorstufen des 
breiten Quarzitrückens des Bingener Waldes, südlich bis znm 
Büdesheimer Walde, nnd umgiebt den schmalen nnd kurzen 
Qnarzitriicken des Galgenbergs bei Genheim, setzt auf dem Platean 
von Walderixach, Warmsroth nach Daxweiler fort bis znm hohen 
Qnarzitriicken des Kandrich nnd auch westlich von Stromberg 
auf dem gleich hohen Platean auf der rechten Seite des Giildcn- 
bachs bis jenseits Dörmbach zwischen den Qnarzitriicken vom 
Weissenfels nnd der Oppeler Höhe; es scheint sich noch weiter 
westlich zwischen den Soonwaldsqnarzit- Rücken anf grössere Fr- 
sti-ecknng zn verbreiten. Diese Vorkommen von Tertiär sind an 
mehreren Stellen gut aufgeschlossen, namentlich durch Gruben- 
baue nnd in nenerer Zeit beim Niederbringen von Schächten nnd 
Bohrlöchern in der Nähe von Waldalgesheim, woselbst tertiärer 
Braunstein gewonnen wird, ln dem Schachte nordöstlich vom 
Orte traf man zunächst Lehm mit Qnarzitschottei' 3 bis 4 Meter 
mächtig, dann folgte Sand mit Kies 4 bis 5 Meter, darunter 
D /2 Meter Letten mit mulmigem Braunstein. Das Liegende 
besteht ans verwittertem devonischen Schiefer. Im Bohrloche 
zwischen Waldalgesheim nnd Genheim wurde angeblich von Tag 


zwischen Bingen und Laimstein etc. 


101 


her Kies und Saud, daun sandige, lettige Massen olme Braunstein 
in der Mächtio-keit von 20 Meter bis zum Thouschiefer durch- 

O 

snukeii. Südlich vom Galgenberg bei Geuheim ist eine grössere 
Sand- und Kiesgrube; das 3 Meter mächtige Lager trägt eine 
2 Meter starke Decke von Lehm; in der Sohle kommen grobe 
Conglomerate vor. Hier, wie auch in der Kiesgrube von Rümmels- 
heim, 2 Kilometer in östlicher Richtung, tinden sich viele Tertiär- 
versteinernngen, ebensoiu dem mächtigen Conglomerate D /2 Kilo- 
meter südöstlich von Waldalgesheim, in dem vom Andreasbanm 
und an der Morgenbach, welche dem unteren Meeressande ange- 
hören, am häufigsten : 

Natica crassatina Lamk. sp. 

Pectunculus obovatus Lamk. 

Cyiherea splendida Mek. 

Pecten fictus Goldf. 

» Höninghausi Defr. 

Weiter westlich triflt man grosse Aufschlüsse im Tertiär durch die 
Tageljaue auf Brauusteiu xuid Brauneisenstein bei Seibersbach und 
Daxweiler. Alit dem Eisenerz daselbst erscheint ein grobes 
Quarzconglomerat. In gleicher Höhenlage etwa wie die Tertiär- 
schichten bei Waldalgesheim und westlich von da kommen auch 
solche rechtsrheinisch anf dem Plateau bei Aulhausen vor, die 
ebenfalls auf der Südseite des hohen Quarzitrückens liegen, der 
vom Bingener Wald nach dem Hauptquarzitrücken des Taunus 
fortsetzt. Auf der Nordseite dieses über 600 Meter über d. M. 
ansteigenden Rückens sind mir ausser den hochgelegenen Quarz- 
geröllen von Kleinhahnenhof, rechts des Rheines und nordöstlich 
von Bacharach, und denen weiter nördlich bei Sauerbei’gerhof 
bei Dörscheid und Bornich, welche vielleicht tertiär sind, keine 
Tertiärvorkommeu bekannt geworden, bis zu den 12 — 15 Kilo- 
meter von da entfernten Thonablagerungen der Gegend von 
Reitzenhain , die aber eine grössere Ausdehnung zu haben 
scheinen (nordöstlich vom Ober - Walmenach bei Miehlen bis 
6 Meter mächtig). Gleichzeitig damit sind weisse, ganz ab- 
gerundete Quarzgerölle, weisser Sand und sehr feste Quarzcon- 


J02 H- Gkkbe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines 


glonierate verbreitet. Ilierhiii gehören auch ähnliche Vorkommen 
bei Casdorf, Nochern, Prath und Lykershausen. Auch die Ab- 
lagerungen von Quarzgerölleu, Sand und Thon auf den etwa 
250 Meter hohen Plateaus ülier dem Rheine auf der linken Seite 
desselben, zwischen Urbar und Niederburg, auf den gleich hoch 
gelegenen Flächen von Ilolzfeld und Rheinbay, auf dem Müller- 
berg, südlich von Boppard, auf der Höhe westlich von Brey, 
daun bei Waldesch sehe ich für Tertiär an. Auf die mächtigen 
Ablagerungen von Thon, Sand und Kies der Hochfläche, wesilich 
von Boppard, zwischen Buchholz und Oppenhausen habe ich schon 
früher hiugewieseu. Es scheint, dass vor der Bildung des Rhein- 
thales eine weit ausgedehnte Decke von Tertiär vorhanden war; 
eine solche dürfte auch längs der Mosel weit aufwärts sich erstreckt 
haben; kommen doch auf Hochflächen in der Trier’schen Gegend noch 
stellenweise ähnliche Bildungen in grösserer oder geringerer Aus- 
dehnung vor. Wie au der Mosel sich thalabwärts nach dem 
Neuwieder Becken hin die tertiären Ablagerungen auf den Pla- 
teaus mehr und mehr ausdehneu, ist dies in ähnlicher Weise am 
Rheine abwärts vom Hauptquarzitrücken des links- und rechts- 
rheinischen Taunus der Fall. Wiederholten Begehungen der 
Plateaus zu beiden Seiten des Rheines muss es Vorbehalten 
bleiben, ob sich auf denselben weitere Tertiärvorkoinmeu werden 
uachweiseu lassen und ob solche auch innerhalb der Parallel- 
rücken, welche den Hauptrücken bilden, vorhanden sind, Avie 
zwischen den parallel verlaufenden Höhen im Bingerwalde und im 
Soonwald. Wenn dies der Fall ist, daun könnte mau auch an- 
nehmeu, dass all’ die tertiären Reste auf den Höhen zwischen 
Bingen und Cobleuz vor der Thalbilduug des Rheins im Zu- 
sammenhang waren und dass zur Tertiärzeit beide Seen, der des 
Neuwieder mit dem des Mainzer Beckens in Verbindung standen. 
Dass zu jener Zeit eine solche zwischen dem Limburger und dem 
Mainzer Becken bestanden hat, ist durch C. Kocii nachgewiesen 
worden ^). 


') Beitrag zur Kenntniss der Ufer des Tertiärmeores im Mainzer Becken. 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


103 


Diluviale Terrassen des Rheines zwischen Bingen 
und Coblenz. 

Von besonderem Interesse ist es, den ältesten Rheinlaiif 
zwischen Bingen und Coblenz zu verfolgen, lieber die ehemalige 
Itheingabelung bei Rüdesheim und die frühere Mündung der 
ISIahe in den südlichen Rheinarm habe ich in dem oben erwähnten 
Aufsatze ausführlich berichtet ^). 

Rheiuabwärts von Bingen lassen sich eine grosse Anzahl 
Terrassen in gleichen Niveaus liegend, und oft drei und vier über 
einander von 20 Meter bis zu 250 Meter über dem Thale erkennen. 
Meist zeigen die tieferen (jüngeren) Terrassen nur geringe, die 
höheren eine grössere Ausdehnung; die höchsten lehnen sich mit 
ihren Sand- und Kiesdecken an mehreren Stellen au tertiäre 
Schichten an. 

Wenn man den Rhein zwischen Coblenz und Bingen begeht 
und betrachtet diese oft kaum 300 Meter breite Schlucht mit den 
steilen, zuweilen senkrechten Thalwänden, die 200 — 250 Meter 
über den Spiegel des Flusses hinaufrageu, so ahnt man nicht, dass 
von den oberen Rändern der steilen Felsen sich tafelförmige Ebenen 
oft weit ausdehnen; dieselben sind etwa 1 — 2 Kilometer westlich 
und östlich vom Rheine von Höheuzügeu, nahe parallel mit ihm 
verlaufend, begrenzt, die die ältesten Ufer gebildet haben zur Zeit, 
als seine Gewässer in einem 200 — 250 Aleter höheren Niveau wie 
heute verliefen. Zwischen diesen Ilöhenzügen liegt das ehemalige 
Rheiuthal, welches eine Breite von etwa 3 Kilometer einnahm, im 
Vergleich dazu erscheint dem Beobachter das heutige Rheinthal 
nur als eine grosse Felseuschlucht. Diese Betrachtung kann man 
nur von einem Höhepunkt aus machen. Man besteige einmal 
etwa von Wellmich die 250 Meter über dem Thale befindliche 
Höhe am alten Schacht über dem Sachsenhauser Zechenhaus, von 

*) Lepsius hat in einer Anmerkung seiner Geologie von Deutschland (S. 219) 
Zweifel ausgesprochen über die Richtigkeit meiner Beobachtung in Bezug auf die 
Bildung des unteren Nahethaies, denselben aber wieder aufgegeben nach einer 
persönlichen Besprechung. 


104 H. Gkebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Kheines 

da hat mau eineu weiten Blick iu südlicher Richtung nach 
St. Goar hin; zunächst dehnen sich vom Standpunkt weite tafel- 
förmige Tei’rassen aus, die zu beiden Seiten des Rheines über 
St. Goar fortsetzen und nur durch das von hier ganz eng scheinende 
mit steilen Felswänden begrenzte Rheinthal unterbrochen sind, das 
e:leichsam eine tiefe Furche in den hohen und breiten Terrassen 
bildet; westlich nud östlich von ihnen gewahrt man recht deutlich 
die höher ansteigenden ehemalio;en Rheinufer. Noch auffallender 
und interessanter ist die Ansicht über das jetzige enge und das 
alte weite Rheiuthal, wenn mau seinen Standpunkt in der gleichen 
Höhe von 250 Meter über dem Thale an der Kapelle Langgäh, 
3 Kilometer südwestlich von Rhens, am Wege nach dem Nounen- 
heckhof, wählt und seinen Blick in südlicher Richtung über Bop- 
pard hinaus richtet. Dieser allmählich ansteigende Weg führt 
über mehrere Terrassen; die höchste liegt 60 Meter, die folgende, 
mit vielem Kies und vulkanischem Sand bedeckte, 140 Meter über 
Rhens; daun folgt die höchste und 2 Kilometer breite Tafel, mit 
weissen ganz abgerundeten Quarzgeröllen bedeckt, die vielleicht 
schon dem Tertiär angehöreu. — Das westliche alte Rheinufer 
tritt, von der Kapelle aus gesehen, besonders deutlich hervor, es 
ist in dem Höheuzug gekennzeichnet, der sich nach dem Huns- 
rück hin über den breiten hohen Flächen erhebt und von der 
Höhe des Calmuth (westlich von Boppard) über den Müllerberg 
(südlich von Boppard) nach der Fleckertshölf, nach Rheinbach 
und Holzfeld weiter erstreckt. — In bequemer Weise gelaugt 
man auch von den tieferen bis zu den höchsten Rheinterrassen 
auf dem Wege von Filsen (unterhalb Boppard) nach Dalheim. 
Die erste erhebt sich ebenfalls 60 Meter über dem Thale, die 
zweite 140 Meter, ansteigend bis zu 160 Meter am Camper- 
hausenhof. Die Quarzgerölle auf der 250 — 300 Meter hohen 
Fläche von Plaseukopf über Dreispitz bis Steiningerhof, westlich 
von Dalheim und Lyckershausen hin, sehe ich für tertiär an. 
Auf dieser Höhe bemerkt man auch vulkanischen Sand, wie auf 
vielen Hochflächen und Tei’rasseu zwischen Bingen und Coblenz, 
oft auch Bimsstein, zumal von den Höhen westlich von Boppard, 
selbst westlich der Fleckertshöhe, bei mehr als 500 Meter Meereshöhe. 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


105 


Südwestlich von Bacharach aufsteigend nach Winzberg, lassen 
sich vier Terrassen erkennen, bei 60, 80, 100 und 120 Meter über 
dem Rhein — 140 Meter über demselben erstreckt sich östlich 
von der Lurley eine grössere tafelförmige Terrasse, die nur spär- 
lich mit Kies bedeckt ist, weiter östlich von der Lurley und 
20— 30 Meter höher ist eine zweite, nur von geringer Ausdehnung. 
Eine etwa 230 Meter über dem Rhein gelegene, mit Fhissgeschieben 
bedeckte, weite Fläche verbreitet sich von Patersberg (bei St. Goars- 
hausen) gegen SO. lieber derselben, in einem 20 Meter liöheren 
Niveau beginnen auf Hauseck, am Wege nach Rettershain, die 
tertiären Thone. 

Das Material der diluvialen Ablagerungen besteht vorherrschend 
aus Kies, Saud und Lehm. Bei Ijierscheid (3 Kilometer nordöst- 
lich von St. Goarshausen) ist bei 160 Meter über dem Rhein eine 
grosse Kies- und Sandgrube; in dem Saud sind nicht selten, neben 
Geschieben von Quarz, Buntsandstein, auch solche von Quarz- 
porphyr und verwittertem Melaphyr, Porphyrit und man erkennt 
sofort, dass diese Eruptivgesteine von der Nahe stammen. 

Bei dem Laufe des Rheins zwischen Bingen und Cobleuz 
verdient wohl noch die Thalbildunfi bei Braubach einer Erwähnung. 
Au der Martinskirche zeigt sich in dem schmalen Rücken, der 
von der Marxburg in SO. nach der Höhe »Neuweg« verläuft, 
eine tiefe Eiuseukung, die sofort beim Vorübergeheu auffällt und 
die 30— 35 Meter über dem Rhein liegt. Nordwestlich davon be- 
findet sich in etwa 10 Meter höherem Niveau eine kleine mit Kies 
bedeckte Terrasse und eine solche auch in gleichem Niveau auf 
der NO. -Seite der Marxburg. Hier ist noch eine 10 Meter höhere 
kleine Terrasse, der in der Höhenlage eine andere auf der rechten 
Seite des Grossen Bachs entspricht. Dieselben dürften einem 
früheren Rheiulaufe zuzuschreibeu sein und mag sich der Rhein 
ehemals gleich oberhalb Braubach gegabelt und der östliche Aian 
die Marxburg umspült haben ; damals ist der Grosse Bach an der 
Martinsmühle und Zollbach in der Nähe der Hammermühle in 
denselben verlaufen. Nachdem er zurückgetreteu und die Erosion 
des Rheins weiter vorgeschritten, haben auch beide Bäche ihr 
Bett vertieft. Beide zeigen enge Schluchten, die aber bei 30 Meter 


106 H. Ghebp:, TJeber Tertiär -Vorkümmen zu beiden Seiten des Rheines 

über der Thalsohle besonders beim Grossen Bach in der Nähe der 
Martinsiniihle sich merklich erweitern. Auf dem beigegebenen 
Uebersichtskärtchen ist der ehemalige Rheinarm durch eine ge- 


Fig. 1. 



strichelte Linie anwedeutet und die Dilnvialterrassen durch Kreuz- 

O 

Schraftür. 

Die liheingabelnng bei Braubach ist das dritte Beispiel einer 
ehemaligen Flnsstheilnng vom Rheingan ab, die bei Rüdesheini 
und bei Salzig sind früher näher beschrieben worden. 


Thalbildiiiig- der Saar. 

Eine ehemalige Bifurcation, die verdient, eingehend erörtert 
zu werden, wurde au der oberen Saar beobachtet. In meinem 
ersten Aufsätze über Thalbilduug und in den Erläuterungen zu 
Blatt Saarburg ist angeführt, dass ihr unterer Lauf in der jüngeren 


zwischen Bingen und Lalinstcin etc. 


107 


Diluvialzeit zwischen Saarburg und Conz ein ganz anderer war 
wie heute. Bei Excursionen au der oberen Saar, in der Saar- 
brücker Gegend, konnte die Wahrnehmung gemacht werden, dass 
auch in der älteren Diluvialzeit grosse Abweichungen vom heutigen 
Saarlauf bestanden, auf die man aber erst aid'merksam wird nach 
längeren Studien über Thalbilduug, nach wiederholter Begehung 
einer Gegend und im Besitze guter Karten, wie die neuesten 
Generalstabsaid'nahmen. Oberhalb Saarbrücken in der Gegend 
von St. Arnual fand zur Zeit, als die Saar iu einem ca. 40 Meter 
höheren Niveau verlief, eine Theilung derselben statt. Wenn 
mau seine Schritte von Saarbrücken nach den Spicherer Höhen 
lenkt und auf die Höhe des alten Plxercierplatzes gelangt, so fällt 
eine grosse Thalmulde auf, die zwischen dieser Höhe und den 
Spicherer Bergen liegt , sie ist über 1 Kilometer breit , dehnt 
sich östlich nach St. Arnual, westlich nach Forbach hin aus. Beim 
Ueberblicken derselben lässt sich vermutheu, dass in dieser 
Niederung ehemals ein grösserer Wasserlauf bestanden habe. 
Begeht mau dieselbe, so finden sich auch diluviale Ablagerungen 
und man wird in seiner Vermuthung bestärkt. Die WEiss’schen 
Blätter Saarbrücken und Dudweiler geben zwischen dem Galgen- 
berg (südlich vom alten Exercierplatz) und den Spicherer Höhen, 
dann iu der Nähe von Ehrenthal und westlich von St. Arnual 
Diluvium an. Dass die Diluvial -Tei’rassen westlich von diesem 
Dorfe einem früheren Saarlaufe angehören, ist ofiPenbar und man 
könnte glauben, dass der Fluss ehemals zwischen dem St. Arnualer 
Stiftswald und dem Wiuterberg nur einen nach W. gerichteten 
Bogen gemacht habe. Verfolgt mau indess die von St. Arnual 
gen W . fortsetzeude Eiusenkuug nach der Goldneu Brenim hin, 
so findet sich diluvialer Kies zwar in geringerer Verbreitung als 
auf den vorerwähnten Terrassen von Arnual, al)er überall auf den 
Feldern sind vereinzelte Geschiebe und Sand, der aber auch als 
Verwitterungsproduct des Buntsaudsteius von den Höhen zu beiden 
Seiten der Gebirgssenke herabgeführt sein könnte. Die diluvialen 
Geschiebe nehmen indess weiter westlich aid’ den Terrassen der 
Folster Höhe und im Stieringer Waldstück au Menge zu über 
die lothringsche Grenze hinaus. Auch die Niederung setzt iu 


108 H. Grebe, Ueber Tertiär -Vorkommen za beiden Seiten des Rheines 


der Richtung nach Forbach und weiter fort auf der südlichen 
Seite von dem steil abfallenden ITöhenzuge' begrenzt, der sich vom 
Arnualer Stiftswalde über die Spicberer Höben, den Forbacber- 
nnd Kreuzberg, Kleinwald, Fabrberg, Ilerapel nach dem Mors- 
bacber Walde erstreckt. 

Wie die Terrainbildung und die Verbreitung diluvialer Ab- 
lagerungen westlich von Arnual über Forbach hinaus auf einen 
früheren Fluss binweist, so kann auch bei genauer Betrachtung 
der Berge und Thäler östlich von Arnual, sowie aus der Ver- 
breitung diluvialer Vorkommen auf einen alten Wasserlauf ge- 
schlossen werden, der den kegelförmig gestalteten Plalberg um- 
spülte. Schon die Breite des Thaies zwischen der Haibergerhütte 
und der Scbaafbrücke, in dem gegenwärtig der kleine Scheidter- 
bacb verläuft, zumal aber die auffallende Weite des Thaies zwischen 
dem Haiberg und dem Kaninebenberg, das kein Bach durchzieht, 
lassen vermuthen, dass ehemals zwischen diesen Bergen ehedem 
ein grösserer Wasserlauf sich durchzog. Die mit diluvialem 
Kies bedeckten kleinen Terrassen zu beiden Seiten des Sebeidter- 
baches entsprechen in ihren Höhenlagen den Terrassen westlich 
von Arnual. Und es ist mehr wie wahrscheinlich, dass in der 
älteren Dilnvialzeit zwischen Arnual und Güdingen eine Gabelung 
der Saar statt hatte; der eine und wohl breiteste Arm ging von 
Arnual in westlicher Richtung über Forbach — der andere über 
Brebach, zwischen dem Haiberg und der Höhe östlich vom Hal- 
berger Weiher in der Richtung nach der Scbaafbrücke, wo er 
den Scheidterbach nnd den Grunffach aufnahm, er machte hier 
einen scharfen Bogen und setzte seinen Lauf zwischen dem Hai- 
berg und Kaninchenberg in westlicher Richtung weiter fort. In 
jener Zeit war der Haiberg mit dem Winterberg im Zusammen- 
hang. Die Barriere, welche beide Höhen verband, verschmälerte 
sich mehr und mehr und wurde schliesslich durchbrochen. Die 
Wenwaschuns: dieser Barriere zu erklären, könnte in der Weise 
geschehen, dass man annähme, die ehemalige Theilung des Flusses 
habe südlich vom Haiberg stattgefunden. Von hier aus machte 
der westliche Arm auf der Südseite der Barriere allmählich einen 
grösseren nördlichen Bogen, wodurch eine stetige weitere Ab- 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


109 


spülimg derselben erfolgte. Eia gleiches Erodiren wird auf der 
Nordseite der Barriere bei dem zweiten Saararm stattgefnuden 
haben, indem dei’selbe nach Umspülung des Haibergs in einem 
südlichen, sich mehr und mehr erweiternden Bogen an der Barriere 
biufloss, die schliesslich sich so verschmälerte, dass wiederholte 
Ilochfluthen der Saar, welche sich von S. her nach N. fortwälzteu, 
dieselbe durchbrachen. Von diesem Zeitpunkte an und bei dem 
weiteren ICinschneiden der Saar sind die Gewässer derselben dem 
geraden Weg nach NW., der in der Barriere gebahnt war, be- 
sonders bei höheren Wasserständeu, gefolgt. Die Gewässer ans 
dem westlichen und nordöstlichen Arm traten allmählich zurück, 
der Durchbruch der Barriere erweiterte sich mehr und mehr und 
es entstand mit der Zeit das jetzt über 1 Kilometer (zwischen dem 
Ilalherg und Wiuterherg) breite Thal. 

Nachdem der Durchbruch der Saar durcli die Barriere unter- 
hall) Arnual erfolgt war und der westliche Arm znrücktrat, fand 
zwischen dem Wiuterherg und Halherg ein tieferes Eiuschneiden 
des von da ab alleinigen Saarlanfes statt und bildeten fiir lange 
Zeit die etwa 210 Meter über dem Meere oder 14—20 Meter 
über der Saar gelegene und mit Kies bedeckte Terrasse von Bre- 
l)ach, die östlich und nördlich von St. Johann das Saarhett. Die 
breite gleich hohe Fläche des Saarbrücker Bahnhofs ist wohl 
grössteutheils bei Erweiterung desselben auf künstlichem Wege 
entstanden, aber eine kleine Terrasse war schon vor dem Babn- 
ban vorhanden; sie findet westlich ihre Fortsetzung in der mit 
einem mächtigen Kieslager bedeckten Terrasse von Malstadt, in 
der am Bahnhof Bürbach und längs der Bahn bis Louiseuthal. 

Der Anlass zur Flnsstheilung oberhalb Saarbrückens möchte 
wohl darin zu suchen sein, dass die frühere Saar in der Nähe 
von Güdingen , wo sie in Schichten des Bnntsandsteius eintrat, 
ein durch grosse Gebirgsrisse sehr gestörtes Terrain erreichte; 
der östliche Arm verlief nach dem durch zwei Klüfte um 
70 — 80 Meter eingesunkenen Gebirgstheil bei der Schaafbrücke, 
von da in NW. auf 1 V -2 Kilometer in der Vorgefundenen graben- 
förmigen Vertiefung, der westliche wandte sich in dem um 50 l)is 
GO Meter eingesunkenen Terrain westlich von St. Arnual nach der 


]]0 H. Grebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Eheines 


goldenen Breinin, über Forbach hinaus immer in eingesunkenen 
Schichten, wie die Uebersichtskarte von Gr. Meyer zeigt ^). Dass 
Gebirgsstöruugen nicht selten, wenn auch nur streckenweise, den 
Lauf der Flüsse bestimmen, wurde schon früher bei der Mosel 
und in neuester Zeit au der Sauer beobachtet. 

Beigefügte Karte (Tafel XVII im Maassstabe 1 : 30000) bietet 
eine nähere Orientirung über diese ehemalige Saargabelung ober- 
halb Saarbrücken, auf der auch die gedachte Barriere und der 
Lauf der beiden Saararme angedeutet ist ^). 

Es ist gewiss von Interesse, nun auch den weiteren Vei’lauf 
beider Arme der Saar zur Zeit ihrer Gabelung oberhalb Saar- 
brücken zu verfolgen; ihre Wiedervereinigung, nehme ich an, hat 
ca. 40 Kilometer thalabwärts gleich unterhalb Saarlouis stattge- 
funden und folgere dies aus folgenden Beobachtungen. Beim Be- 
gehen der Gegend zwischen Saarlouis und Saarbrücken, zumal 
von Ilöheupunkten auf der rechten Seite der Saar, fällt in west- 
licher Richtung sofort ein steil gegen O. nach dem Saarthale 
hin abfallender Höhenzug ins Auge, der mit dem Limberg bei 
Wallerfangen beginnt und sich von da auf ‘2 — 3 Kilometer zxi- 
nächst nach W. erstreckt, dann aber nach S. umlnegt und 
etwa parallel mit der Saar über Felsberg und Berus nach Bisten 
verläuft. 

Derselbe macht so recht den Eindruck als den ehemaligen 
Rand eines grösseren Flusses und bildet den Abfall der Hoch- 
fläche, der Saargau genannt, zwischen Geislingen und Felsberg 
nach Osten hin. Zwischen demselben und dem heutigen Saarthal 
dehnt sich eine ca. 230 Meter über dem Meere oder 40 Meter über 


b lieber die Lagerungsverhältnisse der Trias am Südrande des Saarbrücker 
Steinkoblengebirges. 

b In ähnlicher Weise, nur in kleineren Verhältnissen hat eine allmähliche 
Wegwaschung einer früheren Barriere beim Sauerlaufe, da wo jetzt Echternach 
liegt, stattgefunden, wie in dem Aufsatz über Thalbildung im Jahrbuch pro 1885, 
S. 145 gezeigt worden ist. — Der hakenförmige Bogen , den die Sauer zwisclien 
Ealingen und Wintersdorf macht, kann nur den mächtigen Klüften zugesehrieben 
werden , die zwischen beiden Dörfern durchsetzen. Die Höhe »Held oder Lay« 
östlich von Ealingen, liegt zwischen zwei grossen Verwerfungen und ist ein um 
etwa 5ü Meter gesunkener Gebirgstheil. Zur Zeit, als die Sauer in einem 30 Meter 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


111 


der Saar gelegene Fläche aus, die schon von Weitem als eine 
Hochterrasse erscheint. Man findet auf ihr an manchen Stellen, 
besonders westlich von Lisdorf viele Plussgeschiebe und liegt die- 

höheren Niveau iloss, muss auch hier eine Gabelung derselben statt gefunden 
haben. Darauf deutet die Gebirgssenke südlich vom Bahnhof Rosport, in der 
Flussgeschiebe liegen , hin. Es ragte damals die Held als Insel zwischen beiden 

Fig. 2. 



Armen hervor. lieber die Schwelle südlich von Rosport ging der südliche Lauf 
des Flusses, der bogenförmige über Ralingen ; in den gesunkenen Gebirgsschichten 
vertiefte er sich in denselben leichter, so dass er sich zum alleinigen und zum 
Hauptlauf mit der Zeit entwickelte. 



112 H. Gkebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines 

selbe in gleichem Niveau, wie die diluvialen Vorkommen westlich von 
St. Arnual nach Forbach hin. Das Dorf Bisten liegt am südöst- 
lichen Fusse des vorerwähnten Höhenzuges, an denselben lehnt 
sich südlich und östlich von Bisten eine anso-edehnte Niedernug 
in Form eines Beckens, das den Eindruck eines ehemaligen kleinen 
Sees macht, lieber seine Entstehung soll weiter unten Näheres 
angeführt werden. Von Bisten aus verläuft mit gleich steilem 
Abfall der Hölienzno; auf 4 Kilometer in westlicher Richtung: über 
Merten hin, biegt dann nochmals nach S. um und ist an den 
Höhen, westlich der Bist, die mit dem Grossen Zoll bei Falk be- 
ginnen lind im Hufwald westlich von Kreuzwald über Varsberg und 
westlich von Porcelette fortsetzen, wieder zu erkennen. In der 
Nähe von Porcelette macht der Ilöhenzug im St. Avolder Walde 
einen südwestlichen Bogen und verläuft über Ob. Homburg, 
Beniug:en- Merlenbach und Morsbach. Die Wendung: des alten 
Saararmes vom St. Avolder Walde ans in nördlicher Richtnug 
dürfte Gebirgssenki;ngen zuzuschreibeu sein, die in der Wasser- 
scheide zwischen den Nied- und Saarzuflüssen Vorkommen. 

Der ehemalige westliche Saararm durchzog die Niederung, 
die sich östlich und nördlich der eben genannten Berge und Orte 
ansdehnt. In derselben kommen an vielen Stellen mit Flnssge- 
schieben bedeckte Terrassen vor, die in gleichem Niveau wie die 
zwischen den Spicherer Höhen und dem Winterberg, sowie die 
westlich von Arnual liegen. Mau trifit aber auch an manchen 
Punkten Kiesterrassen, besonders in der Nähe von Porcelette, in 
höherem Niveau an, also ältere Bette des alten westlichen Saar- 
laufes. Früher wird die Bist zwischen Varsberg und Kreuzwald, 
der Grosse Bach bei Merten in denselben gefallen sein. Von 
Krenzwald ans geht die Bist in nördlicher und gleicher Richtung 
wie der ehemalige Saararm. Bei Bisten wird schon damals in 
dem weichen und leicht zerstörbaren Vogeseusandstein eine grosse 
Thalweite bestanden haben, die sich etwa bis Friedrichweiler ans- 
dehute. Erst nachdem der westliche Saararm zurückgetreten war, 
haben sich die von Merten und Kreuzwald kommenden Gewässer 
in der Thalweite von Bisten angesammelt und einen kleinen See 
gebildet, ans dem sich später ein Abfluss, der untere Bistlauf, 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


113 


über Difierteii nach der heutigen Saar entwickelte, und es wurde 
bei dem weiteren Einscbueiden desselben der See nach und nach 
entwässert. Noch bis in die neuere Zeit muss in der Thalweite 
von Bisten eine grössere Wasseransammlung, nach den ausge- 
dehnten Torfvorkommen zu scbliessen, bestanden haben. Ist die- 
selbe doch jetzt noch sehr wasserreich und sumpfig. 

Der zweite Saararm (vergl. Taf. XVII) floss nach Umspülung 
des Ilalberges in nordwestlicher Bichtung weiter, etwa in gleicher 
Ivichtung wie die heutige Saar. Es lässt sich aimehmeu, dass 
nordwestlich der Schaafbrücke eine nochmalige Gabelung dieses 
Armes statt hatte, und dass der Kaninchenberg zwischen dieser 
Gabelung hervorragte. Einmal deutet die Alnnndung dieses Berges 
auf seiner nördlichen Seite darauf hin, dann auch die Ablagerung 
diluvialer Geschiebe auf der hier befindlichen, kleinen Fläche, 
gleichfalls in 230 Meter Meereshöhe, wie die Terrassen westlich 
von Arnual und die östlich vom Ilalberg. Auch die 230 Aleter 
hohe mit Kies bedeckte, kleine Terrasse unterhall) Eschberg, über 
welche die Strasse nach Saarbrücken führt, dürfte diesem Laufe 
angehören. Die Terrasse in gleicher Höhenlage 1 — U /2 Kilometer 
östlich und nordöstlich von St. Johann, des Vorlandes des 
St. Johauner Stadtwaldes, ist das Bett des nördlichen bezw. nord- 
westlichen Saararmes gewesen, ebenso die gleich hoch gelegene 
Fläche nördlich von Saarbrücken nach dem Neuen Ilotheuhof hin, 
sowie die nördlich von Malstadt und von Burbach. Weiter ab- 
wärts waren die gleich hohen Flächen zu beiden Seiten der Saar, 
westlich von Burbach, südwestlich von Louisenthal, dann bei 
Fenne, Völklingen, Buss bis Saarlouis hin das ehemalige Bett 
dieses Saararmes. Derselbe hat sicherlich seinen Lauf auch in 
horizontaler Richtung vielfach geändert, so dass er zwischen Bur- 
bach und Saarlouis theils nördlich, theils südlich der jetzigen Saar 
ging. Die Breite des Saarthaies hier dürfte zur altdiluvialen Zeit 
etwa auf 4 — 5 Kilometer zu schätzen sein. Von grosser Aus- 
dehnung ist die 230 Meter über dem Meere gelegene, mit Kies 
und Lehm bedeckte Terrasse von Scbaffhausen. Auf der Süd- 
seite derselben steigt das Terrain merklich an und erreicht am 
Hohen Berg 284 Vleter Meeresla'ihe. Das rasche Ansteigen des 


Jahrbuch 1S89. 


s 


114 H. Grebe, Ucber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines 

Terrains fällt gleich beim Begehen der Fläche auf und dürfte hier 
der südliche Uferrand des alten Saarlanfes zn suchen sein, der 
am Weiher Berg und Rothen Berg in nordwestlicher Richtung 
und jenseits der Bist am Buch-Holz bei Wadgassen fortsetzt. 

Die beiden Saararme umgaben eine grosse Insel, eine Gebirgs- 
partie, die sich von Arnual bis Wallerfaugen auf eine Länge, 
wie olien angeführt, von ca. 40 Kilometern und in der grössten 
Breite auf 15 Kilometer vom St. Avolder Wald bis Wadgasseu 
ausdehnte. Die höchsten Punkte derselben sind der Hofberg bei 
Friedrichweiler (235 Meter), die Halbe Welt bei Ludweiler 
(260 Meter), der Hohe Berg bei Schaffhausen (284 Meter). Sie wurde 
von der jüngeren Diluvial- bis zur Alluvialzeit vielfach durch quer- 
vcrlaufende Gewässer, wie die Rossel, der Lauterbach, der Wer- 
belenerbach, die Bist und eine Reihe kleinerer Bäche durch- 
schnitten. 

Eine zweite Flusstheilnng hei der Saar wird wohl auch ehe- 
dem, vergl. Taf. XVI, etwa 5 Kilometer unterhalb Wallerfangeu be- 
standen haben, innthmaasslich in derselben Zeitperiode, als die 
grosso Gabelung zwischen Arnual und Wallerfangen bestand. 
Wenn mau auf dem Woge von Dillingen nach Beckingen seinen 
Blick westwärts wendet, so gewahrt mau eine fast 1 Kilometer 
breite Einbuchtung zwischen der Siersburg und dem Galgenberg. 
Die 230 Meter über dem Meere gelegene Fläche zwischen beiden 
Bergen ist mit Flussgeschieben bedeckt. In gleicher Höhe ruht 
2 — 3 Kilometer weiter westlich im Eichertswald bei Büren 
wieder eine Kiesdecke und dann nach Gross-Hemmersdorf hin 
eine dritte. Auch die kleine Kiesterrasse westlich von Siers- 
dorf und die auf der linken und rechten Seite der Nied unter- 
halb Eimersdorf liegen in demselben Niveau. Es könnten die di- 
luvialen Absätze auf diesen Terrassen auch von der Nied her- 
rühren, dann müsste man annehmen, dass diese sich ehemals unter- 
halb Gross-Hemmersdorf gegabelt habe und der eine Arm fiber 
Büren und von da zwischen der Siersburg und dem Galgenberg, 
der andere in der Richtung der heutigen Nied von Siersdorf über 
Eimersdorf nach der Saar verlaufen sei. Viel wahrscheinlicher 
und natürlicher dürfte es sein, schon wegen der Breite der er- 


zwischen BinMn und Lahnstein etc. 


115 


wälmten Gebirgsseiike, die auf einen grösseren Fluss scbliessen 
lässt, dass die Saar in der Nähe von Pachten sich nochmals 
gabelte, der östliche Arm in der Richtung des jetzigen Saai’thals 
und der andere (westliche) zwischen dem Galgeuberg und der 
Siersburg ging, in der eingesunkenen Gebirgspartie von Siers- 
dorf einen Bogen nach Norden machte, und dass sieh beide Arme 
unterhall) Rehlingen bei Beckingen wieder vereinigten. Damals wird 
die Nied nahe unterhalb Gross-IIenimersdorf in den westliche)! 
Saararm gemündet sein, wohl da, wo sie in fast rechtem Winkel 
von S. nach O. umbiegt; später hat sie, nachdem der westliche 
Arm der Saar zurücktiat, d;is von demselben vorgebildete Thal 
zu weiterem Laufe benutzt und ihren Weg über Eimersdor-f foi’t- 
gesetzt. 

Ein sehr alter Saarlauf lässt sich in der Gegend von Mei’zig 
ei'kennen. Blickt inaii von einem höhei’en Standpunkt in der 
Nähe dieser Stadt gen W., so nimmt man wahi-, dass die 5 — 10 Kilo- 
meter entfernten höchsten Berge in einem nach W. gerichteten, 
halbkreisf()rmigeu Bogen von der Saar aus verlaufen. Am Fusse 
dieses Höhenzuges, der einen auffallend steilen Abfall gegen das 
nach N. und NO. etwa 100 Meter ülier der Saar liegende Vor- 
land zeigt, während das westliche Plateau nahe 200 Meter über 
derselben sich belindet, sind die Orte Büdingen, Welliugen, 
Wehingen und Tünsdorf gelegen. Macht schon der steile Ab- 
hang des südlich und westlich von diesen Dörfern verlaufenden 
Ilöhenzuges den Eindruck eines sehr alten Flussufen-andes, so 
lieo-en überdies auf den terrassenformiscen Flächen nördlich und 
östlich derselben an vielen Stellen, wenn auch späidich, Fluss- 
geschiebe; sie sind sicherlich ehemals in grösserer Menge hier 
vorhanden gewesen, später fortgespült, und durch die vom Höhen- 
zuge der Saar zufallenden, vielen Bäche weggeführt worden. Daher 
ist auzimehmen, dass die Saar, zur Zeit als sie noch in einem 
etwa 100 Meter höheren Niveau veidief, ihren Weg von Merzig 
zunächst westlich längs des erwähnten PIöhenzTiges nahm und in 
der Gegend von Wellingen nach NW. umbog bis Tünsdorf, wo 
sie den Quarzitrücken Schwarzbruch, den südwestlichen Ausläufer 
des linksi'heinischen Taunus -Quai'zit, erreichte. Von hier aus 


116 H. Grebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines 

verlief die alte Saar in östlicher llichtuug über die Fläche von 
Nohn. Damals wird auch die 100 Meter über dem Thale ffe- 
legene Fläche zwischen Ponten und Mettlach, auf welcher eben- 
falls Flnssgeschiebe Vorkommen, das Saarbett und nachweisbar 
das älteste gewesen sein. In gleicher Höhe liegen auch die Kies- 
vorkommen auf den Flächen oberhalb Saarhölzl^ach zu beiden 
Seiten der Saar. 

Grosse Aenderungen im Fhisslanfe, von der älteren Diluvial- 
bis zur Alluvial- Zeit, lassen sich auch au der unteren Saar, 
zwischen Saarburg und der Mosel, nachweisen. Die breiten Thal- 
böden, welche ringförmig in westlichen und östlichen Bogen von 
der Saar sich hier abziehen, sind fridier in den Erläuterungen zu 
Blatt Saarl)urg (1880) und in dem Jahrbuche für 1885 näher be- 
schrieben worden, lieber den fast kreisförmigen grossen Thal- 
bogen, südöstlich von Conz folgt imteu M^eiteres. 

Neuerdings wurde noch beobachtet, dass in der älteren Di- 
luvialzeit ein Arm der Saar von Ayll aus in der Richtung über 
Tawern und von da in dui'ch Gebirgsstörungen eingesunkenem 
Terrain seinen Lauf gehabt haben dürfte, und dass der untere 
Albach, der gleich oberhalb Wasserliesch in die Mosel fällt, in 
einem von diesem Saararm vorgebihleteu Thale von Tawern aus 
verläuft. Das zwischen diesem Orte und der Alosel ganz enge 
Albachthal zeigt bei 50 — 60 Meter über dem Bachbett eine grosse 
Breite von ca. 1 Kilometer, und man findet unterhalb Tawern auf 
der an der Westseite des Rosenberg sowie gegenüber bei Fellerich 
an den Ilöhenzug mit steilem östlichen Abfixlleu sich anlehuendeu 
Fläche viele Flussgeschiebe, die sich auf gleich hohen Terrassen 
weiter nach der Mosel ebenfalls zeigem Diese obere bedeutende 
Thalweite kann nur von einem grösseren Flusse herrühren und 
nicht von den beiden kleinen Wasserlänfen des Greulbachs und 
des Mannebachs (Thalbachs) die nach der Vereinigung bei Tawern 
den Albach bilden. Beide haben nur einen kurzen Lauf von 
3 und 5 Kilometer in engen Thalschluchten und in nordöstlicher 
Richtung bis Taweiai, von da wendet sich der Albach in NW., 
in gleicher Richtung wie der mnthmaassliche frühere Saararm von 
Ayll her. 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


117 


Der Verlauf desselben ist schon in der Terrainbilduug zu er- 
kennen, einmal an der Einbuchtung im Hardtwald am besten von 
der N. -Seite her, etwa von der Höhe Lück bei Tawern. Diese 
Einbuchtung liegt 225 Meter über d. M., die Saar bei Hamm 
130 Meter, es hat also, seitdem der westliche Saararm zurück- 
betreten, ein weiteres Einschneiden des Flusses um 95 Meter statt- 
gefunden. 

Die Gegend der unteren Saar bedarf in Bezug auf Thal- 
bildnng die eingehendsten und langjährigen Studien; dabei kommen 
dem Beobachter die Neuaufnahmen des Generalstaljes, welche die 
Terrainverhältuisse ungemein genauer zur Darstellung bringen 
als die früheren, zu Statten. Ausser dem a. a. O. bereits und dem 
vorher beschriebenen alten Lauf der unteren Saar muss auch 
ehemals ein solcher in der 60 Meter über dem Thale gelegenen 
und mit Flussgeschiebeu bedeckten Gebirgssenke, südlich von 
Conz, durch die der Weg von da nach Wiltingen führt, bestanden 
haben; eine 40 Meter hoch liegende muldenförmige Einbuchtung, 
südlich von Hamm, deutet ebenfalls auf einen ehemaligen Fluss- 
lauf hin. Ferner ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass die Strecke 
der unteren Saar zwischen Wiltingen und Conz zur Zeit der 
Entstehung des Thaies der Mosel von dieser vorgebildet worden 
ist, dass ein Ann der Saar bei Wiltingen in die Mosel mündete 
und ein zweiter bei Oberemmel, nach der ca. 100 Meter über dem 
Thal beLgenen Einbuchtunb auf der SO. -Seite des Scharzl)erbs 
zu schliesseu. Auf dem hier heigefügten Plaue (Taf XVJ) bemerkt 
man, dass der breite Thalbodeu östlich von Wiltingen bei NW.- 
Richtung in einen spitzen Winkel von ca. 60*^ nach dem Saar- 
thal hin sich ötinet. Derselbe wird wohl uiclit von einem Saar- 
laufe, wie früher angenommen wurde, heiTiUireu. Es wäre immer- 
hin denkbar, dass der Fluss auch südlich und östlich von Wil- 
tingen seinen Lauf gehabt und die 20 und 40 Aleter hohen 
Diluvialterrasseu sein ehemaliges Bett luldeteu, und dass das Eiu- 
schueiden des Oberemmeler Baches, der bei Wiltingen mündet, 
die weitere Vertiefung 'des alten Thalbodeus bewirkt habe. Viel 
wahrscheinlicher will es mir nach neueren Beobachtungen Vor- 
kommen, dass ein von NW. gekommener grosser Wasserlauf hier 


118 H. Grede, TJeber Tertiär-Voi'koimuen zu beiden Seiten des Rheines 

eroclirt hat. Dafür sprecbeu die auf Hochterrassen südlich vou 
Coiniuliugen liegenden Flussgeschiebe, die bis 170 Meter über das 
Thal hiuaufreicheu , in welcher Höhe beim Saarlaufe solche nicht 
wahrnehmbar sind, wohl aber vielfach zu beiden Seiten der Mosel 
und dann die auffallend grosse Thalweite des Thalbodens von 
Wiltingen über Oberemmel, Crettnach nach Couz. Es dürfte die 
Entstehung desselben der Mosel zuzuschreiben sein. Dieselbe ver- 
läuft, soweit sie Grenzfluss zwischen preussischem und luxem- 
burgischem Gebiete bildet, von SW. nach NO. im Streichen von 
grossen Klüften; oberhalb 'Wasserbillig auf eine Länge von 8 Kilo- 
meter in einer grabenförmigen Einsenkung, durch welche hier ihr 
Weg vorgezeichnet war. ln dem sehr gestörten Terrain zwischen 
AVasserbillio’ und Conz verlässt sie ihre bisherige Richtung: von 
der Sauermündung ab und wendet sich anfangs im O., dann im SO. 

An der Grenze von Buntsandstein und Devon in der Nähe 
vou Couz wird ehemals eine Gabelung des Flusses statt gehabt 
haben, der nördliche Arm verlief nördlich von Conz, worauf die 
hohen Diluvial-Terrassen in der Gegend hindenten, der andere in 
SO., zunächst an der Grenze vou Buntsaudstein und Devon bis 
Coeueu und machte in letzterem den grossen fast kreisförmigen 
Bogen über Kanzem, AViltingen, Oberemmel, Crettnach nach Conz. 
Damals wird bei Couz das nach NAV. etwas vorspringeude Devon 
in dieser Richtung noch weiter fortgesetzt und hier eine Barriere 
bestanden haben, ähnlich wie sie bei der Saar oberhalb Saai'- 
brücken und der Sauer bei Echternach gedacht wurde, die beide 
Aloselarme für einen grossen Zeitraum trennte, bis sie schliesslich 
bei stets fortschreitender Erosion durchbrochen worden ist. Auf 
dieselbe weisen die verhältnismässig geringe Thalweite bei Conz 
und auf den früheren südlichen Moselarm die Thalweite bei Coeneu 
hin. Erst nach erfolgtem Diu'chbruch der Barriere bei Couz ent- 
wickelte sich der heutige Mosellauf, der südliche Arm über Coeueu, 
AViltingen etc. trat zurück und es hat nun die Saar den von dem- 

o 

selben gebahnten Weg zu ihrem weiteren Lauf benutzt. Dies 
fand in jener Zeit statt, als das Moselbett in einem etwa 90 bis 
100 Meter höheren Niveau lag. Die höchste Stelle des breiten 
Thalbodeus bei Crettnach ist 225 Meter über dem Meere, die 


zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


1 H) 

Mosel ao der Saarmiiiuluiig 127 Meter. Damals wird auch der 
oben erwähnte frühere Saarann von Ayll über Tawern nach 
Wasserliesch znrückgetreteii sein; die Geltirgssenke iin Hardt- 
wald liegt etwa in gleicher Höhe wie der Thalhoden bei Crettnach. 

Thalbilduiig der Mosel. 

Der weitere Verlauf des nördlichen Moselarnies lässt sich 
nördlich von lliewer (hei Trier) verfolgen. Hier ist liei ca. 
130 IVIeter über der Mosel zwischen dem Steigerberg und der 
Höhe SW. von Ehraug eine Gebirgseinsenknng mit Fhissgeschic- 
hen bedeckt, die man von einem höheren Standpunkt, etwa vom 
Grüueberg bei Trier, oder auch von der Höhe, östlich von Ruwer 
deutlich wahrnimmt. Dieselbe setzt durch den Schueesberg, nord- 
westlich von Ehrang, wosellist eine starke Kiesdecke ist und nörd- 
lich der Höhe, durch die der Qninter Tunnel geht, gegen O. 
weiter fort. Besonders der linke Uferrand des nördlichen Mosel- 
armes zeigt nach SO. ein steiles Abfallen vom Steigerberg an in 
nordöstlicher Richtung durch den Ehrauger Wald. — Weiter in 
NO. dürfte derselbe sich am Burgberg zwischen Salmrohr und 
Dreis wiederum gegabelt haben, so dass ein Arm den Burgberg 
auf der Westseite umspülte und daun seine Richtung über Dreis 
nach Wittlich nahm, was sich sowohl aus der Terrainbilduug wie 
aus diluvialen Ablagerungen ergielit; nämlich zwischen BurgTerg 
und Asberg östlich von Dreis und dem Bergrücken, auf dem Ober- 
Bergweiler liegt, ist eine muldenförmige Einsenkung, die sich auf 
8 Kilometer von Dreis nach dem Lieserthal bei Wittlich ausdehnt 
und die an vielen Stellen mit Flnssgeschiebeu bedeckt ist. Auch 
die Geschiebeablagerimgen in der Gebirgssenke zwischen dem 

o o o 

Burgberg und Asberg lassen hier einen früheren grösseren Wasser- 
lauf vermuthen. 

Alan übersieht diese Einbuchtungen in den Höhenzug, der vom 
Kauueckerberg, westlich von Dreis, nach dem Asiierg, nordöstlich 
von Salmrohr verläuft, am deutlichsten von einem erhöhten Stand- 
punkt südlich von Salmrohr, und bietet ein Blick vom Thomas- 
lierg bei Clausen nach Dreis hin umstehendes Bild. (Eig. 3.) 


120 H. Gkebe, Ueber Tertiär -Vorkonmien zu beiden Seiten des Rheines 





zwischen Bingen und Lahnstein etc. 


121 


Ueber einen Theil des früheren nördlichen Mosellaiifes und 
zwar der Stelle, an der er nach dem südlichen Arm der hentisxen 
Mosel, nmbog, die sich auch durch eine tiefe Gebirgssenke von 
Weitem bemerklich macht, hat man eine gute Ansicht von einem 
höheren Punkt südlich der Mosel. Nebenstehende Skizze (Fig. 4), 
von dem 300 Meter über der Mosel gelegenen Kasholz östlich von 
Nenmagen ans anfgenommeu, lässt nicht mir die tiefe Einlnichtnng 
zwischen Platten und Osann deutlich erkennen, sondern auch 
hohe Flnssterrassen, westlich und östlich von Osann. Die spitzen 
Kuppen im Hintergründe sind die alten Vulkane von Vlauderscheid 
und Daun. 

Aber auch nördlich von Platten, schon vom Bahnhof Wenge- 
rohr ans, sieht man diese Gebirgssenke und in südöstlicher Rich- 
tung eine zweite kleinere, hinter welcher Ilöhenzüge des rechten 
Aloselufers, der Zeltinger Gegend hervortreten. Weiter östlich 
macht sich eine dritte recht auffallende Lücke in dem Gebircs- 
rücken bemerkbar. Durch dieselbe führt die Strasse von Uerzig 
nach Bausendorf an der Alf. Eine vierte muldenförmige Ver- 
tiefung in demselben Kücken, zwischen dem Mosel- und unteren 
Alfthal, die jedoch vom Bahnhof Wengerohr nicht sichtbar, ist am 
Keiler Hals bei Station Pünderich. (Fig. 5.) 

Letztere drei Senken liegen fast in gleichem Niveau von 
ca. 200 Aleter Meereshöhe und sind gewiss gleichfalls früheren 
Moselläufen zuzuschreiben, die den nördlichen mit dem südlichen 
Moselarm verbanden, zur Zeit, als der Wasserstand in einem un- 
gefähr 100 Meter höheren Niveau lag, wie heute. 

Diese Beobachtungen führen zu der Annahme, dass in der 
älteren Diluvialzeit der nördliche Arm nicht blos bis in’s Wittlicher- 
Thal, zur Dieser, sondern auch in’s untere Alfthal fortsetzte, in 
der grossen Thalmulde zwischen dem Kondelwald- Quarzitrücken 
und den Devonbergen der linken Vloselseite, an die sich im Alf- 
und Lieser-Thal Oberrothliegendes anlehnt. Dieselbe dehnt sich 
vom unteren Alfthal in SW. bis Schweich hin auf eine Länge 
von nahezu 40 Kilometern aus und war für die Anlage der Mosel- 

O 

bahn günstig. 

L4as untere Thal der Alf wurde von dem nördlichen Mosel- 


]22 H. Grebe, Ueber Tertiär-Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines 


arm vorgebiklet, sie mag ehemals beim heutigen Dorfe Olkenbach, 
an der Grenze von Devon und Oberrothliegendem in denselben 
gemündet sein. Von Schalkenmehren her, wo sie durch die Ver- 
einigung mehrerer Bäche entsteht, bis Olkenbach ist der Lauf der 
Alf von NW. nach SO., dann macht sie über Bausendorf bis 
Kinderbeuren einen südlichen Bogen und tliesst in NO. in breitem 
Thalboden weiter. 

Was den früheren Moselarm auf der Ostseite vom Schweicher 
Morgenstern (Alehriuger Berg) anlangt, so will ich noch bemerken, 
dass bei den Revisionsarbeiten auf Blatt Schweich und Neumagen 
Wahrnehmungen gemacht wurden, die vermuthen lassen, dass 
sich der südliche alte Vloselarm südöstlich vom genannten Berg 
mehrmals getheilt hat. Darauf deuten wiederum Gebirirssenken 
und diluviale Ablagerungen hin. Zwei Arme wandten sich nach 
dem nördlichen Alosellauf, der über Schweich, Hetzerath und 
Sahnrohr ging. Es befindet sich nämlich auf der südöstlichen 
Seite des Mehrlnger Bergs eine fast ‘200 Meter über der Mosel 
gelegene 1 Kilometer breite mit einzelnen Geschieben und Lehm 
bedeckte Fläche, die eine Gel)irgssenke darstellt zwischen diesem 
Berge und der Kuppe nordwestlich von Mehring. Diese Fläche 
setzt anf der östlichen Seite des Alehringer Bergs nach Becond 
fort und ist hier mit vielen Flussgeschieben bedeckt, welche auf 
einen früheren Mosellauf hinweisen. Dicht bei Becond macht sich 
besonders an der Terraiubildnng derselbe kenntlich. Ein zweiter 
Moselarm in der Richtung von S. nach N. dürfte vom heutigen 
Vlehrin" aus über die breite hohe Terrasse zwischen diesem Dorfe 
und Ensch verlaufen sein und daun weiter in der Richtung des 
unteren Salmbachs, worauf die gleich hohen Diluvialterrassen zu 
beiden Seiten der Salm deuten. 

Der weitere Verlauf der beiden Hauptarme der Mosel ist 
früher näher erörtert worden. 

Penck hat eine Uel)ersichtskarte in vergrössertem Vlaass- 
stabe von diesen beiden Vloselarmen gezeichnet. Nach seiner An- 
gabe verliefe der nördliche Arm über Clausen nach Osann; dies 

o 


0 Länderkunde Europas von Kirchiioff, I. Abtheilung, S. 319. 


zwischen ßingcii und Lalinstein etc. 


123 


ist falsch aiifgefasst, er geht ül)er Scliweich, Hetzerath, Salinrohr 
iri’s Wittlicher Thal. Auch der Verlauf des zweiten Aloselannes 
hei Duseiuoiid — Burgen — Mülheim ist nicht richtig angegeben, von 
diesem hat Lepsius eine bessere Zeichnung entworfen. 

In dem Aufsatze des Jahrlmches für 1885 erwähnte ich 
(S. 138), dass zur Zeit, als die Bifiircation der Alosel bei Schweich 
bestand, die hohe Kuppe des Schweicher Alorgeustern (Mehringer 
Berg) als Insel zwischen beiden Aloselarmeii hervortrat. Dazu be- 
merkt Lepsius^): »Jedoch kann diese Ku])pe nicht als Insel zwischen 
zwei o'leichzeitio: vorhandenen Moselarmen hervorijetreten sein, 
denn ein Fluss kann zur selben Zeit wohl flache Inseln und Felsen, 
aber niemals ganze Berge mit seinen Armen umfassen.« Wenn 
er aber langjährige Studien über Thalbildungsverhältnisse an der 
Saar und Alosel gemacht, würde er Beispiele gefunden haben, dass 
ein Fluss nicht nur ganze Berge, sondern auch ganze Gebirgs- 
strecken mit seinen Armen einschliessen kann; ich weise nur 
auf die oben näher beschriebene eliemalige Theilung der Saar 
oberhalb Saarbrücken hin, und auf die Alittheilung, wie Ijeide Arme 
den ganzen circa 40 Kilometer langen Gebirgstheil zwischen 
St. Arnual und ^Vado-assen umo-aben. — L^le führt in seinem 

O O 

Werke '^) (im 3. Kapitel »die Flüsse«) ein Beispiel vom Khein 
an, der sich ehemals bei Sarjxans secrabelt hat, um in seinem 
Laufe eine grosse Berg- und Felseninsel zu umfassen, die vom 
Wallensee, dem Züricher- und Bodensee und dem heutigen Zu- 
sammenfluss von Aar und Rhein umgrenzt wird. 

') Geologie von Deutschland, 1. Band (S. 233, Plan 61). 

") 1. c. S. 218, Anmei'knng 2. 

Unio, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Obertläclio. I. Theil. 


Beiträge zur ßeurtheiliiiig der Frage iiaeli einer 
einstigen Vergletsclierniig des Brocken -Gebietes. 

Von den Herren K. A. Lossetl und F. WahnschafTe in Berlin. 


Die bereits mehrfach erörterte Frage, oh der Harz während 
der Eiszeit Gletscher besessen habe, namentlich aber der Umstand, 
dass gewisse Ablagerungen im Odertluil von E. Kayser seiner 
Zeit mit grosser Bestimmtheit als diluviale Moränen angesprochen, 
gleichwohl nicht von dem sonstigen Thalschutt kartographisch ah- 
gegrenzt worden sind, veranlasste die Obengenannten zu mehreren 
gemeinsamen Ausflüoeii in der weiteren Umo-ebun" des Brockens. 
Durch diese sollte ein Urtheil gewonnen werden, oh in der That 
jene im Oderthaie als Moränen gedeuteten oder ähnliche in 
anderen Harzthälern vorkommende Ablagerungen eine derartige 
Ausbildung zeigen, dass daraus mit Nothweudigkeit eine ehemalige 
Vergletscherung des Harzes abgeleitet werden müsse. Die Ver- 
fasser haben sich in den Bericht über die Ergebnisse dieser 
Untersuchungen derart getheilt, dass der erste von Waunsciiaffe 
verfasste Abschnitt die gemeinsamen Beobachtungen im Brocken- 
gel)iete enthalten soll, während Lossen im zweiten Abschnitt über 
einige von ihm allein im Bodethal und anderen Thälern des 
Harzes aimestellte Forschuno;en berichten wird. 

O O 


K. A. Lossen u. F. Wahnschapfe, Beiträge zur Beurtheilung etc. 125 


1. Beobachtungen ini Rrockengebiete. 

(F. Wahnschaffe.) 

Die Fräse nach der ehemalisen Versletscherinis des Harzes 
wixrde zuerst von Zimmekmann aufgeworfen, welcher Spuren der- 
selben in der Umgebung des Brockens nacbweisen zu können 
glaubte. Von ihm ist bereits die Ansicht ausgesprochen, dass in 
der Diluvialzeit ein Gletscher westwärts über das Brockenfeld bis 
weit hinter Oderbrück sich verbreitet habe. Die Moränen des- 
selben slanbte er in der Anhäufuns ß-ewaltiger Granitblöcke zu 
erkennen, welche auf dem Brockenfelde und am Wege vom Oder- 
teich nach dem Rehherger Graben zu im Walde übereinander 
aufgethürmt sind. Ebenso wurde von ihm bereits darauf hin- 
gewieseu, dass wahrscheinlich ein Gletscher von der im Westen 
durch den Steilabsturz des Renneckeuberges l)egrenzten Hölle 
dui-eh das Thal der Steinernen Renne hinabgestiegen sei, sodass 
die weiter unterhalb im wenio- geueig-ten Thale auftretenden Bloc-k- 
wälle als Moränen zu deuten seien. 

Nachdem Schreiber^) über das Vorkommen alter Harz- 
geschiebe bei Wernigerode, in’sbesondere im Flussbette der Holt- 
emme und Steinernen Renne eine Mittheiluug gegeben hatte, 
worin er hervorhob, dass die bis zu 5 Meter Höhe über dem 
heutigen Flussbette sich erhebenden Blockanhäufungen, sowie 
namentlich die gewaltigen Dimensionen einzelner Blöcke auf sehr 
bedeutende Wassermasseu schliessen Hessen, fühlte sich Zimmer- 
MANN nochmals veranlasst, die Moränennatur dieser Block- 
auhäufungeu wahrscheinlich zu machen. 

Ein erneutes Interesse gewann diese Angelegenheit, als man 
ausgehend von Torell’s Inlandeistheorie, die Frage anfwarf, ob 
nicht der Harz, abgesehen von der nachweislichen Wanderung 
nordischer Blöcke über seine Südostecke, Spuren einer selbst- 


b K. H. Zimmermann, TJeber Gletscherspuren irn Harze. (Neues Jahrbuch 
für Mineralogie u. s. w. 1808, S. 155 — 159.) 

b ScHREip.EK, Giebei.’s Zeitschi’. f. d. ges. Naturwissenschaft 1872. 
b Neues Jahrbuch für Min. u. s. w. 1873, S. 297—299. 


126 


K. A. Lossen u. F. Wahnschaffe, Boilrägo zur Bciirllieiluag 


ständigen Vergletscliernng in seinem höchsten Erhebnngsgebiete 
erkennen lasse. 

Auf einer in Folge dessen von ihm und Lossen verab- 
redeten Erockenbegehung, au der sich auf Einladung auch die 
Iler reu W. Dames und F. Noetling betheiligten, glaubte Torell 
im Holtemmethal zwei mit Granitblockwork bedeckte Gletscher- 
böden oberhalb und unterhalb des Wasserfalls der Steinernen 
Ivenne, sowie im llsethal oberhalb und unterhalb der llsefälle als 
Moräuensclmtt zu erkennen, während ihm die amphitheatralischen 
Reliefformeu am Renneckenberge, sowie im Schneeloche hoch oben 
am Ilsenburger Brockenstieg als die Firnmulden des Holtemnie- 
und llsegletschers erschienen. 

Für Lossen und für die grosse Mehrzahl der deutschen 
Geologen waren jedoch diese Beobachtungen noch keineswegs aus- 
reichend, um daraus mit völliger Sicherheit auf das ehemalige 
Vorhandensein von Harzgletschern zur Diluvialzeit schliessen zu 
können. Die Frage erhielt erst eine andere Bedeutung, als 
F. Kayser 2) gewichtigere Beweise für die Vergletscherung des 
II arzes beibringen zu können glaubte und seine Ansichten mit 
o-rosser Ueberzeng'ung vortrug. Es handelte sich dabei um Block- 

O o O o 

anhäufungen im Oderthal zwischen dem Andreaslxnger Rinder- 
stalle und dem Oderteich, die von Zimmermann in diesem Gebiete 
seiner Zeit noch nicht beobachtet worden waren. 

x\ls beweisend für die Moränennatur dieser Ablagerungen 
werden von Kayser hauptsächlich folgende Beobachtungen hervor- 
gehoben. 

Während die Oder zwischen der Forstcolonie Oderhaus und 
der Stadt Lauterberg einen vollkommen ebenen Thalboden besitzt 
und weiter thalaufwärts unterhalb des Andreasbero-er Rinderstalles 

O 

nur hier und da kleinere Blockanhänfungen über dem Thalboden 
hervortreten, so beginnen weiter oberhalb des Andreaslierger 
Rindei’stalles zahlreiche Steinwälle, die dem Thal parallel verlaufen 

') Vergl. den Bericht Lo.ssen's in der Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1881, 
S. 708 und 709. 

-) E. Kayser, Ueber Glctschererscheinungcn im Harz. Verh. d. Ges. für 
Erdkunde zu Berlin 1881. 


der Frage eacli einer einsligen Vergletscliernng des Brocken-Gebietes. 1 27 


und fast die ganze Breite desselben einneliinen. Diese zuerst 
^delfacll niiterbroclienen, später luelir znsanunenliäugend und liölier 
auftretenden Wälle erreichen olterlialb der Einmündung des Die- 
triclisthales die grösste Erhebung von 15 — 20 Meter über dem 
Oderspiegel. Die Wälle l)ilden hier 10 — 40 Meter breite Kücken, 
die hier und da zusammeulaufen oder sich theilen und die, ob- 
wohl sie im Einzelnen mancherlei Unree'elmässi'jkeiten zeicren. 
dennoch im Grossen und Ganzen einen gewissen Parallelismus 
erkennen lassen. Zwischen den M^ällen liegen flache rinnen- oder 
muldenförmige abflusslose Einseukungeu von 10 oder mehr Meter 
Tiefe. 

Die künstlichen Entblössungen an der Chaussee zeigen, dass 
diese Wälle aus einem Hanfwerk von Gesteinstrümmern liesteheu, 
welche in einem lehmigen, feldspathreichen, hauptsächlich aus 
zerriebenem Granit bestellenden Sande regellos eingebettet sind. 
Die Grösse der kleineren Gesteinstrümmer schwankt zwischen 
Nuss- und Kopfgrösse und viele der wild übereinander gethürmten 
grossen Blöcke besitzen sogar 2 — 5 Meter im Durchmesser. 

Das Material der Gesteinstrünuner besteht aus sämmtlichen 
Granit- und Hornfelsabänderungen , die im oberen Thale vor- 
kommeu. Dabei zeigt sich eine Unabhängigkeit des Materials von 
der Beschaftenheit der Nachbargehänge, wie sich dies am süd- 
lichen Theil der Hahnenklee-Steilwand beoliachten lässt, die aus- 
schliesslich aus Hornfels besteht, während die Bloekwälle znm 
o-rössten Theile Granit enthalten. Die Eorm der Blöcke ist p;anz 
unregelmässig, die Hornfelstrümmer sind meist eckig und kanten- 
gerundet lind dabei finden sich, wie Kayser hervorhebt, nicht 
selten sehr charakteristische geglättete und gekritzte Geschiebe, 
von denen die Sammlung der geologischen Eandesanstalt einige 
schöne Stücke enthält. 

Wenn man au eine Beurtheilung der von Kayser beschrie- 
benen Ablagerungen des Oderthaies, sowie der ganz analogen, 
doch nicht ganz so mächtigen und nicht so gut ihrer inneren 
Zusammensetzuno’ nach anUeschlossenen Bildun 2 ;en des Hollemme- 
und Ilsethales herantritt, so muss man sich von vornherein sagen, 
dass unter der Annahme einer atlgemeinen Inlandeisliedecknng des 


128 K- A. Lossen u. F. Wahnschaffe, Beiträge zur Beurtheilung 


norddeiitsclieii Flachlandes zur Diluvialzeit eine edeichzeitio-e luelir 

O O 

oder weniger ausgedehnte Vergletscherung der höchsten Theile 
des Harzes als eine fast natürliche Folge erscheint. Es fragt sich 
nur, ob Spuren davon im Harz gegenwärtig noch zuverlässig nach- 
weisbar sind und ob das, was mau dafür gehalten, ausreicht, um 
daraus unabhängio; von anderen Erwägungen die Gletscherbedeckung 

O O O a!5 

gewisser Theile des Harzes ableiten zu können. 

Bei Begehung des Oderthaies beobachtete die Keisegesell- 
schaft, der sich für einen Tag die Herren Dr. Schröder und 
Dr. Rauf augeschlossen hatten, dass die auf der Thalsohle liegenden 
Blöcke thalabwärts stetig au Grösse abnehmen. Besonders dentlich 
zeigt sich dies wenn man die Blockauhäufuugen nördlich von der Ein- 
mündung des Dietrichsthaies mit denjenigen unterhalb des Andreas- 
berger Riuderstalles vergleicht. Während in dem erstgenannten 
Theile des Thaies Blöcke von 2 — 5 Meter Durchmesser sehr häufig 
Vorkommen, gehören solche von 1 Meter Durchmesser in dem anderen 
Theile des Thaies bereits zu den grössten Seltenheiten und sie 
nehmen hier mehr und mehr in ihrer Grösse ab, je weiter mau in 
südlicher Richtung bis zu dem fast ebenen Thalboden fortschreitet, 
welcher etwa 1,5 Kilometer unterhalb des Andreasberger Riuder- 
stalles beginnt. Da es sich in betrefl:' des fraglichen Moränen- 
Schuttes bei der Enge des Thaies wohl zum grössten Theile um 
Obermoränen handeln dürfte, so wäre unter der Annahme, dass der 
Gletscher etwa bis 1,5 Kilometer unterhalb des Andreasberger 
Rinderstalles gereicht hätte, die Grössenabuahme der Blöcke mit 
dem Transport durch Gletschereis nicht gut vereinbar. Dieser 
Einwand gegen die Moränenuatur der Ablagerungen wird jedoch 
sofort entkräftigt, wenn man den ehemaligen Odergletscher etwas 
oberhalb des Audreasberger Rinderstalles endigen lässt und an- 
nimmt, dass die Gletscherschmelzwasser, sowie die Wasser der 
Postglacialzeit den Moränenschutt von hier ab thalabwärts trans- 

O 

portirt und nach der Grösse sortirt haben. 

Autfallend ist es immerhin, dass nirgends das Thal quer 
durchschueidende, halbkreisförmige Eudmoränenwälle die ehemalige 
Endigung des Gletschers bezeichnen, jedoch könnten auch diese 
der späteren Erosion des strömenden Wassers völlig zum Opfer 
gefallen sein. 


der Frage nach einer einstigen Vergletscherung des Brocken-Gebietes. 129 


Ein zweiter Punkt, der gegen die ehemalige theilweise Ans- 
füllnng des Oderthaies mit einem Oletscher zn sprechen scheint, 
wird durch die Beschaflenheit der Thalgehänge geliefert. Nirgends 
beobachtet man an den zum Theil sehr steil aljgeböschten Thal- 
rändern irgend welche, den ehemaligen Weg des Gletschers be- 
zeichnende Abschleifnngsflächen oder Ahschleifnngsformeu des 
Gesteins; nirgends sind in bestimmter Höhe über dem Thalboden 
an den Gehängen erratische Blöcke oder Schnttanhänfnugen zn 
entdecken, welche die obere Grenze des Eises augeben würden. 
Allerdings kann man auch hiergegen die starke Verwitterung der 
Gesteine im Harze anführen, welche in diesem Falle so schnell 
fortgeschritten sein müsste, dass die Gehänge in postglacialer Zeit 
vollständig nmgestaltet und alle Spuren der einstigen Vergletsche- 
rung ganz und gar verwischt worden wären. 

Auf grössere Veränderungen der Thalgehänge deuten aller- 
dings die zahlreichen Sturzblöcke hin, welche man unterhalb der 
Steilwand des Hahnenklees vielfach über den fraglichen Moränen 
findet. 

Was die Blockwälle selbst betrifft, so kann allerdings ihre 
grosse Aehnlichkeit mit Gletschermoränen nicht in Abrede gestellt 
werden und es scheinen hierfür auch die geschrammten Blöcke 
zu sprechen, welche von Kayser seiner Zeit gesammelt worden 
sind und welche aus der Grundmoräne stammen müssten. Wenn 
von dem Verfasser und Herrn Prof. Eos.sen, sowie von den Herren 
Dr. Schröder und Dr. Rauf keine derartigen geschrammten Blöcke 
gefunden worden sind, so lässt sich dieser Umstand vom Stand- 
punkte der Vergletscherung des Oderthaies aus dadurch erklären, 
dass, wie gesagt, die Blockanhäufuugen der Hauptsache nach aus 
Obermoräuen bestehen, und dass das Grundmoränenmaterial, in 
welchem sich nur geschrammte Geschiebe hudeii können, zum 
grössten Theile bedeckt sein dürfte. 

Die von Kayser hervorgehobene Unregelmässigkeit der Ober- 
fläche dieser Blockanhäufungen, vor allem das Vorkommen von 
wanneuartigen Vertiefungen und rinnenartigen Einsenkungen 
scheint der Reisegesellschaft nicht als Beweis für den glacialen 
Ursprung angeführt werden zu dürfen. In einem besonders aus- 


Jahrbuch 1889. 


ü 


130 


K. A. Lossen u. F. Wahnsohaffe, Beiträge zur Beurtheilun; 


geprägten Falle liess sich eine derartige Rinne ans einer anch 
von E. Kayser erwähnten see- oder kesselartia;en Vertiefung; 
rückwärts sehr deutlich bis an das Steilgehänge des Hahnenklees 
verfolgen, sodass ihre Bildnug durch herabstürzeudes , durch 
Regengüsse und Schneeschmelzen geliefertes Wasser eine aus- 
reichende Erklärung findet. Die diu’ch stark strömendes Wasser 
in dem Oberläufe eines engen Thaies zusainmeugehäuften Schutt- 
masseu werden stets unregelmässige Oberflächenformen zeigen und 
ebenso auch der Schichtung entbehren, die immer erst dann ein- 
tritt, wenn das Material bedeutend an Grösse abgeuommen hat 
und der Fluss dasselbe in den weiteren Thalflächen seines Unter- 
laufes ausbreiten kann. 

Die Grösse der Blöcke bietet ebenfalls kein Hiuderniss, um 
ihren Transport durch die Stosskraft des Wassers zu erklären. 
Allerdings reichen die gegenwärtigen, durchschnittlichen Wasser- 
mengen der Oder, Ilse und Holtemme nicht aus, um die grossen 
Blöcke fortzuschaffeu. Nimmt mau aber an, dass zur Diluvialzeit 
die Menge der Niederschläge auf dem Harz bedeutender war, so 
wurden dadurch die Wassermassen geliefert, welche in Thäleru 
mit stark geneigter Sohle eine ebenso grosse Stosskraft besassen, 
wie sie die heutigen Wildbäche der Alpen zeigen. 

Das Vorkommen der gekritzten Geschiebe allein kann nicht 
die Moränennatur der Blockwälle beweisen, da pseudoglaciale ge- 
schrammte Steine, wie erst Penck^) vor einiger Zeit wieder hervor- 
gehobeu hat, auch in uichtglacialen Ablagerungen Vorkommen und 
demnach eine andere Entstehungsursache haben müssen. Solange 
nicht geschrammte und geglättete Felsoberflächeu im Untergründe 
der Schuttmassen des Oderthaies nachgewieseu sind, kann die 
Entstehung derselben ebenso gut durch stark strömende Wasser 
eiklärt werden. Ganz dasselbe lässt sich aber auch von den 
Blockanhäufuugen der anderen Ilarzthäler, namentlich des Holt- 
emme- und llsethales sagen. Die Möglichkeit, dass dieselben alte 
Moränen der Eiszeit darstellen, muss zugegeben werden, aber ein 
Beweis dafür ist solange nicht geführt, als derartige Ablagerungen 


*) A. Pbnck, Pseudoglaciale Erscheinungen. (Das Ausland 18S4, No. 33.) 


der Frage nach einer einstigen Verglotscliorung des Brocken- Gebietes. 131 


sich ebenso ungezwungen als Aufschnttnngen der Flüsse iin stark- 
2 'eueia'ten Oberlaufe ihrer Tlnäler auffassen lassen. 


2. Beobachtungen ini Bodetlial vom Dorfe Thale bis znni 
Waldkater nebst einscblägigen Beinerkiingen ans dem 
Aveiter aufwärts gelegenen Thalgebiete der Bode oder 
anderen Harztliälern. 

(K. A. Lossen.) 

Die von E. Kayser seiner Zeit vertretene Auftassnng der 
mächtigen Schnttanhäufungen im Oderthaie oberhalb des Andreas- 
bero'er Rinderstalles und in dem Oberlauf anderer Thäler des 

Ö 

Brockenofebietes innerhalb und wenirr untei’hall) des anstehenden 
Granits als diluvialer Aloränenwälle eines Brockenglet- 
schers gewinnt nicht an Wahrscheinlichkeit, wenn man die 
jetzigen und früheren Thal schuttbil düngen des Bode- 
thales vom Dorf Thale aufwärts bis zum Waldkater 
zum Vergleich herauzieht, wie ich dies Herbst 1888 gethan habe. 

Hier fehlt der Zusammeuhang mit dem Brocken- 
gebiete gänzlich, denn das, was man in den Thälern der 
Warmen Bode bei Braunlage und der Kalten Bode bei Schierke 
und Elend als Brockeno-letscherschutt im Sinne der von E. Kayser 

O 

adoptirten ToRELifschen Deutung aufzufassen haben würde, hört 
ja in der allernächsten Umgebung der genannten Orte bereits 
anf; dann folgt gewöhnlicher Thalschotter, sowohl im heutigen 
Niveau des Thalbodens, als auch in einzelnen erhalten gel)liebenen 
Terrassen -Resten eines früheren höheren Wasserstandes wie bei 
Rübeland und Treseburg; erst mit dem Eintritt der Bode in die 
Rammberg -Granit -Masse oberhalb der Rosstrappe beginnt aiif’s 
Neue Blockschutt von auffallend grossen Maassverhältnissen vor- 
zuherrschen in der Thalrinne. 

Es ist nach dieser mehrere Wegestnuden langen Unterbrechung 
zwischen den Blockanhäufungen bei Elend und Braunlage und 
denen bei Thale, gleichwie nach der Uel:)ereinstimmung der Granit- 

9 * 


132 K. A. Lossen u. F. Wahnschapfe, Beiträge zur Beurtlieilung 


blocke im Bodebette bei Thale mit dem Kosstrappe-Granit, nicht 
aber mit dem Brocken -Granit, ausser Frage, dass man es bei 
Thale nicht mit Brockenmoräneu zu tlmn bat. Die Annahme 
von Rammbergmoränen liegt, in Anbetracht der geringen Höhe 
des Rammbergs, ganz fern; der ganze Oberharz und ein grosser 
Theil des Mittel harzes müssten ja unter dieser Annahme ver- 
gletschert gewesen sein, wofür Beweise nicht vorliegen. Es bleibt 
also hier die Auffassung allein übrig, dass die Grösse der Block- 
anhäulüngen und der einzelnen Blöcke einmal durch die Natur 
des in den Thalwänden anstehenden Granits, das andere Mal durch 
die steilen Wände der Thalrinne bedingt sind. 

Der letztere Umstand giebt noch jetzt Veranlassung zu Sturz- 
blöcken von der Höhe in die Tiefe des Thaies, welche ja ausser- 
ordentlich grosse Alaassverhältnisse besitzen können. Dass aber 
diese Erscheinung allein nicht die grossen Blöcke in der Thalrinne 
erklärt, dass überdies vielmehr zunächst die dem Granit aus seiner 
ursprünglichen Erstarrungsstructur her eigene Neigung zur Ver- 
witterung in abgerundet grosswürfelige Theilkörper dabei in Be- 
tracht kommt, leuchtet ein. Kleinstückige, zerklüftete Massen 
würden nicht oder doch nur vei'einzelt derartig; grosse Sturzblöcke 
liefern. Alsdann aber bleibt zu bemerken, dass Blöcke von sehr 
namhaftem Kubikinhalte im heutigen Bodebett axmh da noch an- 
getroften werden, wohin sie durch Absturz garuicht gelangen 
konnten, d. h. fünf oder zehn Minuten unterhalb der Aussengrenze 
des anstehenden Granits. Sie müssen also thalabwärts fortbewegt 
worden sein und da hier nicht an Gletscher gedacht werden kann, 
durch das Bode -Wasser oder die Eisschollen, welche beim Eis- 
gang thalabwärts treiben. 

o Ö 

Ei nige Maasszahlen sollen das erläutern: Oberhalb dos Stau- 
wehrs im ol)eren Theile des Dorfes Thale, etwa da, wo der 
Rogensteinlager -Zug zunächst unter dem Mittleren Buntsandstein 
die Bode in der festen Thalsohle schneidet, liegt ein Granit-Block 
von 1,625 Kubikmeter Inhalt im Fluss. Granit- Blöcke von 1 Meter 
Längsdurchmesser sind in diesem Alischnitt des Flussbettes über- 
haupt nicht selten, erreichen dabei niehrfach auch 1 Meter Breite 
und 0,7 Meter Dicke. Etwas weiter aufwärts wurde ein Granit- 


der Frage nach einer einstigen Vergletscherung des Brocken-Gebietes. 133 

Block von 2,1 Kubikmeter Inhalt gemessen; in seiner Nähe liegt 
ein Quarzit-Block von 2,56 auf 1,08 Meter Durchmesser, also 
2,76 Quadratmeter Oberfläche, während die Höhe sich nicht er- 
mitteln liess. Weiter aufwärts, oberhalb des zweiten Stauwehrs, 
etwa in der Greuzregiou zwischen dem Flötzgebirge und den am 
Aussenrande des alten Gebirgskernes anstehenden Unterdevon- 
Schichten, folgen Granitblöcke im Bodebette von 2,657, 3,692, 
3,864 und 3,92, ja 4,96 Kubikmeter Inhalt. Selbstverständlich 
fehlen dazwischen auch nicht kleinere Blöcke, so z. B. ein Granit- 
block von 2,929 Kubikmeter und daneben ein Gangquarzblock von 
1,85 Kubikmeter. Iin Grossen und Ganzen aber ist die Zunahme 
der Grösse flussaufwärts ganz nnverkeuubar, ganz so wie dies im 
Oderthal oder Iloltemmethal der Fall ist, wenn man die als 
Moränenschutt augesprocheuen Blockhaufwerke thaleinwärts ver- 
folgt '). Alle diese aufgezählten Alaasszahleu rühren al)er von 
Blöcken her, die bei günstigem niedrigen Wasserstand im Bode- 
bett selbst gemessen wurden und noch ausserhalb des Gebirges 
liegen. 

Innerhalb des Gebirgs liegt vom Felsen, der den BiUows- 
Altan beim liosstrappe-Wirthshaus trägt, abwärts bis unter der 
Wolfsbnrg auf der linken Thalseite zwischen Fluss und Thalhaug, 
dem Hidiertusbade und der Blechhütte gegenüber, ein hügelig- 
ebener, grösstentheils mit Wald bedeckter Thalboden, der mit 
Spazierwegen versehen ist und daher schwerlich mehr sein ursprüng- 
liches Relief zeigt. Was mau aber von Unebenheiten erkennt, 
erinnert an die Blockauhäufungen im Holtemmethale, die ja auch 
ihren besonderen Thalbodenwald tragen, ebenso wie die anderen dem 
Brockeugebiete angehörigeu Thäler; die Umgel)uug der Harzburger 

') So wurden, um einige Zahlen zum Vergleich anzufiihren, im Holtemme- 
thal gemessen: oberhalb der Abzweigung der Plessburg-Chaussee aus der Ilolt- 
enimethal-Chaussee ein Granitblock von 3,53 Kubikmeter (circa 1300 Meter unter- 
halb der Grenze des anstehenden Granits); ferner ein Granitblock von 5,4G Kubik- 
meter einige Schritte oberhalb des Silbernen Mann’s, circa 450 Meter unterhalb 
der Granit- Grenze; endlich Granitblöcke weniger als 250 Meter unterhalb der 
Gi'anit- Grenze im Betrag von 8,7G, 8,8 und 10,5 Kubikmeter Inhalt. Für diese 
letzten Maasszahlen sind die weiter unten auf S. 134 angegebenen entsprechenden 
aus dem Bodethale zu vergleichen. 


134 


K. Ä. Lossen ii. F. Wahnschaffe, Beiträge zur ßeurtlieilung 


Eicheu dient vielleicht am besten ziiin Vergleich für diesen waldbe- 
standenen Thalschutt bei Thale, zunnd dort auch die Anlagen das 
ursprüngliche Oberflächenbild vielfach verwischt haben; dass das 
Blockicht in dem einen Falle aus GabI)ro, im anderen aus Granit 
besteht, hindert den Vergleich nicht. Trotzdem dass gewiss schon 
viele grosse Blöcke fortgeschafft, als Wege- oder Baumaterial ver- 
nutzt sein mögen (ein 7,44 Kubikmeter grosser Block wurde 
gerade, da ich beobachtete, zum Brückenbau gesprengt), lassen 
sich doch noch zahlreiche wahrnehmen, darunter solche, welche, 
wie bei dem die Blechhütte mit dem linken Ufer verbindenden 
Steeg ^), eine Quadratoberfläche von 9,58 Quadratmeter, oder einen 
Kubik-Inhalt von 6,33 und 7,44 Kidjikmeter aufweisen und noch 
unterhalb der Grenze des anstehenden Granites liegen. Innerhalb 
dieser Grenze, d. h. flussaufwärts, also im Bereich der Sturzblöcke, 
trifft mau noch grössere Maassverhältnisse, so z. B. wurde unter- 
halb der oberen, vom rechten Thalufer auf die Insel des ITubertus- 
bades führenden Brücke ein Block von 12,83 Quadratmeter Ober- 
fläche gemessen. 

Während der Thalboden zwischen der Blechhütte und der 
zum Kosstrappe -Wirthshaus aufsteigeudeu Thalwand höchstens 
ca. 6 Meter über dem Wasserspiegel des Flusses (bei anhaltend 
trockenem Wetter) erreicht, steht auf der rechten Thalseite zwischen 
der Actienbrauerei und dem Waldkater Thalschutt in namhafterer 
Höhe über dem Fahrwege an, der sich wohl bis 15,5 Meter über 
dem durchschnittlichen Wasserspiegel (bei niedrigem Wasserstau d) 
erhebt, also bis zu einer Höhe, die au die höchsten Blockau- 
häufungeu der »Moränenwälle« E. Kayser’s im Oderthaie erinnert, 
ohne dass jedoch von gleich günstiger Beobachtungsgelegenheit, 
als die im Oderthaie ist, hier die Rede sein könnte. Im Gegen- 
theil wird mau hier am Fuss der Homburg in der Umgebung der 
Hexentreppe viel eher Sturzblockhaldeu erwarten als Flussterrasseu, 
und so sind auch auf der 1885 durch W. Dames und den Bericlit- 
erstatter bearbeiteten Karte der Umgegend von Thale diese Sclmtt- 
inassen dem anstehenden Granit zugerechnet worden. Dass gleich- 


') Circa 150 Meter nntcrhalb der Stelle, wo die vom Bülows- Altan nioder- 
setzende Granit- Grenze den Thalboden erreicht. 


der Frage nach einer einstigen Vergletscherung des Brocken-Gebietes. 135 


wohl Thalsclmtt vorhanden ist, ergiebt ganz nnzweidentig der 
petrographisch geinisclite Charakter des Schutts: Es fehlen darin 
nicht die grossen Granit-Blöcke, die vor Allem anffallen (gemessen 
z. B. die Hälfte eines Blockes, der ergänzt 4,184 Knbikmeter er- 
geben würde), daneben aber finden sich Geschiebe kleinen und 
sehr kleinen Formats zahlreicher anderer Gesteine, welche fluss- 
aufwärts oberhalb des Rammberg- Granits anstehen, so z. B. die 
Gesteine des Bodeganges, ferner Kersantit - Geschiebe ans der 
Gegend von Tresebnrg oder Altenln'aak, Hornfels- und Schiefer- 
geschiebe, zum Theil nur von der Grösse einer Alaudel oder Bolme, 
grünliche schieferige Eruptivgesteine der Diabas- oder Keratophyr- 
Familie, die aus der Elbiugeroder Mulde stammen mögen, etc. 
Die Bewaldung des Hanges gestattet keine übersichtlichen zu- 
sammenhängenden Beobachtungen, längs des Fahrweges nach dem 
Waldkater und in den von da aufwärts führenden Promeuade- 
wegen kann mau jedoch bei einiger Aufmerksamkeit die kleineren, 
bis zu 1 Decimeter etwa an Maximalgrösse erreichenden Geschiebe, 
die nicht aus Granit bestehen, zwischen dem Granit-Schutte leicht 
nachweiseu, al.)er nur unterhalb der angegebenen Höheugrenze; 
weiter aufwärts im Hang, wie z. B. an dem vom Steinl )achthale 
her direct nach dem Waldkater oder dem Bodethale oberhalb des- 
selben führenden Wege, tiudet man nur Granit oder Gangquarz, 
der den im Granit anfsetzendeu Gängen entstammt. — Dass die 
kleineren, nicht granitischen Geschiebe, welche zwischen den 
grossen Granit-Blöcken liegen, wohlabgernndet, platt und oval, 
also durchweg ohne schärfere Kanten gefunden werden, im Gegen- 
sätze zu dem kantio-ereu Kleiuschntt der sogenannten Brocken- 
moränen im Oderthal, Holtemmethal etc., rührt daher, dass diese 
Geschiebe hier bei Thale von Heimstätten weit oberhalb des 
Granits der Rosstrappe -Schlucht stammen, während der Klein- 
schutt jener Thäler des Brockengebietes von einem Mnttergestein 
herrührt, das theils nnterhall) des Granits austeht, theils damit 
zusammen vorkommt, stets also ganz benachbarten Thalwäuden 
angehört. 

Die Zeit, um nach Schrammen auf den Geschieben zu 
sneheu, mangelte; es wären solche, in Anbetracht der stark äb- 
gerollten Geschiebeform, hier auch kaum zu erwarten; im Klein- 


136 K- A.- Lossen u. F. Wahnschaffe, Beiträge zur Beurtheiliing etc. 

Schutt der Holtemme - Blockanhäufimgeu fehlen dagegen nach 
eigenen Untersuchungen kantige, geglättete und geschrammte Ge- 
schiebe nicht ganz, ohne dass mir daraus allein die Moränennatur 
dieser Anhäufungen zuverlässig nachgewieseu scheint , da sich 
Harnischflächen mit Kritzung in den dortigen Thalwänden, so z. B. 
ausgezeichnet an der im Gehänge des Bielstein aufsteigenden Fahr- 
strasse, sicher als Resultate von Verschiebungen längs Gaugklüfteii 
erkennen lassen. Dass das untere Bode- Thal aber trotz seiner 
Blockanhäufuugen und trotz der durch kleine Wasserfälle im 
Granit bewirkten Strudellöcher kein Gletscherthal sei, hat mir 
Herr Hans II. Reusoh aus Christiania bestätigt. Damit scheint 
mir ein Hauptgrund, den O. Torell 1880 für die Moräneuuatur 
der Blockanhäufungen im Holtemme- nud Ilse -Thal geltend ge- 
macht hat, der nämlich, dass Blöcke von solchen Dimensionen 
auf einer Thalsohle von so geringer Neigung durch fliesseudes 
Wasser oder den Eisgang nicht fortbewegt werden können, ent- 
kräftet, insofern eben die grossen Blöcke im Thalschutte und im 
Bode - Bett unterhalb der Granit - Grenze bei Thale das directe 
Gegentheil beweisen ^). 

Es sind in den vorstehenden Mittheilungen deutlich zwei ge- 
sonderte Höheustufen in den Blockanhäufungen des Bodethals 
bei Thale zu erkennen, jene auf dem linken Ufer bis zu 6 Meter über 
dem Wasserspiegel bei trockenem Wetter höchstens ansteigende, 
und jene andere weiter aufwärts auf dem rechten Ufer , die 
15,5 Meter Höhe über dem niedrigen Wassei’stand erreicht. Erstere 
ist auf der DAMES-LosSEN’schen Karte als Alluvium, letztere, wie 
schon bemerkt, irrthümlich als anstehender Granit eingetragen. 
Ich würde die untere Blockanhäufung am liebsten zum Alluvium, 
die obere zum Juugdiluvium ziehen, indem ich der Höhenstufe 
folge. 


1) Ganz ähnliche Beobachtungen kann man im Ockerthal unterhalb der 
Granitgrenze bis in’s Dorf Ocker hinein anstellen. 


Die Rudisten der Oberen Kreide 
am nördlichen Harzrande. 

Von Herrn G. Müller in Berlin. 

(Hierzu Tafel XVIII.) 


Ewald 1) verdanken wir die erste Kunde über das Vorkommen 
von Kudisten am nördlichen Harzrande. Derselbe fand diese 
Zweiscbaler am Sudmeiberg, am Fuss der Teufelsmaner zwischen 
Weddersleben und Thale und am südlichen Fuss der Teufels- 
mauer zwischen Timmenrode und Cattenstedt. Ewald beschrieb 
die von ihm untersuchten Stücke als BiradioHtes hercynius. 

Vom Sudmerberg beschrieb 10 Jahre später A. Roemek^) 
einen RadioUfes Gosae, ohne jedoch weiter auf Ewald’s Biradio- 
lites hercynius Bezug zu nehmen. In meiner Abhandlung'^) über 
die Obere Kreide am nördlichen Harzrande bezeichuete ich die 
im Göttinger geologischen Museum vorhandenen Stücke als Radio- 
Utes hercynius (nicht subliercynicus ^ wie es dort in Folge eines 
Druckfehlers irrthümlich steht), da ich damals auf Grund dieses 
Materials Radiolites hercynius Ewald und Radiolites Gosae Roem. 
für verschiedene Namen einer und derselben Art hielt. 

Bei meinen Ausflügen, welche ich zur Untersuchung des sub- 
hercyuischen Seuons im Sommer 1887 unternahm, entdeckte ich 


b Monatsberichte der Kgl. Akad. der Wissenschaften zu Berlin 185G, S. 596. 
b Palaeontographica Bd. XIII, S. 196, Tafel 32, Fig. 5. 
b Dieses Jahrbuch für 1887, S. 425. 


138 


G. Müller, Die Ruclisten der Oberen Kreide 


noch einen neuen, äiisserst reichen Fundort für Rudisten in 
der Nähe des Dorfes Stapelburg bei Ilseuburg a. H. Ungefähr 
700 Exemplare habe ich daselbst bei einem zweimaligen Besuch 
der Fundstelle gesammelt. Wie ich schon früher mitgetheilt 
habe , liegt die Localität nördlich von Stapelburg am rechten 
Ufer der »Stimmecke« zwischen dem Dorf und der Amtsmühle. 
D ie Versteinerungen sind eingebettet in eiuen »Trümmerkalk«, wie 
ihn Jasche^) trefiend bezeichnet hat, der ausser zahllosen Fossilien 
aller Art aus Kalkstückchen und kleinen schwarzen abgerollten 
Kieselschieferstücken zusammengesetzt ist. Der das Hangende 
der Coeloptychienkreide bildende Trümmerkalk zerfällt leicht und 
man kann dann die zerstreut umher liegenden Versteinerungen 
auf lesen bezw. durch Waschen des Detritus in einer nicht zu weit- 
maschigen Siebvorrichtuug in dem nahen Bache bequem ge- 
winnen. 

Durch das reichlich zusammengebrachte Material wurde ich 
angeregt, die am nördlichen ITarzraude in der Oberen Kreide anf- 
tretenden Rudisten zu beschreiben. Herr Professor B. Lundgren 
war so gütig, mir Exemplare der von ihm beschriebenen schwe- 
dischen Rudisten zu überlassen. Durch die grosse Liebens- 
würdigkeit der Herren Geheimrath Prof. Dr. Beyrich und Geheim- 
rath Dr. Hauchecorne sind mir die Sammlungen des naturhisto- 
rischen Museums und der geologischen Landesanstalt zugänglich 
gewesen. Herr Prof, von Koenen stellte mir gütigst die im 
Göttinger geologischen Museum vorhandenen Stücke zur Verfügung. 
Die Herren SchuCiit in Oker und Reitemeyer in Goslar über- 
sandten mir freundliidist ihre am Sudmerberg gesammelten Rudisten. 
Die EwALu’schen und RoEMER’schen Originale habe ich leider nicht 
ansehen können. 


D ie innere Schalschicht der untersuchten Arten ist zerstört, 
und konnte in Folge dessen der Schlossapparat nicht zur Be- 
stimmung des Genus verwandt werden. Ausserdem habe ich 


') Dieses Jahrbuch für I8S7, S. 3!)R. 

Gcbirgsformatioiien in der Gralschaft Wernigerode a. H., 1858, S. 88. 


am nordlielieu Harzraude. 


139 


Deckelschalen trotz eifrigen Snchens nicht gefmulen. Der Gattung 
llippitrites können jedoch die Kudisten vom Harzrande nicht an- 
gehören, weil die durch Einschnürung der äusseren Schalschicht 
gebildeten Kämme, Pfeiler oder Säulchen fehlen. Ewald ■) wies 
die von ihm bestimmfen Formen der Gattung BiradioUtea d’Okb. 
zu. Diese Gattung war von d’Orbiüny für diejenigen Kadio- 
liten- Arten aufgestellt, die auf der Aussenseite der Unterschale 
mit zwei durch die Sculptur von der übrigen SchalenoI)erfläche 
sich abhebeuden Längsbändern versehen sind. Dieses Merkmal 
ist jedoch von Ew'aijU) und späteren Autoren als ungenügendes 
Gattungsmerkmal erkannt worden, da die Bänder auch l)ei typi- 
schen Kadioliten auftreten. Vielmehr sind nach Ewald von den 
echten Radiolifen jene Formen abzutrenneu, bei denen 1. die 
Längsleiste in der kleineren Abtheiluug der inneren Höhlung 
fehlt und 2. diese kleinere Abtheilung von der grösseren nicht 
vollständig gesondert ist, vielmehr nach unten mit derselben com- 
municirt. Den Gattungsnamen ßiradiolites trotz der Aenderuug 
seiner Bedeutung beizubehalteu , bewog Ewald der Umstand, 
dass auf mehrere der von d'Obbigny unter Biradiolites aufgeführten 
Arten, so namentlich auf Biradiolites cormi-jjastoris , diese um- 
geäuderte Gattungscharakteristik passt. 

IvOEJJER stellt (a. a. O.) die von ihm untersuchten Stücke vom 
Sudmerberg zur Gattung Radiolites , ebenso Lundgren die in 
den Ignaberga-Schicliten vorkommenden Kudistenarten, die z. Th., 
wie später uachgewiesen werden soll, auch am nördlichen Harz- 
raude Vorkommen. 

ZiTTEL erklärt mit Bayle Biradiolites d’Orb. für synonym 
mit Radiolites (Kadioliten ohne Ligamentfalte = Längsleiste 
Ewald’s) und weist die Mehrzahl der früher unter Radiolites be- 
schriebenen Arten zur Gattung Sphaendites de la Metii. emend. 
Bayle (Kadioliten mit Ligameutfalte). 

>) a. a. 0. S. 598. 

Terr. cret. IV, S. 230. 

3) Zeitschrift d. Deutschen geol. Gesellschaft Bd. IV, S. 503. 

■*) Monatsberichte d. Königl. Akad. d. Wissensch. zu Berlin S. 593. 

Ü Acta Universitatis Lundensis 1869. 

Handbuch der Palaeontologie Bd. 1, S. 86 ff. 


140 


G. Müller, Die Rudisten der Oberen Kreide 


Fischer stellt die lladioliteu mit Ligameutfalte zur Gattung 
Radiolites (= Sphaeridites bei Bayle und Zittel), während er 
für Radiolitideae ohne Ligainentfalte den Gattungsnamen Biradiolites 
d’Orb. (= Radiolites bei Bayle und Zittel) wieder einführt. 

Neuerdings hat sich Steinmann ^) ebenfalls für letztere Auf- 
fassung entschieden, jedoch Biradiolites als Untergattung zu Radio- 
Utes angenommen. 

Ich ziehe die von Bayle, Zittel u. A. angewandten Gattungs- 
namen vor, da, nachdem durch Ewald und Bayle eine gänzlich 
von der D’ORBiGNY’schen verschiedene Gattungsbestimmnng fest- 
gestellt war, der alte Name Biradiolites nur falsche Vorstellungen 
in Bezug auf die Gattungsabgreuzung hervorzurufen geeignet ist'*). 


Radiolites liercyiiiiis Ewald. 

Taf. XVllI, Fig. 3 u. 4. 

1856. Biradiolites hercynkis' MouatsbericLte d. Königl. Akad. d. Wissen- 
schaften, S. 596. 

1887. Radiolites suecicus Lundgr. var. costatus de Geer, Geol. Foren. P'ör- 

handl., ßd. IX, S. 301. 

1888. » hercynius E\v., Müller, dieses Jahrbuch für 1887, S. 425. 
Ewald’s Artbeschreibuug lautet: Sie sind von conischer Form, 

wo diese nicht durch das Ansitzen der Schale an fremden Körpern 
gestört ist; die Oberfläche ist mit stark hervortretenden 
Längsrippen besetzt, deren Zahl zwischen 7 und 9 schwankt. 
Die Grösse, welche diese Species erreicht, übersteigt gewöbnlich 
nicht einen, selten 1 Y ‘2 Zoll. 

Da am Sudmerberg, wie ich jetzt feststellen konnte, zwei 
Arten auftreten, von denen die eine von Roemer als Radiolites Gosae 


') Manuel de Conchyliologie S. 1065 ff. 

Elemente der Palaeontologie S. 278. 

Ewald (Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges., Bd. IV, S. 504) hielt es zunächst 
für nothwendig, einen neuen Namen für die Radiolitideae ohne Ligamontfalte ein- 
zuführen, behielt jedoch später aus dem oben angeführten Grunde die Bezeich- 
nung Biradiolites bei. 


am nördlichen Harzrande. 


141 


beschriebene die seltenere Art ist, so glanbe ich, dass Ewald ans- 
seliliesslich nnr Stücke von der andern, am Sndinerberg vorkonnnen- 
den Art, l)ei der die Rippen dnrebweg stärker liervortreten, Vor- 
gelegen haben und bezeichne deshalb dieselbe als RacUoUtes 
hercynius Ewald. 

Zn der Ew.\LD’schen Artbeschreibnng wäre dann noch hinzn- 
zrifügen, dass die Rillen zwischen den namentlich in der Jugend 
sehr starken nnd scharten Längsrippen glatt oder wenigstens nur 
mit ganz schwachen, kaum Ijemerkbaren Anwachsstreifeu versehen 
sind. Die Abstände der einzelnen verschieden stark hervortreten- 
den Rippen sind ungleich gross. Die Zwischenräume sind Itreiter 
als die Rippen. An ihrem oberen Ende zeigen die Rippen im 
angewitterten Zustande sehr häutiiT den zelligren Bau der äusseren 
Schalenschicht, wodurch die Zimehöriokeit zu den Radioliten so- 
fort klar wird. Im Alter verlieren die Rippen die Schärfe. Die 
Alündung ist, wenn nicht verdrückt, kreisförmig, bei jüngeren 
Exemplaren häufig ansgebogen, nnd überragt die Mantellinie. Ab- 
gel)ildet konnten leider nur jüngere Exemplare von R. hei'ci/niiis 
werden, da die Altersformen in Eolge der Erhaltung sich hierzu 
nicht eigneten. 

Die von de Geer von Barnakälla (Schonen) beschriebene 
Varietät R. suecicus Lgn. o. costatus de Geer ist identisch mit 
R. hercynius Ew. Die Rippen sind nach einer brieflichen Mit- 
theilung Lundgren’s mehr oder minder scharf ausgeprägt, ebenso 
wie an den Stücken vom Ilarzrande die Schärfe der Rippen 
innerhalb gewisser Grenzen schwankt, jedoch stets stärker ist, als 
bei R. pusülus Lgn. 

Die Art findet sich am Sudmerberg nnd bei Stapelbnrg, er- 
reicht jedoch an letzterem Fundorte bei weitem nicht die Grösse 
der Sudmerbergformen (über 40 Millimeter gross), da das grösste 
Exemplar von Stapelburg nur 18 Alillimeter misst. 


') Unter dom in der Sammluno- der geologischen Landesanstalt liegenden 
Material war z. B. kein einziger Radiolites Gosae Roem. vorhanden. 


142 


G. Müli.er, Die Rudisten der Oberen Kreide 


Radiolites pusilliis Lundgren. 

Taf. XVIII, Fig. 5-11. 

1870. Radiolites suecicus var. pusillus Lgn., Acta Universitatis Lundensis, S. 9, 

Fig. 8 — 15. 

Nach einer freundlichen bi’ieflichen Mittheilung würde Herr 
Professor Lundgren, da er sich jetzt iin Besitz eines grösseren 
Materials betindet, die früher als Varietäten des R. suecicus be- 
schriebenen Formen als besondere Arten von R. suecicus abtreunen. 
Nachdem ich mehrere hundert Stück von R. j^usillus IjGN. von 
Stapelburg untersucht habe, halte ich die neuere Ansicht Lund- 
GREn’s für die richtige. 

Die ausgewachsenen Individuen von R. 'pusillus zeigen nur 
G — 9, in der Jugend durch gleichmässige Abstände von einander 
entfernte Längsrippen, während R. suecicus im Alter 12 — 15 Längs- 
rippen besitzt. Die conische Unterschale ist stets mit deutlichen 
Anwachsstreifeu bedeckt, wodurch sich R. pusillus leicht von 
R. hercynms trennen lässt. Ausserdem sind die Läugsrippen 
weniger kräftig, als die der letzteren Art. Die Uebereiustimmung 
mit den schwedischen Exemplaren i) dieser Art ist eine gute. Zum 
Vergleich habe ich einige Formen von Östra Kamp (Hallaud) mit 
abbilden lassen. (Taf. XVIII, Fig. 5a — 5c.) 

Als Vai'ietäteu kann man zwei Formen ausscheiden, von 
denen die eine eine kurze ki’eiselförmige, die andere eine conisch- 
cylinderförmige Gestalt besitzt. Die erste Varietät benenne ich 
R. pusillus var. brecis (Taf. XVIII, Fig. 8a — 8 d) und die ver- 
längerte R. pusillus var. elongatus (Taf. XVIII, Fig. 7a — 7c). 
R. brevis zeigt starke, stellenweis lamellöse Anwachsstreifen. Beide 
Abarten sind mit der Ilauptform durch zahlreiche Uebergangs- 
formen verbunden. Die Mündung ist bei der Stammform häufig 
ausgebogen, was bei der schlanken Varietät jedoch nur selten zu 
beobachten ist. 


') Lundgren’s Beschreibung lautet: R. valva inferiore coiiica, 7 — 9 costis 
longituclinalibus plus minus emiuentibus, striis transversalibus tenuibus ornata; 
intervallis quam costis majoribus. Long. 8 — 20 Millimeter. 


am nürdlichen Harzrande. 


U3 


B. imsiJlus tritt eiuzelu und in Kolonien auf. Ich fand eine 
Kolonie von 8 Individuen, welche von dem spitzen Ende der 
Unterschale an zusammengewachsen waren, ähnlich wie die unter 
Fio-. Hau. 11b abo-ebildete Kolonie. Seltener ist der Fall zu 

Ö Ö 

beobachten, dass ein jüngeres Exemplar sich an einem älteren 
Individuum festheftet, äusserlich vergleichbar einer Knospe, welche 
seitlich aus dem Mutterthier hervorsprosst (Fig. 10). 

R. 2^usilh(.s Lgn. ist mir bis jetzt im nördlichen Deutschland 
nur von Stapelburg bekannt, dort ist er allerdings die häufigste 
Versteinerung. 


Radiolites siihlaevigatiis Lundgren. 

Taf. XVIII, Fig. 12 a — 12c. 

18G9. Radiolites suecici/s var. sublaeviyati/s Lundgren, Acta Universitatis Lun- 

densis, S. 10, Fig. 16 — 24. 

»Valva inferiore elongato-conica, superne elargita et saepius 
in alam producta laevis aut costis perpaucis munita. Long. 7 bis 
18 Millimeter« lautet die LuNDGREN’sche Beschreibung. Nachdem 
ich anfänglich geneigt war, diese Art als Varietät der vorigen 
zu deuten , habe ich herausgefunden , dass sie zur Zeit als selb- 
ständig anzusehen ist. Es fehlen die Uebergänge, welche den glatten 
R. suhlaevigatus mit dem längsgerippten R. 'jtnisillus verbinden. Nicht 
zu verwechselu mit dem echten R. suhlaeoigatus sind angewitterte 
Exemplare von R. imsillus, bei denen dann die Schalstructur er- 
kennbar wird. Selbst ganz jugendliche Individuen von R. imsillus 
sind mit deutlichen Längsrippen versehen. Anwachsstreifen fehlen 
oder sind nur schwach angedeutet, ähnlich wie l>ei R. hercynius 
Ewald. 

Selten bei Stapelburg. 

Radiolites Rosae Roem. 

Taf. XYIII, Fig. 1. 

1866. Radiolites Gosae Roe.mer, Palaeontogr. Bd. XIH, S. 196, Taf. XXII, Fig. C. 

Diese Art ist nahe verwandt mit Radiolites suecicus Lgn. 
(Taf. XVIII, Fig. 2). R. Gosae hat wie die schwedische Art im 


144 


G. Müller, Die Rudisten der Oberen Kreide 


Alter etwa 12 Längsrippeu, die durch gleichmässige und ebenso 
breite Zwischenräume von einander getrennt sind. Ausserdem ver- 
laufen An wachsstreifen im Zickzack über die Oberfläche der 
conischen Unterschale. Bei R. suecicus stehen die scharf sich ab- 
hebenden, parallel der Mündung verlaufenden Streifen ge- 
drängter als bei der subhercynischen Art. Die Rippen sind bei 
der schwedischen Art durchweg gerundeter als bei R. Gosae. 
Die Münduns des R. suecicus ist häufio- schwach nach aussen 
gebogen, was ich bei R. Gosae bis jetzt nicht beobachtet habe. 

Roemer giebt 6 — 8 schmale Längsrippen an. Das auf 
Taf. XVIII, Fig. 1 abgebildete Exemplar ist etwa in ein Drittel der 
Läuse unten abgebrochen. An dem unteren abgebrochenen Ende 
waren blos 9 Rippen vorhanden, die durch Einschiebung von 3 oben 
auf 12 augewachseu sind. Ein Jugendexemplar, welches sich im 
Besitz des Herrn Schucht in Oker befindet, zeigt 9 Längsrippen. 
Auch bei diesem Stück ragen die Anwachsstreifen in den Zwischen- 
räumen zungeuförmig nach oben. 

RadioUt.es Gosae findet sich selten am Sudmerberg. 

Die Beziehungen der eben besprochenen Arten lassen sich 
am besten durch folgendes Schema deutlich machen: 

R. liercynius Ewald. R. Gosae Roem. 



R. sublaevigatus Lgn. R,. pusillus Lgn. R. suecicus Lgn". 

Was nun die zeitliche Verbreitung der eben beschriebenen 
Arten anbelangt, so treten Radiolites liercynius Ew. und R. Gosae 
Roem. im festen Sudmerbergconglomerat anf, welches ich als 
gleichzeitige Bildung des Quaders bei Blankenbui’g auftasse. 
R. liercynius findet sich dann noch in dem Trümmerkalk von 
Stapelburg, wo er jedoch nicht mehr so gross wird. An der 
letzteren Localität bilden R. pusillus Lgn. und R. sublaevigatus Lgn. 
mit R. liercynius die gewöhnlichsten Versteinerungen. Da diese Ru- 
disten- Arten nach Angabe von Lundgren’) nur in dem Ignaberga- 


9 ÖlVersigt af Sveriges Mesozoiska Bildniiigar. Lund 1888, S. 30. 


am nörcllichon Harzranclo. 


145 


kalk oder der Zone mit Actinocamax mnmmillatufi Nilss. in Schweden 
(nach Schlüter synchronistisch mit der deutschen Qnadrateu- 
kreide) Vorkommen, so liegt ein Vergleich des Trümmerkalks von 
Stapelburg mit dem schwedischen »Grus- oder Trümmerkalk« 
sehr nahe. 

Sehen wir ganz von der petrographischen BeschaiFenheit des 
Trümmerkalks ab, welcher sich unter denselben Bedingungen ge- 
bildet hat wie der Ignabergakalk, so wird die Möglichkeit, dass 
beide Bildungen in demselben oder wenigstens annähernd dem- 
selben geologischen Zeitabschnitt entstanden sind, durch einen 
Vergleich der bezüglichen Faunen sehr wahrscheinlich gemacht. 

Lundgren (a. a. O.) führt von Versteinerungen aus den Igua- 
bergakalken folgende Arten au: 

Actinocamax mammillatus Nilss. 

Belemnitella mucronata Schltii. 

Ostrea auricularis Wahl. 

» sidcata Blum. 

» laciniata NiLSS. 

» acutirostris NiLSS. 

» curvirostris Nilss. 

» vesicularis Lam. 

» diluviana L. 

Pecten subaratus Nilss. 

» pidchellus Nilss. 

Janira qiiinqtiecostata Sow. 

Radiolites siiecicus Lgn. 

Crania Ignahergensis Retz. 

» craniolaris L. 

Magas spathidatus Wahl. 

» costatus Wahl. 

Terebratidina striata Wahl. 

Ceriopora stellatae Golde, aff. 

Caratomus peltiformis Wahl. 

cf. Cyclolites disco'idea Mich. 

b Neues Jahrbuch für Mineralogie 1870, S. 9G3 und Palaeontographica Bei. 2t, 
S. 196. 


Jahrbuch 1889. 


10 


146 


G. Müller, Die Rudislen der Oberen Kreide 


Vou den aufgezählteu Versteinerungen haben ausser Radiolites 
suecmtü Lgn. ihre Haiiptverbreitung in der Mammillatus-Zoxie: 
Ostrea auricidaris Wahl, und Magas spat/ndatus Wahl. Belem- 
oiitella mucronata Schloth. tritt schon vereinzelt in der Mammdlatus- 
Zoue auf, während Actinocamax mainmülaüis^ii.^^. in der typischen 
Mucronateukreide fehlt. In dem Stapelburger Trüinmerkalk fand 
ich ausser zahlreichen Foraminiferen, Spongien, Korallen, Bryo- 
zoeu und 6Vc7am-Stacheln , folgende bekannte Mollusken nnd 
Brachiopoden : 

Ostrea auricidaris Wahl. 

» cancdiculata Sow. 

» cf. sigmoidea Keüss. 

» vesicidaris Lam. 

» hippopodium Nilss. 

» pusilla Nilss. 

Vola quinquecostata Sow. 

Radiolites pusillus Lgn. 

» sublaevigatus Lgn. 

» hercynius Ew. 

Orania Ignahergensis^ var. paucicostata BoSQU. 

Rhynchonella plicatilis Sow. 

Terehratidina striata Wahl. 

Magas spat/ndatus Wahl. 

Thccdea cf. digitata Sow. 

Ostrea auricidaris ist bei Stapelburg eine sehr häufige Art, 
vou den Austern die häufigste. 

Radiolites pusillus Lgn. und R. sublaevigatus sind mir bis jetzt 
von keiner anderen Localität aus dem nördlichen Deutschland be- 
kannt. Magas spat/ndatus Wahl. erreicht die Grösse der aus 
den Ignaherga- Schichten herrülirendeu Formen und stimmt auch 
sonst mit dem schwedischen Vorkommen gut überein. Orania Igna- 

b ScHLÖNBACH (Palaeontogi'. Bd. XIII, S. 305, Taf. 39, Fig. 9, 10, 12) führt 
als norddeutsche Fundorte für M. spatlnilatus Gr. Bülten, Klosterholz bei llsen- 
burg und einen Punkt zwischen Harzburg und Schlewecke a. H. an. An den 
beiden letzteren Fundpunkten hat Beyrich diese seltene Art zuerst gesammelt. 


am nördlichen Harzrande. 


147 


bergensis var. 'paiicicostata ist bei Stajiell^urg eine der gewölmlicliereu 
Arten. Thecideu cf. digitata^ welche in Schweden sowolil in der Zone 
des Actinocumaw mammillaüis'i^i'L'i^B. als auch in der typischen Mncro- 
nateukreide auftritt, ist bei Stapelbnrg nach den lladioliten die am 
häufigsten ?a\ findende Versteinerung; über 100 Exemplare habe ich 
dort gesammelt. Die Stücke von Stapelburg zeigen die grösste 
Uebereinstimmung mit den von Lundgren abgebildeten Formen. 

Allerdings fehlt bei uns Actinocamax maimnillatus Nilss., der 
zur Zeit mit Sicherheit nur aus der baltischen Kreide bekannt ist. 
Von den sonst für die Bestimmung des Horizonts so wichtigen 
Cephalopoden habe ich nur unbestimmbare Bruchstücke von Belem- 
nitideu gefunden. Jedoch zählt Jasche Belemnitella mucronata 
ScHLOTH. vom Burgberg bei Stapelburg auf, wo dieselben Schichten 
wie in der Wiese nördlich von Stapelburg aufgeschlossen sind. 

Nach den Angaben Griepenkerl’s^) findet mau in der oberen 
Quadratenkreide der Umgegend von Königslutter Actinocamax 
quadrahis und Belemnitella mucronata neben einander vor, und zwar 
so, dass unten Actinocamax quadratus, nach oben hin Belemnitella 
mucronata in überwiegender Menge aiiftritt. 

Wenn mm auch somit das Vorkommen von Belemnitella mu- 
cronata Schl, kein bestimmter Beweis dafür ist, dass der Trümmer- 
kalk von Stapelburg als untere Alucronatenkreide zu deuten- ist, 
was ich früher als möglich angesehen hatte •'*), so bilden die Stapel- 
burger Kalke jedenfalls die jüngsten Bildungen der oberen Qua- 

1) a. a. 0. S. 108. 

Yersteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogthum 
Braunschweig, S. 10. 

Ich hatte mich auf die Angabe Schlüter’s (Palaeontogr. Bd. 24, S. 203) ver- 
lassen, wonach B. mucronata Schloth. in der Quadratenkreide nur vereinzelt bei 
Osterfeld in Westfalen gefunden ist und die früheren Mittheilungen über das ge- 
meinsame Vorkommen beider Arten, auf Verwechselung beruhend, sich nicht 
bestätigt hätten. Mir schien die ScHi.üxEE’sche Ansicht über das Auftreten von 
B. mucronata die richtige zu sein, da ich selbst in der Zone der Becksia Soeke- 
landi bei Biewende, Loehtuni u. s. f. kein einziges Exemplar von B. mucronata 
angetroffen habe, dahingegen Actinocamax quadratus in grosser Menge. Bemerkt 
sei noch , dass ich an allen von mir besuchten Eundpunkten der oberen 
Quadratenkreide am nördlichen Harzrande die Gattung Coeloptgchium gefunden 
habe. 


10 * 


148 


G. Mülleu, Die Riidisten der Oberen Kreide etc. 


dratenkreide am nördlichen Harzrande ^). Dies würde jedoch 
nicht mit der Annahme im Widersj^rnch stehen, dass die Ent- 
stehung der Stapelbnrger Trümmerkalke und der Ignahergakalke 
mit Actinocamax 7nanvmillatus jileichzeiticr vor sich o-ecrano-en ist, 

O ö O O O 7 

da letztere unmittelbar unter der typischen Mncronateukreide und 
über der Quadratenkreide folgen. 


b Jasche (a. a. 0. S. 92) lässt sich über die Lager ungsverliältnisse der 
Trümmerkalke in der Grafschaft Wernigerode wie folgt aus; Den Trümmeikalk 
wird man wohl, wo nicht als die jüngste, doch wenigstens als eine der jüngsten 
Bildungen der Kreideformation anzusehen haben. Er kommt auf den von Mergel 
gebildeten Anhöhen, z. B. auf dem Galgenberge bei Wernigerode und dem Burg- 
berge bei Stapelburg vor. Vor dom aus Muschelkalk bestehenden Wienberge 
bei Ilsenburg kommt er ebenfalls auf der grössten Höhe des Mergels, obwohl 
nur in losen, abgerissenen Stücken vor. 


Der baltische Höhen rücken in Hinterpommerii 
und Westpreussen. 

Von Herra K. Keilhack in Berlin. 

(Hierzu Tafel XXVI.) 


Zwisclien den gut gekannten Quartärgel)ieten der nördlichen 
Mark, Mecklenl)urgs und Vorponinierns einerseits, des nördlichen 
Ost- und Westpreussen jenseits der Weichsel andererseits hegt 
zwischen Oder und Weichsel, Ostseeküste und Thoru-Eberswalder 
Ilauptthal ein ausgedehntes Gebiet, welches geologisch bisher nur 
an den Rändern, nämlich an der Küste und an den Ufern der 
beiden grossen Ströme einigermaassen durchforscht war. Aber 
auch hier hatte die Forschung zunächst an die interessantesten 
Punkte, an das anstehende tertiäre, cretaceische und jurassische 
Gebirge an den Odermündungen und einigen Küstenpuidcten an- 
geknüpft, wogegen nur erst ganz wenige Mittheilungen über das 
Quartär dieses weiten Gebietes zu nennen sind. Die älteste, aber 
gleichzeitig bisher die umfassendste und mit feinem Verständniss 
geschriebene Arbeit ist M. v. d. Borne’s »Zur Geoguosie der Pro- 
vinz Pommern« Q. Ohne Keuntniss Hinterpommerns ist der Auf- 
satz von Kowaleswski »Materialien zur Geologie Pommerns«, 


') Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. IX, S. 473 f. 
Jahresber. d. Ver. f. Erdk. zu Stettin, 1887. 


150 


K. Keilhack, Der baltische Höhenriicken 


treschriebeu und bringt iu Folge dessen auch so gut wie gar 

o O O O O 

keine neuen Beiträge znr Kenntniss unseres Gebietes. Für die 
Neuinark, speciell für den Kreis Königsberg, hat Zache versucht 
die GElNiTz’schen sogenannten »Geschiebestreifeu« Mecklenburgs 
über die Oder hinüber nach Südosten weiter zu verfolgen. Das 
Gezwungene der einzelnen Schlussfolgerungen, die der Autor zieht, 
erklärt sich daraus, dass derselbe ein mit Ueberschreiteu der Oder 
einsetzendes Uitibiegen der Streichrichtuug des Höhenrückens um 
fast 90® und damit verbundenes Umsetzen der Richtimg eines 
Theiles derjenigen Bildungen, die hier den mauuichfach zusammen- 
gesetzten GEiNiTz’schen Geschiebestreifeu entsprechen, nicht richtig 
erkannt hat. Im übrigen gielit es über das Quartär dieser Ge- 
biete nur noch einige Mittheilnngeu von Jentzsch, Ebert und 
Berendt über das Diluvium der hart an der Weichsel liegenden 
Blätter der Gegend von Mewe und Nenenbnrg. Die ofieubar sehr 
zweifelhaften Angaben Friedel’s'^) über das Auftreten von Schichten 
mit reicher mariner Fauna iu der Nähe von Colberg am Rande 
des Persantethales übergehe ich hier. 

Vor zwei Jahren, 1888, von der Direetiou der Köuigl. geol. 
Laudesaustalt mit der Ausführung von Specialanfnahmeu im Maass- 
stabe 1 : 25000 in der Gegend von Nenstettin und Bnblitz, süd- 
lich von Cöslin, beauftragt, erhielt ich gleichzeitig die Anweisung, 
die weitere Umgebung meines xVufuahmegebietos, soweit es für ein 
Verständuiss der iu jenem anftreteudeu Bildnugen erforderlich 
wäre, zu bereisen. So habeich es mir denn angelegen sein lassen, den 
Regierungsbezirk Cöslin und die an densellien im Süden und 
Osten angrenzenden Theile der Provinz Westpreussen auf einer 
grossen Alenge von Linien, deren Gesammtlänge gegen 1200 Kilo- 
meter beträgt, zu bereisen, um einen Ueberblick über den Auf- 


') lieber Anzahl und Verlauf der Gescliieberücken im Kreise Königsberg 
i. Neumark. Zeitschr. f. d. ges. Naturwiss. Bd. Gl, S. 3D — 59. Halle a. S. 1888. 

2) Meist im Jahrb. d. Königl. preuss. geol. Landosanstalt und in den Ver- 
öffentlichungen der physik. -Ökonom. Ges. in Königsberg. 

Beitrag zur diluvialen Nordseefauna Hinterpommerns. Zeitschr. f. Malaco- 
zool. 1884. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


151 


bau des ganzen Landes von der Küste bis hinül)er über den Höhen- 
rücken zu gewinnen. Die Menge der Beobachtungen gestattete 
mir, in kleinem Maassstabe ein Uebersichtskärtchen (Taf. XXVI) 
des Gebietes zwischen Colberg und Danzig zu geben, welches im 
Grossen und Ganzen wohl Anspruch auf Richtigkeit machen kann, 
während im Einzelnen die Grenzen durch die Specialaufuahmeu 
zahlreiche kleinere Veränderuniren erfahren werden. 

O 

ln den folgenden Blättern erstatte ich über die auf diesen 
Reisen und bei Gelegenheit der Specialaufnahmen gewonnenen 
Ergebnisse Bericht. Ich werde zunächst den zonenweisen Auf- 

o 

bau des ganzen Landes beschreiben und sodann zur näheren Schil- 
derung zweier dieser Zonen, die zusammen die baltische Seenplatte 
bilden, übergehen. 

Wie in Schleswig-Holstein durch Meyk ein parallel zur Küste 
verlaufender zonenweiser Aufbau des Landes nachgewiesen wurde, 
so gelang es mir, eine ähnliche Anordnung auch im östlichen 
Hinterpommern aufzufinden, nur dass es sich hier nicht mehr um 
3, sondern um 5 resp. 6 solcher Zonen handelt. Dieselben sind 
an der Küste beginnend folgende: 

1. Das Gebiet der Stranddünen, Haffseen und aus solchen 
hervorgegangenen Moore. Anf der gesammten, 263 Kilometer 
langen Küstenstrecke von der östlichen Odermündung bei Dieve- 
now l)is Rixböft, wo die Halbinsel Heia sich abzweigt, tritt nur 
auf einer Linie von 49 Kilometer das Diluvium, darunter auf 
15 Kilometer mit Steilufern, an das Meer heran. An der ganzen 
übrigen Küste aber liegt zwischen dem Strande und der diluvialen 
Hochtläche ein Dünenzug, hinter welchem ausgedehnte, 1 — 4 Meter 
tiefe Binnenseen, die Reste alter Haffe, oder durch Vertorfung aus 
ibneu hervorgegaugene Moore, sowie alluviale oder jungdiluviale 
ebene Sandflächen sich finden. Die bedeutendsten dieser Haffseen 
sind, von Westen nach Osten gezählt, der Kamp-, Jamund’sche-, 
Buckow’sche-, Vitter-, Vietziger-, Garde’sche-, Leba- und Sarbsker 
See. Der Zarnowitzer See ganz im Osten ist in nordsüdlicher Rich- 
tung zwischen diluvialen Ufern eingesenkt und gehört einem anderen 
Typus an. Diese mehrfach unterbrochene Zone ist die schmälste. 


152 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


erreicht aber au ihrer breitesteu Stelle immerhin einen Durch- 
messer von 12 Kilometern, während derselbe im Durchschnitt etwa 
3 — 4 Kilometer beträgt i). 

Die einförmige, völlig ungegliederte Küste Hiuterpommerns 
gewinnt ein ganz verändertes Aussehen, wenn wir alle diese Alln- 
vialbildnugeu beseitigt und den Dilnvialraud als Küsteuliuie uns 
denken. Daun sehen wir eine der meckleubui'gischeu und schles- 
wigscheu ähnliche Küste mit voi’gelagerten Inseln, flachen B achten 
und Audentnugen von Föhrdeu. Auf die Inseln oder den Süd- 
raud dieser Zone fallen alle Punkte oberflächlich anstehenden 
älteren Gebirges der Kreide- und Juraformation, die wir im nörd- 
lichen Theile des Landes zwischen Oder und Weichsel kennen, 
das Turon bei Lebbiu, Jura und Senou bei Cammiu, Seuon bei 
Fiukenwalde, das jüngst von Dr. Krause anfgefuudene Aequi- 
valeut der Arnager-Grüusande auf der Horst -Kevahrschen Dilu- 
vialiusel und der Jura von Bartiu, südlich Colberg. Weiter nach 
Osten ist älteres Gebirge nur erbohrt, nicht mehr anstehend beob- 
achtet. 

2. Die nächste Zone stellt orographisch ein flaches 10 bis 
80 Meter ü. M. gelegenes Plateau dar, welches nur hier und da 
von bedeutenderen Erhebnugeu überragt wird. Es wird durch- 
zogen von ganz flach eingesenkteu, meist schmalen, moorerfüllten 
Thälern, in denen die vom Höhenrücken nlederströmeudeu Küsten- 
flüsse in trägem Laufe den letzten Theil ihres A¥eges znrücklegeii. 
In geologischer Beziehung bestehen diese ansgedehnten Ebenen 
zum weitaus grössten Theile aus Geschiebemergel, den mau ans 
mehreren Gründen als zum Oberen Diluvium orehörio- rechnen 

O o 

muss; er ist es, der die hervorragende Fruchtbarkeit gerade dieses 
Theiles von Pommern bediugt. In dieser Zone liegen 8 von den 
20 Städten des Kegiernngsbezirks Cösliu und zwar die grössten, 
durch sie zieht in ihrer ganzen Länge die Hauptverkehrsstrasse 
Hiuterpommerns, die Stargard - Dauziger Eisenbahn, sich hin- 
durch. 


b Ausführliches über diese Zone siehe F. W. P. Lehma 2 <n, Das Küstengebiet 
Ilinterpommcrns. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, Bd. 19, S. 332 — 404. 


in Hinterponimern und Wcstpreusson. 


153 


Die z. Th. recht beträchtlich aufragenclen ITölien (Zitzower 
Berge bei Rügeuwalde, Gollenberg bei Cösliu, Kevekol bei Schmolsin 
am Garde’schen See, die Höhen südlich vom Lebamoor) bestehen 
ans Banden des Unteren Dilnvinms und enthalten bisweilen, wie 
die beiden zuerst genannten, einen tertiären Kern. Wie die 
Uebersichtskarte zeigt, ist diese Zone von grosser räumlicher Ver- 
breitung, da sie, nur durch unbedeutende Thäler unterbrochen, 
von der Weichsel bis zur Rega und weiter sich erstreckt und 
ausserdem eine wechselnde Breite bis zu 40 Kilometern besitzt. 

3. Die fbUende Zone stellt bereits eine Vorstufe zum Höhen- 

O 

rücken dar, indem sie, au vielen Stellen ziemlich unvermittelt, aus 
der grossen Geschiebemergelebeue sich heraushebt. Orographisch 
ein l)ergiges, von zahlreichen oft tief eiugeschnitteneii Erosious- 
thälern und breiten alten diluvialen Thälern durclifurchtes Gelände 
darstellend, ist sie in geologischer Beziehung dadurch ausgezeichnet, 
dass grösstentheils imterdiluviale Schichten an ihrem Aufbaue sich 
betheiligeu. Es sind in den Bergen durchaus die Sande des 
Unteren Diluvium vorherrschend, während an die Thäler z. Th. 
ausgedehnte Abrasiousflächen sich auschliessen , auf denen die 
losen Bildungen bis auf den widerstandsfähigen Unteren Geschiebe- 
mergel fortgeführt sind, der nun im Vereine mit Thalschottern und 
Tlialsaudeu diese thalartigen Ebenen bedeckt. Solche Flächen 
schliessen sich an das Thal der Persaute und Raddüe in grosser 
Ausdehnung au. In diese Zone fällt die grosse Mehrzahl der- 
jenigen Punkte, au denen im Regierungsbezirk Cösliu das Tertiär 
anstehend bekannt ist. 

4. Haben wir von Norden nach Süden gehend dieses Gebiet 
überschritten, so kommen wir, meist in ziemlich raschem Aufstiege, 
auf den eigentlichen Höhenrücken und damit in die vierte unserer 
Zonen. Dies ist das Gebiet der neuerdings mit dem Namen der 
»Moränenlaudschaft« belegten Landschaftsform. Sie ist, abgesehen 
von ihrer Höhenlage zwischen 120 und 300 Meter ü. M., charakte- 
risirt durch die ungeheure Menge geschlossener Depressionen, die, 
ursprünglich alle mit Wasser gefüllt, heute zum grösseren Theile 
zugetorft und in Moore und Wiesen verwandelt sind. Das 
zwischen diesen rings geschlossenen Becken liegende Gelände ist 


154 


K. Keilhack , Der baltische Höhenrücken 


iu der unregelmässigsten Weise bewegt und besteht aus lauter 
grösseren und kleineren Kuppen, Kegeln und kurzen Rücken. 
Ebenen fehlen, von den Mooren abgesehen, dieser Landschafts- 
foriii fest völlig und alle dein Terrain sich anschmiegenden Wege 
zeigen einen ununterbrochenen Wechsel von Anstieg und Gefälle. 
Die Grösse der Depressionen schwankt innerhalb der weitesten 
Grenzen, von kleinen Löchern, die man fast überspringen kann, 
bis zu Mooren und Seen von mehreren Kilometern Durchmesser. 
Ein charakteristisches Bildchen von der Massenhaftigkeit dieser 
Kessel, Sölle, Moore und kleinen Seen giebt der folgende Aus- 
schnitt aus Blatt Persanzig in 1 : 25000 , worin die Höhen 
schraffirt, die mit Alluvium erfüllten Einsenkungen weiss geblieben 
sind, sowie das nebenstehende Profil durch einen Theil der Mo- 
ränenlandschaft bei ATurchow. (Fig. 1 u. 2.) 

In die Aloränenlandschaft fallen die höchsten Terrainerhebuiigen. 
Während sie unter 120 Meter über Meereshohe kaum zu finden 
ist, erhebt sie sich im östlichen Hiuterpommern bis 260 Meter, im 
Thurmberg in W. Pr. soo;ar liis 330 Meter Höhe. Die Höhen- 
unterschiede sind oft auf kleinem Raume höchst beträchtlich; so 
beträgt derselbe zwischen den Breitenberger Höhen südlich von 
Pollnow und der Sohle des Kalkbachthales bei Drawehn, die nur 
1 Kilometer entfernt ist, genau 150 Meter und zwischen der Spitze 
des Thurmberges und dem Spiegel des 2 Kilometer entfernten 
Ostritz-Sees sogar 172 Meter. 

In p^eoloKischer Beziehung ist die Aloränenlandschaft durch 
das Vorherrschen des Oberen Geschiebemergels charakterisirt, der 
tast allenthalben zu finden ist, da beinahe nur an den Rändern 
der in die Moränenlandschaft einschneidenden Thäler Unteres 
Diluvium zu Tage tritt. Diese Thäler verlaufen fast alle recht- 
winklig zur Hauptrichtung dieser Zone und sind an ihren Rändern 
häufiff mit Gehäimemooren bedeckt. Die Moränenlaudschaft ist 
in ihrem westlichen Theile, in der Gegend zwischen Neustettin 
und Callies in zwei Züge getheilt, die ziemlich parallel verlaufen 
und von einander durch die im übrigen Theile die südliche Be- 
grenzung bildende fünfte Zone getrennt sind. 

5. Diese steht zur vorigen in einem überaus schrofien Gegen- 


(1 : 25000 .) 



15H 


K. Keilhack, Der baltische Hölienriicken 


Satze. Ausjredehüte Ebenen mit p-erino'er ■wellenfönnio-er Bewesima’-, 

O O O O O ö” 

von vereinzelten Sandbergen durchragt, durchschnitten von vielen 
oft tief eingeschnittenen Rinnen, in welchen zahlreiche meist lang- 
gestreckte Seen liegen — das ist das orographische Bild dieser 
grösstentheils in der Provinz Westpreussen liegenden Zone. Auf- 
gebaut ist sie fast ausschliesslich aus Sauden und Schottern, die, 
wenn sie feinkörnig werden, was meist im südlichen Theile dieser 
Zone der Pall ist, Veranlassung zur Düneubilduug geben. Diese 
»Haidesandlaudschaft« gehört bereits dem Stromgebiete der Warthe 
lind Netze an, während die unter 1 bis 4 genannten Zonen durch 
zahlreiche kleine Flüsse direct zur Ostsee entwässern. 

6. Au diese gewaltigen Sandtlächeu schliesseu sich nach 
Süden in unregelmässiger Weise von Neuem Flächen Oberen 
Geschiebemergels an, die plateauartig die Sandebenen überragen. 
Zwischen diesen eiuzeluen Hochflächen fliessen in breiten schotter- 
erfüllten Thälern das Schwarzwasser, die Brahe, die Küddow, die 
Drage und andere Flüsse nach Süden zur Weichsel, Netze und 
Warthe. Der Parallelismus des Ganzen aber hört schon mit 
Zone 5 auf. 

Nach diesen einleitenden AVorteu wende ich mich zu einer 
speciellen Beschreibung der Zonen 4 und 5, die in ihrer Gesammt- 
heit die baltische Seenplatte darstelleu. 


Die Sloräiieiilaiidscliaft. 

Versetzen wir, um ein Bild von dieser vielleicht eigenthüm- 
lichsten Landschaftsform Norddeutschlands zu gewinnen, uns mitten 
in dieselbe hinein. Wir stehen am Hange eines Hügels und er- 
blicken vor uns ein kleines Moor. Ringsum ist dasselbe von 
ähnlichen Hügeln umgeben, wie der, auf dem wir stehen, so dass 
unser Horizont ein ganz eng begrenzter ist. Wir gehen in die 
Einsattelung zwischen zwei dieser Kuppen und erblicken vor uns 
von Neuem ein Moor in gleicher Umgebung wie das erste. Nun- 
mehr besteigen wir den höchsten Punkt unserer nächsten Um- 
gebuug; jetzt können wir unter günstigen Umständen 20 bis 30 
solcher Aloore überschauen, die inmitten eines regellosen Gewirres 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


157 


von Hügeln, Kegeln und kleinen Rücken in fast immer verschie- 
denen Niveaus eingesenkt sind. Wenn wir uns im Jnni befinden, 
so erscheinen inmitten der wogenden grünen Saaten die Moore 
wie mit weissem Schleier überzogen; das rührt her von den 
Tausenden und aber Tausenden von Wollgrasblüthen, die wie 
eine leichte Decke alle die Moore überziehen, deren Ober- 
fläche noch nicht von Menschen zur Torfgewinnung zerstört ist. 
Wir erblicken in einiger Entfernung bedeutende Höhen und be- 
schliessen, durch den Blick aus der Höhe noch weitere Gebiete 
in unser Gesichtsfeld zu fassen. Auf ununterbrochen wellig auf 
und ab steigcendem Wee:e streben wir unserem Ziele eutaesjen. 
Da sehen wir uns plötzlich aufgehalten durch ein tief eiugesenktes 
Thal. Kein ebener Thalboden bezeichnet seine Sohle, sondern 
vom tiefsten Punkte, wo der Bach fliesst, steigen die Thalränder 
in coucaver Kurve an und bis hoch hinauf am Gehänge zieht 
sich üppig grüne Wiese, hervorgegangen aus künstlich berieseltem 
Gehängemoore. Prächtio-e Buchenwälder bekleiden die höheren 
Theile des Gehänges, an welchem hier und da starke Quellen hervor- 
sprudelu. Nach Ueberschreiteu des Thaies auf serpeutiueuartig ge- 
wundenem Wege erreichen wir bald den Fuss der steil aufragenden 
Berge und sehen uns plötzlich in ein ganz verwandeltes Bild ver- 
setzt. Rings um uns bedecken gewaltige Mengen grosser und 
kleiner Geschiebe das noch immer stark bewegte Gelände; bald 
sind sie zu langen und breiten Steinwällen zusammengetrageu, 
bald in einzelnen, stumpf kegelförmigen Hügeln durch den Land- 
mann zusammengehäuft. Oft auch haben unsere Vorfahren im 
grauen Alterthum die Gräber ihrer Angehörigen durch darüber 
gehäufte Steine vor grabendem Dachs und Fuchs gesichert. Wo 
der Mensch, vor der Menge der Geschiebe verzagend, noch 
nicht Hand an dieselben gelegt hat, da sehen wir sie in mäch- 
tigen Packungen oder in regelloser dichter Bestreuung das Ge- 
lände bedecken. Nunmehr besteig-en wir zwischen Blöcken und 
über dieselben hinweg die Höhe: jetzt ofluet sich ein entzückender 
Blick in die Weite auf breite Thäler mit dunklem Nadelwald, auf 
grosse und kleine hellgrüne Buchenwälder, auf Hunderte weiss- 
schimmernder Moore in grünem Saatfelde oder auf dunkler Haide 


158 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


und auf grosse uud kleine Seen, deren klare, blaue Flutlien von 
allen Seiten lieraufsclrinunern. Solcher Landscliaftsbilder kann man 
von den hohen Bergen der Kassubei bis an die Grenzen der Neu- 
mark im Gebiete der Moräuenlandschaft viele sehen und oftmals 
übertreften sie weitaus an Schönheit die vielgepriesenen ITavelland- 
schaften l:>ei Potsdam und Werder. 

ln geologischer Hinsicht fallt der Lövvenautheil am Aufbau 
der Moränenlaudschaft dem Geschiebelehm zu. In einem sehr 
grossen, vielleicht dem grössten Theile derselben bildet er, nur 
von geringfügigen Verwitterungsschichten bedeckt, die Oberfläche; 
im anderen Theile ist er der olierflächlichen Beobachtung durch 
jüngere ihn überlagernde Schichten entzogen, unter denen aber 
zahlreiche Bohrungen, Gruben, Einschuitte, Gräben u. a. ihn an- 
getrofieu haben. Es ist dies dasjenige Gebilde, welches von dem 
Landwirthe der pommerschen Seenplatte allgemein mit dem 
Namen »Schlick« bezeichnet wird, wohingegen der Name Lehm 
für den später zu besprechenden Deckthon verwendet wird. Ich 
behalte in meiner Auseinandersetzung natürlich die in die Wissen- 
schaft eingeführten Namen bei. Der Geschiebelehm fehlt eigent- 
lich nur an den wenigen Stellen, wo das Untere Diluvium in 
durchragender Lagerung auftritt, und da, wo Erosionsthäler sich 
tief in dasselbe eingeschnitten haben. Der allgemeinen Begriffs- 
bestimmung des Geschiebelehmes als eines ungeschichteten, aus 
feinsten bis grölisteu Gesteinsbruchstückeu unregelmässig ge- 
mischten Gebildes (Reibungsbreccie) schliesst sich auch der Obere 
Geschiebelehm Ilinterpommerus au. In einzelnen untergeordneten 
Punkten aber zeigt er recht beträchtliche Abweichuno^en von dem- 
jenigen der früher bekannten Gegenden Ostpreusseus und der 
Mark. Der hauptsächlichste und in die Augen springendste 
Unterschied drückt sich schon in der von mir auofewendeten Be- 
Zeichnung Geschiebelehm aus. Denn während in der Berliner 
Gegend auf den Plateaus des Oberen Geschiebemergels das intakte 
Gestein, eben der kalkhaltige Mergel in zahlreichen Gruben, Gräben 
uud Hohlwegen sowie bei fast jeder Ilandbohruug in weniger als 2, 
oft in weniger als 1 Meter Tiefe angetroften wird, verhält es sich 
anders mit dem gleichen Gebilde des Höhenrückens in Hinter- 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


159 


poiiuneru. Hier ist in grossen Gebieten Gesc-liiebemergel eine 
Seltenheit; nur ganz ausnahmsweise wird er in besonders tiefen 
Wegeeinschnitten, wie sie das stark coupirte Terrain öfters nöthig 
macht, sowie in sehr tiefen, zur Moorentwässerung dienenden Gräben 
oder in grösseren Gruben angetroften. Ueber ihm liegt allgemein 
eine mächtige Decke eines ganz und gar kalkfreien Lehmes, die 
ihrerseits wieder oberflächlich von wenig mächtigem lehmigen Ver- 
witterungssande überlagert wird. Bei dieser Seltenheit des uuver- 
witterten Gebildes erschien es angemessen, für einzelne Blätter 
die Bezeichnung Geschiebe le hm, für andere, wo er häufiger auf- 
tritf, diejenige: Geschiebemergel zu verwenden. Ueber die Mäch- 
tigkeit dieser Verwitterungsriude liegen eine grössere Reihe von 
Beobachtungen von 7 genau untersuchten Blättern der Moränen- 
landschaft vor, deren ffegenseitUe La^e die nachfolo;ende Skizze 

" o Ö o o o 

zeigt : 



Bublitz 

Gr. 

Carzenburg 

Gramenz 

W urchow 


Bärwalde 

Persanzig 

Neustettin 


Im Folgenden gebe ich eine nach Sectionen geordnete Reihe 
von Mächtigkeiten der Verwitterungsrinde, in welcher alle die- 
jenigen Punkte angeführt sind, an denen der Mergel Ijeobachtet 
wurde, sowie alle diejenigen, an denen er trotz grosser Mächtig- 
keit der der Beobachtung zugänglichen Schichten nicht aufgefundeu 
wurde. In letzterem Falle ist der Zahl, die immer die Mächtig- 
keit der gesammten Verwitterungsschicht in Decimetern angiebt, 
ein -H angehängt. Es bedeutet also 35 = 3’/2 Meter Lehm, dar- 


160 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


unter Mergel, dagegen 35+ = 37-2 Meter Lelnn, ohne dass 
sein Ende damit erreiclit wäre. 

1. Gr. Carzenbnrg: 50 + , 48 + , 46 + , 40 +, 40 +, 

40 +, 36 +, 36 +, 33 +, 32 +, 25 + ; 40, 35, 28, 
26, 22, 17, 13, 6. 

2. Bublitz: 50 +, 50 +, 45 +, 45 +, 40 +, 35 +, 30 +, 

30+; 41, 30, 30, 28, 20, 15, 13, 10, 4. 

3. Wurcbow: 36+, 30+, 30+, 80 + ; 50, 50, 36, 32, 

30, 30, 30, 29, 29, 27, 27, 25, 25, 25, 25, 25, 25, 

25, 22, 20, 20, 20, 20, 20, 19, 19, 18, 18, 16, 16, 
15, 15, 15, 13, 13, 11, 9, 9, 8. 

4. Gramenz: 30+, 30 +, 24 + ; 40, 29, 28, 25, 24, 22, 

20, 20, 20, 19, 17, 17, 15, 14, 14, 12, 12, 0, 0. 

5. Neustettin: 40 +, 40 +, 35 +, 30 +, 30 +, 30 +, 

25 +, 25 +, 25 + ; 32, 30, 25, 25, 24, 20, 20, 

20, 17, 17, 15, 15, 15, 15, 15, 12, 12, 11, 10, 

10, 10, 9, 8, 8, 8, 8, 5. 

6. Persanzig: 36 + ; 35, 33, 21, 20, 18, 17, 17, 16, 15, 

15, 14, 14, 14, 12, 12, 11, 10, 10, 10, 10, 10, 10, 

8, 8, 8, 8, 6, 6, 6, 5, 5, 5, 5, 5, 5, 5, 4, 4, 0, 0. 

7. Bärwalde: 70+, 40+, 30 + ; 40, 37, 30, 26, 20, 20, 

19, 17, 16, 16, 15, 15, 15, 15, 14, 13, 12, 10, 

10, 10, 10, 8, 7, 7, 5. 

Aus dieser Zusanunenstellung gebt zunächst mit Sicherheit 
hervor, dass von Nord nach Süd auf den einzelnen Blättern die 
Zahl der Stellen, an denen der kalkhaltige unverwitterte Ge- 
schiebemergel auftritt, zuuimmt, sowie dass Hand in Hand damit 
die Mächtigkeit des ihn überlagernden Lehmes und lehmigen Sandes 
abnimmt. Berechnet man nun die mittlere Stärke der Ver- 
witterungsschicht für die Stellen, an denen dieselbe in ihrer vollen 
Mächtigkeit beobachtet werden konnte, so ergiebt sich daraus für 
die beiden nördlichen Blätter ein Mittel von 22,5, für die beiden 
mittleren ein solches von 20,7 und endlich für die drei südlichen 
von 13,6 Decimetern. Mit der Zunahme der Fundstellen des 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


161 


Mercrels nimmt die Zahl der Stellen ab, an denen er bei mebr 
als 2 Y 2 Meter Tiefe nicht nachgewiesen werden konnte. 

Worin ist nun die Ursache dieser so sehr verschiedenen 
Widerstandsfähigkeit eines annähernd gleichartig zusammenge- 
setzten Cxebildes gegen die Einflüsse der Atmosphärilien zu suchen? 
Etwa in der wechselnden Menge der letzteren in verschiedenen 
Gebieten oder in besonderen Eigenschaften des Geschiebemergels 
auf den verschiedenen Blättern? Der erste Umstand kann bei 
der verhältnissmässig geringen Entfernung der äussersten Blätter 
von einander, sowie bei der gleichartigen Lage aller sieben auf 
dem Höhenrücken und in gleicher Entfernung von der Küste kaum 
geltend gemacht werden. Wohl aber kommen in der chemischen 
und mechanischen Zusammensetzung Unterschiede vor, mit denen 
mau diese Erscheinung deuten kann. Diese Difterenzen treten 
hauptsächlich in dem Gehalte an kohlensaurem Kalke und in der 
relativen Menge der abschlämndiareu thonhaltigen Theile hervor. 
Es wurden von allen oljigen Blättern mehrere Proben des .Oberen 
Geschiebemergels auf ihren Kalkgelialt untersucht. 


Diese Prüfung ergab folgendes: 

o o o 


Blatt 

Gefundene Werthe für den Kalkgelialt 
in Procenten 

Mittel 

in Procenten 

Gr. Carzenburg . . 

3,7; 1,7 

2,7 

Bublitz 

7,8; 6,2; 5,6; 6,5 

6,5 

Wurcbow .... 

5,3; 5,7; 2,8; 5,4; 5,7; 6,0; 5,3; 8,4; 7,0 

5,7 

Gramenz .... 

6,4; 6,7; 6,9; 7,5 

6,9 

Neustettin .... 

7,6; 9,5; 8,6; 6,9 

8,2 

Persanzig .... 

9,8; 8,8; 8,4; 7,3; 8,5 

8,6 

Bärwalde .... 

8,4; 7,1 

7,8 


Mit anderen W^orten; in den beiden nördlichen Blättern be- 
trägt der Kalkgehalt im Mittel 5,25 pCt., in den beiden mittleren 
6,1 pCt., in den drei südlichen 8,25 pCt.; also ist ein deutliches 
Steigen des Kalkgehaltes in der liichtung von N. nach S. un- 
verkennbar vorhanden. 


Jahrbuch 1889. 


11 


162 


K. Keilhack, Der bnltisclie HöheDrücken 


Zu genau dem gleichen Resultate kommt man bei Betrach- 
tung des Gehaltes der einzelnen Geschiebemergel an thonhaltigen 
Theilen. Die foDeude Uebersicht möne dies zeigen: 

Ö O Ö 


Section 

Menge der thonhaltigen Theile 
in Procenten 

Mittel 

in Procenten 

Gr. Carzenburg . . 

25,1 

25,1 

Bublitz 

10,9; 25,0; 26,6 

20,8 

Wurcliow .... 

37,2; 35,6; 27,3; 29,5; 32,2 

32,3 

Gramenz .... 

31,4; 30,9 

31,1 

Neustettin .... 

38,9; 64,6; 39,8 

47,8 

Persanzig .... 

45,0 ; 34,9 

40,0 

Bärwalde .... 

38,3 

38,3 


Stellen wir die Mittelwerthe für die einzelnen Sectiousgrnppeu 
mit den oben gewonnenen Werthen für die Mächtigkeit der Ver- 
witterungsrinde und den Kalkgehalt zusammen, so ergiebt sich 
ein fast gesetzmässiger Zusammenhang aller drei Eigenschaften 
daraus : 



Mittlere Stärke 
der Verwitterungs- 
schicht 

in Decimetern 

Mittlerer 
Kalkgehalt 
in Procenten 

Mittlerer Gehalt 
an thonhalligen 
Theilen 
in Procenten 

Nördliche Blätter 

22,5 

5,25 

21,9 

Mittlei'e Blätter 

20,7 

6,1 

32,3 

Südliche Blätter 

13,6 

8,25 

43,6 


Es ist durch eine grosse Reihe von Geschiehemergel-Unter- 
suchungen aus andereu Gebieten festgestellt, dass im Grossen 
und Ganzen der Gehalt an kohlensaurem Kalk mit demjenigen 
an thonhaltigen Theilen ab- und zunimmt, so dass mau beide 
Erscheinungen als eng mit einander verknüpft lietrachten kann. 
In ihrer Verbindung erklären sie jenen oben auseinandergesetzten 
auffallenden Unterschied im Grade der Verwitterung vollkommen. 
Die grössere Menge der thonhaltigen Theile bedingt eine grössere 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


163 


Undvirclilässigkeit des Bodens gegenüber den chemisch zersetzenden, 
anslaugenden Atmosphärilien, und die grössere Menge des Kalkes 
wieder hat eine Verlangsamung des Entkalkungsprocesses zur 
Folge. So kann, da beide Faktoren Hand in Hand arbeiten, ein 
Unterschied im Gehalte au kohleusaurem Kalk um 2 — 3 pCt., ein 
solcher in der Menge der thoiihaltigen Theile um 10 — 20 pCt. 
auf die Stärke der Verwitteruugsrinde von grossem Einfluss sein. 

Um zu sehen, ob der Kalkgehalt des Geschiebemergels von 
ol)en nach unten zunimmt, wurden 4 Proben von der oberen 
Grenze des kalkhaltigen Gebildes mit 4 solchen der gleichen Auf- 
schlüsse aus — 2 Meter grösserer Tiefe verglichen. Das im 
Ganzen negative Resultat zeigt die folgende Zusammenstellung, 
aus der gleichzeitig hervorgeht, dass auch rücksichtlich der thou- 
haltigeu Theile keine durchgehende Zunahme stattfindet. 


Ort 

der 

P robeeutnalime 

Kalkgehalt 
an der 

oberen Grenze 

Desgl. in 
grösserer Tiefe 

Gehalt 

an thonhaltigen 
Theilen an der 
oberen Grenze 

Desgl. 
in grösserer 
Tiefe 

Grube an der 
Chaussee nördlich 
Wurchow 


7,0 

37,2 

35,6 

1. Chaussee- 
einschnitt von 
Zechendorf 
nach Gramenz 

G,02 

5,34 

29,5 

32,2 

2. Einschnitt 
daselbst 

G,35 

G,72 

— 

— 

3. Einschnitt 
daselbst 

G,87 

7,50 

31,4 

30,9 


Der Obere Geschiebemergel l>esitzt auf allen Blättern gleiche 
Farbe in seinen oberen Theilen, die durchweg gelblich gefärbt 
sind, wie in der Umgebung von Berlin ; dagegen kann mau mehr- 
fach in tieferen Aufschlüssen beobachten, dass diese gelbe Farbe 
auch nur Resultat der Verwitterung ist, dass die ursprüngliche 
Farbe des Oberen Mergels aber eine dunkele, in feuchtem Zu- 
stande schwarzgrane , in trockenem mehr hellgraue ist. In meh- 


11 


164 


IC. IvEiLHACK, Dor baltische Höhenrücken 


rereii tiefen Einschnitten der Bnblitz-Gramenzer Chaussee liess 
sich das gut sehen. Diese Verfärbung, auf der Oxydation von 
Eisenoxydulsalzen beruhend, reicht im Allgemeinen bis zu einer 
Tiefe von 6 — 7 Metern herunter. 

Wie mächtig der Obere Greschiehemergel im Durchschnitte 
ist, lässt sich nicht sagen, da selbst in Tiefen von 8 — 10 Metern, 
wie sie in einzelnen Wegeeinschnitten, Gräben und Gruben erreicht 
werden konnten, sein Liegendes noch nicht angetroften wurde. 
Am Rande der Erosionsthäler und in der Nähe der Durchragungen 
des Unteren Diluviums ist natürlich seine Mächtigkeit viel geringer, 
so dass man hier vielfach mit dem 2 Meter-Bohrer den ihn unter- 
lagernden Sand erreichen kann. 

Der Obere Geschiebemergel besteht in den meisten Fällen 
aus nur einer Bank; indessen konnten an einzelnen Stellen, so 
auf Blatt Gr. Carzenburg östlich von Porst und auf Blatt Per- 
sanzig nördlich von Eschenriege, zwei verschiedene Bänke von 
Geschiel)elehm unterschieden werden, von denen die obere nur in 
kleinen dünnen Decken noch vorhanden und von der unteren 
Bank durch eine stellenweise recht beträchtliche Sandfolge ge- 
trennt ist. Ein Profil dieser Lagerungsverhältnisse an der erst- 
genannten Lokalität, in welchem der vermuthete Zusammenhang 
der unteren Bank durch eine puuktirte Linie angedeutet ist, möge 
hier seinen Platz finden. 


Fig. 3. (Länge 1 : 12 500. Höhe 1 : 5000.) 



Oberer Geschiebcmergel. Gescblebesand. Moor. 

Untere Bank. Obere Bank. 


Eine Erklärung dieser Erscheinung wird weiter unten im 
Zusammenhänge mit der Entstehung der gesammten Moränen- 

o O Ö 

landschaft zu geben versucht werden. 


in Hinterponimern und Westpreussen. 


165 


Der Gescliiebemergel ist das Urspmngsproduct, aus dem auf 
dem Wege einer natürlicheu uasseu Aufbereitung alle übrigen 
diluvialen Gebilde der Moränenlandschaft hervorgegaugen sind. 
Derartige aus dem Gescliiebemergel entstandene Bildungen finden 
sich in dem von mir untersuchten Geliiete in allen Korn- 
grössen als Thone, Sande, Geschiebe-Sande und Grande, Geröll- 
beschüttungen und Blockanhäufungen. Ich werde sie der Reihe 
nach beschreiben und mit den Gebilden geringster Korngrösse 
beginnen. 

1 . Thon resp. Thonmergel. Derselbe tritt in zwei überaus 
verschiedenartigen Formen der Lagerung auf: 

a. dem Geschiebelehm aufgelagert, ohne Saudbedeckung 
oder Sandzwischenlagerung; 

b. dem Geschiebesande des Oberen Diluvium eiuöfelajrert. 

Die unter a genannte Form des Thones, für die der in Ost- 
prenssen gewählte Name »Deckthon« als ein sehr glücklicher zu 
bezeichnen ist, gehört durch ihre höchst eigenthümliche Lagerung 
zu den auffälligsten und vorläufig auch zu den räthselhaftesten 
Gebilden der Moränenlandschaft. Er tritt auf fast allen unter- 
suchten Blättern in zahlreichen kleinen Flächen von meist rund- 
licher oder elliptisclier Begrenzung auf, ausserdem aber bildet er 
im südwestlichen Theile von Blatt Bublitz und der Nordhälfte von 
Blatt Wurchow grosse zusammenhängende Flächen, die bis 3 Kilo- 
meter Länge und 1 Kilometer Breite besitzen. Dieselben liegen 
in der Regel deckenartig auf den Bergen und überkleiden grade die 
höchsten Erhebungen dieses Gebietes. Von diesen Höhen, auf 
denen sie manchmal ausgedehnte Ebenen bilden, ziehen sie sich 
an den Gehängen herunter, aber nicht auf allen Seiten gleich 
weit, sondern bald tiefer, bald weniger tief am Al)hange hören 
sie auf, und der sie imterlagernde Geschiebelehm tritt überall unter 
ihnen hervor. Zwei solcher charakteristischen Thouberge sind 
der Lindenberg und der Bahrenberg auf Blatt Wurchow. In 
den folgenden Darstellungen ist der erstere im Querschnitt und 
im Kartenbilde, der letztere nur im Querschnitt gegeben. 


166 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


Fig. 4. (1:25000.) 



Oberer Deckthon. Moor. 
Geschiebemergel. 


Fig. 5. (Länge 1 : 12 500. Höhe 1 : 5000.) 

Der Bahrenberg 



Deckthon. Oberer Geschiebemergel. Moor. 


Die Lagerung des Thoues auf zwei weiteren Tlionbergen, 
dem Teiupelberg und Gruggelberg nordwestlich von Wurchow, 
zeigt Protil No. 2, Seite 155. Dass hier überall der Gescliiebelehm 
in der That den unmittelbaren Untergrund des Deckthones bildet, 
geht nicht nur aus den Beobachtungen hervor, die man in jedem 
der zahlreichen, die Flanken der Tlionberge durchtürchenden, tiefen 
Wasserrisse machen kann, sondern wird auch durch Geschiebe- 



in Hinterpommern und Westpreussen. 


167 


lehminseln bewiesen, die den Decktlion durcbragen. Mit dem 
Bohrstocke kann mau deutlich ein Auskeileu des Thoues genen 

Ö o 

diese Lehminseln verfolgen. 

Der Deckthon ist ein ausserordentlich feinkörniges Gebilde, 
dessen Sandgehalt oft auf wenige Proceute herabsiukt, während 
Kies und Steine ihm völlig fehlen. In Folge dieser ausserordent- 
lichen Feinheit des Kornes ist er sehr undurchlässig, der Ver- 
sumpfung in hohem Grade ausgesetzt und nur wenig mechanisch 
verwittert, so dass von einer eigentlichen Verwitteruugsriude, wie 
bei dem Geschiebelehm, kaum die Rede sein kann. Ich gebe im 
Folgenden die mechanische Zusammensetzung des Deckthoues in 
einem Profil und in einigen nnverwitterteu Uutergrundsbilduugen: 


Ee 

Ort 

der 

t n a h m e 

Sand 

Thoiihalti 

Staub 

0,05- 

0,01“*™ 

ge Theile 
Feinstes 
unter 
0,01™'“ 

Summa 

2- 

]^mrn 

1- 

0,5>imi 

0,5- 

0 

0,2- 
0,1 mm 

o 
5 1 

Profil des Deckthoues bei 
Althütten, Blatt Bublitz 

0 — 2 Dec. 
2 — 5 » 
5—9 » 

25,9 

74,1 

100,0 

1,0 

3,2 

5,5 

8,6 

7,6 

24,4 

49,7 

10,1 

89,9 

100,0 

0,1 

0,6 

1,5 

1,5 

6,4 

20,6 

69,3 

2,3 

97,7 

100,0 

— 

0,1 

0,4 

0,2 

1,6 

11,2 

81,5 

Deckthon vom 
Tempelberg 
bei Wurchow 

9,5 

90,5 

100,0 

— 

— 

— 

1,8 

7,7 

44,6 

45,9 

Deckthon vom 
Hüttentliess südöstl. 
Schoofhütten, 
Blatt Wurchow 

20,0 

80,0 

100,0 

0,2 

0,6 

1,6 

5,5 

12,2 

20,4 

59,6 


Auch der Decktlion ist ein ursprünglich kalkhaltiges Gebilde; 
indessen sind die oberen Schichten wieder entkalkt, aber bei 
Weitem nicht bis zu der Tiefe, wie bei dem Geschiebemergel, viel- 
mehr wird meist schon bei 8 — 12Decimeter Tiefe der Thonmergel 


168 


K. Keilhack , Der baltische Höhenrücken 


augetrotten. Der Kalkgehalt zweier imtersuchter Proben betrug 
7,2 resp. 12,2 pCt. Die Mächtigkeit der Gesamintscbicbt über- 
schreitet 3 Meter wohl nur ausnahmsweise. In den kleinen Flächen 
beträgt sie sogar selten mehr wie 1 Meter. 

Bei dem Mangel einer Drainage und der Sitte des Abplaggeus 
der Gras- und Haidekrautnarbe auf den Deckthouflächen gehören 
dieselben heute grössteutheils zu den schlechtesten Kulturflächeu. 
Nur an wenigen Stellen hat mau durch sorgfältige Behandlung 
des Bodens denselben in Kultur gebracht und er erweist sich in 
diesem Falle, wie vorauszusehen, als Weizenboden. In den mit 
Deckthon überkleideten Bergen zwischen Bublitz, Wurchow und 
Gramenz, die heute sumpfige, mit Wachholder und Erica be- 
standene grasarnie Weiden und Haiden darstelleu, liegen Schätze 
verborgen, zu deren Hebung allerdings ein beträchtliches Anlage- 
kapital erforderlich ist. 

In der zweiten Form, als Eiidagerung in den Sauden, die 
über dem oberen Geschiebelehm lagern oder wenigstens jünger 
sind, wie dieser, findet der Thon sich meist in Becken und 
Rinnen, überhaupt in den niedriger gelegenen Theilen der Moränen- 
laudschaft. Seine Mächtigkeit ist in diesem Falle meist unbe- 
trächtlich ; er geht bis zu wenige Centimeter starken Einlagernngeii 
herab und kann bis auf 1 ^2 Meter Mächtigkeit anschwelleu. Bald 
bildet er in diesem Falle die Oberfläche, wie zwischen Grums- 
dorf und Porst, bald liegt er unter dem Saude verborgen und 
wirkt dann nur durch seine physikalischen Eigenschaften ver- 
bessernd auf ihn ein. 

Eine höchst auffällige Lagerung zeigt der Thon an einer 
Stelle südlich von Bublitz unmittelbar uelien der Wurchower 
Chaussee in der Nähe der Neudorfer Ziegelei. Er wird hier zur 
Ziegelfabricatiou in zwei links und rechts der Chaussee liegenden 
Gruben abgebaut. Beide Aufschlüsse stehen in verschiedenen, 
oberflächlich nicht zusammeuhängeuden Thoulagern, deren Alters- 
und Lagerungsverhältnisse aber offenbar die gleichen sind. Das 
folgende, entlang der Chaussee von Nord nach Süd gelegte Profil 
zeigt diese Lagerungsverhältnisse, soweit sie sich durch Aufschlüsse 
und Haudbohrungen beobachten Hessen. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 169 

Fiji. 6. (Länge und Höhe 1 : 5000.) 



Steinbescliüttung. 

An dem nach Norden geneigten Geliänge legt sich ein fein 
geschichteter Thon nnt südlichem Einfallen direct anf den Ge- 
schiel)elehm auf, welcher noch unter 51/2 Meter mächtigem Thone 
erhohrt wurde. Auf den letzteren legen sich Sande aid', die nach 
Süden immer mächtiger werden und in einer von der Chaussee 
durchschnittenen Kuppe 10 Aleter stark werden. Diese Kuppe 
wieder ist auf ihrer Spitze und an ihrem südlichen Gehänge mit 
zahlreichen grossen und kleinen Geschieben bedeckt, so dass sie den 
Charakter der später zu besprechenden Endmoränen auuimmt. Auch 
weiter nach Süden beobachtet mau unter diesen Geschiebehilduugen 
wieder den Geschiebelehm, der dann auch bald zu Tage tritt. 
Der Thon ist in seinen oberen Schichten von gellter, in den 
unteren Schichten von blauer Earbe; während der oberste Aleter 
entkalkt ist, zeigen die unteren Schichten einen wechselnden 
Kalkgehalt (8,8; 14,1; 14,7 pCt.) In Folge eines Wechsels von 
thoureichereu mit mehr felnsandigeu Schichten sieht man in dem 
ganzen Lager eine aussergewöhulich feine Schichtung. In der 
Grube westlich von der Chaussee enthält der Thon in 2 — 3 Meter 
Tiefe zahlreiche, leider ausserordentlich zerbrechliche Schalen 
von Süsswasserschneckeu und Aluscheln, unter denen Planorbis 
marginatus^ ein Limnaeus und ein Pisidmrn mit Sicherheit fest- 
gestellt wurden. 

2. Geschiebefreie Sande treten im Oberen Diluvium der 
Moränenlandschaft verhältnissmässig selten auf. Sie sind in den 
meisten Fällen an die Deckthone geknüpft in der Art, dass am 
Rande einer Thonplatte gewöhnlich eine Stelle sich findet, an 
welcher der Thon durch Saud ei'setzt ist. Es macht fast den 
Eindruck, als ob in diesen Sauden eine Art Alüudungsdelta der- 


170 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


jenigen Gew^ässer vorläge, welche den Thoiischlainm in diese alten 
Seebeckeu liineiuführten. Da es an Aufschlüssen an der Grenze 
von Sand und Thon fehlt, so ist es schwierig, diese Lagerungs- 
Verhältnisse klar zn erkennen. 

3. Geschieh esande und Grande sind in manchen Theilen 
der Moränenlandschaft sehr verbreitet, während sie in anderen 
wieder nur ganz untergeordnet anftreten. Zn ersteren Gebieten 
gehören beispielsweise die kartirten Blätter Gross-Carzenbnrg und 
Persanzig, sowie die Nordostecke und ein Streifen beiderseits des 
Gotzelthales anf Blatt Bnblitz, zu den letzteren dagegen der west- 
liche Theil von Bid:)litz, sowie die Blätter Grainenz und Wnrehow. 
Man kann im Auftreten des Geschiebesaudes zwei Fälle unter- 
scheiden: in dem einen ist er von geringer Mächtigkeit, 6 bis 
15 Decimeter, von Geschiebelehm nnterlagert, meist ziemlich 
lehmig, so dass es oft schwer wird, ihn von dem reinen Ver- 
witternugssande des Lehmes zu unterscheiden. In dem anderen 
Falle wird der Saud weit über 2 Meter, ja sogar 5 — 6 Meter 
mächtig lind ist nur in der Ackerkrume noch etwas lehmig, im 
Untergründe dagegen sehr rein ausgewaschen. In der mechanischen 
Zusammensetzung sind beide noch dadurch unterschieden, dass 
in dem ersteren die Geschiebe ziemlich häutig sind, während in 
dem letzteren das graudige Element überwiegt. Dieser wird bei 
seiner grösseren Mächtigkeit bisweilen auch noch kalkhaltig ange- 
troöen, z. B. in der Kiesgrube gegenüber dem alten Chaussee- 
hanse, 5 Kilometer südlich von Bnblitz an der Nenstettiner 
Chaussee, wohingegen der lehmige Geschiebesand immer voll- 
kommen entkalkt ist. Dieser zeigt auch in seiner Verbreitung 
keine Gesetzmässigkeit, wohl aber kann man eine solche in der- 
jenigen der mächtigen grandigen Sande erkennen. Dieselben 
lassen sich nämlich mit mehreren Unterbrechungen in einigem Ab- 
stande vom Südraude der Moränenlaudschaft von der Westgrenze 
des Blattes Gross-Carzenbnrg bis zu derjenigen des Blattes Bär- 
walde, also anf einer Länge von ungefähr 40 Kilometer ver- 
folgen und stellen hier ein bald breiteres, bald schmäleres Band 
dar, dessen grösste Breite südlich von Eschenriege 3 Kilometer 
beträgt. Die räumliche Vertheiluug dieser Saude gewinnt an 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


171 


Interesse, wenn mau sie, wie weiter imteu geschehen wird, iu 
ihrer Verknüpfung mit dem hinteren Endmoränenzuge betrachtet. 

Es ist in hohem Grade wahrscheinlich , dass auch unter 
diesen mächtigen Sanden der Obere Geschiehelehm lagert, aber 
beweisen liess sich das eben wegen dieser Mächtigkeit nur au 
wenigen Stellen, so südlich von Porst und Neuhof, südlich vom 
Papenzinsee, am Rande des Persantethales, südlich von Eschen- 
riege und in der Nähe des Gutes Schmitz, östlich von Bärwalde. 

Im Folgenden gebe ich die mechanische Zusammensetzung 
zweier Saudprofile, je eines von jeder Art: 



Tiefe der 
Probe- 
entnahme 

Grand 

Sand 

Thonhalt. 

Theile 

unter 

0,05“''“ 

Summa 

über 

10'“'“ 

10- 

in 

5- 

0mm 

2- 

] mm 

1- 

0,5üim 

0,5- 

0,2'“™ 

0,2- ' 0,1- 
0,1™'“ 0,05'“™ 

Oberer Geschiebesand über 
Gesehiebelehm, Vorwerk Dra- 
wehn. Blatt Gr. Carzenburg 

0—2 Dee. 
2 — 5 » 
5—8 » 
0-2 » 
2-5 » 
5—15 » 

6,4 

77,3 

16,3 

100,0 

— 

— 

— 

6,6 

20,0 

25,4 

10,6 

14,7 

6,6 

80,4 


13,0 

100,0 

— 

— 

— 

8.2 

22,6 

23,2 

19,4 

7,0 

7,4 

79,3 

13,3 

100,0 

— 

— 

— 

8,4 

20,7 

25,5 

16,2 

8,5 

Oberer Geschiebesand, nahe 
dem Dorfe Persanzig. 
Blatt Persanzig 

10,6 

77,9 

11,5 

100,0 

1 

i 

— 

8,7 

22,1 

27,8 j 15,4 

3,9 

22,9 

73,8 

3,3 

100,0 

11,2 

2,1 

9,6 

12,6 

33,6 

23,5 

3,5 

0,6 

25,0 

73,5 

1,5 

100,0 

14,7 

1,6 


12,5 

29,2 

25,3 

6,1 

0,4 


4. Geschiebeb eschüttu ngeu und Packungen, die 
gröbsten Rückstaudsprodnete bei der Zerstörung des Geschiebe- 
mergels, zeigen sich räumlich eng miteinander verknüpft. Durch 
West-Preussen, Pommern und die Neumark, von der Weichsel 


172 


K. Keilhack, Der baltisclie Höhenrücken 


bis zur Oder, zieht sicdi, im Grossen und Ganzen parallel der 
Küste, ein schmaler Streifen Landes, welcher durch die Staunen- 
erregende Fülle der in ihm auftretenden Geschiebemengen in 
hohem Maasse aufiallt. Diese Geschiebe sind entweder in 
mächtigen Packunsfeu aimeordnet oder sie l)edecken die Oberfläche 
des Bodens in solcher Menge, dass man von einer Beschüttung 
desselben mit grossen und kleinen Blöcken reden kann. Im 
ersteren Falle stellt die Packumr ihrer äusseren Form nach o-ewöhn- 
lieh kleine Kegel oder schmale, in die Länge gezogene Rücken dar. 
ln diesen, bisweilen mehrere Hundert Meter langen, 20 — 200 Meter 
breiten Steinhügeln liegen Blöcke von allen Grössen , durch 
grandige Zwischeumittel verbunden, so dicht auf einander, dass 
man an keiner Stelle mit dem Bohrer in dieselben eiuzudringen 
vermag. Diese gewaltigen Geschiebeanhäufungen tragen in jeder 
Beziehung, d. h. nach Form, Inhalt und. Lagerung auf das deut- 
lichste ihren Charakter als ausgedehnte Fnd- oder Stirnmoränen 
zur Schau und stimmen völlig mit denjenigen Bildungen überein, 
die man am F.usse der heutigen Gletscher beobachtet, wie sie sich 
auch durch nichts von den als Endmoränen gedeuteten Bildungen 
früher vergletscherter anderer Gelüete unterscheiden. Ich werde 
sie daher im Folgenden einfach Endmoränen nennen. 

In dem durch seinen Geschiebereichthum ausgezeichneten 
Gebiete nehmen der Fläche nach die Endmoränen den kleineren 
Raum ein. Die Hügel und Kammstücke sind entweder kurz 
aueiuaudergereiht oder treten in grösseren Entfernungen von 
einander auf. Dann sind die Flächen zwischen den einzelnen 
Endmoränenstücken mit einer oberflächlichen Geschiebebeschüttung 
von solcher Massenhaftigkeit versehen, dass es erst in einem 
kleinen Theile derselben dem Menschen gelungen ist, einiger- 
maassen im Kamjife um den Boden den Sieg über die Natur 
davouzutragen. Da, wie wir weiter unten sehen werden, die 
Lage des Geschiebezuges eine derartige ist, dass ihn auf einer 
Seite nur spärlich bewohnte Gebiete begrenzen, da fernerhin die 
Eisenbahn ihn auf seiner ganzen über 500 Kilometer betragenden 
Länge zwischen Oder und Weichsel nur au 5 Stellen schneidet, 
und der Verwerthung der Geschiebemengen aus beiden Gründen 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


173 


grosse, natürliche Hindernisse sieh in den Weg stellen, so 
kommt es, dass in den meisten dieser Gel)iete der lleichtlmm an 
Geschieben noch als eine Last empfunden wird, während er 
anderwärts unter günstigen Transportbedingungen eine Quelle 
lohnenden Gewinnes geworden ist. So hat denn der Mensch in 
anderer Weise versucht, den Boden zu entsteinen und das massen- 
hafte Steinmaterial zu beseitigen. In Folge dessen sieht man fast 
uireends mehr auf <rrössereu Flächen die Gebiete der Geschiebe- 
beschüttuno- in ihrem uaturwüchsig:en Zustande. Bald sind viel- 
mehr die Geschiebe zu einzelnen mächtigen Steinhaufen zusammen- 
getrageu , die inmitten der Felder, oft mit Buchen- und Hasel- 
gestrüpp bewachsen, sich erheben, bald zu gewaltigen, l)is 1 ^2 Meter 
hohen, bis 5 Meter breiten Steinmauern, in denen viele 1000 Kubik- 
meter werthvoller Geschiebe für zukünftige Geschlechter aufgestapelt 
liegen. Oft ziehen diese cyklopischen Mauern sich mehrere Hundert 
Meter weit in die Felder, indem sie gleichzeitig die einzelnen Schläge 
von einander trennen. Ein anderer Theil der Geschiebe ist der 
Benutzung durcdi die Nachwelt dadurch verloren gegangen, dass 
er in die Tiefen schwimmender Moore oder in Seen oder in 
eigfeus zu diesem Zwecke geo-rabeue, gewaltigfe Steingfruben a’e- 
worfen ist. Von der uralten künstlichen Geschiebeauhäufuug zum 
Gräberschntze habe ich schon oben gesprochen. Erst der kleinste 
Theil der Geschiebe ist zu Bauwerken oder zu Knnststrassen 
verwendet worden. Wenn man aber das mehr und mehr sich 
ausdehneude Chaussee- und Eisenliahnnetz Hiuterpommerns be- 
rücksichtigt, so muss mau sich sagen, dass die Zeit nicht mehr 
fern ist, in welcher mit dem Geschiebereichthum der Moräuen- 
landschaft gründlich aufgeräumt werden wird. Schon jetzt sind 
in der zweiten von mir beschriebenen Zone, die den grössten 
Bedarf au Banmaterial für ihre Häfen und tjrossereu Städte be- 
sitzt, die Geschiebe zu einer Seltenheit geworden, schon beginnt 
man, au der Ostbahn bei Preussisch-Stargard, au der Neustettiu- 
Stolprnünder Bahn südlich von Rummelslnirg und an der Nen- 
stettin- Belgarder Bahn bei Dallenthin, den Iveichthnm des Ge- 
schiebezuges anszubeuten und Danzig mid das Küstenland mit 
Baumaterial zu versorg-en. 

O 


174 


K. Kicilhack, Der baltische Höhenrücken 


Ich wende mich nunmehr zn einer speciellen Beschreibung 
der in den Hauptzügen ans der Uebersichtskarte Taf. XXVI leicht 
ersichtlichen Verbreitung des Eudmoräneuznges von Westpreussen 
bis zur Grenze der Nenmark und beginne im Osten mit derjenigen 
Stelle, von welcher aus mir nach Westen hin der Zusammenhang 
überall bekannt geworden ist. Dieses Gebiet, welches die Er- 
scheinung nach der Menge der in ihm auftretenden Geschiebe, 
sowie nach der Fläche, welche dieselben bedecken, in imponiren- 
der Grossartigkeit zeigt und durch menschliche Eingriffe bisher, 
wenigstens im Vergleiche mit den weiter westlich gelegenen Ge- 
bieten, erst wenig Veränderungen erlitten hat, liegt in der Nähe 
des Ursprungs des Stolpeflusses, 3 — 4 Meilen nordöstlich von 
Bütow in der Ivichtung auf Carthaus. In diesem weit ah von 
Eisenbahnen und Städten gelegenen, schwer erreichbaren Winkel 
der Kassubei entströmt dem südlichen Theile des fast eine Meile 
langen Gowidlinoer-Sees der Stolpetluss; derselbe durchtliesst dann 
den Weugorczin-See ebeutälls von Norden nach Süden und wendet 
sich hierauf in scharfem Umbiegen nach Westen. In dem auf diese 
Weise gebildeten Winkel zwischen Snllenczyn , Friedrichsthal, 
Kistowo und Borrek, sowie auf der gegenüber liegenden östlichen 
Seite dieser Seeukette zwischen Bukowagora, Podjass, Tuchlin und 
Vlischischewitz besten zwei mächtiofe Flächen mit Endmoränen 

O O 

und Geschieliebeschüttungen bedeckt , von denen die westliche 
5 Kilometer lang und 3 Kilometer breit, die östliche 7 Kilometer 
lang und bis 4 Kilometer breit ist. Südlich vom Thale des Stolpe- 
tlusses, der wie ein brausender Gebirgsbach in enger Erosions- 
schlucht über angehäufte Geschicbemengeu mit Stromschnellen 
und kleinen Wasserfällen den Moränenzug durchbricht, findet 
man beiderseits des Gr. Mansch -Sees die Gehänge noch eine 
Strecke weit mit Endmoränen bedeckt, die sich bis zum Seespiegel 
hinabziehen und dann verschwinden. Man gewinnt den Eindruck, 
dass das Verschwinden des Zuges von hier ab nach Süden darin 
seinen Grund hat, dass er unter die Finthen des Sees unterge- 
taucht ist. Erst in der Nähe der Bütow - Bereuter Cli.aussee 
zwischen Polzin und Nakel begegnen wir wieder grossen Geschiebe- 
mengen, die sich l)is in die Nähe von Lonken nach Westen ziehen. 


in Hinterponimern und Westpreiissen. 


175 


Hier l)ie 2 't der Zua; mn und Imd't über Grölieuzin nach Stüdnitz 

O ö 

aen Süden. Nördlich von Gröbenzin, an der Westseite des 
Czarndainerow-Sees sind die Blockhügel wieder in ausgezeichneter 
Schönheit entwickelt. Von Stüdnitz an erlangt der Endinoränen- 
zng eine ziemlich gleichniässige Breite bis in die Gegend zwischen 
Kuininelsl)urg und Bublitz. Dieselbe beträgt iin Durchschnitte 
600 Meter, steigt bis 1 Kilometer und geht nicht unter 200 Meter 
herunter. 

Meist nur als sehr starke Geschiebebeschüttung mit ver- 
einzelten Endmoränenkuppen ausgebildet, zieht sich der Zug von 
Stüdnitz über die Oberförsterei Zerrin und das Dorf ßeckow in 
mehreren Bogen, die seine Verfolgung erschwerten, nach Pyaschen. 
Hier biegt er kurz um den Pyaschen- See herum und zieht sich 
auf der Ostseite des flussartig schmalen Camenz - Sees nach 
Süden bis Gllsno. Gleich westlich des Sees setzt der Zug 
bei Zemmen wieder ein und läuft in südwestlicber Kichtuug über 
Trzebiatkow bis an die lauge, zum Theil mit Seen gefüllte Süd- 
ost-Nordvvestrinne, in welcher der Wipperfluss fliesst, südlicli von 
Cremerbruch. Diese, die ganze Moränenlandschaft durchschneidende 
Senke veranlasst abermals eine vollständioe Unterbrechuno- des 
Zuges, der erst D /2 Kilometer weiter westlich, zwischen Briesen 
und Reinwasser wieder deutlich wird. Er lässt sich weiter ver- 
folgen über Birkensteiu und Gr. Peterkau nach Niederdorf, wo 
die Rinne des Deepei’-Sees durchcpiert wird, dann über Schwessiu 
und die Darseuer-Mühle nach Hammer. Hier hat der Reichthum 
an Geschieben bereits sehr beträchtlich abgenommen, doch ver- 
mochte mir der Pfarrer von Schwessiu, von dem ich manche 
daukenswerthe Mittheilung erhielt, den Verlauf im Einzelnen noch 
genau zu zeigen. Die Baldeuburg - Ruminelslnirger Chaussee 
schneidet den Zug an einer Stelle, wo er etwas spärlich entwickelt 
ist, zwischen Kl. Volz und Falkenhageu. Gleich nach Westen 
hin wird er aber wieder sehr deutlich und neben den allenthalben 
reichlich vorhandenen einzelnen Geschieben wieder durch zahl- 
reiche Hügel aus Geschiebepackungen angezeigt, die l)esonders 
f)ei Höll cewiese und Puppe sich häufen. Wir kommen nunmehr 
in das speciell kartirte Gebiet. Der Geschiebezug setzt in das- 


176 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


selbe ein ivn Gr. Carzenbnrger Walde südlich von Marienbnrg 
und 2 ;elit als Steinbeschüttunp' nach Westen über den Preirotz- 
See zum grossen Vettrin-See. Südlich von diesem, beiderseits 
der Gr. Carzeuburg-Drawehner Chaussee, sind die eigentlichen 
Endmoränen wieder in ganz hervorragender Menge entwickelt. 
Sie erreichen hier auch in Bezug auf Höhe und Breite Maasse, 
die ihnen sonst nicht eigen sind. Von hier aus zieht sich ein 
Ausläufer nach Nordwesten in der Richtung auf Drawehn, beider- 
seits der tiefen vom Lenzbach und Angerbach durchflossenen Ein- 
senkung, während der Hauptzug durch das Revier Kl. Carzenburg 
der Königl. Forst Oberfier bis zum Schlossberge in westlicher 
Richtung weiter verläuft. An dieser mächtigen , mit zahlreichen 
grossen Blöcken bedeckten Endmoräne biegt er scharf nach Süden 
um und verläuft, wieder nur durch grosse Blockineugen bezeichnet, 
östlich von den Pinnow-Seen in den Zul>berow, einen prachtvollen, 
oleichtälls zur Forst Oberfier ffohöreuden Laubwald. In demselben 
treten an mehreren Stellen wieder sehr schöne Endmoränen auf 
Nun folgt eine auftällende Lücke nördlich und westlich von dem 
grossen Virchow-See, die nur durch einige kleine Steinkuppen bei 
Grumsdorf unterbrochen wird. Die nordwestlich von Wurchow 
gelegenen, mächtigen Endmoränen sind jedenfalls auf den zweiten, 
später zu besprechenden Zug zu beziehen. Erst südlich von 
Wurchow, auf dem schmalen, steil abfallenden Rücken, der sich 
parallel der Neustettiner Chaussee nach Süden zieht, setzen die 
Endmoränen wieder ein und können mit geringen Unterbrechungen 
über Gönne, Steinforth und den Pollakberg nach Gr. Dallenthin 
an der Neustettin - Belgarder Bahn verfolgt werden. Bei letzt- 
genanntem Orte werden die Geschiebe in grossen Mengen ge- 

o O O o 

Wonnen. Es ist hier sehr auffällig, dass die grossen Geschiebe, 
die sonst überall dem Endmoränengebiete ihren charakteristischen 
Stempel aufdrücken, sehr zurücktreten, wogegen solche von 1 bis 
2 Kubikfuss Grösse und darunter weitaus überwiegen. Südlich 
von Dallenthin wird durch die Persante die Moräueulandschaft 
vollständig durchschnitten. Wie bei dem Wipperthale, so setzt 
auch hier der Zug, bis auf wenige kleine Steinkuppen, auf 6 Kilo- 
meter Länge von Gr. Dallenthin bis Raddatz aus. Von da an 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


177 


aber besteht ein ummterbrocbeuer Zusammenhang nach Westen 
hin bis an die breite Einne nördlich von Falkenberg, in welcher 
der Zetzin-See liegt. Gleichzeitig geht der Zng wieder in seine 
alte Hanptrichtnug von Ost-Nord-Ost nach West-Süd- West über. 
Die einzelnen berührten Orte sind von Raddatz an Gissolk, Cölpiu, 
Fried riclisberg, Kriegstädt, Oerden, Klöpperfier und der Südraud 
der Clanshagener Forst. Fast überall markiren ausgedehnte, echte 
Endmoränen hier das Auftreten des Gescliiehezuges. Nach einer 
kurzen Unterbrechung durch das tief eiugeschnittene, enge Thal 
des Drageflusses liegt die Fortsetzung südlich von Lehmanniugen, 
hei Schmidtentliiu und Neu-Wuhrow. Besonders in der Umgehung 
des letztgenannten Ortes, wo ausserdem, veranlasst durch den 
tiefen Einschnitt des Tützfliesses und Zetziu-Sees eine scharfe, 
kn rze Umbiegung nach Süden eintritt, ist die Menge der Geschiebe 
wieder eine ganz ungeheure. Jenseits der Einseukuug beginnt 
der Zug wieder bei Wusterwitz und geht über Dolgen nach 
Sarrauzig. 

Bis hierher, d. h. von Sirllenczyn an gerechnet auf einer Linie 
von '200 Kilometer Länge, stehen die Beobachtungen im Zusammen- 
hänge. Aber auch über die Fortsetzung des Geschiebeznges nach 
Osten und Westen habe ich bereits eine Reihe von Beobachtungen 
gemacht, welche den Schluss gestatten, dass auch in Westpreussen 
und in der Neumark der Zusammenhang des Zuges ein ebenso 
vollkommener ist, als in dem beschriebenen pommerschen Theile des 
Höhenrückens. Beginnen wir bei der Besprechung der einzelnen 
Punkte wiederum im Osten. Wie die Karte zeigt, liegt zwischen 
Bütow imd Karthaus der nördlichste Punkt, welchen der Geschiebe- 
zng erreicht. Von hier ans liegen die einzelnen, als Fortsetzung 
zu l;etrachteuden, beobachteten Punkte in südlicher Ins südwest- 
licher Richtung. Es folgen zunächst beträchtliche Geschiebe- 
anhänfuugei] in der Umgebung von Skorzewo, daun ein weiterer 
Punkt bei Bereut. Nach einer grösseren Lücke in der Beob- 
achtung folgen wieder einige Punkte nordwestlich von Hochstüblan, 
einer Station der Ostbahu, kurz vor Preussisch-Stargard. Südlich 
von dieser Stadt fanden sich wieder eudmoränenartige Bildungen 
zwischen den Ortschaften Bobau und Snmmin. Als zweifelhaft 


Jahrbuch 1889. 


12 


178 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


muss ich es vor der Hand liiustelleu, ob die weiter im Süden im 
Unterlaufe des Schwarzwasserflusses auftretenden Geschiebe- 
anhäufunofen zu diesem Zuo-e oder bereits zu einem weiter süd- 
lieb gelegenen gehören. Dort treten nämlich in der Umgebung 
der Ortschaften Osebe, Bresiner Mangel, Splavie, Wirri, Groddeck 
und Haltestelle Osche, beiderseits der tief eingesebnittenen Rinne 
des Sebwarzwassers, ansgedelmte Gescbiebebeschttttungen, wenn 
auch ohne eigentlichen Endmoränenebarakter, anf, die in Folge 
der Nähe der Laskowifz-Konitzer Eisenbahn bereits massenhaft 
ausgebeutet werden. Die Geschiebemassen liegen hier zum Theil 
beinahe direct auf den bekannten Tertiärbildungen des Sebwarz- 
wassertbales. 

Mit den zuletzt genanuteu Bildungen sind wir in der Nähe 
der Weichsel angelangt, da der nächst gelegene Punkt des Thaies 
derselben, die Stadt Sebwetz, nur noch 10 Kilometer von der 
Haltestelle Osche entfernt ist. 

Nach Westen bin scbliesst sich an die Endmoränen am 
Sarranzig-See nördlich Dramburg weiter nach Osten bin zunächst 
ein Punkt bei Alt-Storkow in der Nähe von Nörenberg an. Hier 
macht der Zug abermals eine scharfe Umbiegung nach Süden 
denn das nächste, in einer Länge von einer vollen Meile beob- 
achtete, sehr schön mit typischen Endmoränen entwickelte Stück 
des Geschiebezuges liegt direct südlich von Nörenberg und 
verläuft in nordsüdlicher Richtung von dem Dorfe Bütow über 
Gross-Silber nach Steinberg bei Reetz. Das südliche Ende dieses 
Stückes, in welchem die höchste Erhel)ung der Neumark, der 
180 Meter hohe Luftberg liegt, gehört, wie alle nuumebr folgen- 
den Punkte zum neumärkischen Theile der Provinz Brandenburg. 
Von solchen weiter nach Westen gelegenen Punkten gelang es 
mir noch folseude zu beobachten oder zu erkunden: Bei Auixust- 
wähle, Station der Kreuz-Stargarder Bahn, bei Hohengrape, west- 
lich von Bernstein und an dei’ Stargard-Küstriner Eisenbahn süd- 
lich von Soldin 1). Wie sich der Eudmoräneuzug weiter hinaus 


0 E. Läufer, Aufschlüsse in den Einschnitten der Stargard-Küstriner Eisen- 
bahn. Dieses Jahrb. für 1881, S. 527. 


in Hinterpom niern und Westpreussen. 


179 


erstreckt, ob und in welcher Verbiiiclimg er mit dem Geschiebe- 
walle der Uckermark oder der vou Berendt gefuudeueu südöst- 
lichen Verlängerung desselben steht, bedarf noch der weiteren 
Untersuchung ^). 

Dieser in seinem vollständig beobachteten Theile 200 Kilo- 
meter , einschliesslich der im Osten und Westen vermuthlich 
«■leichfälls im vollen Zusammeuhauo:e stehenden Beobachtuucs- 
punkte mehr als 400 Kilometer lange Endmoräueuzug hat eine 
streng gesetzmässige Lage, welche, nachdem ich sie einmal er- 
kannt hatte, mir seine Verfolgung und Aufsuchuug ungemein 
erleichterte. Er liegt nämlich fast überall auf der Grenze der 
Moränenlandschaft gegen das südlich austossende Haidesaudge)>iet 
und nur au wenigen Stellen, so südlich vou Rummelsburg und 
südöstlich von Bublitz greift die erstere, wie auch die Karte er- 
kennen lässt, etwas über ihn hinweg. Aus diesem Grunde bilden 
im Grossen und Ganzen die unfruchtbaren Steinfelder des Ge- 
schiebezuges zugleich eine auffallende Grenze in Bezug auf die 
Landeskultur. Demi während das fruchtbare Lehmland nördlich 
dieser Grenze fast ausschliesslich als Acker verwendet wird oder 
mit Laubwald bestanden ist, folgen südlich davon ausgedehnte 
Haidegebiete, in welchen die menschlichen Ansiedelungen im All- 
gemeinen auf die etwas fruchtbareren Thäler und Seenrinneii be- 
schränkt sind. 

Neben diesem raudlichen Hauptendmoränenzuge aber giebt 
es in der Moräuenlandschaft noch einen zweiten weit weniger 
vollständig entwickelten, aber wohl auch au viel weniger Punkten 
beobachteten Geschiebezug. Derselbe liegt innerhalb der Zone, 
ist in Folge dessen schwierig zu verfolgen und nur in dem speciell 
kartirten Gebiete nördlich vou Neustettin vollstäiidig beobachtet 
worden. Dieser zweite Zug verläuft eiuigermaasseu parallel mit 
dem ersten. Andeutungen vou ihm fand ich bereits in West- 
preusseu in der Gegend vom Thurml)erg und südlich davon. Auch 
die auf Blatt Dirschau der geologischen Karte der Provinz 
Preusseu dargestellteu, in meine Uel>ersichtskarte aufgenommenen 


12 * 


9 Siehe den Nachtrag am Schlnsse dieser Abhandlung. 


180 


K. Keilhacic, Der baltisclie Höhenrücken 


»Auliäuf’ungen grossei' Blöcke in lehmigem Saude« gehören jeden- 
falls diesem zweiten Zuge an. Weit vollständiger konnte ich den- 
selben weiter westlich auf den Blättern Gross-Carzenbnrg, Bublitz, 
Wurchow und Persanzig beobachten. Hier beginnt derselbe am 
Papeuzin -See bei Klein -Hütte und verläuft über Arnsberg nach 
dem Johannishofe. In der gewaltigen, steinbeschütteten, 240 Meter 
hohen Erhebung des Steinberges erreicht er hier den höchsten 
Punkt einer weiten Umgebung. Hinter Breitenberg, dem höchst- 
gelegeneu Dorfe Pommerns, dessen Besitzer sich selbst den stein- 
reichsten Manu Pommerns nennt , breiten sich , nördlich von 
Mühlenkamp, zwischen dem steil abfallenden Gehänge des Raddüe- 
thales und dem langgestreckten, hohen Rücken der Cammiulierge 
weite, steiubesäete Felder von mehreren Hundert Hektaren Grösse 
ans. Nach Norden hin zieht sich dieser Zug noch über Sydow 
hinaus bis in den Polluower Stadtwald hinein. 

Ein weiteres Stück dieses oft unterbrochenen, rückwärts ge- 
legenen Zno'es bildet die Endmoräne nördlich von Eriedenshof 

Ö O 

und südlich von Neuhof bei Bublitz. Ihre grösste Entfaltunff 
aber, soweit ich bisher beobachten konnte, erlangen die End- 
moränen dieses Zuges in dem Dreieck zwischen Wiu'chow, Bublitz 
und Schofhütten, besonders in der Umgebung von Neudorf, südlich 
von Wilhelmshöhe und in der Gegend von Bernsdorf. Als süd- 
liche Fortsetzung sind die Moränen am Linkberge zwischen Bnch- 
wald und Küssow, sowie die kolossalen Geschiebe! leschüttuugeu, 
2 Kilometer nordöstlich von Escheuriege, und auf dem Fnchs- 
und Sanskenberge westlich von Kliugbeck zu betrachten. Auch 
zwischen Neu -Valin und Bärwalde liegende, einzelne Endmoränen- 
stücke sind entschieden diesem Zim-e zuznzählen. Auch nördlich 

O 

von Drambnrg, in der Gegend von Pritten und Dohnafelde ist 
dieser Zug entwickelt, der ein vollkommenes, nur ausserordent- 
lich viel läna:eres Seitenstück zu dem zurücko[elea:enen Endmoränen- 
znge in der Uckermark zwischen Fürstenwerder und Gerswalde 
zu bilden scheint^). Wie bereits oben, S. 170, erwähnt, steht die 


b G. Berendt, Die beiderseitige Fortsetzung der südl. baltischen Endmoräne. 
Dieses Jahrb. für 1881, S. 110. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


181 


Zone mächtigen Geschiebesandes , welche grosse Gebiete der 
Moränenlandschaft parallel znm Rande derselben durchzieht, in 
räninlichen Beziehungen zn diesem zweiten Geschiebezuge, und 
zwar liegen beide ebenso zu einander, wie der Hauptendmoränen- 
zug zur Haidesaudlandschaft, mit anderen Worten: er bildet die 
nördliche Grenze des Saudstreifens. lieber die Wichtigkeit dieser 
Vertheiliuig der Endmoränen für die Erklärung der einzelnen 
Bildungen s. w. u. 

Einem noch weiter zurückliegenden dritten Zuge scheint 
eine Anzahl von kleinen Geschiebegrandkuppen endmoränen- 
artigen Aussehens anzugehören, die sich beiderseits der Bublitz- 
Grameuzer Chaussee zwischen der Stadt und dem Stadtwalde 
finden und sich über Karlshof bis Doi’fstädt weiter verfolgen lassen. 

Es wäre durchaus irrig, auznnehmeu, dass diese Geschiebe- 
züge orograj:)hisch in ähnlicher Weise sich in der Landschaft 
geltend machen, wie dies der aus diesem Grunde auch Geschiebe- 
wall genannte Eudmoräneuziig der Uckermark thut. Es muss 
vielmehr betont werden, dass der Charakter der Landschaft und 
die Verhältnisse von Berg und Thal sich nur ganz unbedeutend 
ändern würden, wenn das gesammte Material des Geschiebeznges 
plötzlich fehlte. Wenn auch zahlreiche der bedeutendsten Er- 
hebungen des Höhenrückens mit Endmoränen bedeckt sind, so 
sind letztere bei aller Mächtigkeit doch nur, verglichen mit dem 
ganzen Berge, unbedeutende Auflagerungen. Auf der anderen 
Seite aber kümmert sich der Geschiebezug in keiner Weise um 
die Terraiuverhältuisse. Hier überschreitet er ein tiefes Thal, 
dessen beide Flanken mit mächtigen Geschiebepacknngeu l)edeckt 
sind, au anderen Stellen taucht er unter Moore und Seen unter, 
so dass dann nur die dem Torf oder Wasser eiitrageudeu Steiu- 
iuseln von dem unterseeischen Zusammenhänge Zeugniss ablegen. 

Es erübrigt unnmehr noch, mit einigen Worten über die Art 
der Geschiebe zu berichten, die sich in den Geschiebe führenden 
Geliilden der Moränenlandschaft finden. Dabei muss als das 
Auffälligste zuerst die Seltenheit der Kalksteine erwähnt werden. 
Dieselbe erklärt sich indessen leicht aus der Auslangnug- aiich 
der Geschiebesande und Endmoränen durch die x'ktmosphärilieu. 


182 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


cleDen durch die Durchlässigkeit jener Bikhmgen eine ausgedehnte 
Wirksamkeit gestattet war. Dass ursprünglich auch ihnen der 
Gehalt an Kalksteinen nicht fehlte, beweist eine besondere Art 
von ausgelaugten Kalksteinen, der sogenannte todte oder Backstein- 
kalk, der gerade in den Gebilden der Moränenlandschaft sehr häufia: 
angetrofien wird. Es ist das, wie der bisweilen noch unverwitterte 
Kern zeigt, ein durch viel Kieselsäure und Thon verunreinigter, 
oft sehr versteinerungsreicher Kalkstein der Silurfonnation, welchem 
der Kalkgehalt entzogen ist, so dass nur noch ein schwammartiges 
Kieselskelett übrig geblieben ist. Die grosse Häufigkeit dieser 
Geschiebe lässt den Schluss zu, dass auch andere Kalksteine früher 
häufig vorhanden waren, und in der That konnte ich in einem Auf- 
schlüsse südlich von Bublitz, in einer Kiesgrube, die bis in kalk- 
haltige Schichten hinahging, sehen, dass sibirische Kalksteine 
darin ungemein häufig Vorkommen. Versteiuerungsführende Ge- 
schiebe anderer Formationen gehören zu den Seltenheiten. Solche 
der Juraformation habe ich garnicht gefunden; ebenso wenig solche 
des Tertiärs. Aus der Kreideformation begegnet man glaukonitischen 
Mergeln, ln dem Geschiebelehm tritt stellenweise recht häufig 
Bernstein auf. Feuerstein in den bekannten bizarr geformten 
Knollen, wie er in der Schreilikreide auftritt, ist eine Seltenheit. 
Um so häufiger aber findet man jene abgerollten Feuersteine von 
elllpsoidischer Form, welche Meyn Wallsteine genannt hat. Sie 
sind vielfach geradezu als gemein zu bezeichnen, und ich möchte 
die Vermuthung aussprechen, dass, wie im südlichen England, so 
auch in Ostpreussen oder angrenzenden Theilen Russlands im 
Tertiär Laser solcher Feuersteine sich fanden oder noch finden, 
aus deren Zerstörung durch die diluvialen Gletscher sowohl die 
vereinzelten Puddingsteingeschiebe als auch die unzähligen Wall- 
steine Norddeutschlands herrühren. Ich glaube, dass die Wall- 
steine zur Tertiärzeit umgelagerte Feuersteine der Kreideformation 
darstellen, welche durch eine heftige Brandungswelle ihre Form 
erhalten haben. 

Durchragungs-Zonen und Züge im Sinne Schröder’s^) fehlen 

h lieber Durchragungszflge und -Zonen in der Uckermark und in Ost 2 ireussen. 
Dieses Jabrb. f. 1888, S. Iö6. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


183 


zwar der Moräuealandschaft Iliiiterpoiiunerus uicht, treten aber sehr 
zurück. Eia sehr schönes Beispiel bietet die lange, schmale Berg- 
kette, die südlich und südwestlich von Wurchow einen grossen Theil 
der ausgedehnten Einsenkuug des Fig. 14 skizzirteu alten Sees uni- 
raudet und nach Süden sich bis zu der beträchtlichen Erhebung der 
Pollaksberge bei Neustettin verfolgen lässt. In der unistehendeu 
Skizze (Fig. 7) gebe ich einen Querschnitt durch diesen Durch- 
ragungszug, aus welchem man zugleich erkennt, dass der Zug, 
dessen Dreitheiluug übrigens keineswegs an allen Stellen auftritt, 
genau auf der Scheide zwischen Moränenlaudschaft und llaidesaud- 
gebiet liegt. Auf seinem Bücken trägt er mächtige Beschüttungen 
aus Geschiebesand und au vielen Stellen echte Endmoränen. Be- 
sonders im nödlicheu Theile ist er vielfach mit Geschiebelehm 
überzogen, der in seiner Lagerung dadurch auffällt, dass er gegen 
den Saud hin bisweilen mit Grenzen abschueidet, die quer über 
alle Höhenkurven über einen Berg hiuweggeheu. 

Auch einzelne Durchraguugeu von Unterem Saude durch die 
allgemeine Geschiebelehmdecke sind nicht häufig. Am meisten 
noch fand ich sie östlich von Bublitz zwischen Ernsthof und 
Friedrichsfelde, wo sie eine ganze Anzahl kleiner, im Terrain sich 
gut heraushebender Kuppen bilden. Wie vorsichtig mau übrigens 
l)ei der Beurtheiluug solcher Kuppen ans fein geschichtetem Saude 
sein muss, sah ich in einer Kies- und Steiugrube bei Bütow, dei’en 
Anblick ich im folgenden Profile (Fig. 8) wiedergebe. 

Wäre uicht der bis tief in die sehr steinige Grundmoräue 
niedergehende Aufschluss, so könnte mau sich durch die Form der 
Kuppe lind durch die Feinheit und schöne Schichtung des Sandes 
verleiten lassen, au eine Durchraguug zu denken, während doch 
thatsächlich eine Aufschüttung auf eben gelagerter Grundmoräue 
vorliegt. Den Beweis einer Auflagerung oder Durchraguug mit 
Hilfe von Bohrungen beizubringen, ist wegen der in der Kegel 
sehr starken Ueberrutschuugen mit Schwierigkeiten verbunden. 

Nach dieser Aufzählung und Beschreibung der au dem Aul- 
baue der Moränenlaudschaft oberflächlich betheiligteu diluvialen 
Gebilde wende ich mich zunächst einer gleichen Beschreibung der 
nach Süden folgenden Zone der Haidesandlaudschaft zu, um hierauf 


Fig. 7. (Länge 1 : 12 500. Höhe 1 ; 5000.) 


184 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 





Geschiebesand. Sand. Steinig grandige Grundmoräne. 


iii Hinterpomniern und Westpreussen. 


185 


eine Anzahl Beobachtungen mitzutheilen, die sich auf den Höhen- 
rücken als Ganzes beziehen, und zu schliessen mit dem Vei'suche, 
die Bildung der Oberflächeuformeu dieses Landrückens zu er- 
klären. 


Die Haidesamllamlscliaft. 

Meinen weiter oben gegebenen Ausführungen über den oro- 
graphischeu Charakter dieses Gebietes habe ich nur wenig hinzu- 
zufügen. Unmittelbar am Bande der Moränenlandschaft ist das 
grosse Haidesaudgebiet noch ziemlich uneben, al)er je weiter man 
sich von derselben entfernt, um so flachwelliger wird es und geht 
schliesslich nach Süden ganz allmählich in ebene Thäler über, in 
welchen zwischen den einzelnen, im Süden folgenden Plateaus die 
südwärts fliessendeu Gewässer des Höhenrückens ihren Weg 
nehmen. In der gleichen Weise vollzieht sich von Norden nach 
Süden ein Wechsel im petrographischeu CHiar;dcter. Während 
nahe au der Aloränenlaudschaft grobe Schotter mit zahlreichen 
kleinen Geschieben und selbst vereinzelten, grösseren Blöcken vor- 
herrschen, tritt, je weiter mau nach Süden kommt, das grandige 
Element um so mehr zurück, wird der Sand um so feiner und 
gleichkörniger, bis er in den oben erwähnten Thälern vom echten 
Thalsande nicht mehr unterschieden werden kann. Nur in diesen 
südlichen Theileu treten auch Dünen in grösserem Umfange auf, 
während dieselben in der Moräneulaudschaft und in den Schotter- 
gel)ieteu fast ganz fehlen. Ich möchte nicht unterlassen, bei dieser 
Gelegenheit zu erwähnen, dass ich auf der hiuterpommerscheu 
Seenplatte bisher noch nicht ein einziges Kauteugeschiebe gefunden 
habe, in einem Gebiete also, in welchem die Gletscher der Dilu- 
vialzeit alle möglichen Thätigkeiten entfidtet haben. Es spricht 
das wenig für Mitwirkung des Eises, sehr für die des Windes bei 
ihrer Bildung. 

Nur au wenigen Stellen begegnet man in der Haldesandland- 
schaft anderen Bildungen, als den Sauden und Schottern des 
Oberen Diluviums. An den Bändern der Seen und Binnen treten 
mehrfach unterdiluviale Sande und Geschiebemergel zu Tage, und 


186 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


in künstlichen Aufschlüssen werden hier und da unter der Ge- 
schiebesanddecke lagernde, technisch nutzbare Ablagerungen ge- 
wonnen. Dahin gehören Thone, wie sie am Gramschsee, und 
Kalke, welche in der neuen Forst nördlich von Klein- Carzen- 
burg, letztere in zahlreichen kleineren Gruben, ausgebeutet werden. 
Diese Süsswasserkalke liegen, wie die folgenden beiden Profile 
zeigen, entweder direct unter dem Geschiebesande oder sind von 

O y 


Fig. y und 10. (1 : 1000.) 



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Geschiebe- Desgl. Unterer 
grand. sehr steinig. Sand. 


Süsswasser- Eisen- Lehmig 

kalk. schlissige steinige 

Schicht. Schicht. 


demselben durch o-eschichtete feine Sande des Unteren Diluviums 

O 

getrennt. An der Basis der 72—2 Meter mächtigen Kalklager finden 
sich undurchlässige lehmige, thonige mid eisenschüssige Bildungen 
in dünnen Lagen, die zum Theil der Eisenschale im Liegenden 
grosser Thonlager entsprechen. Der Kalk ist staubfein, von heller 
weisser oder gelblicher Farbe und enthält 50 80 pCt. kohlen- 

sauren Kalkes. Organische lieste konnten darin ebenso wenig wie 


in Hinterpomniern und Westpreusseo. 187 

iu anderen unterdiluvialen Bildungen des Höhenrückens nach- 
gewiesen werden. 

Parallel der Grenze der Moräneulandschaft mit dem ITaide- 
sandgebiete, in geringem Abstande von ersterer, verläuft auf der 
Strecke zwischen Sullenczyn und Neustettin die Grenze zwischen 
Pommern und Westpreussen. Heute nur eine Verwaltnngsgrenze 
hatte sie bis zum Jahre 1772 eine hohe Bedeutung als Ostgrenze 
Deutschlands gegen das Polenreich. Es ist sicher kein Zufall, 
dass die Grenze zweier, durch Jahrhunderte feindlicher Völker mit 
dem Nordrande der Haidesaudlandschaft zusammeufiel. War doch 
dieser breite Streifen öden, man könnte fast sagen wüsten Landes 
eine von der Natur gebotene, neutrale Grenzzone zweier feind- 
licher Nationen. Noch heute ist, wenigstens östlich von Balden- 
burg die Bevölkerung nördlich des Endmoränenzuges überwiegend 
protestantisch, südlich davon katholisch und stark mit polnischen 
Elementen durchsetzt. 

Sehr charakteristisch ist der Unterschied in der Besiedehiuo: 
beider Zonen. Da im Haidesaudgebiete die Wiesen, wie im Allge- 
meinen iu ganz Norddeutsc.hland, in grösseren, zusammeuhängeuden 
Flächen aufzntreten pflegen, so ist hier die Besiedehuigsform zu- 
meist das geschlossene Dorf, von dem aus jeder einzelne Besitzer 
nach Feld und Wiese gleichen Wen; hat. Anders liej^en dieVer- 
hältuisse in der benachbai'ten Aloräuenlandschaft; der stete und 
kurze Wechsel von Acker, Wasser und Aloorflächen, welche letzteren 
dem Besitzer durch ihren Torfreichthum den Wald, durch ihre 
Vegetation die Wiese ersetzen müssen, liess die Einzel-Besiedelnng 
des Landes als das Zweckmässigere erscheinen. So kommt es, 
dass trotz relativ starker Bevölkerung die Dörfer dünn gesäet sind, 
die einzelnen Gemeinden aber eine grosse Fläche bewirthschafteu 
und eine starke Bevölkerung zeigen, indem nämlich, über das ganze 
Gebiet hin zerstreut, zahllose einzelne Güter und Gehöfte, soge- 
nannte Ausbaue, sich finden. Da dieselben meist ihren eigenen 
Namen haben, so vermag eine Karte, die dieselben sämmtlich ent- 
hält, ausschliesslich durch deren Häufung die räumliche Verbreitung 
einer auch geognostisch gut charakterisirten Landschaftsform an- 
zuzeiffeu. 

O 


188 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


Ich habe bereits oben bemerkt, dass die Seen])latte im All- 
gemeiueu die Wasserscheide zwischen den zur Ostsee entwässernden 
Küstenflüsseu und den zahlreichen kleinen Flüssen bildet, die 
ihre Gewässer nach Süden zur Weichsel, Warthe und Netze 
entsenden. Betrachtet man aber diese hydrographischen Verhält- 
nisse genauer und versucht mau auf einer Specialkarte, die Wasser- 
scheide eiuzutrageu, so stösst man auf grosse Schwierigkeiten und 
erkennt bald, dass mau es hier oben nicht mit einer, sondern mit 
zwei Wasserscheiden zu thun hat. Diese beiden Linien berühren 
sich an manchen Stellen, bisweilen sogar in einer seenerfüllteu Rinne, 
während sie an andern, und zwar den weitaus meisten, meilenweit 
auseinander gehen. Zwischen ihnen eingeschlosseu liegt ein Gebiet, 
welches weder nach Norden noch nach Süden entwässert, sondern 
seine Abwässer in geschlossene Depressionen, in abflusslose Seen 
und Sümpfe entsendet. Derartige Flächen treten inselartig auch 
im Stromo-e1)iete der Küsteuflüsse und der südwärts ziehenden 

O 

Gewässer auf; ich werde au anderer Stelle versuchen, ein Karten- 
bild von dieser eigenthümlicheu Erscheinung zu geben. Die 
Wasserscheiden halten sich nicht streng au die beiden Zonen der 
Aloräuenlandschaft und des Haidesaudgebietes, sondern bald greifen 
die Ostseegewässer nach Süden in das Haidesaudgebiet ein, wie 
der Cameuzfluss, Stieduitzfluss und die Persante, bald die anderen 
Flüsse nach Norden über die Endmoräne hinweg, wie die Quell- 
gewässer der Brahe und Drage. In dem abflusslosen Gebiete 
sammeln sich die atmosphärischen Wasser in ungezählten, grossen 
und kleinen Bodensenken. Der Wasserstand derselben ist uatur- 
gemäss ein schwankender und resultirt selljstverständlich aus dem 
area’enseitiofeu Verhältniss von Verduustuns: und Zufuhr. In dem 
Lehmgebiet, ist bei dem undurchlässigen Untergründe ein anderes 
Entweichen der Wasser als durch Verdunstung sehr unbedeutend; 
dafür spricht auch die so sehr verschiedene Höhenlage nahe bei 
einander gelegener Seen und Sümpfe. Im Haidesandgebiete aber 
ist es möglich, dass eine Art unterirdischen Gruudwasserstromes, 
der Oberflächen- Neigung dieser Zone nach Süden folgend, als 
natürlicher Regulator des Wassex'staudes dieser Seen functionirt. 

Die nicht sehr zahlreichen Thäler, welche die Moräueulaud- 


in Hinterpommei'n und Westpreussen. 


189 


Schaft vou Süd nach Nord durchziehen, haben, so weit ich sie 
uälier kennen zu lernen Gelegenheit hatte, einen durchaus ver- 
schiedenen Charakter. Die Persante, deren Ursprung in einem 
heute mit Kalkschlamm ansgefüllten See westlich vou Nenstettin zu 
suchen ist, fliesst zuerst mit geringem Gefälle durch eine Anzahl 
Moore ; daun durchbricht sie die Moräueulandschaft an deren jetzt 
schmälster Stelle in einer mehrere Kilometer langen, tiefen Ero- 
siousschlucht, au deren beiden Gehängen eine ganze Anzahl 
Glieder des Unteren Diluviums zu Tage treten. Nach dem Aus- 
tritt aus der Schlucht breitet sicli das Thal breit trichterförmig 
aus. Auf dieser Abrasiousfläche treten die widerstandsfähigen 
Geschiebemergel des Unteren Diluviums und zwischen denselben 
aufgeschüttete Thalsande und Schotter auf. (Fig. 11.) 

Das umstehende Profil von den oberdiluvialeu Höhen bei 
Rafteubero; über Grameuz durch das erweiterte Persautethal gelegt, 
zeigt, dass jene Schichten des Unteren Diluviums, die in der Per- 
santeschlucht dicht über einander auftreteu, hier auf eine grosse 
Fläche vertheilt einzeln nach einander zu Tage treten. 

Ganz anders verhält sich das Gotzelthal, dessen Ursprung 
mitten in die Moräueulandschaft südlich vou Rublitz fällt. Wie das 
Profil (Fig. 12) durch den oberen Theil desselben zeigt, ist 
dasselbe älter als das Obere Diluvium, da der Geschiebemergel 
desselben sowohl die Flanken der Mulde überkleidet, als auch im 
Tiefsten derselben inselartig zu Tage tritt. Nördlich der Stadt 
dagegen wird das Thal zum reinen Erosionsthale, so dass, wie das 
Profil (Fig. 1.3) zeigt, auch hier wieder die ganze Schichtenfolge 
des Diluviums in den einzelnen terrasseuartigen Absätzen an die 
Oberfläche gelangt. Dass der ausgeprägte Muldenbau im oberen 
Theile des Gotzelthales bereits in tiefen Schichten des Unteren 
Diluviums ausgedrückt ist, dafür spricht ein ganz besonderer Um- 
stand. In der Stadt Bublitz sind nämlich an mehreren Punkten 
in Tiefen vou 40 — 56 Mefer unter der Oberfläche sehr stark aus- 
fliesscude Wasser erbohrt worden; dieselben geben Zeugniss vou 
dem Vorhandensein einer unterirdischen Midde unter der tief- 
liegenden Stadt, deren unterdiluviale Glieder nach Osten hin 
stärker als das heutige Terrain austeigen müssen. Wenigstens hat 


Fig. 11. (Länge 1:25000. Höhe 1:5000.) 


190 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 



in Hinterpommern und Westpreussen. 


191 


das östlichste der Bohrlöcher die wasserführeude Schicht in 
geringster, das westlichste sie in grösster Tiefe getrofien. 

Noch anders ist das Verhalten des vom Kalkbache durch- 
flossenen Thaies zwischen Drawehn und Mühlenkainp. Auch 
dieses Thal ist Erosiousthal; dabei ist es aber auffällig, dass au 
der östlichen Thalseite der Geschiebemergel bis fast zum Wiesen- 
niveau sich hinabzieht, während die westliche von oben bis unten 
aus Bildungen des Unteren Diluviums besteht. Fast macht es 

O 

den Eindruck, als wäre nach der Ausfurchung dieses Thalzuges 
noch einmal von Osten her ein Vorrückeu des Eises über die 
Ostseite des Thaies und damit verbundener Absatz der Grund- 
moräne erfolgt, als hätte aber das Eis nicht mehr die genügende 
Stärke besessen, auch den westlichen Thalraud noch zu über- 
schreiten. 


Zu den auffälligsten Erscheinungen in den Thälern der 

O O 

Moräuenlandschaft gehören die ausgedehnten und mächtigen Kalk- 
tnffablagerungen, die man hier und da an ihren Gehängen autrifl't. 
Dieselben ziehen sich oft aus einer Höhe von 15 — 20 Metern iiber 
der Thalsohle bis zu dieser herunter, sind parallel dem Gehänge 
in dickere und dünnere Bänke geschichtet und enthalten bisweilen 
Eiulagernngen von moorigen Bildungen. Der poröse helle, gelb- 
liche oder dunkelbraune Kalktnft', der in seinem Aeusseren völlig 
mit den gleichen Bildungen Thüringens übereinstimmt, zeichnet 
sich durch ausserordentliche Reiidieit aus. Mehrere Pro1)eu zeigten 
einen Gehalt an kohleusaurem Kalke von 9.3 — 96 pCt. , also weit 
mehr als die kalkreichsten Wiesenkalke. Der Kalktufl' ist stellen- 
weise reich an organischen Resten, er enthält zahlreiche Moose, 
Rohrsteugel und andere unkenntliche pflanzliche Reste einge- 
schlossen; oft ist er reich au Conchylieuschalen, die alle noch 
heute in nächster Nähe lebenden Arten angehören. Dieser Kalk- 
tnfl' ist von Quellen abgesetzt, die mit grossem Wasserreichthume 
au den Gehängen der Thäler hervorbrechen. Ihren Gehalt an 
gelöstem kohlensaurein Kalke und Eiseuoxydul verlieren sie grössten- 
theils, sobald sie bei ibrein raschen Laufe den Abhang hinunter 


192 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


mit der atmosphärischen Luft in innige Berührung treten, und 
setzen ihn auf den Pflanzen ab, die diese dauernd überrieselten 
Gehänge bekleiden. Ein Rest des Kalkes bleibt in Lösung und 
wii'd mit in’s Thal hinuutergeführt, wo er in mehr oder weniger 
stagnirendem Wasser durch die Thätigkeit kalkabscheidender 
Pflanzen und Thiere als schlammiger weisser Wiesenkalk aus- 
gefällt wird. So kommt es, dass in den Wiesen, die an kalk- 
tufl’bedeckte Thalg:ehäu<re ana:renzen, gewöhnlich in o-rösseren 
Ivagern oder in einzelnen Nestern Wieseukalke, Wiesenmergel 
oder Moormergel sich finden. Die Mächtigkeit dieser Gehänge- 
bilduugen kann auf 5 — 6 Meter steigen. Sie wurden beobachtet 
am Gehänge des Kalkliachthales im Mühlenkamper Kalkholze und 
weiter nördlich au den Thalgehäugeu bis nahe an Sydow; im 
Gotzelthale unterhalb Neuhof in einem so stark geneigten Gebiete, 
dass der aus den starken Quellen entstehende Bach in einem 
richtigen Wasserfalle über die Kalktuff bänke hinwegstürzt; nörd- 
lich von Bublitz bei Goldbeck in mehreren seitlichen Buchten des 
Gotzelthales; am Rande des Persantethales bei Gramenz; dort sind 
die Chaussee und die Eisenbahn bis auf 5 Meter Tiefe in die 
ziemlich lockeren Gehängekalke eingeschnitten. Letztere sind hier 
von noch heute ausströmenden Quellen abgesetzt, die aus einem 
zwischen zwei unteren Geschiebemergelbäuken eingeschalteten 
Sande zu Tage treten (siehe dasProfilNo.il). Die heilkräftigen 
Quellen des vielbesuchten Bades Polziu in der »pommerschen 
Schweiz« sind nichts anderes, als solche, Eisenocker und Kalktuff 
absetzende Wasser, die ihren Mineralgehalt aus den oberen 
Schichten der Moränenlandschaft ausgelaugt haben. Von andern 
Orten, so von Bütow und von Reinfeld bei Schivelbein beschreibt 
VON DEM Borne in seinem Eiuo-angs citirten Aufsatze ähnliche 
V orkommnisse. 


Die volle Mächtigkeit des Diluviums ist in der Moräuenland- 
schaft noch nicht ermittelt worden, doch lassen eine Anzahl von 
Bohruimen schliessen, dass dieselbe eine recht beträchtliche ist. 

Ö z 

So theilt VON DEM Borne die Resultate einer Bohrung mit, 
die man in der thörichten Hoffnung, Steinsalz zu erbohren, bei Per- 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


193 


sauzig, westlich von Neustettin, am Südraude der Moräneulaud- 
schaft uiedergehracht hat. Bis zn einer Tiefe von 96 Metern 
unter der Oberfläche, 49 Meter über dem Meeresspiegel wurden 
hier wechsellagernde Saude, Grande, Thoue und Geschiebemergel 
des Unteren Diluvium augetrofteu. Weiter nach Norden stehen 
in der Stadt Bublitz eine Beihe von Bohrungen auf 40 — 56 Meter 
Tiefe, bis 53 Meter ü. M., im Diluvium, welches ausschliesslich 
ans Unterem Sand und Grand mit eiugelagerten Geschiebemergel- 
bänken besteht. 

Ein weiteres Bohrloch steht am Nordrande der Moräuenlaud- 
schaft bei Zebliu am Bande des tief eingeschnitteueu Baddüethales. 
Die erbohrte Schichtenfolge war die gleiche, wie in Bublitz, die 
Tiefe, bis zu welcher das Dilnvium durch die Bohrung aufgeschlossen 
wurde, betrug 83 Meter und reichte bis zn 76 Meter ü. M. 

Auch in den Thäleru fanden sich nirgends Spuren von zn 
Tage tretenden Tertiärbilduugeu , die jedenfalls das nächste 
Liegende des Diluviums in diesem Gebiete bilden, wie überhaupt 
im ganzen grossen Umfange der Moräneulaudschaft nirgends^) ein 
Punkt anstehenden Tertiärs bekannt geworden ist, mit Ausnahme 
des Abfalls gegen die Weichseluiederung bei Danzig. Dies alles 
znsammengenommeu spricht otfenbar für eine ganz ungewöhnliche 
Mächtio'keit der Dilnvialbilduug:en und macht das Vorhandensein 
eines beträchtlich aufrageudeu Kernes von älterem Gebirge unter 
dem Höhenrücken sehr problematisch. 


Die auffälligste Eigenthümlichkeit des baltischen Höhenrückens, 
der er seinen Namen »Seenplatte« verdankt, besteht in seinem 
Beichthnnie au Seen. Sie allein sind es, die der zu ihm gehörigen 
Plaidesaudlaudschaft einige freundliche Beize verleihen. In geo- 
guostischer Beziehung sind mit den Seen auf das engste die Moore 
verknüpft, da dieselben sämmtlich, wenigstens soweit sie in ge- 
schlossenen Becken liegen, xirsprünglich Seen waren. Ein wie 
falsches Bild von Form und Grösse der ursprünglichen Seen mau 

0 C4anz kürzlich fand ich Septarienthon nnd oheroligocilne Sande in einer 
Ziegeleigrube unmittelbar bei Soldin anstehend. 


Jahrbuch 1889, 


13 


194 


K. Keiliiack, Der baltische Höhenrücken 


unter Niclitberücksichtigung dieses Umstandes gewinnen würde, 
leimt die folgende Skizze (Fig. 14), die dem Gebiete der Moränen- 
landschaft zwischen Neustettin und Bublitz entnommen ist: 



In derselben ist das feste Land (einschliesslich einer Anzahl 
kleiner darin gelegener Moore) mit Schraffur versehen, während 
der weisse Grund den alten See bezeichnet. Punktirte Linien 
geben den Umfang von acht kleineren Seen an, die den heutigen 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


195 


spärlichen Rest des grossen, alten Wasserbeckens bilden. Wie 
einfach nnd schlicht sind die Umrisse dieser heutigen kleinen 
Seen, wenn man sie mit dem insei- und buchtenreichen nr- 
S 2 :>rünglicheu See vergleicht! Hat derselbe doch bei einer grössten 
Ausdehnung von 9 Kilometer ungefähr 100 Kilometer Uferliuie 
besessen, einschliesslich der 30 in ihm liegenden Inseln! Pleute 
sieht man au Stelle des grössten Theiles dieses alten Sees aus- 
gedehnte, zum Theil schwimmende Moore, deren Betreten stellen- 
weise mit Gefahr verknüpft ist (Baggermösse, Briesen’sche Mösse). 
Um eine Vorstellung von der gewaltigen Zahl der in der normal 
entwickelten Moräueulandschaft vorhandenen, ursprünglich wasser- 
gefüllten Bodensenken zu geben, führe ich an, dass in vielen Ge- 
bieten die Zahl derselben auf einer Qnadratmeile 4 — 600 beträgt. 

Die Seen gehören ihrer Form, noch mehr aber dem Relief 
ih res Untergrundes nach 3 gut unterscheidbaren Typen an. 

]. Grundmoräneu - Seen im Sinne Wahn.schaffe’s ^). 
Das Charakteristische ihrer Lage besteht in ihrem Auftreten in 
rings geschlossenen Becken, die keinen oder höchstens einen von 
Menschenhand geschafleuen Abfluss haben, ferner, wenigstens bei 
den grösseren dersell^en, in der complicirten Gestaltung der Ufer 
durch Buchten, die oft selbst wieder verzweigt sind und in den 
Inseln, die dem Spiegel dieser Seen entragen. Nicht weniger 
bezeichnend ist die Form ihres Untergrundes, welcher den Typus 
der Moräueulandschaft auf das deutlichste ausgeprägt zeigt. Diese 
Seen sind heute nicht mehr häufig, bilden aber ursprünglich weit- 
aus die Mehrzahl. Ihre geschlossene Lage macht sie offenbar 
für den Vertorfuugsprocess besonders geeignet, so dass wir, wie 
beispielsweise besonders schön bei dem oben beschriebenen alten 
See nordwestlich von Nenstettiu, an ihrer Stelle heute fast überall 
Moore erblicken. Ein sehr schönes Beispiel eines solchen Mo- 
ränensees ist der Dratzig - See sowie der Papeuziu - See, von 
dem ich weiter unten ein Kartenbild gebe (Fig. 15). Diese Art 
Seen ist auf die Moränenlaudschaft beschränkt. 


9 F. Wahnsohafpb, Zur Frage der Oberfläcliengestaltung im Gebiete der 
baltischen Seenplatte. Dieses Jahrb. für 1887. Berlin 1888, S. IGl. 

13 * 


196 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


2. Riuneuseen. Diesell)en sind ausgezeichnet dnrcli eine 
langgestreckte Form; sie liegen einzeln oder perlsclinnrartig an- 
einandergereiht in Rinnen, die entweder beiderseits geschlossen 
sind, wie das Rinnensystein der Pinnowseen (Fig. 17), oder in 
einem ausgebildeteu Thalznge liegen, wie der Tessenthin- nnd 
Labes-See (Fig. 20). In ihrem Untergründe stellen alle diese 
Seen einfache Mulden dar, in denen der tiefste Punkt zumeist in 
der Mitte liegt. Die von Ule in seinem Aufsatze ^) über die 
Masurischen Seen betonte Abhängigkeit der Gestalt des Seegrundes 
von derjenigen der Ufergehänge ist vielen Ausnahmen unter- 
worfen. Die prägnanteste derselben, die mir bei meinen Unter- 
suchungen aufgestossen ist, stellt der Stepener Mühlensee dar 
(s. unten Fig. 22 und 2.3). Dieser Seentypus ist sowohl in der 
Moränenlandschaft wie im Ilaidesandgebiete vertreten. Während 
er aber in der ersteren gegenüber den Moränenseen (einschliess- 
lich der Moore) znrücktritt, überwiegt er weitaus im letzteren, 
da neben ihm nur noch einige Seen des 3. Typus sich finden. 

3. Becken seen. Diese dritte Art von Seen, die ich als 
Beckenseen bezeichnen will, besitzt sehr einfache Umrisse, ohne 
tief einschneidende oder weit verzweigte Buchten und einen Unter- 
grund, welcher im Verhältniss znr Grösse des Sees ein ganz 
flaches Becken darstellt. Als einen Typus dieser Seen kann man 
den Vilmsee bei Nenstettin und den Virchow-See bei Wurchow 
(Fig. 24) anführen, beide im Sandgebiete, aber nahe dem Rande 
der Moränenlandschaft. 

Man kann zu einer klaren Vorstellung über die baltischen 
Seen nur gelangen, wenn man genau das Relief ihres Unter- 

O O z o 

grundes kennt, eine Kenntniss, die nur diu’ch eine grosse Reihe 
von Ablothungen zn erlangen ist. Ich habe es mir deshalb an- 
gelegen sein lassen, selbst oder unter Ilülfeleistuug der unter 
meiner Leitung bei den Anfnahmearbeiten thätigen Knlturtech- 
niker, Herren Pohlitz, Burck und Baldus, eine Reihe von 
Seen meines Aufnahmegebietes so genau abzupeilen, dass ich 
ein Bild des Untergnindes mit Hülfe von fünfmetrigen Tiefen- 
curven zu geben im Stande war. Ich gebe im Folgenden eine 


9 Dieses Jahrb. für 1889, Berlin 1890. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


197 


Anzahl derartige Seeubilder in Ausschnitten aus der CTeneralstal)S- 
karte 1 : 25000 (nur der Virchow-See ist seiner Grösse wegen auf 
1 : 50000 i-educirt), aus welchen in Folge dessen zugleich die 
Gestalt des den See umgebenden Geländes abgelesen werden 
kann. Die Tiefenlinien sind auf den Seespiegel bezogen und 
schliessen sich in Folge dessen nicht au die Höhenlinien des 
Landes an. Die tiefsten Punkte eines jeden Sees sind mit rückwärts 
liegender Zahl an der betreflendeu Stelle eingetragen, während 
die andere stehende Zahl die Höhe des Sees über dem Meeres- 
spiegel angiebt. Ich beginne mit dem bereits oben angeführten 
Papenzin-See. 



Das Bild zeigt sehr deutlich den unregelmässig bewegten 
Seegruud im südlichen Theile des Beckens, mit mehreren Inseln, 
einer Bucht und zwei kesselartigen, tiefen Löchern im östlichen 


198 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


Theile des Sees. Geschiebelelim reicht auf alleu Seiten bis zum 
Spiegel des Sees hinunter und aus Geschiebelehm bestehen die 
beiden grösseren Inseln, während die kleineren eine dichte Stein- 
packung zeigen, die offenbar als ein Auswaschungsrückstand des- 
selben zu betrachten ist. Nach Angaben der Fischer soll der 
Seegruud in allen Theilen ausserordentlich steinig sein. Der 
nach Norden folgende Theil des Sees besitzt mehr einen Rinnen- 
charakter, bis endlich im nördlichsten Theile unserer Skizze durch 
den herausragenden Werder, auf dessen westlicher Seite zugleich 
die grösste ermittelte Tiefe sich findet, wieder eine doppelte 
Muldung mit einem beträchtlich aufragenden Rücken dazwischen 
herbeia;eführt wird. Besser als alle Worte zei 2 ;t die Aehnlichkeit 
des Seegrundes mit der Moränenlaudschaft ein Profil durch den 
südlichen Theil des Sees von Ost nach West, wie es die folgende 
Skizze bietet. 


Fig. 16. (Länge 1 : 25000. Höhe 1 ; 5000.) 



Unter den Riunenseen der Moränenlandschaft gehören zu den 
auffälligsten die am äusseren Rande derselben gelegenen 4 Pinnow- 
seeu, von denen die 3 westlichen auf dem folgenden Kärtchen 
(Fig. 17) dargestellt sind. 

Dieselben liegen in einer im südlichen Theile des grossen 
Pinnow-Sees sich gabelnden Rinne. Der südliche Arm schliesst sich 
bereits kurz östlich vom kleinen Pinnow-See, während der nörd- 
liche sich bis in die Nähe von Kl. Carzenburg fortsetzt und neben 
dem Höllen -Pinnow -See noch weiter östlich einen auf unserer 
Karte nicht mehr sichtbaren See, den Pinnow -See, sowie ganz 
am Ende der Rinne ein tiefes kesselartiges Loch, die Pinnow- 
Kuhle^), enthält. Auch nach der Moränenlaudschaft zu ist die 
Rinne des Grossen Pinnow-Sees vollkommen geschlossen und steht 


9 PoHuaerscher Fundort für Nwphar pumilum. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


199 


mit deu Seeu bei Porst heute iu keinerlei Zusammenliaug. Auch bei 
diesen Seen zielit sich der Geschiebelehm au den steilen Gehängen 
bis zum Ufer herunter, vielleicht sogar unter deu Seen hindurch. 

Fig. 17. (1:25000.) 



Auffallend ist der gi’osse Unterschied iu der Tiefe dieser Seen, 
da der kleinste und schmälste derselben 27 Meter, der grösste nur 
die Hälfte dieser Tiefe besitzt. 

Mit Abfluss versehen sind die in deu beiden folgenden Skizzen 
gegebenen Seeu, 


Fig. 18. (1:25000.) 



200 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


der Saat-See zwischen Drawehn und Gr. Carzenburg, der sich 
durch den Kalkreichthiun in seinem Untergründe auszeichnet, so- 
wie der flache, moorige Lüters-See, 


Fig. 19. (1:25000.) 



ein Rest des in Fig. 14 dargestellten, alten, grossen Sees. 

Die nunmehr folgenden Seen liegen sämmtlich im Haidesand- 
a;ebiete und zwar im Stromgebiete des Küddowflusses. Zur öst- 
liebsten Gruppe gehören die in Fig. 20 dargestellten beiden Seen 
nördlich von Baldenburg, der Tessenthin- und Lahes-See. Beide 
sind mit einander durch eine alluviale Rinne verbunden. Die 
ursprünglich doppelte Verbindung ist klar ausgedrückt durch den 
Rücken, der den nördlichen Theil des Labes-Sees in zwei Mulden 
scheidet, und durch ein nördlich von der einen derselben liegendes 
altes Thal, welches etwa 5 Meter über dem Spiegel des Tessen- 
thin -Sees liegt. An letzterem ist ganz besonders schön die Ab- 
hängigkeit der Formen des Seeuntergrundes von denjenigen der 
Gehänge zu erkennen. Fig. 21 giebt ein Profil durch den tiefsten 
Theil des Sees. 

Zwischen sandigen Ufern von geringer Erhebung liegen der 
Gr. Damen-See und der Stepener Mühlensee. (Fig. 22.) 


in Ilinterpommern und Westpreussen. 


201 


Fig. 20. (1 : 25000.) 



202 


K. Kbilhack, Der baltische Höhenrücken 


Fig. 21. (Länge 1 : 25000. Höhe 1 : 5000.) 



Fig 22. (1 : 25000.) 



Sie sind, wie die eingeschriebenen Ciirven zeigen, von recht vei'- 
schiedener Tiefe, imd ganz besonders bei dem Stepener Mühlensee 
muss man mit Kücksicht auf die niedrigen Ufer über die unge- 
wöhnliche Tiefe erstaunt sein. Ein Querprotil durch den tiefsten 
Theil des letzteren giebt Fig. 23. 

Fig. 23. (Länge 1 : 25 000. Höhe 1 : 5000.) 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


203 


Den letzten der dargestellten liinuenseeii, den Gr. Stüduitz- 
See gebe ich in 1 : 50000 znsainmeu mit dem ihm benachbarten 
ausgedehnten Becken des Virchow-Sees. 



Ein ausgezeichneter Vertreter des Typus der Riuneuseen in diesem 
Gebiete ist der über 2 Meilen lange Dolgen-See, der bisher nur 
in seiner Nordhälfte untersucht ist. 14 Meter ist seine grösste bis- 
lang gefundene Tiefe. 


204 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


Iia Folgenden gebe ich eine Zusaminenstelluu< 2 r der {refundeneu 


grössten Tiefen in 27 Seen der Nenstetti 


n-Bublitzer Gebend: 

O 


1. 

Stepeuer Mühlensee 

33 Meter 

2. 

Papeuziu-See 

32 

» 

3. 

Tessenthiu-See 

31 

» 

4. 

Höllen -Pinnow- See 

27 

» 

5. 

Gr. Stüdnitz-See .... 

23 

» 

6. 

Virchow-See . . . • . 

22 

» 

7. 

Labes -See 

15 

» 

8. 

Dolgen -See 

14 

» 

9. 

Gr. Pinnow -See .... 

14 

» 

10. 

Kl. Pinnow -See .... 

13 

» 

11. 

Gr. Klewe-See 

12 

» 

12. 

Gr. Damen -See 

12 

» 

13. 

Saat -See 

12 

» 

14. 

Dainerow-See bei Stepen 

9 

» 

15. 

Lüters-See 

8 

» 

16. 

Dorf- See bei Sparsee 

5,5 

» 

17. 

Priebs-See 

4 

» 

18. 

Gr. Sclnnaiiuz-See 

4 

» 

19. 

Kl. » » ... 

4 

» 

20. 

Camp -See ...... 

4 

» 

21. 

Schwarz -See westl. Stepen . 

4 

» 

22. 

Dorf- See bei Stepen . 

4 

» 

23. 

Kttter-See südl. Stepen . 

3,5 

» 

24. 

Lanken -See 

3,5 

« 

25. 

Schärpen- See 

2,5 

» 

26. 

Wurchower Dorf- See 

2,1 

» 

27. 

Plötscheu-See 

1,5 

» 


Die Entstehuna: der Moore aus den Seen lässt sich in allen 

O 

Stadien verfolgen, da noch heute dieser Eutwickelnngsprocess in 


b nur in der Südhiilfte untersucht, 
b nur in der Nordhälfte untersucht, 
nur in der Osthälfte untersucht. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


205 


allen seinen Stufen in der Natur sich absjiielt, von dein festen, 
fast wasserlosen Moore bis zum schwimmenden Moosteppich mit 
offener Wasserblänke in der Mitte. Die Haupt- und Aufaugs- 
arbeit bei der Vertorfung führen schwimmende Moose, unterstützt 
durch andere Wasserpflanzen, aus. Sobald dieselben eine hin- 
reichend dicke Decke gebildet haben, siedeln sich darauf andere 
dem Wasser entwachsende Moose an, die nun ihrerseits den 
Boden abgeben für solche höhere Pflanzen, die einen hohen Grad 
von Feuchtigkeit verlangen, Menijanthes trifoliata, 6'arc.r -Arten, 
Eriophoru'm, Drosera rotundifolia, Vaccinium Owycocciis, Andromeda 
polüfolia u. a. In diesem Zustande ist das Moor noch immer 
schwimmend, seine Decke steigt und fällt mit dem Wasserspiegel. 
In besonders nassen Jahren sind derartige Moore von einer Wasser- 
rinue von mehreren Metern Breite und wechselnder Tiefe eiime- 
schlossen. Dieselbe entsteht dadurch, dass der Wasserspiegel 
ungewöhnlich steigt und eine grössere Fläche eiunimmt, als vorher. 
Die mitsteigende Moordecke aber muss ihre Grösse bei behalten, 
und die Differenz beider Flächenräume ist ausgedrückt durch 
den das Moor umziehenden Wasserstreifen. Mit der Zeit wird 
dasselbe fester, es siedeln sich andere Sträucher, Empetrum nigrum^ 
Vaccinium uHginosum^ V. Myrtillus^ V. Vitis Idaea und Ledum 
palustre darauf au. Manchmal versuchen sogar in dem dichten 
Moosteppich, in welchem der Fuss bis zum Knie versinken kann, 
Kiefern ihr Dasein zu fristen, und bringen es daun, wie z. B. in der 
oben erwähnten Briesen’schen und Bagger-Mösse, nach öOjährigem 
Bemühen auf Stämme von 2 Meter Höhe und 3 — 5 Centimeter 
Durchmesser. 

Wird das Moor durch Höher wachsen oder durch künstliche 
Vertiefung des Wasserspiegels noch trockener, so verschwinden 
allmählich die Moose und das Haidekraut und die verschiedenen 
Arten des Wollgrases besorgen nun in der Hauptsache das Ge- 
schäft der Torfbilduug. Während der ältere im Wasser gebildete 
Theil der Moore aus nichts anderem als hellgefärbteu, dicht ver- 
filzten, in trockenem Zustande federleichten Moosmassen besteht, 
ist das jüngere, aus Haide und sauren Gräsern gebildete Moor 
darüber dunkel gefärbt und bedeutend schwerer. Uebrigens nehmen 

C5 O 


206 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


auch reiue Moostorfe eine dunklere Färbung an iind liefern einen 
bedeutend compacteren Torf, wenn mau dem Moore durch künst- 
liclie Abzapfung möglichst viel Wasser entzieht. 


lieber die Entstehung der Moränenlandschaft ist bereits eine 
ganze Ibeihe von Ansichten ausgesprochen , die MAhnsciiaffe 
übersichtlich zusammengestellt hat^). Er selbst hält die Formen 
der Moränenlandschaft bereits im Untergründe, in den Sanden, 
die unter dem Oberen Geschiebelehm lagern, für vorgezeichuet 
und glaubt, dass dieses Sandgebiet seine complicirte Gestalt durch 
Wassererosion erlangt habe. Er beruft sich dabei auf die von 
mir selbst beschriebenen isländischen Sandr^). Indessen würden 
dieselben, mit einer Grundmoräue überkleidet, keineswegs ein der 
Moräneulandschaft äbnliches Bild ergeben. Auch müsste ja dann 
das Haidesandgebiet, in welchem die Schmelzwasser eine ausge- 
dehnte Thätigkeit entfaltet haben, in seiner Oberflächenform mit 
der Moräuenlandschaft gewisse Aehnlichkeiten besitzen, während ich 
oben grade auf den ausserordentlichen, landschaftlichen Gegensatz 
beider Gebiete aufmerksam machen musste. Zu einer andern Er- 
klärung kommt man, wenn man folgende Umstände berücksichtigt: 

1. dass die Moränenlaudschaft auf verhältnissmässig hohe, ja 
die höchsten Theile des norddeutschen Flachlandes beschränkt ist 
uud im Osten, d. h. in den Provinzen Pommern und Ost- uud 
Westpreussen kaum unter 120 Meter Meereshöhe herabgeht, wohl 
aber bis zu mehr als 300 Metern ansteigt; 

2. dass am Südrande und in der Mitte der Moräneulandschaft 
ausgedehnte Endmoränenzüge liegen, und 

3. dass an dieselben nach Süden hin ausgedehnte Sandgebiete 

o O 

sich anschliessen. 

Daraus geht zunächst mit Sicherheit das Eine hervor, dass 
hier zeitweilig, nach der Ausdehnung der Eudmoräneu zu schliessen, 
sogar für ziemlich beträchtliche Zeit, ein Stillstand des Eises statt 
hatte. Während, wie wohl allgemein augeuommeu wird, die aus- 


b Dieses Jahrb. für 1887, S. 150 f. 

b Vergleicliende Beobacbtg. u. s. w., dieses Jabrb. für 1883. 


in Hinterpom mern und Westpreussen. 


207 


gedelmteii ebenen Gescliiebemergelgebiete nördlicher und südlicher 
gelegener Gegenden dafür sprechen, dass über sie hinweg der 
Eisrand beim Vorrücken und beim Rückzüge ziemlich schnell 
sich bewegte, muss er durch besondere Umstände innerhalb der 
Moränenlandschaft zum Stillstände gebracht worden sein. Der 
Grund dafür liegt auf der Hand, wenn man den oben unter 1 
auö'eführten Punkt ins Arme fasst: die hohe Lage bedingte eine 
niedrigere, mittlere Jahrestemperatur, dadurch vernnnderte sich der 
Verlust durch Verdunstung und Abschmelzen, der Nachschub und 
der Verlust hielten einander annähernd die Wage, d. h. der Eisraud 
kam zum Stillstände. Eine einfache Betrachtung lehrt, dass dieser 
Stillstand nicht in die Peidode des Vorrückens des Eises hineinfiel, 
sondern in die Zeit des Rückzuges gefallen sein muss. Denn ein 
im Vorrücken begriffenes mächtiges Binneueis muss, nachdem es 
vermöge seiner bedeutenden Mächtigkeit eine tlöhe erreicht, die 
zurück liegende Niederung ausgefüllt hat, mit um so grösserer 
Leichtigkeit, ohne Aufenthalt, jenseit der Höhe wieder in tiefer 
gelegene Gebiete niedergehen können. Ein im Rückzuge be- 
griffenes Eis aber findet auf der Höhe Bedingungen vor, die ihm 
so zu sagen noch eine Galgenfrist gewähren: nach Ablauf der- 
selben muss es aber seinen Rückzug über die tiefer gelegenen 
rückwärtigen Gebiete, in unserem Falle über die Küstenzone, mit 
um so grösserer Schnelligkeit bewerkstelligen. Daraus erklärt 
sich leicht die so wenig bewegte Oberfläche dieser S. 152 von mir 
beschriebenen Zone. 

Welche Wirkungen aber übt nun das Eis in der Periode des 
Stillstandes aus? Aus den Mittheilungen der dänischen Geologen 
über das gröidändische Binneneis wissen wir, dass der Stillstand 
desselben niemals ein vollkommener ist, dass vielmehr fortdauernd 
der Eisrand durch grössere oder kleinere Oscillationen bald mehr, 
bald weniger in negativem oder positivem Sinne sich verschiebt. 
So können wir uns also vorstellen, dass aid' der baltischen Seen- 
platte der Eisrand während eines langen Zeitraumes au den ver- 
schiedensten Stellen und zu wiederholten Malen gelegen hat, und 
dass nur durch die Endmoränen die Stellen eines längere Zeit 
dauernden, völligen Verharrens, durch die Gebiete der Geschiebe- 


208 


K. Keii.hack, Der baltische Höhenrücken 


bescliüttung diejenigen eines ausserordentlich langsamen Rückzuges 
angedeutet werden. Der fortdauernd dein Eisrande zugeführte 
Geschiebemergel wurde dabei ausgewaschen, das nicht transportir- 
bare Material, d. h. die grossen und kleinen Steine, blieben am 
Eisrande liegen, das übrige wurde mehr oder weniger weit ent- 
fernt wieder abgelagert. Wir müssen annehmen, dass das Material, 
welches an der einen Stelle zu einer richtigen, aus einer Stein- 
packuug bestehenden Endmoräne znsammengehäuft wurde, au den 
meisten andern auf eine Fläche von etwas grösserer Breite ver- 
theilt wurde, so dass wir die Gebiete der Geschiebebeschüttuug 
gewissermaasseu als ausgebreitete Endmoränen zu bezeichnen 
liaben. Aus dieser Annahme eines mit Oscillationeu und mehr- 
maligem , fast völligem Stillstände des Eises verbundenen Aufent- 
haltes in der Periode des Rückzuges können wir in ungezwungener 
Weise eine ganze Reihe derjenigen Erscheinungen ableiten, die 
das eigenartige Aussehen der Moräueulandschaft bedingen. Wir 
wissen — auch wieder aus Grönland — , dass die Gebiete , die bei 
dem Rückzuge des Eises in einem Oscillationsgebiete eben eisfrei 
geworden sind, aussehen, als ob sie mit einem gewaltigen Pfluge 
bearbeitet wären '). Es beruht das auf der mehrfach beobachteten 
und beschriebenen aufstauchenden und zusammeufalteuden Thätig- 
keit des als einseitige Belastung wirkenden Eisrandes. Wiederholen 
sich derartige Einwirkungen auf den Untergrund während einer 
mehrmaligen Vorwärtsbewegung, so müssen sie sich summireu und 
der Landschaft jenes eigenartige Relief verleihen, welches wir unter 
dem Namen der Moränenlandschaft begreifen. Ich glaube, dass es 
nicht richtig ist, wie E. Geinitz und A. Jentzsch^) es gethau 
haben, mit grossen Wassermassen — sei es ausstrudelud, sei es 
subglacial thätig — die Formen der Moränenlandschaft zu erklären. 
Diese Wassermassen hätten Wege sich zu bahnen gewusst, die 
wir in Form eines besser als das vorhandene geordneten Abfluss- 

*) H. Rink, Das Binneiieis GrÖBlands nach den neuesten dänischen Unter- 
suchungen. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, Bd. '23, S. 418 f. 

2) Fk. E. Geinitz, Die Seen, Moore und Flussläufe Mecklenburgs, Güstrow 1886. 

2) A. Jentzsch, Beiträge zum Ausbau der Glacial-IIypothese. Dieses Jahrb. 
für 1884, Berlin 1885, S. 519. 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


209 


systemes sehen würden. Man kann es in der Moränenlandschaft 
deutlich sehen, wo gegen das Ende der Vergletscherung grosse 
Wassermasseu thätig waren. Das war überall da der Fall, wo 
wir aus dem Lehm in das Sandgebiet tiefe Kinnen, moor- oder 
wassererfüllt, herausführen sehen. Wenn aber au zahlreichen 
Stellen des Eisrandes grosse Schmelzwasserströme demselben 
entflossen, so braucht das deswegen durchaus nicht überall der 
Fall gewesen zu sein. Ich glaube vielmehr, dass die Beobachtungen 
am Frederikshaabs Isbliuk in Südgrönlaud, w'elcher auf grosser 
Linie schmelzwasserfrei mit seinem Rande verharrt, indem der 
Nachschub vollkommen durch Verdunstung an der wärmeren Luft 
aufgezehrt wiiaD), den Schluss auf analoge Vorkommnisse am 
Rande des diluvialen Binneneises gestatten. Grosse Wassermengen 
müssen ofienbar den Charakter der Moräneulandschaft, die abfluss- 
losen Becken, zerstören, können also unmöglich denselben geschaften 
haben. Wo grosse Schmelzwasserströme unter dem Fisraude her- 
vortrateu, da ist, wie z. B. in der Umgebung der Pinnowseeu, 
(Fig. 17) der Charakter der Moräneulandschaft stark verwischt, 
die Menge der geschlossenen Depressionen wieder zerstört worden. 
Ich glaube demnach, dass das Charakteristische der Moränenlaud- 
schaft, ihr Reichthum an abflusslosen Becken, nicht sowohl ein 
Resultat erodirender Wasser, als vielmehr eine Aeusseruug mehr- 
fach summirter, mechanischer Arbeitsleistung des vorrückendeu 
Eises auf seinem Untergründe ist. Lagerungsstörungeu in dem- 
selben, d. h. in den Unteren Sanden unter dem Geschiebelehm, 
vermaa: ich bei dem Mangel au Aufschlüssen und der Mächtig- 
keit des Oberen Diluvium als Stütze meiner Ansicht nicht anzu- 
führen, wohl aber den Umstand, dass an den Rändern der 
Depressionen die Decke des Geschiebelehmes durchaus nicht 
schwächer ist als auf den Höhen, was doch der Fall sein müsste, 
wenn eine starke Erosion oder gar Evorsion alle diese Becken 
ausgearbeitet hätte. 

Mit der Bekleidung der so umgestalteten Oberfläche mit 
der Grundmoräne, dem Geschiebelehm, war die Vorbedingung für 


') Meddelelser om Grönland, Bd. 1, Heft 1. H. Rink, 1. c. 


Jahrbuch 1889. 


14 


210 


K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken 


die Entstellung von Seen ans diesen Depressionen gegeben, indem 
durch die Undurchlässia:keit desselben ein schnelles Versickern 
des Wassers in tiefer liegende, trockene Schichten unmöglich ge- 
macht wurde. Woher das Wasser dieser Seen stammt, ist eine 
leicht zu beantwortende Frage: jedes dieser Becken ist von einem 
liald grösseren, bald kleineren Gebiete umgeben, welches bei der 
allgemeinen Undurchlässigkeit des Untergrundes alle Niederschläge 
ihm zuführen muss. Dieser Zufuhr wirkt einmal die Verdunstung 
entgegen, dann auch der wohl nur als sehr gering zu ver- 
anschlagende Verlust durch Eindringen des Wassers in tiefere 
Schichten. Aus dem Wechsel des Verhältnisses zwischen Gewinn 
und Verlust resultirt die Grösse des jeweiligen Wasserspiegels der 
Seen, welcher, soweit nicht künstliche Eingrifte eingewirkt haben, 
in verschiedenen Jahren ein verschiedener ist. 

Der Umfang dieser Seen musste natürlich vollkommen ab- 
hängig sein von Grösse und Gestalt der Depressionen und von 
höherer oder niedrigerer Ivage desjenigen Punktes, an welchem 
das steio'ende Wasser zuerst einen Abfluss in ein anderes Becken 
oder in ein Fliesswassersystem finden konnte. Manche dieser 
Seen haben daher auch zeitweilige Abflüsse, wie der Kammin-See 
bei Breitenberg, der, in trockenen Jahren abflusslos, in nassen 
über eine niedrige Stelle seiner Umrandung hinweg einen Abfluss 
in das Kaddüe-Thal besitzt. 

In der oben ausgeführten Art denke ich mir alle Grund- 
moränenseen und aus denselben hervorp'eg:an Irenen Moore ent- 
standen. Eine riesenkesselartige Entstehung zahlreicher, kleiner, 
kesselartio'er Pfuhle a;if ebenen Mera;elflächen will ich damit durch- 
aus nicht in Abrede stellen. Die ausgedehnte Rolle, die Geinitz 
den ausstrudelnd wirkenden Schmelzwassern zuschreibt, vermag 
ich dagegen nicht anzuerkennen , wenigstens nicht für die Seen 
der hinterpommerschen Moränenlandschaft. 

Was nun die Entstehung der in Rinnen liegenden Seen, des 
zweiten der von mir beschriebenen Seentypen, betrifft, so herrscht 
wohl kein Zweifel darüber, dass die von ihnen ausgefüllten Ver- 
tiefunofen durch nach Süden strömende Schmelzwässer des Eises 

O 

ausgewaschen sind. Wo diese Rinnen jetzt noch zu einem nor- 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


211 


mal entwickelten Fliesswassersystem gehören, kann darüber gar 
kein Zweifel sein. Viele dieser Rinnen sind aber heute nur in 
Stücken vorhanden, aus ihrem ursprünglichen Zusammenhänge 
bis zur völligen Unkenntlichkeit desselben losgelöst. Diese Er- 
scheinung lässt sich in der Weise erklären: jedenfalls sind die 
Rinnen ursprünglich alle vollkommen ausgebildet gewesen, aber 
nicht neben, sondeni nach einander, und bei den im Vorlande 
der Gletscher so häufigen Stromverlegungen theilweise wieder 
zugeschüttet worden, so dass nur die jüngsten dieser Rinnen bis 
heute geblieben sind. Ich habe an anderer Stelle derartige Strom- 
bettverleguno-eu und dadurch bewirkte Zuschüttunoj und Ab- 
Schnürung älterer Rinnen an Beispielen aus heute vergletscherten 
Gebieten geschildert^), welche den besten Beweis dafür liefern, dass 
bei der weit grossartigeren Vergletscherung Norddeutschlauds der- 
artige Erscheinungen, noch dazu bei den auf dem Ilöheurückeu 
gebotenen Gefällverhältnissen, sich noch in viel hervorragenderer 
Weise müssen geltend gemacht haben. 

Ueber die Entstehung der Beckenseen des Sandgebietes habe 
ich ein abschliessendes Urtheil noch nicht gewonnen. 

Von hervorragender Beweiskraft für die Natur der Moräneu- 
landschaft als eines Gebietes des Stillstandes resp. häufiger 
Oscillatlonen beim Rückzuge des Eises ist die auf viele Meilen 
entlang ihres Südraudes von mir festgestellte Haidesandfläche. 
Dieselbe ist ein genaues und typisches Aequivalent zu den von 
mir beschriebenen »Sandr« vor den grossen Gletschergebieten 
der Insel Island und spricht auf das Klarste für die Richtigkeit 
meiner Auffiissuug. Hier der lange , schmale Endmoränenzug, 
hinter ihm die vom hin- und hergehenden Eise wie ein tobendes 
Meer aufgepflügte Gruudmoräneulaudschaft und vor ihm das weite 
Gebiet, auf welchem die Schmelzwasser des Eises die traus- 
portirbaren Theile der Gruudmoräne nach Süden tragen, während 
die schweren Blöcke als Endmoräne oder Geschiebebeschüttung 
liegen bleiben. Wie dem am Südrande der Moränenlandschaft 
liegenden, fast ununterbrochenen Endmoränenzuge die grosse ebeu- 


U* 


*) Dieses Jahrb. für 1883, S. 159. 


212 


K. Keii-hack, Der baltische Höhenrücken 


folls lückenlose Haidesandebene entspricht, so liegt vor dena 
S. 179 erwähnten, rückwärtigen Zuge inmitten der Moränenland- 
schaft ein oft unterbrochener bald breiterer, bald schmälerer 
Streifen von Geschiebesand, der nur dadurch von dem des grossen 
Saudgehietes sich unterscheidet, dass der Obere Geschiebemergel 
in Tiefen von 3 — 5 Metern sein Liegendes bildet. Dieser Sand- 
streifen ist also entstanden während einer kürzeren Stillstands- 
periode des Gletscherfusses an der Stelle, wo jetzt die einzelnen 
Stücke des zweiten Endmoränenzuges sich finden. 

Nun erklärt sich auch das S. 164, Fig. 3 dargestellte und er- 
wähnte Auftreten zweier Geschiebelehmbänke, die beide dem 
Oberen Diluvium angeboren. Bei einer Rückwärtsbewegung 
wurde die untere derselben abgelagert, resp. zurückgelassen; die- 
selbe überzog dabei eine tiefe Depression; nördlich von derselben 
kam, w'orauf die Endmoränenstücke bei Friedenhof hinweisen, der 
Eisrand wieder zum Stehen; während dieses Stillstandes wurde 
die Depression grösstentheils mit Sand und Kies ausgefüllt, w'obei 
die in den Förster Seen heute zum Theil noch erhaltene Schmelz- 
wasserrinne entstand. Dann erfoGte wieder ein kurzes Vorrücken 

o 

des Eises, bei welchem über jenen Geschiebesandeu abermals 
eine wenig mächtige Grundmoräne abgelagert wurde, die sogar 
grösstentheils von den Schmelzwassern wieder zerstört wurde. 

Räthselhaft bleibt vor der Hand die Entstehung des Deck- 
thones, w'enigstens derjenigen Ablagerungen desselben, die heute 
deckenartiff auf den höheren Erhebungen lagern. Ihr ausser- 
ordentlicher Reichthum au Thon, der Mangel an Saud und die 
Schichtung sprechen entschieden für Absatz in ruhigen Becken. 
Da diese Thoue aber auf den Höhen lagern, so können die Ränder 
der Becken nur in einem Gebilde bestanden haben, welches seit- 
dem verschwunden ist. Da die Ei’osion aber in diesen Gebieten 
bisher ersichtlich so wenig gewirkt hat, dass man heute noch 
annähernd dieselbe Terrainffestaltuno- wie kurz nach dem Ver- 

Ö O 

schwinden des Eises vor sich hat, so kann eben nur das Eis jene 
Becken eingeschlossen haben. Noch fehlt es an Beobachtungen 
von Seen, nicht auf dem Eise, sondern im Eise, aber mit der 
Gruudmoräue als Untergrund, Seen, denen ihre jedenfalls supra- 


in Hinterpommern und Westpreussen. 


213 


glacialen Zuflüsse nur Thon und feinsten Sand zuführen. Solche 
Seen aber muss es am Rande des Binneneises auf dem nordost- 
deutschen Höhenrücken an vielen Stellen gegeben haben. 

Ich habe absichtlich nur ülier die Entstehung der Ober- 
flächenformen der Seenplatte gesprochen und es vermieden, auf 
die Frage nach der Bildung des Höhenrückens selbst eiuzugehen. 
Ich glaube, dass eine Beantwortung dieser Frage sich nur auf 
eine leidlich genaue Kenntniss der Mächtigkeit des Diluviums und 
des Alters der unter ihm folgenden älteren Formationen an einer 
Anzahl Stellen des Höhenrückens stützen darf. 

Zwischen Oder und Weichsel aber ist uns Beides bislang 
auch nicht von einer einzigen Stelle bekannt. Es kann unmöglich 
zur Erweiterung unserer Kenntniss dienen, über die Entstehung 
des 4 — 500 Kilometer langen Höhenrückens zwischen Oder und 
Weichsel hypothetische Vermuthungen auszusprechen, ohne die- 
selben durch auch nur einen einzigen Beweis stützen zu können. 

Ebensowenig möchte ich jetzt schon aus der Verbreitung der 
beschriebenen Endmoräne Schlüsse ziehen, sondern lieber damit 
warten, bis ihr Zusammenhang mit der von Berbndt so genannten 
»südlichen baltischen Endmoräne« sowie die östliche Fortsetzung 
beider auf möglichst Aveite Strecken genauer festgestellt sind. 


Nachschrift. 

Während des Druckes des vorstehenden Aufsatzes hatte ich 
Gelegenheit, die als Endmoränenzug bezeichnete Zone grösster 
Geschiebeanhäufuug von der pommersch- neumärkischen Grenze 
in der Gegend von Nörenberg an auf weitere 100 Kilometer Länge 
durch die Neumark bis in die Geffend von Soldiu zu verfolgen. 
Der Zug verläuft von Alt- Storkow bei Nörenberg fast ununter- 
brochen über Nörenberg, Temnick und Gr.-Silber nach Steiuberg 
bei Reetz. Von da an nach Süden wird der Zug sehr lückenhaft, 
nur au wenigen Stellen, bei Cratzuick, Rohrbeck und Augustwalde 


214 


K. Keilhack, Der baltisclie Höhenrücken etc. 


begegnet man beträchtlichen Geschiebeanhänfungen. Nicht zu 
bezweifeln ist, dass noch zahlreiche Endmoränenstücke bei ge- 
nauer Kartirung auch hier sich finden werden. Erst zwischen 
Gerzow und Krining setzt der Zug wieder ein mit prächtigen, 
langgestreckten Rücken aus mächtigen Blöcken. Von hier an 
lässt er sich gut verfolgen über Hasselbusch, Herzfelde, Eichwald, 
Brunken (bei Berlinchen), Kerngrund, Kienitz, Gollin und Schoue- 
berg a,uf Woltersdorf bei Soldin zu. Dieser letzte Punkt ist nur 
noch 45 Kilometer von der Oder entfernt. 

Auch in der Neumark lieo;t der Geschiebezug meist hart auf 
der Grenze der aus Geschiebemergel bestehenden Moränenland- 
schaft gegen das auch hier südlich resp. östlich angrenzende weite 
Sandgebiet. Wo die Geschiebepackungen, wie südöstlich von 
Soldin oder südlich von Nöi’enberg, auf Höhen liegen, die ihre 
Umgebung überragen, da kann man den landschaftlichen Gegen- 
satz prächtig beobachten: auf der einen Seite eine weite, höchstens 
schwach wellige Ebene mit spärlichen Dörfern und ausgedehnten 
Kiefernwäldern; auf der anderen Seite ein stark bewegtes Hügel- 
land mit zahllosen Kuppen und Bergkegeln, vielen Mooren, reich- 
licheren Ansiedelungen und schönen Buchenwäldern. 

Die Geschiebeanhäufungen treten, wie erwähnt, in verschie- 
dener Weise auf: einmal als Packungen von mehreren Metern 
Mächtigkeit, ihrer äusseren Form nach dann kleine Hügel- und 
Kammstücke darstellend; oder als Geschiebebeschüttungeu, ge- 
wissermaassen als ausgebreitete, über grössere Fläche vertheilte 
Packungen. Die Unterlage bildet in beiden Fällen entweder 
durchragender Unterer Sand, wie bei Soldin zwischen Mietzelfelde 
und Schöneberg oder südlich Nörenberg zwischen Temnick und 
Steinberg ; diese Gebiete entsprechen auf das genaueste den von 
Schröder beschriebenen uckermärkischen Durchragungszügen. 
Im anderen Falle sind die Geschiebepackuugen und Beschüttungen 
dem Oberen Geschiebemergel der Moränenlandschaft einfach auf- 
gelagert, wie das besonders schön unmittelbar nordöstlich von 
Nörenberg und an der im Bau begriffenen Chaussee von Alt- 
Storkow nach Wangerin zu sehen war. 


Prestwicliia (Euproops) Sclieeleaiia ii. sp. 

Von Herrn Th. Ebort in Berlin. 


Die Gattung Prestivicliia wurde von IT. Woodward 1866 
fiir diejenigen Xipliosueen auf gestellt , welche den allgemeinen 
Charakter von Belinurus haben, bei denen aber die Glieder des 
Kumpfes nicht frei, vielmehr mit dem Abdomen zu einem com- 
pacten Schild verwachsen sind, insofern also den himuU sich 
nälieni. Es sind bis jetzt vier Arten davon bekannt geworden; 
P. owiCraa’ PßESTWiCH sp.^), P. Birtwelli H. WoODW. •'*), P. rotmi- 
data Pkestwich sp. und P. Danae Meek et Worthen 5). 
Während die ersten beiden sich seither nur in der Steinkohlen- 
formation Englands gefunden haben, die letztgenannte nur in der 
Steinkohlenformation von Illinois, ist P. rotundata aus England 
und Belgien beschrieben worden. Zu ihr rechnete auch Bölsciie 
Prestwichien-Reste, welche in der Steinkohlenformation des Pies- 
berges bei Osnabrück gefunden worden sind. 

Vor Kurzem wurde nun von dem Herrn Bergingenieur Scheele 
in Recklinghausen der Directiou der Köuigl. geologischen Landes- 

b Quart. Journ. Geol. Soc. London 1867, Bd. XXIII, S. 32. 

b Wood WARD, A Monograph of tlie British fossil Crustacea. Merostomata, 
1866-1878, S. 244, Taf. XXXI, Fig. 6 und 6a. 

3) Ibid., S. 247, Taf. XXXI, Fig. 7a-c. 

b Ibid., S. 246, Taf. XXXI, Fig. 5. 

b Meek and Woethej«, Geological survey of Illinois, Vol. II, S. 395, Taf. 32, 
Fig. 2 und Vol. III, S. 547. 

®) Kokinck, Notice sur le Prestwicliia rotundata, Bull, de l’acad. royale de 
Belgique, 3 ser. , Bd. I, S. 479. 

b Jahresbericht VI des naturwissenschaftlichen Vereins zu Osnabrück für 
die Jahre 1883 und 1884. Osnabrück, 1885, S. 268 ff. 


216 Th. Ebert, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp. 

anstalt für die Sammlung ein den Umständen nach vorzüglich er- 
haltenes Exemplar einer Prestxoicliia zugesandt, welches von ihm 
im Jahre 1885 in einem Gesteinsstück aus dem Hangenden vom 
Leitflötz der Fettkohlenpartie Röttgersbank der Zeche Wolfs- 
bank in der Rheinprovinz entdeckt worden ist. 

Das Stück ist (Fig. 1) bis auf den fehlenden Schwanzstachel 
ziemlich vollständig erhalten. Das Kopfschild ist aber etwas ver- 
drückt und zwar ist der Vorderrand desselben von vorn nach 
hinten etwas zusammengeschoben und die linke Seite und theil- 
weise auch die Mitte der Glabella sind bei der Erzeugung einer 
Rutschfläche in dem verhältnissmässig milden Schieferletten, in 
welchem die Versteinerung liegt, in Mitleidenschaft gezogen und 
dadurch die charakteristischen Züge etwas verwischt worden. 
Immerhin sind sie deutlich genug, um in Verbindung mit der 
besser erhaltenen rechten Hälfte ein ziemlich klares Bild der Ge- 
stalt der Glabella zu geben. Uebrigens ergänzt der ebenfalls vor- 
liegende Abdruck die Versteinerung in manchen Punkten. 

Das Kopfschild ist an der breitesten Stelle 40 Millimeter breit 
und misst 15 Millimeter in der Länge, doch dürfte die letztere 
in Anbetracht der Verdrückung noch 1 oder 2 Millimeter mehr 
betragen haben. An den beiden Hinterecken setzt sich der breite 
Saum desselben in je einen Stachel fort, der sich schnell verjüngt, 
und auf der linken Seite in einer Länge von 12 Millimeter vor- 
handen ist, bei erhaltener Spitze, welche hier fehlt, wohl 14 bis 
15 Millimeter lang gewesen sein mag. Während der Vorderrand 
des Kopfschildes gleichmässig gebogen ist, ist der Hinterrand an 
der Glabella gerade, von da nach den Stacheln jederseits etwas 
eingebuchtet. 

Die Glabella hat im Allgemeinen die Form eines Vierecks, 
dessen hinterer Rand gerade, der vordere convex und die beiden 
seitlichen Ränder concav sind. An den beiden Vorderecken 
scheinen die Augen gelegen zu haben. Durch einen mittleren, 
kielartifiren Länssstreifen , der nach hinten sich zu verdicken 
scheint, wird die Glabella in zwei gleiche Hälften getheilt. Das 
Vorderende dieses Streifens bildet den Scheitel eines kleinen 
Sinus, welcher den convexen Vorderrand der Glabella in der 


Th. Ebert, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp, 


217 



218 Th- Ebekt, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp. 

Mitte einbuclitet. Etwa in der halben Entfernnusr von der 

o 

Mittelleiste znin seitlichen Rand entspringt am Hinterrand jeder- 
seits eine weitere Leiste, welche ähnlich den Seitenrändern in 
concavem Bogen zunächst nach innen, dann nach aussen und 
vorn läuft. Der zwischen beiden gelegene Theil der Glabella 
war wenigstens hinten offenbar stärkei’ gewölbt, als die seitlich 
gelegenen Theile. Die Glabella ist 10 Millimeter lang, an den 
Vordereckeu etwa 17 Millimeter und an den Hintereckeu nnsfe- 
führ 13 Millimeter breit. In einer Entfernung von 7 Millimeter 
vom Hiuterraude verbinden undeutliche Querleisten die Mittel- 
kaute mit den benachbarten Läugskanten. 

Thorax und Abdomen sind zu einem Schild verwachsen, 
dessen Länge excl. des Saumes 15 Millimeter, die grösste Breite 
23 Millimeter beträ<rt. Er ist aus 7 Segmenten zusammeua:esetzt. 
Der Saum ist 4 Millimeter breit und ausserdem mit Dornen ent- 
sprechend der Anzahl der Leibes-Segmeute versehen, welche nach 
hinten gerichtet und au den vorderen Segmenten 3 bis 4 Milli- 
meter laug, au den hinteren, wie aus dem Gegendruck zu ersehen 
ist, noch länger sind. Die Axe ist vorn 6 Millimeter breit, ver- 
jüngt sich bis au das sechste Segment auf 4 Millimeter, ver- 
breitert sich dann plötzlich wieder auf reichlich 6 Millimeter, um 
daun in einem stumpfen Winkel zu endigen. Diese knotige Ver- 
breiterung der Axe erinnert sehr an diejenige der P. BirtioelU^ 
reicht aber nicht bis an das hintere Ende des Rumpfschildes, 
bleibt vielmehr noch etwa 1 Millimeter von demselben entfernt. 
An dem hinteren Rande der Verdickung ist eine undeutliche 
Grube sichtbar, in die wohl der Stachel eiugeleukt war. Die 
Segmente der Axe scheinen mit je einer Wai’ze versehen gewesen 
zu sein. ^ 

Die Stücke von Osnabrück, welche mir Herr Dr. Bölsche 
zugänglich machte, wofür ich ihm hiermit nochmals bestens danke, 
zeigen nun eine grosse Uebereinstimmung mit dem beschriebenen 
Individuum. 

Am wichtigsten ist in dieser Beziehung das von Bölsche 


b Jahresbericht VI des naturwissenschaftlichen Vereins zu Osnabrück. 


Th. Ebert, Prestwieliia (Euproops) Sclieeleana n. sp. 


219 


in Fig. 2 abgebildete, auf unserer Tafel durch Fig. 3 besser wieder- 
gegebene Exemplar. Wenn auch im Allgemeinen sehr schad- 
haft, lässt es gerade die Charaktere deutlich erkennen, welche für 
die neue Art charakteristisch sind, nämlich die dabella und die 
Verbreiterung der Axe am hinteren Ende. Die letztere ist 
weniger eckig als bei dem der Zeche Wolfsbank; die Insertions- 
grube des Stachels ist sehr deutlich. Das Kopfschild ist seitlich 
stark verdrückt, von der dabella ist das Mittel- und das rechte 
Seitenstück verhältnissmässig gut erhalten. Man sieht hier von 
dem einspringenden Winkel des Vorderrandes eine mediane, 
schmale, kielartige. Erhebung des sonst concaven Feldes nach 
hinten laufen, die sich etwa von der Mitte des Feldes ab schnell 
verbreitert und als breiter Wulst hist den ganzen hinteren Theil 
des Feldes ausfüllt. Das Mittelfeld ist begrenzt durch kielartige, 
in concavem Bogen nach vorn verlaufende, schmale Leisten. Die 
übrigen Körpertheile stimmen, soweit sie erhalten sind, genau 
mit dem zuerst beschriebenen Stücke überein. 

An dem bei Bölsche Fig. 3 abgebildeteu Exemplar ist 
namentlich die Axe gut erhalten, bis auf das verbreiterte Ende, 
welches fehlt. Die Segmente tragen je einen deutlichen Höcker 
auf der Mitte. Die Umrandung der Glabella ist genau wie bei 
dem Exemplar von Wolfsbank. Auch die mediane Erhebung, die 
sich nach hinten verbreitert, ist deutlich. Ich habe es, da es liei 
Bölsche im Ganzen richtig wiedergegehen ist, nicht abhilden 
lassen. 

Das Fig. 1 in der Osnabrücker Zeitschrift abgebildete Stück 
habe ich zunächst weiter präparirt; dabei ist der Saum des Kopf- 
schildes sichtbar geworden und in Folge dessen die eigenthümlich 
eckige Form des Kopfschildes in der Zeichnung der Osnabrücker 
Zeitschrift als unrichtior erkannt worden. Die Verdrückung der 
G labclla ist dort wohl im Allgemeinen richtig wiedergegehen, aber 
die Ihgienzungslinien der einzelnen Felder, die deutlich erkeuubar 
sind, fehlen. Ich habe deshalb auch dieses Stück noch einmal 
abbilden lassen (Fig. 2). Man sieht an demselben trotz der Ver- 
drückung deutlich den Verlauf des Mediankieles, den der beiden 
as M ittelfeld begrenzenden Kiele und, allerdings weniger gut, die 


220 


Th. Ebeut, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp. 


linke Begrenzungskante der Glabella. Sehr deutlich sind die 
beiden Querleisten, welche die Mitte des Mediaukieles mit der 
Mitte der Seitenkiele des Mittelfeldes verbinden. Auch der rechte 
Stachel des Kopfschildes ist vollständig erhalten, im Uebrigen aber 
sämmtliche Körpertheile verdrückt, oder nicht vorhanden. Jedoch 
genügen die erkennbaren Theile des Kopfschildes, um die üeber- 
einstimmung mit dem Exemplar der Zeche Wolfsbaak sicher zu 
stellen. 

Die bis jetzt aus Deutschland bekannten Stücke gehören also 
sämmtlich einer neuen Art an, die ich Scheeleana'^') genannt habe. 
Dieselbe hat den breiten Saum des Rumpfschildes wie P. rotundata^ 
die Verdickung der Axe am Abdomen wie P. Birtwelli, schliesst 
sich aber in der Form des Kopfschildes am nächsten an P. Danae 
Meek et WoRTHEN an. Für die letztere Art haben Meek und 
WORTHEN das Genus Euproops aufgestellt und zwar sowohl 
wegen der Lage der Augen, als der Form der Glabella und ihrer 
Kiele^). Woodward will diese Unterschiede nicht als genügend 
zur Abtrennung eines neuen Genus anerkennen. In der That 
sind ja von den Glabellen der 5 Arten der Gattung nur diejenigen 
von Danae und Scheeleana nahe übereinstimmend. Selbst diejenige 
von P. anthrax ist doch nur durch die drei stachelartigen Fort- 
sätze am Hinterrand mit Danae vergleichbar. Im Uebrigen ist 
die Glabella dieser Art auch zunächst noch unbekannt. Die 
beiden anderen Arten sind ganz abweichend ausgebildet. Man 
wäre also genöthigt, mindestens drei Gattungen aufzustellen. Bei 
den Trilobiten würde man wohl auch kaum zögern, dies zu thun. 
Da der Erhaltungszustand bei sämmtlichen bis jetzt bekannt ge- 
wordenen Prestwichien indessen ein mangelhafter ist, so mag die 
Frage einer weiteren Abgrenzung von Gattungen noch offen 
bleiben. Immerhin kann man ja Euproops als Untergattung gelten 
lassen. Es würden zu derselben ausser Danae noch Scheeleana 
und vielleicht auch anthrax gehören. 


b SitzuDgsber. d. naturf. Freunde in Berlin. 1890. 
b Geol. Survey Illinois, Vol. III, S. 548. 


Der Zeclistein in der Gegend von Blanken- 
burg und Königsee am Thüringer Walde. 

Von Herrn H. Loretz in Berlin. 


Bei Gelegenheit der in den letzten Jahren erfolgten Kartirnng 
der Blätter Schwarzburg und Königsee für die geologische Spe- 
cialkarte von Prenssen und den Thüringischen Staaten ist wieder 
ein Streifen des Zechsteius am Rande des Thüringer Waldes zur 
Specialaufnahme gelangt. Dem Zechstein von Saalfeld und Kams- 
dorf, welcher durch den dortigen Erz- und Eisensteiubergbau be- 
kannt und wiederholt in der Fachliteratur ausführlich besprochen 
worden ist, schliesst sich jener Streifen westwärts au, und findet 
seinerseits, weiter westlich, doch mit Unterbrechung, eine Fort- 
setzung in dem Zechstein von Ilmenau u. s. w. 

Das Zechsteiuausstreicheu der hier in Frage kommenden 
Gegend ist als solches schon lange bekannt und hat bereits seitens 
der älteren Geognosten Erwähnung gefunden ^), doch ist dasselbe, 

') J. C. W. Voigt: Mineralogische Reisen durch das Herzogthum Weimar 
und Eisenach und einige angrenzende Gegenden, Theil I, Leipzig 1794. (Wird 
abgekürzt M. R. W. E. citirt werden.) 

Derselbe: Mineralogische Reise ins Schwarzburg- Rudolstädtische, in den 
Kleinen mineralogischen Schriften, Theil II, Weimar 1800, S. 122 — 154. (Wird 
abgekürzt M. R. S. R. citirt werden.) 

V. Hoff: Beschreibung des Trümmergebirges und des älteren Flötzgebirges, 
welche den Thüringer Wald umgeben, in C. C. Leonhaud’s Taschenbuch für die 
gesammte Mineralogie, Jahrg. VHI, 1814, S. 319— 43G. 

J. C. Freiesleben: Geognostischer Beitrag zur Kenntniss des Kupferschiefer- 
gebirges etc., Theil HI, Freiburg 1815. 


222 


H. Lobetz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenburg 


bei seiner unregelmässigen und zerstreuten Lage, und der Dürftig- 
keit seiner Eisenstein- und Erzvorkoinmnisse, iin Vergleich zu den 
angrenzenden Gegenden, weniger Gegenstand eingehender Unter- 
suchung gewesen. Als weiterer Beitrag zur Kenutniss des thürin- 
gischen Zechsteius mögen daher an dieser Stelle die Ergebnisse 
mitgotheilt werden, welche sich durch die Kartirnug ergeben haben. 

Auch hier, wie weiterhin, ist die gesammte Zechsteinbildiiug 
dem alten Schiefergebirge nugleichfürmig aufgelagert. Jeder Auf- 
Schluss, der durch den untersten Zeclistein hinabgeht, zeigt, dass 
die Unterlage desselben von den Schieferkopfeu des alten Gebirges 
gebildet wird, und zwar gehören die Schiefer hier dem Cambrium 
an. Kothliegendes kommt in dieser Strecke nicht vor ^). Ueber- 
lagert wird das Zechsteinsystem in gewöhnlicher Weise vom Bunt- 
sandstein. 

Unterer Zeclistein. Die unterste Zechsteiuschicht verhält sich 
auch hier im Allgemeinen als Couglomerat, Zechsteinconglo- 
merat (Weissliegeudes der älteren Geognosten zum Theil), welches 
aber natnrgemäss Abänderungen unterworfen ist, und theils in 
Breccie, theils in conglomeratischen Sandstein, theils in Sandstein 
selbst verläuft; allen diesen Gesteiusarten ist ein kalkig-dolomitisches 
Bindemittel eigen, welches in sehr verschiedener Menge von fast 
gänzlichem Verschwinden bis, jedoch selten, znm Vorwalten zu- 
gegen sein kann, und im äussersten Falle auch zu lagenförmigeu 
Ausscheidungen oder schwachen Schichten eines meist eisen- und 
mangaureichen Carbonates wird. Häufig ist iudess durch Ver- 
Witterungsvorgänge das verbindende Carbonat zerstört, und statt 

o o o ~ 

in Form festen Gesteins erscheint dann die unterste Zechstein- 
Ijildnug als lockere oder zerfallene Masse, selbst nur in Form 
zerstreuter Trümmer. Die verbundenen Gemengtheile des Con- 
glomerats sind Schiefer (phyllitischer Schiefer), Quarzit, seltener 
graphitischer bezw. graphitoidischer Quarzit und Quarz. Die Form 
der grösseren Einschlüsse betrefieud, finden sich alle Zwischeu- 


b Dies hat schon v. Hoff ausgesprochen ; a. a. 0. S. 323 f. Von anderer 
Seite dagegen ist das Zechsteinconglomerat , oder doch Theile desselben, für 
Rothliegendes angesehen worden; vergl. J. C. W. Voigt, M. R. S. R. pag. 127. 


Uebepsichtskärtchen des Zechsteins bei Blankenburg und Königsee am Thüringer Walde. 


und Königsee am Thüringer Walde. 


223 




224 H. Loretz, Der Zechstein in der Gegend von Blankenburg 

stufeu von scharfeckigen Schiefer-, Quarzit- nnd Qnarzbrocken an 
bis zu völlig abgerollten Stücken. Doch sind solche Gerolle von 
Quarzit nnd Quarz viel seltener, als die nicht oder unvollkommen 
gerundeten Trümmer, und finden sich in grösserer Menge nur an 
gewissen Oertlichkeiten, jedoch auch dort mit scharfeckigen Bruch- 
stücken untermischt; in geringer Zahl kommen sie auch ander- 
wärts vor. Ueberdies ist die Grösse der durch das Carbonat ver- 
kitteten Schiefergebirgstrümmer selbst in ein und demselben Haud- 
stück recht verschieden, was ja auch darin seinen Ausdruck findet, 
dass, wie schon angegeben, conglomeratische Sandsteine, d. h. 
solche Vorkommen, welche grobe Bruchstücke neben Sand ent- 
halten. Es bleibt nur noch hinzuzufügen, dass auch in hiesiger 
Gegend Einsprengungen von Malachit und Kupferlasur, sowie 
Durchsetzung mit Schwerspathadern, in dieser Zechsteiustufe, als 
auf secundärer Lagerstätte, recht häufig sich finden, bis in die, 
das Zechsteiuconglomerat tragenden Schiefer des Grundgebirges 
hinein. Die Mächtigkeit dieser untersten Zechsteinschicht wechselt, 
sie ist nirgends bedeutend, und scheint sich allenthalben im Spiel- 
raum von einigen Metern, bald einige mehr bald weniger, zu 
halten. 

Im Bereiche des Blattes Schwarzburg kommt das Zechstein- 
conMomerat nur an wenig-en Stellen dentlich anstehend zum Vor- 
schein, so am Wege von Watzdorf nach Böhlscheiben, zwischen 
1000 und 1100 Decimalfuss Höhe, in Form von Conglomerat aus 
Schiefer, Quarzit und Quarz; weiterhin ist es bei Cordobang, 
Bechstädt und der Schwarzburger Fasanerie, wenn auch nicht im 
Zusammenhang anstehend, sondern nur in letzten, von der Ab- 
witteruDg verschont gebliebenen Besten, nnd in lose gewordenen 
Quarzitgeröllen zu erkennen. Ausgedehnter und zusammenhän- 
gender ist diese Bildung auf Blatt Köuigsee zu beobachten, wo 
sie sich meist als dolomitisch kalkiger Sandstein verhält, der 
Schiefergebirgstrümmer einschliesst; im Dorfe Aschau geht der- 
selbe zum Theil in eine Art Schieferbreccie über, die sich durch 
Verwitterung röthet; SW. von Königsee, nach dem Querlingberg 
und nach Garsitz hin, erscheint der unterste Zechstein sowohl in 
Form von Sandstein mit wenig grösseren Trümmern, als auch in 


ntu] Kölligsee am Thüringer Walde. 


225 


Form von Breccie mit wenig sandiger Zwisclienmasse, nnd zwar 
zeigen die Aufschlüsse hei dem genannten Dorfe, dass zu unterst 
jener Sandstein i), darauf jene Breccie Hegt. Auf der Abflachung, 
welche sich vom Langen Berge her bis an das Dorf Pennewitz 
erstreckt, gelien sich Reste des Zechsteinconglomerates in einer 
auffällig grossen Zahl loser Quarzit- nnd Quarzge rolle und in 
Spuren des Carbonatantheils zu erkennen, welcher durch Ver- 
witterung eine fast schwarze Farbe angenommen hat, auch ist 
Färlmng und sonstige Beschaffenheit des Bodens durch die Reste 
der ZechsteinbedecknnsT bedingt. Nur au wenigen Stellen zeigt 
sich das Conglomerat noch in festem Zusammeidiang, Gerölle und 
kantige Stücke, grosse und kleine Schiefer- und Quarzsplitter ver- 
bunden durch braun verwittei’tes Carbonat; letzteres kann sogar, 
ziemlich grobkrystallinisch werdend, etwas reinere Zwischenmassen 
und -lagen bilden. An manchen der Gerölle finden sich die be- 
kannten Erscheinungen der Berstung mit Verschiebung und Wieder- 
verkittnng getrennter Theile, sowie der oberflächlichen Eindrücke. 
An einer Stelle, in der Nähe des Fahrwegs von Pennewitz nach 
Herschdorf, bei etwa 1500 Decimalfuss IRihe, wurde auch eine 
vollkommene Verk i e s el u ng dieses Conglomerates beobachtet, in 
der Art, dass das kalkige Bindemittel durch ein kieseliges ersetzt 
war; die Oberflächen der eingeschlosseneu GeWdle zeigen in Folge 
der Neubildung krysfallisirter Kieselsäure das bekannte »kandirte 
Aussehen«. 

Eine Schwierigkeit für die Kartenverzeichnung kann sich dort 
ergeben, wo, wie in der letztbezeichneteu Gegend, die Zechstein- 
bedeckung bis auf Reste des Conglomerats abgewittert ist, und 
so die Oberfläche des Schiefergebirges zu Tage tritt, dessen 
Trümmer ja einen wesentlichen Antheil zum Conglomerat geliefert 
hahen; je weniger dann von dem Carbonat des JH'ndemittels mehr 
vorhanden ist, je weniger die lose gewordenen Trümmer der 
untersten Zechsteinbildnng gerundete Formen besitzen, desto 
schwieriger wird zwischen Schiefergebirge (Cambrinm) und uuter- 


b Am Feldweg, der vom Querlingberg nach der Landstrasse vor Königsee 
führt, steht er mehrere Meter stark an. 


Jahrbuch 1889. 


15 


226 


H. Loretz, Der Zechstcin in der Gegend von Blankenburg 


stem Zechstein eine Grenzlinie zn ziehen sein. Dies macht sich 
eben in der letztbezeichneten Gegend, noch mehr vielleicht zwischen 
Aschau nnd Allendorf und an anderen Stellen geltend. 

Ein guter Aufschluss über die Auflagerung der folgenden 
Zechsteinschicht, nämlich des Kupferschiefers, auf das Con- 
glonierat, bietet sich am Fahrweg von Lichte nach Unterschöb- 
lino-en bei Könin^see, in den kleinen daselbst befindlichen Stein- 
biücheu '). Zn unterst liegt, in einer Mächtigkeit von last 
3 Meter, ohne dass der cambrische Schiefer erreicht wäre, Kalk- 
sandstein mit vielen Scherben, Splittern und auch mehr abgerun- 
deten Stücken von Schiefer, Qiiarz, Kieselschiefer bezw. Graphi- 
toid- Quarzit, Einsprengungen und Beschlägen von Kupferlasnr 
nnd Malachit, und hier nnd da mit schlecht erhaltenen, kohligeu 
Abdrücken von kleinen Coniferenzweigen ; darauf liegt eine 0,1 bis 
0,2 Meter dicke Lage eines dichten, dunklen, bituminösen Kalk- 
steins, hierauf bis zur Oberfläche, etwa 1 Meter mächtig dünn- 
geschichteter, dunkler, bituminöser Mergelschiefer, der Kupfer- 
schiefer, mit zahlreichen Exemplaren von Lingiäa Creclneri Gein., 
kleinen Fischresten, Pflanzenspureu und Kupfererz. Dieselbe 
Bank dunklen, bituminösen Kalkes, zwischen Conglomerat xind 
Kupferschiefer eingelagert, wurde in einem Hohlweg SO. von 
Lichte beobachtet, sie enthält hier viel Bleiglanz; eine entsprechende 
Bank in derselben Lao;e ist im Hohlweo; dicht beim Dorf Garsitz 
aufgeschlossen. Es entspricht diese Kalkbank nach Lage und 
Gestein ofleubar ganz jener, meist etwas stärkeren Bank des 
Kamsdorfer Reviers, jenseits Saalfeld, welche dort als »Mutter- 
flötz« bezeichnet wird Auch die weiter oben erwähnten, dunkel 


b Die Stelle ist bereits von Geisitz, Dyas , Bd. II, 1862, S. 223 erwähnt 
worden; vom Verfasser auch schon in diesem Jahrbuch für 1886, p. LII. 

~) Gioinitz führt (a. a. 0., im Verzeichiiiss der geologischen und geographi- 
schen Verbreitung der Versteinerungen) von dieser Stelle an: Utlnianiüa Bronni 
Göpp., Pijyopterus Humboldti Ag. 

Ueber die Verhältnisse des in der Fachliteratur so oft erwähnten Kams- 
dorfer Reviers, vergl. besonders die neueste Bearbeitung von F. Bevschlag: 
»Die Erzlagerstätten der Umgebung von Kamsdorf in Thüringen«, Dieses Jahr- 
buch für 1888, S. 329— 377: sowie die Erläulerungen zu Blatt Saatfeld der geo- 
logischen Spccialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten, .von Liebe 
und Zimmermann. 


und Königsoe am Tliüringer Walde. 


227 


verwittenulen Ansscheiduugen von reinerem Carbonat zwischen 
dem Conglomerat sind als Andeutungen dieser Schicht zn erachten, 
wie denn überhaupt in allen diesen Gegenden die Verbindung nnd 
der Wechsel von Conglomerat und Carbonat im untersten Zech- 
stein, unter dem Kupferschiefer, vielgestaltig und von Ort zu Ort 
etwas anders entwickelt ist. 

Aleisthin fehlt es an grösseren und zusammenhängenden Auf- 
schlüssen in dieser Schichtengruppe; das Vorhandensein des Kujifer- 
schiefers ist aber, wenigstens auf der Section Königsee, von Ort 
zu Ort durch eine Anzahl alter Schürfe und Bergbauversuche 
nachgewiesen, die theils dem Schiefer selbst, theils den daraus 
herrührenden und bereits auf secuudärer Lagerstätte befindlichen 
Erzen galten; so SSW. von Allendorf, und weiterhin bei Aschau, 
Lichte, LTiiterschöblingen, Königsee, Garsitz iind Pennewitz. Von 
irgend welcher Reichhaltigkeit an Kupfer- oder sonstigen Erzen 
kann aber nirgends die Rede sein, was schon die Angaben der 
älteren Geoguosten bestätigen; alle derartigen Versuche mussten 
aufgegeben werden. Auf Blatt Schwarzburg sind die Stellen, 
wo Kupferschiefer vorkommt, weniger zahlreich. Er findet sich 
hier südlich und südöstlich von Beulwitz unweit Saalfeld, in dem 
den Rand des alten Gebiro-es bereitenden Zechsteinzug, wie alte 
Halden bezeugen. Ferner ist er in den Zechsteinschollen süd- 
wärts von Watzdorf nachgewiesen, weniger durch deutliches Aus- 
streichen als durch Bergbauversuche; und zwar sowohl unten, im 
Rinnthal, in der Nähe des Dorfes, wo der Fusssteig nach Cordo- 
bang in den Wald eintritt und eine Strecke lang sich nahe am 
Waldsanm hält, als auch oben, am Fnss des durch die Rauh- 
wacke des Mittleren Zechsteins gebildeten felsigen Steilrands, der 
in einer Höhe von etwas weniger als 1000 Decimalfuss dem cain- 
Ijrischeu Schiefergebirge aufgesetzt ist ^). 


b Auf diese Stelle dürfte sich das beziehen, was J. C. W. Voigt (M. R. W. E. 
p. 5'.)) über den alten Bergbau bei Blankenburg an führt. Es sollen dort vor- 
gekommen sein: Kupferkies, Fahlerz, Kupferlasur, Kupfergrün, Erd- und Glanz- 
oder Speiskobalt, Kalkspath, Schwerspath und Eisenspath, und zwar auch hier 
auf »Rücken« (verwerfenden Spalten). Nach Voigt hätte man es dort mit nur 
einem »Schieferflötz« (KupferschioferÜotz) zu thun gehabt, nicht mit zweien, wie 

15 * 


228 


H. Loretz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenlmrj 


Die Scliichtengi'uppe des eigentlichen Zechsteins oder 
Zechsteins im engeren Sinn erscheint mit besonderer Dent- 
lichkeit in der zuletzt genannten Gegend, bei Watzdorf und 
Böhlscheiben. Bei letzterem Ort ist das hierher gehörige Gestein 
ein dichter, ehenplattiger, und zwar durch Zerhill dickerer Lagen 
meist dünnplattiger Kalk, von dunkel- oder hellgrauer bis gelblicher 
Färbung, je nach dem Grade der Frische oder der Verwitterung. 
Verl)iinden damit sind etwas mein’ mergelige Lagen von erdigem 
Bruch mit feinen Glimmerschüppchen, ln diesen Schichten wurde 
das Vorkommen von Foraminiferen und Brachiopoden (^Camaro- 
jjhoria, Strophalosia), auch wohl vereinzelten Bryozoen (Acantho- 
cladici) beobachtet. Hierher gehörige Scdiichten, nämlich dunkle, 
bituminöse, wie auch gelb verwitterte Kalkbänke, in gestörter 
Lagerung und steil gestellt, iiberschreitet man ferner im untersten 
Theil des obengeuaniiten Waldsteigs, SO. bei Watzdorf Noch 
bessere Aufschlüsse in dieser Zechsteiustufe hleteu die beiden 
Schluchten südöstlich von der Heukertskupjae, SW. von Watzdorf, 
welche sich abwärts in die am Ostfuss dieser Höhe mündende 
Schlucht vereinigen. Die in Rede stehende Schichtenfolge zeigt 
sich hier in mauerartig plattiger Aufeinauderschichtuug in einer 
Mächtigkeit von 6 bis vielleicht 10 Meter; das Gestein ist ein 
dunkelblaugrauer bis dunkelbrauner Kalk oder dolomitischer Kalk, 
in etwa 0,2 bis 0,.3 Meter starken Platten, von dichter Structur, 
dabei indess zum Theil etwas luckig, hier und da mit Eiuspren- 
gtingen von Bleiglanz; etwas mehr thonige oder mergelige, glimmer- 
haltige, dünne Zwischenlagen, mit undeutlichen, kohligen, vege- 
tabilischen Spuren, trenueu die Kalkbäuke. In der westlicheren 
Seiteuschlucht gelaugt man auch in die LTebergangsb äu ke zu m 
Mittleren Zechstein; dieser Uebergang vollzieht sich all- 
in der Gegend östlich von Saalfeld, hei Kamsdorf u s. w., von vpelclien das 
obere, der sogenannte »Obere Schiefer«, einige Fuss oder mehr über dem anderen, 
schon im Bereiche des »eigentlichen Zcchsteius« liegt. Ans eigenen Beobach- 
tungen kann ich über diesen Punkt nicht sicher entscheiden, da der dortige 
Bergbau auflässig ist, und die Aufschlüsse an der Erdoberfläche nicht genügen. 
Nach einer anderen Notiz von Voigt (M. R. S. R. p. 127 f.) lägen dagegen weiter 
westlich, hei Pennewitz u. s. w., zwei Flötze von bituminösem Mergelschiefer 
übereinander. 


und Königsee am Thüi-iuger Walde. 


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iiiälilich, indem das Gestein aufwärts poröser und dadurch rauli- 
wackeälinliclier wird. In der augegeheueii Mäclitigkeit kann 
übrigens diese Schichteugrnppe nicht weit fortsetzen, denn unweit 
der genannten Schluchten, auf der Höhe, NW. von Böhlscheihen, 
Avird aus Schurfschächten, die iin Mittleren Zechstein angesetzt 
sind und bis auf den cambrischen Schiefer irehen, nur wenijx 
Gestein mehr gefördert, welches petrographisch dem beschriebenen 
Kalkstein der Stufe des eigentlichen Zechsteins gleicht i). 

An anderen Orten tiudet sich eine dem Anschein nach mehr 
dolomitische Entwicklung dieser Stufe. Damit ist eine weniger 
ebenflächige Schichtung des mit braungelber Farbe verwitternden 
raidi und etwas erdig anzufühlenden Gesteins, und ein Zerfall 
weniger in Platten, als in unebene Scherben verbunden. In dieser 
w eise sind hierher gehörige Schichten z. B. im Thalgrunde SSO. 
von Allendorf, an der Fahrstrasse nach ScliAvarzburg, aufgeschlossen ; 
die braungell)en Scherben sind hier mit schlecht erhaltenen kleinen 
Bivalveu, vorzugsweise Schizodus und GerviUia, bedeckt. — Auch 
weiter westlich, in der Umgebung von Königsee, lässt sich eine 
gesondert hervortretende Schichteiigruppe des Zechstcins im engeren 
Sinn au verschiedenen Orten in die Karte eiutrageu, au Avelchen 
sich eine theils mehr kalkige, theils mehr dolomitische Ausbildung 
zu erkennen giebt, ohne dass jedoch diese Unterscheidung scharf 
genommen werden könnte. Hierher gehörige Schichten sind bei 
Pennewitz, am Eierberg bei Garsitz, zwischen Königsee und dem 
Spitzberg, südwärts von Königsee, und zwischen Lichte und Aschau 
beobachtet und kartirt worden. 

Wieder in etwas anderer Eutwicklunn: findet sich diese Zech- 
steinstufe in der Stadt Königsee selbst. An dem ziemlich steilen 
Rande des Rinnthals, bei der Kirche und den ausgedehnten Bier- 
brauerei-Anlagen ^), liegt unmittelbar auf dem cambrischen Schiefer 
ein weisser bis gelblich grauer, poröser Zechsteiukalk. Er ragt 

') In dieser Scbichtenfolge muss nun das enthalten sein, was dem »Horn- 
flötz« des Kamsdorfer Eeviers entspricht. Ueber das etwaige Vorhandensein 
eines »oberen Kupfei’schiefers« habe ich, wie bemerkt, keine Gewissheit erlangt. 

Oestlich von der Stadt kommt, auf Schiefer aufsitzend, nochmals ein 
kleiner Fleck desselben Zechsteinkalkes vor. 


230 


H. Loektz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenburg 


liier iiud da als klotzige Felsiiiasse aus dem Boden und erinnert 
an Ranhwacke, ohne doch die petrographische Beschaffenheit der- 
selben zu besitzen; das Gestein ist weniger fest als jene, gross- 
löcherig und durch Verwitterung in den äusseren Theilen wohl 
ganz schwammig porös. Die Verwitterung bringt an den Felsen 
eine schräg abwärts, etwa unter 20^ nach N. eiufallende SchiiFt- 
streifung hervor, auch tlieilt sich das Gestein, wo es nur mehr 
schwach auf dem Schiefer liegt, in dünne Scherben. Ein gelegent- 
licher Aufschluss in einer grösseren Kelleranlage zeigte ebenfalls 
Auflagernug der hier geschichtet erscheinenden, nördlich ein- 
fallenden, etwa 2 Meter stark anstehenden Kalkmasse auf die 
Köpfe des cambrischen Schiefers; dieser enthielt Malachitautlüge, 
auch kamen Schieferbreccienstücke mit Malachit vor, also eine 
Andeutung von Zechsteiiicouglomerat. Durch Verwitterung wird 
der Kalk locker, erdig auf dem Bruch, zerreihlich und ab färbend, 
fast kalktnffartig, dabei treten die in grosser Zahl aber trümmer- 
haft eiugeschlossenen Versteinerungen hervor, meistens Brachio- 
poden und unter diesen besonders Productus horridus, daneben 
auch Arten von Oi-tkis, Strophalosia und fSpirifer^ sowie kleine 
Zweige von Stenopora und Acanthocladia. Obwohl das Vorkommen 
in seiner äusseren Erscheinungsform an Mittleren Zechstein er- 
innert, glauben wir dasselbe, namentlich mit Rücksicht auf die 
genannten Brachiopoden, zum Unteren Zechsteiu, nämlich zu dessen 
oberer Stufe, stellen zu müssen; es entspricht wohl den aus dem 
östlichen Thüringen von Liebe erwähnten und zum Unteren 
Zechstein gestellten, auf Cuhnklippen aufgesetzten Brachiopoden- 
kalken. 

Wie bei vorwiegend dolomitischer, dabei w^enig gegliederter 
und reducirter Entwicklung des eigentlichen Zechsteins nicht nur, 
sondern des ganzen Unteren Zechsteins, Schichteufolge und Auf- 
lagerung auf das Schiefergebirge sich gestalten können, das sieht 
man in dem Aufschluss, den der Hohlweg etwas östlich vom süd- 
lichen Ausgang von Alleudorf (Fnssweg zur Schwarzbnrger Fasa- 
nerie), bietet. Der Weg führt aus hangenden in liegende Schichten, 
und zwar zunächst durch Raidiwacke des Mittleren Zechsteins, 
daun durch mürberen, branuen Dolomit, dessen dünner geschichtete, 


und Königsee am Thüringer Walde. 


231 


doch nicht ebenplattige Lagen sich ohne erkennl)are Grenze an 
die Ranhwacke anschliesseu und als Vertreter der oberen Schicliteii- 
folge im Unteren Zechstein gelten können ^); indem diesen Lagen 
nach abwärts dünnspaltende, schiefrige, durch kohlige Reste 
schwarz gefärbte Zwischenschichten sich einschalten, ist hier eine 
Andeutung der bituminösen Schichten gegeben, welche sonst im 
Unteren Zechstein Vorkommen, nändich des Kupferscliiefers und 
des ihn begleitenden bituminösen Kalksteins. Zunächst ihrer 
unteren Grenze an den Köpfen des alten Schiefergebirges, welche 
im Grunde des Hohlwegs zum Vorschein kommen, nehmen die 
dolomitischen Lagen Schieferbröckchen auf und deuten dadurch 
das Zechsteinconglomerat au. 

Au diesen Fall reihen sich nun weiter jene, wo der Untere 
Zechstein noch mehr bis fast ganz redneirt ist, so dass er so zu 
sagen nur als unbedeutendes Anhängsel an der Basis des Mittleren 
erscheinen kann; der letztere liegt daun fast unvermittelt auf dem 
Schiefergebirge ^). So verhält es sich zwischen den Orten \V atz- 
dorf, Leutnitz, Cordobang und Böhlscheiben, sowie weiter süd- 
westlich in der Gegend von Bechstädt und der Schwarzburger 
Fasanerie; dabei ist bemerkeuswerth, dass Punkte, wo der Untere 
Zechstein so gut wie fehlt, in beträchtlicher Nähe von solchen 
liegen können, wo derselbe sehr gut entwickelt ist. Während 
z. B. bei Böhlscheiben und NW. von da, wie oben beschrieben 
wurde, der Untere Zechstein, zum mindesten seine obere Schichteu- 
folge, eine gewisse Mächtigkeit erreicht, giebt es in geringer Ent- 
fernung davon Punkte, wo Schürfe unter dem Alittlei'en Zechstein 
nur wenig Unteren Zeclisteiukalk mehr treffen, und wieder andere 
Stellen, wo die Ranhwacke des Mittleren Zechsteins auf dem 
Schiefergebirge selbst ruht, und nur dadurch eine Andeutung von 

') Es sind dieselben, welche an einer benachbarten, bereits erwähnten Stelle, 
am Fahrweg von Allendorf nach Schwarzburg, kleine, undeutliche Bivalven ent- 
halten. 

Auch im östlichen Thüringen kommt es, nach den Angaben von Liehe 
(in den Erläuterungen zu den betreffenden Blättern) vor, dass der Untere Zech- 
stein mehr oder minder reducirt auftritt. Für ähnliche Reductionen, die sich 
aber auch noch auf den Mittleren Zechstein erstrecken können, finden sich über- 
haupt an verschiedenen Stellen Thüringens Beispiele. 


232 


H. Loketz, Der Zeclistein in der Gegend von Bkinkenburj 


Unterem Zeclistein, liezw. Zechsteinconglomerat, gegeben ist, dass 
die Ranliwacke zunächst der Grenze, in ihrer untersten Bank 
Schiefergebirgsbrocken einscliliesst, dabei auch wohl kleine Ein- 
sprengungen vou Malachit und Schwerspath enthält. Ganz ähn- 
liche Verhältnisse kehren auch in der Cordoban£;er Gemarkumr 
und auf den Feldern bei Bechstädt und bei der Sehwarzbura;er 
Fasanerie wieder. Die allgemeine Ab Witterung hat hier das 
Schiefergebirge zum Theil schon freigelegt, auf dem dann mir 
mehr zerstreute Reste des ohnehiu schwachen Unteren Zechsteins, 
und von Ranliwacke, sowie von solchen Kalk- und Dolomitbänken 
liegen, welche ihrem petrographischeu Charakter nach an der 
Grenze von eigentlichem Zechstein und Ranliwacke stehen i). 

Die betrachteten Fälle, nämlich die Reductiou des Unteren 
Zechsteins in der Weise, dass Conglonierat und Kupferschiefer 
höchstens angedeutet sind und sofort dolomitische Schichten, wie 
bei Alleiidorf oder kalkige, wie in Königsee, oder endlich gleich 
Rauhwacke auf das Schiefei’gebirge sich auflegeu, ist eine Art von 
übergreifender Lagerung. Dabei scheint Zerstörung etwa schon 
abgelagerter Zechsteinschichten keine oder keine bedeutende Rolle 
gespielt zu haben, insofern sich Trümmer von solchen in den vor- 
handenen, das Cambrium bedeckenden Schichten nicht vorfiuden; 
man kann sich dagegen mit K. Tu. Liebe denken, dass einzelne 
Theile des Grundgebirges immer noch als Klippen oder Untiefen 
vorragten, während seitwärts davon schon der unterste Zechstein 
abgelagert war; daher darf auch nicht etwa, wie Liebe bemerkt, 
der Kupferschiefer als Tiefseebildung im Sinne der jetzigen der- 
artigen Bildungen aufgefasst werden ^). 

Zwischen der Stufe des Zechsteins im engeren Sinne und 
der der Rauhwacke ist die Grenze in der Regel uicht scharf, 

b Es ist ersichtlich, dass unter diesen Umständen die geologische Kartirung 
etwas schwierig wird. Vereinzelte Blöcke und Brocken von Zechsteinconglomerat, 
oder lose gewordene Gerolle und abgerundete Stücke von Quarzit deuten auf 
untersten Zechstein. Kupferschiefer fehlt hier oder ist ganz verschwunden, 
Malachiteinsprengungen nebst Schwerspath kommen jedoch vor. Gewisse gelb- 
liche, dolomitische, zum Theil poröse bis löcherige Bänke, oder deren Reste, 
bleiben in ihrer Zutheilung zum Unteren oder Mittleren Zechstein etwas zweifelhaft. 

b Vergl. Liede, Dieses Jahrbuch für 1884, S. 381. 


und Königsee am Thüringer Walde. 


233 


lässt sich iiidess mit Kücksicht auf die beiderseits verschiedene 
Gesteinsausbildung mindestens construiren. Es kann sich jedoch 
örtlich der enge Zusammenhang beider Stufen soweit steigern, 
dass sie in Eins verschmelzen und auf der Karte kaum mehr zu 
trennen sind. Dies ist z. B. bei dem Zechsteinstreifeu der Fall, 
welcher sich nahe dem östlichen Kaiide des Blattes Schwarzl)urg 
von Blatt Saalfeld her läims der Grenze des Schieferfrebirnes 

O O ö 

nach Beulwitz hin erstreckt ^), und in den beiden Steinbrüchen 
bei der Färb wasche südwestlich von diesem Dorfe aufgescldossen 
ist; es stehen hier in dünne Lagen sich trennende Bänke eines 
anscheinend dolomitischen, z. Th. etwas luckigen Kalksteins in 
vollkommen ebener Schichtung an; Gesteiiisbeschaifenheit und Art 
der Schichtung sprechen hier mehr für Unteren als für Mittleren 
Zechstein. Ebenso verhält es sich in den benachbarten Farb- 
gruben, an einigen Stellen derselben jedoch erinnern die hängen- 
deren, dunkelbraun verwitterten, stärkeren Bänke mehr an Alittleren 
Zechstein. 

Wie in den weiter östlich folgenden Gegenden von Saalfeld, 
Kamsdorf u. s. f., so führt auch hier der Zechstein eisenreichere 
Zwischenlager, welche zwar nicht mehr in der Gegenwart, doch 
in alten Zeiten Gegenstand bergmännischer Gewinnung, oder 
wenigstens Versuchsarbeit gewesen sind. Dies ist besonders auf 
der Höhe nordwestlich von Böhlscheiben, in der Kichtung nach 
der ITenkertskuppe, der Ikall, wo sich alte Schürfe und Halden 
in beträchtlicher Zahl und Ausdehnung aneinander reihen, die im 
Mittleren Zechstein angesetzt sind. Das geförderte Material ist 
ein fein- bis grobkrystallinisches, durch Verwitterung dunkelbraun 
gewordenes, eisenreicheres Carbonat, in Form von Scherben, 
Schalen und derberen JVIassen, zum Theil auch Brauneisenstein. 
Wie in den o-euanuten Geffeuden dürfte auch hier dies Vorkommen 
als secundäre, au die Gegenwart von Sprüngen oder »Kücken« 
gebundene, lagerartige Anreicherung ursprünglich eisenärmeren 
Carbonats zu erachten sein, bleibt jedoch an Gehalt, Mächtigkeit 


') Die Stelle liegt östlich ausserhalb unserer kleinen Textkarte. — ^hrgl. 
dazu Erläuterung zu Blatt Saalfeld von Liebe und Zimmekmann, S. 3 >. 


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H. Loretz, Der Zechstein in der Gegend von Blankenburi 


und Erstreckung weit liiuter den hekannten, reichen Lagern jener 
(regend zurück. Im Ganzen scheint überhaupt hier nur derjenige 
Grad von Umwandlung erreicht worden zu sein, der dort die Be- 
zeichnung »Eisenkalk« erhalten hat. Die Arbeiten sind wie ge- 
sagt meist im Mittleren Zechstein angesetzt und gehen durch den- 
selben bis in den Unteren, wenn nicht bis auf den Schiefer. Zur 
Zeit reichen aber die Aufschlüsse nicht mehr aus, um die Stelle 
der eisenreicheren Schicht im Profil genau anzugeben, ob sie 
nämlich noch innerhalb des Mittleren, bezw. an seiner Basis, oder 
im oberen Theil des Unteren Zechsteins, entsprechend dem unteren 
Eisensteinflütz oder »Glimmerflötz« l)ci Kamsdorf, auftreten; noch 
weniger natürlich, um ihren etwaigen Zusammenhang mit »Rücken« 
oder Sprüngen darzuthun. Für die Kartirung kommen diese Fragen 
nicht in Betracht; überhaupt ist dei' fragliche Spielraum im Profil 
bei der hiesigen geringeren Mächtigkeit der unteren Zechstein- 
abtheilung nicht gross. Jedenfalls wird man nicht fehl gehen, 
wenn man die hiesigen Verhältnisse als eine Wiederholung in 
kleinerem Maassstabe derjenigen von Kamsdorf u. s. w. auffasst 

Mittlerer Zechstein. (Rauhwacke, Hauptdolomit.) Die 
Abtheilung des Mittleren Zechsteius, nach Gestein und äusserer 
Erscheinung im Ganzen gut kenntlich, und hier nicht weiter in 
Unterabtheiluugen trennbar, zeigt doch in ihrer Entwicklung von 
Ort zu Ort eine gewisse Veränderlichkeit; sehr bedeutend wechselt 
sie in ihrer Mächtigkeit, ausserdem aber kommen auch besondere 
Gesteiusabänderungen vor. 

In seiner Hauptmasse besteht auch in hiesiger Gegend der 
Mittlere Zechstein aus einem krystallinischeu, mitunter grobkry- 
stallinischen, dabei mehr oder minder porösen, oft löcherigen, 
d. h. von drusenartig oder sonstwie gestalteten Hohlräumeu durch- 
setzten Kalkstein bezw. Dolomit, dessen Farbe zwischen weiss, 
gelblich, hell- bis dunkelgrau und braun sich zu halten pflegt, 
und der gewöhnlich als Raidiwacke (auch Rauchwacke) bezeichnet 

b Dass auch in unseien Gegenden der Bergbau an »Rücken« gebunden war, 
glebt wenigstens J. C. W. Voigt an. Den (Braun-) Eisenstein unseres Zechsteins 
setzt er über das obere bituminöse Morgelschiefer- bezw. Kupferschiefertlötz, also 
in die Nähe der Basis des Mittleren Zechsteins. 


und Königsee am Thüringer Walde. 


235 


wird. Wo immer das Gestein zu stärkerer Eutwickluug gelangt, 
bildet es die bekannten felsigen Wände, Vorsprünge und Abstürze, 
unter Umständen auch mehr vereinzelt anftretenden, klotzigen 
Felsmasseu, die meistens ganz ungescbichtet erscbeinen, in ein- 
zelnen Fällen dagegen Anzeichen von Schichtung erkennen lassen’), 
dabei vielfach von Klüften und Spalten durchzogen und in ein- 
zelne, unregelmässig gestaltete Blöcke und grössere Gesteinskörper 
getrennt sind. (Kauhkalk, llöhlenkalk der älteren Geognosteu.) 
Die gerundeten Formen derselben kehren auch an den kleineren, 
ans dem endlichen Zerfall hervorgehemlen Blöcken wieder und 
dienen in Verhindunc: mit der sonstiGieu Gesteinsheschafteidieit 
zur Unterschciduua: vom Kalkstein des Unteren und des (.Iberen 
Zechsteins. 

In dieser Weise, als felswandhildeude liauhwacke, tritt der 
Mittlere Zechstein, wie schon in älteren Schriften erwähnt wird, 
auf zwischen Watzdorf, Böhlscheiben, Cordobang und Leutnitz, 
sowohl auf den Höhen als weiter abwärts bis iu’s liiiiuthal, und 
an beschränkteren Stellen auch nordöstlich und südwestlich von 
Fröbitz; ferner hei Aliendorf und endlich am Spitzherg, (^uerling- 
berg und Eierherg hei Dörnfeld und Garsitz in der Nähe von 
Königsee. An vielen, wenn nicht den meisten Punkten der ge- 
nannten Strecken ist der mittlere Zechsteiukalk von seiner Basis 
ah aufwärts als Rauhwacke, zum wenigsten in einer ähnlichen 
petrographischeu Beschaflenheit entwickelt, gleichviel oh er auf 
unterem Zechsteiukalk lagert, oder hist unvermittelt dem Schiefer- 
gehirge aufgesetzt ist; doch tiudet diese gleichmässige Entwicklnug 
nicht überall statt. So eröfihet am Eierherg, Querliugherg und 


') So erkennt man bei Allenclorf, da wo der Holilwog beim südlicben Aus- 
gang des Dorfes beginnt, und an dem von liier aus in nordöstlicher Riclitung 
ansteigenden Feldweg, trotz der klotzigen Felsbildungen, doch eine nach NNW. 
mit ca. 30*^ einfallende Bankschichtung in der Kauliwacke. Auch an der Fels- 
wand im Rinnthal an der Landstrasse unterhalb Leutnitz dürfte eine etwa süd- 
westlich gerichtete Schichtung angedeutet sein. Deutliche Schichtung zeigt sich 
im Mittleren Zechstein in dem Steinbruch südwestlich von Garsitz, am Wege 
nach Herschdorf, wo ein sehr fester, grauer, poröser Kalkstein zu Fundament- 
und Sockelcjuadern verarbeitet wird; die Schichtung verläuft unregelmässig, etwas 
wellig, die einzelnen Lagen spitzen sich oft aus. 


236 


H. Lohktz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenburg 


Spitzberg der Mittlere Zeclistein mit einem weissen, dicliten bezw. 
sehr feinkrystallinisclien, in dicke Bänke geschichteten Kalkstein, 
auf welchen erst, ohne scharfe Grenze, die eigentliche ßauhwacke 
folgt, welche den bei weitem grössten Theil der Mächtigkeit dieser 
Zechsteinalitheilung einnimmt. Poröse Structur ist bei ieuem 
weissen Kalkstein immerhin nicht ganz ausgeschlossen, aber er 
wird dabei nicht grosslöcherig und unterscheidet sich auch daun 
hinlänglich von der höher gelegenen Kauhwacke. In seiner Folge 
auf den Unteren Zeclistein kann man diesen weissen Kalk in dem 
Hohlweg sehen, welcher am westlichen Ausgang des Dorfes Gar- 
sitz beginnt 

Von Köuigsee bis Ascliau und noch eine Strecke weiter süd- 
östlich längs dem Gebirgsrand ist der Mittlere Zeclistein schwach 

Ö O 

entwickelt und so zu sagen nur durch eine Bank vertreten. Das 
Gestein derselben ist im Allgemeinen rauhwackeartig, kommt aber 
stellenweise noch mehr auf jenen weissen, porösen, dem Schaum- 
kalk des Muschelkalkes ähnlich werdenden Kalkstein hinaus, welchen 
wir vom Hohlweg bei Garsitz erwähnt haben. Manchmal enthält 
solcher weisser, poröser Kalk kleine, eckige Bröckchen von grauem 
Schieferletten eiugeschlossen (Uuterschöblingen, Aschau). Ganz 
dieselben Verhältnisse, schwache Entwicklung des Mittleren Zech- 
steins als poröser, weisser, schaumkalkähnlicher Kalkstein, zum 
Theil mit Einschluss kleiner Schieferlettenbröckcheu, wiederholt 
sich bei der Zechsteiuscholle, die nahe bei Watzdorf, am untersten 

') Es ist liier, vom Dorfe beginnend, ein Profil aufgeschlossen, welches die 
Schiclitenfolge vom untersten Zechstein bis ziim Beginn des mittleren zeigt, die- 
selbe ist so: Zechsteinsandstein, durch Verwitterung gelblich gefärbt, mit ein- 
zelnen grösseren Quarzstückchen und Malachitpartikeln; Conglomeratbank, etwa 
1 Meter stark, mit grossen, unvollkommen abgerundeten, Quarzitstücken und 
dolomitisch sandigem Bindemittel; dunkle, bituminöse Mergel (Kupferschiefer- 
äquivalent); ebenschichtige, braun verwitterte dolomitische bezw. mergelige Platten 
(Vertreter des eigentlichen Zechsteins), nicht gut aufgeschlossen; weisser, poröser, 
dem Schaumkalk des Unteren Muschelkalkes ähnlicher Kalk, der den Mittleren 
Zeclistein eröffnet; hier wird das Profil durch eine Verwerfung abgeschnitten, in 
der wieder etwas Zechsteinsandstein steckt, und jenseits welcher cambrischcr 
Schiefer folgt. Zu beachten ist in diesem Profil die Trennung in Zechstein- 
sandstein und Zechsteinconglomerat , sowie die Reduction, resp. geringe Gliede- 
rung der darauf folgenden Schichten des Unteren Zechsteins. 


nud Küiiigsee am Tliüringer Walde. 


237 


Theil des Al)han2;s der südlichen llinnthalseite sfeleofeii ist. 
Üebrigeus koniint diese an Schauinkalk erinnernde Strnctnr nicht 
nur in den untersten Bänken des Mittleren Zechsteins, oder bei 
ganz geringer Mächtigkeit desse]l)en vor, sondeiai man bemerkt 
sie gelegentlich auch, bei viel grösserer Mächtigkeit, in höheren 
Theilen der Ranhwacke ^). Eigentliche oolithische Strnctnr (wie 
z. B. bei Leumnitz bei Gera) habe ich hier zu Lande nicht be- 
obaclitet. Lockerung des Gesteins bis zu schliesslichem Zerfall 
zu dolomitischem Sand oder Pulver findet sich, besonders in Folge 
von mechanischen Zerrüttungen, hier und da, wenn auch nirgends 
in grosser Ausdehnung ^). 

Ob in den zum Mittleren Zechstein zu stellenden Theilen 
unseres Zechsteinzuges auch Analoga zu den ostthüringischeu 
Rifi'bildungen enthalten sind, oder nicht, darüber bin ich nicht zu 
völliger Gewissheit gelangt. Lagerungsverhältnisse wie Gesteins- 
l)eschaftenheit scheinen mir die Annahme von solchen Bildungen 
nicht nothwendig zu verlangen. Die häufig auftretenden felsigen 
Steilwände an sich sprechen ja noch nicht zu Gunsten einer 
solchen Annahme: bei reo'elmässio-er Lagerung können sie einfach 
nur Stufen im Zechsteinprofil, bei gestörter durch Verwerfungen 
hervorgerufen worden sein. Wichtig für die Entscheidung der 
Frage ist die Gesteinsbeschaftenheit. Diese nun dürfte nur in den 
wenigsten Fällen der typischen Beschafienheit des Riftgesteins 
von Pössneck u. s. w. gleich werden, manchmal indess sich der- 
selben nähern; an keiner Stelle fand sich jener Reichthum an 
kleinen Versteinerungen in Verbindung mit der charakteristischen 
petrographischeu Ausl)ildung des »Rifigesteins «. Hier und da 

’) Die schaumkalkähnliche Structur kommt auch weiterhin im thüringischen 
Mittleren Zechstein vor; vergl. Liebe und Zi.mmekmann, Erläuterung zu Blatt 
Saalfeld S. 35. — Ferner Zimmermann, Dieses Jahrbuch für 1887, S. XLVllI. 
(Zechstein des Blattes Crawinkel). 

Bekanntlich findet bei diesem Vorgang eine Art Dolomitisirung in Folge 
Wegführung gCösten Calciumcarbonats statt. In diese Klasse von Erscheinungen 
gehört auch die Erzeugung von eisen- und manganlialtigen Farberden, als Rück- 
ständen von Zechsteinkalkbänken, die bei stark geneigter Stellung die losende 
Wirkung der Tagewässer erfahren haben. (Farberdegruben bei Beulwitz unweit 
Saalfeld.) 


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H. Loretz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenbur; 


kommen Stücke vor, die ziemlich viel Bryozoeu, besonders FenesteUa^ 
enthalten, letztere liegen jedoch, worauf mich Herr Dr. Zimmermann 
anfmerksam machte, mehr zerstreut nach verschiedenen Richtungen 
im Grestein, nicht, wie im echten Ritfgestein, nach derselben 
Richtung. 

Die Mächtigkeit unseres Mittleren Zechsteins ist nach dem 
Gesagten sehr wechselnd. Während sie in einigen Strecken die 
einer starken Bank nicht überschreitet, erhebt sie sich, wo die 
Rauhwacke stark entwickelt ist, vielleicht auf 60 Meter und mehr^). 
Zur systematischen Aufsammlung von Versteinerungen des Mitt- 
leren Zechsteins boten unsere geologischen Aufnahmen keine Ge- 
legenheit ^). 

AVeiter oben haben wir die Erscheinung der Verkieselung 
aus Unterem Zechstein erwähnt; sie wiederholt sich in etwas 
stärkerem Grade im Mittleren. Zwischen Allendorf und dem 
Rabenhügel auf der Verebnung nördlich von dem letzteren, un- 
weit Schwarzburg, liegen im Bereich des Mittleren Zechsteins 
viele Blöcke eines dunkelgrauen bis graubraunen, drüsig jiorösen, 
vollkommen quarzigen Gesteins, welches, wie mir scheint, mit 
dem von Zimmermann 3) im Bereich von Blatt Crawinkel, weiter 
nordwestlich im Thüringer Walde gefundenen, ebenfalls in Blöcken 
vorkommenden, verkieselten Zeclistein übereiustimmt; der dort 
durch Versteinerungen gelieferte vollgültige Beweis für die Um- 

0 Dieser Wechsel in der Mächtigkeit war den älteren Geologen schon wohl 
bekannt. Vergl. v. Hoff a. a. 0. S. h75 f. 

Gf.initz führt (Dyas, Bd. II, 1862, im Yerzeichniss der geologischen und 
geographischen Verbreitung der Versteinerungen) aus dem Mittleren Z 'chstein 
unseres Gebietes Folgendes an: Turbo helicinus Schloth. sp. vom Ottenbiel, von 
Fröbitz und Watzdorf; Pleurophorus costatus Brown, sp. von Fröbitz; Avieula 
spehincaria Schloth. vom Ottenbiel; GerviUia ceratophaga Schloth. sp. eben- 
daher; Gervillia antiqua Mün. von Leutnitz und Fröbitz; Terehratula elongata 
Schloth. vom Ottenbiel; Spirifer cristatus Schloth. ebendaher; Stroplialosia 
excavata Gein. vom Ottenbiel und von Watzdorf; Fenestella retiformis Schloth. sp. 
vom Ottenbiel; AcanthoTadia anceps Schloth. sp. ebendaher. — Gelegentlicli 
der Specialaufnahme fand sich ausser einigen der genannten Formen auch noch 
Camarophoria Scklofkeimi (Eierberg bei Königsee) und Acanthocladia dubia 
(Gegend von Watzdorf). 

^) Dieses Jahrbuch für 188G, S. XLVlIff. , 1887, S. LII f. — Blöcke ver- 
kioselton Zechsteindolomits vom Odenwald erwähnt Ciielius, Notizblatt d. Vereins 
f. Erdkunde etc. 1888, IV. Folge, 9. Heft, S. 38f. 


und Konigsee am Thüringer Walde. 


239 


Wandlung aus Zechstein steht allerdings hier noch ans. Unweit 
dieser Stelle wurde auch an anstehendem weissein mittleren Zech- 
steinkalk von rauhwackeartiger Beschaflenheit theilweise erfolgte 
Verkieselung beobachtet, die dann auch mikroskopisch und chemisch 
bestätigt werden konnte. 

Oberer Zeclistein. Ueber den Unteren Letten ist wenig 
7Ai bemerken. Bedeutendere, abbauwürdige Gypslager kommen 
in demselben vor bei Dörnfeld und Königsee, sowie am Kalkberg 
bei Alleudorf; an einigen Stellen finden sich nur geringere der- 
artige Einlagerungen oder Spuren davon, grossentheils mag auch 
wie anderwärts der Gyps durch Auswaschung entfernt sein. Am 
Gypshügel bei Dörnfeld stehen die Gypsmergel wohl 40 — 50 De- 
cimalfuss mächtig au und reichen bis fast an den Plattendolomit, 
von welchem sie nur durch wenige Schichten grauer Alergel ge- 
trennt werden; kaum weniger mächtig dürften die Gypsschichteu 
am Kalkberg sein, doch wird diese Stärke gewiss nicht überall 
erreicht. Hier und da, doch ziemlich spärlich, sind in dem Letten 
Knollen eines grauen thonigen Kalkes oder Dolomites eingelagert; 
nur eine Abänderung bezw. ein Umwandlungsproduct derselben 
dürften Knollen und Rinden thonigen Brauneisensteins sein, welche 
bei Allendorf früher sogar als Eisenerz gewonnen worden sind. 
Sandige Lagen habe ich zwischen den Letten und Mergeln dieser 
Stufe in unserer Gegend nicht beobachtet. An einem gelegent- 
liehen Aufschluss hei Leutnitz zeigte sich an der oberen Grenze 
der Stufe deutliche Wechsellageruug des roth und grau nach der 
Schichtung gestreiften Lettens mit den untersten Bänken des 
Plattendolomits. 

Oestlich von Bechstädt und südlich von da, in der Gegend 
des Trippsteins, findet allem Anschein nach directe Auflagerung 
des Unteren Lettens auf das Schiefergebirge statt. Der Letten 
ist zwar stark mit Schieferschutt vermischt und durch solchen 
verdeckt, meistentheils wohl auch schon abgewittert und entfernt, 
an einigen Stellen indess ist er deutlich zu erkennen i). Es ist 

b Am Feldweg östlich von Bechstädt, etwas oberhalb der Horizontalen von 
1 100 Decimalfuss; besser noch in der Lettengrube etwas nördlich vom Fahrweg 
von der Fasanerie nach dem Trippstein, wo auch die Mergelknollen im Letten 
Vorkommen. An dem genannten Fahrweg finden sich im Bereiche des auch hier 


240 


H. Loretz, Der Zechstein in der Gegend von Blankenbur' 


dies also eine Fortsetzuno- der oben schon bemerkten überg-reifen- 
den Auflagerung einzelner Zechsteinstnfen auf das alte Gebirge, 
die allerdings nicht weiter aufwärts reicht, insofern directe Auf- 
lagerung des Plattendoloniits auf dasselbe hier nicht beobachtet 
worden ist. 

Oberer Zech st ein kalk und -Dolomit. Der typische 
Plattendolomit des Oberen Zechsteins kommt in unserer Gegend 
ganz so vor, wie man ihn auch anderwärts zu sehen gewohnt ist. 
Seine Lager trennen sich in mässig starke, ^/5 Meter in der Dicke 
oft nicht überschreitende und kaum durch thonio’e Zwischenlao-en 

O o 

geschiedene Platten. Das Gestein ist dicht, spröde, kaum porös, 
dunkelrauchgrau in frischem, gelblich in verwittertem Zustand, 
oft auch in der Schichtrichtung etwas streifig; die Platten sehen 
auf der Oberfläche nicht selten unregelmässig grnbig aus. Die- 
selben sind vielfach gesprungen und zerklüftet, insoweit die Lage- 
rung in der bekannten A¥eise, welche auf die Entstehung unter- 
lagernder Gypsflötze aus Anhydrit, und spätere Auslaugung sich 
zurückführen lässt, gestört worden ist; zerrüttete Bänke können 
durch Wiederverkittung ein breccieuartiges Aussehen erlangt haben, 
in anderen Fällen hat diu’ch AMrherrschen auslaugeuder Einflüsse 
Zerfall zu Dolomitsand stattgefundeu. Der obere Zechsteinkalk 
ist aber nicht durchweg als Plattendolomit entwickelt, sondern es 
kommt auch in o-ewissen Strecken eine Ausbilduna; als Zellenkalk 
bezw. -Dolomit vor, so besonders in der Gegend zwischen Eröbitz, 
Quittelsdorf und Watzdorf. In dieser Form bildet das Gestein 
hier und da klotzige Felsmauern, und erlangt eine gewisse äusser- 
liche Aehnlichkeit mit der Ilauhwacke des Mittleren Zechsteius; 
bei näherer Vergleichung sieht man aber, dass dasselbe in seiner 
feinkrystallinischen bis dichten Structur, den hier und da hervor- 
treteuden schichtia:en Streifen und der hellen Färbun«: des Ver- 


stark durch Scliiefei’schutt bedeckten und mit solchem vermischten Lettens recht 
viel Stücke einer aus kleinen Schieferstückchen bestehenden, mürben Breccie; 
nur vermuthungsweise kann angenommen werden, dass dieselbe die Unterlage 
des Lettens bildet und unmittelbar dem Schiefergebirge aufliegt, indem sie so 
zugleich eine Andeutung von Zechsteinconglomerat darstellt, während allerdings 
die Kalkbildungen des Unteren und Mittleren Zechsteins hier fehlen würden. 


nnd Königsee am Thüringer Walde. 


241 


witteningsbodens entscliiodeu mehr dem Plattendolomit als dem 
Hauptdolomit oder der Ilauhwacke gleicht, und dass auch die 
die Gesteinsmasse durchziehenden Höhlungen in beiden Fällen 
etwas verschieden gestaltet sind. Soweit diese Entwicklung des 
oberen Zechsteinkalkes reicht, pflegt sie den unteren Theil dieser 
Stufe zu bilden, der zunächst auf den Unteren Letten folgt ^); 
aufwärts g:eht sie in den eigentlichen Platteudolomit über. Der 
letztere kann übrigens auch ohne jene Zellenkalk -Entwicklung 
sofort das Hangende des Unteren Lettens bilden; es ist dies von 
Strecke zu Strecke verschieden. — An Versteinerungen ist der 
Plattendolomit wie gewöhnlich arm und liefert nur die bekannten 
Steinkerne von Schizodus und A^icella. 

Der eigenthümliche Vorgang der Verkieselung, den wir schon 
beim Unteren und Mittleren Zechstein erwähnt haben, scheint bei 
dem oberen Zechsteinkalk in noch grösserer Verbreitung stattge- 
funden zu haben. Nachdem diese Erscheinung zunächst an gelb- 
braunen Plattendolomitstücken von Pennewitz in verschiedenen 
Stadien, bis zu völliger Verkieselung bemerkt worden war ^), kam 
in Frage, ob nicht die in grosser Zahl vorhandenen Blöcke eines 
gelbbraunen dichten Quarzits, wie sie besonders in der Cordo- 
banger Gemarkung zerstreut Vorkommen, und sich auch noch 
weiter westlich finden, für verkieselten oberen Zechsteinkalk an- 
gesehen werden müssen, statt für Braunkohlenquarzit, wie an- 
fänglich die Meinung war, umsomehr als sie mit sonstigen Braun- 

b Auch weiterhin ini thüringischen Zechstein wiederholt sich dies; vergl. 
Weiss, dieses JahrlDuch für 1885, S. XXXVI. 

b In Dünnschliffen dieser Vorkommnisse giebt sich der Zustand der theil- 
weise erfolgten Verkieselung in kleinen Anhäufungen von krystallinischem Quarz- 
mosaik zu erkennen , welche das Gewebe der Carbonatkryställehen unterbrechen 
und durchziehen; bei völliger Verkieselung ist von letzteren nichts mehr vor- 
handen. In den Dünnschliffen fällt auf, dass die Brauneisenpartikelchen, welche 
bei mangelnder Verkieselung das Ganze gleichmässig durchstäuben, bei einge- 
tretener Verkieselung in kleinen Flecken oder sonstigen Anhäufungen von ver- 
schiedener Form sich angesammclt haben, zwischen denen die krystallinische 
Quarzmasse desto reiner hervorlritt. — Präparate der früher erwähnten ver- 
kieselten Vorkommnisse von Allcndorf (aus Mittlerem Zechstein), sowie auch der 
von Cordobang, lieferten ähnliche Bilder, bei den letztgenannten war die Con- 
centrirung der Brauneisenpartikelchen weniger ausgesprochen. 


Jahrbuch 1889. 


16 


242 


H. Lorhtz, Del' Zoclistein in der Gegend von Blankenburg 


kolilenquarzitprobeu aus Tliüringen petrograpliisch nicht übereiu- 
stiinmen. Der Structur nach würden sie sieb znm Tbeil auf lunge- 
wandelteu Plattendoloniit, znin Tbeil aber auch auf nmgewandelteu 
caveruöseu, oberen Zecbsteiukalk beziehen lassen, mit welchem ganz 
besonders manche jener Quarzitblocke grosse Formälmlicbkeit be- 
sitzen. Es ist namentlich eine Stelle nordöstlich von Cordobang, 
wo sich für diese Erklärnng der genannten Blöcke noch ein 
anderer Wabrscbeinlicbkeitso'rnnd geltend machen lässt. Dort 
häuft sich nämlich auf einer vom Unteren Letten des Oberen 
Zechsteins eingenommenen Fläche die Zahl der Qnarzitblöcke 
ganz bedeutend, und an einer Stelle dermaassen, dass von dem 
Lettenboden gar nichts mehr zu sehen ist und die Blöcke ein 
wahres Haufwerk bilden, welches recht wohl der zerfallene Rest 
einer verkieselten, ehemaligen Auflagerung von oberem Zechstein- 
kalk sein könnte; man müsste denn ein künstliches Zusammen- 
tragen annehmen, was ich nicht für wahrscheinlich halte. Die 
Ursache der vermutheten Verkieselung bleibt aber auch hier un- 
aufgehellt. 

Die Stufe des Oberen Lettens ist selten einmal deutlich 
aufgeschlossen und zeigt dann nur eine geringe Vläehtigkeit, die 
sich auf einige Meter, mitunter noch weniger, veranschlagen lässt; 
meistens scheint auf den obersten Plattendolomit so gut wie un- 
mittelbar Bröckelschiefer und die ersten sandigen Lagen des Bunt- 
Sandsteins zu folgen, so dass eine besondere Ausscheidung von 
Oberem Letten auf der Karte nur constructiv auszuführen ist ^). 
Au den wenigen Stellen, wo diese Stufe deutlich vorhanden ist, 
zeigt sie sich gebildet aus rothen oder graublauen oder noch 
dunkleren Letten, welche Bänkchen und Platten dolomitischen 
Gesteins mit unebener, knolliger Oberfläche enthalten. 

Die Lagerung des Zechsteins in der hier besprochenen 
Gegend ist nichts weniger als regelmässig. Das Ausstreichen 
seiner Schichten stellt sich vielmehr als ein sehr unregelmässig 

0 Wenn man die ersten sandigen Lagen als Beginn des Buntsandsteins an- 
nimnit, fällt der Streifen, der den Oberen Letten darstellt, auf der Karte in der 
Tbat meist verschwindend schmal aus. 


und Königsee am Thüringer Walde. 


243 


verlaufendes, aus- uud eiuspriugeudes, mit Zacken und liallünsel- 
artigen Vorsprüngen versehenes Band von ganz ungleicher Breite 
dar, welches sich zwischen dem alten Schiefergebirge des südöst- 
lichen Thüringer Waldes einerseits uud den ihm uordwärts vorge- 
lagerten Buntsandsteinschichten andererseits hiuzieht uud dabei 
noch vielfach zerschuitteu, getrennt uud verschoben ist; obendrein 
treten einzelne Zechsteinausstriche iuselartig im Gebiet des 
Schiefergebirges und in dem des Buntsandsteins auf. Diese Art 
von Lagerung hängt damit zusammen, dass das Gebiet von einer 
ofrösseren Zahl verschieden «gerichteter uud auch ihrem Wirkungrs- 
grade nach ungleicher Verwerfungen durchschnitten wird, an 
welchen die Schichten Verschiebungen erlitten haben, so dass 
nun die getrennten Theile eiuer uud derselben Schicht ganz ver- 
schiedenes Streichen uud Fallen erhalten haben uud verschiedene 
absolute Höhenlagen einnehmen. 

Geht man die Umgreuzungsliuieu der Zechsteinausstriche 
einzeln durch, so findet sich, dass sehr viele davon deu genannten 
Störungen augehöreu, während die übrigen in der ursprünglichen 
Auflagerungsfläche des Zechsteius auf das alte Gebirge, oder 
andererseits in der Auflafferunj^sfläche des Buutsaudsteins auf den 
Zechstein gelegen sind. Es sind indess nicht nur wirkliche 
Sprünge oder Verwerfungen, sondern auch sattel- uud gewölbe- 
artige Biegungen, theils flachere, theils schärfere, welche auf die 
Lageruug von Einfluss gewesen sind; diese Art von Störungen 
spricht sich besonders aus in dem Auftaucheu der oberen Zech- 
steiuschichteu im Gebiet des Buutsaudsteins, so namentlich bei 
Alleudorf uud nordwestlich von da ^). 

Einige der genannten Verwerfungen liegen in der Hauptver- 
werfungsrichtuug des Thüringer Waldes, nämlich in SO., NW.; 

b Es ist hierbei nicht nur an die bekannte Aufwölbung und Berstung der 
Plattendolomitschichten in Folge Entstehung der darunterliegenden Gypslager aus 
Anhydrit zu denken, sondern auch an Bewegungen, welche umfassende Theile 
des Schichtengebäudes in gewisser Richtung ergriffen haben und welche ihrer- 
seits mit den Verwerfungen in ursächlichem Zusammenhang stehen, wie z. B. eben 
in der Strecke bei Aliendorf und weiter NW.; mögen ja doch oft genug solche 
Bewegungen und die durch sie bewirkten Sprünge erst Anlass und Einleitung 
gewesen sein zu jenem grossentheils chemisch sicli abspielenden Vorgang. 

IG* 


244 


H. Loretz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenbur' 


SO melirere Störimgsliuien im mittleren Gebiet, bei Bechstädt, 
Aliendorf, Köditz, Horba, kleinere auch weiter östlich und west- 
lich 1); andere ziehen qner zn dieser llichtnng, so ans der Gegend 
von Allendorf gegen Qnittelsdorf hin, wieder andere befolgen noch 
andere Richtungen. Die Lagerung in unserer Gegend steht über- 
haupt in merklichem Gegensatz zn der Lagerung in jenen Strecken, 
wo der Rand des eigentlichen Thüringer Waldes bezw. die Grenze 
des älteren Gebirges gegen das jüngere, ziemlich geradlinig SO., 
NW. hinzieht, wie das weiter östlich, zwischen Blankenburg, näm- 
litdi dem Rinnthal znnächst oberhalb Blankenbni’g, und Saalfeld, 
sowie weiter westlich, bei Ilmenau, Elgei’sbnrg n. s. w. der Fall 
ist. Dort ei’schöpften sich die Bewegungen der Erdkruste, 
welche der Entstehung dieses Gebirges zu Grunde liegen, mehr 
in der Anlage einer grossen, SO. — NW. ziehenden Verwerfung, 
und die Zechsteinschichten begleiten dieselbe als ein einfacher, 
ziemlich regelmässig verlaufender Streifen; hier bethätigten sie 
sich in der Ausbildung zahlreicher, weniger starker und weniger 
richtnngsbeständiger Störungen, und dementsprechend erscheinen 
die Zechsteinschichteu gleichsam wie verzettelt^). Damit steht 
auch das orographische Verhalten im Zusammenhang; dort er- 
hebt sich das alte Gebirge in weithin sichtbarem Steilabfall und 
trennt sich in ihm deutlich von den jüngeren Schichten, hier ver- 
flacht es sich allmählicher ohne in die Augen fallende Grenze. 

Was die Lage der Zechsteinschichteu in unserem Gebiete 
des Näheren betriflft, so liegen sie auf der Höhe des Gebirges 
zwischen Böhlscheiben, Cordobang und der Heukertskuppe ziem- 
lich flach, von da gegen das Rinnthal hin fallen sie im Allge- 
meinen nordöstlich, nördlich und nordwestlich ein, je nachdem wir 
von Osten westwärts vorschreiteu. Dieselben bald mehr bald 

b Diese kleineren werden erst bei grösserem Maassstab der Karte deutlich, 
wenn die einzelnen Stufen des Zechsteins getrennt zur Darstellung kommen. 

b ZiMMERMANM (Dicscs Jahrbucli für 1887, S. LIII ff.) hat diesen Unterschied 
bereits hervorgehoben und näher beleuchtet. — Zunächst S. bei Blankenburg er- 
scheint in unserem Gebiete ein solcher schmaler Zechsteinstreifen an der von 
Saalfeld herkommenden Hauptverwerfung , welche dann weiter eine Strecke lang 
im Rinnthal liegt und deren Wirkungen noch weiterhin nach NW. bemerk- 
bar sind. 


und Königsee am Tbüringer Walde. 


245 


weniger von N. abweichenden Einfallrichtungen kehren auch 
weiterhin gegen Königsee und darüber hinaus wieder, sie sind 
aber iin Einzelnen so sehr von den zahlreichen Verwerfungen und 
Aufwölbungen abhängig, dass sich eine allgemeine Kegel in dieser 
Beziehung nicht geben lässt. 

Ifass die geringe Erzführung, welche im Unteren Zechstein 
unserer Gegend in früheren Zeiten bergbauliche Unternehmungen 
vei’anlasst hat, aller Wahrscheinlichkeit nach, wie im Kamsdorfer 
Revier, an Störungen (Rücken, Sprünge) gebunden ist, wurde 
weiter oben schon erwähnt. Nicht anders verhält es sich mit dem 
Schwerspath, welcher, abgesehen von ganz untergeordneten Vor- 
kommnissen, im Bereiche des Vlittleren und Unteren Zechsteius 
an verschiedenen Stellen unweit Pennewitz, Dörnfeld, Alleudorf, 
Leutnitz, in etwas grösserer Menge auftritt, und au einigen der- 
selben noch jetzt Gegenstand der Gewinnung ist. Wiederholt 
konnte aus der Lage der Schürfe oder Schächte geschlossen 
werden, dass die schwerspathführeudeu Klüfte im Allgemeinen 
sich in Richtung SO. — NW. halten, und umgekehrt wurde wieder- 
holt auf deutlich nachzuweiseuden, in dieser Richtung streichen- 
den Verwerfungen das Vorkommen jenes Minerals in grösseren 
Ausscheidungen beobachtet. Nicht immer jedoch scheinen es 
regelmässig verlaufende, einfache Klüfte zu sein, welche dasselbe 
führen; vielmehr scheint das Verhalten oft so zu sein, dass das 
Gestein in der genannten Richtuuo;: auf eine gewisse Breite hin 
von kürzeren Gängen und Gaugtrümeru des Schwerspaths durch- 
schwärmt wird ^). 

b Vergl. Erläuterung zu Blatt Saalfeld, von Liebe und Zimjierjiamn, S. (14, 
wonach der Schwerspath im Kamsdorfer Revier nur auf den Spalten in h. 9 vor- 
kommt. 


Der im Lichtliof der Königl. geologischen Laiides- 
anstalt und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf 
mit Wurzeln aus dem Carbon des Piesberges. 


Von Herrn H. Potonie in Berlin. 
(Hierzu Tafel XIX-XXII.) 


Im Piesberger Steinkohlenbergwerk bei Osnabrück sind — 
wie ans einer kurzen Mittheiluug aus der Feder des früheren 
Directors des in Rede stehenden Bergwerkes, Herrn Karl Temme, 
hervorgeht — häufig mächtige, stammälmliche Steinkenie beob- 
achtet und zu Tage gefördert worden, die vornehndich dem 
Haugeuden der Oberbauk des Flötzes »Zweibänke« entstammen. 
Das Museum der Königl. geologischen Laudesanstalt besitzt ein 
solches etwa 4 Meter langes Petrefact vom Piesberge, das bisher 
— wohl wegen seiner an die S/^i7fan’«-Unterabtheiluug Rhjtidolepis 
erinnernden aber uureffelmässi«:en Läu^sfurchnua: — für eine 
Sigillaria gehalten worden ist und welches sich zur Zeit in der 
nordöstlichen Ecke der Gallerie befindet, die sich in der Höhe 
des ersten Stockwerkes um den Liehthof herumzieht. Herr Temme 


h Temme, »Der am Piesberg gefundene und aufgestellte Wurzelstock einer 
»Siyillaria« S. 2G6 u. 267 des sechsten Jahresberichtes des naturwissenschaftlichen 
Vereins zu Osnabrück. Osnabrück 1885. 


H. PoTosiii, Der im Liclitliof der Königl. geologischen Landosanstalt etc. 247 


sagt ’) über diese Gebilde: »Man hielt die fossilen Ueste seither 
für Lepidodeudron- oder Sigillarien- Stämme, ohne sie jedoch 
näher bestimmen zu können«. 

»Beim Aufzimmern einer zu Bruche gegangenen Wetter- 
streckc im Flötz Zweibänke ■ — fahrt unser Autor fort — wurde 
lieobachtet, dass die Stämme, mit der Spitze nach unten gerichtet, 
in den umgebenden Schieferthon eingelagert sind und dass die 
dicker werdenden Theile nach oben sich zu einem gemeinsamen 
Stamme vereinigen, der rechtwinklig gegen das Fallen der Gebirgs- 
schichten in die übergelagerten Schieferthon-, Sandstein- und 
Conglomerat - Schichten fortsetzt. Mau hat es also nicht mit 
Stämmen sondern mit Wurzeln von Stämmen zu thnn, welche in 
dem über dem Flötz abgelagerten Schieferthon gewachsen si)id 
und sich noch au der ursprünglichen Vegetationsstelle befinden«. 

Bei dem erhöhten Interesse, welches die Petrefacten durch 
diesen Befund gewannen, wurden auf Veranlassung des Herrn 
Temme und unter umsichtigster Leitung des Herrn Obersteigers 
Theodor ScHAEFER in den Jahren 1884 — 1886 vier derartig voll- 
ständige Petrefacten im Bergmittel verfolgt und mühsam stück- 
weise zu Tage gefördert. 

Das erste (jetzt Berliner) Exemplar wurde nach Mittheiluugen 
des Herrn Schaeeer auf der Wetterstrecke Bremsberg V, 16 Meter 
flach über der Grundstrecke des Flötzes Zweibänke am Südflügel 
anfgefunden. In circa 35 Meter nordwestlicher Entfernung von 
diesem Fundpunkte fand sich im Pfeiler über West No. 2 das 
zweite (jetzt Osnabrücker) Exemplar. In etwa 7 Meter weiterer 
nordwestlicher Eutferuuuf» von dem letzteren wurde in demsell)cn 
Pfeiler das dritte und wiederum in demselben Pfeiler ca. 20 Meter 
nordwestlich vom zweiten das vierte Exemplar gefunden. Alle 
standen mit ihren Stämmen senkrecht auf den Schichtungstlächeu. 
Leider haben die beiden letzten, kleineren Exemplare keine Ver- 
werthnug gefunden; sie haben lange im Freien gelegen und sind 
verwittert. Innerhalb der Fundstellen von diesen vier Exem- 
plaren in einer Längenausdehuung von etwa 60 Meter und einer 


1) 1. c. S. 266. 


248 H. PoTONiK, Der im Liclithof der Kocigl, geologischen Landesanstalt 


Breiteuausdelmuiig von etwa 50 Meter, insbesondere im Pfeiler 
West 1 , ausserdem im Ostpfeiler 3, ca. 50 Meter vom Brems- 
schacbte entfernt, sind daun noch viele Wnrzelreste gefunden, die 
aber nicht weiter beachtet und verfolgt worden sind, weil die vor- 
erwähnten beiden kleineren Exemplare noch keine Liehhaher ge- 
funden hatten. Auch an anderen Stellen im Hangenden des 
Flötzes Zweibänke sind mächtige Wurzeln gefunden worden. 
Nach alledem scheinen also hier zahlreiche Stämme gestanden zu 
haben. 

Von den Stammtheilen sind nur Stümpfe erhalten geblieben, 
beziehungsweise gefördert worden. Die beiden zuerst gefundenen, 
besten Exemplare wurden zunächst — das eine, später (1885) ge- 
förderte vor dem alten Osnabrücker Museum, dem ehemaligen 
Amts-Gerichtsgebäude, das andere, 1884 gefundene unweit des 
Schachtes, jedes unter einem besondei’s errichteten, hölzernen 
Pavillon aufgestellt. Das erstere hat nunmehr im neuen Osua- 
brttcker Museum seinen definitiven Platz gefunden , das zweite 
ist im Jahre 1889 in den Besitz der Köuigl. geologischen Landes- 
austalt und Bergakademie in Berlin gelangt. Dieses letztere 
Exemplar ist das wissenschaftlich werthvollere; ich gebe im Fol- 
genden seine ausführliche Beschreibung. 

Zur Orientiruug über das äussere Aussehen des Fossils bietet 
Tafel XIX eine phototypische Darstellung desselben und zur 
Würdigung der Grösseuverhältnisse die nachfolgende von Herrn 
Prof. A. Schneider verfasste Tabelle mit genauen Maassaugabeu, 
bei deren Studium der zugehörige geometrische Grundriss des 
Petrefactes auf Tafel XX zu vergleichen ist. 

Es geht aus den Zahlen hervor, dass unser Petrefact das 
grösste palaeozoische des Kontinentes ist. Das in Osnabrück ge- 
bliebene Exemplar nimmt zwar einen grösseren Flächenraum ein, 
weil die Längenausdehuungeu der Wurzelenden die des Berliner 
Exemplares übei’trefieu ; aber bei dem Berliner Exemplar sind die 
Wurzeln viel mächtiger entwickelt und von dem Stamm ist ein 
tüchtiger Stumpf erhalten, der bei dem Osnabrücker vollständig 
fehlt. 


und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 249 


In dem Cxrimdriss Tafel XX ist 


a das Centrum des Stammes im Niveau der ersten Dichotomie 


ab 
a c 
a d 
ae 
b e 
b d 
cd, 
ce 
fk 
bA 

h m 
in 


= 0,56 Meter | 

= 0,54 » i 

= 0,63 » i 

= 0,61 » i 

= 0,72 Meter ; 

= 0,87 » ; 

= 0,97 » ; 

= 0,74 » ; 

= 1,00 » \ 

- 0,6 1 » f 

= 0,43 » 1 

= 0,70 » ) 


Maasse vom Centrum bis zu den Endpunkten 
der Gabellinie bac der ersten Dichotomie. 
Maasse vom Centrum nach den Gabelpunkten 
der Dichotomieen 2. Ordnung, 
zugehöriger oberer Umfang = 0,85 Meter 

» » » = 1 , 1 2 s 

» » » = 1,27 » 

» » » = 0,94 » 

Ilorizontalmaasse Itis zu den Dichotomieen 
3. Ordnung. 


kk' = 

0,29 

» 

; zugehöriger 

oberer 

Umfaug 

= 0,35 Meter^), 

kk" = 

0,31 

» 

; » 

» 

» 

= 0,41 

» 

IV = 

0,59 

» 

; » 

» 

» 

= 0,80 

» 

IV' = 

0,55 

» 

; » 

» 

» 

= 0,71 

» 

mm = 

0,51 

» 

; » 

» 

» 

= 0,62 

» 

mni' = 

0,46 

» 

; » 

» 

» 

= 0,62 

» 

n n = 

0,32 

» 

; » 

» 

» 

= 0,55 

» 

tf 

n n = 

0,35 

» 

; » 

» 

» 

= 0,47 

» 


0 

k2p 


kq = 


1.29 
1,28 
1,31 

1.30 
1,51 

1,58 


Ilorizontalmaasse von der Dichotomie 3. Ord- 
nung k bis zu den Enden der Wurzelstiicke, 
= zugehörige geneigte Länge nach o, 

= » » » » p, 

, Ilorizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord- 
nung l zur Dichotomie 4. Ordnung 
— zugehörige geneigte Länge, 


9 Nach meinen Angaben sind in der Tabelle als 1. Dichotomie die Theilung 
des Petrofactes in die beiden Hauptstücke, die durch die Linie hac getrennt 
werden, als Dichotomieen 2. Ordnung die Punkte d und e, als Dichotomieen 
3. Ordnung die Punkte klmn u. s. w. bezeichnet. Wir werden weiter hinten 
sehen, welche Gründe zu diesen Deutungen veranlasst haben. Potonie. 

9 Die gemessene obere ümfangslinie weicht im Grundriss entsprechend seit- 
lich von der punktirten geraden Verbindungslinie ab. Die Zahlen dienen dazu, das 
Maass der Wölbung der betreffenden Wurzeln zu veranschaulichen. Schneiuer. 


250 H. PoToxiK, Der im Lichthof der König!, geologischen Landesanstalt 


/ 2 f = 2,20 Meter, 



2,38 

TOj S = 

0,83 


0,96 

W? 2 t — 

1,01 


1,11 

Ultl = 

1,13 


1,20 


0,94 


0,99 

qq = 

0,18 

II 

0,22 

SS = 

0,35 

s s" = 

0,30 

vv ~ 

0,18 

vv” — 

0,20 

qi w = 

0,53 

qo X = 

0,49 

= 

1,22 

s^z — 

1,06 


1,25 


1,11 

— 

0,24 

^^2^2 = 

0,55 

b Die in der 


Ilorizoiitalmaass von der Dichotomie 3. Ord- 
nung/ bis zum Ende des Wurzelstückes r^), 
= zugehörige geneigte Länge, 

Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord- 
nung m zur Dichotomie 4. Ordnung s, 

= zimehörio;e efeueijxte Läntre, 

Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord- 
nung m bis zum Ende des Wurzelstückes t, 
= zugehörige geneigte Länge, 

Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord- 
nung n bis zum Ende des Wurzelstückes 
= zutrehöritre ffeneiirte Län<re, 

Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord- 
uuua: n bis zur Dichotomie 4. Orduunn;: v. 
= zugehörige geneigte Länge, 
zugehöriger oberer Umfang = 0,21 Meter, 


= 0,24 
= 0,39 
^ 0,35 
= 0,20 
= 0,22 


H orizontalmaasse von der Dichotomie 4. Ord- 
nung q nach den Enden der Wurzelstücke 
w und a-, 

Horizontalmaasse von der Dichotomie 4. Ord- 
nung s nach den Enden der Wnrzelstücke 
y und s, 

= zugehörige geneigte Länge nach 

= » » » » äT, 

Horizoutalmaasse von der Dichotomie 4. Ord- 
nung V nach den Enden der W urzelstücke 
und C 2 , 


wegen Fehlens des einen Zweiges derselben — der nach mündlicher Mittheilung 
des Herrn Bergdirectors Temme bei der Zutagefördorung noch dagewesen, dann 
aber verloren gegangen ist — in der obigen Tabelle ausser Acht. Potoxie. 


und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 251 


4,00 Meter = Umfung des Stammes im Niveau der ersten Dicho- 
tomie, 

2,53 » = Umfang des Stammes 0,82 Meter über der ersten 

Dichotomie, 


2,45 

» 

= 

Umfaug des Stammes am oberen 

Ende. 



1,30 

» 


Höhe 

des Baumstumpfes über 





1,25 

» 

- 

» 

» » » 





0,71 

» 


Höhe des höchsten Wurzeleudes 

über dem 

Boden, 

0,02 

» 

- 

» 

» niedriofsteu » 

O 

r 

» 

» 

» 

0,88 

» 

- 

» 

der Dichotomie 1 . Ordnung h 

» 

» 

» 

0,87 

» 

= 

» 

» » » » 

c 

» 

» 

» 

0,79 

» 

= 

» 

» » 2. » 

d 

» 

» 

» 

0,99 

» 


» 

» » » » 

e 

» 

» 

» 

0,61 

» 

- 

» 

» » 3. » 

k 

» 

» 

» 

0,46 

» 

= 

» 

» » » » 

l 

» 

» 

» 

0,49 

» 


» 

» » » » 

m 

» 

» 

» 

0,69 

» 


» 

» » » » 

11 

» 

» 

» 

0,44 

» 


» 

» » 4. » 


» 

» 

» 

0,20 

» 


» 

» » » » 

s 

» 

» 

» 

0,64 

» 

= 

» 

» » » » 

V 

» 

» 

» 


Was nun zunächst die »Wurzel«') uns('res Petrefactes hin- 
sichtlich ihrer Gestalt betrifft, so zeigt sich diese streng dichotom 
verzweigt, scheinbar allerdings zunächst viertheilig und erst jeder 
dieser Theile dichotom. Das zeigt ohne Weiteres der Grundriss 
Tafel XX. Dieser Grundriss demonstrirt sogar, dass sich die 


b Ich bezeichne den unterirdischen Theil des Petrefactes in dieser Abhandlung 
stets kurz als Wurzel, womit ich aber nur sagen will, dass der in Rede stehende 
Theil in physiologischer Hinsicht eine Wurzel ist; in morphologischer Hinsicht ist 
er ein Rhizom. Denn die Narbenform, die z. B. durchaus der von den Nadeln auf 
den Stengeltheih n der Wciss- oder Edeltanne {Ahies alha Mili.ek) hinterlasscnen 
gleicht, ihre quincunciale Stellung und die exogene Entstehung, sowie die damit 
in Zusammenhang stehende Abfälligkeit der Appendices spricht durchaus für die 
Blattnatur der letzteren. — Vergl. diesbezüglich W. C. Wn,Li.\MSON : »A monograph 
on the morphology and histology of Stigmaria fico'ides« in »The palaeontogra- 
phical society«. liOndon 1887. Ferner z. B. auch H. Gisaf zu Solms-Lauhach : 
»Einleitung in die Palacophytologie« p. 295 ff. (Leipzig 1887) oder A. Schenk: 
»Die fossilen Pflanzenreste« p. 97 ff. (Breslau 1888). 


252 H. PoTONiit, Der im Liclithof der Königl. geologischen Landesanstalt 

Wurzel ohne jede Deutelei als vou vorn herein dichotom betrachten 
lässt. Denn die gegenüber befindlichen Buchten h und c liegen 
dein in derselben Ebene genommenen Stamm- Mittelpunkt a am 
uäcbsten; sie sind besonders stumpf und machen aus diesen beiden 
Gründen den Wurzelkörper von vorn herein zweitheilig. Durch die 
Jjiuie h a c wird also die Achsel der ersten Dichotomie markirt. 
Es erinnert das an das gewöhnlich »zweilappige« /soctes-Stämm- 
chen. Das Osnabrücker Exemplar zeigt eine solche deutliche 
Sonderung in zwei Theile nicht: hier erscheinen von vorn herein 
vier gleichmässig entwickelte Abzweignngen, die gleichwerthig zu 
sein scheinen, die aber gewiss auch als zweifach dichotom zu 
deuten sind, derartig, dass die beiden Dichotomieen zweiter 
Ordnunw sofort nach Bilduno- der ersten zur Eutwickluua: ffe- 
kommen sind. Auch andere Figuren in der Litteratur sprechen 
dafür, dass die Wnrzelverzweiguug der mit dem unserigeu zu ver- 
gleichenden Carboustämme auch vom ersten Beginn au streng 
dichotom ist'); alle Fälle, wo eine Viertheilnng vorzuliegeu scheint, 
lassen sich wie das Osnabrücker Exemplar deuten , und bei 
den Stämmen mit Wurzeln, die sich au der Basis in 

viele (mehr als vier), scheinbar gleichwerthige Theile gliedern, 
mögen die Dichotomieen noch schneller auf einander gefolgt 
sein ; so z. B. bei dem SigillariaSiAmm^ den Rich. Brown be- 
schreibt ^). Im Allgemeinen werden aber — das lehren die 
Objecte — besonders die beiden Dichotomieen 2. Ordnung nn- 
inittelbar nach Entstehung der ersten zur Entwicklung gekommen 
sein, sodass die Basis des Stammes gewöhnlich jene charakteristi- 
schen Kreuzfnrcheu zu erkennen giebt, die — nach mündlicher 
Alittheiluug des Herrn Temme — auch bei unserem Petrefact sehr 
deutlich bemerkt worden sind. Ich kann es nicht unterlassen, 

b Vergl. z. B. die Zeichnung Otto Webee’s — auf Tafel XII in Bd. III 
der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. Berlin 1851 — in 
Göppeut’s Abhandlung: »lieber die Stigmaria ficöides Brongn.« — Ferner Fig. 14 
auf Tafel B und Fig. 2 auf Tafel IV im Atlas zu Goldenbbrg: »Die Pflanzen- 
versteinerungen des Steinkohlengebirges zu Saarbrücken«. Saarbrücken 1855 u. ff. 

b Rich. Brown: »Description of erect Sigillariae with conical Tap Roots, 

found in the roof of the Sidney Main Goal« in Proceed. geol. Soc. Quart. Journ. 
1849, p. 393. 


und Bergaliudemie aufgostellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 


253 


liier noclinials an hohes zu erinnern , deren Stamm bei allen 
Arten der Länge nach von 2 oder 3, in Aiisnalnnefällen 4, ja sogar 
5 auf der Unterseite des Stammes sieb vereinigenden Furchen 
durchzogen wiiaU). Auch A. Schenk z. B. meint mit Anderen, 
dass die Viertheilung auf rasch wiederholter Dichotomie beruhe. 

Die wieder gegenüber liegenden Buchten d und e unseres 
Grundrisses Tafel XX sind die von a nächst entfernten und 
gleichen sich wieder ihrem äusseren Ansehen nach, aber wir sehen 
sie hier verhältnissmässig spitze Winkel bilden: es sind diese 
Buchten — wie leicht ersichtlich — die Achseln der beiden Dlcho- 
tomieeu zweiter Ordnung.’ Die übrigen Dichotomieeu sind ohne 
Weiteres klar. Die Buchten Ä’, /, /», n sind demnach Dichotomieen 
dritter, die Buchten s, v Dichotomieen vierter Ordnung. 

Die Wurzeln zeigen, wie die Tafel XIX zu erkennen giebt, 
eine unregelmässige Längsfurchuug, die wohl nicht dem lebenden 
Individuum angehört hat, sondern erst während der Verwesung 
oder der Fossilisatiou zu Staude gekommen ist. 

An den auf Tafel XX markirteu Stellen der Wurzel, also an 
ihren horizontal verlaufenden Enden sind zweifellose Stigmaria- 
Narbeu zu sehen, die auf dem Ende bei y am deutlichsten sind, 
wie unsere in natürlicher Grösse hergestellte Figur 1, Tafel XXII 
veranschaulicht. Diese Figur stellt ein Theilchen der Oberfläche 
dieses Endes dar. Die genaue Bestimmung ist Stigmaria fiedides 
Brongn. var. inaequalis Göpp. Dass auch das auf der Galerie 
des Museums für Berg- und Hüttenwesen befindliche, bereits 
S. 246 dieser Abhandlung erwähnte Stück eine Stigmaria ist, be- 
weisen ebenfalls deutliche Stigmaria-^üvhen (derselben »Varietät« 
wie oben), die ich au der Spitze des Stückes gefunden habe. Dieses 
Stück muss einem sehr mächtigen Baume augehört haben, da das- 
selbe — wie schon gesagt — die Länge von etwa 4 Meter hat; 
die übrigen wissenswerthen Maasse desselben sind: 


b Vergl. H. Potonie: »Aus der Anatomie lebender Pteriduphyteii und von 
Cycas revoliiia«, S. 30D (15 des Separatabzuges) in den Aljliandl. zur geolog. 
Specialkarto von Preussen und den Thüringischen Staaten, Bd. XVII, Heft 3. 
Berlin 1887. 

b A. Schenk: »Die fossilen Pflanzenreste« S. 91. Breslau 1888. 


254 H. PoTONiE, Der im Lichtliof der Königl. geologisclien Landesanstalt 


Umfaug der Spitze 0,14 Meter 
» in der Mitte 0,70 » 

» am Grunde 0,96 » 

Auch der Stammstrunk zeigt an mehreren, ebenfalls auf dem 
Grundriss Tafel XX angegebenen Stellen deutliche, durch die 
Pflanze bedingte Oberflächenstructur, die jedoch nicht der Kinden- 
sonderu der Holzoberfläche unter der Ivinde entspricht. Die 
Rinde ist hier und da als kohliger Rest erhalten, so unten auf 
Tafel XXI, welche ein Stück der Stammoberfläche bei 5, Tafel XX, 
veranschaulicht, die der auf der Phototypie, Tafel XIX, dem Be- 
schauer zugekehrteu Fläche entspricht. Auf den jetzt noch vor- 
handenen kohligen Resten habe ich leider auch nicht eine Spur 
von Narben entdecken können, und die genaue Bestimmung 
unseres Stammes ist somit — bei dem Stande der heutigen palaeo- 
phytologischeu Systematik — leider unmöglich. Es ist daher 
sehr zu bedauern, dass auf die kohlige Bedeckung des Strunkes 
bei der Zutageförderuug nicht peinlich Acht gegeben worden ist. 
Es lässt sich aber wenigstens — trotz des erwähnten Mauo-els — 

Ö Ö 

im höchsten Grade walu’scheinlich machen, dass das Fossil eineni 
Lepidophyten angehört hat, was übrigens aus nahe liegenden 
Gründen auch ohnedies angenommen werden müsste; denn die 
Oberflächenstructur des Holzes unter der Rinde tritt in ähnlicher 
Weise bei einigen Sigillarien und Lepidodendren auf, namentlich 
bei Sigillaria rimosa Gold. (= SigUlaria camytotaenia Wood.), 
die auch im Piesberge vorkommt. Bekannt sind vom Piesberge 
Sigdlarie7i, Lepidodendren — beide auch in Stücken aus dem 
Hangenden des Flötzes Zweibänke in der Sammlung der Königl. 
geol. Eaudesanstalt vertreten — und Lepidophloios — in der 
Sammlung der Landesanstalt ohne speciellere Fundortsangabe ^). 

9 In der Sammlung der geologisclien Landesanstalt befinden sich aus dem 
Hangenden des Flötzes Zweibänke vertreten die Gattungen : 

Pinnu/aria, Annularia, Splienopliyllum, Lepidodemiron, Sigillaria (Rln/tidokpis), 
Sphenopteris, Neuropteris, Cyclopteris, C'orrfaVtes- Blätter, Corddianthus. F. A. Roemer 
giebt in seiner in der Palaeontograjihica Bd. IX, Cassel 18G2 bis 1864, ei'- 
schienencn Arbeit »Beiträge zur geologischen Kenntniss des nordwestlichen Harz- 
gebirges« (2. Abtheilung: die Pflanzen des productiven Kohlengebirges am süd- 
lichen Harzrande und am Piesberge bei Osnabrück) auf p. 16 vom Flötz Zwei- 
bänke nur »Calamilen und schilfartige Blätter« an. 


und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 


255 


Das erwähute Relief der Holzoberfläche imseres Fossils zeigt — 
wie wir auf Tafel XX uud XXI sehen — im Grossen und 
Ganzen in Schrägzeilen angeordnete, spindelförmige, in der Längs- 
aclisc des Stammes gestreckte, schwach hervortretende Wülste, die 
als die Anfänge der aus dem Holz tretenden primären Mark- 
strahlen iu der Rinde zu deuten sind. 

Bei dem Holz der Buche {Fagus silcatica) z. B. sind auf der 
Holzoberfläche die primären Markstrahlen mit blossem Auge be- 
sonders deutlich zu sehen und zeigen auch dieselbe Form, wie bei 
unserem Petrefact, sind aber natürlich bedeutend kleiner, uändich 
3 bis höchstens 5 Millimeter lan". Sie bilden Vertiefuimen, in 
welche die »Kämme« der Rindenoberfläche hineinpassen. 

Durch jeden der in Rede stehenden Markstrahleii unseres 
Petrefactes verlief eine Blattspur, da sich bei Lepiclodendron- und 
Stamm -Abdrücken und -Steinkeruen, welche primäre 
Alarkstrahlwülste zeigen und bei welchen auch die Blattnarben auf 
der Kohlebedeckung erhalten sind, stets zeigt, dass den Blatt- 
narben die Wülste anf der Holzoberfläche entsprechen. Man 
findet also in diesen Fällen unter den Blattnarben, nach Entfernung 
derselben, d. h. nach Entfernung der kehligen Rinde, je einen 
Markstrahl -Wulst, oder — in Anlehnung an den Namen für die 
entsprechenden Erhebungen auf der Innenseite der Buchenrinde — 
je einen »Kamm« auf der Holzoberfläche. An seltenen Stücken 
kann man allerdings beobachten, dass die Kämme nicht mehr 
genau unter den Narben liegen, aber dann lässt sich mit Leichtig- 
keit erkennen, dass dies nur durch eine Verschiebung der Rinde 
auf dem Steinkeru zu Stande gekommen ist. An einem in der 
Sammlung der Königl. geologischen Landesanstalt befindlichen 
Stück einer Leiodermarie ans Niederschlesien {^SigiUaria reticidata 
Lesq. var. fusiformis Weiss ined.) liegt die eine Narben -Ortho- 
stiche genau über einer Orthostiche der Kämme, während die 
rechts und links von der erst bezeichneten Nailjen - Orthostiche 
befindlichen, hiermit parallelen gleichnamigen Zeilen über ihre 
zugehörigen Orthostichen der Kämme hinausgreifen, sodass also 
die Narben- Orthostichen auf der rechten Seite der ersten Ortho- 
stiche weiter rechts, anf der linken Seite der ersten Orthostiche 


256 H. PoTONiK, Der im Lichthof der Königl. geologischen Landesanstalt 


weiter links als ihre zu<rehörio;en Orthostirhen der Kämme zu 
finden sind. Auch diese Erscheinung ist leicht zu begreifeu, wenn 
inan die dicke Rinde der Lepidophyten berücksichtigt, deren epider- 
male Fläche wesentlich o-rösser ffe wesen sein muss, als die zuo’e- 

O o / O 

hörige Holzoberfläche, sodass bei der Umwandlung der ersteren zu 
Kohle, mit welcher ein Zusammenschrutnpfen, uamcntlich in radialer 
Richtung verbunden war, die beiden genannten Flächen sich nicht 
mehr in ihren entsprechenden Punkten decken : genau ebenso, wie 
die Spurpunkte eines Strahlenbündels durch zwei in senkrechter 
Richtung zum Bündel gelegte, parallele Ebenen, sobald die — ur- 
sprünglich in einiger Entfernung befindlich gewesenen — Ebenen 
übereinander gelegt werden, sich ebenfalls nicht decken können. 
Die Strahlen des Bündels würden den Blattspuren, die Spurpunkte 
der deni Strahlenmittelpunkt am nächsten gelegenen Ebene den 
Kämmen, die Spurpunkte der anderen Ebene den Blattnarben ent- 
sprechen; es würde die erstgenannte Ebene die Holzoberfläche, 
die andere die epidermale Fläche vorstellen. 

Wenn auch im Gi’ossen und Ganzen die Kämme quincunciale 
Anordnung zeigen, erscheint diese doch durch das spätere Wachs- 
thum des Stammes hier und da bedeutend verwischt; an einigen 
Stellen ■ — wie Taf. XXII, Fig. 3 erläutert — erscheinen sie da- 
her in ganz unregelmässiger Stellung. 

Die zuletzt citirte Figur, dem Stamme bei d Taf. XX ent- 
nommen, zeigt noch eine bemerkenswerthe Längssti’eifung, die 
sich au einer ziemlich grossen Stelle des Stammes bei d wieder- 
findet: sie hat ihre Ursache in den in der Längsrichtung des 
Stammes uestreckt gewesenen Zellen des Holzes und kehrt bei 

O O 

vielen Lepidodendron- und Sf^«7Ln'a-Stamm-Resten wieder. Auch 
die auf Taf. XXI abgebildete Fläche zeigt die iu Rede stehende 
Streifung in ihrem unteren Theil, wenn auch vielleicht niclit ganz 
so deutlich wie die Fig. 3 und 4, Taf. XXII. Ich möchte für 
diese Streifung den Namen Holzstreifung vorschlagen, weil sie 
bei der systematischen Beschreibung der Stücke immer l>erück- 
sichtigt werden muss, indem sie je nach der Ausbildung der sie 
bewirkenden Zellen etwas verschiedenartig ausfalleu muss, und es 


und Bergakademie anfgostellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 257 


daher bequem ist, einen kurzen, prägnanten Ausdruck für das 
Merkmal zu haben ^). 

Die Qnerstreifung auf Taf. XXI, sowie Fig. 2, Taf. XXII, 
und die schräge Streifung der Stücke Fig. 3 und 4, Taf. XXII, 
haben ilu’e Begründung nicht im Ban der Pflanze : es sind Ein- 
drücke, welche die in diesen Richtungen zerspaltene Kohlenrinde 
hinterlassen hat. 

Bezüglich der Grössenverhältnisse der Kämme nnd ihrer Ent- 
fernnng von einander bitte ich die Figuren und die Tafelerklärnngen 
zu vergleichen; die Figuren auf Taf. XXII sind in natürlicher 
Grösse. 

Der Vollständigkeit halber muss ich noch ein Narbenfeld er- 
wähnen, das auf Taf. XX zwischen g und l angedeutet worden 
ist und nicht wie alle übrigen auf dem Stamm angegel)enen Felder 
von Markstrahl -Kämmen gebildet wird. Das fragliche Feld stellt 
eine Knorrien-ä\m\\c\\e Oberfläche dar: dicht an einander gedrängte, 
schwache Erhebuno-en mit etwa kreisförmiger Basis in Schräg- 
Zeilen, etwa wie die rindenlosen Steinkerne von Lepidodendron 
Veltheimianum. Diese Stelle ist gewiss eine schlecht erhaltene 
Rinden- oder Ilolz-Oberfläche einer fremden Pflanze, die während 
des Verwesungsprocesses in den Stamm hineingeschwemmt nnd 
an der bezeiclmeten Stelle zum Abdruck gelaugt ist. Aehnliche 
Fälle habe ich mehrmals gesehen; in einigen dersellmu war ein 
Zweifel über die Deutung überhaupt nicht möglich. 


b In der Sammlung der geol. Landesanstalt finden sich Bernsteinstücke vom 
Samlande, die ebenfalls Holzstreifung, Abdrücke der Holzobertläcbe (der Hydro- 
Stereiden, Tracbe'iden) unter der Rinde, zeigen. 


Jahrbuch 1889. 


17 


Vergleicliende Studien über die Gesteine des 
Spieinonts und des Bosenbergs bei St. Wendel und 
verwandte benachbarte Eruptivtypen aus der Zeit 
des Rotliliegenden. 

Von HeiTU K. A. Lossen iu Berlin. 


Die Gesteine des Spiemonts und Bosenbergs bei St. Wendel 
setzen Intrusivlagerstöcke in den Ottweiler und den Oberen 
Cuseler Scbichten zusanunen und wurden ehedem Trapp oder 
Melaphyr genannt, doch zählte schon Steininger i) das Spie- 
mont-Gesteiu zu den »harten« Trapparten, die zum Strassenbau 
benutzt werden; auch Kosmann ‘^), der zwei Varietäten des Spie- 
monts analysirt xmd Haarmann ''), der das Gestein des Bosen- 
bergs mikroskopisch untersucht hat, haben den Namen Melaphyr 
nicht abgeändert, obwohl der Letztere Quai’z in ziemlicher Menge 
darin nachixewiesen hatte und von der Nothwendio-keit der Zer- 
legung lies Begriffes Melaphyr überzeugt war. H. Rosenbusch 
hat dagegen, gestützt auf die mikroskopischen Untersuchungen an 
dem ihm durch II. Grebe übermittelten authentischen Material, 
in seinen Massigen Gesteinen in erster und zweiter Auflage die- 

') Geognostische Boscbreibung des Landes zwischen der unteren Saar und 
dem Rheine 1840, S. 100. 

Geognostische Beschreibung des Spiernont bei St. Wendel. Verhandl. d. 
naturhistorischen Vereins der preuss. Rheinlande und Westfalens XXV, 1868, 
S. 239 ff. 

Mikroskopische Untersuchung über die Struktur und Zusammensetzung 
der Melaphyre. Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. XXV, 1873, S. 436 ff. 
b Massige Gesteine, 1. Aufl. S. 348 und 351; 2. Aufl. S. 200. 


K. A. Lossen, Vergleicbonde Studien über die Gesteine des Spiemonts etc. 259 

selben Gesteine nebst denen vom ITirscbt bei Marpingen nnd von 
der Grnbe Hofliiung bei Rntbweiler znm Diabas nnd zwar zn 
V. Gümbel’s Lenkopbyr gestellt. Nach der nns gelänflgen, die 
verschiedenen Ernptionszeitalter der Rhyotaxite berncksiebtigen- 

9 Die Bezeiclinnng Rhyotaxite ist in meiner Abhandlung über die An- 
forderungen der Geologie an die petrographische Systematik 1884 (dieses Jahr- 
buch f. 1883, S. 513) angewandt für »die tuft- und mandelsteinfülu’enden , meist 
grundmasse- oder basishaltigen Massengesteine (Quarzporphyr, Rhyolith, Trachyt, 
Porphyrit, Melaphyr, Diabas, Dolerit etc.)« im Gegensatz zu »den vorwiegend 
holo-phanerokrystallinen, tuff- und mandelstein freien Eugraniten (Granit, To- 
nalit, Syenit und Gabbro etc.)« Nachdem ich den Beweis angetreten hatte, 
dass die Struktur der Gesteine uns deren geologische Rolle treuer vermittelt, 
als die mineralisch -chemische Zusammensetzung, war es mir richtig erschienen, 
nach den charakteristischen vorherrschenden Strukturen die beiden 
Ordnungen der Klasse der Massengesteine zu benennen. Dass diese 
Benennungen nicht alle Massengesteine genau decken, dass es mit anderen 
Worten Massengesteine giebt, die weder strukturell im strengen Sinne des Wortes 
isometrisch granitisch körnig, noch auch durch Flussstruktur ausgezeichnet er- 
scheinen, dessen bin ich mir dabei wohl bewusst geblieben. Zwar will ich unter 
Rhyotaxis oder Flussstruktur nicht nur das Gefüge der geflossenen Lava ver- 
standen wissen, sondern jede Struktur, welche einen Bewegungsakt der noch 
nicht oder zumal der nur zum Theil erstarrten Gesteinsmasse widerspiegelt. 
Gleichwohl erschöpft, auch so gefasst, der Ausdruck weder die Mannigfaltigkeit 
der nicht eugranitischen Strukturen, noch auch ist er für jedes nicht eugrani- 
tische Gestein bezeichnend. Soll es indessen, um mit Vogelsang zu reden, Auf- 
gabe der Petrographie sein, die geologischen Massen zu charakterisiren , so ist 
dem Satze »nominatio fit a potiori« für die Charakteristik der grossen Ordnungen 
Genüge geschehen, wenn die Strukturen der am meisten verbreiteten geologischen 
Massengesteine in den Vordergrund gestellt werden. Nim ist es aber sichtlich 
der Gegensatz von Granit und Lava (vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 
Bd. XXIV, 1872, S. 785), der die geologischen Massen innerhalb der Klasse der 
Massengesteine beherrscht, wie dies der althergebrachte Unterschied der pluto- 
nischen und vulcanischen Gesteine sattsam bezeugt. Da der Uebergang zum 
Wesen der Gesteine gehört, haftet auch der Unterscheidung in Eugranite und 
Rhyotaxite etwas Künstliches an, wie sieh klar daraus ergiebt, dass sich rhyo- 
taxitische Strukturen als Rand- oder Apophysen - Facies u. dergl. an den vor- 
herrschend eugranitisch entwickelten Massen finden und umgekehrt Rhyotaxite 
local innerhalb desselben geologischen Körpers eugranitisch ausgebildet erscheinen. 
Die Künstlichkeit wird aber meines Erachtens nicht verringert, sondern eher 
vergrössert und die Uebersichtlichkeit des Lehrstoffs gemindert, wenn wir Ueber- 
gangsstrukturen, deren Betonung an richtiger Stelle innerhalb der Hauptordnungeu 
für den natürlichen Zusammenhang der ganzen Klasse der Massengesteine nicht ge- 
nug empfohlen werden kann, den classificatorischen Werth von Ordnungscha- 
rakteren beilegen und darnach eine dritte Ordnung schaffen, wie Rusenbuscii 

17* 


260 


K. A. Lossen, Vcrgloiehende Studien über die Gesteine 


den Ausdrncksweise würde der Name Leukophyr, welcher in 
V. Dechen’s Geologischer und Palaeontologischer Uebersicht der 
Rheinprovinz und der Provinz Westfalen etc. (1884) bereits AnP 
nähme gefunden hat ^), iu diesem Falle wenigstens Aleso-Len- 
kophyr heissen müssen, insoweit es sich nm ein Eruptivgestein 
ans dem Flotzgebirge handelt. Da indessen Ti-i. Liebe, der 
gründliche Kenner der Diabase jener, dem Uebergangsgebiige 
angchörigen Gegenden, für welche v. Gümbee den Begriff Len- 
kophyr zunächst anfgestellt hatte, in seiner Uebersicht über den 
Schichtenanfban Ostthüringens diesem Begriff eine petrographisch- 
geologische Selbständigkeit nicht znerkaunt hat, so muss doch 
wohl der Uebertragimg des letzteren von einem palaeovnlcanischen^) 
Diabas im Silur (oder in den ihrer Alterstellnng nach zwar 

eine solche zwischen seinen Teuf engesteinen und seinen Ergussgesteinen in den 
Ganggesteinen geschaffen hat. Gänge können mit Granit und mit Glaslava er- 
füllt sein; sie sind nachweislich bald ^ipophysen typhonischer, eugranitischer 
(bathylithischer) Stock -Massen, bald die Zufuhrkanäle der ausgesprochensten 
lavischon Rhyotaxite, stets aber relativ geringfügig an Masse; allgemein ge- 
nommen, fehlt jede gesetzliche Beziehung zwischen ihrer Körperform und ihrer 
Füllmasse; der specielle Nachweis dieser Beziehung ist zwar sehr lehrreich, 
aber er gehört nicht mehr zur systematischen Charakteristik der grossen 
geologischen Massen. Daran ändert meines Erachtens auch nichts die Beschrän- 
kung auf die den Eugraniten strukturell am nächsten stehenden Gangmasseu 
oder kleineren Intrusivmassen (Lakkolithe), welche Rosenbusch, sichtlich im Inter- 
esse der Hervorhebung von Uebergangsstrukturen, üben will: sein »Granophyr«, 
den er uns von vornherein so recht als einen Uebergangstypus zwischen Granit 
und Quarzporphyr hingestellt hat, findet strukturell trotzdem unter seinen 
Teufengesteinen, Ganggesteinen und Ergussgesteinen jedesmal Erwähnung und 
seine Hauptstelle doch als Strukturart bei den Quarzporphyren, womit ich gern 
übereinstimme, ebendahin stelle ich den Granitporphyr, während ich den Aplit 
zum Granit zähle, Syenitporphyr, Dioritporphyrit und die Lamprophyre zu den 
Orthophyren beziehungsweise Porphyriten. 

h Vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, Bd. XXXVIII, S. 921 ff. und 
Erläuterungen zu den Messtischblättern Lebach, Wahlen, Wadern, Abschnitt 
Eruptivgesteine, in der XXXI II. Lieferung der geologischen Karte von Preussen 
und den Thüringischen Staaten. 

a. a. 0. S. 34 und 35. 

Abhandl. zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thürin- 
gischen Staaten Bd. V, Heft 4. 

*) Die Begriffe platonisch und vulcanisch haben einen bald weiteren, bald 
engei'en begrifflichen Inhalt. Ich habe ehedem das Wort vulcanisch nur für die 
im Allgemeinen postcretaceischen Rhyota.xite (Quarztrachyte — Basalte) gebraucht, 
weil hier allein in vielen, aber keineswegs in allen Fällen der exacte Nachweis 


des Spiemonts und des Boseubergs bei St. Wendtd etc. 


261 


einigermaassen uubestiiiimten aber doch damit vergleichbaren 
Steiger Schiefern) auf einen inesovulcanischen i) »Melaphyr« im 
obersten Carbon oder im Unter- Uothliegendeu eine eingehendere 
Prüfung des petrographischen Werths der, nach dem Wortlaute 
der Nomeuclatur jedenfalls gegensätzlichen, Begriffe Leukophyr 
und Melaphyr vorausgeheu. 

Nach dem in der Petrographie herkömmlichen wissenschaft- 
lichen Sprachgebrauche muss mau doch unter dem Namen Leu- 
kophyr zunächst ein porphyrisches Gestein von lichter Färbung 
vermuthen. Versteht man nun unter Melaphyr nach der von mir 
gegebenen Erläuterung des Begriffes^) das mesovulcauische 
d. h. in der RegeU) postculmische und autetertiäre, chemisch- 
mineralische und auch vielfach strukturelle Aequivalent 
der brouzit- oder ol i v i uh alti ge n oder -freien ueovulca- 
nischen Dolerite und Plagioklas-Basalte einerseits und 
palaeovulcauischen Diabase andererseits, indem mau die 
brouzit-, hyperstheu- oder oliviuhaltigen oder -freien Aequivalente 
der Augit (Pyroxen)-Andesite und Augit (Pyroxeu)- Dacite als 
Augit ( Pyroxeu) -Porphyrite oder Augit (Pyroxeu)- Quarzporphy- 
rite vom Melaphyr unterscheidet, so hat ein frisches un zer- 
setztes lichtes Porphyrgestein innerhalb des so abgegrenzten 
Begriffes Melaphyr sichtlich keine rechte Stelle. Denn die lichte 
Farbe eines solchen kann doch nur vom feldspäthigeu Gemeng- 
theil herrühren, dessen Einfluss in so basischen Gesteinen aber, 
und zwar je feinkörniger das Gestein ist, tun so mehr, durch die 
eisenhaltigen Bisilicate, durch Olivin und freies Eisenerz auf- 
gewogen wird. Ein Leukophyr von porphyrischer Struktur in 
der Melaphyr -Formation zählt, wenn frisch, jedenfalls zu den 
weissen Raben. 

Aber v. Gümbel’s und Rosenbuscii’s palaeovulcanische Leu- 
kophyre sind nach Ausweis der von beiden Autoren publicirten 

für Vulcane im geläufigen Sinne des Wortes gegeben ist; ich scliliesse mich aber 
gern der Erweiterung des Begriffs für alle Rhyotaxite an, welche Rosenbusch, 
V. Fritsch, v. Richthofen u. A. üben, 
h Siehe vorstehende Anmerkung. 

Vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1883, S. 212 bis 213; 1886, S. 921 
bis 926 und dieses Jahrbuch für 1883, S. XXI bis XXXIV. 

im Old -Red -Gebiet postsilurische. 


262 


K. Ä.. Lossen, Vei'gleicliende Studien über die Gesteine 


mikroskopischen und chemischen Analysen keineswegs frische, 
unveränderte 1), im Uehrigen aber strukturell nicht so sehr 
porphyrische, als vielmehr normale, sichtlich divergentstrahlig- 
köruige, Diabas -Gesteine ohne eigentliche Grundmasse, 
obgleich zuweilen submikroskopisch fein gefugt, mit Hinneigung 
zur PorphyrstridAur (porphyrartig). Hiernach wird die lichte 
Färbung etwas besser verständlich, denn in voll- und deutlich- 
krystallinischen Gesteinen kommt die helle Farbe des feldspäthigen 
Gemeugtheils zur relativ wirksamereu Geltung. Die Glanzlosig- 
keit des Plagioklas zufolge starker Umbildung (saussuritischer 
nach V. Gümbel, psendophitischer nach Rosenbusch) erhöht im 
vorliegenden Falle den Eindruck, namentlich aber verursacht dies 
ein ständiger Gehalt von Carbonat (nach Ausweis der unten mit- 
getheilten Analysen ca. 8 bis 13pCt., wenn auf Kalkcarbouat aus- 
gerechnet, was indessen nicht alle Analysen gestatten, so dass 
geringere Procente von Magnesia und Eiseuoxydul ebenfalls an 
dem Carbonat Antheil haben müssen); auch die kräftige Um- 
wandlung des in v. Gümbel’s (Loretz’) Analysen diu’ch hohen 
procentischen Titansäuregehalt ^) hervortretenden Titaneisenerzes in 
Leukoxen trägt sicher nicht wenig zur Bleichung des Gesteins 
bei, endlich noch die sehr weit vorgeschrittene Umbildung eines 
au und für sich schon licht gefärbten Diabas- Auo-its in einen 
hellgrünen Chlorit (im weiteren Sinne des Wortes). Der Leuko- 
phyr zählt zu den oliviufreien schlichten Diabasen, auch Biotit 
und Hornblende, wenigstens als primärer, in der Regel aber auch 
als seeuudärer Gemengtheil (Uralit), gehen ihm ab; den Quarz, 
der übereinstimmend von den beiden genannten Forschern als in 
geringen Mengen vorhanden bezeichnet wird, hat Rosenbuscii in 
seiner Originalabhandlnug über die Steiger Schiefer ausdrücklich 3) 
sowohl für die vogesischen, als für die fichtelgebirgischeu und 

b vergl. auch J. Roth, Beiträge zur Petrographie der plutonisehen Gesteine 
1879, S. 33. 

b 4,81 — 3,82 pCt.! auch der Harz-Leukophyr (Analyse d) weist immerhin 
1,71 pCt. auf, während Ungee’s von Rosenbuscii mitgetheilte Analysen der Titan- 
säurebestimmung entbehren. 

b In den Massigen Gesteinen 2. Aull. a. a. 0. wird die Schwierigkeit einer 
Entscheidung, ob primär oder seeundär, betont. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


263 


thürinmscheu Vorkommnisse als Neuhildims: zul'ole:e der tlieil- 
weisen Zerlegung der primären Silicate erklärt. Jedenfalls deuten 
die Analysen allerhöchstens nur geringe Mengen davon an. 

Indem ich solche Harzer Diabase aus der oberen Hälfte 
der Unteren Wieder Schiefer im Liegenden des Hauptquarzits, 
welche ganz unverkennbaren Leukophyr-Zustand zeigen, 
wie das der Analyse unterworfene Vorkommen aus dem west- 
lichen Forstort Untei’e Lehmwege im Wendefurter Oberforst, im 
Handstück und unter dem Mikroskop mit typischen Leukophyr- 
Proben vergleiche, welche ich der Güte des Herrn Obei’berg- 
direktor v. Gümbel und meiner Collegen Loretz und E. Zimmer- 
mann verdanke, finde ich eine, anch durch die quantitative Analyse 
bestätigte, wesentliche Uebereinstimmung, und zwar ist dieselbe 
noch grösser, als diejenige der chemisch mehr abweichenden und 
durch vorwiegenden Magneteisen-Gehalt an Stelle des Titaneiseus 
ausgezeichneten vogesischen Leukophyre. Gestützt auf die eigenen 
Beobachtungen, gleichwie auf diejenigen der Vorgänger komme 
ich zum Schluss, Leukophyr sei nicht so sehr eine beson- 
dere Diabas-Spielart, als vielmehr eine eigenartige 
Umbildungsweise der normalen Diabase mit lichtge- 
färbtem Augit. 

Für die chemische Durchschnittszusammensetzung erkennt 
das V. Gümbel ja auch an mit den Loretz’ Analysen seinerseits 
beigefügten Worten: »Die Zusammensetzung ist diesem nach im 
Allgemeinen der aller Diabase in hohem Grade ähnlich ^).« Wenn 
dagegen Rosenbusch (Massengesteine 1. und 2. Aufl. a. a. O.) »den 
Grujipencharakter der Leukophyre in dem auffallend starken Zu- 
rücktreten des Augits sehen« möchte und v. Gümbel dem neuer- 
dings in seiner Geologie von Bayern, I. Th. S. 133 beizuptlichten 
scheint, indem er das »Zurücktreten der Pyroxenite« als Charakte- 


') Die Paläoiith. Eruptivgesteine dos Fichtelgebirges S. 34. Es kann daher 
nur zu weiteren Missverständnissen führen, wenn Herr Michel -Liivy in seinen 
Structures et Classification des Koches eruptives 1889, p. 49 vom Leukophyr als 
von einem »tvpe acide« der Diabases proprement dites Rosicnbusch’s spricht, wo- 
bei ihn freilich eher das Bosenberg - Gestein , als das Originalgestein des 
v. GüMBEL’schen Begriffs geleitet haben mag. 


264 


K. A. Lossen, Vorgleicliencle Studien über die Gesteine 


ristik angiel)t, so steht dem, soweit diese Charakteristik für den 
ursprünglichen Mineralbestand des Gesteins gelten soll, meines 
Erachtens der mikroskopisch -chemische Befund entgegen. 

Geht man zur Beurtheilung auch dieses Punkts, wie billig, 
von den Originalgesteinen v. Gümbel’s aus, so sagt dieser Autor 
darüber wörtlich: »der durchweg blassgrüue augi tische Gemeng- 
theil scheint vor allem dem ersten Angriffe der Zersetzuntr unter- 
legen zu sein, so dass nur wenige Proceute als mehr oder weniger 
erhalten angesehen werden können, obwohl den äusseren Um- 
rissen in den Dünnschliffen nach beurtheilt, dieser Gemengtheil 
ursprünglich mindestens in gleicher Menge, wie der Plagioklas 
vorhanden war.« Auch in dem zunächst vergleicht) areii Vor- 
kommen vom Harz ist bei der Betrachtung des mit Säure ge- 
ätzten Splitters, wie des Dünnschliffs im auffallenden und durch- 
falleudeu Licht ein besonderes Zurücktreteu der als Augit-Pseudo- 

o 

inorphosen charakterisii’ten Structur- Antheile nicht zu bemerken. 
Von dem weniger typischen vogesischen Leukophyr besitze ich 
keine Probe; doch darf man, da kein Olivin oder Bronzit, sondern 
nur monokliner, also kalk-, magnesia- und eisenhaltiger Augit 
vorliegt, aus dem hohen Magnesiagehalt (8,8 pCt. in dem relativ 
weniger umgebildeten der beiden durch Unger aualysirten Ge- 
steine, e = V in KosenbüSCh’s Originalabhandlung) meines Er- 
achtens nicht auf eine geringe Antheilnahme des Augits au dem 
ursprünglichen Mineralaggregat des Leukophyr schliessen, zumal 
lichtgrünlicher Diabas- Augit nach Loretz’ Analyse ^) des Augits 
aus dem porphyrischen Diabas von Hempla bei Bad Stehen nicht 
mehr Magnesia und weniger Kalkerde aufweist, als mancher 
andere thouerdehaitige Fassait oder thonerdefreie bis -arme Mala- 
kolith. Der geringere Gehalt an Augit gehört also wohl 
zu den secundären, durch Verwitterung, nicht aber zu 

b Geognostische Beschreibung des Fichtelgebirges S. 195. 

b Geognost. Beschreibung d. Fichtelgebirges S. 209. Man vergleiche z. B. 
diese Analyse (a) mit derjenigen des dunklen, hellgrünlichgelb durchsichtigen 
Fassaits, den Lincu aus der Augitglimmerminette von Weiler bei Weissenburg 
analysirt hat (ß); etwas mehr, doch nicht allzu sehr abweichend dagegen sind 
die Verhältnisse von CaO und MgO in 0. Sciiilling’s Analysen des braun durch- 
sichtigen Diabas-Angits von Hohegeiss (y) und von Mägdesprung (3) im Harz, 
in Merian’s Analyse des Malakolith aus dem Augilbiotitgranit von Laveline (s) 


des Spienionfs und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


265 


den primären, durch die ursprüngliche A nsk r y s t al 1 i- 
sirnng hervorgernfenen Eigentliümlichkeiten des Len- 
ke p h y r - D i a h a s. 

Lichtgrünlicligelhe bis weingelbe Angite sind ja auch in 
anderen Gesteinen sehr der Umbildung in Carbonat, cbloritiscbe 
oder serpentinöse Snbstanz ansgesetzt, so z. II. in den Kersantiten 
und Minetten und in verwandten Augitporpbyriten und Angit- 
glimmerporpbyriten ; es ist nicht nnmöglicb, dass die ursprüng- 
liche Molecidarconstitution dieser Angite zu einer derartigen Ver- 
witterung besonders stark hinneigt, jedenfalls ist in den nach- 
folgenden Bauschanalysen (Lenkophyre: «, Z», c von Unter- 
kotzau bei Hof, von der Wartleite hei Köditz und aus 
dem Steinachthal I)ei Stadt Steinach nach LouETZ; d von 
Lehmwege bei Wendefurt im Harz nach Gremse; e uud f 
von lvauru[)t und Steige in den Vogesen nach Unger) die 
weit fortgeschrittene Umlnldung der »Lenkophyre« deutlich aus- 
gesprochen : 


und in Osann’s Analyse desjenigen aus dem grünen dichten »Labradorporpbyr« 
aus der CulinCormation der Südvogesen bei Murbach (C). Alle diese Angite sind 
relativ kalkrcich und keineswegs ist der Augit aus dem sauersten Ge- 
stein, dom Granit, kalkrcicher als der Augit aus dem Diabas, die 
Angite der typischen Diabase des Harzes sind die kalkreichsten, 
Mukia.n’s und Hawes’ Diabas-Augite mit hohem Eisengehalt und relativ niedrigem 
KallJgclialt entstammen untypischen Quarz -führenden Diabasen, die in <lio 
Gruppe der Dioritporphyrite hinüberspielen, z. Th. deutliche Proterobase oder 


Hysicrobase sind; diese eisenreichen Fassaite 

oder Malakolithe gehören 

viel eher 

deu Gesteinen der dioritisch-porphyritisch- andesitischen Mischung an. 



a 

ß 

T 

0 

e 

C 

Si02 . . 

49,43 

48,23 

48,15 

48,04 

50,63 

49,53 

AI 2 O 3 . 

3,53 

5,28 

4,32 

8,43 

0,87 

5,53 

FeaOs . 

9,50 

4,83 

— 

2,20 

3,33 

4,15 

FeO . . 

— 

5,01 

7,23 

7,65 

8,39 

6,50 

CrsOs. . 

1,01 

— 

0,42 Mn 0 — 

0,79 Ti02 

— 

MgO . . 

1 5,(i0 

15,84 

14,29 

12,52 

13,01 

13,89 

CaO . . 

20,34 

19,85 

24,92 

21,70 

21,30 

19,59 

NaaO . . 

— 

0,G7 

— 

— 

1,02 ) 

1,33 

ICO . . 

— 

0,52 

— 

— 

0,50 ) 

H 2 O . . 

— 

0,45 

1,24 

0,63 

— 

— 

Summe: 

99,41 

100,G8 

100,58 

101,17 

99,84 

100,52 


Loketz. 

Lincic. 

Schilling. 

Schilling. 

Meuian. 

O.SANN. 


266 


K. A. Lossex, Vergleichende Studien über die Gesteine 



a 

b 

c 

d* ') 


e 

/ 

SiO .2 . . . 

41,48 

47,06 

47,12 

44,70 


48,28 

51,44 

Tio^rzroo 

4,81 

4,50 

3,92 

1,71 


— 

— 

AI 2 O 3 . . 

12,43 

12,25 

15,23 

14,12 


20,25 

21,19 

F Co O 5 

4,15 

3,62 

2,79 

0,97 


2,75 

3,07 

FeO . . . 

8,16 

9,23 

7,06 

8,85 


6,13 

5,52 

Mn 0 

0,17 

0,08 

Spur 

— 


0,03 

Spur 

Mg 0 

3,99 

5,31 

2,85 

6,07 


8,82 

4,47 

CaO . . . 

8,48 

6,53 

7,83 

10,20 


4,38 

4,00 

NaoO . . 

2,76 

2,32 

2,41 

2,34 


2,06 

1,88 

KoÖ . . . 

1,44 

0,81 

2,00 

0,14 


Spur 

0,78 

IF.0 . . . 

3,22 

3) 3,56 2) 

2,92 2 ) 

4,79 


4,76 

2,79 

P 2 O 5 . . . 

0,34 

0,35 

— 

0,15 


— 

— 

COo . . . 

5,40 

4,29 

5,65 

5,50 


3,73 

5,82 

S 03 . . . 

— 

— 

— 

0,24 


— 

— 

Org. Subst. 

— 

— 

— 

0,08 


— 

— 

Sinn me : 

99,83 

99,91 

99,78 

99,86 

101,19 

100,96 

Vol.-Gew. 

— 

— 

— 

2,84 


2,742 

2,748 


Loretz. 

LoRE'I'Z. 

Loretz. 

Grbmse. 

Üncek. 

Unger.. 


f 

Ä* i 

k* 

r 


n* 

0 * 

SiO .2 . . . 

57,12 

55,47 51,62 

56,69 

57,28 

57,35 

54,55 

55,49 

TiÜ 2 (Zr 02 ) 

1,17 

1,19 0,96 

1,34 

1,01 

0,81 

0,96 

1,78 

AI 2 O 3 

15,40 

13,86 20,44 

14,99 

15,98 

14,61 

15,44 

14,57 

F e -2 O 3 

2,80 

5,98 0,81 

3,39 

2,35 

2,18 

3,48 

8,68 

FeO . . . 

4,39 

2,64 5,56 

4,38 

5,06 

3,99 

0,80 

0,66 

AIuO. . . 

— 

— Spur 

■ — 

— 

— 

— 

— 

MgO . . 

5,13 

3,65 4,38 

3,39 

5,52 

3,96 

4,41 

3,61 

CaO . . . 

2,24 

2,75 1,39 

5,92 

2,84 

3,51 

7,85 

0,68 

NaoO 

2,84 

3,63 5,81 

3,30 

2,37 

2,93 

2,45 

1,86 

K 2 Ö . . . 

3,77 

4,35 4,22 

2,05 

3,42 

1,92 

4,09 

7,87 

II 2 O . . . 

4,35 

2,94 3,91 

3,43 

4,22 

4,08 

3,75 

3,96 

P 2 O 5 . . . 

0,2 1 7 

0,22 Spur 4) 

0,22 

0,18 

0,25 

0,45 

0,27 

COo . . . 

0,75 

3,25 0,08 

1,00 

0,41 

4,16 

2,16 

— 

S 03 . . . 

0,08 

0,14 0,86 

0,15 

Spur 

0,20 

0,10 

Spur 

Org. Subst. 

— 

— — 

— 

— 

0,02 

Spur 

— 

Summe : 

100,25 

100,07 100,04 

100,25 

100,64 

99,97 100,49 

99,43 

Vol.-Gew. 

2,625 

2,683 2,65 

2,67 

2,653 

2,666 2,67 

2,839 


Jacobs. 

Böttcher. Kosmanx. 

Böttcher. 

Hesse. 

Bärwald. Hesse. 

Fischer. 


*) Sämmtliclie mit einem Sternchen versehenen Analysen, also d, (/, /i , und die weiterhin 
folgenden k, l, vi, n, o, p, s, t, u, v, vi, w, x, y, z, 1 , 2, 3, 4, 5, 6 , 8 , 9, 10, II, 12, 13, 14, 15, 16 
sind neu ausgeführt im Laboratorium der Konigl. Geologisi-hen Landcsanstalt und Bergakademie. 
Da, wo in diesen Analysen SO 3 in ganz geringen Mengen angegeben ist, liegt ein wenig Schwefel- 
eisen oder Kupferkies etc. beigemengt vor. 

Eingerechnet den Glühverlust. 

Dazu Spuren von BaO und SrO. 

Ueberdies eine Bpur CI. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


267 


Vergleicht niao mit tlieseu »Leiikopliyr« -Analysen zunächst 
die Analysen If' mul i (Gestein vom Bosenberg nach Jacobs, 
vom Spiemout, aus dem Steiubruche an dem W.- Abhang 
gegen die Fahrstrasse, nach Böttcher und vom Spiemout, 
Bruch in der Sey nach Kosmann), welche sich auf jene 
Eruptivmassen des Rothliegenden beziehen, die Herr v. Dechen 
auf Rosenbusch’s Vorschlag als Leukophyr aus der Umgebung 
von St. Wendel bezeichnet hat, so ergiebt der Vergleich un- 
mittelbar die Zugehörigkeit der drei letztgenannten 
Gesteine zu einer ganz anderen Mi sch uiigsrei he, als zu 
der Diabas-Reihe, welcher die sechs ersten thatsächlich 
angehören: hier in der Diabas-Reihe 41,48 bis 51,44 pCt. SiO- 2 ; 
8,47 l)is 16,27 pCt. alkalische Erden nnd 2,06 bis 4,41 pCt. Alkalien, 
dort dagegen 51,62 bis 57,12 pCt. Si02; 5,77 bis 7,37 pCt. alkalische 
Erden und 6,61 bis 10,03 pCt. Alkalien. Diese letzteren Ana- 
lysen weisen vielmehr sehr deutlich auf die Zugehörig- 
keit der aualysirten Gesteine zu der porphyri tischen 
Reihe hin, der Name Leukophyr empfiehlt sich dafür demnach 
nicht, mag man seine Verwendbarkeit im Uebrigen lieurtheilen, 
wie man will. 

LTiiter den Porphyr iten im engsten Sinne des Wortes, 
d. h. Grundmassen -Gesteinen mit herrschendem Kalknatronfeld- 
spath und mit beibrechender Hornblende oder Biotit an deren Stelle, 
also r hy o tax i tischen D io rif- A e qn i v al e nte n , oder da etwas 
Quarz oder Ueberschuss an SiO -2 nebst Orthoklas häutig vorhanden 
ist, Tonalit- (= Quarzdiorit-) Aequ ival ente n schlechthin, 
wird man gleichwohl den fraglichen Gesteinen ihre 
Stelle nicht an weisen dürfen. Dagegen spricht ihr durch- 
weg m ehr feinkörniges b i s f e i n k ö r n i g - p o r p h y r i s c h e s 
Aussehen, sowie der Umstand, dass ein A ngit-Mineral, und 
zwar allem Anschein ‘Q nach ein monokliner kalkhaltiger 
Malakolith oder Fassait, als wesentlicher Gemengtheil neben 

*) Die gröbsten Krystallkörnchen , die aber schon zu den porphyrartigen 
Einsprenglingen zählen, messen 2 Millimeter; gewöhnlich geht das Korn nicht 
über 1 Millimeter hinaus. 

Vergl. weiter unten S. 278. 


268 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


dem vorlieiTScliendeii Feldspatli auftritt. Frischer Augit ist frei- 
lich am Boseuljerg und Spiemont bislang nicht beobachtet worden, 
ebensowenig am Hirscht bei Marpingen oder am Steinberg in der 
Fortsetzung des Spiemonts. Alle diese Vorkommen lassen, auch 
unter dem Alikroskop, nur mit Chlorit und Carbonat ange- 
füllte Pseudomorphoseu nach Augit erkennen, indem sehr 
häufig achteckige Basalschnitte durch das mit beiden Vertikal- 
Pinakoiden abgestumpfte Augit- Gruudprisma beobachtet werden 
oder auch domatisch beo-reuzte zimehöriire Länrrsschnitte, während 
andererseits unregelmässig begrenzte Pseudomorphosen gleicher Art, 
zwischeneingeklenunt zwischen das divergentstrahlige Feld- 
spath - Leistenwerk nicht fehlen. Dieses in der divergent- 
strahligen Anordnung des Feldspaths der typischen Diabas-Struktur 
angenäherte, in der gedrungeneren Leistenform der Feldspathe und 
in der selbständigen Formausbildung vieler Augit -Krystalle je- 
doch davon abweichende, zu diorit-porphyritischoi Strukturen hin- 
neigende Gefüge ebensowohl als die leichte Zersetzbarkeit des 
xVugits unter Carbonat-Ausscheidung, weisen auf die Kersantone 
oder, wie jetzt fast allgemein gesprochen wird, Kersautite als 
n ächst verwandte diorit-porphyritische Gesteine hin. 
In der That würde man, wenn nicht der Name Kersantit von 
vornherein an ein sichtliches Hervortreten von Biotit ge- 
bunden wäre, Kersantit = Quarz führender bis Quarz- Glimmer- 
augitdioritporphyrit , Lamprophyr e. p., so dass mit dem Fehlen 
dieser Eigenschaft der uneingeschränkte Begriff (insoweit es 
sich nicht um ein locales Zurücktreten handelt) auf hört, kaum 
eine zweckentsprechendere Bezeichnung für die Gesteine des 
Bosenbergs, Spiemonts u. s. w. wählen können als die »Augit- 
Kersantit«. 

Dafür würde ausser den bereits angegebenen Eigenschaften der 
Umstand sprechen, dass mikroskopisch in allen den hierher- 
gehörigen untersuchten Gesteinen aus der Gegend von St. Wendel 
Biotit thatsächlich nachgewiesen worden ist, theils in 

*) Automorphen (Rohrbach), idiomorphen (Rosenbusch). 

-) Dioritporphyrit etc. in der älteren weiteren, nicht in der engeren Fassung 
Rosenbusch’s. 


des Spicmonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


269 


ganz tadellos frisclieii Blättchen und leistformigen Schnitten durch 
dieselben, theils in grösstentheils chloritisirteu Partieen. Wie viel 
Chlorit seine Entstehung dem Augit verdankt und wie viel dem 
Biotit, ist streng genommen nicht sicher festzustellen; da aber 
der Biotit deutlich sichtbar nicht hervortritt und auch 
unter dem Mikroskop nicht auffällig bemerkt wird im 
Gegensatz zu den sicher auf Augit zurückzuführenden Pseudo- 
morphosen, so fällt das Gestein trotzdem nicht unter den ein- 
fachen Begriff Kersantit, wie er gebräuchlich ist. 

Eine andere Eigenschaft, welche ebenfalls die Verwandtschaft 
desselben mit dem Kersantit, allerdings aber auch mit derjenigen 
Abtheilung der Diabase liekundet , welche sich den Diorit- 
porphyriten nähert, immerhin also eine Eigenschaft, die Po r p h y r i t - 
Typen im weiteren Sinne des Wortes und uächstver- 
wandten Gesteinen eignet, typischen Diabasen dagegen 
abgeht, ist die Anwesenheit von primären C^uarz- und 
Orthoklas - Aggregaten ln G r u n dm ass en z wi ekel n. Die 

vortrefflich klaren Photographien , welche Michel - Levy und 
Douville 1876 von Dünnschliffen des Kersanton von Hopifal- 
Camfront veröffentlicht haben, stimmen in allen wesentlichen 
Punkten überein mit der Art des Vorkommens und der Ver- 
theilungsweise des Quarzes in den Gesteinen des Bosenbergs u. s. w.; 
Rosenbusch’s Angaben (2. Aufl. Massige Gesteine, S. 326) »in 
(miarolitischen) Interstltien dieser (der Plagioklase) entwickelte 
sich zuletzt ein ungestreifter Feldspath (Orthoklas) und Quarz, 
theils einzeln und nacheinander, theils in granophyrischer Durch- 
dringung « , die sich auf den Kersantit beziehen , können ebenso 
direct auf die in Rede stehenden Gesteine übertragen werden, 
jedoch mit dem Zusatze, dass, zumal in kalireicheren Gesteinen 
der Orthoklas bereits unter den mehr kurz gedrungenen, als 
gestreckten Feldspatheu des Leisteumaschenuetzes erscheint, welches 

b Bullet, de la soc. geol. de France, 3 scr. tom. V, pag. 51, pl. 1. 

b Das Wort miarolitisch habe ich geklammert, da ich die sauren Best- 
eck chen als solche nicht für nachträglich erfüllte Drusen ansche, obwohl eine 
secundäre Drusenbildung im Innern einer zum normalen Gesteinsgewebe gehörigen 
primären in der Bestecke auftreten kann. 


270 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


die dreieckigen und nicht selten drüsigen Restzwickelclien des zu- 
letzt erstarrten kieselsänre- und kalireichsten Mao-meu -Antheils 

O 

nmschliesst. 

Dabei kann es wenig verschlagen, dass man jene von Kosen- 
BUSCH als » granoj^hyrisch « (aber nicht im Sinne der Vogel- 
SANG’schen ursprünglichen Definition des Wortes) bezeichueteu, 
meines Erachtens zntreflender »pegmatophyrisch« zu be- 
nennende ^), gesetzmässige gegenseitige Dnrchdringuugsweise von 


0 Mit diesem meinem Vorschläge möchte ich nicht sowohl eine Prioritäts- 
frage, als -vielmehr eine sachlich praktische und namentlich für den Lernenden, 
wie mir scheint, der Vereinfachung bedürftige Frage zu lösen versuchen. Vogel- 
sang hat seiner Zeit 1873 mit dem Worte Granophyr einen sachlichen Inhalt be- 
legt, welcher der Wortbildung genau entspricht; seine Granophyre sind die 
Porphyre (Quarz- oder Pelsitporphyre), deren Grundmasse sich mikroskopisch 
io ein granitisches Quarz -Feldspath -Aggregat mit oder ohne Glimmer auf löst. 
Rosenbusch hat 1877 diese VoGELSASG’schen Granophyre Mikrogranite genannt, 
was man von seinem damaligen Standpunkte aus, welcher nur basishaltige 
Grundmassengesteine als echte Porphyre anerkennen wollte, gern würdigt: er 
nannte eben die Gesteine, welche er nicht als Porphyre, sondern als Granite 
werthete, folgerichtig nicht mehr Granophyr, sondern Mikrogranit; von dem 
Standpunkte aus dagegen, welchen wir stets festgehalten haben, müsste man 
mikrogranitiseher Quarzporphyr oder Mikrogranitporphyr sagen. Die Rückkehr 
zu Vogelsang’s Ausdrucksweise ist uns leider verschlossen, weil sich unterdessen 
der Gebrauch des Wortes Granophyr nach Rosenbusch’s Vorschlag (1876) für 
einen anderen Begriff eingebürgert hat: für diejenigen Quarzporphyre, deren 
Grundmasse eine submikroskopische bis mikroskopische Verwachsungsweise von 
Quarz und Feldspath nach Art des Schriftgranits (Pegmatit Hauv) aufweist, also 
die Mikropegmatit-Struktur Michel-Levy’s (1875). Diese Einbürgerung ist heut- 
zutage eine so weitgreifende, dass der Versuch, das Wort Granophyr seiner ur- 
sprünglichen zweckdienlicheren Bestimmung zurückzugeben, zu fortwährenden 
Missverständnissen führen müsste. Billigerweise sollte es darum ganz aus der 
wissenschaftlichen Terminologie zuiückgezogen werden; denn auch der nach 
Rosenbusch eingebürgerte Gebrauch muss bei dem Lernenden wenigstens Miss- 
verständniss hervorrufen, da Rosenbusch selber für die Granosphaerite Vogel- 
sang’s, ebenfalls Strukturelemente der Quarzporphyre, der Sylbe g7'ano die 
einfache sprachliche Bedeutung belässt, für seinen Granophyr dagegen derselben 
Sylbo die Bedeutung von -krijij.ci, d. h. das Tneinandergefügte oder Zusamnien- 
krystallisirte , die Hauy seiner Wortbildung so glücklich zu Grunde gelegt hatte, 
beizumessen scheint. Die ältere Generation der Petrographen weiss ja aller- 
dings, dass dieser Schein trügt, dass Rosenbusch vielmehr lediglich den durch 
seine eigene Wortbildung Mikrogranit ins Freie gefallenen VooELSANG’schen Namen 
Granophyr für die von ihm in Deutschland zuerst bildlich erläuterte Struktur 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


271 


Quarz und Feldspath mehr in rechtwinkligen , als in spitz- 
rhombischen oder dreieckigen Durchdringungsformen Q wahr- 
nimmt; es hängt dieser Umstand sichtlich damit zusammen, dass 
hier Orthoklas oder Feldspath schlechthin im vorwaltenden Quarz 
gesetzmässig abgeformt ist, in den uns geläufigeren Verwachsungs- 
formen dagegen umgekehrt Quarz in vorwalteudem Feldspath. 
Mau kann bei sehr sorgfältiger Untersuchung wahrnehmen, dass 
einer der dem Ilauptmaschenuetz der gröberen divergentstrahlig- 
krystallkörnigen Gesteinsmasse angehörigen Feldspathe in die 
mit pegmatophyrischem Krystallisationsrest erfüllte Zwiekelecke 
hineinragt und dabei das hiueiuragende verjüngte Ende aus der 
schlichten Ijeistenform in skelettartig gewachsene, bald parallel 
bald senkrecht zur Leistenaxe ausgedehnte, durchweg untereinander 
und mit der Leiste optisch gleich orieutirte Ilieroglyphen- 
oder ä la grecque-Formen übergeht, die scharf aus der sie um- 
gebenden Quarzmasse des Zwickels hervortreten. Oft ist die 
Mitte des Zwickels reiner Quarz oder es wird die ganze Aus- 
dehnung, wie sie von der Schliflebene getrotfen ist, von diesem 
Mineral allein erfüllt. Oder aber die kleinen Zwischeneckehen 
sind z. Th. mit Carbonat erfüllt, in dem sich dann scharf ge- 
schnittene wohlbegrenzte Drusenkrystalle abformen, unter welchen 
besonders wiukelrechte Quarzhexagone (Basalschnitte) auffallen, 
wie sie bereits aus den Kersantonen bekannt und z. B. in den 
obengenannten Photographien der Kersanton - Düunschlifie abge- 


aufgriff, um einmal die Wissenschaft nicht mit einem neuen Namen zu belasten, 
das andei’e Mal Zwischenglieder zwischen Granit und Porphyr mit einem Namen 
zu belegen, der an den Namen der beiden Endglieder gleichen Antheil hat. Der 
Name Pegmatophyr wird dieser Absicht und überhaupt der Bezeichnungsweise 
von Vogelsang, Michel-Llvy und Rosenuuscii ebenmässig gerecht und deckt 
sprachgerecht den Begriff nach seiner sachlichen Bedeutung. 

') Diese fehlen indessen keineswegs, sind vielmehr in gewissen Struktur- 
varietiiten des Spieraont- Gesteins sehr ausgezeichnet entwickelt und gehen 
darin anscheinend in reinere Feldspathbüschel über, die schliesslich in einen durch 
Krystallitenstaub getrübten schwach polarisirenden Feldspathgrund, eine Art 
Basis hinüberspielen, wie eine solche auch in den Gesteinen von Marpingen beob- 
achtet wurde. 

'*) = divergentstrahlig- automorph -körnig oder -idiomorph-körnig. 


272 


K. A. Lossen, Vergleichende Stadien iiber die Gesteine 


bildet worden sind i) imd die recht wohl secuudäre Bildungen 
wie das Carbonat sein mögen (Miarolit- Struktur Rosenbüsch’s)_ 
Auch Zirkel’s scharf geschuitteue Carbo natx’honiboeder mitten im 
Chlorit 2) fehlen nicht. 

Die nur in geringen Procenteu anwesende oder nachweisbare 
b ran n dnr chsi chtige Hornblende (frisch bis jetzt nur ein- 
mal in dem Giesteiu des Steinbergs beobachtet, nach dem Umriss 
einiger chloritischen Psendomorphoseu aber auch für den gegen- 
überliegenden Spiemont wahrscheinlich) vervollständigt die 
Verwandtschaft mit den Dior itporphyriten und Ker- 
santiten oder den untypischen, den Dioritporphyriteu substanziell 
und durch pegmatophyrische Zwickel auch strukturell angenäherteu 
IT yster ob äsen. Apatit und Eisenerze, octaedrischer M agnetit, 
Titan eis en erz, das sehr häufig prächtige Spheu - Pseudo- 
morphoseu mit hohen Interfereuzfarben geliefert hat, und ein in 
fuchsbrauuen, ganz dünnen Täfelchen anskrystallisirter, nngleich- 
mässig vertheilter Eiseuglimmer, nach Dr. Max Koch’s ver- 
gleichenden Beobachtungen au den Alichaelsteiner Kersautiten Ti- 
taneisenglimmer, dazu etwas Schwefeleisen, dessen Zerset- 
zung den von Kosmann seiner Zeit in dem sehr zersetzten von ihm 
analysirten Gestein (i) beobachteten Gyps geliefert haben wird, 
alle diese nutergeordnetereu Massen, unter welchen indessen die 
Gesammtheit der oxydischeu Eisenerze beachtenswerth hervortritt, 
sprechen zum wenigsten nicht gegen die Zugehörigkeit zur diorit- 
porphyritischen Gruppe im weiteren Sinne des Wortes. 

Eine fei’uere Bestätigung dieser Zugehörigkeit ergiebt der 
Vergleich mit denjenigen Ernp tivgesteiustypen, mit welchen 
die Gesteine des Bosenbergs und Spiemonts u. s. w., die als 
Intrnsivlagerstöcke den Oberen Ottweiler (allerjüngst 

h Dass ein Theil des Quarzes im Kersanton , aber auch nur ein Theil , se- 
cundärer Entstehung ist , hat in Uebereinstimmung mit deutschen Autoren 
Ch. Barrois in seiner verdienstreichen Abhandlung iiber dieses Gestein (Annales 
de la soc. geolog. du Nord, t. XIV, p. 31 ff.) noch kürzlich hervorgehoben. 

Zirkel hat solche in den Biotiten der Kersantone beobachtet. 

T Herr Dr. Koch hat sich in liebenswürdigster Weise mir zur Verfügung ge- 
stellt, wenn es galt, mikroskopische Diagnosen durch Controlbeobachtungen zu 
verschärfen oder zu vervollständigen. 


des Spiemonts und des Bosenborgs bei St. Wendel etc. 


27.3 


c a r b o n i s c h e 11 ) oder den Oberen C u s e 1 e r Schichten i m 
Unter- Ivothliegenden angeboren, in nächster Nähe von 
St. Wendel oder etwas entfernter iin Saar-Nahe -Wassergehiet 
veriresellschaftet erscheinen. Die nächste Veranlassniui: zu diesem 
Vergleich ergab die Nothwendigkeit eine Anzahl sogenannter 
»Melaphyre« zu untersuchen, die theils unter den gleichen Lage- 
rnngs Verhältnissen anftretcn, theils aber in lehrreicher Weise 
als Ansfülluug schmaler Quer-Gänge (dykes), welche einige 
Kilometer weit, wenn auch nicht stets über Tag in nnunter- 
lirocheuem Zusammenhang, quer durch die Schichten des obersten 
Carbons und des Unteren Rothliegenden hindurchsetzen. Nicht 
wenige dieser Gangspalten sind bereits auf der Wriss-La.speyues’ 
sehen Uebersichtskarte und v. Deciien’s Specialkarte verzeichnet, 
wie z. B. der Gang der Labach-Grube bei Werschweiler oder der 
Gang bei Wiuterbach, den der Weg von St. Wendel nacli Tholey 
kreuzt; die neueren Anfnahmen der geologischen Landesanstalt 
haben das Bild vervollständigt, namentlich aber ist dies durch die 
parallel gehenden Anfnahmen unserer bayerischen Herrn Collegen 
geschehen, da die meisten dieser Quergänge auf dem linken Ufer 
der Bl ies lind hier vorzüglich im bayerischen Anthcil des Westrich, 
der politisch zur Rheiupfalz zählt, aufsetzen. Herr Oberberg- 
director v. Gümbel bat die Güte gehabt, uns über das gruud- 
rissliche räundiche Verhalten dieser Ei’uptivgäuge nach den 
bayerischen Karten zu unterrichten, Herr Landesgeolog Grebe 
hat Proben davon eingesendet, von den meisten Gängen habe ich 
1883 und 1889 selbst, theils in seiner Gesellschaft, theils allein, 
Handstücke gesammelt. Die Analysen A*, l*, n\ o* in der oben 
mitgetheilteu Tabelle beziehen sich auf solche Gauggesteine, und 
zwar ist U die Analyse des Gesteins von der Labach-Grube 
bei Werschweiler (Böttcher), V" diejenige des Ganggesteius 
vom Steinhübel in der Gehrenheck (Publheck) zwischen 
II oof und Osterbrücken (Hesse), m* die des Gangkuppen- 
gesteins von Gronig, im Qnellgebiet der Blies zwischen 


') Die letztere Reise fand erst nach der ursprünglichen Abfassung dieser 
Abhandlung behufs weiterer Orientirung über einzelne Punkte statt. 

18 


Jalirbuch 18Sy. 


274 


K. A. Lossen, Vergleiclieiulo Studien über die Gesteine 


Wasser imd Dorf (Hesse) und o* die des Ganges bei Winter- 
bach zwischen St. Wendel und Tholey (Fischer); die Ana- 
lyse m* (Bärwald) betrifft dagegen ein Intrusivlager, das am 
Litzelkopf bei Bnhlenberg nächst Birkenfeld in den 
Cnseler Schichten anfsetzt, seinem Vorkommen nach also zunächst 
mit den Bosenberger Intrusivlagern in denselben Schichten nberein- 
stimmt, während seine Struktur durch Einsprenglinge von Plagio- 
klas, von Psendomorphosen nach Bronzit, von Quarz und, örtlich 
wenigstens, auch von Biotit in einer recht feinkörnigen Grnnd- 
masse von der der Dioritporphyrite änsserlich mehr abweicht und 
sich der porphyritischen mehr nähert. 

Betrachtet man die einschlägigen Zahlenwerthe : SiO -2 54,55 bis 
57,35, Summe der alkalischen Erden 4,29 — 12,26, Summe der 
Alkalien 4,85 — 9,73, so ergiebt der Vergleich mit den oben mit- 
getheilten Zahlenwerthen ans den Analysen a bis i alsobald die 
Zugehörigkeit zur porphyritischen (dioritporphyri- 
ti sehen) und nicht zur diabasischen Mischnngsstnfe, nur o* ge- 
hört sichtlich zu den kieselsänrearmen Kaliporphyren und 
verdient daher zunächst unsere besondere Aufmerksamkeit. Viel- 
leicht sind andere Proben des Winterbacher Ganges nicht so 
einseitig kalireich, auch war die analysirte Probe, weil schon 
oxydirt und des Carbonats beraubt, von Hans ans jedenfalls reicher 
an Kalk, doch hat der weggefidirte Kalkgehalt ganz vorzugsweise 
dem erst chloritisch und carbonatisch, alsdann oxydisch nmgebildeten 
Bisilicat angehört, denn die Feldspathe erweisen sich im Dünn- 
schliffe relativ frisch und zeigen auch im Handstück oft noch 
spiegelnde Spaltflächen. Vergleicht man unter diesem Gesichts- 
punkte die Dünnschliffe der Gesteine vom Winterbacher Gange, 
vom Spiemont und vom Bosenlicrg untereinander, so kann man 
sich bei vorherrschend gleicher Struktur trotz gewisser noch kurz 
zu besprechender Strukturuuterschiede leicht überzeugen, dass im 
Einklano; mit den Alkali- und insbesonders den Kali -Wertheu 
der Analysen o*, 7, A* und g* unverkennbare Plagioklas-Krystalle 
am spärlichsten im analysirten Winterbacher Ganggestein, am vor- 
herrschendsten dagegen im Bosenberg - Gestein auftreten ; das 
Spiemont- Gestein hält die Mitte ein, es enthält mehr Orthoklas 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


275 


als das letztere, mehr Plagioklas als das orstere, das zufolge 
seines entschieden vorherrschenden Orthoklasgehalts Augit- 
Syenitporphyr mit Kersantit-ähnlicher Struktur heissen 
kann. 

Unabhängig von der chemischen und physikalischen Molecular- 
constitntion des Feldspaths ist derselbe in allen drei Gesteins- 
typen durch eine Erscheinung ausgezeichnet, die an dem Gestein 
des Winterbacher Gangs besonders deutlich hervortritt und darum 
hier zuerst erwähnt wird: das ist die theilweise oder euänz- 

O 

liehe Erfüllung des Eeldspathkerns durch eine grüne 
chloritähnliche Substanz. Man findet diese Erscheinung an 
den grösseren Plagioklas -Krystallen, die sich ein klein wenig 
porphyrartig aus der feinkörnigen Gesteinsmasse hervorheben, an 
den Eeldspathen des eigentlichen Gesteiusgeripps , endlich auch 
an den ganz kleinen mikroskopischen Plagioklasen odei- den Ortho- 
klasen, welche mit Quarz in verschränkter oder verzahnter Struktur 
in den Grundmassen -Zwickeln (saueren Resteckchen) auftreten; 
oft ist der grüne Kern scharf abgegrenzt von dem wasserhell 
durchsichtigen Eeldspathrahmen , dessen Form er wiederholt, wie 
das Fenster im Rahmen; in vielen, ja wohl in den meisten Fällen 
dao’enen liegen nur grüne Partien kern- oder zonenartig zusammen- 
gedrängt im Feldspath; ob dazu auch jene mascheuartige Ver- 
l)reitung chloritischer Substanzen im Plagioklas gehört, welche 
II. Rosenbuscii als » pseudophitische « Umbildung aus diesen 
» Leukophyren « angiebt, wage ich nicht zu entscheiden; echter 
Psendophit scheint mir nach dem Pleochroismus und der relativen 
Höhe der Interferenzfarben nicht vorzuliegen, sondern ein eisen- 
haltiges, wahrscheinlich sogar etwas eisenoxydhaltiges Chlorit- 
mineral, dessen Sphärolithe (Krystallsphären) ein Interferenzkreuz 
von optisch -positivem Charakter erkennen lassen. Auf die Natur 
des Viridits, um ganz allgemein zu sprechen, kommt es zunächst 
anch weniger an, als auf die Art und Weise, in der er die Feld- 
spathsubstanz durchdringt, w o n a c h hier nicht b e 1 i e 1 j i g e F e 1 d - 
spaththeilchen durch die grüne Substanz im Wege der 
Ps e udom orph OS enbil dun g ersetzt schein en, als vielmehr 
solche Stellen, innerhal b welche r der Feldspath zufolge 

IS* 


27G 


K. A. Lossex, Vergleichende Studien über die Gesteine 


eines ni’spi’ünglicheu raschen A nskvy stallisirens fremde 
Theilchen, verkrü pp eite A ngite, Basisautheile oder Erz- 
stanb, in sich beherbergte. Wie die Peginatophyr-Strnktur 
gehört anch diese an änsserlich wohlbegrenzte, innerlich aber mehr 
oder weniger skelettartig gehöhlte Feldspathe gebundene Strr.ktnr 
zur Charakteristik einer Erstarrnngsweise, welche von 
derjenigen typischer Engranite abweicht, echten Rhyo- 
taxiten dagegen unter Umständen eignet ('»Casettenfeld- 
spathe «). 

Flnid a 1 st r n ktnr oder Ivhyotaxis ist denn auch in diesen 
zum Vergleich herangezogenen (xanggesteinen und porphyritischen 
Intrnsivlagermassen theilweise ganz deutlich entwickelt: Im ana- 
lysirten Vorkommen bei Winterbach mit relativ grossen ^2 
1 Ceutimeter messenden Feldspäthen von sehr schmalem Leist- 
schnitt und ^/2 Ceutimeter grossen Titaneisenerztafelu, die aiif den 
ersten Anblick -ein doleritisches Melaphyr - Gestein vermnthen 
lassen, ist die stromartige Anordnung dieser Gemengtheile mit 
blossem Auo'e vortrefflich zu sehen: wären die bald selbstäudia; 
begrenzten, bald xenomorphen Angite frisch, anstatt dessen sie 
chloritisirt oder schon vererzt erscheinen, man würde eiuigermaassen 
an denjenigen rhyo-diabasischeiC) und dabei porphyrartigeu Typus 
des Löwenbnrg- »Dolerits« erinnert, der eines der schönsten Bei- 
spiele der Flussstrnktur vollkrystallinischer Struktnrelemente'^) dar- 


b Der Ausdruck ist leicbt verständlich und soll den annähernden Parallelis- 
mus der Plagioklas -Leisten in solchen Diabasen treffen, -welche zwar auch vor- 
herrschend vollkrystallinisch strahlig-kornig sind, aber nicht mehr vorherrschend 
clivergentstrahlig- körnig oder typisch ophitisch mit frei in den xenomorphen 
Angitkörnern endend eingezapften automorphen divergentstrahligen Plagioklas- 
Leisten. An und für sich ist der augitische Bindekitt der ophitischen Struktur 
einer schwach entwickelten Flussstruktur der Plagioklas-Leisten nicht hinderlich. 
Vorgl. auch die einschlägigen Erfahrungen Judd’s und Teall’s (British Petro- 
graphie Taf. X, Fig. II und Artikel »Dolerit«). 

b In der Sammlung der Königl. Bergakademie liegt ein durch H. Laspe-thes eti- 
kettirtos Dolerit- Handstück vom Kühlsbrunnen nahe der Löwenbui'g, das auf Grund 
dieses mit blossem Auge wohlerkennbaren Planparallelismus als »schiefrig« bezeich- 
net ist. Auch in RosE.Niäuscn’s Abbildung der »hypidiomorph-körnigen Struktur am 
Basalt der Löwenburg im Siebongebirgc«, Massige Gesteine (2. Aufl.) Taf. VI, Fig. I, 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


277 


stellt. Andere Ilandstücke des Winterbucher Ganges, wie ein 
solches ans den Fnchslöcliern, W. vorn Kirchhof, sind feinkörniger 
nnd dabei porphyrartig durch einzelne grössere Feldspathe und 
scheinen thatsächlich au Stelle der im analysirten Gestein ans 
Orthoklas, Quarz (Mikropeginatit), Plagioklas, Chlorit, Titau- 
eisengl immer, Apatit zusammengesetzten Zwickel eine braun- 
bestäubte grauliche Basis zu enthalten, die vorzugsweise feld- 
sjräthiger Natur sein mag, da andererseits auch hier die für Ker- 
santite so charakteristischen Qnarzzwickelchen, z. Th. mit Biotit- 
Einwachsnugen, nicht fehlen. Für diese Deutung spricht die 
mehrfache Beobachtung radialstrahliger Anordnung in der Basis 
mit Interfereuzkrenzchen von optisch negativem Charakter; Erz- 
stanb oder opake Wachsthnmsformen trüben solchen Feldspath- 
grnnd nur wenig ^). Noch andere Ilandstücke des Ganges, wie 
solche vom Ileiligenberg, 2 — 3 Kilometer nordwestlich des Dorfes 
Winterbach, führen rnndblasige Maudelräume, was den rhyotaxi- 
tischen Eindruck dieses chemisch und mineralisch dem Angit- 
syeuit und Angittrachyt vergleichbaren Ganggesteius erhöht. 

Auch sol che Cran ggesteln e, welche chemisch wesent- 
lich mit dem Boseuberg-Gestein ül)ere instimmen, wie 
das von dem Steinhübel bei Osterbrnckeu (/D nnd das zwar 


fehlt die Andeutung der Flussstruktur nicht. Besonders lehrreich sind noch die- 
jenigen Stellen des rhyo-diabasischen Strukturgewebes, die ein tangentiales Um- 
schiniegen der leistförmigen Plagioklase uni die porphyrartig eingewachsenen 
grösseren Olivin- oder Augit - Einsprenglinge erkennen lassen. Biese Gesteine 
sind also doch nicht vorherrschend rein »hypidioniorphkörnig« im Sinne der 
Eugranite. Die Gabbro-Gesteine der Hebriden dagegen, welche Kosenbusch mit 
den Basalt- Gesteinen vom Löwenburg- Typus glaubt vereinigen zu dürfen, sind 
nach dem mir vorliegenden durch v. Dkchen und Oeynhausen gesammelten 
Material, echte Eugranite. Gelegentliche Uebergänge dieser Eugranite in die Rhyo- 
taxite zufolge der Ausbildung langgest; ecktcr Strukturelemente (leistförmiger 
Feldspathe etc.) und der mehr oder weniger parallelen Anordnung derselben 
fehlen selbstverständlich nicht, denn der Uebergang gehört zum Wesen der Ge- 
steine, charakterisiren aber nicht die vorherrschend eugranitischen Gabbro- 
Massen. 

') Vergl. dazu die Beobachtungen an den Gesteinen vom Spiemont und von 
Marpingen. S. 271, Anm. b- 


278 


K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine 


etwas kalk- und natroureicliere, kali- imd maguesiaärinere des 
laugen Ganges, der sich von W erschweiler (Labacligrube , k*) 
bis in die Gegend SO. von Leitersweiler erstreckt, zeigen 
in ein und demselben Präpai-at bald ein mehr divergentstrahliges, 
bald ein sicbtlicli mehr flnidal (rhyotaxitiscb) augeordnetes Ver- 
halten der Hauptstrukturelemente (Rbyo-Kersantit-Struktnr). Siebt 
man davon ab, so liegt der Unterschied gegenüber dem Bosenberg- 
Typus nach den mir vorliegenden Ilaudstückeu in einem etwas 
feineren Korn und, doch nur z. Tb., in dem häufigen sichtlich 
porpbyriscben Ilervortreten voutbeils isolirten, tbeils gruppen- 
weise zusammengebäuften Plagioklas-Einsprenglingen und 
Augit-Pseudomorphoseu, d. b. der glimmerarme Angit- 
Kersautit ist porplij^r artig entwickelt; örtlich treten wohl 
auch, wie in dem Intrusivlager südlich des Osterbaches 
unterhalb Osterbrückeu, kleine Biotit-Blättchen por- 
phy risch hervor, aber doch zu spärlich, um darauf einen reinen 
Kersautit- Typus begründen zu können, während im Dünnschliff 
mikroskopische Biotitblättcheu oder Chlorit -Pseudomorphoseu da- 
nach niemals fehlen. Solche Pseudomorphoseu, welche zufolge 
ihrer Umrisse sicher auf ein augitisches Mineral zurückgeführt 
werden können, walten aber stets vor; nach den Umrissen zu 
schliessen könnte rhombischer Augit (Bronzit) ebensowohl als 
Malakolith oder Fassait vorhanden sein; im unzersetzten 
Zustande zuverlässig nachgewiesen ist jedoch nur der 
letztere in dem Gestein d er L abach- Grube (U), das unter 
den auch hier vorherrschenden Pseudomorphosen noch frische 
automorphe und noch häufiger xenomorphe Krystallkörner von 
licht gelblicher bis licht gelblichbräunlicher Durchsichtigkeit, gleich 
denjenigen des Kersautit- Augits besitzt. Auch in den z. Th. durch 
Quarz oder Quarzfeldspathaggregat eingeuommeueu Zwickeleckchen 
dieses letzteren Gesteins fehlen andererseits daneben oder an dessen 
Stelle kleinste Augitpseudomorphoseu und Erzwachsthumsformeu 
nicht, so dass mau schon einigermaassen au die Basis Q saurer 


b Z wisch eDklemmungsmasse, Mesostasis. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 279 

Meso-Dolerite (saurer Glieder der Tlioleyite Steininger’s) erinnert 
wird. 

Diese Anklänge sind um so interessanter, als ein benaeli- 
barter Quergang weiter gegen NO., der im Karstreche NW. 
von Unter- Selchenbach, und ein zweiter, der au der Strasse, 
ungefähr in der Mitte zwischen diesem letzteren Dorfe und Oster- 
brücken im Distrikt »Au der Haide« hiudnrchstreicht, der 
Melaphyr-For m ation in der Hingangs dargelegten Fassung des 
Jlegritfs und zwar in den untersuchten Proben als olivinfreier 
Typus thatsächlich augehört. Das Gestein dieser Gänge ist por- 
phyrisch von Ansehen durch sehr stark glasglänzende, scharf und 
geradlinig nach dem Albit-Gesetz, auch wohl einmal zugleich nach 
dem Periklin-Gesetz lamellirte bezw. gegitterte kalkrciche Plagio- 
klase, die manchmal gruppenförmig vereint auftreteu und hier 
und da Basis (mikrokrystallitische Mesostasis) in oder zwischen 
sich einschliessen, sowie durch Pseudomorphoseu nach einem Augit- 
Mineral, die aus eckigen Carbonatköruern oder aber aus solchen 
und aus Chlorit bestehen. Die dichte elseugraue, stark rost- 
braun verwitternde Grundmasse besteht unter dem Mikroskop 
aus relativ locker gelagerten, divergent strahlig geordneten Plagio- 
klasleistchen, dazwischen gestreuten zahlreichen Maguetitkryställ- 
chen und mikroskopischeu Pseudomorphoseu nach Augit, ent- 
sprechend den makroskopisch sichtbaren, und einer glo bulitisch 
schwarz geköruelten lichten Glasbasis, die auch Erz- 
wachsthumsforiuen allerfeiuster Art enthält und örtlich in einen 
mikrokrystallltisch getrübten Feldspathgrnud übergeht. Biotit in 
sehr feinen Blättchen fehlt daun nicht (Karstrech). Sehr spär- 
liche, sehr kleine Quarzköruchen , welche in einem Präparate in 
der Grundmasse beobachtet wurden, sind, ganz abgesehen von 
ihrer primären oder sekundären (?) Natur procentisch ganz be- 
langlos für das basische Gestein, dessen Analyse, ausgeführt durch 
Dr. Fischer au einer Probe des Ganges au der Strasse 
zwischen Unter-Selchenbach und Osterbrücken unter 
p* folgt. 


280 


K. A. Lossex, Vergleicliende Studien über die Gesteine 



P"" 

C 

810*2 . . . . 

48,27 

47,12 

TiO -2 .... 

0,99 

3,92 

AI 2 O 3 . . . . 

17,13 

15,23 

Fe 2 Ü ;2 .... 

1,85 

2,79 

FeO .... 

4,89 

7,06 

Mg O .... 

3,06 

2,85 

CaO .... 

9,77 

7,83 

Na .2 0 . . . . 

3,06 

2,41 

K 2 O .... 

2,42 

2,00 

H 2 O .... 

1,59 

2,92 

F 2 O 5 .... 

0,19 

— 

CO 2 .... 

6,90 t) 

5,65 

SOa .... 

0,09 

— 

Organ. Snbst. . 

— - 

— 

Summe : 

100,21 

99,78 

Vol.-Gew. . . 

2,7326 

— 


Fisch EU 

Loretz 

•echend i): 



FeCOs . . . 

2,60 


MgCOs . . . 

4,30 


CaCOa . . . 

8,35 



FiscHEn. 


Die zum Vergleich beigefügte Analyse (c) des ähnlich car- 
houatreich und chloritreich umgebildeten »Leukophyr«- Diabases 
V. Gümbel’s aus dem Steinachthaie bei Stadt Steinach lässt, wenn 
man den in dem letzteren Gestein sehr hohen Gehalt an Titan- 
eisenerz berücksichtigt, sehr deutlich erkennen, dass in der Tliat 
in dem Gestein p ein echtes porphyrisches Diabas- Aecpüvalent, 
ein oliviufreier Melaphyr (Vleso-Basalt) und kein porphyritisches 
Aequivalent eines dioritischen oder andesitischen Gesteins (Augit- 
diorits, Augitandesits) vorliegt. Will inan also von Meso-Leuko- 


') Nach einem mit stark verdünnter Salpetersäure rasch gemachten Auszug 
des Carbonats, woraus das Verhältniss der an die Kohlensäure gebundenen Hasen 
besonders' ermittelt wurde. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei S(. Wendel etc. 


281 


phyren reden, so Hegt dieser Vergleich hier nahe — oI)endrein 
ist das Gestein wirklich von porpliyrischer Stridctur — , für den 
Bosenberg etc. trifi’t er nicht zu. 

Dagegen stehen dem Bosenberg-Gestein sid^stanziell und der 
Lagerung nach und in vieler Hinsicht auch strukturell wieder 
uanz nahe die als lutrusivlacrer in den Oberen Cuseler 
Schichten nahe a m S ü d r a u d e d e s Bh e i n i s c h e n S c h i e f er- 
geh ir ge s in der Gegend von Birken fei d am Litzel köpfe, 
Geisberge, Mooshübel und in deren Nachbarschaft bei Buhleu- 
berg, Ellenberg, Gollenberg anstehenden Gesteine, welche 
jedoch eine noch ausgesprochener porphyritische Tracht 
zeigen, als die vorher besprochenen Qnergänge von nahezu gleicher 
Zusammensetzung östlich der Blies zwischen St. Wendel und Cusel. 
Immerhin ist die Ausbildung der Gruudmasse noch nicht so 
feinkörnig, als bei gewissen porphyritischeu Kandgesteinen längs 
des Intrusivcoutacts des Bosenberg- Gesteins gegen die Oberen 
Cuseler Schichten. Die ( pseudomorphosirten ) a ug i ti sehen Ein- 
sprenglinge dieser Gesteine sind in sehr schmalen und im Ver- 
hältniss dazu langen Säulcheu ausgebildet bis zu 3 Millimeter Länge, 
deren Querschnitt ein Rechteck mit gerade abgestutzten Ecken 
darstellt; sowohl diese Formausbildung, als die Gruppirnugsweise 
zusammengehänfter Pseudomorphoseu und schliesslich die häufige 
Erfüllung derselben mit Serpentin statt mit Chlorit, erinnern 
ausserordentlich an Pseudomorphoseu nach Brouzit aus Bron- 
zit-Porphyriten, doch konnten Bronzit- Reste oder Schillerspath- 
Pseudomorphosen bislang nicht aufgefnuden werden. Solcher 
Serpentin (optisch negativ mit der Axenebene in der Faseraxe) hat 
relativ hohe, leuchtende Interferenzfarben, die bei günstiger Schnitt- 
lage aus Gelb in Roth überspielen, und pflegt freier von Carbonat- 
Einwachsnngen zu sein, während mit der Erfüllung der Psendo- 
morphosen durch die matt polarisireudeu Chlorit-Aggregate 
sich gern Carbonat einstellt. Möglicherweise entsprechen die 
beiden Umbildnngswelsen zwei verschiedenen Muttermiueralien, 
Bronzit und Malakolith, die ja in ganz ähnlichen Krystallformen 
des rhombischen und monoklinen Systems gemeinsam auftreten. 

Wie dem auch sei, die langgestreckte Form dieser 


282 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


Pseudomorphosen , die auch den zahlreichen mikroskopischen 
Grimdmassenkryställchen derselben Substanz eignet, bringt mit- 
sammt den spärlicheren, aber garnicht so seltenen makroskopischen 
oder mikroskopischen, frischen oder chloritisirten Biotitblättchen 
tind leistenförmigen Feldspathen, welche letztere vor 
gedrungeneren Formen auffallend zurücktreten, die 
llhyotaxis im Dünnschliff häufig zur Anschauung und dieser 
entspricht dann wohl auch die ungefähre Lage der mit blossem 
Auge sichtbaren ein- oder zweiseitig ausgedehnten Einsprenglinge 
in linear- oder planparalleler Anordnung. Quarz-Feldspath- 
Alasseu, bald jenen hieroglypheuartigen Wachsthumsformen aus 
dem Bosenberg-Gestein, bald typischem Mikropegmatit gleichend, 
füllen die Zwischenräume zwischen den gestreckten Struktur- 
elementen, setzen aber auch selbständigere, relativ grobkörnige 
nach der Flussrichtuug ausgedehnte Gruudmasseupartieen für sich 
allein zusammen oder erscheinen mit Carbonat- Pseudomorphosen 
alsUmrinduugen haselnussgrosser und grösserer Fettquarz-Massen ^). 
Dabei ist auch in diesen Gesteinen, wie in denen des Bosenbergs 
oder Spiemonts etc. oder in verwandten Ganggesteinen des Mittel- 
harzes der Uebergang aus der einen in die andere pegmatophyrische 
Stridtturform und ihr Zusammenhang mit reinen Quarzkörnern oder 
Orthoklaskrystallen nachweisbar. Dass auch Plagioklas au sol- 
chen pegmatophyrischen Aggregaten theilnimmt, ist nach seinem 
Vorkommen in deutlichen Krystallen in diesen Quarz -Feldspath- 
inassen zu schliessen nicht unwahrscheinlich, aber zunächst nicht 
erwiesen. Er tritt im Uebrigeu ganz deutlich in Einspreng- 
lingen, welche 3 bis 4 Millimeter Grösse erreichen können, aus der 
Grundmasse hervor, häufig sind dieselben schon umgebildet, in 

b Die höchst lehrreichen Erscheinungen , welche sich an diese fraglich als 
Einschlüsse zu deutenden Massen und ihr Verhältniss zum Eruptivgestein knüpfen, 
müssen Gegenstand einer Detailsludio bleiben. Nur sei kurz erwähnt, dass in 
den Hüllen um diese Quarzmassen gleichartig mit denselben orientirte Quarz- 
dihexaeder mit libellenführenden Glaseinschlüssen in der Form des Wirths auf- 
trelen, zwischen welche sich von Aussen her Glas, Mikrofelsit oder an deren 
Stelle ganz unzweifelhafter Mikropegmatit eindrängt: eine Erscheinung, welche 
für die geologische Rolle des Mikropegmatits recht beachtenswerth genannt 
werden muss. 


des Spienionis und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


283 


aiidereu Fällen weist ihr optisehes Verhalten auf Oligoklas hin. 
Aber auch Quarz tritt in kleinen einheitlichen, inuner abgerun- 
deten, nie scharf dihexaedrisch begrenzten, einsjn'cnglingsartigen 
Körnchen spärlich, aber doch mit einer gewissen Kegehnässigkeit 
auf. Sie zeigen jene Umrandungen von Augit, hier in car- 
bonatischen oder serpentinösen oder chloritischen Pseudomorphoseu, 
die als Zeichen der Einwirkung des Alagmas auf einen (J,uarz- 
Einschluss oder aber auf ein frühzeitig ausgeschiedenes porphyrisches 
Korn aufgefasst zu werden ptlegeu, und führen G 1 as e i ns chlü s se 
oder entglaste Partikel neben Flüssigkeitseinschlüssen. 
Auch der Biotit betheili!J:t sich cfelea-entlich an diesen aimitreichen 
Hüllen, so zwar, dass er gleich den Pseudomorphosen des letzteren 
Alinerals in das augezehrte Quarzkorn hineinragt. Um die ein- 
seitig augitreiche Hülle, welche in tangentialer Sclmittlage als 
Augit-Häufchen erscheint, zeigt sich dabei häufig nach Aussen 
eine einseitig A'orwiegend aus Quarz und Feldspath aidgebaute, 
mit pegmatophyrischen Aggregaten untermischte Zone. Diese 
Gesteine mögen Bronzit - Porphyrit mit K er santit- ähn- 
licher Struktur heissen. 

Besonderes Interesse behufs vergleichender Betrachtungen 
verdienen dann noch die Gang-Kuppen bei Gronig, welche 
einem Olivinführenden Kersautit - Porphyrit angehören. 
ItOSENBUSCii hat in der ersten Ausgabe seiner Alassengesteine auf 
S. 288 u. 289 einen Porphyrit von Gronig aiitgeführt, der nach 
der speciellen Ortsangabe »an einer Kuppe auf der linken Seite 
der Blies, S. von Gronig«, nur hierher gehören kann. Er führt 
nur ganz kurz braundurchsichtige Horn 1)1 ende und Magnesia- 
gl immer in braunen Tafeln aus dem Gestein an. Erstere habe 
ich nicht wieder auftinden können, was indessen nichts gegen 
lioSENBUSCii’s Beobachtung beweist, die Bisilicate sind in diesen 
Gesteinen aller Erfahrung nach wenig regelmässig vertheilt und 
oft bis auf die letzte Spur umgebildet; im Kersautit von Laugen- 
schwalbach und Markirch war seiner Zeit auch keine Hornblende 
bemerkt worden und dennoch fand ich dieselbe darin. Im Gro- 
niger Gestein habe ich umgekehrt frischen Malakolith aufge- 
fuudeu in zahlreichen Kryställchen in einem Düuuschlitle von der- 


284 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


selben Kuppe (Analyse «*), welebe Rosenbusch citirt; bastitisclie 
oder richtiger, da Schillerspathglauz fehlt, serpentinöse und Car- 
bonat- Pseudoinorphoseu fehlen daneben nicht und oft liegen die 
Aiigitkryställcheu gruppenweise zusammen. Dem blossen Auge 
deutlich sichtbar treten diese Kryställchen kaum hervor, während 
der braune (z. Th. grün chloritisirte) Glimmer überall 
sichtbar hervortritt oder doch nur ganz local mehr in die 
Gruudmasse zurücktritt, in welcher er nirgends fehlt und um die 
grösseren porphyrischen Einsprenglinge von umgebildetem Olivin 
tangential geordnet besonders augehäuft getroffen wird. Frischer 
Olivin ist nirgends mehr erkennbar, es ist die Krystallform, 
welche die Pseudoinorphoseu als diesem Mineral augehörig er- 
kennen lässt; meistens sind die Olivine in Carbonat umgewandelt, 
in dem Steinbruche, nordöstlich vom Dorfe Gronig, dagegen in 
ein strahlig wirrfaseriges Aggregat, das grünlich, wie Serpentin 
aussieht oder wie Chlorophaeit, ähnlich diesen Substanzen in leuch- 
tenden Interferenzfarben polarisirt und an luterferenzkreuzcheu 
sphärolithisch geordneter Blättchen optisch positiven Charakter zu 
erkennen giebt, was recht gut mit dem Chlorophaeit vom 
Hockenberge bei Neurode stimmt. Kleine octaedrische Kryställ- 
cheu eines Minerals der Magnetit -Spinell -Gruppe liegen sowohl 
in diesen als in den Carbonat -Pseudoinorphoseu nach Olivin. 
Im Uebrigeu enthält das Gestein sowohl Titaneisenerz, als 
Magnetit. Auch der Apatit fehlt nicht. Feldspath ist so- 
wohl in Leisten von divergeutstrahliger bis rhyotaxitischer An- 
ordnung vorhanden, als auch in breiteren Krystalloiden, 
welche vor den Leistschnitten vorherrschen können und auf be- 
schränkterem Kaum in eine F üllniasse von Feldspath oder in eine 
Quarz-Feldspath-Zwischenmasse übergehen. Die Leisten 
lassen sich als ein kalkreicherer Plagioklas au der Aus- 
löschuugsschiefe ihrer Zwillingslamelleu erkennen, breitere ver- 
zwillingte Plagioklase treten spärlich wohl auch einmal aus der 
Grundmasse etwas mehr sichtlich porphyrisch hervor. Der der 
Hauptsache nach wohl als Orthoklas anzusprechende uulamellirte 
Feldspath der breiteren Krystalloide oder der Füllmasse zwischen 
den anderen hineiurageuden Gemeugtheilen tritt für sich allein 


des Spienionts und dos Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


285 


oder mit wasserklarem Quarz gepaart auf iu gauz älmlicdier 
Weise, wie bei dem Gestein des Boseubergs; nur scheint hier 
der Quarz mehr zurückzutreteu , grössere einheitliche Quarz- 
körnchen fallen nicht auf und die iu einander verschräukteu 
Verwachsungen von Quarz und Feldspath in regelmässiger Aus- 
bilduugsweise kommen seltener vor (Mosaik). — In dem Ge- 
stein aus dem Bruche im NO. von Gronig scheint neben den 
deutlich auskrystallisirteu Gruiidmassenelementen iu geringen 
Mengen Basis anwesend zu sein; dasselbe Gestein zeigt ver- 
einzelte grössere Mandeln, welche mit Carl)onat erfüllt sind und 
Nussgrösse übersteigen. — Noch andere K ersantit - Por- 
phyrite, welche durch ihren Gehalt au Qu arz- E 1 n s pro u g- 
liugen mit G 1 asei n s chlü s s e ii und mit Au git-U m h ü 1 1 u n - 
gen ihre Verwandtschaft mit den Gesteinen vom Litzelkopf und 
Geisherg hei Birkenfeld bekunden, andererseits aber auch mit ge- 
wissen zur Porphyritstruktur neigenden Olivin-Melaphyreu (Olivin- 
AV'^eiselhergiten nach Rosknbusch’s Namengebung), kommen weiter 
gegen NO. zwischen Vollmershach und Regulshausen und 
hei dem erste ren Dorfe seihst auf Blatt Oberste in vor. 
In diesen letzteren Vorkommen ist Olivin oder vielmehr sind 
Pseudomorphosen nach demselben nur ganz spärlich odei’ gar nicht 
vorhanden; der Augit, soweit frisch erhalten, ist abermals Malako- 
lith oder PAssait, der Biotit tritt als porphyrischer Einsprengling 
sichtlich hervor. 

Aus dem, was wir nach den vorstehenden Mittheilungen 
wissen (die sich allerdings nicht auf ein so umfaugreiches Ma- 
terial, als au und für sich erwünscht wäre, immerhin al)er wohl 
auf ein umfangreicheres, als das von anderer Seite bislang benutzte, 
stützen), geht hinreichend die nahe Verwandtschaft aller der aus 
der Gegend von St.- Wendel, Ottweiler und Birkenfeld darin be- 
sprochenen Gesteinstypen hervor, abgesehen von den beiden 
Quergängen, die zwischen Osterbrückeu und Selchenbach durch- 
streichen und als (olivinfreier ^) Meso-Basalt ihre nächsten Ver- 
wandten unter den Melaphyren der Dachgesteiuszoue des Greuz- 

*) Olivinfrei, soweit die untersuchten Proben reichen, anderweitig fehlt der 
Olivin- oder auch der Bronzit- Gehalt neben dem Augit nicht. 


286 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


lagei’s und unter den meist intrusiven Palatiniten und Tholeyiteu 
besitzen. Alle anderen Gesteine mit einer Ausnahme ‘^) gehören 
für unsere Auflassung in diejenige Reihe mehr oder weniger 
deutlich feiustrahligkörniger bis feinstrahligkörnig-porphyrischer 
Porphyrite, die man als vermittelnde Glieder zwischen den 
Dioriten, als ausgesprochenen Eugraniten, und den Porphyriteu 
im engeren strukturellen Sinne des Wortes, als ausgesprochenen 
Rhyotaxiteu , D iorit - Po rph yri te , bezw. Quarzdioritpor- 


b Hier mag ein Versehen in Rosenbusch’s 2. Auflage der Massigen Gesteine 
bericliligt werden. Von den Olivin-Tholeyiten heisst es S. 515 daselbst: »Dieser 
Typus hat im Saar-Nahe-Gebiet eine sehr grosse, nach Lossen’s Untersuchung 
wesentlich der Dachzone des Grenzlagers angehörige Verbreitung«. Alsdann 
werden einige Fundorte aufgeführt als Beispiele, 12 im Ganzen, von welchen 
indessen nur einer, Erzweiler, dem eigentlichen Grenzlager in seiner uns ge- 
läufigen Ausdehnung und möglicherweise, was ich dahin ge.stellt lassen muss, 
der Dachzone desselben angehört. Zwei weitere, das Vorkommen 10 Minuten 
S. von Brauushausen und das 6 Minuten N. von Selbach (nicht »Salbach«), 
liegen in jener südwestlichen Fortsetzung des Grenzlagers, die sich von der 
oberen Nahe nach der Prims erstreckt und die fast ganz ausschliesslich aus 
Melaphyr-Gesteinen besteht, wie sie im Hauptgrenzlager erst in der Dachzono 
entwickelt zu sein pflegen. Diese Gesteine sind der Hauptsache nach aber, 
wie dies der Vergleich meiner Beschreibung (dieses Jahrbuch für 1883 S. XXX 
ff.) mit den 1887 von Rosenbusch aufgestellten Melaphyr-Typen ergiebt, »Navite« 
und »Olivin-Weiselbergite«; »Olivin-Tholeyite« fehlen darunter nicht ganz und 
sind zumal strichweise ausgebildet, wie in jener Gegend des Wasserscheidegebiets 
zwischen Nahe und Prims, der die obengenannten beiden Fundpunkte angehören; 
im eigentlichen Grenzlager treten sie jedenfalls sehr zurück. Die Tholeyite 
und Olivin-Tholeyite, die man kartographisch weder von einander, noch 
auch von den basisfreien Meso-Diabasen (Palatiniten) und Meso-Olivindiabasen 
trennen kann, sind ihrer Hauptverbreitung nach vielmehr intrusive 
Lager- und Stockmassen in den Oberen Cuseler, den Lebacher und 
Tboloyer Schichten unterhalb den normal zwischen den Söterner Schichten 
eingeschalteten Ergussdecken des Grenzlagers. So gehören denn auch 
9 von den 12 von Rosenbusch angezogenen Fundpunkten solchen Intrusivmassen 
an und zwar mit einer Ausnahme, S. von Odernheim (nicht »Obernheim«) und 
W. vom Bauwald, aus der Umgebung von St. Wendel und des benachbarten 
Sebaumberges bei Tholey. — Beiläufig sei noch bemerkt, dass das Molaphyr- 
Gestein, w'elches in der 1. und 2. Auflage der Massengestoine unter »Kreuznach« 
erwähnt wird, von einem anderen Fundpunkt stammen muss, weil Melaphyr dort 
ganz fehlt. 

2) Ueber den Winterbacher Gang vergl. weiter unten S. 292, S. 312 f., so- 
wie schon oben S. 271 ff. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


287 


pliyrite zu neimen pflegt. Wenn wir trotz des neben dein 
vorwaltenden Plagioklas herrschenden Augit- Gehalts nicht von 
Diabas -Porphyriten reden oder, soweit die mehr feinkörnigen, 
bezw. körnigstrahligen, als porphyrischen Gesteine des Bosenbergs, 
Spiemonts n. s. w. in Betracht kommen, von » Quarzdiabasen « ^), 
so steht einer solchen Ausdrucksweise nicht nur die dem Kersantit 
nahestehende Struktur der Gesteine entgegen, sondern überdies ihre 
chemische Durchschnittszusammensetzung und das procentische Ver- 
hältniss von Erz, Bisilicat und Glimmer gegenüber den Feldspath- 
und Quarzprocenten, ihr constauter Gehalt an Kalifeldspath und 
ihr gelegentliches Uebergehen in Syenit- Porphyre (Winterliacher 
Gang), endlich ihr geologischer Zusammenhang mit noch alkali- 
nnd auch kieselsäurereicheren Gesteinen. 

Was den bisher noch nicht erörterten letzteren Punkt an- 
langt, so hat Rosenbuscii selbst bereits den Zusammenhang 
der Gesteine vom Remigiusberg bei Cusel mit den Ge- 
steinen vom Spiemont und Bosenberg dahin ausgedrückt, 
die ersteren (»Cuselite«) seien »vielleicht die porphyrische 
Form der hypidiomorph körnigen Icukophyrischen Gesteine des 
Spiemont« (Massengest. 2. Aull., S. 503). In der That ist allem 
Anschein nach, wenu ich Leppba’s eingehende Untersuchungen 
über das Gestein vom Remigiusberg und die eigenen Beobach- 
tungen an den durch Weiss und Laspeybes und meinerseits ü;e- 
sammelten Gesteinen aus der Gegend zwischen Wolfstein mul 
St. Wendel (Remigiusberg, Potschberg, Blaubach, Diedelkopf bei 
Cusel etc.) meinem Urtheil zu Grund lege, ein wesentlicher Unter- 
schied zwischen den Gesteinen bei St. Wendel und bei Cusel-Wolf- 
stein nicht zu finden. Die ersteren sind eben keine hypidiomorph- 
körnigen Leukophyre im Sinne der leidtophyrischen Diabase. Die 
leitende »diabasisch -körnige«, »divergentstrahlig- körnige« oder 
»ophitische« Strnktur, wonach man Diabase auch wohl kurz 
als modificirte Dolerite (Typus Meissner) mit abweichend 
voll- und deutlichkrystallinische r Mesostasis (Krystalli- 
sationsrest- Masse) von vorwiegend augitischer Natur be- 


0 Vergl. weiter unten S. 294, Anm. ^). 


288 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


zeichnen kann^), fehlt ihnen (wenn auch Anklänge nicht 
mangeln) als herrschende Leitstrnktur, die Augite sind 
vielmehr grosseutheils automorph (oder idiomorph Rosen- 
busch), d. h. krystallographisch selbständig begrenzt, und 
der letzte Krystallisationsrest ist der Hauptsache nach 
Quarz und Orthoklas, z. Th. deutlicher Mikropegmatit. 
Die Striditnr der Gesteine des Spiemonts und Bosenbergs ist also 
zwar keine rein krystallkörnige (panidiomorph-körnige Rosen- 
ituscii), d. h. aus wohlbegrenzteu Krystallkörnern und -Ijeisten 
anfgebaute, weil auch Uebergänge in die Strukturen der weniger 
typischen, quarzhaltigen Diabase nicht fehlen, aber doch viel eher 
Kersantit-Struktur, als Diabas-Struktur. 

D ie Struktur der Hauptmasse des Gesteins vom Remi- 
giusberg ist die eines mikroskopisch noch etwas vollkommener 
krystallkörnigen (pauidiomorph-körnigen) Grnndmassengesteins mit 
Quarz- oder Quarzfeldspath- Restzwickelchen zwischen den vor- 
herrschenden Feldspath- Leisten, langgestreckten Plagioklas- und 
kürzer gedrungenen Orthoklas - Leisten ; zahlreiche porphyrische 
LinspreugTinge von Plagioklas bis zu 3 Millimeter Grösse 
finden sich in der Gruudmasse ausgeschieden, während der theils 
selbstständig begrenzte, theils, aber seltener, zwischen den Grund- 
masseiifeldspath eiugeschlossene wasserhell durchsichtige Mala- 
kolith sich meistens nicht bis zu einer mit blossem Auge oder der 
Lupe deutlich sichtbaren Grösse erhebt, ebensowenig als Biotit 
und Hör üble ude (Amphibol); letztere kann ich in einem 
Präparat eines sehr frischen, von E. Weiss gesammelten grauen 
Handstücks nach äusserer, z. Th. in der Säuleuzoue wohlbegreuzter 
Form, wie nach dem Verbandverhältniss mit Quarz und Feld- 
spath gleich dem braunen Glimmer und den sauren Zwickelmasseu 
nur für primär 2) anseheu; im Maximum der farbigen Absorption 


b Vergl. weiter unten S. 300, sowie ZeitscLr. d. Deutsch. Geol. Gesellsch. 
Bd. XXXVIII, Jahrg. 1886, S. 926 Aura.'). 

-) Das scbliesst selbstverständlich das Vorhommen von Uralit-Hornblende 
als secundärer Pseudomorphosenfüllung nach Augit, wie Leppla beobachtet hat, 
nicht aus; er sah aber selbst auch primäre Hornblende. Auch ist secundärer 
Quarz nicht ausgeschlossen neben primärem. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


289 


ist diese Hornblende bräunlicligrün. Es sind also aneb hier 
wieder alle die für den Kersantit charakteristisclieu Mineralien 
in einer, besonders durch die Plagioklas- Einsprenglinge etwas 
niodificirten Kersantit-Struktnr beisammen, nur tritt abermals der 
für Lamprophyre überhaupt und den Kersantit speciell charak- 
teristische Biotit in die Grundmasse zurück und proceutisch wenig 
hervor. In anderen hierbergehörigen Vorkommen, Blaubach z. B., 
erreichen auch die Augit-Pseudomorphosen die Grösse deutlich 
sichtbarer Einsprenglinge. Hier, wie am Potschberg fehlt aueb 
das Carbonat nicht. Auch vereinzelte Zirkou-Kryställchen 
nimmt man im Gestein des Potschbergs wahr. Die Umwandlung 
des neben etwas Magnetit spärlicher, als im Bosenberg- und 
Spiemont-Typus vorhandenen Titaneisenerzes zu Sphen ist in 
allen diesen Gesteinen in sehr deutlicher Weise zu erkennen. 
Apatit fehlt nicht. 

Die Analyse der frischesten Gesteinsvarietät vom Remigius- 
berg (q) nach Leppla (E. v. Schneider) und diejenige desselben 
Gesteins nach Laspeyres (r), verglichen mit den in der umstehenden 
Tabelle enthaltenen Analysen des Bosenberg-Gesteins (q*) und des 
Gesteins vom Steinhübel zwischen Hoof und Osterbrücken (l*)-, 
ergeben keinen erheblichen Unterschied ; nur ist das mehr körnige 
Bosenbei’g-Gestein sichtlich reicher an titansäurehaltigem Eisenerz, 
liezw. dessen Umwaudlungsprodukteu, das gilt aber auch schon 
von dem porphyrartigen Gestein (/*), das im Uebrigeu mit dem 
Crestein der Blaubach nahezu übereinstimmt; charakteristisch für 
sämmtliche Gesteine bleibt der relativ hohe Magnesia-Gehalt im 
Verhältniss zum relativ niedrigen Kalkgehalt. Mit dem mikro- 
skopischeu Befund und mit dem hohen Wassergehalt zusammen 
spricht dieser Umstand für Verlust au Kalkerde durch Umbildung 
der Bisilicate zu einem Chlorit, aber darüber hinaus wird man 
einen von Haus aus magnesiareichen Malakolith oder Fassait^) 

b Monokline Augite mit relativ hohem Magnesia- und Eisen-Gehalt, be- 
ziehungsweise relativ niedrigem Kalkgehalt sind die irrthnmlich von Merian als 
typi.sche Diabasaugite betrachteten, ferner der Angit des Whin Sill, den Teali. 
untersucht hat, vergl. Neues Jahrbuch für Min. etc. Beilageband ITI, S. 289 und 
daselbst 1885, Band II, S. 84 — 85; vergl. auch Anra.b S. 2G4 dieser Abhandlung. 

19 


Jahrbuch 188P. 


SiOs . . . 58,02 58,54 57,12 57,28 57,69 58,06 59,94 56,23 59,32 57,64 


290 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien üher die Gesteine 


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des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


291 


vernintlien dürfen, denn solche Magnesia -Wertlie stellen sieh in 
porphyritischen Gesteinen mit angitischein Geinengtheil sonst in 
der Regel nur bei hronzithaltigen Porphyriten ein ; rhombischer 
Angit ist indessen bislang nirgends frisch sicher nachgewiesen, 
Biotit und Hornblende mochten den Magnesia-Gehalt auch, aber 
ihrer geringen procentischen Menge zufolge doch nur weniger 
mitbedingen. 

Zum weiteren Vergleich sind Analysen l)eigesellt, die zunächst 
sich auf echte lavenartig ergossene Porphyrit-Gesteine 
aus dem Saar-Nahe-Gebiet beziehen, und zwar: die Analyse 
eines auf der NW. -Seite des Peterberg’s bei Brauns- 
hausen zwischen dem Oberen Thonstein Grebe’s und den Wa- 
derner Schichten noch im Hangenden des Eruptivgrenzlagers 
lagernden Bastit (Bronzit) - Porphyr it - Erg u sses nach 
Böttcher (s*), ferner die Analyse des Bronzit-Porphyrit- 
Pechsteins aus der Mittelzone des Eruptivgrenz lagers 
oberhalb der Eisenbahnstation Kronweiler zwischen 
Oberstein und Birkenfeld nach Böttcher (r), die eines alkali- 
reichen Porphyrits mit Pseudomorphosen nach einem 
iVugit-Mineral aus derselben Mittelzone im Fischbach- 
thale, Gerach gegenüber, nach Gremse (m*) und endlich die 
eines Meso - Keratophyrs mit denselben Pseudomor- 
phosen nach einem Augit-Mineral, der bei der Nam- 
borner Mühle über dem groben Porphyr-Conglomerat (Grebe’s 
Unterer Thonstein- Horizont) vicariirend für den Bastit- 
Porphyrit der Mittelzone des Grenzlagers eintritt, 
nach Gremse (c*). Schliesslich ermöglichen die Analysen 
zweier Harzgestein e eine weitere Ausdehnung des Vergleichs, 
und zwar betrifft die von Gremse ausgefidirte Analyse (tv*) einen 
dem Bosenberg-Gestein sehr nahe verwandten, nur etwas kiesel- 


9 Bei der Station Namborn steht Bastit-Porphyrit an, der ebenfalls im 
Laboratorium der Kgl. Bergakademie analysirt worden ist durch Herrn Jacobs 
und dessen Zusammensetzung (ri*) SiOo 56,32; Ti 02 (ZrO-j) 1 , 11 ; ALOs 15,83; 
Fe 2 03 8,04; FeO 0,24; MgO 4,19; CaO 5,19; NasO 2,90; K 2 O 2,25; H 2 O 3,43; 
P 2 O 5 0,217; CO 2 0,12; SO 3 0,14 = 99,97 bei einem Volumen-Gewicht von 2,673 
mit Analyse s recht gut übereinstimmt. 


19 


292 


K. A. Lossen, Vergleichende Stadien über die Gesteine 


säure-, kalk- imd eisenreichern und kali- und magnesiaärineren 
pegmatopbyrischeu Quarz-Augitdioritporphyrit aus dem 
mittelharzer postculmischeu, frühestens spätcarbonischen Eruptiv- 
gangspalteusystem, der die Mitte einer der breiteren Gang- 
spalten im Iberger Kalk^) des Bielstein’s an der Bode 
oberhalb Iv übel and erfüllt; die von Steffen ausgeführte Ana- 
lyse (.!■*) dagegen bezieht sich auf einen Eugranit des Ost- 
randes der Brocken - Gruppe von verwandter Mischung, 
den Q u a r z - A u g i t - B i o t i t - D i o r i t oder A u g i t - T o n a 1 i t 
zwischen P o r s t h a u s II ohne u n d D u m k u h 1 e n k o p f a u s 
dem Forstorte Oie Padde. 

Die vier Analysen aus den Ergussdecken des Grenz- 
lagers u. s. w. zeigen, dass die augitischen Porphyrite der Mittel- 
zone dieser allergrössten Eruptivgesteinsausbreitung an der Nahe 
(f'‘, V*) und verwandte Vorkommen im Prims-Gebiete (V) ganz 

ähnlich zusammengesetzt sind, wie die augitischen Diorit-Porphyrite 
der Intrusivlager und Quergänge; sind dieselben auch meistens 
kalkreicher, wie namentlich aus der Analyse des am wenigsten 
veränderten pechsteiuartigen Bronzit-Porphyrits (fQ, sowie aus 
noch anderen hier in dieser Talielle nicht abgedruckten Analysen^) 
hervorgeht, so fehlen doch auch andererseits alkalireichere und 
kalkärniere Typen (?P) nicht und der Meso-Kerato]-)hyr von 
Namborn (c*), der durch einfache oder nach dem Karlsbader 
Gesetz binär oder auch repetirt verzwilliugte Orthoklase mit 
mikroperthitischer sehr feinfaseriger Struktur und 
schwarzgrüne Serpeutin-Pseudomorphosen nach Bron- 
zit oder Augit porphy risch nud dabei bas is haltig und auch 
etwas m and eiste in artig entwickelt ist, lässt ganz deutlich das 
örtliche IT iu üb erspielen in die Orthophyr-KeiheQ erkemieu, 
ganz so wie der S y e n i t - P o r p h y r d es W i u t e r b a c h e r Ganges 
unter den dioritporphyritischen Intrusivlager- und Gaugmassen. 

') Längs des verdichteten Salbandes des Ganges ist der Oberdevonkalk 
lichter und körniger Marmor geworden, der jedoch noch die Umrisse der Korallen 
erkennen lässt. 

Vergl. al)er die Analyse i’i* Anm. '), S. 291, sowie Analyse y* auf S. 293. 

Ueber andere locale Vorkommen von Augit- Orthophyren vergl. weiter 
unten S. 313. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


293 


Der ausgezeichnet pegmatophyrische Qtiarz-Augitdio- 
ritporphy rit aus dem mittelharz er Eruptivgang- 

spaltensystem (w*), der, obzwar etwas alkali- und namentlich 
kali- und magiiesiaärmer, etwas kalk-, eisen- und kieselsäurereicher, 
als das Boseuherg-Gestein, der Hauptsache nach zu demselben diorit- 
porphyritischen Typus zählt, hat wiederum andererseits fast genau 
dieselbe chemische Durchschnittszusammensetzung wie der varioli- 
tische A u g i t p o r p h y r i t aus der M i 1 1 e 1 z o n e des Eruptiv- 
greuzlagers von Niederbrom hach bei Oberstein (y*), der 
dasell^st zusammen vorkommt mit Angit-Pechsteinporphyrit, ähnlich 
dem Bronzit-Pechsteinporphyrit von Kronweiler (t*), und von 
Böttcheu analysirt ist. Demselben Analytiker verdanken wir auch 
die Anadyse (s*) des Hysterol)as vom Garkenholze bei 
Kübelaud, die ich schon an anderer Stelle neben der eines 
malakolithhaltigen submikropegmatitischen porphyrartigen Grani- 
tits vom Meiueckenberg aus der Brockengrnppe veröffentlicht 
habe (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. Bd. XL. 1888, S. 204). 





z* 

Si 02 . . . . 

59,32 

59,60 

49,03 

Ti 02 (Zr 0 . 2 ) . . 

1,04 

1,12 

2,06 

■^laO;^ . . . . 

13,33 

14,30 

12,63 

EesOs . . . . 

1,36 

1,49 

3,68 

EeO . . . . 

7,32 

6,43 

10,94 

MgO . . . . 

1,79 

1,49 

1,64 

CaO 

4,37 

4,54 

7,76 

Na 20 . . . . 

2,58 

2,90 

2,33 

K 2 O 

2,30 

1,84 

2,40 

H 2 O 

3,34 

4,63 

3,42 

P 2 O 5 . . . . 

0,18 

0,24 

0,54 

CO 2 

2,91 

2,02 

3,45 

SO 3 

0,14 

0,19 

0,51 

Organ. Subst. 

0,02 

0,02 

— 

Summe : 

100,00 

100,81 

100,39 

Vol. Gew. . . . 

2,736 

2,646 

2,82 


Grejise. 

Böttcher. 

Böttcher 


') Auf der Geognostischen Uebersiclitskarte des Harzes findet man diesen 
Gang nebst verwandten und dem Hysterobas noch als »Gangmelaphyr« verzeichnet; 
vergl. jedoch Zeitsehr. der Deutsch. Geol. Ges. 18S3, Bd. XXXV, S. 212, Anm. *)■ 
Dieser Gang speciell war F. A. Roemek und Streng noch nicht bekannt. 


294 


K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine 


Damals galt es mir zu zeigen, dass Augit und Mikro- 
pegmatit zusammen in Gesteinen von sehr verschie- 
denem Kieselsäuregehalt, in gr anitischen, wie in dia- 
basischen Gesteinen (von 74,97 bis zu 49,03 pCt. SiOo) 
gefunden werden. Aus dem seither erschienenen, durch seinen 
Keichthum au Analysen, nicht nur au mikroskopischen, sondern 
auch an fpiautitativeu chemischen, ausgezeichneten und überdies 
mit ganz vortrefflichen Abbildungen der Dünnschliftpräparate ausge- 
statteten Werke Teall’s »British Petrography« können ganz 
ähnliche Beispiele beigebracht werden : man vergleiche z. B. den 
Augit-Granophyr (Augit-Pegmatophyr) von Mull auf Taf. XXXIII, 
Fig. 1, S. 327 mit dem grobkörnigen Gestein des Whin Sill von 
Cauldrou Suout (Hysterobas mit 51,22 pCt. SiÜ 2 und Alikro- 
pegmatit - Zwickelcheii) S. 207 — 209 ^), dessen eigenthümlicher 
nach 100 (oo P go) verzwilliugter und nach 001 (oP) diallagartig 
blätternder Augit in den mittelharzer Gängen, z. B. von der Zu- 
sammensetzung des Gesteins wiederkehrt und bei niedrigem 
Kalk-, aber relativ hohem Eisengehalt ganz ersichtlich kein 
typischer Diabas -Augit ist, wie ihn O. Schilling aus 
Hausmann’s Normal -Diabasen analysirt hat'^). 

Gleichwohl unterscheidet sich dieser p egmatophy rische 
Quarz- Augitdioritporphyrit von Rübelaud, den wir nach seiner 
chemischen Zusammensetzung und seinem hauptsächlichen Mineral- 
bestaud mit dem variolitischen Augit-Porphyrit von Niederbrombach 
vergleichen konnten, von jenen Mikropegmatit und Quarz führenden-'^) 


9 Bezüglich der höchst lehi’reichen Abhandlung Teael’s über das lagergang- 
förmig auftretende, im Uebrigen unseren Hysterobas-Quergängen zunächst ver- 
gleichbare Whin Sill- Gestein vergl. auch mein Koferat im Neuen Jahrb. f. Mineral. 
1885, Bd. II, S. 81 ff. 

9 Vergl. Anm. 2 auf S. 264 dieser Abhdl. 

Ich kann mich nicht entschliessen, »Quarzdiabas« zu sagen. Die wesent- 
liche Rolle, welche der Quarz oder Kieselsäureüberschuss im Quarzporphyr und 
Quarzporphyrit, im Quarztrachyt und Dacit spielt, trägt er in diesen Diabasen sicht- 
lich nicht. E. Dathe, der in seiner sehr verdienstlichen Abhandlung über Diabase 
den Begriff Quarzdiabas gebildet hat, hat denselben doch nicht durch eine einzige 
quantitative Analyse gesichert. Da ich den Begriff Augitporphyrit als chemisches 


des Spienionts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


295 


Diabasen (Meso-Diabasen) Englands und des Harzes durch einen 
rund lOpCt. höheren Kieselsäuregehalt und eine dementsprechende 
sonstige verschiedene Durchschnittsiniscliung: eine weitere Bestäti- 
gung des Vorkommens von Mikropcgmatit neben Augit in Gesteinen 
von sehr verschiedenem Kieselsäuregehalt. Legt man kein allzu hohes 
Gewicht auf den Umstand, ob ein rhondjisches Glied der Augit- 
Keihe an Stelle oder neben dem monoklinen anwesend ist, so ist 
nach Teall’s Abbildung und Beschreibung und nach Phillips’ 
und Waller’s Analysen das als, z. Th. pegmatophyrischer, Quarz- 
Bronzitdioritporphyrit zu bezeichnende Gestein von Penniaenuiawr^), 
wenn auch nicht dem Alter, so doch seiner Natur nach mit dem 
dioritporphyritischeu Ganggestein aus dem Oberdevonkalk des 
Bielstein bei Kübelaud vergleichbar. Teall selbst giebt an^), er 
habe das Gestein aus Wales früher Brouzit-Diabas genannt, ziehe 
aber heute in Anbetracht seiner Grundmischung (58,45 — 65,1 pCt. 
SiOo) vor, den Namen Diabas gegen Diorit umzutauschen, was 
mir zu aufrichtiger Befriedigung gereicht. Der Umstand, dass 
Teall diesen Bronzitdioritporphyrit mit Teller und v. Joiin’s 
»Quarz-Norit« von Klausen vergleicht, also denselben Vergleich 
hier anwendet, welchen Rosenbuscm seinerseits für die dem Biel- 
steiner Gang nächstverwaudten mittelharzer Bronzit-haltigen Augit- 
porphyrite von Elbingerode, Wernigerode und llübeland in ihrer 

Acquivalent von Augitanclesit einerseits und Augitdiorit andererseits zu gebrauchen 
vorgesclilagen habe (vergl. Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges., Bd. XXXV, 1883, 
S. 212), die Begriffe Diabasporphyr(it) und Diabas dagegen als Aecpnvalente von 
Melaphyr, Basalt und Gabbro, so gehören danach Gesteine mit vor herrschen dem 
Plagioklas- Gehalt, welche daneben oft Orthoklas und Quarz führen, trotz eines 
allein oder mit Biotit und Hornblende boibrechenden Augit- Gehalts (gleich- 
viel ob von monoklinem oder rhombischem Augit), Gesteine also, die demnach 
auch Kieselsäureprocente durchschn ittlich über 55 pCt. SiOs zu besitzen pflegen, 
wie z. B. die Gesteine von Bosenberg und Itemigiusberg oder die Porphyrite des 
Grenzlagers (darunter Rosenbusch’s » Weiselbergite« und »Enstatitporphyrite«, 
die, bald mehr augithaltig, bald mehr bronzithaltig, gar nicht von einander ge- 
trennt werden können) in die porphyritisehe oder dioritpo rphyritische 
Reihe, können also, wenn Quarz und Orthoklas an Stelle von saurem Glas oder 
von saurer Basis darin vorkommt, nicht Quarzdiabas heissen. 

^) Vergl. British Petrography S. 272 — 276. Taf. XXXV, Fig. 2. 

3) a. a. 0. S. 273. 


296 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


vollkrystalliuiscli und deutlich krystallinisch pegmatophyrischeu 
Ausbildungsweise gebraucht ^), überhebt mich jeden Zweifels. 

Dass diese tyrolischeu, mit vorherrscheudem Quarzglimmer- 
diorit iuuigst verbundenen quarzhaltigen Hypersthen-, Bronzit- und 
Diallag- oder Augit-Gesteine, denen übrigens nach meinen Präpa- 
raten primäre Hornblende auch nicht ganz abgeht, keine Norite 
(im Sinne Rosenbusch’s) sein können, haben J. Roth^) und ich'^’) 
1884 bereits hervorgehoben. Auch haben die Autoren, welchen 
die Wissenschaft diese vortrelf liehe Monographie des Klausen er 
Diorit-Gebiets verdankG), zum Vergleich unter Anderem bereits auf 
die Gesteine des Brockens hingewiesen ®), von welchen ich da- 
mals eben nur eine Analyse des sauersten quarzhaltigen Gabbro’s 
mitgetheilt hatte *^), während ich für die saureren Quarzaugit- 

') Massige Gest. 2 . Aufl. 1887, S. 479. Mit Recht macht mein sehr ver- 
ehrter Freund wiederholt auf die grosse ȟberraschende Mannichfaltigkeit in der 
Struktur und im mineralogischen Charakter dieser geologisch einheitlichen Gang- 
forniation« aufmerksam. Man kann in der That nicht leicht lehrreicheres Material 
zu petrographischen Studien gewinnen, als diese Gänge bieten. Wenn aber 
Rosenbusch S. 492 hinzufügt, dieser Umstand »lässt mit grosser Wahrscheinlich- 
keit auf zeitlich verschiedene, wenn auch der gleichen Periode zugehörige Ent- 
stehung der Gangspalten und auf sehr verschiedenen intratellurischen Entwick- 
lungszustand des injicirten Magmas schliessen«, so trägt er dabei einen guten 
Tlieil seiner Theorie in die Natur hinein; greift man an Ort und Stelle zu, so 
fasst man aus der Gangmitte breiterer Gänge den pogmatophyrischen bronzithaltigen 
Augitdioritporphyrit, vom Salband oder aus ganz engen Spalten dagegen bringt 
man glasreiche Gesteine mit, zwischen diesen Extremen giebt es mannichfaltige 
Zwischenstufen. 

Beiträge z. Petrograph. d. pluton. Gest. 1884, S. 20. 

0 Dieses Jahrbuch für 1883, S. XXVIl — XXVIII. 

'b F. Teller u. C. v. John, Geolog, petrograph. Beiträge z. Kenntniss der 
dioritischen Gesteine v. Klausen in Südtyrol, Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 
1882, S. 589 ff. 

0 a. a. 0. S. 673, Anm. b. 

®) Zum Vergleich sei die seiner Zeit (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. Bd. XXXIl 
1880, S. 212) mitgetheilte Analyse hier nochmals abgedruckt: SiO '2 53,39; Ti 02 
(ZrOa) 1,89; AI 3 O 3 12,18; Fc 203 6,18; FeO 6,70; MgO 6,17; CaO 6,80; NaaO 
2,70; K 2 O 1,76; H 2 O 2,09; P 3 O 5 0,25; CO 2 0,28; SO 3 0,24 : 100,13 (Pufahl). 
Die Darstellung, die Rosenbusch (Massengest. 2. Aufl. S. 37 u. 38) vom flasse- 
roder Gabbro und den saureren dioritischen Eugraniten am Ostrande des Brockens 
als einer zur Granitformation des Brockens gehörigen Randzone giebt, ent- 
spricht nicht getreu meinen Erfahrungen , die ich in dem Satze zusammengefasst 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


297 


hiotitd iorito (Augit-Tona lite) auf' die älteren Analysen von 
Keibel und C. W. C. Fuchs verwies. Die hier unter a; veröftent- 
lichte Analyse entspricht einem mittleren Kieselsäuregehalt dieses 
iuteressauten dioritischen Typus, wie er sich speciell zum an- 
nähernden Vergleich für nicht allzu glimmerreiche und quarzarme 
Kersantite empfiehlt, deren Kieselsäurewerthe in der zweiten Hälfte 
der Fünfzig liegen, wie di(qenigen der in diesem Aufsätze be- 
sprochenen dioritporphyritischen Gruppe; es gehen andererseits 
die Si 0-2 -Procente der dioritischen Eugrauite in der Brocken- 
gruppe bis nahezu 65 pCt. hinauf und lös zu 50’/2pCt.') hin- 
unter; das sind die Berühruuofswerthe mit den auofithaltisren 
Granititen und mit den quarzhaltigen Gabbros, die sich zufolge der 
chemisch gliedweise nicht angrenzenden, sondern übergreifenden 
Verkettung der Eriqjtivgesteinstypen^) bereits innerhall) der Kiesel- 
säurewerthe dieser Nachbartypen befinden. Es liegt auf der Hand, 
dass, abgesehen von dem Einflüsse der saureren oder basischeren 
Natur des Plagioklases, dieser überhaiqot als das wesentlichste 
Vlineral in der Dioritgruppe das gleichmässigste und die Striditiir 
beherrschende Element in deren Zusammensetzung ausmacht; 
Quarz und Orthoklas zumal, aber auch Biotit und eventuell pri- 
märe Hornl)lende auf der einen, Augit nebst dem Eisenerz auf 
der anderen Seite bedingen dem gegenüber den Grad der An- 
näherung an den Granitit oder au den Gal)l)ro. Es hat nun ein, 
wie mir scheint, nicht geringes Interesse für die Stridcturenlehre 
der Erstarrungsgesteine und für den Zusammenhang zwischen den 
Strukturen der Eugrauite und der Rhyotaxite, dass der Plagio- 
klas, das herrschende Strukturelement dieser Quarz- 


liabe, dass die Gabbro-Eruption eine besondere Phase inmitten der Eruption der 
Granite des Westliarzos darstolle. Man vergleiche die ausführlicheren Mittheilungen 
in diesem Jahrbuch f. 1887, S. XXV ff. u. f. 1888, S. XXV ff, 

fl Ein noch geringerer Kiesclsäurewerth, den ich a. a. 0. S. 208 mit 44,7 jiCt. 
SiO '2 für einen »aphanitischen Diorit« angegeben hatte, bezieht sich, wie ich 
nachträglich bei sorgfältigerer Detailkartirung und miliroskopischcr Untersuchung 
erkannt habe, auf ein Diabas-Gestein, das im Contact mit den Qiiarzdioriten 
»epidioritisirt« ist. 

Vergl. »Ueber die Anforderungen der Geologie an die pctrograpliische 
Systematik«, dieses Jahrb. für 1883 (1884) S. 4D3. 


298 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


aiigitbiotitdioi’ite der Brockengrnppe (welche ja keine 
grosse Masse darstelleu, sondern nur eine Zone von geringer 
Breite neben und zwischen dem Granitit oder aber rundliche oder 
ovale Ausscheidungen, seltener concentrische Schalen iin Granitit) 
vorherrschend leistenförmig wohlbegrenzt airsgebildet 
und divergentstrahlig angeordnet ist, ähnlich wie iu Ker- 
santiten oder Diabasen, und dass in der Regel, und zwar 
von den sauersten bis zu d e u basischsten Typen bis in 
die Grnjipe der quarzführeud eu Gabbros hinein, der 
Quarz und daneben z. Th. auch der Orthoklas und 
manchmal iu ganz ausgezeichneter Weise der Biotit^), 
also die im Granitit vorherrschenden Mineralien, nach 
Art der »Ophit«- (Miciiel-Levy) oder Diabas- Struktur 
im engeren Sinne des Worts ohne eigene selbstständige 
Begrenzung von dem Plagioklasleisteuwerk eiugezapft 
oder d u r c h s p i c k t oder z w i c k e 1 f ö r m i g e i n g e s c h 1 o s s e u 
erscheinen. Der Augit dagegen, welcher im typischen 
Diabas und Dolerit die abformende Zwischenmasse des Leisten- 
werks ausmacht, ist iu diesen Diorit-Typeu zwar wenig 
regelmässig begrenzt, vorwiegend aber eher vor und 
mit, als nach dem Plagioklas auskrystallisirt; in den 
basischsten darunter kann man aber beobachten, dass 
Quarz und Augit dem Plagioklas gegenüber dieselbe 
Rolle der ophitischen Matrix spielen. 

Von nicht minderem Interesse ist ferner, dass Teall’s über- 
aus sorgfältige Beschreibungen Quarz als »ophitic plates«, »matrix« 
oder in »the röle of groundmass« im Verhältniss zum wohl- 
krystallisirteu Plagioklas zahlreicher dioritischer Gesteine angeben 
und ganz speciell solcher, die, wie die »Augit- Diorite« (Quarz- 
Gal )bros autorum) des Carrok Fell, direct mit unseren Ilohne- 
Dioriten vergleichbar und wie diese mit saureren Gesteinen, »acid 
augite-beariug granophyre«, verknüpft sind, oder solcher, welche 


b E. Dathe giebt aus dem Kersantit von Wüstewaltersdorf ein ähnliches 
Struhturverhältniss zwischen Biotit und Plagioklas, sowie zwischen Hornblende 
und Plagioklas an (dieses Jahrb. für 1884, S. 570 u. 571). 


des Spiemonts und des Bosonbergs bei St. Wendel etc. 


299 


wie das oben citirte Gestein von Penmaeninawr den Vergleich 
mit unseren pegmatophyrisclien Quarzaugitdioritporpbyriten er- 
lauljen ’). 

In doleritisclien Gesteinen, die ich im Gegensatz zu den 
englischen Autoren u. A. den dialiasischen niclit stridcturell irleich- 
werthig erachten kann (— IIaüy’s leitender Meissner - Dolerit ist 
nicht holokrystallin trotz seines groben Korns, sondern, wie wir 
seit F. Zirkel’s bahnbrechenden Untersuchunii'en über die mikro- 
skopische Zusammensetzung und Striddur der Basaltgesteiue (1870) 
wissen, in den Zwickeln (Resteckchen) basishaltig — ), sehen wir 
in ein und demselben mikroskopischen Präparat an Stelle der ophi- 
tischen Augitkrystalloide Zirkp:l’s mikrokrystallitisehe Zwischen- 
klemmungsmasse (Mesostasis) treten (so z. B. recht lehireich im 
Meso-Dolerit des Unterrothliegenden von ITohfeld bei St. WendeG)): 
das divergentstrahlige Plagioklasleistenwerk formt sich an der einen 
Stelle des Dünnschlifls im Augit, an einer anderen in jener aus 
Skeletfeldspathmikrolithen , verkrüppelten Augitchen^), Erzkrystal- 
liten und glolnditischem Glas zusammengesetzten Basis ab. Ganz 
analog giebt es zwischen den in obgedachten sauren Augit-Diorit- 
Typeu über grössere Flächen optisch einheitlich ausgedehnten, in 
basischen dagegen wie in den nächstverwaudten Quarz-haltigen Gab- 
bros spärlichen und kleineren ophitischen Quarz- und Orthoklas- 
Krystalloiden , zwischen den auf Zwickelchen oder Resteckchen 
eingeschränkten Mikropegmatitmassen der Quarzdioritporphyrite, 
Kersantite und cpiarzführenden Diabase, zwischen den damit nächst- 
verwandten quarzhaltigeu oder quarzfreien Feldspathstrahlenbüscheln 
und der noch feiner kryptokrystallinisch bis felsokrystallitisch ge- 


9 British petrograpliy S. ISO, 263, 266, 273. 

-) Dasselbe Vorkommen, welches Rose.nbusch, Massengesteine, 1. Aufl. S. 384 
als Palatinit von Namborn weniger genau angiebt. Hulifeld liegt allerdings 
nächst Namborn, bei diesem letzteren Dorfe selbst steht indessen kein Tholeyit 
oder Palatinit, sondern die Mittelzone des Grenzlagers an. 

Ein dritter Theil des Augits tritt in wohlbegrenzten Krystallen auf, welche 
theils in der Basis liegen, theils in die Umrisse der Plagioklasleisten eingreifen, 
während andererseits selbst die Olivine z. Th. durch den Plagioklas cingezapft 
erscheinen. 


300 


K. A. Lossen’, Vergleichende Studien über die Gesteine 


fugten saureu Basis von gleicher räumlicher Einschränkung alle 
möirlicheu Uebero-äufre. 

O ö ö 

Die bald mehr saure, bald mehr basische Natur der 
Z w i s c h e n k 1 e m m u u g s m a s s e (I n t e r s e r t a 1 1) a s i s , M e s o s t a s i s) 
ist längst gebührend gewürdigt; indem VoGELSANG mehr die 
saurere Ausbilduugsweise hervorhob, nannte er die nach räumlicher 
Vertheilung gleiche Erstarrungsmasse noch felsitisch entglast^), 
die ZiKKEL unter Berücksichtio-ung; der mehr basischeren Aus- 
bildungsweise mikrokrystallitisch^) nennen zu müssen glaubte. 
Beides hat seine Berechtigung, ja mau kann, z. B. in den mittel- 
harzer Eruptivgängen sehr deutlich, wahrnehmeu, dass in ein und 
demselben Gestein die Mesostasis bald saurer, bald basischer ausge- 
bildet ist, je nachdem das Eisenerz im ersten oder aber erst im 
zweiten Akt der Erstarrung hauptsächlich ausgeschieden worden 
ist. Darnach bedarf der Ausdruck »felsokrystallitisch« keiner 
weiteren Erläuterung. Auch das Verhältniss der typisch voll- 
krystallinischen Diabas- oder Ophit-Struktur zur typischen Dolerit- 
Struktur mit Intersertalbasis ist, wenigstens bei den deutschen 
Petrographen, welche die Harz-Diabase und den Meissuer-Dolerit, 
d. h. diejenigen Gesteine, auf welchen jene Begritfe historisch 
gründen, als Norm ansehen, hinreichend klargestellt und ich selbst, 
habe entgegen Rosenbusch’s Aufführung der Diabase neben den 
Gabbros unter seinen Teufengesteineu hervorgehobeu, die Diabas- 
Struktur sei vielmehr »wesentlich vorherrschend als eine Dolerit- 
Struktur mit vollkiystallinischer Intersertalmasse« aufzufassen -^) und 
schon früher betont, der Diabas zähle zu den Rliyotaxiteu und 
nicht zu den EugraniteiD), wohin ihn auch seine geologische 
Rolle weise®). Mit der langen Leisteuform der Plagioklase ist die 

0 Vergl. Vogels AN’G, Die Krystalliten (1875), herausgegeben von F. Zirkel 
S. 1 18, Tat. XIll, Fig. l. 

2) Vergl. Zirkel, D. Mikroskop. Beschaffenh. d. Mineral, u. Gesteine 1873 
S. 276 ff. 

Zeitschr. d. Deutscli. Geol. Ges. 1886, Bd. XXXVIll, S. 926 in Anm. 

0 a. a. 0. und dieses Jahrb. f. 1883 (1884) S. 513; vergl. auch Löwlnson- 
Lessing, Quelques considerations gmeliques sur les diabases, les gabbros et les 
diorites, Bull, de la soc. Beige de Geologie etc. Bd. II, 1888, S. 82 ff. 

a. a. 0. und Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1880, Bd. XXXII, S. 210. 


des Spiomoiits and des Bosonbergs bei St. Wendel etc. 


301 


Möglichkeit der Rhyotaxis ja gegeben und sie wird in den Diabas- 
gesteinen so wenig vermisst, als in jenen oben (S. 276) erwähnten 
rhyo-diabasischen Varietäten des Lowenburger »Dolerits«, die 
strnktnrell Neo- Diabase sind. — Dass der Quarz dagegen dem 
Plagioklasleistenwerk gegenüber die gleiche Rolle spielen kann, 
wie der Aiigit in der typischsten Diabas- oder der Ophit-Strnktiir ^), 
sein Erscheinen in Resteckchen oder Zwickelchen, sein Auftreten, 
sei es für sich allein, sei es in Gesellschaft von anderen Mine- 
ralien, besonders von Orthoklas in gesetzloser und gesetzlicher 
(pegmatophyrischer) Verwachsimg, als krystallinische lutersertal- 
masse (Mesostasis) und der Ersatz solcher Strukturen dui’ch das 
Platzgreifen saurer, wesentlich felsitischer Intersertalbasis : diese 
Verhältnisse sind gewiss auch vielen Petrographeu, die das Mikro- 
skop handhaben, schon aufgefallen, gleichwohl ist mir nicht 
bekannt (jewordeu, dass sie in dem hier cfenfebenen Zusammenliano' 
schon ins Licht gesetzt worden seien, obwohl ich mich nach 
Maasso-abe der heute ausserordentlich aimewachsenen Literatur 

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hierin ja irren könnte. 

Wenn Teall die Quarz- Krystalloide, welche die Rolle des 
Diabas -Augits in den faciell abweichenden Quarzaugitdioriteu und 
dioritporphyritischeu Aequivaleuten spielen, >ophitic plates« nennt, 
so ist dies leicht verständlich, obwohl MicriRL-LiiVY seine Ophit- 
Struktur ((o)'Q ansdrücklich auf diejenige Gesteinsgruppe be- 
schränkt, welche keinen Quarz oder ungelnmdene Kieselsäure 
jeder Art unter den Bestandtheilen der zweiten Erstarrungsgene- 
ration (»pas de silice li1)re dans leur magma de seconde cousoli- 
dation«) führen. Wollte mau aber die Struktur eines solchen 
Quarzaugitdiorits schlechtweg ophitisch nennen, so würde dies nicht 
mehr verständlich, sondern geradezu höchst missverständlich sein, 
denn man würde die Struktur auf das Verhältniss des Augits zum 
Plao’ioklas beziehen. Vielleicht kann man dieser Schwierio-keit der 

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Ausdrucksweise in der einfachsten Art dadurch begegnen, dass 

b Also uicbt in der Rolle, welche der Quarz in typischen Graniten u. s. w. 
spielt. 

b Structures et Classification des roches eruptives 18S9, pag. 24 — 26, in der 
Mineralogie micrographique 1878 ist das nicht ganz der Fall, vergl. S. loS. 


302 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


man eine oxyophitisclie Struktur^) von einer ophitischen 
schlechthin oder basiophitischen^) unterscheidet, gewisse 
Strukturen, in welchen dasselbe Plagioklasleisteuwerk einmal Augit- 
krystalloi'de, das andere Mal Quarz- oder Orthoklaskrystalloide 
durchspickt, lassen sich daun als oxyb asio p hitisch bezeichnen. 

Aus dem Zusammenhang der bekanuten Gesteiusstrukturen er- 
hellt, dass die oxyophitisclie Struktur ebensowenig als die normale 
ophitische oder diabasische eine typische Eugrauit-Struktur, oder 
eine structure grauitoide propremeut dite im Sinne von Miciiel- 
Lkvy sein kann. Dagegen spricht die leistenförmige Ausdehnung 
der Plagioklase und die Art ihrer Einzapfung in den bindenden 
Quarz von optisch einheitlicher Orieutirung. Sowohl das ein- 
seitige Längenwachsthum und die relativ gute krystalliuische Be- 
grenzung der Plagioklas-Leisten als das Hineiustrahlen derselben 
in die Quarzkrystalloide verweist vielmehr die Struktur in die 
Grupp e der divergentstrahlig-körnigen, welche sich gleich 
den pegmatophyrischeu nur örtlich und unter besonderen Um- 
ständen als abnorme Facies in der Grauit-Gabbro-lbeihe ein- 
stellen , so z. B. normal oder basiophitisch im Neuroder Gabbro- 
Zug da, wo derselbe in den Schlegeler Bergen sich sichtlich ver- 
schmälert. Es hat darum gar nichts Befremdendes, sondern 
entspricht vielmehr jenem Zusammenhang der Strukturen (die ja 
nach der ganzen Natur der Gesteine nie so scharf geschieden 
sein können, als wir sie begrifi’lich scheiden), dass in den Ker- 
santiten, die wenigstens zum TheiU) sichtlich ein strukturell noch 


') Für Quarz, Orthoklas und allenfalls saure Plagioklase; davon ist Quarz 
der weitaus wichtigste Fall. MicuEL-Liivv scheint die Struktur mit einzubegi’eifcn 
unter seine Structure granitoide propremeut dite. 

Für Augite, Hornblenden, Biotit, Olivin und Titaneisenerz; davon ist die 
Augitgruppe weitaus der wichtigste Fall. 

3) Beide Strukturen, die pegmatophyrische, wie die divergontstrahlig-körnige 
leiten hinüber zu sphärolithischen, beziehungsweise variolitischen Strukturen und 
geben auch hierdurch ihre Verwandtschaft mit den bei Rhyotaxiten vorherrschen- 
den Strukturen kund. Hat doch Rosenbusch seinen typischen »Granophyr« 
(Pegmatophyr) aus einer Ergussdecke beschrieben! 

d. h. soweit dieselben einen wesentlichen Gehalt an primärem Quarz be- 
sitzen ; den sollte man freilich in den typischen Kersantiten allemal erwarten. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


303 


mehr den Porphyriten augeuähertes Aequivalent der hier be- 
sprochenen abnormen Quarzbiotitaugitdiorite oder verwandter etwas 
basischerer glimmerreicherer Typen darstellen, und in den damit 
strukturell wesentlich übereinstimmenden, nur glimmerärmereu 
Bosenberg- und Spiemont-Gesteiuen, unseren glimmerarmen Augit- 
Kersantiteu, die mit dem letzten sauei'sten Erstarrimgsrest, Inüd 
Quarz, bald Quarz und Orthoklas, bald Mikropegmatit, erfüllten Eck- 
chen und Zwickelchen die Holle einer deutlich krystallinischen 
Mesostasis innerhalb des Strukturgewebes zeigen, die unter Um- 
ständen in echte kryptokrystalliuische bis felsokrystallitische Iiiter- 
sertalbasis übergeht. Will man diesen Zusammenhang mit der oxy- 
ophitischen Struktur betonen, so kann man von einer Oxy meso- 
stasis im Gegensatz zu der Basimesostasis reden, welche an 
Stelle der normalen basiophitischen Struktur bei dem Ueliergang 
des echten Diabas-Typus in den Dolerit-Typus tritt. 

Ganz so, wie die oxyophitische Struktur noch in recht Inasi- 
schen Gesteinen von ca. 50 pCt. SiO -2 in ein und demselben 
Dünnschliff neben der basiophitischen nachgewiesen wurde ^), so 
finden wir auch die Oxymesostasis, Mikropegmatit etc. ausser pri- 
märem Quarz oder Orthoklas, noch in den Diabastypen von gleich 
niedrigem Kieselsäuregehalt neben der echten oder basiophitischen 
Struktur oder neben Basimesostasis (Te.-vll’s M^hin Sill -Gestein 
e. p., Quarz führende oder Hysterobase des Harzes, der Lausitz, 
des nördlichen Thüriugerwaldes und der atlantischen Staaten 

sowohl nach F. Zirkel’s, Rosenbusch’s, Michel-Lev y’s und Barrois’ u. A. An- 
gaben; namentlich ist nicht vergessen, dass Michel-Levy und Douville in ihrer 
Originalabhandlung 187G den Kersanton der Bretagne in Uebereinstimmung mit 
Zirkel’s Beobachtungen quarzhaltig abgebildet haben, 1878 sprechen Fouquk 
und Michel-Levy noch von Kersantite quartzifere unter den sauren Gesteinen 
und bilden solchen allein ab (Mineralog. micrograph. pag. 156, 161, Planche IX, 
Fig. 1 und 2), daneben giebt der Text Kersantit mit accessorischem Quarzgehalt 
an (pag. 164); 1889 dagegen fehlt in den Tabellen der Structures et Classifi- 
cation des Boches eruptives pag. 76 und 90 in der Mineralformel für den Ker- 
santit jede Andeutung eines Quarzgehaltes und man bann nur aus anderen 
Stellen des Buches (Tabelle S. 88) entnehmen, dass die Kersantites quartziferes 
jetzt Micropegmatites andesitiques heissen sollen oder Kersantites avec passage 
aux micropegmatites (pag. 54). 
b Vergl. oben S. 297 — 298. 


304 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


Nonlamei'ikas u. s. w. ^)). lielativ basischere Plagioklase, relativ 
liülierer Erz- und Angit- Gehalt u. s. w. halten dann dem relativ 
späi’licheu Mikropegmatit, Quarz und Orthoklas die Wage, so 
dass die Durchschnittszusainmensetzung eine echt diabaslsch-dole- 
ritische bleibt oder sich weniar davon entfernt. Im Allgemeinen 
wird stets die vorherrschende basiophitische Struktur und Basi- 
mesostasis bezeichnend sein für die Gesteine der magmatischen 
Gabbro-Diabas-Melaphyr-Dolerit-Stufe, die vorherrschende oxy- 
ophitisclie Struktur und Oxymcsostasis für diejenigen der Quarz- 
augitdiorlt-Quarzangitdioritporphyrit und Kersantit-Augitporphyrit- 
Augitandesit- Stufe, wenn es gilt, jene Typen dieser beiden nahe 
verwandten Gruppen auseinander zu halten, die strukturell ver- 
mitteln zwischen den Eugraniten und den Rhyotaxiten. 

In dieser Beziehung darf die hier gegebene Darlegung zu- 
nächst als ein Beitrag aufgefasst werden zu der Frage, wie die 
Scheidung der eugranitischen, d. h. schlicht granitisch- körnigen, 
der pegmatophyrischen und der divergentstrahlig-körnigen, dabei 
wohl auch porphyrartigen Struktur- Aec^uivalente der Augit-Ande- 
site von den in entsprechenden Stndvturen ausgebildeten Aequiva- 
lenten der Dolerite und Eeldspathbasalte und im weiteren Zu- 
sammenhänge auch die Scheidung der »eigentlichen Augit-Por- 
phyrite^j« von den Melaphyren in dem von mir angeregten 
Sinne durchzuführen sei. Mit Genugthuung und Dank erkenne 
ich an, dass RosenbüSCH sowohl als Teall in ihren seither er- 
schienenen hervorragenden Lehrbüchern (zweite Auflage der 
Massengesteine und British Petrographie), beide in der einem 
Jeden eigenen Weise, diese Scheidung gefördert haben, wenn ich 
auch für meine Person, im Hinblick auf die Andesite und Dacite 
einerseits und auf die Gabbro’s andererseits, die scharf dnrch- 
geführte Trennung der Gesteine mit rhombischem und derjenigen 
mit monoklinem Angit (Pyroxen) nicht Ijefürworten kann und 

') Vergl. oben S. 294 — 295, sowie Bücking’s Mittheilungen über die Eruptiv- 
gesteine der Section Schmalkalden (Tliüringen) in diesem Jahrbuch für 1887 (1888), 
S. 126 — 127, wo der nahen Verwandtschaft von Kersantit und Hysterobas Er- 
wähnung geschieht. 

'^) cf. Ro-senbuscii, Massige Gesteine, 2. Aull., S. 447 — 448. 


des Spiemonts und dos Bosonbergs bei St. Wendel etc. 


305 


nach wie vor z. B. Rosenbusch’s Weiselbergit uud Eiistatit- 
porphyrit aus dem mittleren Eruptivbett des Greuzlagers an der 
Nahe uud Teall’s Cheviot-Porphyrite für wesentlich ein uud 
dasselbe andesitische Porpliyrit-Gestein ausehen muss. 

Es lieo-t niclit im Plaue dieser Abhandluim auf die der 

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Hauptsache nach wohlbekannten Strukturen solcher echter Erguss- 
Porphyrite uud strukturell gleichwerthiger Gang- und Stock- 
gesteiue hier näher eiuzugehen. Nur das sei bemerkt, dass gerade 
in der weiteren Umgebung von Oberkirchen, wo am Weisel- 
berge, sowie in den benachbarten Greuzlagerprohlen bei Reich- 
weiler uud anderwärts in der Richtuna: aeaen Baumholder hinzu, 
die Pechsteinporphyrite, mit reichlichem Gehalt an globulitisch 
gekörueltem Glas von über 60 pCt. Kieselsäure, herrschen, andere 
Tyj:ien nicht fehlen, in welchen ein lichtgelblich gefärliter Mikro- 
felsit au Stelle dieses Glases getreten ist, wie z. B. in den Augit- 
Porphyriten am Hohen Rech in der nordöstlichen Fortsetzung 
des Weiselbei’gs und in einem Gange östlich vom Wege, der von 
Oberkirchen nach Freisen führt. Ebenso giebt es unter den 
besser auskrystallisirten Varietäten der Mittelzoue des Greuzlagers 
solche, die zwischen dem Mikrolitheu-Filz anstatt der Glasträu- 
kung oder der Oxymesostasis Quarz- oder Qiiarzfeldspath-Nestchen, 
vergleichbar den sauersten Resteckchen der Augit - Kersautite, 
wenn auch begreiflicherweise nicht so regelmässig ausgebildet, 
behei'bergeu. 

In den »Oliviii-Weiselbergiten« Rosenbusch’s, welche 
der Hauptsache nach, soweit nicht einzelne echte olivinführende 
Augit- oder Brouzitandesite darunter einbegriffen sind ^), iiberein- 
stimmen mit meinen Olivin-Melaphyreu oder Bronzit-Me- 
laphyren von annähernd porphyritischer Struktur, die 
häufig schon mit blossem Auge als feinschuppig-körnige 
Parallelstruktur der Eeldspathtäfelcheu erkannt wird ^), 
ist das Anschlussglied der Melaphyre au die Augit- und Bronzit- 


b Vergl. dieses Jahrbuch für 1883, S. XXIV bis XXV. 
b Vergl. dieses Jahrbuch für 1883, S. XXXITI, sowie Zeitsehi’. d. Deutsch, 
geol. Ges. 1886, S. 923. 


Jahrbuch 1889. 


20 


306 


K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine 


Porpbyrite gegeben. Dieser Anschluss kommt nicht nur in der 
nahe verwandten Struktur, sondern sehr häufig auch in der che- 
mischen Mischung zum Ausdruck, in soweit diese letztere einen 
relativ hohen Alkali- und nicht selten darnuter einen hohen, das 
Natron procentisch auch wohl überwiegenden Kali-Gehalt anfweist 
(mehr als 5,5 pCt. Na 2 0H-K2 0). Der gesammte Kieselsänre- 
gehalt dageireu steht mit diesem höheren Alkaligehalt und der 
Aunähernng au die Porphyrit-Struktur keineswegs schlechthin in 
einem geraden Verhältuiss. Denn obgleich diese porphyritischeu 
Melaphyre, welche in Schlesien und bei Ilfeld geradezu die herr- 
schenden sind, sämmtlich über 50 pCt. Kieselsäure aufweisen und 
sonach der saureren Abtheilung der Melaphyre L. v. BüCii’s ange- 
hören, deren Kieselsänregehalt sich über den der Normalpyroxenite 
Bunsen’s erhebt, so giebt es doch unter den Melaphyren mit 
Intersertalbasis (Tholeyiten) solche mit felsokrystallitischer Meso- 
stasis und einer mehr divergeutstrahlig-porphyrischen, als divergent- 
strahlig-körnigen Struktur, die zufolge der Zusammensetzung eben 
dieser Oxybasimesostasis, sowie eines beständigen Bronzit- und 
eines nur ganz sj^ärlich erkennbaren Qnarzgehaltes 55 bis 56 pCt. 
Kieselsäure und doch nur 3,8 bis 4,9 pCt. Alkali (stets mehr 
Na 2 0 als K 2 O) gegen 11,9 bis 12,9 pCt. alkalischer Erden ent- 
halten. Es sind dies jene Melaphyr-Typcn, welche Rosenbusch 
in der ersten Auflage seiner Alassengesteine, abweichend von 
Laspeyres’ ursprünglicher Definition, Palatiuite genannt hatte, 
während der Laspeyres’scIic Palatinit von Norheim ein feldspath- 

') D. h. die herrschenden unter den echten Melaphyr-Typen: für Schlesien 
fehlt bisher eine Trennung der Porpbyrite, anscheinend grossentheils Augitpor- 
phyrite, von den Melapbyren; gleichwohl sind die ersteren im Waldenburgischon 
recht verbreitet, namentlich zwischen Landeshiit und Langwaltersdorf im Han- 
genden der Melaphyrdecke, soweit diese vorhanden ist. Reine doleritische bis 
diabasische Melaphyr-Typen sind mir weder aus der llfelder Gegend oder über- 
haupt im Harz, noch auch aus Niederschlesien bekannt. Es macht fast den Ein- 
druck, als ob sich in diesen beiden Landstrichen das normalpyroxenische Magma 
in den voraufgegangenen Gabbro- Eruptionen erschöpft habe. In Böhmen, im 
Thüringerwald und im Saar-Nahe-Gebiet, wo Gabbro-Gesteine fehlen, treten jene 
doleritisch - diabasischen Melaphyr-Typen auf. 

Ausschliesslich des Gesteins vom Schneidemüllerskopf bei Ilmenau, das 
ich mit Rosenbusch zum Augitporphyrit rechne. 


des Spiemonts und dos Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


307 


reicher Meso -Diabas von annähernd norinalpyroxenischeni Kiesel- 
sänregehalt ist, was ja nnninchr mit Rosenbusch’s eigener mikro- 
skopischer Diagnose und der in anznerkennender Weise in der 
zweiten Auflage seines Lehrbuches dementsprechend vorgenommenen 
AI)änderung der Namengebung in vollem Einklang ist. That- 
sächlich schliessen sich diese Bronzit-Tholeyite von mehr porphy- 
rischer als doleritischer Struktur am allernächsten an die ein 
wenig saureren und kalireicheren (K 2 0 >Na 2 0), bronzitführenden, 
pegmatophyrischen bis mesostasishaltigen Augitdioritporphyrite und 
Augitporphyrite des mittelharzer Gangsystems an, deren oben auf 
S. 295 Erwähnunsr a;ethan worden ist. Nach ihren Phiü-ioklas-Ein- 
sprenglingen zählen beiderlei Gesteine zu den Labradorpor- 
phyren^); die dioritporphyritischen bis porphyritischen 
Gesteine des Harzes haben indessen saurere Grundmasseu, denn 
ihre im Maximum 62 pCt. erreichenden Kieselsäurewerthe gehen 
bis zur Mitte der 50 herab; dagegen erreichen die melaphy rischen 
Labradorporphyre des Saar- Nahe -Gebiets in den obengedachten 
bronzithaltigen , untypischen, porphyrischen Meso -Doleriten eben 
diese Mitte im Alaximum und gehen durch an Grundmasse 
reichere, an Basis gleichwohl manchmal ärmere, meist olivinreiche 
Typen wie Rosenbusch’s Navite herunter bis zu den Kiesel- 
säurewertheu der Normalpyroxenite , in den Mandelsteinen bis 
unter die Mitte der 40 (44,5 pCt. Si02 zwischen Michelbach und 
Nunkirchen nach Bärwald, 43,8 pCt. Si02 zwischen Wallhausen 
und Namborn nach Böttcher). 

Nachstehende Tabelle erläutert die besprochenen chemischen 
Mischungsverhältnisse. Die mit einem Sternchen bezeichuetcn 
Analysen stammen aus dem Laboratorium der Königl. Bergaka- 
demie. Es betrifi’t: Analyse den dem Melaphyr angenäherten 
feinkörnig -schuppigen bis dichten und fast ganz einspreuglings- 
freien, schwärzlichgrauen Augitporphyrit deruntersten Grenz- 
lager-Ergüsse (Sohlgesteiu) vom Staffelhof^) zwischen 

0 ßosBNBUscn bat dafür Labradorporphyrit eingeführt; ich bleibe bei der 
historisch eingebürgerten Sprechweise, welche den Begriff Porphyrit sprachlich 
schärfer vom Begriff Melaphyr zu trennen gestattet. 

2) Vergl. dieses Jahrbuch für 1883, S. XXIV bis XXV. 


20 * 


308 


K. A. Lossen, Vergleichende Stadien über die Gesteine 


Burg-Birkenfekl und Iloppstaedten an der Nahe, analysirt von 
Gremse; Analyse 2* den änsserlich mehr basaltähuliclien dichten 
bis allerfeinst schuppig-körnigen, mikroporphyrischen, schwärzlich- 
grauen porphyritischen Olivin-Melaphyr oder Meso-Basalt 
(Olivin- Weiselhergit Rosenb.) von der Nordseite der Eruptiv- 
kuppe der Söterburg in den Lebacher Schichten zwischen 
Otzenhausen ,und Schwarzenbach, analysirt von Böttcher ^); 
Analyse 3 '^ den oxydirten feinkörnig-schuppigen, röthlich-graulichen, 
durch vererzte, blutrothe Pseudoinorphosen nach Hyalosiderit por- 
phyrisch gefleckten porphyritischen Olivin-Melaphyr oder 
Meso-Basalt (Olivin -Weiselhergit Rosenb.) vom rechten Ufer 
des Söterbachthals, S. von Sötern aus der südwestlichen 
Fortsetzung der Dachzone des Grenzlager-Ergusses, 
analysirt von Bärwalh ; Analyse 4 * den grob divergeutstrahlig- 
porphyrischen, schwärzlichgrauen Bronzit-Meso-Dolerit (Bron- 
zit-Tholeyit RoSENB.) des in den Lebacher Schichten auf- 
setzenden I nt rusiv -Lagers von der Eisenbahnhaltestelle 
Martiustein unterhalb Kirn an der Nahe, analysirt von Jacobs^); 
Analyse 5* den verwandten, aber noch gröber divergentstrahlig- 
körnig- porphyrischen, mesostasisärmeren , feldspathreicheren lich- 
teren, graulichen Meso-Dolerit der Intrusivmasse vom Sattel 
bei Niederkirchen, der zweierlei monoklinen Augit, einen 
sehr bronzit-ähnlichen Malakolith und einen mehr bräunlich durch- 
sichtigen Diabas- Augit, und daneben etwas anscheinend primäre 
braune Hornblende und spärlichen Olivin führt, analysirt von 
Gremse^); Analyse 6 den bronzithaltigen pegmatophy- 

*) Vergl. in den Erläuterungen zu Blatt Wadern die Analyse des analogen 
Gesteins vom Koppcben SW. von Castel a. d. Prims. 

Vergl. Ko.senb. Massige Gest. 2. Autl., S. 511 »an der Brücke unterhalb 
Sötern«. 

Vergl. Laspeyke.s’ Analyse desselben Gesteins mit 5G,2 pCt. SiOo. Ver- 
bandl. d. naturforsch. Ver. d. preuss. Kheinlande u. Westf. 1883, S. 378, sowie 
diejenige desselben Autors (ibid. S. 380) von dem analogen Vorkommen des 
Störzelbergs, bei Eossbacli im Lautertliale, östlich von Wolfstein (Rosenb. Massige 
Gest. 2. Aufl., S. 479) mit 55 pCt. Si02. 

■*) An derselben Oertlichkeit kommen auch feinkörnigere Melaphyr- Spiel- 
arten vor. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


309 


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) Ueberdies Li02, Cs02, Rb02 in Spuren. 


310 


K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine 


rischen A u g i t d i o r i t p o r ]) h y r i t ( h olokry stalliuporphyrischer 
Eustatitporphyrit Rosenb., Massengest. 2. Aufl. S. 479) aus der 
Alitte des Eruptiv- Ganges iin Steiubruch bei dein Wege- 
baus im B o linke -Thale zwischen Wernigerode und dem Büchen- 
berg im Mittelh arz 1), aualysirt von IIampe; Analyse 7 den 
bronzit- und olivinhaltigeu, m e 1 a p b y r i s c b e n oder m e s o b a s a 1 - 
tischen Labradorporpbyr des Intrusivlagers im Uiiter- 
rotbliegeudeu im AValde zwischen Koukeu und Herch- 
weiler bei Kusel mit glasig frischem Labrador (aualysirt), vor- 
wiegend frischen Aiigitmiueralien, Alalakolith und Bronzit, die in- 
dessen z. Tb. als Biotitpseiidomorpliosen 2) erscheinen, und zu 
Cbloropbaeit umgewandeltem Olivin als Einspreuglingeu in reich- 
licher schwärzlicher Grandmasse von hypokrystalliner Zusammen- 
setziiug, an der eine lichte felsokrystallitische bis globiilitische 
Basis uamhafteu Antheil hat, aualysirt von Laspeyres^); Ana- 
lyse 8’*' den Leukophyr-ähnlich umgewaudelteu grauen 
melaphyrischeu oder mesobasaltischen Labradorpor- 
phyr aus den Grenzlagerdeckeu (Dachzoue) von Oher- 
steiu mit Carhouatpseudomorphoseu uach Olivin, aualysirt von 
Bärwald; Analyse 9* den oxydirten, röthlichgrauen mela- 
jihyrischen oder mesohasaltischen Labradorporphyr aus 
den Grenzlagerdeckeu (Dachzone) des Liefert hei Kirn mit 
hliitrothen vererzteu Pseiidomorphosen uach Olivin, aualysirt von 
Bär WALD (7*, 8% 9"^ Navite RosenbüSCh’s, aber sichtlich kali- 
arm); Analyse 10* den schwärzlichen, schwach glänzenden, 
mikr op orphyr ischeu und daher fast dichten Meso-Ba- 

9 Streng hat bereits (Neues Jahrbuch f. Miii. 1860, S. 400) dasselbe Ge- 
stein analysirt, danach kann der Kieselsäuregehalt noch höher (58,13 pCt.) 
steigen unter Zunahme des Eisenoxyds und des Kali’s, Abnahme der Magnesia, 
des Natrons und des Kalkes. 

9 Ganz wie in den Labradorporphyren der mesobasaltischen obersten Er- 
gussdecken (Dachzone) des Grenzlagers auf dem Bahnhofe zu Oberstein (vergl. 
dieses Jahrbuch f. 1883, S. XXXI bis XXXII. Die in dem sonst recht frischen 
Gestein sehr auffällige Erscheinung ist in den Labradorporphyren zwischen Herch- 
weiler, Niederselchenbach und Konken sehr verbreitet. 

9 a. a. 0. S. 381. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


311 


salt der Kyrburg über Kiru, reich an dunkelbrauner, ge- 
körneltei’, erzreicher Basis analysirt von Bärwald ^). 

Für die durchschnittlich noch basischeren Mischuncren der 

O 

diabasischen oder doleritischen bis basaltischen Melaphyr- Typen 
sei auf Läspeyres’ Palatiuit- Analyse, auf seine und Lepsius’ 
Analyse des Oliviu-Melaphyrs bei Wendelsheim, ferner mit einigem 
V orbehalt auf die älteren BERGEMANN’schen Analysen , welche 
Gesteine von Martiustein, vom Schaumberg und vom Pietschberg 
bei Tholey beAeffeu), sowie auf Analyse auf S. 280 und end- 
lich auf den Text zu Blatt Lebach (1:25000) verwiesen. Hierunter 
sind die chemischen Aecpiivalente der Harzer Diabase und der 
ursprünglich durch L. v. BüCli zur Grundlage des heutigen Me- 
laphyr -Begriffes gemachten südtyroler Augitporphyre zu finden, 
insoweit diese letzteren nicht einen merklichen Orthoklas-Gehalt 
besitzen, der sie von typischen Plagioklas-Gesteinen entfernt. 

Der Kaligehalt der Melaphyre kann, soweit er überhaupt auf 
Orthoklas oder Kalifeldspath zu beziehen ist^), wie oben (S. 306) 
hervorgehobeu, keineswegs als stets an die Gesellschaft von Quarz 
oder saurer Basis gebunden betrachtet werden. E. Kalkowski’s 


') Mikroskopisch ist die Grundmasse dieses echt basaltischen, nur durch 
Plagioklas und Olivin mikroporphyrischen Melaphyr- Gesteins derjenigen des 
porphyritischen Weiselberg- Pechsteins zwar nicht unähnlich, doch zeigt die 
globulitische Basis ein viel tieferes Braun, Erzwachsthumsformen fehlen darin 
nicht und ist der Augit- und Erzgehalt des Gesteins sichtlich ein beträchtlicherer. 
Gesteine von Johannisberg nächst Kirn kommen dem Weiselberg -Porphyrit 
viel näher. Beide Vorkommen sind intrusiv. 

0 Der geringe, nicht einmal 1 pCt. ausmachende Magnesia- Gehalt in so 
basischen Gesteinen ist jedenfalls der Controlle bedürftig und stimmt mit den 
seither bekannt gewordenen Analysen gleicher Säurestufen in keiner Weise überein. 

0 G. Tschbrmak (Porphyrgest. Oesterreichs S. 133) hat denselben darin 
bereits beobachtet; J. Roxii, Allgem. und chemische Geologie 2. Bd., 1. Abth., 
S. 177 — 178, 184 — 185 giebt in den Diabasporidiyriten und Melaphyren Süd- 
tyrols mehrfach einen Orthoklas - Gehalt neben Plagioklas an, auf welchen auch 
die Analysen, namentlich diejenigen Lejiberg’s z. Th. schliessen lassen. Rosbn- 
BuscH führt die Gesteine unter den Naviten auf, die indessen an der Nahe keines- 
wegs stets durch Orthoklas ausgezeichnet sind. 

b Secundär gebildeter Kaliglimmer oder kalihaltige Grünerde kommen 
manchmal in Betracht. 


312 


K. A. Lossen, Vergleicheude Studien über die Gesteine 


gelegentlich der Beschrell)iing des Melapliyrs (Elemente der Li- 
tliologie S. 120) gethane Aeussernng »der Orthoklas zieht als Be- 
gleiter den Quarz mit sich« fand bereits hinsichtlich der untypischen 
sauren, bronzithaltigen Tholeyite keine Bestätigung. Die süd- 
tyrolischen, sehr basischen Melaphyre mit Orthoklasgehalt widei'- 
sprechen gleichfalls einer solchen Regel, die nur für eine An- 
zahl Fälle zutrifft (Uebergang von Melaphyr durch Quarzaugit- 
porphyrit in Angitquarzporphyr ) , für andere dagegen nicht 
(Uebergang von Melaphyr in Augitorthophyr). Die Augit-Kera- 
tophyre und die Palaeo-Augitorthophyre , welche ich als Aequi- 
valente der Augit-Trachyte aus den Diabasen ausgeschieden habe^), 
besitzen ja auch unter den Alesovulcaniten ihre Stellvertreter. 

Die Analysen o* n. (S. 266 n. 290) führen nns bereits solche 
Meso - Augitorthophyre und Meso - Augitkeratophyr e 
vor, welche indessen ihre nächsten verwandtschaftlichen Bezie- 
hungen zu porphyritischen Gesteinen haben. Die erstere betrifft 
die Syeuiorthophyr-Spielart von Winterbach, die durch 
einseitiges Verwiegen des Kalifeldspaths aus dem kalkreichereu 
dioritporphyritischen Spiemont-Gestein entstanden gedacht werden 
muss und bei geringem Quarzgehalt dessen dem Kersautit ver- 
wandte Struktur theilt, obwohl sie einen Quergaug durch die 
Schichten, das Spiemoutgesteiu dagegen eine der Streichrich- 
tung der Schichten mehr augeuäherte iutrusive Stockmasse zn- 
sammensetzt. Die letztere hinwider rührt von dem basishaltigeu 
Meso-Augitkeratophyr her, der bei der Namborner Mühle 
local anstatt des Bastitporphyrits als Erguss decke des Grenz- 
lagers auf dem Porphyrconglomerat der Söteruer Schichten ruht. 
Die Kieselsäurewerthe der beiden Alkalifeldspath- Gesteine, 55,49 
und 56,28 pCt. , liegen nach den im Vorstehenden mitgetheilten 
Tabellen auf der Grenze von Augitporphyrit und Melaphyr, ent- 
sprechend den Grenzwerthen zwischen Angitaudesit und Basalt. 
Dieser Umstand allein zeigt, dass in den Plagioklasgesteiuen mit 


') Orthoklashaltiger Melaphyr ist annehmbar, Orthoklasmelaphyr fällt aus 
dem Begriff Melaphyr heraus. 

Vergl. dieses Jahrbuch für 1884, S. XXXVI, für 1885, S. 213. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


313 


clom Austausch des Plagioklas gegen Orthoklas oder allgemeiner 
des Kalknatronfeldspaths gegen Alkalifeldspath die Kieselsäure 
keineswegs allemal wächst oder »der Orthoklas den Quarz mit 
sich zieht 

Es giebt indessen noch weit basischere Augit-Orthophyre oder 
Augit-Syenitporphyre, deren augitischer Gemeugtheil freilich durch- 
weg ebenso bereits der Umbildung in chloritische oder serpen- 
tinöse, bezw. bastitische Umwaudlungsprodukte anheimgefallen ist, 
wie derjenige der allermeisten strnkturell kersantit-älmlichen Augit- 
Dioritporphyrite und sehr vieler Augitporphyrite und Melaphyre. 
Im Anschluss au das Ergussgesteiu von der Namborner Mühle 
sei auf den der südwestlichen Fortsetzung der melaphyrischen 
Dachzone der Grenzlagerergüsse als locale Ausbildung augehörigeu 
Augitorthophyr vom Geschberg und Andeborn zwischen Aussen 
an der Prims und Düppenweiler hingewiesen (vergl. Erläuterungen 
zn Bl. Wahlen, S. 33). Analyse 11'^ des Augit(Bastit)- 
Orthophyr vom Geschberg, 2200 Schritt westlich von Aussen 
links am Wege nach Düppenweiler, zeigt deutlich den bereits 
oxydirten, des Carbonats bis auf geringe Spuren ledigen Zustand 
des kalireichen Gesteins. 

Zum Anschluss an das Winterbacher Gana:o:esteiu und die 
uächstverwaudten iutrusiven Sjiiemont- Gesteine dienen die Ana- 
lysen 12% 13* und 14% welche mehrere Gesteinsprobeu be- 
treflen, die dem recht mächtigen Intrusivlager in den Lebacher 
Schichten südlich und südöstlich von Pfeffelbach ent- 
stammen und die verschiedene D urchschnittszusammen- 
setzuug ein und derselben Eruptivmasse au verschie- 
denen O ertlichkeiteu oder an verschiedenen Stellen 
derselben Oertlichkeit darthun: und zwar entstammt die 
lichtgraue, schwärzlichgrüu gefleckte fein krystall-körnige Probe 12*, 
der bis auf das Liegende ‘Q uiederreicheudcu und senkrecht dazu 
roh säulig abgesonderten, parallel dazu von spärlichen Lagen läugs- 


b Dasselbe gebt aus dem Vergleich der Analyse des Boseuberggesteins g* 
mit denjenigen des Spiemont- Gesteins h* und e* auf S- 266 hervor. 

’b Im Contact compakter gewordene Lebacher Schieferthone. 


314 


K. A. Lösses, Vergleichende Studien über die Gesteine 


gestreckter Carbouat-Mändelcheii diirchzogeueu Sohlzone dieses 
Intrusivlagers, da wo dasselbe SSO. von Pfeffelbach »hinter der 
Klipp« östlich eines seichten Wiesengrundes in einem Steinbruche 
auf Pflastersteine abgebaut wird; die grünlich graue, schwärzlich- 
grün gefleckte, einem feinkörnigen Diabas ähnliche Probe 13* 
entstammt der im Hangenden dieser Sohlzone in demselben Stein- 
bruche anstehenden, roh kuglig, nicht sänlig, abgesonderten Zone, 
die mehr der Mitte der Intrusivmasse angehört, während 
die Dachzone derselben anstehend hier nicht aufgeschlossen ist; Probe 
14* dunkelgrünlichgrau, ebenfidls diabasähnlich, aber mit porphyr- 
artig ausgeschiedenen Orthoklas- und Plagioklas -Einsprenglingen 
und nach mikroskopischem , wie nach chemischem Nachweis ein 
Augit-Syenitporphyr, ist nicht wie die voraufgegangenen von mir 
selber an Ort und Stelle gesammelt, sondern von Herrn Grebe 
seiner Zeit ohne nähere Angabe als der Fundoi't Pfeffelbach ein- 
gesendet worden. Zugefügt ist diesen drei Analysen des Pfeffel- 
bacher Intrusivlagers schliesslich noch die Analyse 15* eines Hand- 
stücks, das ich in der Mitte der südwestlichen Fortsetzung 
dieses Lagers im Dorfe Herchweiler und zwar auf der 
Ostseite des Wassers unmittelbar hinter den Häusern der nörd- 
lichen Hälfte des bayerischen Dorfantheils geschlagen habe. Es 
gehört einem schwärzlichgraueu feindivergentstrahlig-körnigen Ge- 
stein an, aus dem Plagioklas in Leistcheu, und in nur wenig 
grösseren porphyrartig eingestreuten Täfelchen, Titaneisenerz- 
blättchen und vereinzelte pechglänzende, aus Olivin hervorgegangene 
Chlorophaeitkörner hervorblitzen ; das Mikroskop zeigt darin ausser 
solchen chlorophaeitischen und anderen viriditischen Umbildungs- 

b Nicht immer ist die Mittelzone eines »gemischten« Ganges die kiesel- 
säurereichere Zone. Für den Bodegang habe ich seiner Zeit das Gegeutheil 
nachgewiesen und nach weiteren durch Herrn Max Koch angestellten Analysen 
sind örtlich in diesem Gange zwischen den saureren Salbändern und der 
basischeren Mitte Differenzen bis zu 10 pCt. Kieselsäure vorhanden, dabei ist die 
Mitte reicher an Plagioklas und an Biotit, als das Salband, 

b Nicht Herschweiler, wie hier und da gedruckt worden ist. Letzteren 
Namen führt ein anderes benachbartes Dorf, welches indessen nicht an der 
bayerisch-preussischen Landesgrenze, sondern weiter südlich in der Richtung auf 
Homburg hinzu jenseits Konken liegt. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


315 


producten nach Olivin oder Aiigit, überdies noch licht grünlich- 
celb dnrchsichtic:en, hänfio; dnrch die Plagioklas -Leisten randlich 
zerschnittenen, seltener seinerseits in deren Umriss eingekerbten 
monoklinen Augit, anscheinend etwas Orthoklas nnd chloritisirten 
Biotit, Magnetit, Apatit nnd in Zwickeleckchen oxyophitisch vom 
Plagioklas durchspickten wasserhellen Quarz mit Apatit- und Erz- 
Einwachsungen und zahlreichen Flüssigkeitseinschlüssen mit Li- 
bellen; aber auch echte, z. Th. noch glasige, z. Th. in Viridit umge- 
wandclte Basis fehlt in spärlichen, schmalen Bestehen in tind 
zwischen den Feldspathen nicht ganz. Aeusserlich gleicht das 
rostbraun verwitternde, kuglig abgesonderte Gestein den olivin- 
haltigen Meso -Doleriten und Meso -Diabasen (Olivin -Tholeyiten 
und -Palatiniten), welchen dasselbe ja auch nach den Ilauptzügen 
seiner Struktur und Mineralaggregation, wie auch, unter Berück- 
sichtigung seines Eeldspathreichthums, nach der chemischen Durch- 
schnittszusammensetzung sichtlich nahe kommt, während doch 
andere Züge, zumal die oxyophitischeu Quarzresteckchen, an die 
glimmerarmen Augitkersantite des Bosenbergs und Spiemonts er- 
innern. Zu den letzteren gehört auch unzweideutig das Gestein 
der Probe 12* aus der Sohlzone des Steinlu’uchs bei Pfeflelbach, 
sowie überhaupt, soweit zahlreiche, immerhin aber im Verhältniss 
zu den anstehenden Massen verschwindend wenige Handstücke 
und Dünnschliffe leiten, die durchweg und örtlich wenig- 
stens in den Aussentheilen der Eruptivmasse vorherr- 
schende Gesteinsart des ganzen räumlich einheitlich zusammen- 
gehörigen, wenn auch zu Tag mehrfach unterbrochenen Intrusiv- 
lagerzugs, der sich von Seitzweiler, am Osterbache nahe dem 
Weiselberg, im SW. über Herchweiler, Pfeflelbach und Burg- 
Lichtenberg hinaus bis nahezu Körboru mehrere Stunden weit 
gegen NO. erstreckt. Das dunklere chloritreichere Gestein der 
Probe 1 3 * ist nicht nur äusserlich, sondern auch nach dem mikro- 
skopischen und chemischen Befund sichtlich mehr den Meso- 
Diabasen (Palatiniten) angenähert, es vertritt demnach die eben- 
falls nur aus der Mitte des Intrusivlagers bekannten, 
dem Meso-Dolerit nahekommenden Massen bei Herchweiler, die 
nach anderen aus dem dortigen Intrusivlager herrührenden, durch 


316 


K. A. Lossen, Verglcicheride Studien über die Gesteine 


H errn Grebe gesammelten Proben zu schliessen die echte basi- 
ojihitische Struktur ganz vorwiegend erkennen lassen. Gerade 
solche nicht mehr porphyritische, sondern melaphyrische Iland- 
stücke zeigen indessen örtlich ganz vorwiegend aus einfachen 
breiten unverzwillingten, gerade auslöschenden Feldspathkrystallen 
nebst etwas Eisenerz (anscheinend Magnetit) oder Apatit und 
nebst Quarz in den Resteckchen zusammengesetzte, von Plagioklas, 
Augit und Olivin so gut wie freie balleuförmige Ausscheidungen. 
Solche werfen daun das richtige Licht auf Probe 14* von Pfefl'el- 
bach, die einstweilen nur dem strahlig-körnigeu bis krystallkörnigen 
Augit-Syenitporphyr des Wiuterbacher Granges als basischere, von 
Haus aus augit-, jetzt chloritreichere und nahezu ganz quarzleere ') 
Varietät augereiht werden kann. Analyse 16* bezieht sich auf 
ein schwärzliches, der Probe 15 * aus dem Intrusivlager nicht un- 
ähnliches, nur viel feiner gefügtes basishaltiges Ergussg estein 



IP 

12 * 

13* 

14* 

15* 

16* 

Si 03 . . 

50,78 

54,32 

52,23 

46,96 

54,70 

54,19 

Ti O 2 (Zr O 2 ) 

1,32 

1,18 

1,19 

1,35 

1,09 

1,56 

AI 2 O 3 . . 

18,70 

17,36 

17,40 

15,97 

18,05 

16,28 

Fe 2 0;5 . . 

7,28 

2,32 

1,90 

1,92 

3,63 

5,08 

FeO . . . 

1,23 

6,14 

5,40 

7,35 

3,31 

3,46 

MgO . . . 

5,33 

3,04 

6,50 

8,97 

3,90 

2,98 

CaO . . . 

1,57 

3,11 

2,86 

2,72 

6,36 

6,34 

Na 2 0 . . 

1,83 

3,83 

4,30 

1,65 

4,08 

4,05 

K 2 O . . . 

7,36 

3,27 

1,85 

5,55 

1,97 

1,98 

II 2 O . . . 

4,20 

4,52 

5,58 

5,58 

3,28 

3,67 

0 

C 

0,23 

1,51 

0,75 

2,14 

— 

0,07 

P 2 O 5 . . . 

0,22 

Spur 

0,31 

0,26 

Spur 

0,43 

SO 3 . . . 

0,06 

0,08 

0,10 

0,27 

0,13 

0,14 

c . . . . 

— 

— 

0,09 

— 

— 

— 

Summe : 

100,11 

100,68 

100,46 

100,69 

100,50 

100,23 

Vol.-Gew. . 

— 

2,665 

2,637 

2,664 

2,684 

2,656 


Geemse. 

Fischer. 

Hesse. 

Hesse. 

Fischer. 

Bärwald. 


b Drei Körnchen wurden in dem Dünnschliff bemerkt. 

b Graue, globulitisch gekörnelte Basis, die sich in schmutzig olivengrünen, 
sonnenförmig-strahligblättrigen Yiridit umsetzt, wie dies F. Zikkel zuerst an der 
Basis der Anamesite kennen gelehrt hat. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


317 


aus dem Idarthale, dem Hause Carl Wild IX. gegenüber 
auf dem Westufer bei Idar anstehend, das ich nach meiner vor- 
läufigen Untersucbunsr an Ort und Stelle nur der Soblo-esteinzone 
des Grenzlagers (vgl. Analyse 1*) zureclmeu kann. 

Der Intrusivlagerzug in der Umgebung von Ilercli- 
weiler und Pfeffelbach ist sonach in vieler Beziehung recht 
lelirreicb. In ihm sind die verschiedenen stofflichen und stridc- 
turelleu Eigenschaften, welche die glimmerarmen Augit-Kersantite, 
die verwandten Augitsyenitporphyre und die Meso-Diahase (Pala- 
tinite) und Meso-Oliviu-Dolerite (O.-Tholeyite) einestheils von ein- 
ander scheiden, auderentheils untereinander verbinden, zufolge 
ungleichartiger Erstarrung des Magmas in einer geologischen 
Kaumeinheit so zu sagen verkörpert. Solche Vorkommen, welche 
nach der Natur der Massengesteine, als erstarrter chemischer 
Gemenge (Magmata), zu schliessen häufiger Vorkommen müssen, 
als uns im Einzelnen bekannt ist, wie sie denn seit der Einrich- 
tung systematischer geologischer Landesaufnahmen thatsächlich 
bald als »schlierige Stöcke«, bald als »gemischte Gänge« etc. gar- 
nicht so selten nachgewieseu worden sind, leiten am getreuesten 
unser Urtheil über den Werth der petrographischen Systematik. 
Sie heben gewiss nicht die Selliständigkeit der einzelnen durch 
Uebergänge vermittelten und in diesem Falle zu ein und dem- 
selben geologischen Körper verbundenen Gesteinstypeu auf, aber 
sie begründen andererseits den wichtigen grundlegenden Satz, 
dass substanziell verschiedene Gesteine, die unter Bei- 
behaltung verwandter Struktur, d. h. ohne Wechsel der 
geologischen Rolle, in ein und derselben geologischen 
Körperform in einander übergehen, als nächst verwandt 
zu gelten haben. 

Hierauf beruht schliesslich die Unterscheidung der Eugrauite 
und der Rhyotaxite als der zwei Hanptordnnngen der Klasse der 
Alassengesteiue im Gegensatz zu einer Systematik, welche in erster 


') Die gemischten Gänge des Thüringerwaldes und Harzes, sowie diejenigen 
Skandinaviens bieten naheliegende Beispiele. Namentlich enthält H. Bückixg’s 
in diesem Jahrbuche für 1887, S. 119 f. abgedruckter wichtiger Aufsatz bedeutende 
Vergleichspunkte für unser Thema, die von selbst in die Augen springen. 


318 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


Linie das mineralisch-cliemisch Gleichwerthige zusammenfasst, und 
erst in zweiter oder dritter Linie etwa die Struktur berücksichtigt. 
Auch die engere Unterscheidung der Rhyotaxite in Palaeo-, Meso- 
und Neo-Rhyotaxite nach den verschiedenen Ernptions- Zeitaltern 
(nicht nach den palaeontologischen Zeitaltern) leiten wir nicht 
zum geringsten Theil aus dem thatsächlich beobachtbaren Inein- 
anderübergclien der in einer der grossen Eruptionsepochen aus 
demselben Heerde geförderten und nicht selten in ein und der- 
selben Intrusivmasse oder in ein imd demselben Ergnss mit ein- 
ander verbundenen stofflich verschiedenen , strukturell dagegen 
ähnlich gefügten Rhyotaxit- Typen her. Die Natur selbst bietet 
uns hier den Zusammenhang feinerer verwandtschaftlicher Be- 
ziehungen dar, die zu beachten wir nm so mehr Veranlassung 
haben, als jenes lueinanderübergeheu nach der stofflichen, wie 
nach der strukturellen Seite hin zum Wesen der Massengesteine 
gehört, dergestalt, dass sie als Glieder von Mischungsreihen nicht 
allein nach den in jedem einzelnen Gliede vorherrschend aus- 
geprägten Eigenschaften, sondern zugleich auch nach der netz- 
artigen Verkettung der letzteren mit denjenigen der benachbarten 
Reihenglieder benrtheilt sein wollen. 

Die diesen Mittheilungen zn Grund gelegten Erfahrungen 
verweisen nicht den Palatinit oder, insofern dieser ein Meso-Diabas 
heissen muss, den Diabas überhaupt einschliesslich des sogenannten 
»Leukophyr«, zu den »Teufengesteinen« oder, wie wir von 
unserem Standpunkte aus gesagt hatten, zn den Engraniten, den 
Kersantit und Augit- Syenitporphyr dagegen schlechthin zu den 
»Ganggesteinen« und nur den Meso-Dolerit oder Tholeyit zu 
den »Ergussgesteinen« oder Rhyotaxiten. In wesentlicher Ueber- 
einstimmung vielmehr mit der bereits 1880, 1884 und 1886 dem 
Diabas im Gegensatz znm Gabbro zugewiesenen Steilung erkennen 
wir den Meso-Diabas zusammt dem untrennbar damit verknüpften 
Meso-Dolerit als solche in einander verlaufende Strnktnrtypen der 


') Vergl. Anm. 0 auf S. 259. 

Vergl. die Fussnoten auf S. 300. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


319 


Melapliyrformatio n, welche ganz vorzugsweise lutrusivlager^) 
oder Intrusivlagerstöcke und überdies eclite Quergänge im Unter- 
rothliegenden^) und Mittelrothliegenden^) zusanuuensetzen und dann 
wohl Labradorporphyr-Strukturtypen (z. Th. Navite) als Salbänder 
gegen das Nebengestein oder in verengten Gangtheilen zeigen; 
andererseits bestehen aber auch Intrusivlager in densell)eu Schichten 
zu Tage ganz aus Labradorporphyren Q, kleinere rundliche kuppige 
Dui-chbruchstöcke namentlich aus porphyritischem Melaphyr (Olivin- 
Weiselbergit) und verwandten augit- und erzreicheren Gesteinen 
mit reichlicher, meist globulitischer Basis; die Hauptverbreitnng 
dieser beiden letztgenannten basaltischen bis porphyritischen Mela- 
phyr-Strukturtypen fällt indessen in die Ergussdecken der Grenz- 
lager-Dachzone, worin echte basiophitische Gesteine örtlich zwar 
auch nicht ganz fehlen, nirgends aber vorwalten. 

Kersantite hatte man bisher ausschliesslich aus Gängen und 
kleinen Stöcken kennen gelernt ; für den Zusammenhang der 
Strukturen hat es nun gewiss einen nicht zu unterschätzenden 

b Soweit meine Erfahrung reicht, kann ich die neuerdings von Lei-sius (Das 
Mainzer Becken S. 8) geltend gemachte Auffassung, wonach nicht nur das Greuz- 
lager, sondern auch die Lager zwischen den Ottweiler, Cuseler, Lebacher und 
Tholeyer Schichten effusiv sein sollen, nicht theilen. Dagegen sprechen die Contact- 
metamorphosen im Hangenden, wie man solche z. B. im Eisenbahndurchsticb 
zwischen St. Wendel und Namborn beobachtet; Lepsius scheinen die von E. Wnrss 
im Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Jahrgang 1872 veröffentlichten und erläuterten 
Profile entgangen zu sein. Der LEPSius’schen Auffassung stehen nicht nur die 
Erfahrungen von Laspevres und Weiss und die meinigen, sondern auch die lang- 
jährigen V. Dechen’s entgegen, wie sich ganz direkt aus einem 1883 von seiner 
Hand geschriebenen Bericht in den Akten der geologischen Landesanstalt ergiebt. 

So z. B. zwischen Schwarzerden und Herchweiler, 
b Nach der älteren WEiss’schen Eintheilung: gemeint sind hier die Cuseler, 
Lebacher und Tholeyer oder Oberlebacher Schichten, welche nunmehr als Unter- 
rothliegendes zusammengefasst werden mit den Söterner Schichten, ursprünglich 
Gkebb’s Unteren Söterner Schichten , ungeachtet die letzteren schon discordant 
auf den älteren Stufen aufruhen und an der Transgression des Oberrothliegen- 
den, der Waderner und Kreuznacher Schichten, theilnehmen. 

b So z. B. gerade in der Umgebung von Herchweiler und Niederselchen - 
baeh vergl. S. 310. 

b Bezüglich der Stöcke sei an Liebe-Zimmermann’s Publicationen über die jung- 
thüringischen Eruptivgesteine des Blattes Probstzolla und an Ch. Barrois’ Ker- 
santites quarziferes recentes Asturiens erinnert. 


320 


K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine 


Werth, dass die gliinmei’armeu dioritporphyritiscben und syenit- 
porpliyrischen Gesteine mit Kersantit -Struktur, welche deu Aus- 
gangspunkt und Hauptgegenstand dieser Abhandlung bilden, die 
Gesteine des Spieinonts, Bosenbergs, des Lagerzugs zwischen 
Seitzweiler und Körborn u. a., des Winterbacher Gangs und der ver- 
wandten Quergänge zwischen St. Wendel und Kusel, durchaus 
die geologische Rolle der diabas- und doleritartigen Melaphyre 
theilen, indem auch sie Intrusivlao-er oder Intrusivlao-erstöcke oder 
Q.uergäuge im Obersten Carbon (Ottweiler Schichten) oder in den 
Schichten des Unter- und Mittelrothliegenden zusammensetzen und 
nur local in den porphyritischen Autheil der Greuzlagerergüsse 
hinüberspielen. Das Zusammenvorkommen diabasischer oder dole- 
ritischer Massen mit diesen strukturell kersautitähulicheu Augit- 
dioritporphyriteu und Augitsyenitporphyren und das Ineinanderüber- 
gehen in ein und demselben Intrusivlagerzuge bei Herchweiler und 
Pfeffelbach erläutert die gleiche geologische Werthigkeit 
der beiden ganz oder bis auf die lutersertalbasis voll- 
krystallinischeu, aber nicht eugr anitischen, sondern 
str ahligkörnigeu bis rhyotaxiti scheu Strukturen nur iu 
einer besonders lehrreichen Weise ^). 

Den geologischen Werth der einzelnen Struktur- 
formen der Mas senge steine zu bestimmen ist das nächste 
Ziel der Petrographie, welche sich im vollen Bewusstsein ihrer 
geologischen Aufgabe von der zu einseitig mineralisch- chemischen 
Auffassung des Gesteinsbegriffes der Struktur im Grossen wie im 
Kleinen , im AiffLan der Raumkörper, wie im Aufbau des sie 
füllenden Stoffaggregats, zugewandt hat. Bewuudernswerthes halben 
unsere Aleister iu der wissenschaftlichen Handhabung des Mikro- 
skops, II. C. SoRBY, F. Zirkel, H. Vogelsang, H. Rosenbusch, 

b RosENnuscH giebt in der 2. Ausgabe seiner Massengesteine neben dem 
»Diabas« von Norheim (Laspeyres Palatinit) unter anderen auch einen solchen 
vom Steinberge bei Linxweiler an. Beruht diese Angabe nicht auf einem Miss- 
verständnisse, so würde der Steinberg, welcher die directe Fortsetzung des Spie- 
mont ist und jedenfalls der Hauptsache nach, soweit meine mit Kosmann, Rolle 
und Grebe übereinstimmende Erfahrung reicht, aus demselben Gesteine besteht, 
eine zweite Oertlichkeit sein können, an der Diabas und glimmerarmer Augit- 
kersantit auf derselben Lagei'stätte Vorkommen. 


des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 


321 


F. FouQUK lind A. MiCiiEL-LiivY ii. A., theils durch die eigene 
Arbeit, theils durch die ihrer Schüler für die Erkeuutuiss und 
Werthung der Mikrostruktur der Gesteine geleistet. Gleichwohl 
ist jenes Ziel noch nicht erreicht und kann nicht erreicht werden, 
ohne die mühsame, aber lohnende Alitwirkung des mit den Er- 
fahrungen jener Arbeiten ausgerüsteten kartirenden Geologen. 
Selbst ein so gewaltiges Ilindrängen auf dieses Ziel, gestützt auf 
eine erdrückende Anzahl von Beobachtungen und Unterscheidungen 
und getrieben von dem genialen Flug theoretischer Speculation, 
als in Eosenbuscii’s zweiter Ausgabe der Massigen Gesteine sich 
knndgiebt, kann diese langsam, aber stetig fortschreitende Mit- 
wirkung nicht ersetzen, nur fördern — oder aber hemmen: letzteres 
dann, wenn die Speculation den Meister, die Begriffsschärfe den 
Lehrer über die noch zu schmale Beobachtungsgrundlage hinaus- 
geführt hat. Dergleichen Ilemmungspunkte treten hier al)er nicht 
nur zurück vor der Fülle der Belehrung und Anregung, die ein 
Jeder in grösserem oder geringerem Maasse empfängt, sie regen, 
gleich wie die unausgefüllten Lücken, welche jedes gute Lehrbuch 
aufweist, den Denkenden znm Weiterforschen an oder rufen Ent- 
gegnungen hervor. Es war mein aufrichtiges Bestreben , eine 
solche Lücke, auf die FI. Rosenbuscii selber in der Einleitung 
zur Familie der Porphyrite (a. a. O. S. 448) hingewiesen hat, in 
der vorstehenden Abhandlung; auszubauen. Möchte mir das einiger- 
maassen gelungen sein! — Dass ich darüber hinaus hie und da die 
Gelegenheit wahrgenommen habe, begriffliche und sprachliche 
Abweichungen hervorzidieben da, wo sich die eigene Auffassnng 
und Ausdrucksweise nicht ganz mit der meiner Fbiehgenossen und 
zumal mit derjenigen Rosenbüscii’s deckt, wird im Interesse eines 
besseren Verständnisses der Uuterscheidnng und Beschreibung der 
Eruptivgesteine in den Karteublättern und Schriften der Königl. 
geologischen Landesanstalt, soweit ich dafür die Verantwortung 
trage, sowie durch den Wunsch nach einem Ausgleich der Diffe- 
renz2)unkte gerechtfertigt erscheinen. 


Jahrbuch 188^). 


21 


Ein neuer Nautilus 

aus dein Greuzdolomit des tliüringischen Keupers 
(Trematodiscus jugatonodosus). 

Von Herrn Ernst Zimmermann in Berlin. 

(Hierzu Tafel XXVII.) 


Ist in Thüringen schon der Muschelkalk verhältnissmässig 
arm an Ceplialopoden, so ist es der Keuper in noch sehr viel 
höherem Grade, und jedes einzelne dort gefundene Individuum 
hat einen besonderen Werth; ja dies gilt sogar für den ganzen 
Keuper des germanischen Triasbeckeus. Meines Wissens sind 
überhaupt erst zwei Arten aus diesen Schichten in der Literatur 
heschrieben oder erwähnt worden; es sind dies der Nautilus bidor- 
satus V. SCHLOTH. und der Ceratites Schviidi Zimmerm. Besonders 
heschrieben ist davon nur die letztere, von mir im Grenzdolomit 
unweit Arnstadt in Thüringen gefundene Art i); der Nautilus 
wird aus dem Grenzdolomit von Sulz in Württemberg erwähnt 
Ausserdem hatte ich durch die Güte des Herrn von Koenen 
Gelegenheit, zwei weitere Exemplare dei’selhen Art aus der 
Sammlung des Göttinger Aluseums zu sehen, welche aTer aus dem 
untersten Kohlenkeuper (Grenzdolomit Fr aas) der Göttinger 
Gegend (Diemarden) stammen. Diese beiden Stücke sind klein 
und etwas verdrückt und sind die gewöludichen, nicht mit Rand- 
knoten verzierten Formen des N. bidorsatus. 


') Zeitsclir. d. Deutscli. geol. Ges. 1883, Bd. 35, S. 382. 
V. Ai.hekti, Ueherblick über die Trias, 18G4, S. 181. 


Ernst Zimmermann, Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit etc- 323 


Ich hatte mm im vergangenen Sommer bei Gelegenheit der 
Kartirnng des Blattes Stadtilm das Glück, nur wenig südlich vom 
Fundort des oben genannten Ceratiten, ebenfalls im Grenzdolomit 
des Unteren Keupers, einen neuen Nautilus^ leider auch nur in 
einem Exemplare, zu finden. Und es hat dieser nicht bloss einen 
Werth als Cephalopod im deutschen Keuper überhaupt, sondern 
noch besonders in systematischer und in stratigraphisch- und 
topisch -geologischer Hinsicht, sodass er eine genauere Beschrei- 
bung verdient. 

Was das Vorkommen betrifft, so stellt der Keuper auf 
dem Blatte Stadtilm den am weitesten nach Südwesten vor- 
geschobenen Posten dieser Formation in Thüringen und somit 
das nächste Verbindungsglied zum fränkischen und süddeutschen 
Keuper dar. Die untere Stufe besteht, wie sonst im thüringischen 
Becken und wie anch in der Umgebuuo; von Meiniuo-en, aus 
grauen und dunklen Schieferletten mit grauen Sandstein- und 
Ockerdolomit - Einlagerungen ; ihr oberstes Glied bilden wenig 
mächtige, mehr oder minder bunte IVIergel. Mit der nun folgenden 
zweiten Stufe, dem »Grenzdolomit«, schliesst der Unterkeuper 
gegen die bunten Mergel des Gypskeupers ab. — Der ebenfalls 
ockerige Grenzdolomit ist nur wenige (2 bis 3) Meter mächtig 
und ist bald reich an Versteinerungen, bald aber, und zwar 
meistens, ist sogar die häufigste Art, Mi/ophoria Goldfussi, sehr 
spärlich. Die Fauna zeigt, wie unter anderem aus E. E. Schmid’s 
Abhandlungen über den Untei’en Keuper Thüringens hervorgeht, 
noch einmal eine Rückkehr von der Brackwasser- oder gar linmi- 
schen Fauna der unteren Stufe des Keupers zu der marinen des 
Muschelkalkes. Mit wenigen Ausnahmen stimmen alle Formen 
ganz oder nahezu überein und die Vergesellschaftung der Arten ist 
im Grenzdolomit ganz ähnlich derjenigen in vielen Schichten des 
Muschelkalkes. Den Hauptbestandtheil der Grenzdolomitfanna 
bilden Zweischaler, insbesondere Myophorien und Gervillien ; da- 
neben kommen Wirbelthierreste nicht selten vor; aber Brachio- 
poden und Gasteropoden sind sehr spärlich, Echinodermen noch 
ganz unbekannt; die Cephalopoden habe ich schon behandelt. — 
War nun die Fundstelle des Ceratiies Sch midi eines von den 


21 


324 Ernst Zimmermann, Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit 


reiflilich Versteinernngeu führenden Nestern, so fand ich mit dem 
zu beschreibenden Nautilus zusammen nur sehr wenige andere 
Formen und zwar alle im selben Gesteinsstück: es waren Bruch- 
stücke von Myoplioria Goldfussi^ eine schlecht erhaltene M. cf. 
transversa^ eine kleine Lingula und mehrere kreisrunde, der Nau- 
tilusschale anhaftende Eindrücke, welche ich von der ebenfalls 
aus Keuper noch incht bekannten, im Muschelkalk gemeinen 
Ostrea sessilis herzuleiten geneigt hin. Wie fitst überall im Grenz- 
dolomit, so sind auch hier die Schalen aller Versteinerungen mit 
Ausnahme derer von Lingula aufgelöst und nur noch ihre Stein- 
kerne und Abdrücke erhalten. 

Die F lindst eile des Nautilus Hegt in der Nordwestecke des 
Blattes Stadtilm nahe der Grenze gegen Blatt Plaue, nördlich 
von der die Dörfer Görbitzhausen und Branchewinde verbindenden 
Strasse. Der Grenzdoloinit steht dort zwar nicht fest an, sondern 
man findet nur Lesesteine, aber sowohl petrographisch als strati- 
graphisch und palaeontologisch ist die Diagnose aller einzelnen 
dort auftreteuden Glieder des Oberen Aluschelkalkes, des FTnteren 
und des Mittleren Keupers völlig sicher, und die genaue Karti- 
rung wird durch die verschiedene Beschaffenheit und Farbe der 
Böden, die z. Th. intensiv bunt ist, wesentlich erleichtert. 

Artbeschreibung: Erhalten sind nun von dem Nautilus 
die Wohnkammer und so viele Luftkammern, dass der äussere 
Umgang fitst völlig vorliegt (es fehlen etwa 2 Luftkammern); da- 
a'eofen fehlen alle inneren Windungen. Ausserdem ist die Ober- 
fläche des Stückes an vielen Stellen durch Verwitterung und auf 
andere Weise augegriflen, sodass nur auf dem vorletzten Qua- 
dranten gröfsere unverletzte Flächen vorhanden sind, während im 
tdirigen nur der allgemeine Umriss deutlich ist. Gleichwohl lässt 
sich mit Sicherheit die folgende Beschreibung geben. 

Die Windungen sind völlig evolut. Jede Windung legt sich 
nur auf den Aussentheil der vorhergehenden auf, ohne auf deren 
Seitenflächen überzugreifen. Das Wachsthum erfolgt sehr rasch, 
aber ungleich stark in Bezug auf Breite und Höhe des Windungs- 
querschnittes, sodass der letztere, am Anfitng des letzten Umgangs 
flach trapezisch, an dessen Ende, also an der Mundöffnung, fast 


des thürintjischen Keupers (Trematodiscus jugatonodosus). 


325 


quadratisch geworden ist. Es zeigt nämlich die älteste vorhandene 
Kaniinerscheidewand eine (in der Mittellinie gemessene) Höhe von 
18 Millimeter bei 32 Millimeter grösster Breite, während die ent- 
S|irechenden (nicht ganz scharf messbaren) Werthe für die Mund- 
öff'nung 62 und 72 Millimeter sind. Der gesammte Scheil)endurch- 
messcr beträgt 137 Millimeter, der Nabel nimmt davoii 40 Milli- 
meter ein. 

Die Länge der Wohnkammer beträgt nicht bloss, wie hei 
den meisten Nautilen beobachtet ist, einen halben, sondern auf- 
fälliger Weise etwa ^/g Umgang. 

Der Windungsquerschnitt ist, wie schon hervorgehoben, im 
grossen ganzen trapezförmig, und zwar dadurch, dass die flachen 
Seitentheile von aussen nach innen allmählich austeigen und sich 
sowohl gegen den Ansseutheil wie gegen die Nabelwand deutlich 
absonderu. Die Grenze gegen die letztere ist allerdings keine 
Kante, sondern nur eine schnelle Umbiegung. Die Nabelwaud ist 
flach gewölbt und fällt ziemlich steil gegen die Naht ein. — 
Seitentheile und Nabelwand sind jedenfalls ohne Sculptur gewesen, 
denn einzelne Andeutungen von Querfalten auf ersteren dürften 
wohl, bei der mangelhaften Erhaltung, mit grösserer Wahrschein- 
lichkeit auf Verletzungen bei Gelegenheit der Gesteiusverwitte- 
rung znrückzuführen, der Schale aber nicht ursprünglich eigen 
gewesen sein. — Die llandkante zwischen dem Aussentheil und 
den Seitenflächen ist von Knoten eingenommen, die in der Rich- 
tung der Spirale etwas lauggezogeu sind; es sind ihrer 6—7 auf 
demjenigen Quadranten vorhanden, der sie wegen besserer Erhal- 
tung allein noch zeigt; es mögen demnach auf den ganzen Um- 
gang etwa 25—28 gekommen sein. Au ein paar Stellen, wo Abdrücke 
vom Aussentheil des vorletzten Umgangs sichtbar sind, gewahrt 
mau keine solche Knoten mehr, sodass diese sich wahrscheinlich 
erst auf der letzten Wind uua; orebildet haben; dao-eo-eu ist auf der 
vorletzten die Raudkaute sehr deutlich. — Zwischen dieser Rand- 
kante, bezw. der Raudknoten-Spirale, und der Mittellinie verläuft 
auf dem Ausseutheile jederseits eine zweite, abgerundete Kaute, 
derai't, dass der Aussentheil durch die vier Kanten, bezw. Kanten und 
Kuoteuspiralen in drei Streifen zertheilt wird. Der mittlere Streifen 


326 Ernst Zimmermann, Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit 


ist ein wenig breiter als jeder der beiden seitlielien ; er bildet eine 
nicht eben flache Fnrclie, ähnlich derjenigen bei tiefgefurchten 
Exemplaren des Nautilus hido)'satus; die Furche ist völlig glatt; 
nur zarte, nach hinten convexe Bogeulinieu sieht inan bei gün- 
stiger Beleuchtung, als Andeutungen von Zuwachsstreifen. ■ — Die 
beiden Seiteustreifeu fallen von der inneren Kante gegen die 
Kaudkante hin flach ab; und es zieht sich über sie von jedem 
Ilandknoteu aus schräg nach rückwärts, im Sinne der Zuwachs- 
streifnng, eine sehr flache Falte, die sich allmählich mit der 
ebenso flach gewölbten Innenkante verflösst, sodass sie auf dieser 
keine Knoten mehr erzeugt. Auf diese Querjoche zwischen der 
Innenkante und der Kaudknotenspirale soll sich der Name N. juga- 
tonodosus beziehen, den ich in der Februarsitzuug der Deutschen 
geologischen Gesellschaft bei Vorlegung dieser Art vorgeschlagen 
habe. Die Felder, in welche die beiden Seiteustreifeu durch 
diese schrägverlaufenden Joche zerlegt werden, haben etwa rhom- 
bische Gestalt. Wie die Kaudkuoteu, so fehlen auch die Joche 
auf dem vorletzten Umgänge noch; derselbe besass also noch 
glatte Seitenstreifen und nur die 4, dieselben begrenzenden Spiral- 
kauteu. 

Die Scheidewände sind einfach uhrglasförmig, die Durch- 
schnitte mit dem Aussen- und den Seitentheilen bilden sehr flache 
Loben; sehr gut ausgebildet ist ein kleiner spitzer Iiiternlobus. 
Der Sipho liegt unterhalb der halben Winduugshöhe; eine perl- 
schnurförmige Gestalt desselben ist nicht erkennbar. 

Systematische Stellung: Mit dem bisher allein aus der 

deutschen Trias beschriebenen N. bidorsatus zeiart unsere neue 

O 

Art durch die Mittelfurche auf dem Rücken und durch die bei 
jener Art zuweilen vorkommenden Randkuoteu eine enge Ver- 
wandtschaft gegenüber den nnverzierten Abtheilnngeu der Nautilen. 
Während aber der N. bidorsatus durch seine verhältuissmässig ge- 
länge Scnlptur sich unter den beiden in Betracht kommenden 
Untergattungen Temnocheihis mUoy und Trematodiscus Meek au die 
erstere auschliesst, muss der N. jugatonodosus zu Trematodiscus ge- 
stellt werden, weil er auch noch auf dem Exterutheil Sculptur zeigt. 
Mau nniss allerdings jene Gattuugsdiaguose zu Grunde legen, die von 


des thüringischen Keupers (Tromatodiscus jugatonodosus). 


327 


MoJSisovics (Cephalopodeu der mediterranen Triasprovinz, S. 270) 
gegeben hat, nud in welcher diese ursprünglich allein für car- 
houisclie Nantiliden aufgestellte Gattung auch auf triadische 
Formen ausgedehnt wird. Unser N. jucjatonodosua zeigt dann 
aber ganz jene Merkmale, durch die sich die meisten triadischen 
von den carhonisclien Arten unterscheiden: den Mangel spiraliger 
Lateralsculptur, das Vorhandensein flacher Extern- und Seitenloheu 
und eines spitzen luternlohus. Von den durch Mojslsovics be- 
schriebenen triadischen Trematodiscua - AviQU steht T. Kliputeini 
(I. c. S. 271, tab. LXXXIX, fig. 2 a und 21)) unserer Art am 
allernächsten, unterscheidet sich aber durch grössere Involution 
und durch die Auflösung auch der inneren Kante auf dem Extern- 
theil in einzelne Knoten, sowie die mangelnden schrägen Quer- 
joche zwischen dieser inneren und der äusseren Kaute, hezw. 
Knotenspirale, auf welche der jiigatoHodoms hiuweisen soll. 

Stratigraphische und topisch -geologische Schluss- 
folgerungen: Die triadische Formeugruppe von Trematodisem 

ist bisher nach MOJSISOVICS »nur als grosse Seltenheit in den 
unter- und mittelkarnischen Ablagerungen der Mediterrauproviuz« 
gefunden worden; wenngleich sie, wie mir auch der berühmte 
Autor schreibt, nun auch in den norischen Bildungen zu er- 
warten wäre, so besteht doch in der That zwischen den beiden 
nächstverwaudteu Arten, dem T. jugatonodosus und dem T. Klip- 
steinig eine i’echt gute Uebereinstimmung in ihrem geologischen 
Alter, da der germanische Grenzdolomit doch nach den lüsherigeu 
Erfahrungen zeitlich in die karuische Periode zu setzen ist. — 
Noch wichtiger aber scheint mir der Umstand zu sein, dass, wie alle 
bisher in der germanischen Trias gefundenen Cephalopodeu, so 
auch die darin neu gefüudeue Gattung T rematodiscus ihre nächsten 
Verwandten und Vertreter nur in den mediterranen Ab- 
lagerungen der alpinen Trias besitzt; denn es ist daraus der 
Schluss zu ziehen, dass das germanische Becken, dauernd oder 
mindestens zeitweise, mit dem mediterranen zusammengehangen 
und daraus seine pelagischen Formen bezogen hat, und dass eine 
Verbindung mit der juvavischen Provinz nicht bestanden zu haben 
scheint. 


Beitrag* zur Jjössfrage. 

Von Herrn F. WahnschafTe in Berlin. 

In einem auf der 62. Versammlung deutscher Naturforscher 
und Aerzte zu Ileidelherg 188D gehaltenen Vortrage hat sich 
A. Sauer auf Grund seiner im Dienste der sächsischen geolo- 
gischen Landesaufnahme ausgeführten Untersuchungen für die 
aeolische Entstehung der Lössablagerungen in Sachsen, sowie 
überhaupt in dem ganzen Randgebiete des norddeutschen Flach- 
landes ausgesprochen. Da er hierbei vielfach der von mir ver- 
tretenen Ansicht einer glacial- tluviatileu Entstehuno des nord- 
deutschen Randlöss entgegentritt und meine Auffassungen zu 
widerlegen sucht, wobei ich allerdings eine Berücksichtigung meiner 
Abhandlung »Die Q,mirtärbildungen der Umgegend von Magde- 
burg« vermisse, so sehe ich mich veranlasst, auf die Ausführungen 
und hauptsächlichsten Eiuwürfe des Verfassers näher einzugehen. 
Ich habe zu diesem Zwecke Ende April dieses Jahres inneihall) 
der von mir schon früher durchforschten Magdelnirger Gegend 
nochmals eine mehrtägige Begehung ausgeführt, deren Ergebnisse 
im Nachstehenden verwerthet werden sollen. 

Sauer theilt uns mit, dass nach seinen Untersuchungen die 
Quarzkörner im Löss von Meissen nur selten eckig -splitterig, 
sondern im Gegentheil vollkommen oder doch deutlich an den 

b A. Sauer, Ueber die aeolische Entstehung des Löss am Rande der nord- 
deutschen Tiefebene. Abgedruckt in der Zeitschr. für Naturwissenschaften 
Bd. LXII. Halle 1889. 


F. Waiinschakfh, Beitrag zur LössiVage. 


329 


Kanten a1)gernndet seien und dass eine vollendete Abrundung sogar 
bis zu den winzigsten Dimensionen der Körner von 0,003 Milli- 
meter herab sich fände. Eine mikroskopische Untersuchung des 
der Lösskörnuug entsprechenden feinen Antlieils aus dem Cfe- 
schiebelehm, aus dessen gelockerter Oberfläche der Löss mit 
Hülfe des Windes nach seiner Auffassung ausgeweht sein soll, 
ergab, dass auch hier an den Quarzkörnern unter 0,1 Millimeter 
Durchmesser die runde Form vorherrschte. 

Eine von mir jüngst ausgeführte mechanische und mikro- 
skopische Untersuchung eines sehr typischen Bördelösses und des 
ihn in den Muschelkalkbrüchen zwischen Langenweddingen und 
Sülldorf unmittelbar unterlagernden Geschiebemergels zeigte ein 
von den SAUElbscheii Beobachtungen völlig abweichendes llesultat. 


I. Mechanische Analyse. 

Lufttrockene Substanz mit dem ScnoNii’schon Schläminapparate bei 0,2™'”, 2,0'"'” 
und 7,0™'” Sclilämmgeschwindigkeit in der Sekunde gesclilämint. 


.Fundort 

Profil 


Durchmesser der Körner 

Summa 

Grand 

über 

Sand 

1,0- 1 1,0- 
0,1'”'” : 0,05'"'” 

Staub 
0,05- 
0,0 1""” 

Feinste Theile 
unter 
0,01""" 

Muschel- 

kalkVji’nch 

zwisclien 

Langen- 

weddingen 

und 

Sülldorf 

Löss 

— 

1,59 

11,78 

G2,98 

23,65 

100,00 

Ge- 

schiebe- 

mergcl 

2,40 

47,72 

15, 9G 

IG, 88 

17,04 

100,00 


II. Köhlens äu r e b e sti mm u n g 
mit dom ScuEiBLEu’scheo Apjiarate vom Staube (0,0Ö — 0,01'"'”). 


Körnuugsprodukt 

0,05—0,01""" 

CO-, pCt. 

Bereclinct auf CaCOs pCt. 

Löss 


10,55 

Geschiebcmcrgel 

4, SG 

11,05 


330 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


Sowohl das Schläniniprodokt vou 0,05 — 0,01 Millimeter als 
auch dasjenige von 0,1 — 0,05 Millimeter Durchmesser des obigen 
Löss zeigte ausschliesslich eckige und splitterige Quarzkörnchen, 
welche keine Spur von Abrundung erkennen liesseu. Dieselbe 
fand sich erst bei vereinzelten grösseren Körnern des Schlämm- 
riickstaiides von 1,0 — 0,1 Millimeter Durchmesser. Ebenso waren 
die Quarzkörnchen im Staubgehalt des Geschiebemergels (von 
0,05 — 0,01 Millimeter Durchmesser) ausgebildet. Es fand sich 
auch nicht ein einziges rundes Korn darin. Auch der Grand des 
Geschiebemergels über 2 Millimeter Durchmesser zeigte eine nur un- 
vollkommene Abrundung der meist ecki<ren Gesteinsbruchstückchen. 
Die von mir schon früher gemachte Ileobachtung, dass für den 
Löss der Alagdeburger Börde die eckig-splitterige Form der 
Quarzkörnchen charakteristisch ist, glaube ich für die ganzen 
dortigen Ablagerungen aufrecht erhalten zu können. Auf die 
»eckig-scharfkantige« Form der Quarzkörnchen oder -Splitter des 
Staubes und der feinsten Th eile macht auch Dalmer bei 
dem Löss der Sectiou Borna (S. 30) aufmerksam, während Siegert 
von dem Löss und Lösssande der Sectiou Hirschstein (S. 33) er- 
wähnt, dass sowohl die grösseren, wie die kleinsten Quarzkörnchen 
sich »in der Regel mehr oder weniger vollkommen gerundet, z. Th. 
aber auch scharfkantig und splitterig« zeigen, ln den Erläute- 
rungen zur Sectiou Riesa-Strehla sagt Klemm (S. 39): Der löss- 
artige Sand besteht, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt, 
aus kleinen, scharfkantigen Quarzsplitterchen, denen relativ wenig 
thoulge Theilchen beigemengt sind«. Aus diesen Mittheilungeu 
geht hervor, dass die von Sauer beobachtete vollkommen runde 
Form der Quarzkörner des Meissner Löss nicht in allen Löss- 
gebieten Sachsens die Regel ist. 

xkuch ein Löss vou Vienenburg am Nordrande des Harzes, 
den ich mikroskopisch untersuchte und auf dessen mechanische 
Zusammensetzung ich noch später zurückkommen werde, zeigte 
die eckig-splitterige Form seiner Quarzkörnchen ebenfalls in sehr 
vollkommener Weise. Wenn der Löss der Meissner Gegend sich 
anders verhält, so beweist das für seine aeolische Entstehung 
nichts. Allerdings können nach Daubree’s vou mir bereits früher 


r. Wahnschai'fe. Beitrag zur Lossfrage. 


331 


verwertheteu Untersuchungen^) alle (^narzköruclien, welche kleiner 
sind als 0,1 Millimeter, nicht mehr in schwachbewegtem Wasser ge- 
rollt werden, woraus Sauer folgert, dass die Abrundung der feinsten 
Quarzkörnchen in einem specitisch leichteren Medium als Wasser 
erfolgt sei. Als solches kann nach ihm nur die Luft in Iletracht 
kommen. Zugegeben, dass Sauer hierin Recht hat, so lässt sich an- 
nehmen, dass die Abrundung der feinen Qnarzkörnchen durch den 
Wind vor dem glacial- fluviatilen Schlämmprocesse stattgefunden 
habe und dass aeriles Material dem Löss beigemengt sei. 

Ein Ilanptbeweis Sauer’s für die aeolische Entstehung des 
Löss sind die im norddeutschen Flachlande vorkommenden und 
auch jüngst unter dem Löss Sachsens nachgewiesenen Drei- 
kantcr oder Kanteugeschiebe. Ich muss zunächst hervor- 
hebeu, dass Sauer die vorhandene Littei’atur, welche ihm, da alle 
einschlägigen Arbeiten der letzten Zeit im Neuen Jahrbuche für 
Aliueralogie u. s. w. 1888, Bd. II, S. 300 — 304 besi)rochen wor- 
den sind, sehr leicht zugänglich gewesen wäre, wenig sorgfältig 
berücksichtigt hat. Er sag-t S. 21 : »Ueber die Entstehumj dieser 

C3 O O 

Kanteno'eschiebe, nach der indess nicht o;erade häntiü:en Form 
auch Dreikanter benannt, hat man die verschiedensten Ver- 
muthungen ausgesprochen. Zuletzt äusserte sich Berendt darüber. 
Derselbe glaubt, dass die glacialeu Schmelzwässer die im Sande 
an- und aufeinander liegenden Geschiebe in laug andauernder, 
rüttelnder Bewegung erhielten und so eine gegenseitige Ab- 
Schleifung der Geschiebe l)ewirkteu.« Ausser diesem von Berendt 
bereits 1885 veröflentlichten Aufsätze bespricht Sauer nur noch 
Walther’s Alittheiluugen über die durch Sandstürme entstandenen 
Kanteugeschiebe in der Galalawüste vom Jahre 1887 und in einer 
Anmerkung die Erörterungen IIeim’s »über Kantengeschiebe aus 
dem norddeutschen Diluvium« vom Jahre 1888. Dagegen scheinen 
ihm die in der Zwischenzeit gemachten wichtigen Untersuchungen 
über die Entstehung der Dreikanter von Natuorst, AIickwitz 
und DE Geer, durch welche die BERENDT’sche Auffassung be- 


b Die lössartigen Bildungen am Rande des norddeutschen Flachlandes. 
(Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 188G, S. ö63.) 


332 


Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


reits widerlegt wurde, A^öllig uubekaimt geblieben zu sein. Vor 
allen Dingen aber ist es irrtliündicli, wenn Sauer die Entstehung 
aller Dreikanter im norddeutschen Flachlaude (S. 26) in die 
Diluvialzeit verlegt, während die Beobachtungen von de Geer ^), 
Dames und mir ‘^) gezeigt haben, dass solche Gebilde noch in 
allerj üugster Zeit durch die Einwirkung des Windes auch 
ohne »endlose Steppe mit ihren Wirbelstürmen« entstehen können. 
Darum ist es auch unberechtigt, aus vorkommenden Kautenge- 
schieben unter dem Löss eine allgemeine Periode »grossartigster 
aeolischer Thätigkeit« vor und zur Lösszeit ableiten zu wollen. 

Erst durch die neuesten Aufnahmen der sächsischen Geoloffeu 
ist nachgewieseu wmrden, dass, wie mir Herr H. Credner auf 
eine Anfrage gütigst mittheilte, in der Steinsohle des sächsischen 
Lösses, Lösslehms und Lösssandes, welche geologisch gleich- 
werthig und durch Uebergäuge eng verknüpft sind, ziemlich all- 
gemein typische Dreikauter Vorkommen. Als Beispiele nannte er 
eine ihm im Frühjahr 1889 von IIazard gezeigte Grube bei Box- 
dorf (Section Moritzburg, nördlich von Dresden), ferner Sectiou 
Kadebero; iind Pulsnitz. In der 1890 erschienenen Erläuteruner 
zu letztgenannter Sectiou schreibt O. IIerrmann (S. 43): »An 
den Geschieben des Lösslehms ist die Dreikanterform in ihrer 
typischen Entwicklung nur äusserst selten wahrzunehmen, dahiu- 
2 ;eo-en beobachtet mau an ihnen bisweilen eine ebene Fläche oder 
eine scharfe Kante , welche den Beginn der Dreikanterbilduug 
auzeigt«. 

Bei meinen Untersuchungen in der Magdeburger Gegend ist 
es mir neuerdings an einem einzigen Punkte gelungen, einige 
Kantengeschiebe in der Steiusohle des Löss aufzufindeu. Sie 


b Geol. Fören. i Stockholm Förli., Bd. VIII, Heft 7, S. 505. 
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 22G — 27 u. 229. Die hier mit- 
gctlieilten Beobachtungen entsprechen der auch von Walther an reccnten 
Kantengeschieben der Galalawüste gemachten und von Sauer S. 26 wiederge- 
gebenen, »dass eine Anzahl der deutlichsten Kantengerölle nur mit ihrer 
oberen Hälfte aus dem Boden herausragten und nur hier die abge- 
schliffenen Kanten zeigten, während die untere von Erde bedeckte Hälfte 
keinerlei Kanten erkennen lässt und völlig der Sandpolitur entbehrt«. 


F. Wahnschapi'e, Beitrag zur Lössfrage. 


333 


faiideu sich iu der Bereits früher von mir beschriel)enen und alt- 
gebildeten, jetzt bedeutend vergrösserten Kenpermergelgrnbe von 
Gross-Wanzleben ^). Ich beobaclitete liier an der südwestlichen 
Grnbenwand zwischen Löss nnd Kenperinergel einige Reste von 
Dilnvialsand, die zn der Bildung der Dreikanter in gewisser Be- 
ziehung zu stehen scheinen. Niemand wird die Entstehung der- 
selben durch vom Winde getragenen Lössstanb erklären wollen, 
nnd wenn sie jetzt an der Basis des Löss liegen , so muss ihre 
Bildung vor Absatz desselben erfolgt sein, als sie sich noch an 
der Oberfläche befanden nnd der vom Winde getriebene gröbere 
Saud, wie auch Sauer (S. 26) anuimmt, ihre. Abschleifnng be- 
wirken konnte. Das Vorkommen der Dreikanter in der 
Steinsohle des Löss kann daher nicht als ein Beweis 
für die aeolische Entstehung des seilten angeführt wer- 
den. Es ist iu dieser Hinsicht bemerkenswerth, dass die Ennd- 
orte der in Sachsen unter dem Löss anfgefundenen Kantenge- 
schiebe sich auf dem rechten Elbufer befinden, wo mächtige 
Sandablagernngeu oberflächenbildend anftreteu, deren An- 
häufung nach Sauer (S. 27) eine Eolge der aeolischen Anfberei- 
tnug der altdiluvialen Oberfläche sein soll. Auch im norddeutschen 
Flachlaude finden sich die Kantengeschiebe nicht, wie Sauer (S. 21) 
behauptet, »durch die ganze norddentsche Tiefeltene« in der 
obersten Deckschicht des älteren Diluviums verbreitet, sondern 
nur dort, wo vom Winde bewegbarer Sand au die Oberfläche 
tritt, also vorzugsweise in Gebieten, die mit Geschiebesand oder 
mit den schwachlehmig -sandigen Aiiswaschungs- nnd Verwitte- 
rungsrückständen des Geschiebelehms Itedecdct sind. 

Sauer, der mit mir darin ül)ereinstimmt, dass der Löss als 
eine inngglaciale Ablagerung die oberste Deckschicht des Diluviums 
bildet, snebt die von mir vertretene Anffassnng zn widerlegen, 
dass die an der Basis des Löss vielfach entwickelte Stein sohle 
aus der Zerstörung der Grimdmoräne durch glaciale Schmelz- 
wasser hervorgegangen sei. Sauer meint (S. 20): »Wenn aber 


b Die Quartärbildungen der Umgegend von Magdeburg u. s. w. (Abhandl. 
z. geol. Specialkarte von Preussen u. s. w. Bd. YIl, lieft I, S. G8.) 


334 


F. Wahnscitaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


dem so wäre, so müsste man doch, soweit die Thätigkeit der 
glacialen Schmelz- und Stauwässer reichte , oder mit anderen 
Worten, im ganzen Gebiete der Lössbedecknngeu dieser Steiu- 
sohle in mehr oder minder deutlich erhaltenen Spuren begegnen«. 
Als Hauptgrund für die Unmöglichkeit meiner Auffassung führt 
er an, dass die Steiusohle sich in Sachsen nur bis zu einem 
Niveau von etwa 150 — 180 Meter findet, während der Lösslehm 
das Gebirgsplateau bis zu Höhen von 400 Meter bedeckt. In 
Bezug hierauf sagt Saüer (S. 21): »Daraus folgt aber doch un- 
bedingt, dass sie der ansschwemmenden Thätigkeit einer glacialen 
Stanflnth ihre Entstehung nicht verdanken kann, die doch solcherlei 
Spuren soweit oder nahe soweit als die Lössablageruugeu reichen, 
hinterlassen haben müsste«. Diese Beweisführung scheint mir 
wenig stichhaltig zu sein, da man die Steinsohle natürlich nur 
dort erwarten kann, wo Geschiebemergel vorher znm Absatz 
gelaugt war, denn man müsste sonst von der Stanflnth verlangen, 
dass sie die Geschiebe der Steinsohle mit derselben Iveichtigkeit 
trausportirte wie den feinen Gletscherschlamm. Derselbe wurde, 
wie die Verbreitung des Löss lehrt, durch die Hochflnth auch in 
Gebiete getragen, welche von der Vereisung, resp. von der Be- 
deckung mit Grnudmoräuenmaterial verschont geblieben waren. 

Schon früher habe ich hervorgehobeu, dass die geoguostischeu 
Verhältnisse in der Magdeburger Börde ganz entschieden für eine 
Anfbereitnng des Lössnntei’grnndes durch fliessendes Wasser vor 
oder während des Lössabsatzes sprechen. Auch Penok hebt in 
den Erläuterungen zu Section Grimma (S. 72) hervor, dass die 
Thäler im Allgemeinen älter seien als der Löss und dass, da die 
Herausbildung einiger derselben erst nach Ablagerung des älteren 
Diluviums vor sich gegangen sei, in der Zeit zwischen Bildung 
des letzteren und der des Lösses eine nicht xmbeträchtliche Erosion 
und Denudation stattgefnnden haben müsse. An einer Stelle heisst 
es: »Für diese allgemeinere Denudation spricht n. A. auch das 
nicht seltene Vorkommen einer »Steinsohle«, also eines Geschiebe- 
lagers auf der Grenze zwischen Löss und Geschiebelehm, ferner 
der Umstand, dass sich der Löss häufig unmittelbar auf dyadische 
oder tertiäre Schichten legt, ohne dass sich altdiluviale Ablagerungen 
zwischen beiden fänden«. Analoge Beobachtungen konnte ich 


F. Waiinschapfe, Beitrag zur Lössfrage. 


335 


auch bei meiueii diesjährigen Wanderungen durch die Börde 
machen. Man hat dort nur sehr selten Gelegenheit, den Obereu 
Geschiebeinergel als unmittelbaren Untergrund des Löss zu be- 
obachten. Trotzdem deutet das fetzeuartige Vorkommen 
von Oberem Geschiebemergel darauf hin, dass die Grund- 
moräne hier ebenso wie im übrigen norddeutschen Flachlande 
eine mehr oder weniojer zusammenhängende Decke gebildet haben 
wird. Während man in den zahlreichen Aufschlüssen westlich 
von Magdeburg, wie sie die Steiubrüche und sonstigen Gruben 
bei Ebendorf, Olvenstedt, Diesdorf und dem Bahnhof Langen- 
weddingen bieten, nirgends Gelegenheit hat, den Geschiebe- 
mergel direct unter Löss zu sehen, findet er sich in sehr typischer 
Ausbildung zwischen Laugenweddingen und Sülldorf ‘^), sowie 
westlich von Olvenstedt. Hier bietet der westlich von dem Wege 
Ebeudorf-Schuarsleben gelegene Grauwackesteiubruch einen aus- 

Ö O 

gezeichneten Aufschluss, welchen ich früher noch nicht gesehen 
hatte. Das an der Ostwaud dieses Steiubruches sich zeigende 
Profil veranschaulicht die beigefügte Abl)ildung. 


Fig. 1. 

Profil ans dem westlicli vom Ebendorf-Sclmarslebener Wege nalie der Chaussee 
nach Irxleben gelegenen Grauwackesteinbruch. 



1. Humoser Löss. 2. Gelber Löss. 3. Geschiebemergel. 4. Magdeburger 
Grünsaud. 5. Grauwacke. 


b Die Quartärbildungen der Umgegend von Magdeburg u. s. w. S. 42 — 44. 
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1888, Bd. XL, S. 2(j3. 


336 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


Die hier ziemlich Ost -West streichende und unter 43^ nach 
Süd einfallende Grauwacke, welche an ihrem Ausgehenden nnregel- 
massig höckerig ausgehildet ist, wird zunächst vom mittel -oligo- 
cäinen Magdeburger Grünsaud überlagert, der nach Süden zu bis 
zu 11 Decimeter Mächtigkeit besitzt und dessen deutlich horizon- 
tale Schichten flach sattelförmig anfgebogen sind. Nach Norden 
zu keilt sich der Grünsaud aus und ist in den unteren Theil des 
darüber folgenden Geschiebemergels zum Theil verarbeitet, zum 
Theil in ganz dünnen Bändern und Streifen eingewalzt. Der 
Geschiebemergel, welcher ebenfalls nach Süden hin an Mächtig- 
keit zunimmt, sodass er am Ende der Grubenwaud ungefähr 
2 Meter erreicht, zeigt eine sehr typische Ausbildung, indem er 
ndt kleinen und grossen Geschieben, unter denen einige sogar 
eine Grösse von 0,5 — 1 Meter Durchmesser erreichen, regellos 
durchsetzt ist. Aus einer von Herrn Dr. Hölzer mit dem 
ScHElBLER’schen Apparate ausgeführten Kohlensäurebestimmung 
von dem Feinbodeu dieses Geschiel)emergels (unter 2 Millimeter 
Korugrösse) liess sich folge}ider Gehalt an Calcinmcarbonat be- 
rechnen : 

Gelialt des Feinbodeus an CaCOs. 

Erste Bestimmung .... 4,85 pCt. 

Zweite Bestimmung . . . 4,79 » 

Mittel 4,82 pCt. 

Nach Norden zu keilt sich der Geschiebemergel gleichfalls 
aus, sodass dort der ihn überlagernde Löss mit seiner humosen 
Oberkrume unmittelbar auf der Grauwacke aufruht. Wie die 
Ab1)ilduug zeigt, ragen einige schweitartig ansgezogene Partieen 
des Lössmaterials in den Geschiebemergel hinein, stehen jedoch, 
wie sich bei der oberen deutlich nachweisen liess, mit der oberen 
Ivössschicht in Verbindung. Der gelbe kalkhaltige Löss l)esitzt 
hier eine gleichmässige Mächtigkeit von 11 Decimeter, während 
seine humose Decke 5 Decimeter mächtig ist. I4er gelbe Löss 
zeigt im nördlichen Theile der Grubenwand nach nuten zu eine 
deutliche Bankung durch eingelagerte 0,5 — 4 Centimeter mächtige 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


337 


Sand streifch eil. In dem untersten Theile des Löss an der 
Grenze znin Geseliiebeinergel ist hier, wie fast überall in der 
Börde, eine dentlicbe Steinsoble entwickelt. Die Geschiebe der- 
selben sind dieselben wie im Gescliiebemerfrel und zeigen auch 
die gleiche kantgerundete und nur wenig gerollte Form wie jene. 
In den Gruben der südlich von der Chaussee Magdeburg-Olven- 
stedt gegenüber der Düppler Mühle gelegenen Ziegelei habe ich 
die Steiusohle ebenfalls genau untersucht. Ihre Geschiebe sind 
hier meist klein, doch kommen auch einzelne bis zn 1 Meter 
Durchmesser vor. Sie sind sämmtlich kantig oder kantgernndet 
und zeigen nirgends die charakteristische vom Windschlift' her- 
rührende Politur. Die beigefügte nach einer Photographie herge- 
stellte Abbildung (Fig. 2) soll die Form dieser Geschiebe und 


ihre Uebereinstimmnng mit Blöcken der Grundmoräne veranschau- 
lichen. Der Geschiebemergel in dem vorher erwähnten Grau- 
wackesteinbruch an dem Ebendorf-Schnarslebener Wege hat nach 
Süden zu keine weite Erstreckung, denn in dem Aufschlüsse an 
dem Kreuzungspnnkte des soeben genannten Weges mit der 
Olvenstedt-Irxlebener Chaussee findet sich folgendes Profil: 

C> 

Jahrbuch 188D. _ 22 


Fig. 2. 



Geschiebe aus der Steinsohle an der Basis des Bordelöss. 


338 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


Löss 

Diluvialsand 

Septarienthon (stark gefaltet und gestört). 

Es ist beinerkenswertli, dass in dem Profil Fig. 1 der Ge- 
schiebemergel von dem Löss in einer vollkommen scharfen, fast 
horizontalen Linie ahgeschnitten wird, was ebenso wie das Aus- 
keilen des Geschiebemergels nach Nord und Süd nur durch die 
Wirkung strömenden Wassers zu erklären ist. Die im Geschiehe- 
mergel sich hier findenden Lösspartieen lassen sich in der Weise 
deuten, dass hei der Abtrao-ung; des Geschiehemerg:els in sandig-eren 
Theilen desselben Ausspülungen stattfanden und in diese Höh- 
lungen das Lössmaterial später eingeschwemmt wurde. Wäre der 
Löss der Börde ein Windahsatz, so würde sein Liegendes eine 
viel unregelmässigere Oberfläche zeigen, der Löss müsste häufig 
sackartig in vorhandene Vertiefungen eingesenkt sein, was an 
keiner einzigen Stelle bisher zu beobachten war. Das scharfe 
Abschneiden des Löss gegen den Untergrund scheint mir 
in der Magdeliurger Börde ein Hauptlieweis für seine fluviatile 
Entstehung zu sein. Man kann dies in allen Aufschlüssen beob- 
achten. Auf weite Erstreckung zeigte sich diese Erscheinung be- 
sonders deutlich in dem grossen Grauwackesteinbruch dicht beim 
Dorfe Ebendorf an dem Ebendorf- Olvenstedter Wege, wo der 
oxydirte nnd zum Theil umgelagerte Magdeburger Grünsand in 
einer geraden Linie von dem Löss mit seiner Steinsohle abge- 
schnittcn wird. Letztere ist hier 1 — 1,5 Decimeter mächtig und 
führt meist kleinere Geschiebe von AVallnuss- bis - Eaustgrösse, 
während vereinzelte grössere nicht fehlen. 

Eine Schichtung des Löss durch Einlagerung feiner Sand- 
streifen tritt in der jVIagdeburger Gegend verschiedentlich auf, 
z. B. bei Ebendorf, Schnarsleben und Olvenstedt. Der Umstand, 
dass diese Schichtung sich gewöhnlich nur im unteren Theile des 
Löss findet und oft auf weite Strecken hin verfolgt werden kann, 
deutet darauf hin, dass während der Alllagerung der tieferen Löss- 
schichten ab und zu ein Wechsel in der Stromgeschwindigkeit der 
Wassermassen eintrat. Die von Sauer auf Blatt Meissen nach- 


F. Wah.nschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


339 


gewiesenen lokalen Einscbweniimingen von Sclmttstreifen iin Löss 
sprechen weder für die aeolisclie noch gegen die flnviatile Ent- 
stelmno- der Lössbildunu-en. Für die letztere Bildungsweise scheint 
mir jedoch die obere Schichtenfolge in den Gruben südwestlich 
von Canitz beweisend zu sein, die Sauer (Erläuterungen zu Sectiou 
Meissen S. 121) folgeudermaasseu angiebt: 

1,2 Meter Löss, 

0,4 » fester, scharfer Sand, 

0,3 » feiugeschichteter Löss, 

0,4 » Geschiebelehm, 

10,0 » Saud uud Kies in vielfacher Wechsellageruug, 

0,3 — 0,5 » grobe Geröllbauk, 

2 » gelbbrauner, fester, horizontal geschichteter, 

fast geschiebelehmartig fester, schwach 
lehmig:er Sand mit horizontal eino-elao-erteu 

O O ö 

Kiesschmitzen. 

Noch auf einen anderen Punkt der SAUER’schen Arbeit habe 
ich einzugehen. Bei Sauer heisst es S. 19: »Die durch den Wind 
aufgearbeiteteu, unter Mitwirkung von Frost gelockerten Bestand- 
theile der Geschiebelehmoberfläche wurden nach Maassgabe ihrer 
Korngrösse abgelagert, die gröberen und gröbsten am Rande des 
Berglandes, während der feinste Staub weit hinauf in das Gebirge 
getragen wurde«. Was die Abstammung des Lössmaterials be- 
trifft, so stimme ich darin mit Sauer überein, dass dasselbe aus 
dem Geschiebemergel herzuleiten ist. Auf diese Weise erklärt 
sich am einfachsten der Kalkg:ehalt des Löss, der in der Magde- 
burger Gegend für denselben charakteristisch ist. Da die im Löss 
vorherrschenden Bestandtheile eine Korngrösse von 0,05 — 0,0 1 Milli- 
meter Durchmesser besitzen, was einer Schlämmgeschwindigkeit 
von 2 Millimeter in der Sekunde entspricht, so schlämmte ich den 
Löss uud Geschiebemergel , welche zwischen Langeuweddiugen 
und Sülldorf übereinander liegen, bei dieser Geschwindigkeit und 
fand, dass die gleichen Schlämmprodukte auch völlig gleiche 
physikalische Eigeuschafteir (mehlartiges Abfärbeu, Zu- 
sammenhalt in trockuem Zustande, Zerfällen im Wasser) besitzen. 

22 * 


340 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


Auch liiusiclitlich ihres Kalkgehaltes stimmeu sie aunäheriKl ül)er- 
ein, da der Staub vom Löss 10,5, der vom (Teschiehemergel 
1 1 ,0 pCt. kohlensaureii Kalk enthält. Natürlich darf man aus 
dieser einen Untersuchung keine zuweit gehenden Schlussfolge- 
rungen ziehen, da der Löss nicht aus dem unmittelbar darunter 
anstehenden Geschiebemergel zu stammen braucht, sondern von 
weiter her transportirt sein kann. Mit dem von Sauer behaup- 
teten Saigerungsproeess, nach welchem die feineren Lössbildungen 
unmittelbar am Gebirgsrande, die gröberen im nördlichen Rand- 
gebiete Vorkommen sollen, stimmen meine jüngst ausgeführten 
Untersuchunsien nicht überein. Es ist allerdiims richtis;, dass im 
nördlichen Randgebiete der Börde, beispielsweise zwischen Hundis- 
burg und Althaldensleben, zwischen Meitzendorf und Ell)ey, wo 
der Löss an ein Sandgebiet anstösst und von Sand unterlagert 
wird, eine innige Vermischung des Lösses und Sandes einge- 
treten ist, sodass man den Löss in einer schmalen Randzone als 
Lösssand bezeichnen kann. 

Sauer, der seine Annahme eines Saigerungsprocesses durch 
den Wind namentlich darauf stützt, dass der echte Löss nach 
Norden zu in horizontaler Richtung in sandigen Löss und Sand 
übergeht, führt selbst an, dass ein solcher Uebergang auch in 
vertikaler Richtung nach unten zu ziemlich schuell stattfäude, 
wie dies z. B. die Aufschlüsse am heiligen Grunde bei Meissen 
lehren. Dasselbe Lagerungsverhältu iss von echtem Löss auf Sand- 
löss ist von Schumacher i) und Andreae im Eisass nachge- 
wiesen, wo die Möglichkeit einer glacial- fluviatilen Bildung des 
Löss von Sauer selbst (S. 5) zugegeben, allerdings in allerneuster 
Zeit '^) wieder in Frage gestellt wird. 

Nach dem Harzrande zu wird dagegen der Löss keineswegs 
feiner, sondern zeigt im Gegcntheil beim Abschlämmen einen weit 


b Erläuternngen zur geologischen Karte der Umgegend von Strassburg 18S3 
und Zur Verbreitung des Sandlöss im Eisass. (Mittheilungen der Comm. f. d. 
geol. Landes- Unters, f. Eisass -Lothringen, ßd. IT, 1889.) 

b Abhand. z. geol. Specialkarte v. Eisass- Lothringen, Bd. IV, Heft 2, 1884. 
A. S.vuEu und C. CiHoLius, Die ersten Kantongeschiebe im Gebiete der 
Rheinebene. (Neues Jalirb. f. Min. etc. 1890, 11.) 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


341 


gröl)ereu uud reichlicheren Rückstand als die Lösse iin Eörde- 
gebiet. Die mechanische Analyse eines Löss l)ei Vienenburg an 
der Chaussee nach Wennerode ergab folgendes Kesnltat: 


Grand und Sand 
über 
2-0,1"'™ 

Feinsand 

0,1-0,05"'™ 

Staub 

0,05-0,01"'"' 

Feinste Theile 
unter 
0,01"'™ 

Summa 

12,48 

12,79 

60,79 

13,94 

100,00 


In dem Rückstände bei 7 Millimeter Schlämmgeschwindigkeit 
lietänden sich mehrere 4 — 7 Millimeter grosse, scharfkantige 
Rröckchen von llarzgesteinen, darunter deutlich erkennbare Kiesel- 
schiefer. Im Gegensatz zu diesem Löss am Nordrande des Harzes 
zeigte der Bördelöss zwischen Langenweddingen mul Sülldorf bei 
7 Millimeter Schlämmjreschwindigkeit einen Rückstand von mir 
1,59 pCt. , welchem der Grand vollständig fehlte. Nur ganz ver- 
einzelte Qiiarzkörner dieses Rückstandes besassen eine Grösse von 
etwas über 1,5 Millimeter Durchmesser. Aus einer von Herrn 
Dr. Hölzer mit dem SciiEiRLEu’schen Apparate ansgeführteu 
Kohlensäurebestimmnug des Vienenbnrger Löss liess sich folgender 
Gehalt au Calciumcarbonat berechnen : 

Erste Bestimmung .... 11,98 pCt. 

Zweite Bestimmung . . . 11,83 » 

Mittel 11,90 pCt. CaCOy. 

Meine frühere Bemerkung, dass die lössaitigen Bildungen am 
Nordrande des Harzes etwas thouiger ausgebildet seien als der 
Bördelöss bezog sich nur auf einige im Felde gemachte Beob- 
achtungen, vor allem auf den FTmstaud, dass die entkalkten Löss- 
lehme dort vielfach zur Ziegelfabrikation benutzt werden, während 
der Bördelöss in dieser Hinsicht nur als Zuschlag zu Septarieu- 
thou Verwendung liudet. Eine chemische Untersuchung des 
Vieueuburger Löss auf Thongehalt ist bisher noch nicht ausge- 
führt worden, auch können aus der vorliegenden Schlämmaualyse 


') Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. 1885, Bd. XXXVIl, S. 1)04. 


342 


F. Wahnschaki'E, Beitrag zur Lössfrage. 


darauf l)ezügliclie Sclilassfolgerimgeii nicht gezogen werden; da- 
gegen ist dieselbe geeignet, die SAUER’sche Hypothese einer fort- 
schreitenden Saigerung des Lössmaterials durch Wind nach den 
Gebirgen zu für den Harzrand zu widerlegen, da der Vienenburger 
Löss einen grandig-san digen Rückstand von 12,49 pCt. 
zeigte. In Bezug auf den Procentgehalt an feinsten Theilen 
kommt er dem von mir früher untersuchten Bördelöss am Wege 
zwischen Borustedt und Drakenstedt gleich. Mit dem Höhenlehm 
von II aida bei Freiberg i) , welcher nach den Untersnchnngen 
von R. Sachsse einen Staubgehalt von 43,6 — 47,0 pC't. nud einen 
Gehalt an feinsten Theilen von 43,3 — 46,6 pCt. besitzt, lässt sich 
die untersnchte Probe von Vienenburg nicht vergleichen, denn sie 
steht trotz ihres verhältnissmässig hohen Gehaltes an gröberen 
Bestandtheilen, ganz abgesehen von ihrem Kalkgehalt, in Bezug 
auf das charakteristische Praevaliren des Staubgehaltes^) 
(60,79 pCt.) dem typischen Löss bei weitem näher als der 
Höhenlehm von Haida und der von Sauer zum Vergleich mit 
diesem heraugezogeue Meissner Löss aus der Ziegeleigrube beim 
Rothen Hanse, welcher in seiner mechanischen Zusammensetzung 
dem Ilaidaer Höhenlehm sehr ähnlich ist. Dem Letzteren analoge 
Bilduimen kommen meines Wissens am Harzraude nicht vor. 

O 

Leppla^) weist daraufhin, dass die Uebereiustinnnung der 
Bauschanalyse des Ilaidaer Lehms mit derjenigen des numittelbar 
unter der Ackerkrume entnommenen, entkalkten Löss von Meissen 
für die odeichartigre und o-leichzeitio-e Entstehuno; beider Bilduufien 
garniehts beweist, sondern dass sie »höchstens geeignet sein kann, 
auf einen ähnlichen Ursprung der sandigen und thouigen Bestand- 
theile beider schliessen zu lassen«. Ferner hebt er hervor, dass 
der Deutniiü; des Höheulehms als einer mit der Bildnmi; des Löss 
Meichzeitio-en Ablaa'eruno' durch Wind der Mangel au Kalk im 

O O O O o 


') Erläuterungen zur geol. Specialliarte des Königrciclis Sachsen. A. Saueh, 
Section Freiberg, S. 88. 

2) Vergleiche F. Wahnschaffe , Die Quartärbildungen der Umgegend von 
Magdeburg u. s. w. S. Ü8 — 30. 

A. Sauer, Section Meissen, S. 28. 

9 Zur Lössfrage. Geognostische Jahreshofte. Jahrg. II, 1889, S. 176 — 187. 


F. WAHNScnAifFis, Beitrag zur Lössfrage. 


343 


Ilöheiilelim widerspricht, da für die vorausgesetzte Auslaugung 
von Sauek keine Belege beigebracht seien. Für die Pfalz hat 
Leppla nach meiner Ansicht den Nachweis geführt, dass der 
dortige ITöhenlehin nicht als ein entkalkter Ivückstand des östlich 
davon anftretenden Löss angesehen werden darf. Seine Aus- 
führungen über den Kalkgehalt des Löss sind sehr beachteuswerth. 
Auch für den Bördelöss ist, wie schon oben bemerkt, der Kalk- 
gehalt charakteristisch und wurde mit dem Lössschlamm zugleich 
abgesetzt, wie dies ganz natürlich erscheinen muss, wenn man den 
norddeutschen Kandlöss als ein feines Ausschlämmnngsprodnkt 
der kalkhaltigen Grnndmoräne des norddeutschen Inlandeises aii- 
sieht. Auch Jenny ^), welcher unter Verwerthung der Baltzer’- 
schen Beobachtungen sehr eingehende Untersuchungen über Löss 
und lössähnliche Bildungen in der Schweiz jüngst veröffentlicht 
hat, kommt zu dem Kesultat, dass der typische schweizerische 
Löss von Basel, Aarau und dem st. gallischen Rheinthal als ein 
Ilochfluthschlamm anzusehen sei, der am Ende der Glacialzeit aus 
der erratischen Schuttbedeckung des Landes und aus den Moränen 
entstanden sei. 

Der Einwand von Koenen’s gegen die von mir ange- 
nommene Anstauung der Schmelzwasser durch den Band des 
nordischen Inlandeises, welcher sich darauf stützt, dass sich Reste 
von Mammuth, Rhinoceros u. s. w. , abgesehen von Spalten und 
Klüften im anstehenden Buutsandstein, in der Göttinger Gegend 
ausschliesslich in Kies und Gerölleschichten der Thalsohle linden, 
und dass »daher die Flüsse der Glacialzeit annähernd in demselben 
Niveau geflossen sein müssen, wie diejenigen der Jetztzeit« ist ohne 
Belang. Die diluvialen Flussschotter des Harzvorlaudes gehören 
einer älteren Periode an als die Lössbildungeu und können, wie 
ich schon früher hervorgehoben habe, bis in die älteste Zeit des 
Quartärs zurückreicheu, während der Lössabsatz beim Beginn 
der Abschmelzperiode stattfand. Die hoch über dem Niveau 


') Mittheilungen der Naturforschenden Gesellscli. in Bern 1889, S. 115 — 154. 
Beitrag zur Kenntniss von Dislocationen. (Jalirb. d. KÖnigl. preuss. goql. 
Landesanstalt für 1887. Berlin 1888, S. 4GÜ.) 


344 


F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


der Flüsse sowohl im Harz wie iii Thüringen in den Thälern 
vorkomnienden Schotterterrassen, welche nicht durch Dislocationen 
ihre gegenwärtige Lage erhalten haben, weisen ausserdem darauf 
hin, dass die Flüsse in der Glacialzeit vielfach in weit höherem 
Niveau als gegenwärtig geflossen sind. 

Der Bemerkung Sauer’s (S. 18) gegenüber, dass sich echte 
jüngere Gehängebildungen, entstanden dnrch lokale Vermischung 
mit unterlagerndem älteren Flussschotter, immer leicht erkennen 
lassen nnd dass die sächsischen Geologen niemals daran gedacht 
haben, derartige Schotterlehme für gleichwerthig mit dem Platean- 
löss anznsehen, kann ich nur auf meine frühere Arbeit i) ver- 
weisen )ind erklären, dass in der Gegend von Wernigerode dem 
Löss nahestehende und mit Schottermaterial mehr oder weniger 
reichlich durchsetzte lössartige Lehme nicht nur am Gehänge der 
Thäler, sondern auch auf dem Plateau entwickelt sind und dass 
sie in echte Lösse übergehen. 

Am Schluss sagt Sauer: »Wahnschaeee timt Unrecht daran, 
den Werth der aus Nehring’s exakten Beobachtungen gezogenen 
Schlüsse zu blossen »zoologischen Erwägungen« herabzumiudern, 
welche den »geoguostischen Ergebnissen« gegenüljer noch nicht 
als Ausschlag gebend angesehen werden könnten. Damals noch 
nicht! Aber doch vielleicht jetzt, darf mau hinzufügeu, da sich 
aus vorstehenden Mittheiluugen ergeben hat , dass Nehring’s 
»zoologische Erwägungen« sich mit den geoguostischen Ergeb- 
nissen in dem schönsten Einklang befinden«. 

Dieser Schlusssatz Sauer’s, welcher auf einem gänzlichen 
Missverständuiss meiner Ausführungen beruht und nur durch eine 
flüchtige Keuntuissuahme derselben möglich war, ist zu meinem 
Bedauern auch von Nehring abgedruckt worden. Dies veran- 
lasst mich, den mir gemachten Vorwurf als völlig unberechtigt auf 
das Entschiedenste zurückzuweisen. Ich habe seinerzeit, nachdem 
ich PoHLiG gegenüber in Uebereiustimmung mit Nehring den 


b Mittheilungen über das Quartär am Nordrande des Harzes. (Zeitsclir. d. 
Deutsch, geoh Ges. 1885, S. 903 — 904.) 

b Sitzungsber. d. Ges. naturf. Fi'ennde zu Berlin. No. 10. 1889. S. 189 — 190. 


F. Waiinschaffe, Beitrag zur Lössfrage. 


345 


lüssartigen Charakter der Ablagerimgeii von Westeregelu und 
Thiede betont und auf die Unsicherheit der Angaben über das 
Vorkommen von Rhinoceros Merckü bei Westeregeln ebenfalls 
unter Berufung auf Nehring hingewiesen hatte, folgendes^) ge- 
schrieben : 

»Neiiring, welcher anfangs die lössartigeu Bildungen von 
Thiede und Westeregeln für jung- diluvial hielt, neigt jetzt der 
PENCiv’scheu Auffassung zu. Es spricht jedoch nichts dagegen 
und vieles dafür, dem Löss der Magdeburger Gegend und der 
von ihm eingeschlossenen Fauna ein jung-glaciales (jung-diluviales) 
Alter zuzuschreiben, wie dies bereits früher geschehen ist. Die 
zoologischen Erwägungen , welche zu anderen Anschauungen ge- 

O O O z o o 

führt haben, können den geognostischen Ergebnissen gegenüber 
noch nicht als Ausschlag gebend angesehen werden.« 

Es handelt sich hier also thatsächlich garnicht um die Frage 

O ö 

der Entstehung des Ivöss, wie mau aus Saoer’s Darstellung ent- 
nehmen muss und noch weniger um »den Werth der aus Nehring’s 
exakten Beobachtungen gezogenen Schlüsse«, sondern lediglich 
um die Altersstellung des Löss, und hierin stimmt ja Sauer 
auf Grund der geognostischen Ergebnisse völlig mit mir überein, 
indem er den Löss eingangs als eine »jungcpiartäre Lehmbilduug« 
bezeichnet und S. 19 bemerkt: »Was nun die Altersbeziehungen 
der Lössablagerungeu zu dem ül)rigen Diluvium betriftf, so stimmen, 
wie das Wahnschaffe mit liecht hervorhel)t, alle Beobachtungen 
aus dem Gebiete norddeutscher Lössablagerungen darin überein, 
dass der Löss stets die oberste Deckschicht des Diluviums bildet, 
also das jüngste Glied des gesammten Diluviums darstellt«. 

Mein Ausdruck »zoologische Erwägungen« ist demnach gar- 

O ö <T> Ö 

nicht gegen NehrinG gerichtet, sondern bezieht sich, wie aus dem 
weiteren Zusammenhänge klar hervorgeht, auf die schon vor 
mir durch Neiiring selbst zurückgewiesenen iSchlussfolgerungen 
Poiilig’s. 

Ich erkenne den hohen Werth der NEURiNG’schen Unter- 


b Sitzungsber. d. Ges. natiirf. Freuride zu Berlin. No. 3. 1888. S. 40. 
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1888, S. 27'2. 


346 


F. Wahnschai'Fe, Beitrag zur Lössfrage. 


sucbiingen über die Steppeufamia in vollem Maasse an, halte es 
jedocb für nnberecbtigt, ans dem Vorkommen einer Steppen- 
fauna bei Tbiede und Westereo-eln die, aeoliscbe Entstebunfr 

O Ö 

der dort atiftretenden Löss- und lössähnlicben Ablagerungen 
zu folgern, um so mebr, als Neiiuing selbst vielfach bervor- 
geboben bat, dass eine Steppe nicht extrem, also nicht wüsten- 
älmlicb zu sein l)raucbt, sondern von dem Charakter der Oren- 
burgiseben und südwestsibiriseben Steppen. Neiiring bat neuer- 
dings wiederum die Ansicht ausgesprochen, dass sich aus einem 
als richtig zugegebenen steppenartigen Hauptcbarakter der Land- 
schaft mit continentalem Klima » viele andere Schlussfolgerungen 
von selbst, namentlich auch in Bezug auf die Mitwirkung des 
AVindes bei Bildung der lössartigeu Ablagerungen von Westeregeln 
lind Thiede« erü:el:)eu. Demgegeniiber muss darauf hingewiesen 
werden, dass die Steppen zwischen Wolga und Irtysch, auf welche 
Neiiring immer Bezug nimmt, oberflächliche Bildungen von sehr 
verschiedenartiü'er Entstehung: aufweisen. Ich erinnere hier nur 
an die in grosser Ausdehnung in den Steppeu von Samara vor- 
kommenden marinen Ttione und Saude des aralokaspischen Beckens 
und au die fluviatilen Terrasseulehme am West- und Ostalihange 
des Ural 2). Aus dem Vorhaiidensein einer Steppenfauna kann 
wohl auf eineu steppenartigen Charakter der Landschaft (Wald- 
armuth) in einem bestimmten Zeitabschnitt geschlossen werden, 
niemals aber auf die Entstehungsweise der in der Steppe auftretenden 
geologischen Bildungen, welche sehr verschiedenen Ursprungs sein 
können. 

h Ueber den Charakter der Quartärfauna von Thiede bei Braunschweig. 
(Neues Jahrb. f. Min. etc. 1889, I, 86.) 

Vergleiche; S. Nikitin, Compte rendu preliminaire des recherches geo- 
logiques exeeutces en 1887 dans les gouvcrncmenls de Samara et de Kazane. 
Kesurae p. 1 1 u. 12. — S. Nikitin et P. Össoskov, La region transvolgiennc 
de la fcuille 92 de la carte geologique generale de la Russio. 1888. Resiinie 
p. 32 u. 33. Referat darüber im N. Jahrb. für Min. 1890, I, S. 329 u. 330. — 
Th. Tschernyschew , Feuille 139 de la carte geol. generale de la Russie 1889. 
(Besclireibung des Central-Urals und des Westabhanges.) — J. Slowtzow, Fund 
von Gegenständen der Steinzeit bei Tjumen au der Tura. Referat im N. Jahrb. 
für Min. 1887, I, S. 321. 


Die Soolboliruugen 
iiri Weielibilde der 8tadt Berlin. 

Von 11 erni G. Berendt in Berlin. 

(Hierzu Tafel XXVIIL) 


Sannntliche Berliner Soolholnnnüen sind Tic'fbohrnncen und 

ö «“D 

zwar die tiefsten l)islier in Berlin s:estossenen. Wie iin Allire- 
meinen, so hat sich auch in Berlin der Begriff »Tief hohrnng« seit 
dem letzten Jahrzehnt — haii[)tsächlich wohl in Folge des immer 
allgemeiner in Auwendnng gekommenen Wasserspülverfahrens — 
sehr schnell erweitert oder vielmehr verändert. 

Noch bis zum Jahre 1879 Marren die Bohrungen auf dem 
Grundstück der Maschinenbauaustalt von Kraft & Knust in der 
x\ckerstrasse, auf demjenigen des Geheimen Kommerzienrath 
IT an sein an n in der Thierofartenstrasse und die alte sogen. Otto- 
sehe Bohrung im IvönigT. Friedrich- Wilhelms-Institut (Pepiuiere) in 
der Friedrichstrasse (bei Bahnhof Friedrichstrasse) mit noch nicht 
100 Meter die tiefsten. Sie hatten sämmtlicdi nur die unter dom 
Berliner I3ilnvinm lagerndeMärkische Braunkohlenbildung erreicht^). 

Im genannten Jahre, 1879, erreichte zum ersten Male die 
WiGANKOM^’sche Bohrung in der Chausseestrasse und gleich darauf 
auch eine solche iin Admiralsgartenliade in der Friedrichstrasse 
No. 102 nahe dem Bahnhof Friedrichstrasse und gegenüber dem 


9 Dieses Jahrb. für 1883, S. 643. 


348 Gr. Bekbndt, Die Soolbolirungen im Woiclibilde der Stadt Berlin. 


alten OTTO’sclien Bohrloclie zum ersten Male den die Märkische 
Branukolilenbildung nntertenfendeu mitteloligocäuen Septarientlion^). 
Von nun au endeten alle späteren Tiefbolirungen mit Rücksicht 
auf die in dem gleichzeitigen Spandaner Tiet'l)ohrloche auf 1 60 Meter 
festirestellte Mächtiokeit der "enaunten Thoidjildnng bei Erreichuno; 

ö Ö Ö O O 

derselben, oder bald darauf, also mit 130 — 150 Meter Tiefe. 

Erst im Jahre 1887 wagte die Leitung des genannten Admirals- 

o o o 

garteubades auf den Rath des Berichterstatters hin den Versuch, 
diese Thonbildnug zu durchsinken, um springende, sei es süsse, 
sei es salzige AVasser zu erlangen. Dieser, nicht unbedeutende 
Kosten verursachende Versuch wurde mit Eifolg gekrönt, der Sep- 
tarieuthon bei 230 Meter Tiefe* durchsunkeu und in dem nnter- 
la-gernden glankonitischen Sande bei 234 Meter Tiefe zu Tage 
anslliesseude beinahe 3 procentige (2,7 pCt. Kochsalz) Soole er- 
schroten ^). 

Das erste Soolbohrloch war für Berlin damit geschafi'en und 
habe ich bereits in der Jannar-Sitznug des Jahres 1888 der 
Deutschen geologischen Gesellschaft darüber näher berichtet-^). 
Von nun an folgten schnell behufs weiterer Anfsnehung von Soole 
und um sich durch Deckung des Feldes auf Grund weiter ein- 
zulegender Muthnugen gegen Ausnutzung der Soole seitens 
Anderer zu schützen, eine Reihe von Bohrungen, zunächst inner- 
halb des Weichbildes der Stadt Berlin, welche sämmtlich dem 
Ünter-Üligocän entsteigende Soolqnellen ergaben. 

Nur von diesen in der Stadt selbst gestosseneu Tief- 
bohrlöchern soll im Folgenden die Rede sein, während ein 
Bericht ülier die in der Umgegend Berlins theils von der Gesellschaft 
des Admiralsgartenbades, theils von Privaten zu gleichem Zwecke 
gestosseneu Bohrungen Vorbehalten bleibt. Erwähnt sei nur, dass 
deren drei zur Zeit gleichfalls schon mit Erfolg gekrönt sind, zwei 


*) Näheres siehe in G. Beiucndt, Das Tertiär im Bereiche der Mark Branden- 
burg, enthalten in Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wissenseh. zu Berlin 1885, XXXVIII. 
Zeitschrift d. Deutsch, geol. Ges., Jahrg. XL, 1887, S. 102. 

Der Soolquellen-Fund im Adrairalsgartenbade in Berlin, enthalten in 
Zeltschr. d. Deutsch, geol. Ges., Jahi'g. 1888, S. 102. 


G. Bkründt, Die Soolbolimngen im Weiclibilde der Stadt Berlin. 


349 


andere noch mit Scliwierirrkeiteu bei der Ansfiihnmir der Bohriiiiir 
zu kämpfen haben, namentlich aber die Untersuchungen über das 
geognostische Alter des bei vieren derselben erreichten älteren, als 
Tertiär-Gebirges noch nicht völlig abgeschlossen sind. 

Von sämmtlichen in der Folge beschriebenen Bohrlöchern 
wurden mir die Bohrprol)en seitens der Direction des Admirals- 
gartenbades in dankenswerther und zuvorkommendster Weise zur 
Verfügung gestellt, so gut dieselbe im Staude war, die Proben 
überhaupt durch die Bohrmeister zu erhalten. Obgleich solches 
bei einzelnen Bohrlöchern nur in mangelhafter Weise möglich war, 
so giebt die Zusammenstellung der Bohrproben aus sämmtlichen 
Bohrlöchern, wie sie sjeffenwärtia; im Vluseuin der Geoloo'ischen 
Landesanstalt aufbewahrt wird, doch ein bisher nicht annähernd 
vorhanden gewesenes, ausgezeichnetes Bild des vor 10 Jahren 
noch unbekannten tieferen Untergrundes der Stadt Berlin. 

1. Das zweite Soolbolirlocli im Admiralsgarteiibade, 

Berlin N., Friedrichstrasse No. 101. 

Nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern weil in der 
That seit Frschrotnng jener ersten Soolquelle am 10. December 1887 
wenige Meter von diesem Bohrloche entfernt eine zweite Sool- 
I)ohrung im Admiralsgartenbade niedergeliracht wurde, l)eginne ich 
noch einmal mit der Schichtenfolge im Admiralsgartenbade sell)st. 
Die Nebeueinanderstellung beider bis in annähernd gleiche Tiefe 
hier gestossener Bohrlöcher ist auch um deswillen lehrreich, weil 
sie zeigt, wie wenig zuverlässig, einerseits in Folge des für die 
Bohrung seihst so vortheilhaften WasserspCilverfahrens, anderer- 
seits al)er namentlich in Folge der geringen Achtsamkeit der 
Bohrmeister, doch noch alle Angaben über die Mächtigkeit der 
durchsunkenen Schichten bleiben^), selbst wenn dieselben, wie in 

b Eine genaue Feststellang der Tiefen, namcntlicli betreffs der unteren 
Gi’onze des Septarienthones und Hinsichts des ersten Aufsteigens der Soole wurde 
s. Z. bei der damals erst beabsichtigten Soolbolirung i:; Aussicht gestellt. In 
wie fern dic.se Erwartung gerechtfertigt worden ist, muss dahin gestellt bleiben. 
Eine wirklich genaue Feststellung des letzteren Punktes wenigstens hat nicht 
stattgefunden und kann ich auch diesmal nur wiederholen, dass die durcli einge- 


350 G-. Berendt, Die Soolbobrungen im WeicLbilde der Siadt Boiiin. 


diesem Falle, durch Bobrprobeu von böcbstens 2 Meter Entfernung 
belegt worden sind. Darf man auch auf der Grenze zwiscben 
Diluvium und Tertiär Unreo;ebnässia:keiten und Abweicbnno'eu 
selbst in der nocb uicbt 10 Meter betragenden Entfernung beider 
Bobrlöcber mit Recht aunehmen, so doch kaum in dem Grade 
innerhalb des, wie der Gesammtnberblick der Berliner Bohrungen 
lehrt, im Ganzen hier sehr regelmässiff abo-elao-erten Tertiärs. Die 
Bohrlöcher sellist sind in der folgenden Uebersicht den thatsäch- 
lich im Admiralsgartenbade vorhandenen Verhältnissen (loc. cit. 
pag. 103) entsprechend mit III und IV bezeichnet. 

Schichten-Verzeichniss 

der beiden Soolbohrlöcher Berlin N., Friedrichstrasse No. 102. 


Bohrloch No. III 



Bohrloch No. IV 

Tiefe 

Mächtig- 

Gebirgsart 

Formation 

Mächtig- 

keit 

Tiefe 

in 

in 



in 

in 

Hetern 

Metern 



Metern 

Metern 

Proben fehlen 

Aufgefüllter Boden 

Alluvium 

2 

0-2 



Moorerde 


2 

2-4 

7—50 

'43 

Spathsande u. Grande 

Diluvium 

46 

4-50 

50-56 

6 

Kohlen- Geschiebemergel 


0,5 

50-50,5 

56-58 

2 

Kohlenletten 

Märkische 

Braunkohlen- 

3,7 

50,5—54,2 

58— SS 

30 

Guarz- u. Kohlensande 

Bildung 

3S,8 

54,2-93 

88-135 

47 

Feiner Quarz- und 
Gliramersand 

Ober-Oligoeän 

44 

93-137 

135—230 

95 

Septarienthon 

Mittel- 

Oligocän 

100 

137—237 



Glaukonitische Sande 

Unter- 

Oligocän 



230-234 

4 + 

mit Sandstein-Bänkchen 

19 + 

237-256 


oder Knollen 




Die im ersten der beiden Bohrlöcher von 0 bis 7 Meter 
fehlenden Bohrproben sind durch die zweite Bohrung ersetzt. Bei 


lagerte Septarien und schliesslich durch die Sandsteinbänkchen ini Unteroligocän 
sich bietenden Hindernisse die Aufmerksamkeit des Bohrmeisters so in Anspruch 
nahmen, dass eine genaue Tiefenbeobachtung und strenge Führung eines Bohr- 
registors nicht gut zu erlangen war. 


G. Bkrendt, Die Soolbolirungen im Weichbilde der Stadt Berlin. 351 


etwa 43 Meter fond sich das Bruchstück einer Paludina diluviana 
und zwischen 48 und 50 Meter Tiefe (46 — 48 Meter des Bohr- 
loches III) wurde durch zahlreiche Schaaleu dieser Süsswasser- 
schuecke, die unter Berlin allinälig in dieser Tiefe als ziisammen- 
hängende Schicht sich erweisende, über 1 Meter mächtige Palu- 
dinenbank wiederum nachgewiesen. Das am Grunde des Diln- 
vinms als Kohlen- Geschiebemergel kurzweg von mir bezeiclmete 
Gelnlde ist eine vorwiegend oder doch znm grossen Theil ans 
zerstörtem Tertiär gebildete Grenzschicht, wie sie aus einer 
innig-en Durchknetimg; des kalkfreien schwarzbrannen Kohlen- 

Ö ö 

letten mit den kalkhaltigen Granden und Sanden des Diluviums 
entstehen musste. 

Die aus Kohlenletten, weissen Quarz- und durch milchige 
Chokoladeufarhe bis ins Tiefbranne gehenden Kohlensanden be- 
stehende märkische Brannkohlenbildung von 56 — 88 Meter Tiefe 
rnnss nach früheren Ausführungen bereits dem Miocän zuge- 
sprochen werden, während die feinen Qnarz- und Glimmersande 
ebenda bereits als der oberoligocäne Meeressand sjekennzeichnet 
wurden ^). 

Ei ne Anzahl vom Bohrer völlig zei’stossener nnd daher zwar 
nicht genauer bestimmbarer, doch aber in der charakteristischen, 
nrsprünglichen Erhaltung der marinen tertiären Formen noch 
deutlich erkennbarer Schaalreste innerhalb des Septaiienthoncs 
bewies, dass derselbe nicht überall, wenigstens nicht in allen 
seinen Schichten so versteinerungsarm, ja leer ist, wie er sich im 
Grossen und Ganzen in den Berliner Bohrungen gezeigt hat. 

Die von 230 oder 237 Meter an folgenden glaiikonitischen 
Sande und Sandstein -Bänkchen dürfen nach Analogie des Span- 
daner Bohrloches^), sowie des Moabiter (siehe nnten), in welch’ 
ersterem sie durch Ostrea ventilahrum gekennzeichnet wurden, 
wohl mit Recht auch hier bereits dem Uuter-01ig:ocän zugerechnet 
werden. Innerhalb dieser Sandschichten nnd zwar nach Dnrch- 


0 G. Berendt, »Das Tertiär im Bereiche der Mark Brandenburg.« Sitzungs- 
ber. d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1885, XXXVIll. 

S. a. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXXVlII, 1886, S. 255. 
a. a. 0. Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch und Zeitschr. d. Deutsch, 
geol. Ges., Jahrg. 1880, XXXII, S. 821. 


352 G- Berendt, Die Soolbolirungen im Weicbbikle der Sladt Boilin. 


stossung eines jener Sandsteinbänkchen (nach der etwas nusicheren 
Angabe beim ei’sten Bohrloch (No. III) schon in ungefähr 232 Meter, 
nach dem Bohrregister der zweiten Bohrung (No. IV) nicht vor 
237 Meter Tiefe) wurde sodann in beiden Fällen die im Bohr- 
loche anfsteigende und zu Tage ausfliessende Soolquelle erreicht. 

Die Soole selbst, von welcher ich s. Z. (1888) in der Januar- 
Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft, ebenso wie Amn 
der gesammten Gesteinsfolge Proben vorlegte, soll am Schlnss- 
abschuitt in Gemeinschaft mit den Ergebnissen der anderen 
Bohrungen näher bespi’ocheu werden. Ihr Gehalt an Kochsalz 
beträgt nach der doi’t gegebenen genauen Analyse 2,7 Procent 
Ihre Temperatur wurde durch Prof. II. Fresenius a,m 24. Ja- 
nuar 1888 bei einer Lnfttemperatnr von 5*' C. oder 4^ R. zu 
15,2*^ C. oder 12,16*^ R. ermittelt. 

2. Das Soolbohrlocli der Soolquelle Boiiifacius, 

Berlin W., Lützowstrasse No. 74. 

Bereits am 1. October 1888 erreichte die im Frühjahr genannten 
J aln •es begonnene Bohrung in der Lützowstrasse die Tiefe von 
249,5 Meter, musste jedoch einer Verstanchnng der Röhrentonr 
halber, nachdem schon vorher zu Tage tretende Soole nachgewiesen 
war, eingestellt werden. Erst eine zweite, in unmittelbarer Nähe 
niedergebi’achte Bohrung gelang und liefert heute ans der Tiefe 
von 206 Meter, in welcher sie bei ansfliessender Soole schon ein- 
gestellt wurde, den Bedarf für die dort errichtete Zweig- Bade- 
anstalt des Admiralsgartenbades. 

Theils durch das bei allen Berliner Tiefbohrnu£ren o-eo-en- 
wärtig angewandte Wasserspülverflxhren , theils durch die wenig 
sachgemässe Art der Probeentnahme sind die einzelnen Gebirgs- 
arten in den Proben so wenig kenntlich und charakteristisch, dass 
bei dem gleichzeitigen, völligen Fehlen organischer Reste die 
ffeoo-nostische Altersbestimmnno; z. Th. nur durch Vero-leich mit 
den anderen Berliner Bohrungen möglich wurde, z. Tli. (von 212 
bis 250 Aleter) noch offen bleiben musste. Dennoch ergab sich 
auch auf Grund dieses mangelhaften, in Ermangelnng eines besseren 


G. Berendt, Die Soolbohi'iingen im WoicLbiicle der Stadt Berlin. 353 

immerhiu wertlivolleu Materials, wie das folgende danach anf- 
gestellte Bobrverzeiehniss ergiebt, ein in Verbindung mit dem 
vorigen Bobrlocb für die Lagerimgsverbältnisse unter Berlin recht 
charakteristisches Bild. 


Schichten - Ve r z e i c h n i s s 
des Bohrloches Berlin W., Lützowstrasse No. 74. 


Tiefe 

in 

Metern 

Gebirgsart 

Mächtigkeit 

in 

Metern 

Formation 

Bemerkungen 

0-5 

5-41,3 

Tbalsand 

Spathsand u. Grand 

5 ) 

41,3 

36,3 ' 

Diluvium 

Bei 23 — 25 Meter 
mit Gerollen und 
Geschieben. 

41.3- 46,5 
46,5—57,7 
57,7—58 

58—74,4 

74.4- 80,2 
80,2-90,55 

Braunkohlenletten 

Kohlensand 

sehr sandiger Koh- 
lenletten 

Kohlensand ') 
Glimmersand 
Kohlcnsand u. Kies 

5,2 A 

11.2 i 

0,3 f 

> 49,2 
16,4 / 

5,8 \ 

10.3 1 

Miocäne 

Märkische 

Braun- 

kohlen- 

Bildung 

Sohr dunkel. 
Dunkel. 

lim letzten Meter 
{ von Braunkohle 
( dunkelfarbig. 

90,5—130 

Glimmersande 
mit ein gelagertem 
Letten- oder Thon- 
bänkchen 
bei 115 Meter 

39,5 

Ober- 

Oligocän 

Von 114,6—115,2 
Meter Thonbänk- 
chen. (Probefehlt.) 

130-206 

Schwach kalk- 
haltige Thone mit 
ein gelagerten 
Septarien 
( Septarienthon) 

76 

Mittel- 

Oligocän 

Bei 148 und 175 
bis 176 Meter zer- 
stossene Septarie. 

206—212 

Glaukonit. Sand 

6 

Unt. Oligoc. 

Fein. 

212—249,5 

Feinsandige z. Th. 
glimmerhaltige 
Thonmergel mit 
Schwefelkies- und 
Thon - Knollen 

37,5 

? 



249,50 


*) Von 58 — 60 Meter grobkörnig. Bei 63 Meter feiner und glimmerhaltig. 
Von 66 — 68 Meter fein. 


Jahrbuch 1889. 


23 


354 G. Berendt, Die Soolboliruiigeii im WeicIibiUle der Stadt Berlin. 


Der Umstand, dass die zweite Bohrung an dieser Steile über- 
haupt uur bis 206 Meter hiuabgeführt wurde uud die Soole bereits 
aus dieser Tiefe bis zur Oberfläche steigt, wo sie frei ausfliesst, 
beweist deutlicb, dass auch hier der, wie Bohrloch Spandau und 
Bohrloch Moabit (Paulstr. 6) bewiesen haben (siehe S. 354), uiiter- 
oligocäue glaukouitische Saud von 206 — 212 Meter das die Soole 
führende Gebirgsmittel ist, innerhalb dessen sie durch das undurch- 
lässige, au dieser Stelle 76 Meter, in Moabit 83 Meter, in der 
Friedrichstrasse No. 8 schon 90 Meter, im eigentliclieu Admirals- 
gartenbade 94,5, in Spandau (a. a. O.) sogar 1 59,5 Meter mächtige 
mitteloligocäue Thoulager trotz ihres starken Druckes bisher zu- 
rückgehalteu wurde. 

Die, wie erwähnt, aus 206 Meter Tiefe aufsteigende und zu 
Taa:e ausfliesseude Soole hat, wie die im Schlussabschnitt o-eo-ebene 
genaue Analyse zeigt, einen Kochsalzgehalt vou 2,4 pCt. Die 
Temperatur derselben, am Auslauf gemessen, wurde am 13. Juni 
1889 durch Prof. II. Fkesenius zu 13,2 *^C. oder 10,56® R. fest- 
gestellt. 

3. Das Soolbolirlocli der Soolqnelle Martha, 

Berlin S. , Friedrichstrasse No. 8. 

Die in gleicher Weise wie die vorgenauuteu Bohrungen und 
wie auch alle folgenden nach dem Wasserspülverfahreu ausge- 
führte Bohrung wurde am 3. Alärz 1888 begonnen und am 
2. October genaunten Jahres in eiirer Tiefe vou 250 Meter zu 
Ende geführt, nachdem schon in ungefähr 230 Meter Tiefe zu- 
erst Soole zu Tage getreten war. Leider sind auch hier die 
schon in Folge der Wasserspülung schwer zu beurtheilenden 
Bohrproben vou dem betreffenden Bohrmeister trotz persön- 
licher Unterweisung nicht nur recht mangelhaft gesammelt 
worden, sondern fehlen unterhalb 216 Meter gänzlich. Zwar ist 
man berechtigt, aus dem Aufsteigeu der Soolqnelle aus diesen 
Schichten, bei noch dazu ungefähr gleicher Tiefe wie im Admirals- 
gartenbade selbst, auch auf die gleichen uuteroligocäneu Sande 
wie in den übrigen Berliner Bohrungen uud s. Z. auch in dem 
Spaudaner Bohrloch (s. oben) zu schliesseu. Allem es bleibt da- 


G. Berendt, Die Soolbohriingen im Weichbilde der Stadt Berlin. 355 

hingestellt, ob der mitteloligocäue Septarienthon ebenfalls bis uu- 
gefäbr 230 Meter Tiefe binabreicbt, oder schon mit 216 Meter 
endet. Dahingestellt bleibt daher auch die genaue Tiefe, aus 
welcher der Ausfluss der angeblich aus ungefähr 230 Meter zu 
Tage getretenen Soole stattfiudet. Diese selbst, deren genauere 
Analyse sich im Schlussabschnitt findet, hat einen Kochsalzgehalt 
von 2,4 pCt. und zeigte am 12. Juni 1889 nach Ermittelung des 
Prof. Dr. H. Fresenius, am Auslauf gemessen, eine Temperatur 
von 15,6'^ C. oder 12,48® R. 

Schic hten-Verzeichuiss 
des Bohrloches Berlin S., Friedrichstrasse No. 8. 


Tiefe 

in 

Metern 

Gebirgsart 

Mächtigkeit 

in 

Metern 

Formation 

Bemerkungen 

0-9 

9—14,2 

14,2—45 

45—47 

47—126 

Spath-Sand und 
Grand 

Geschiebemergel 

Spath-Sande und 
Grande 

Mergelsand 

Spath-Sande und 
Grande 0 

9 \ 

5,2 f 

30,8 \ ]26 

2 \ 

79 ] 

Unteres 

Diluvium 

,Bei 44— 45 Meter 
1 Bruchstücke von 
j Paludina diluvi- 
’ ana Kuntii. 

126-216 

Schwach 

90 




kalkhaltige Thone 


IVL i L L d “ 



(Septarienthon) 


Oligocäu 


216-230 

Thon oder Sand 

14 ) 

? Unter- 

1 



34 


{ l^roben leiilen. 

230-250 

Sande 

20 

Oligocän 

( 


4. Das Soolboludocli der Soolqiielle Louise, 

Berlin S. , Oranienplatz (Louisenufer No. 22). 

Im Mai 1888 begonnen, wurde die Bohrung am 30. Oc- 
tober desselben Jahres nach schon etwas früher erfolgter Er- 
schrotuug zu Tage tretender Soole in einer Tiefe von 248 Meter 

0 Bei 74 — 76 Meter Gerolle und Geschiebe. Bei 110 — 1 12 Meter Glimmer- 
sand. Bei etwa 114 Meter Thonmergelbänkchen 0,5 Meter mächtig. 

23* 


356 G-- Berendt, Die Soolbohrungon im Weiclibilde der Stadt Berlin. 


eingestellt. Die leider wie bei den beiden vorgenannten höchst 
dürftigen und seitens der Bohrarbeiter wenig sachgeinäss ent- 
nommenen Bohrproben, welche nnr für die oberen 100 Meter 
eiuigennaassen ausreichen, lassen sich doch durch Vergleitdi mit 
den einander ergänzenden Berliner Profilen, namentlich den 
besseren Proben aus den Bohrlöchern im Admiralsgartenbade 
seihst, zu dem folgenden Schichtenprofil deuten. 


S c h i c li t e n - Ve r z e i c h n i s s 
des Bohrloches Berlin O., Oranienplatz. 


Tiefe 


1 

Mächtigkeit 



in 

Gebirgsart 

in 

Formation 

Bemerkungen 

Metei'n 


Metern 



0-9 

Thalsand 0 

9 



Proben fehlen. 

9—11 

Sj>athsand und 
Grand 

2 




1 1-20 

Geschiebemergel 

9 




20-48 

Spathsand und 
Grand 

28 

116 

Diluvial- 

iBei 30 — 35 und 44 
( bis 45 Meter Paludina 
( dUuviana. 

48—60 

Mergelsand 

12 / 

Bildungen 


GO-62 

Paladinen - Thon- 
bank 

2 



Massiges Vorkommen 
V. Paludina dUuviana. 

G2— 88 

Spathsand 

26 




88—104 

Thonmergel 

16 




104—116 

Spathsand und 
Grand 

12 / 



Mit eingelagerten 
Thonschichtchen. 

116—140 

? Glimmersande 

24 

? Ober- 
Oligocän 

Proben fehlen. 

140 210 

Schwach 

kalkhaltiger Thon 
(Septarienthon)